Kapitel 8 : Bruichladdich

Bruichladdich hat viele Fans. Die Brennerei war lange geschlossen und wurde 2000 von einem kleinen, aber kompetenten Team von Leuten erworben, die mit wenigen Mitteln viel bewirken konnten. Im Mittelpunkt stand / steht der ehemalige Produktionsmanager Jim McEwan. Der Kaufpreis für die damals marode Brennerei lag bei etwa 7,5 Millionen Pfund, der Bestand der Lagerhäuser war nicht üppig. Mit McEwans teils unkonventioneller Art und Weise Whisky zu produzieren, wurde Bruichladdich schnell zu einer Art Kultbrennerei. Die Sammler waren begeistert, jedes Weinfaß, was irgendwo rumstand, wurde mit Whisky befüllt und gut verkauft. Innerhalb von 10 Jahren entstand ein Poll von Abfüllungen, wie es sie wohl nirgendwo anders gab. Dann kam der französische Konzern Remy Cointreau. Bruichladdich wurde 2012 von dieser Firma für etwa 58. Millionen Pfund aufgekauft, der Ausgangswert steht oben… Der Aufschrei war groß, die liebe nette unabhängige Brennerei in den Händen von geldgierigen Franzosen…, sicher habe ich auch bedauert, das sich das nette Konzept nicht ewig halten konnte, aber rein wirtschaftlich betrachtet, konnte es nicht besser laufen, schliesslich haben alle Leute 10 Jahre lang nur reingesteckt…und dann für diese Summe, Whiskyromantik beiseite, ein guter Deal, zumal sich die Firma Remy Cointreau auch noch nichts auf dem Whiskymarkt hat zu Schulden kommen lassen, es ist eh ihre erste Distillery. Heute nun war Volksfest bei Bruichladdich, die wohl einzige Veranstaltung, wo bestimmt ein Drittel Einheimische mitwirken, schließlich ist Sonntag und Bruichladdich genießt große Sympathien auf der Insel. Die erste Hürde war dorthin zu kommen, Ulli machte abends zuvor mit einigen Schotten einen Platz im Großraumtaxi klar, Sonntags fahren prinzipiell keine Busse auf Islay… Dort angekommen fiel erstmal die Schlange auf, die sich bereits für die Festivalabfüllung gebildet hatte. Es handelt sich um einen Octomore, 7 Jahre alt, aus Sherryfässern, 4fach (!!!!) destilliert, mit 69,5% (!)… etwa 1600 Flaschen. Ich hab ihn später probiert und fand ihn am Rande der Untrinkbarkeit. Schon beim Eintritt in die Rachenhöhle ziehen sich alle Poren zusammen, so trocken ist er, der Alkohol erledigt den Rest. Erst mit viel Wasser kann man etwas schmecken…, das ist definitiv eher eine Flasche für Sammler. Schnell wurde es eng auf dem Gelände, es spielten Bands, es gab folkloristische Tänze, Robin Laing trat auf und die von schwerer Krankheit gekennzeichnete Norma Munro, ein sehr anrührender Auftritt. Als ich dann auch etwas gekauft habe, mußte ich sehr lange warten, da nur ein Kartenlesegerät vorhanden war, die Zeit wurde mit Freigetränken überbrückt, nach dem vierten Octomore Orpheus war mir das dann auch egal, selten war warten entspannter, überhaupt habe ich nicht einen Dram gekauft, irgendwer hat mir immer einen in die Hand gedrückt… Der Nachmittag hat viel Spaß gemacht. Abends war ich mit Ulli im Lochside Hotel essen und danach ging es für mich in die Heia. …die nächste bitte : Caol Ila, mal schauen, was die so können…

…immer was los auf der Bühne…

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