Tag 2 : Erster Schultag

Tag 2 : Erster Schultag
06:30 klingelte der Wecker vorsichtshalber. 08:00 war Erscheinen bei Springbank angesagt, vorher 07:15 Frühstück. Das Erwachen war etwas eisig… da ich die Elektroheizung beizeiten ausgeschaltet hatte und der Anbau nicht sonderlich isoliert scheint war es nicht viel wärmer als draußen… nicht das größte Vergnügen beim Aufstehen… nun gut, T-Shirt kurz auf den wieder gestarteten Heizkörper gelegt und es ging… Das Frühstück  war ein real full scottish breakfast… jeder von uns sollte das einmal ganz probiert haben… sagte die Wirtin… bei mir blieben trotzdem Porrige, Sausages und Black Pudding über… so was geht bei mir halt nicht… ein Glen Keith Whisky war auch dabei… daher das „real full“ Breakfast . Nun gut… für einen Scherz war das sicher gut aber auf Dauer sollte das nicht das Ziel sein 😉 Viel Zeit blieb nicht übrig, es braucht etwa 10 min zu Fuß bis zu Springbank. Dort angekommen, wurden wir von Distillery Manager Gavin McLachlan in Empfang genommen. Erstmal hat er uns in einem Schnelldurchlauf alle Teile der Brennerei gezeigt. Springbank ist nach Zahlen zwar eher eine kleine Fabrik aber da man dort (als so ziemlich einzige) Distillery alles selbst herstellt, gibt es dort viele Stationen, die für Leute die zum ersten mal da sind, schon anspruchsvoll wirken können. Dann wurde Arbeitskleidung verteilt… für jeden Tag ein quietschebuntes Shirt sowie eine  (wie sich erweisen sollte) sehr gute warme Jacke. Dann ging es an die erste Arbeitsstation. 
Muckibude Maltfloor

…so siehts aus wenns fertig ist…
Zwei große Haufen von Gerste standen auf einer der beiden Malzböden bereit um auf die komplette Fläche verteilt zu werden… das ganze etwa eine handbreit hoch und wenn möglich einigermaßen gleichmäßig. Dafür gab es Schubkarren und Schaufeln und los ging die Plagerei… Anfangs gab es eigentlich nur Fotos nach dem Motto guck mal Mutti ich arbeite… dann ging es aber doch recht zügig und man war stolz, die erste Aufgabe geschafft zu haben… für alle die sich im Alltag nicht so viel bewegen müssen… vielleicht der erst Muskelkater. Dann kam etwas für mich zumindest neues : Teabreak. .. jaja die Briten mit ihrem Tee… aber ich finde es ist eine gute Erfindung, die meisten tranken auch Kaffee… Danach wurde die Sechsertruppe aufgeteilt, Michael und ich gingen in die Abteilung Destillation.
An Interlude
An dieser Stelle möchte ich gerne in knappen Sätzen erklären, wie Whisky hergestellt wird. Wer das weiß kann den Artikel ja überspringen.
Relativ am Beginn der Herstellung von Whisky steht die Herstellung bzw. die Optimierung eines Rohstoffes. Wäre ich jetzt Obstlerfan oder Anhänger von Melonenschnaps (keine Ahnung ob es sowas gibt…), wäre es einfach… das Obst irgendwie so dick und fett wie möglich – entweder gleich destillieren – oder erstmal konservieren. Da wir ja Whisky wollen, also eine Spirituose aus Getreide… im speziellen Fall Single Malt Whisky eine Spirituose aus gemälzter Gerste… muß Malz her… Das macht man mit Gerste bzw. deren Körnern. Die Gerstenkörner kommen im Falle Springbank stets aus Schottland, idealerweise direkt aus dem näheren Umland. Gut… Gerstenkörner.. das alleine reicht nicht…da kann man mehr von rausholen… also pimpt man die Körner etwas auf… nein kein Doping, sondern reines Wasser. 
Steep… die Gerste wird eingeweicht
Man sperrt die Gerste in ein Wasserbecken, es ist nicht allzu kalt… und die Gerste denkt… schön… feucht und warm… ich glaube ich fang mal an mich etwas voll zu saugen und danach ein wenig zu keimen… Man gaukelt im Prinzip dem Getreide vor, es wäre Frühling und die Keimung kann beginnen. Nach ein paar Tagen im Wasserbecken wird die Gerste auf den Tennböden etwa eine handbreit ausgebreitet. Alle paar Stunden muß die Gerste dann umgepflügt werden sonst fängt es untenrum an zu gammeln und oben auszutrocknen. Nach ein paar Tagen ist die Gerste die sich jetzt Grünmalz nennt schön dick und fett und sie fängt an zu keimen. Da wir kein Getreide züchten wollen nehmen wir den Bestzustand der Gerste und konservieren sie, indem wir sie mit heißer Luft trocknen. Das Grünmalz wird in einen Schacht gekippt und befindet sich jetzt im Kiln auf einem gelöcherten Metallboden, die Öffnungen sind so groß das die Körner nicht durchfallen, aber die heiße Luft vom darunterliegenden Ofen kann durch. 
Das alles dauert etliche Stunden das Ergebnis ist dann : Malz. Das Malz wird gemahlen und kommt in die Mashtun. Dort gibt es (in der Regel) drei heiße Aufgüsse. Im Falle Springbank mit 63, 72 und 82 Grad Celsius. Warum das gemacht wird ?… wir brauchen den Zucker aus der Gerste, der wiederum wird in Stärke umgewandelt. Das Ergebnis ist eine große Menge Zuckerwasser. Der Rest vom jetzt quasi ausgelutschtem Malz holt der Bauer von nebenan und füttert es den wunderhübschen Zottelrindern. Das Zuckerwasser wird gekühlt und in die nächsten Behälter gepumpt : die Washbacks zu deutsch Gärbehälter. Jetzt kommt nach Wasser und Getreide die letzte Zutat : Hefe. Drei Säcke a 25 kg kommt in einen Behälter. Hefe ist gierig nach dem Zucker… es frisst den Zucker und es entsteht Alkohol und Kohlendioxid. 
Die Brennblasen von Springbank
Ergebnis : ein Bier…. ok kein besonders leckeres und auch ohne Hopfen aber alles was bis jetzt gemacht wurde ist der gleiche Vorgang wie beim Bier brauen. Das Bier hat im Falle von Springbank einen Akloholgehalt von 5 – 7 %… etwas wenig noch… Whisky braucht mindestens 40%… also müssen wir destillieren. Das Bier (was offiziell Wash heißt) kommt jetzt in die erste Brennblase : die Washstill. Dort wird es erhitzt. Alkohol verdunstet bei 78°C  und durch Kühlung wird der Dampf wieder flüssig. Wir haben jetzt einen Feinbrand (der offiziell Low Wines heißt)von etwa 20-25 % Alkohol. Das reicht also immer noch nicht, nun kommt der Feinbrand in die nächste Brennblase, die Spirit Still. Hier wird der Vorgang wiederholt und das Ergebnis ist ein Brand mit etwa 70 %. Davon wird aber auch nicht alles verwendet, sondern nur der qualitativ hochwertige Mittelteil. Der klare Schnaps kommt jetzt in Eichenfässer, wird für mindestens 3 Jahre und einen Tag in die Lagerhäuser verfrachtet und darf sich danach Whisky nennen. Nach 3 Jahren… machen wir uns nichts vor… ist das aber noch nix gescheites, also reift Whisky in der Regel 10 Jahre und mehr. …je länger so besser (?)… nicht unbedingt, es ist gut möglich das die Eiche irgendwann die Oberhand gewinnt, dann hat man zwar einen teueren alten Whisky, aber er schmeckt nicht mehr… kommt ganz auf das Fass an, ich würde sagen das Fass macht mindestens 70% vom Ergebnis aus. Soweit ein kurzer Schnupperkurs zum Thema Whiskyherstellung.
…weiter mit Tag 2… 
Der Stillman heißt Robert und er zeigte uns erstmal sämtliche Räumlichkeiten und Gerätschaften von der Maltmill bis zu den Brennblasen. In vielen Räumen war ich vorher noch nicht, in allen waren die besten Spinnengewebe der letzten hundert Jahre präsent und viele Details in Punkto Arbeitsschutz wären in Deutschland garantiert so nicht möglich. Montag braucht bei Springbank alles ein wenig Zeit, da die Produktion erst langsam wieder startet. 
Das Innenleben einer Brennblase
Die erste Wash war fertig und die Brennblase wurde kurz gereinigt, neu befüllt und weiter geht es… Derweil wurde auch die Spiritstill mit Low Wines befüllt und angemacht. Ich durfte alle Hebel betätigen, stets mit etwas Angst etwas verkehrt verstanden zu haben… wie gesagt… mein Englisch ist mangelhaft und die Aussprache der Schotten nicht gerade einfach zu verstehen… es ging aber alles gut, ich habe den Laden nicht in die Luft gejagt… Nun lief die Spiritstill und es hat über eine Stunde gedauert bis der erste Alkohol im Spiritreceiver ankam… und was für eine Brühe… bääh… trüb, schmutzig und jede Menge Grünspan von der kupfernen Brennblase. 
…der erste Teil des Destillates ist ein Fall für die Tonne…
Es war gut zu verstehen, warum man den ersten Teil der Destillation nicht verwendet. Erst nach 45 Minuten fließt der New Make nun in den „guten“ Kanal. Da Springbank nahezu komplett auf neumodischen Kram wie Computer verzichtet, wird alles peinlich genau auf dem Papier dokumentiert. 
Frischer gehts nicht… Longrow direkt aus dem Spirit Receiver
Eine Kostprobe kann man sich ruhig mal abzweigen, ich fand ihn lecker. Da Springbank ja gleich 3 verschiedene Sachen herstellt, nämlich Springbank, Longrow und Hazelburn sollte ich noch erwähnen, das sich diese Woche alles um Longrow dreht. Longrow (wie auch Hazelburn) war eine der über 30 Brennereien in Campbeltown die es bis in die 1920er gab. Seit den 1970ern wird Longrow als zweifach destillierter Whisky hergestellt, der eine deutliche Rauchnote aufweist. Da ich dem Torfkram nicht abgeneigt bin, war ich damit ganz zufrieden. Insgesamt macht man sich als Stillman nicht gerade tot, Robert nannte es ein „waiting game“. Punkt 12 ging es für die Truppe in den Cadenhead Shop zum Lunch. Es gab Haggisrolls und dazu einen 34jährigen Grainwhisky. Der Rest des Arbeitstages verbrachte ich im Stillhouse. 17 Uhr war Feierabend und unser Sechser ging zurück ins Hotel wo um 18:00 das Dinner aufgetischt wurde. Suppe, Seafood Platte und Kuchen in Sahne… man kann nicht gerade meckern. Die älteren Herren blieben zuhause, der Rest besuchte standesgemäß die gastronomischen Einrichtungen der Stadt, heute war das Black Sheep am Hafen angesagt… eine der „feineren“ Adressen. Sehr alt wurden wir aber auch nicht mehr und dann ging es ins Bettchen.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.