Berlin, 31.03.2026… Die zweite Erkundung in 2026 war wieder eine Reise zusammen mit meinen Eltern… nachdem wir letztes Jahr um die gleiche Zeit Krakau unsicher machten, bewegte sich der insgesamt 221 Jahre alte Dreier dieses Jahr in die tschechische Hauptstadt… ich war ja überrascht, dass die beiden dort noch nie waren, außer vielleicht damals noch zu Ostzeiten. Ich selbst war bereits viermal in der böhmischen Metropole: 1985 war es mein erster Schritt ins Ausland, als wir unsere Klassen-Abschlussfahrt von der Schule machten, kurz vor dem Mauerfall war ich dann mit ein paar Kumpels mit meinem Trabbi dort, Anfang der 1990er dann schon mit dem ersten fahrbaren Westfabrikat… an dem dann auch gleich mal ein Reifen zerstochen wurde… naja… Das letzte Mal war ich 2011 mit Nina dort… es sollte eine Geburtstagsüberraschung werden und… ich sag mal so… es ging einiges schief. Nun also ein neuer Anlauf… drei Pechmanns… Vater Rolf, Mutter Ingrid und Sohnemann Lars… selbstverständlich mit dem Zug. Die Anreise klappte auch ganz prima, 09:30 startete der Knödel-Express vom Berliner Hauptbahnhof… etwa vier Stunden später erreichte der Zug das Prager Pendant.
Als Unterkunft wählte ich eine Ferienwohnung im Stadtteil Žižkov auf der anderen Seite vom Hauptbahnhof… erstens ist es dort etwas günstiger, zweitens laufen da nicht so viele feierwütige Touristen nachts durch die Straßen. Die Gegend von Žižkov ist recht bergig und bietet ein nahezu geschlossenes Bild eines Gründerzeitviertels mit größtenteils gut sanierten Häusern, vielen kleinen Läden, etlichen Spätis und einigen Kneipen und Restaurants. Unsere Unterkunft befand sich mitten in diesem Viertel in der Straße Bořivojova, Altbau, vierter Stock mit Fahrstuhl… es war nicht alles gut, aber man konnte für einen fairen Preis gut dort wohnen.
Die Rückseite vom Hauptbahnhof
Prag ist die Hauptstadt Tschechiens und mit gut 1,3 Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes. Durch die Stadt fließt die Moldau, der größte Nebenfluss der Elbe. Ihre Ursprünge reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Im 9. Jahrhundert entstand rund um die Prager Burg eine erste befestigte Siedlung der böhmischen Fürsten aus dem Geschlecht der Přemysliden. Die Lage an der Moldau und an wichtigen Handelswegen zwischen Ost und West ließ den Ort schnell wachsen. Händler, Handwerker und Reisende ließen sich hier nieder… und aus einzelnen Siedlungen entstand allmählich eine Stadt. Im 14. Jahrhundert begann die große Blütezeit unter Karl IV.. Der böhmische König und römisch-deutsche Kaiser machte Prag zu seiner Residenz und damit zeitweise zum politischen Zentrum des Heiligen Römischen Reiches. In dieser Zeit entstanden viele der Bauwerke, die das Bild der Stadt bis heute prägen. 1348 gründete Karl IV. die Karls-Universität Prag – die erste Universität Mitteleuropas. Auch die berühmte Karlsbrücke wurde in dieser Epoche begonnen und verband fortan die Altstadt mit der Kleinseite. Im 15. Jahrhundert wurde Prag zum Zentrum der religiösen Reformbewegung um Jan Hus. Nach seiner Hinrichtung 1415 kam es zu den Hussitenkriegen, die Böhmen und auch die Stadt erschütterten. Später geriet Prag unter die Herrschaft der Habsburger und wurde Teil ihres weit verzweigten Reiches. Apropos Reformation: Ein dramatisches Ereignis war 1618 der berühmte Prager Fenstersturz. Aufgebrachte protestantische Adlige warfen kaiserliche Statthalter aus den Fenstern der Burg… ein symbolischer Akt, der den Beginn des Dreißigjährigen Krieges markierte und ganz Europa verändern sollte. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Prag zu einem wichtigen Zentrum der tschechischen Nationalbewegung. Kultur, Sprache und Literatur erlebten eine neue Bedeutung. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Prag 1918 Hauptstadt der neu gegründeten Tschechoslowakei. Jahrhundertelang hinweg war Prag eine Stadt, in der sich tschechische, deutsche und jüdische Kultur begegneten… bis zur NS-Zeit im zweiten Weltkrieg. Danach wurde die Tschechoslowakei Teil des Warschauer Pakts und damit ein kommunistisches Regime, in meinem Geburtsmonat August 1968 wurde der Versuch der Bevölkerung, mit Reformen dem Sozialismus ein menschliches Antlitz zu verleihen, mit Waffengewalt niedergeschlagen… Prager Frühling nannte man das, erst die friedliche Samtene Revolution beendete die kommunistische Herrschaft… und Prag wurde wieder zu einer offenen europäischen Metropole.
Das historische Zentrum von Prag gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die sogenannte „Goldene Stadt“ wirkt dabei fast wie aus einem Guss… geprägt von gotischen Türmen und barocken Fassaden… ein Stadtbild, das über Jahrhunderte gewachsen ist und bis heute erstaunlich geschlossen erhalten blieb… auch Dank der Tatsache das die Stadt im zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde.
Zu den bekanntesten Orten gehören die Prager Burg, die Karlsbrücke, die berühmte astronomische Uhr am Altstädter Rathaus… ebenso wie der alte alte Jüdische Friedhof Prag oder die Altneu-Synagoge, die als älteste noch aktive Synagoge der Welt gilt.
All das macht Prag heute zu einem der großen Reiseziele Europas… Jahr für Jahr kommen rund neun Millionen Besucher in die Stadt… und damit gehört sie inzwischen zu den 25 meistbesuchten Städten der Welt.
Zum Wohnen waren wir aber nicht angereist, also begaben wir uns umgehend auf die Piste… in diesem Falle erstmal noch ein paar Meter bergauf, um dann langsam Richtung Innenstadt hinab zu laufen… an der Bahnstrecke hinter dem Hauptbahnhof vorbei kamen wir zum Nationalmuseum und zum Wenzelsplatz. Der Wenzelsplatz… wohl der größte der Stadt, erscheint einem eher wie eine große Straße… Champs-Élysées oder wenigstens Kurfürstendamm… auch mit den üblichen verdächtigen Ladenketten… außerdem eine einzige Großbaustelle… also weiter geradeaus in die Altstadt, vorbei an prächtiger Architektur, Straßenmärkten und sehr vielen Touristen bis zum Altstädter Ring, dem zentralen Marktplatz mit Rathaus und Astronomischer Uhr… flankiert von palastartigen Bauten, Kirchen, Denkmälern und sehr, sehr vielen Touristen. Da es der erste Tag unserer Reise war, schauten wir überall nur mal schnell vorbei… das mit der Uhr zur vollen Stunde verschoben wir erstmal und bogen ab zu einer weiteren essenziellen Sehenswürdigkeit der Stadt: die Karlsbrücke.
Die Brücke über die Moldau wurde im 14. Jahrhundert errichtet… Vorbild war die steinerne Brücke von Regensburg, für die Bauausführung und besonders für die Türme an beiden Enden wirkte der Architekt Peter Parler… der Prager Stararchitekt seiner Zeit. Die Brücke ist 510 Meter lang und 10 Meter breit und heißt erst seit 1870 Karlsbrücke… benannt nach dem Bauherrn Karl IV. (1316–1378)… eine Statue von Karl findet man auf der Brücke nicht (wir suchten danach)… aber die Statuen stammen alle aus der Barockzeit und stellen ausschließlich christliche Würdenträger dar.
Sehr, sehr, sehr viele Touristen auf der Karlsbrücke
Nachdem wir die Brücke betraten, mussten wir feststellen, dass an einem Dienstag im März sehr, sehr, sehr viele Touristen unterwegs waren… wovon auch auffällig viele grün gekleidet waren und Englisch sprachen… aber dazu später. Wir liefen die Brücke einmal hin und zurück und konnten mit der sinkenden Sonne einige sehr schöne Fotos einfangen. Am Ufer der Moldau liefen wir dann Richtung Nationaltheater, bogen dort wieder in die Altstadt ein, um endlich eine Sache zu testen, für die die Stadt bzw. das ganze Land auch weltberühmt ist: Knödel und Bier. In meiner Vorab-Recherche wählte ich das U Dvou koček (zwei Katzen). Dort kehrt auch der richtige Prager ein, und das hört sich ja schon mal gut an… wir bekamen Plätze und kurz danach war der Laden rappelvoll mit einer bemerkenswerten Geräuschkulisse… aber das gehörte so… das Gulasch mit den Knödeln und das tschechische Bier aus den typischen Humpen schmeckte einfach nur großartig, und allerspätestens jetzt waren wir richtig in der Stadt angekommen. Inzwischen war es dann auch dunkel, und da wir ja mit 221 Jahren auch keine Teenager mehr sind, ging es dann langsam in Richtung Unterkunft.
Für unseren Aufenthalt holte ich mir eine 3-Tages-Fahrkarte der Prager Öffis für, ich glaube, 16,90. Ich war mir nicht sicher, ob ich die auch abfahre, Einzeltickets sind nämlich auch spottbillig… aber ich wollte das Ticket einfach in der Tasche stecken haben. An der zentralen Haltestelle Národní třída stiegen wir dann in die erste Straßenbahn der Reise… es war ein altes Modell der Marke Tatra, wie sie schon seit Jahrzehnten dort fahren. Kurze Zeit drauf waren wir dann in der Unterkunft. Abends ging ich noch ins Pub O’Neills um die Ecke und ließ mir ein paar Guinness schmecken… dann war der erste Tag vorbei, und ich konnte binnen weniger Sekunden einschlafen.
Am zweiten Tag war die Prager Burg dran. Wir fuhren mit der Linie 22 auf den Hradschin, und ich war in Erwartung der Haltestelle Pražský hrad… diese kam allerdings nicht… wir waren inzwischen weit an der Burg vorbei, und ich verstand die Welt nicht mehr… richtige Linie, richtige Richtung… was wir nicht wussten, war eine Umleitung der Strecke… wahrscheinlich wurde das auch in der Tram angesagt… aber mein Tschechisch ist nun mal grottenschlecht… Englisch hätte geholfen… sind ja durchaus genug Touristen unterwegs… aber gut… wir fuhren zurück und mussten ein paar Meter weiter laufen, dann standen wir hinter der Burg mit dem gewaltigen Veitsdom… die größte geschlossene Burganlage der Welt.
Auf der westlichen Seite der Moldau… auf dem Hügel des Hradschin… liegt eines der markantesten Wahrzeichen von Prag: die Prager Burg. Sie gilt als eines der größten geschlossenen Burgareale der Welt… und ist seit über tausend Jahren politisches und symbolisches Zentrum des Landes. Hier residierten böhmische Fürsten und Könige… später die Habsburger… und heute hat der Präsident der Tschechien seinen Amtssitz.
Das Herzstück des Areals ist der gewaltige Veitsdom… eine gotische Kathedrale, deren Bau im 14. Jahrhundert unter Kaiser Karl IV. begann. Hier wurden die böhmischen Könige gekrönt… hier liegen viele von ihnen auch begraben… und über allem ragt der große Südturm, der das Panorama der Stadt prägt.
Nicht weit davon entfernt steht die St.-Georgs-Basilika Prag… eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Burg… mit ihren markanten weißen Türmen und einem romanischen Kern aus dem 10. Jahrhundert.
Ein ganz anderes Bild bietet das kleine, beinahe märchenhafte Goldenes Gässchen… eine enge Reihe bunter Häuser, die einst von Burgwächtern, Handwerkern und später auch Künstlern bewohnt wurden.
Dazu kommen mehrere Höfe, Paläste und Gärten… allen voran der Alter Königspalast Prag mit seinem beeindruckenden Vladislav-Saal… einst Schauplatz von Krönungsfeiern, Ritterturnieren und königlichen Empfängen.
So wirkt die Prager Burg heute wie eine kleine Stadt in der Stadt… ein Ort, an dem über Jahrhunderte Geschichte geschrieben wurde… und von dem aus man gleichzeitig einen der schönsten Blicke über Prag hat.
Für 18 € erhält man ein Ticket, das zu folgenden Zugängen berechtigt: Alter Königspalast, St.-Georgs-Basilika, Goldenes Gässchen und St.-Veits-Dom. Wir starteten mit dem Dom. Die Besichtigung gestaltete sich als eine Massenabfertigung, einmal im Uhrzeigersinn durch die Kirche. Ich besichtige ja gern und viele Kirchen, so etwas habe ich aber noch nicht erlebt… normalerweise setze ich mich gerne mal auf eine Bank und lasse das Gebäude auf mich wirken, das war hier schlicht nicht möglich… aber gut… als Tourist auf zu viele Touristen zu schimpfen, hat ja noch nie etwas eingebracht… schöner war es anschließend draußen auf einer Bank, dem Treiben vor der Mega-Kulisse zuzusehen. Den alten Königspalast wollten wir überspringen, weil gerade eine der tausenden Schulklassen am Einlass war, stattdessen ging es dann in die St.-Georgs-Basilika. Der schlichte romanische Bau steht im krassen Gegensatz zur monumentalen Gotik des Veitsdoms. Anschließend besuchten wir das Goldene Gässchen, wo es ebenfalls aussah, als hätte jemand Auflauf bestellt. Den Königspalast hatten wir inzwischen vergessen und machten uns langsam bereit für den Abstieg von der Burg.
Als wir wieder unten waren, liefen wir ein wenig durch die Kleinseite, so heißt der Stadtbezirk unterhalb des Burgberges. Gegenüber der Kirche St. Nikolaus auf der Kleinseite kehrten wir dann erstmal zum Mittagessen ins U Glaubiců ein. Wir hatten Glück mit dem Platz, als wir dann später wieder gingen, war kein einziger Platz mehr frei, weder innen noch außen. Unser nächstes Objekt war dann die bereits erwähnte St.-Nikolaus-Kirche. Da dieser Bau im Schatten der gigantischen Burg steht und auch ringsum in dichter Bebauung liegt, merkt man erstmal gar nicht, wie groß die Kirche ist. Mit ihrer Kuppel und dem Glockenturm prägt sie durchaus schon das Bild der Kleinseite, die wahre Größe erfährt man dann, wenn man die Kirche betritt. St. Nikolaus zählt zu den bedeutendsten barocken Kirchengebäuden der Welt. Das Deckenfresko „Verherrlichung des heiligen Nikolaus“ zählt mit einer Fläche von 1500 Quadratmetern zu den größten Werken Europas, die mit Farbe und Pinsel erschaffen wurden… mächtig gewaltig und reichlich Lametta.
Nachdem wir nun Gotik, Romanik und Barock studiert hatten, ging es erstmal zurück in die Unterkunft. Eigentlich war das noch etwas zu früh, aber da wir ja alle auch nicht mehr die Jüngsten sind, war etwas Ruhe auch nicht verkehrt. Abends gingen wir dann in das Restaurant U Mariánského obrazu direkt um die Ecke und genossen das gute tschechische Essen und das ebenso gute Bier… und das alles zu Preisen, wie wir sie in Deutschland schon lange nicht mehr kennen. Später sollten es für mich noch ein paar Guinness werden, und ich besuchte den Maverick’s Pub auf der anderen Seite der Hauptstraße Seifertova. Es gab Guinness im 0,4-l-Glas, der Laden war sehr klein und befüllt mit wiederum vielen grün gekleideten Menschen, die Englisch sprachen und gefühlt die halbe Stadt gekapert hatten. St. Patrick’s Day war bereits vorbei, aber es gab für Irland noch mindestens ein Qualifikationsspiel für die Fußball-Weltmeisterschaft zu absolvieren… und zwar in Prag gegen Tschechien. Halb Irland muss dann Urlaub genommen haben und nach Prag gereist sein… ist ja auch eine prima Konstellation: die irischen Meister der Feierlichkeit und das Land des billigen Bieres (nicht zu verwechseln mit Billigbier… auf keinen Fall, aber ein normaler halber Liter kostet durchschnittlich 2–3 Euro).
So richtig konnte mich das Maverick’s nicht begeistern, so dachte ich, ich besuche nochmal das O’Neills vom Vortag… da war es so schön ruhig… aber da sollte ich mich täuschen… der Laden war an diesem Abend nämlich komplett in irischer Hand… und zwar mit richtigen Feierbiestern. Mit irgendeinem Song begann die Meute so richtig in Stimmung zu kommen, dann wurden die irischen Schlachtgesänge geschmettert, getanzt… mit Fahnen, ohne Shirt, ohne Schuhe… immer euphorisch… das Gute daran war, dass da kein einziger Stinkstiefel dabei war, die Iren sind, ähnlich wie die Schotten, ein grundsympathisches Fußballvolk. Inzwischen drückte ich ihnen durchaus die Daumen für das Spiel, welches am nächsten Tag stattfinden sollte. Nach einigen Pints und gerne genossener Fußballkultur war dann bei mir auch der Kanal voll und es ging bergauf zur Unterkunft… Tag 2 war damit Geschichte.
Der dritte Tag war nicht im Voraus verplant, sondern offen für alles, was noch von Interesse ist. Wir fuhren mit der Tram zur Haltestelle Dlouhá třída, die in der Nähe von Josefov, dem alten jüdischen Viertel, liegt. Die jüdische Kultur hatte in Prag große Bedeutung. In dem Viertel sind viele Spuren dieser Zeit noch sichtbar. Die ursprüngliche Bebauung musste Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts moderneren Gründerzeitbauten weichen. Übrig blieben einige Synagogen, das Jüdische Rathaus und der Jüdische Friedhof. Dass diese Bauwerke auch die Zeit des Nationalsozialismus überlebt haben, ist ausgerechnet Adolf Hitler zu verdanken… der wollte nämlich aus dem Areal ein Museum für eine ausgerottete Rasse machen… kann man sich nicht ausdenken. Nichtsdestotrotz sind die Gebäude heute auch Museum, nämlich das Jüdische Museum. Wir hatten keine Besichtigung geplant, und es war auch bereits am Vormittag ein großes Gewimmel von Schulklassen aus aller Welt. Leider konnte man den berühmten alten jüdischen Friedhof nur im Zusammenhang mit einem Museumsbesuch besichtigen, und ich fand auch nur eine kleine Öffnung in der Mauer, durch die man ein paar Quadratmeter sehen konnte.
Vorbei am Rudolfinum, einem prächtigen Konzerthaus und Sitz der Prager Philharmonie, liefen wir an der Moldau in Richtung Karlsbrücke, bogen dann in die Innenstadt ein und steuerten das Altstädter Rathaus und besonders dessen Astronomische Uhr an… es war kurz vor 11 Uhr. Ich nutzte die Tatsache, dass alle die Uhr sehen wollten, und kaufte mir ein Ticket, um die Sache mal von oben zu betrachten. Eigentlich dachte ich ja an Treppensteigen auf alten, abgelatschten Stufen aus dem Mittelalter… aber siehe da… Aufzug! Der Ausblick konnte sich sehen lassen, dass ein kalter Wind mir fast die Mütze vom Kopf geblasen hätte, ist auf den entstandenen Fotos nicht zu sehen.
Danach waren wir kurz etwas unentschlossen, wie es weitergehen sollte, aber es kam die Idee auf, eine Bootsfahrt auf der Moldau zu machen… also wieder zurück zum Fluss und auf dem letzten Drücker Tickets für eine Lunch-Fahrt gebucht und eine Minute vor Ablegen den Kahn betreten. Als Begrüßung gab es ein Glas Becherovka, den tschechischen Nationalschnaps. Wir hatten Fensterplätze und mit der Aktion zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: wir konnten im Warmen relaxen und nebenbei von einem ordentlichen Buffet Mittag essen. Dabei zog Prag an den Ufern der Moldau an uns vorbei… wenn wir nicht gerade in einer Schleuse standen. Diese zwei Stunden waren sehr angenehm… danach bummelten wir auf der Insel Kampa, die Teil der Kleinseite ist und wieder ganz andere, angenehm schlichte Akzente dieser so vielseitigen Stadt zeigte. Das Wetter war kalt, aber gut für Fotos… so bummelten wir langsam über die Most Legií, Brücke der Legionen auf Deutsch… und stiegen in die Tram, die uns zurück nach Žižkov brachte. Für das Abendessen genügten nach dem üppigen Buffet ein paar Sachen vom Lidl um die Ecke.
Natürlich musste ich noch meine gastronomischen Erfahrungen ausbauen und besuchte an diesem letzten Abend das Pivnice U Sadu, wenige hundert Meter von der Unterkunft entfernt, einen Steinwurf vom Fernsehturm entfernt. Der Fernsehturm von Prag ist 216 Meter hoch und wurde zwischen 1985 und 1992 erbaut. Seine Erscheinung ist nicht unumstritten, aber inzwischen doch akzeptiert… Architektur bleibt halt auch nicht stehen… bemerkenswert sind die Plastiken von krabbelnden Kindern des Künstlers David Černý, die uns am Nachmittag auch auf der Kleinseite begegnet sind. Aber jetzt zum U Sadu… es handelt sich um ein typisches tschechisches Restaurant der bodenständigen Art… etwa 100 Jahre alt und fest verknüpft mit den politischen Veränderungen der Tschechoslowakei in der Wendezeit. Das Interieur erinnert teils durchaus an das Offside… es gibt überall etwas zu entdecken. Es gibt drei eigene Biersorten: Sádek Vaněk 1988 (benannt nach einer Gestalt eines Theaterstücks von Václav Havel), Sádek 11° und Sádek English Pale Ale. Ich testete natürlich alle drei, fand aber das Sádek 11° am besten, ein schönes, süffiges tschechisches Bier. Zu allem Überfluss gab es dort auch noch Guinness… auch das wurde von mir für gut befunden. Im TV lief das Länderspiel Tschechien – Irland, und ich konnte mir vorstellen, was da im Stadion los war, nachdem ich in Prag die meisten Iren außerhalb Irlands kennenlernen durfte… Die Iren führten via Elfmeter und Eigentor schnell mit 2:0, und ich freute mich heimlich ein wenig… die Tschechen im Pub eher weniger. Danach ging die Partie allerdings noch in die Verlängerung, und am nächsten Morgen las ich, dass Irland nach Elfmeterschießen ausgeschieden war. Ich bin mir trotzdem 100%ig sicher, dass alle ihren Spaß hatten.
Tags drauf hieß es dann bereits wieder Abschied nehmen. Kurz vor 10:00 Uhr verließen wir Žižkov und begaben uns zum Hauptbahnhof. Dass bei der tschechischen Bahn auch nicht alles Gold ist, was glänzt, konnten wir auch noch erfahren. Dort ist es offenbar üblich, dass das Gleis, von dem der Zug abfährt, erst wenige Minuten vorher festgelegt wird… was dann früher oder später doch zu etwas Chaos sorgte… aber gut… mit 35 Minuten Verspätung kann man leben, und schnell waren wir wieder in unseren heimatlichen Quartieren.
Es war wieder eine schöne Reise, bei der auch alles so geklappt hat, wie es geplant war. Da wir alle drei in der Zeit gesundheitliche Macken hatten, waren wir natürlich doppelt froh, dass das alles so prima geklappt hat. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft solche Kurztrips zusammen unternehmen können, und bedanke mich bei meinen Eltern für die Einladung und die kostbare Zeit miteinander sowie bei Nina, die mir zu Hause den Rücken freigehalten hat.
Es folgen noch einige Bonus Fotos

