McLarsen

Tag 8 – Jura & Caol Ila

 

Isle of Jura… Craighouse in der Ferne
Isle Of Jura Distillery

Jura Distillery – Stillhouse

…so, Tag 8, langsam neigt sich die Reise ihrem Ende entgegen, heute stand ursprünglich nur Jura auf dem Zettel, ganz spontan hab ich allerdings Caol Ila mit auf die Tagesordnung gesetzt, aber der Reihe nach. Die Sturmwarnung von gestern entpuppte sich als harmlos, es regnete zwar nicht gerade wenig, Wind an und für sich war durchaus auch genügend vorhanden, aber das war alles kein Problem für die Islay – Jura Fähre. Da ich aber auf Nummer sicher gehen wollte, fuhr ich etwas früher los und setzte um halb 10 über. Gerade mal 4 Minuten dauerte die Überfahrt, kostete aber hin und zurück stolze 16 Pfund. Ich war wieder einmal der einzige, ich hatte sozusagen eine Privatfahrt. Drüben angekommen ging es Richtung Craighouse, den Hauptort der flächenmäßig gar nicht so kleinen Insel. Auf 366 Quadratkilometer (das ist immerhin doppelt so groß wie die Ostseeinsel Fehmarn), kommen gerade einmal 180 Einwohner. In Craighouse befindet sich auch die Whiskydistillery Jura. Die Tour startete um 11 und war ausnahmslos deutsch besetzt, neben meiner Wenigkeit nahm auch mein Göttinger Bekannter und quasi Ex-Berufskollege Hans und seine von ihm geleitete Whiskyreisegruppe aus Chemnitz teil. Die Tour war so mittelmäßig interessant, mittlerweile kennt man die Abläufe ja schon auswendig, lediglich ein paar Zahlen waren für mich interessant, ich hätte z. B. nicht gedacht, das die ja eher kleine Brennerei über 2 Mio. Liter jährlich herstellt. Zum probieren gab es am Schluß einen aus der Standardrange, den man sich aussuchen konnte, ich nahm den 12jährigen Jura Elixir, den kannte ich noch nicht, traf aber überhaupt nicht meinen Geschmack, irgendwie kam er mir extrem sprittig daher… Nach der Tour gingen wir noch zusammen einen Kaffee trinken und ich machte mich dann auf und fuhr einmal die Insel hoch und runter, verfahren ist fast ausgeschlossen, es gibt nur eine Straße. An den Haltebuchten machte ich häufig kurz Pause und fotografierte, oft aus dem Autofenster, schließlich regnete es.

Landschaft mit den Paps Of Jura

Danach beschloß ich ganz spontan, auf dem Rückweg Caol Ila auch noch aufzusuchen. Eigentlich war die Brennerei erst für Donnerstag auf dem Rückweg vorgesehen, aber ich dachte mir, mit dem ganzen Gepäck und so, ohne Auto, ist es besser heute. Im Nachhinein sehe ich das so, das ich es mit Sicherheit richtig gemacht habe. Die Touren einer großen Diageo Distillery sind für den Liebhaber immer ein kleines Ärgernis. Besonders das strikte Fotografierverbot nervt. Von der Sache her war es trotzdem interessant, es ist ja alles recht modern dort, die Mashtun ist eine der größten, die ich je gesehen habe und der Stillroom mit dem berühmten Blick aufs Wasser und die Paps von Jura haben selbstverständlich was. Auch hier konnte man unter 4 Standards zum Probieren wählen. Ich nahm den mir noch unbekannten 12jährigen Caol Ila Unpeatet Style mit über 64%, und es schüttelte mich zum zweiten male am heutigen Tag, ich musste glatt noch um einen Schluck von der Distillersedition bitten, um den Geschmack wieder loszuwerden… Danach ging es nach Bridgend und es galt Abschied von dem Auto zu nehmen, als Erfahrung nehme ich auf jeden Fall mit, das es völlig easy ist, auf der anderen Seite zu fahren und das nächste mal werde ich wohl komplett mit Auto touren. Mit dem Bus ging es dann zurück nach Bowmore, wo sich dann auch der morgige Tag abspielen wird, Quasi als Heimspiel ist die Craftman’s Tour in der Bowmore Distillery angesagt. …ich werde berichten… 

Die Caol Ila Distillery von der Fähre aus…

…vom Näheren wirds auch nicht hübscher…

 

Tag 9 – Bowmore

Bowmore Distillery – Malzboden

Tag 9 : Heimspiel in Bowmore. Nachdem ich jetzt schon eine Woche hier verweile, wurde es auch langsam Zeit, die Bowmore Distillery zu besichtigen. Vom Bowmore Whisky kann ich ja durchaus sagen, das dieser so eine Art erste Liebe für mich ist und ihn auch heute noch größtenteils sehr gerne mag. Meine erste Flasche Bowmore war ein 15jähriger Mariner, noch mit dem Aufdruck direkt auf der Flasche, es folgten andere Standards, ich finde, auch heute kann man den ordinären Bowmore 12 Jahre noch gut mal trinken. Ich war also sehr gespannt, wie es da wohl so ist…
Für den ersten Scherz des Tages sorgte ich selbst, als mir direkt vor dem Visitor Center die Mütze vom Kopf flog und es auch bestimmt putzig aussah, wie ich ihn wieder eingefangen habe, die Damen im Visitor Center hatten glaub ich Spaß…. Ich wurde bereits erwartet… You must be Lars… Ich war tatsächlich der einzige, der die Craftmans Tour gebucht hat. Meine Führerin hieß Lynda, eine hübsche, junge Frau mit rotem Haar und Sommersprossen. Zuerst parkte sie mich an der Bar mit einem Bowmore 12 und lies mich damit 5 Minuten alleine. Danach gingen wir zu den Malzböden. Mir wurden diverse Arbeitsgeräte vorgeführt, erstmals durfte ich auch einen elektrischen Gerstewender bestaunen. 

 

Das was aussen so aussieht…

…sieht von innen so aus und ist quasi ein getarnter Schornstein…

in dem Gerste zu Malz gedarrt wird.

Die nächsten Stationen war der Kiln, der war gerade dabei, das Malz nach dem Räuchern zu trocknen. Lynda zeigte mir alles, was ich sehen wollte und ich durfte auch fotografieren, so viel ich wollte. Auch wenn ich bereits zum 23. mal eine Whiskydistillery besuchte, so erschlossen sich für mich einige Sachen heute ganz neu. Nach Mashtun, Washbacks und Stillhouse ging es dann in das berühmte #1 Vault Warehouse, in dem wir gemeinsam zwei Fässer öffneten, ein Bourbonfaß von 2000 und ein Firstfill Oloroso Sherryfaß, was 17 Jahre alt war. Direkt aus dem Faß ins Glas ist ja für mich immer wieder ein wenig wie Weihnachten und Geburtstag auf einmal, so auch heute wieder, der erste war sehr schön, aber der aus dem Sherryfaß war eine absolute Granate. Hinter der Scheibe sah ich, wie die Leute der regulären Tour neidisch zu uns schauten, wie wir mitten in den heiligen Hallen einen gepflegten Dram zu uns nahmen. Achja, der Vollständigkeit sollte ich noch das Glas New Spirit erwähnen, was ich aber nur zu Schnüffelzwecken benutzte. Ich hätte mich gerne noch ein paar Stunden dort rumgetrieben und hätte gerne noch ein paar weitere Fässer probiert, aber immer wenn es am schönsten ist, soll man ja aufhören… Wir gingen zurück an die Bar und hier konnte ich jetzt noch probieren, was ich wollte. 

 

Bowmore… im legendären #1 Vault Warehouse

Der Bowmore 25 Jahre war nach den faßstarken Whiskys aus dem Warehouse jetzt viel zu mild, sicher etwas Perlen vor die Säue, wenn man bedenkt das der 200£ kostet…, am besten hat mir die Stillmans Edition gefallen, das ist eine weitere Sherryt_nte in Faßstärke, die es nur hier zu kaufen gibt. Die neue Abfüllung Springtide halte ich für 150£ für völlig daneben und der neue 17jährige konnte mir schon gefallen. Mehr wollte ich dann nicht, man soll ja nicht übertreiben. Nach zweieinhalb Stunden galt es nun Abschied zu nehmen, Lynda machte einen großartigen Job, alle Arbeiter die wir unterwegs trafen waren sehr nett und ein kleiner Plausch war immer drin, landesüblich hauptsächlich über das Wetter. Vor einiger Zeit habe ich häufig negatives über Bowmore bzw. dessen Visitorcenter gelesen, ich kann rein gar nichts negatives sagen, vielleicht haben sie sich ja auch gebessert. Für mich war die Tour neben der bei Laphroaig der Höhepunkt meiner Reise, bis dato zumindest. Bowmore ist jetzt für mich genau wie früher, etwas besonderes. 

Wie eine Glucke trohnt die Kirche über Bowmore…

…sie ist rund, damit sich de Teufel nicht in der Ecke verstecken kann…


Nach den ganzen Leckerlis am Morgen, stärkte ich mich dann mit einem Sandwich aus dem Supermarkt und pausierte erstmal zuhause, ist ja heute schließlich Heimspiel. Das Wetter war heute übrigens eine Zumutung, Regen und Sturm und umgekehrt… Als dann wenigstens der Regen pausierte, schnappte ich mir nochmal die Kamera und nahm die berühmte runde Kirche ins Visier. Tagsüber ist deren Tür unverschlossen und ich konnte, mal wieder mutterseelenalleine in der 1769 gebauten Kirche fotografieren. Es heißt, man hat die Kirche rund gebaut, damit der Teufel keine Ecke zum verstecken hat. Draussen tobte immer noch der Sturm und die Geräusche, die er mit der Kirchentür veranstaltete, klangen von innen als würde jemand die Tür eintreten wollen…spooky… Draußen lagen dann auch einige Mülltonnen kreuz und quer, quasi vom Winde verweht.
So, morgen kommt die letzte Distillery in meiner Raupensammlung : Bruichladdich. …schaun wer mal…

Tag 10 – Bruichladdich

Bruichladdich – Stillhouse…

…mit Ugly Betty….
…selten : eine offene Mashtun…

Heute morgen zum Frühstück lernte ich Willi aus Sulingen bei Bremen kennen. Wir fanden schnell heraus, das wir Kollegen sind, auch er ist Gastwirt und hat eine Menge Malts im Angebot. Ebenfalls recht schnell stellten wir fest, daß wir heute den gleichen Termin bei Bruichladdich haben. Wir fuhren zusammen mit dem Postbus hin und machten die Tour, die von Raymond, einem jungen Mann, recht witzig geleitet wurde. Das fotografieren war überall erlaubt, die Tour war gut. Als Besonderheit fiel mir die nach oben hin offene Mashtun auf, auch eine Lomond Still namends Ugly Betty, die zur Herstellung des „The Botanist“ Gin benutzt wird, unterscheidet die bis vor wenigen Wochen unabhängige Brennerei von anderen bereits gesehenen. Als Probierdram gab es lediglich den Laddie Ten und bei allem, was ich immer so über Bruichladdich gehört und gelesen habe, war ich unterm Strich etwas enttäuscht. Man möge mich nicht verkehrt verstehen, ich kann nichts negatives sagen, aber etwas besonderes empfand ich bei diesem Besuch nicht. Wenigstens eine Flasche PC10 zum vernünftigen Kurs konnte ich erstehen, das ist doch auch was. Nach der Tour liefen Willi und ich nach Port Charlotte. 

Das Wetter heute ist das genaue Gegenteil von dem von gestern, statt Regen und Sturm gab es heute Sonne satt, allerschönstes Spätsommerwetter. Wir kamen am Port Charlotte Hotel vorbei, die tatsächlich zwei Tische draußen stehen hatten. Willi meinte, es wäre doch ein tolles Foto, mit einem Guinness in der Sonne zu sitzen…, ich fragte dann, wer uns daran hindern sollte (?)…gesagt getan, ein gepflegtes Bier in der Mittagssonne, wer weiß, wann man dazu das nächste mal kommt. Willi hatte um 14 Uhr noch einen Termin bei Kilchoman und hatte Glück, das ein englischsprachiges Pärchen mit Auto in die Bar kamen und ihn mitnehmen konnte. Ich nutzte dann die Gunst der Stunde und nahm einen Happen Mittag zu mir (feste Nahrung), nahm den nächsten Bus nach Bowmore und setzte mich dann noch eine Stunde am Hafen in die Sonne, hörte Musik (heute besonders zu empfehlen : Grizzly Bear mit dem Album „Shields“, kein easylistening, aber sehr gut…) Später werd ich noch was festes zu mir nehmen und den letzten Abend mit einem Getränk meiner Wahl beschliessen. Morgen um 15.30 legt die Fähre in Port Askaig ab und wird mich langsam wieder Richtung Heimat bringen. Ich werde darüber morgen kurz berichten. 

 

…mit Willi in Port Charlotte… Slainte !

 

Tag 11 – Rückreise

 

Bon Accords McDonagh’s und ein kleiner Deutscher….

 

Nun hat ja alles mal ein Ende, auch diese Reise. Der Tag bis zum Nachmittag stand im Zeichen der Rumgammelei, die Fähre ging erst um halb vier. Etwas Zeit brauchte ich für das Packen des Koffers, irgendwie hatte sich mein Gepäck augenscheinlich vermehrt und ich benötigte eigentlich einen Elefanten, um den Koffer zu schließen…
Nachdem ich das irgendwann geschafft hatte, konnte ich nur hoffen, das es mich trügt, das mir das Gewicht des Gepäckstückes deutlich über 20 kg vorkam… Die Rückfahrt war unspektakulär, auch wenn die Strecke rückzu immernoch sehr schön ist, am Ende des Urlaubs sieht man alles nicht mehr so euphorisch wie hinzu. Halb zehn checkte ich in Glasgow ein und machte mich gleich nochmal auf
die Socken ins Bon Accord. Diesmal war deutlich mehr los als letztes mal, ich hatte gerade noch so einen Stehplatz an der Bar ergattern können. Da gestern Arthur Guinness Tag war, fiel mir die Getränkewahl recht leicht, was es bei den zich Biersorten in diesem Pub sonst nicht so ist. Nach einer Weile wurde mir
einfach so ein Dram gereicht (Pulteney 17y). Es kam vom Seniorbesitzer der Bar, Paul McDonagh der zufällig neben mir saß und mit dem ich dann sofort ins Gespräch kam, unter Kollegen quasi. Es hat viel Spaß gemacht, er spendierte sogar noch einen Dram, einen Springbank von der Scotch Whisky Society, sehr leckeres Tröpfchen. Sein Sohn, ebenfalls Teilhaber des Ladens, arbeitete hinter der Bar und nahm an unserer Unterhaltung rege teil. …das war es also wieder mit dem Vorhaben, höchstens 2 bis 3 Bier zu trinken und pünktlich im Hotel zu sein… schließlich ist der Wecker auf Punkt 5 gestellt… Egal, es hat viel
Spaß gemacht und ich denke, ich werde via Email und Facebook mit den beiden in Verbindung bleiben. So, dann eine Mütze Schlaf, zum Flughafen gefahren, den Koffer aufs Band gelegt…. und natürlich nachzahlen müssen… Grummel… Aber was soll man machen… Der Flug war ganz normal, der Weg nachhause auch und nun bin ich wieder hier.

Als Fazit dieser gelungenen Reise stelle ich fest : zwei bis drei Tage weniger hätten gereicht, der Anspruch, jeden Tag nur eine Distillery zu besuchen, ist bei Touren wie der von Ardbeg, Laphroaig und
Bowmore zwingend, nicht aber zu Touren wie Caol Ila oder Bruichladdich, zwei mal eine Stunde Besichtigung mit einem Standarddram ist durchaus drinne. Ich habe 1188 Fotos gemacht, viele nette Locals kennengelernt, mit vielen Whiskyenthusiasten gesprochen, tolle Leute aus aller Welt kennengelernt, auch wenn das alles unterm Strich nicht gerade ein Billigtrip war, es hat sich voll gelohnt und bleibt bis ans Ende meines Lebens in meinem Herzen und wenn ich nicht dement werde, auch in meinem Kopf.

Bedanken möchte ich mich zuerst bei meiner Freundin Nina, die in der Zeit hier die Stellung gehalten hat
und die ganze Arbeit für mich mit machen mußte. Weiterhin möchte ich Rena für ihre Gastfreundlichkeit danken, Danke an alle, die dabei waren, Danke an alle, die meine Ergüsse täglich gelesen haben und sie schon kommentierten. …bis zur nächsten Reise. :cap:

Port Ellen mit Ureinwohnern