Kapitel 12 : Jura

…bevor es zum heutigen Tag geht, noch ein paar Worte zum vergangenen Abend. Ich war, wie es jetzt warscheinlich auch niemanden verwundern wird, noch ein paar Bier im Pub meiner Wahl trinken. Dort lief ein Fußball Freundschaftsspiel zwischen Nigeria und Schottland, was die Schotten völlig überflüssigerweise nicht gewonnen haben (2:2), heute lese ich bei Spiegel online, das die Polizei wegen Manipulationsverdacht ermittelt…tzzz…, hat jedenfalls mal Spaß gemacht in Schottland ein Schottlandspiel zu sehen. Ich freue mich an der Stelle auch schon auf die kommende EM Quali, in der Deutschland dann auf Schottland und Irland trifft, das werden bestimmt ansprechende Events im Offside. Nach dem Spiel rückte überraschend noch eine Band an, die dann noch bis tief in die Nacht spielte…und das richtig gut, vier Mittzwanziger mit einer eigenständigen Interpretion von Celtic Folk, mit einem Schlagzeuger, der mit tricky hooks ein wenig Jazz beimischte, keine Schmonzetten, überwiegend instrumental, ich war begeistert. Der Ehemann unserer Vermieterin (bestimmt schon über 80…), wollte auch mitspielen, fiel aber rückwärts in das Schlagzeug…ich half mit, ihn da wieder hoch zu heben, er hatte sich nichts getan, deutete mir nur an, ja nichts zuhause zu erzählen… Heute wollte ich eigentlich zu den Port Ellen Maltings, das wollte ich neulich schonmal. Da diese Touren aber bereits um 10 Uhr beginnen und die Busse so ungünstig fahren, hatte ich aber auch heute früh keine Lust mehr darauf, die Maltings rennen ja nicht weg… Stattdessen machten wir uns Richtung Jura auf. Wir wurden von Bekannten mit dem Auto aufgelesen und konnten somit durchfahren. Jura ist die Nachbarinsel von Islay, sie ist etwa halb so groß, zählt aber nur knapp 200 Einwohner (gegenüber etwa 5500 Rothirschen), es gibt eine einzige Straße, die natürlich eine Single Track Road ist. George Orwell lebte hier und schrieb den Roman „1984“, die Paps (gäl. : Brüste) of Jura sind knapp 800 m hohe Berge, die das Landschaftsbild der gesamten Gegend prägen. Eine Whiskybrennerei gibt es auch, die Jura Distillery. Im Wesentlichen stammt sie aus den 1960ern und strahlt auch den architektonischen Charm dieser Zeit aus. Geschmacklich orientieren sich die Malt Whiskys von Jura eher an den Highlands als an den rauchigen Destillaten der Nachbarn von Islay. Die Festivalaktivitäten bei Jura waren auf jeden Fall deutlich mehr vorzeigbar, als gestern bei Bowmore. 6 verschiedene Jura Whiskys konnten gratis und unbegrenzt verkostet werden. Ich hielt mich sehr an die Festivalabfüllung, ein Batch aus verschiedenen Finishings ohne Altersangabe, ok… klingt nicht gerade aufregend, war aber durchaus sehr lecker. Auf dem Festival war auch Richard „The Nose“ Paterson, der so ziemlich bekannteste Masterblender der Welt zugegen, ebenso wie der ehemalige Distillery Manager Willy Tait, der letztes Jahr auch im Rahmen des Berliner Whiskyherbstes die Jura Brennerei repräsentierte. Das Hauptthema unserer Unterhaltung war ein trauriger Anlaß, der deutsche Repräsentant der Distillery und des Importeurs Borco, Helge Müller kam am Montag bein einem Autounfall ums Leben, er wurde nur 45 Jahre alt. Willy und Helge machten die Tastings im Team, sie kannten sich sehr gut. R.I.P. Helge. Ein Shuttlebus brachte uns wieder zur Fähre, nach 5minütiger Überfahrt nach Islay ging es dann mit dem Bus zurück nach Bowmore. Heute abend sind nochmal zwei Bands in der „Stadt“, ich werde da später mal vorbeischauen und vielleicht morgen etwas berichten, sollte es sich lohnen. Morgen steht Bunnahabhain auf dem Programm…, ich bin schon recht gespannt…

Juras Hauptstadt Craighouse mit Hotel und Distillery

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