Kapitel 4 : Campbeltown / 1

Manche Dinge verlieren ihren Reiz wohl nie, dazu zählen auch Gegenden auf unserem Globus, bei denen man jedesmal vor lauter Erstaunen den Mund nicht zu kriegt. Eine solche Gegend ist die Strecke von Glasgow nach Campbeltown, ganz besonders auf dem Abschnitt zwischen Dumbarton und Inverarray. Erst fährt man gefühlte 50 Kilometer am Loch Lomond vorbei, DEM schottischen See, angeblich der größte Trinkwassersee der Welt… dann kommen Berge, die auf der Straße unheimlich viel Schatten spenden, rechts, links, in der Mitte die Straße. Die Berge in Westschottland sind von der Höhe sicherlich nicht relevant für die Top Ten Europas, aber ist man mittendrin, dann können die Alpen auch nicht größer sein… Die Erklärung dafür liegt in der Tatsache, das höhere Berge meistens in Gebirgen liegen, die von Hause aus eine höhere Lage haben, sieht man zum Beispiel den Fichtelberg, dann steht man selbst auch schon auf ein paar hundert Meter Höhe. In Schottland oder aber auch in Norwegen oder Irland, kommen diese 600-700-800er Berge direkt ohne großes Vorspiel aus dem Meer geschossen und plötzlich steht man im Schatten, von überall strömen kleine Wasserfälle herab, ab und zu muß der Bus bremsen, weil Schafe sich nicht an die Verkehrsordnung halten und die Straße überqueren. Wenn dann der Busfahrer auch noch so ein liebevolles Original ist und im tiefsten, fast unverständlichen Schottisch die Gegend erklärt, die Sonne scheint und alles einfach nur schön ist….. dann sitzt man im Bus und freut sich des Lebens, wenn ich heute eine Katze gewesen wäre, hätte ich stundenlang geschnurrt. In Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre, bekannt von Paul McCartneys Sülzette „Mull Of Kintyre“ aus den 70’ern, ist die reale Welt von Glasgow oder auch Berlin, schnell vergessen. Schnell mal einen Stadtrundgang gemacht…, dauert ca. 15 min, alles noch so, wie vor 4 Jahren. Die Glengyle Distillery die hier ansässig ist, feiert gerade ihr 10jähriges Jubiläum, deshalb finden gerade zahlreiche Events statt. Glengyle entstand damals aus der Not heraus. Die Gesellschaft, die über Reinheit und Gesetze im schottischen Whiskybusiness wacht, wollte Campbeltown (vor etwa hundert Jahren mit knapp 30 Destillen Whisky Welthauptstadt gewesen), mit nur zwei verbliebenen Brennereien (Springbank, Glen Scotia), den Status als Whiskyregion aberkennen. Um dieses abzuwenden mußte eine dritte Brennerei her und unter Führung des langjährigen Produktionsmanagers Frank McHardy wurde auf dem gleichen Gelände mit den noch erhaltenen Gebäuden die Glengyle Distillery reaktiviert, nach fast hundert Jahren Pause. Mittlerweile produziert man also 10jährige Malts, jedes Jahr kommen quasi Testabfüllungen unter dem Namen Work in Progress heraus, die im Offside alle probiert werden können. Die neuen WIP haben ein schweinchenrosanes Label und können ab heute (Donnerstag) gekauft werden. Ich habe sie gestern probieren dürfen und sag mal, sie sind …gut. Heute ist großer Springbank Tag. Es ist ja kein großes Geheimnis, das ich den unabhängigen Familienbetrieb zu meinen Top 3 Distillen zähle, wenn nicht sogar in vorderster Front, also lass ich mich mal überraschen, in einer Stunde öffnen die Pforten…

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