Kapitel 11 : Bowmore

Langeweile bei Bowmore – Ulli beim murmeln…

Den Whisky von Bowmore vergleiche ich gerne mit einer Jugendliebe. Als ich vor geraumer Zeit anfing, mich für Malt Whiskies zu interessieren, war der Bowmore 12 Jahre und der Bowmore 15 Jahre (Mariner), damals noch mit dem direkt auf der Glasflasche bedruckten Label, sowas wie eine Initialzündung. Den üblichen Werdegang mit Jim Beam, später Glenfiddich oder sowas habe ich nicht mitgemacht. Ich interessierte mich vorher prinzipiell nicht für Schnäpse jeglicher Art, egal ob da Goldbrand, Wodka oder Macallan draufstand. Schnaps trank man nach dem Essen oder zum Besaufen, hopphopp rin in‘ Kopp und dann schnell ein angewidertes Gesicht verziehen…,mir war seinerzeit viel, viel wichtiger, daß genügend gutes und kaltes Bier vorrätig war. Nachdem ich Anfang der 1990er Guinness als Lebenselixier entdeckt hatte, wurde es noch eingleisiger…,aber dann kam irgendwann Single Malt auf den Tisch und es war halt Bowmore, der mich angefixt hat, oder man kann auch sagen, der mich versaut hat… Längst bin ich natürlich die Straße der großen Maltwhiskies einige Kilometer weitergelaufen und habe unzählige neue Bekanntschaften und auch Freundschaften mit Whiskys geschlossen, von denen ich damals noch nicht einmal im Entferntesten etwas geahnt hatte. Wenn ich dann heutzutage einen Bowmore 12y oder ähnliches im Glas habe, fühlt es sich für mich ein wenig so an, als würde ich meine Exfreundin aus ganz jungen Jahren wiedertreffen. Man erinnert sich schnell an gewisse Details im Geschmack, die man mittlerweile vergessen hat, man denkt an vergangene Zeiten und ist trotzdem froh, das man heute auf andere Sachen steht, die Exfreundin ist Nostalgie aber man möchte sie höchstens als Kumpel… (Etwas gegen diese These spricht allerdings die Tatsache, das der Bowmore vor 10-20 Jahren auch mal besser war, aber ok, damals war die Ex ja auch noch jung…) So, heute nun Whiskyfest im Hofe meiner ersten Whiskyliebe. Ich sage mal so, das mit der ersten Liebe galt ja dem Whisky, wenn das nicht so wäre, dann würde ich behaupten, die alte Liebe ist beliebig und geizig geworden, alte Schapracke quasi… Gerade einmal drei Stände waren aufgebaut, dazu ein LKW auf dem Livemusik gespielt wurde, die Ex Bowmore 12 konnte man bis zum Abwinken haben, alles andere durfte man schön bezahlen, noch nichtmal etwas zu essen wurde angeboten, da war ja selbst bei Caol Ila mehr los, traurig, …und das bei dieser großen Destille… Einziger Schnickschnack den es anderswo nicht gab, war sowas wie Murmeln mit Faßverschlüssen, wer ein Rechteck in ca. 3 Metern traf, bekam einen Freidram, wer das mittige Kreuz darin traf, gewann eine Bowmore Holzschaufel… Die Festivalbbfüllungen waren ein Bowmore Singlecask Whisky aus dem Bourbonfaß und ein 1989er für ein Geld, womit ich vor zwanzig Jahren zwei Monatsmieten mit hätte begleichen können (ok, kein Penthouse freilich, eher mit Ofenheizung…). Ich habe mir da lieber selber eine Flasche aus einem schönen Sherryfaß abgefüllt, super Stöffchen….aber ansonsten…schwache Leistung, Bowmore. Morgen sind zeitgleich die Destillen Kilchoman und Jura dran. Morgens will ich aber erstmal die Port Ellen Maltings besuchen, was danach kommt, weiß ich noch nicht, beide Brennereien sind ohne Auto schwierig zu erreichen, mal sehen, könnte kompliziert werden…

…Tomatohead beim bottlen…

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