Kapitel 9 : In der Speyside

Sehr entlegen : die Brennerei Braeval hieß bis 1995 Braes Of Glenlivet…
…genau wie die Landschaft in der sie steht…

So…Halbzeit war heute und der erste von drei Tagen in der Speyside, die noch terminfrei waren. Unser erstes Ziel war das Whiskycastle in Tomintoul. In etwa 20 min kommt man von Dufftown in die höchstgelegene Ortschaft Schottlands und das auf einer Straße, die ich als Tierfriedhof bezeichnen würde, alle 100 meterliegt irgendein Kadaver auf der Fahrbahn, das ist wirklich nicht schön anzuschauen. Ich nahm mir vor extra weitsichtig und vorsichtig zu fahren, aber einen Fasan habe ich leider auch auf dem Gewissen, da nutzte auch eine Vollbremsung nichts mehr… 🙁 ImWhiskycastle wurden wir von Mikes Frau bedient, die sehr…wie sagt man,euphorisch in ihrer Ausdrucksweise ist, „oooohhh…reeeeeeaaaly….?….oooooh….niiiiice….“, man kann das schriftlich nicht so richtig wiedergeben… Im Whiskycastle ist man auch nicht gerade geizig, was Probierdrums angeht, ich mußte bereits nach wenigen Minuten bremsen, schließlich mußte ich ja noch fahren. Eine Eigenabfüllung wanderte in meine Tasche, es handelt sich um einen Mortlach zu Ehren ihres betagten Hundes… 🙂 Im Laden war zudem ein älterer Herr zugegen, der Mitte der 1960er Jahre Stillman bei Tamnavulin Stillman war. Er gab uns den Tipp, ruhig mal in der Distillery anzuklopfen und zu fragen, ob wir uns mal umsehen dürfen. Gesagt getan, vorher machten wir noch einen Abstecher in die Pampa zur Braeval Distillery um ein paar Außenfotos zu schießen, dann Tamnavulin. 

Tamnavulin… industrielle Tristesse…
…und nostalgische Mühlenromantik nebeneinander…

Der Tipp war super und ich empfehle das weiter, kommt man aufs Brennereigelände, steht links ein separates Haus, wo das Büro drinnen ist. Der Manager, ein sehr junger Herr hatte überhaupt nichts dagegen, das wir die Distillery auf eigene Faust erkunden. Die wenigen Mitarbeiter hatten auch Spaß daran, das mal andere Leute kommen und erklärten alles gerne…so mag ich es… Tamnavulin war zwischen ca.1996 und 2006 geschlossen, danach wurde etwas Geld investiert und nun produziert man wieder wie dolle und verrückt. In den 1980ern gab es sogar ein Visitor Center gleich neben der Brennerei in einer schönen alten Wassermühle, dort haben die Spinnenweben allerdings die Türen versiegelt. Es ist ein schöner Kontrast, die alte, romantische Mühle und die eher häßliche 1960s Brennerei… 

Fast fertig : die neue Brennerei auf dem Gelände der ehemaligen Imperial Distillery.

Danach ging es wenige Kilometer weiter zu Glenlivet. Ich war letztes Jahr bereits dort und wir wollten hauptsächlich etwas essen, Glenlivet hat ein großes, modernes Visitorcenter. Als wir gerade in der Kantine anstanden um eine Suppe zu ordern, ging ein Feueralarm los und alle mussten das Gebäude verlassen. Esdauerte gut 15 Minuten, als die erste Feuerwehr eintraf, etwa 5 min später eine zweite… (Ich mag nicht dran denken, was gewesen wäre, wenn etwas ernstes passiert wäre…) irgendwann wurde der Alarm abgeblasen weil nix war, keiner wußte, warum…, später wurden sämtliche Feuermelder

kontrolliert. Die Suppe wurde verschoben und wir machten eine Tour mit und das zu zweit. Die Tour war kostenlos und beinhaltete drei (!) Whiskys, 12y, 16y (Nadurra Cask Strenght) und 18y… Neben Glenfiddich, das beste Preisleistungsverhältnis ever… Unser nächstes Ziel war dann Macallan. Dort angekommen mussten wir die Tour auf morgen verschieben, da die letzte Tour des Tages ausgebucht war. Stattdessen fuhren wir weiter und schauten uns den fast fertigen Neubau von Imperial an, machten einen kurzen Abstecher zu Cardhu und versuchten unser Glück bei Knockando. Die Distillerymanagerin wollte uns erst abwimmeln, fand dann aber trotzdem ein paar Minuten, uns wenigstens das Stillhouse zu zeigen…besser als nichts… So hatten wir schon einen guten Tag mit vielen Eindrücken. Morgen früh 10 Uhr haben wir ein privates Date mit George Grant von Glenfarclas, ich bin gespannt, was wir da erleben…, später dann die Macallan Tour, mal sehen, was so wird… 

Im Stillhouse von Knockando.
 

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