Kapitel 10 – Glenfarclas & Macallan

Stilleben mit Labrador : Ulli, George und Lars (v.r.)…
Glenfarclas… hier steht normalerweise eine Brennblase…

…heute morgen um 10 Uhr hatten wir eine Verabredung mit George Grant, der momentan parallel zu seinem Vater John Grant die Geschicke der sich seit fast 150 Jahren im Familienbesitz befindlichen Brennerei Glenfarclas leitet. Das mit der Uhr läuft ja in Schottland alles etwas lockerer, um 10 Uhr war noch nicht einmal eine Mitarbeiterin vom Visitor Center da, wobei aber schon 10 Uhr Öffnungszeit dransteht, sie kam so etwa 10.10 Uhr und hatte durchaus die Ruhe dabei weg. Etwa zeitgleich kam auch George mit seinem Labrador des Weges. Ulli und George kennen sich schon etwas länger, so war es also

möglich, das er eine halbe Stunde für uns hatte, gestern noch in London, morgen wieder in Madrid, der Gute ist viel unterwegs. Zur Unterhaltung schenkte er uns ein paar Drams ins Glas. Das leckere Frühstück war ein 2003er Fassample, ein 1973er Family Cask und noch einen großzügigen Dram (weil Flasche dann leer) 1961er Family Cask. Alles natürlich Sherrygranaten vom Feinsten, der 61’er kostet 1500£ die Flasche… Leider hatte er auch bald den nächsten Termin, so übergab uns George einer Tour und ich schaute mir den Ferkelladen zum dritten mal an. Interessant war, das eine Brennblase gerade weg ist, da das Fundament wo sie draufsteht brüchig war und Maurer damit beschäftigt waren, das zu sanieren, die Brennblase wurde derweil durchs offene Dach ausgelagert. Sowas sieht man nicht alle Tage. Danach liefen wir noch etwas hin und her bis die Traumstöffchen wieder aus meinem Kopf waren und wir fuhren ein wenig durch die Gegend. Ich zeigte Ulli alle Brennereien in Rothes von außen. Bei Glen Grant stiegen wie kurz aus und schauten ins Visitor Center, Speyburn ist derzeit eine einzige Baustelle, da wird glaub ich gerade alles neu gemacht, Mauern waren offen, Dächer werden gedeckt und die Omnipräsenz von Fahrzeugen der Firma Forsythe, welche u.a. Brennblasen herstellen, lässt die Schlussfolgerung zu, das einiges am Equipment neu gemacht wird. 
 
Macallan : Die tristen Bauten der Brennerei werden in den nächsten Jahren von einem modernen Neubau ersetzt.
 Weiter ging es dann zu Macallan, wo wir um 13:30 eine Tour gebucht hatten. Die Brennerei, die ich persönlich ja kritisch beäuge, will noch dieses Jahr beginnen, die komplette Distillery neu zu bauen, ein paar meter neben der aktuellen. Von der Sache macht das sicher Sinn, die jetzigen Gebäude sind alles andere als schön und wenn man schon was großes plant, dann auch richtig. Man will später 16 Mio. Liter Alkohol produzieren, damit wären sie derzeit die größte Maltbrennerei Schottlands…das der Whisky wieder so gut wird wie früher, kann man wohl sowieso vergessen. Die Tour ging insgesamt fast 2 Stunden, es wurde viel über Holz und Fassmanagment erklärt, fotografieren war nicht erlaubt und es gab 4 Whiskys und ein New Spirit, das ganze für 15£, ist ein gutes Preisleistungsverhältnis. Empfehlenswert ist es, sich vorher anzumelden.

Abends beim Bier lernte ich wieder einige Whiskyliebhaber aus Deutschland kennen, die mir z.T. auch schon vom Namen geläufig waren, mit vielen gemeinsamen Bekannten und reichlich Stoff zum erzählen. Das ist der Teil von so einem Festival, der immer wieder geil ist, man findet zueinander fern der Heimat. Die Welt der Whiskyversteher ist eher klein, aber herzlich …und das ist auch gut so… 

Speyside… Die Landschaft um Craigellachie mit Rindvieh…

 

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