McLarsen reist

Drei Tage in Lübeck

14.09.2021… alle Jahre wieder kommt von diesem Blog im September ein Reisebericht… meistens aus Schottland. Seit die Corona Pandemie die Weltherrschaft übernommen hat ist halt alles ein wenig anders. Sicher wäre eine Reise nach Schottland möglich gewesen, aber es würde sich irgendwie falsch anfühlen. Bereits im vergangenen Jahr bin ich auf Reiseziele ausgewichen die leichter beherrschbar sind… nämlich sehenswerte Städte in Deutschland die ich noch nicht kenne. Bamberg und Erfurt waren die ersten Ziele, fast ein Jahr später geht es nunmehr in den Norden der Republik in die Hansestadt Lübeck. Mein Fokus liegt wie immer auf den Bereichen Geschichte, Architektur und Gastronomie… Fotografie nicht zu vergessen.
Meine Erwartung im Voraus (?) : eine gut erhaltene Altstadt, Unesco Welterbe, riesige Backsteinkirchen und schöne kleine Details in den Gassen der mittelalterlichen Altstadt. Das Wetter scheint nur am Anreisetag mitzuspielen… aber schauen wir mal…

Ankunft mit dem Motiv vom 50 Mark Schein und dem Turm auf den es gleich hoch geht

Teil dieser Reiseserie ist die Anreise mit der Bahn, was ja häufig schon einen Touch von Abenteuer einstreut… heute nicht… alles nach Plan und ohne Probleme via Hamburg gelaufen… und das bei bestem Wetter. Die Sache mit dem Wetter scheint bei diesen Reisetrips auch ein gewisses Schema zu haben: mindestens ein Sonnentag und ein kompletter Regentag. Sonne war heute und laut App wird es morgen den ganzen Tag regnen. Mit diesem Wissen wusste ich das es heute vom Vorteil wäre Fotos bei schönem Wetter zu machen. Vom Hauptbahnhof ist es nicht weit zum Hotel, am berühmten Holstentor vorbei direkt an der Trave liegt meine Unterkunft. Nach dem Einchecken kurz frisch gemacht ging es dann auch gleich los… einmal die Altstadt von oben nach unten und rechts nach links vermessen und einige schöne Bilder geknipst.

Das Motiv vom letzten Bild, nur andersrum... Holstentor von St.Petri. Das Haus im Vordergrund (2. links vom Bus) ist mein Hotel.
Blick auf Rathaus, Marktplatz und Marienkirche... bisschen seltsame Architektur (Vordergrund) darf auch dort nicht fehlen...

Am Anfang ging es erstmal auf den Turm der St. Petrikirche, die hat nämlich einen Fahrstuhl und in der Höhe von etwa 50 Metern hat man eine tolle Rundumsicht und auch eine Übersicht über die Größe der Altstadt… und die ist kompakt aber übersichtlich.

Blick über die Trave zur Altstadt mit Marienkirche und Petrikirche
Blick zum Dom

Diese Altstadt ist ja das was Lübeck so berühmt gemacht hat… die Hanse hatte hier ihre Hochzeit und machte viele Bürger reich, was dann auch in Kirchen- und Profanbauten investiert wurde. Heute leben nur 7% der etwa 200.000 Einwohner Lübecks in der Altstadt… Touristen in zahllosen Beherbergungsstätten machen das wieder wett. Als die Sonne dann schon ganz schön tief stand ging es erstmal zurück ins Hotel und kurze Zeit später zu Essen und Bier.

Zwickelbier im Brauberger zu Lübeck

Für heute hatte ich mir die Brauereigaststatte Brauberger zu Lübeck ausgesucht, sie liegt nur wenige hundert Meter vom Hotel entfernt. Ich wurde nicht enttäuscht, das Zwickelbier war so lecker das ich ein paar mehr nehmen musste… und auch das Schnitzel Balkan Art konnte sich sehen lassen… und geschmeckt hat es auch. Der Laden (ziemlich groß, auf mindestens 3 Ebenen und Biergarten) war Top organisiert… mit einem Einlass wo wirklich auch die 3G Regeln kontrolliert wurden und auch Registrierung. Es war einiges los… ich saß am Tresen (mal was anderes 😉 und hatte Spaß den Jungs und Mädels zuzuschauen. Auf dem Rückweg machte ich noch ein paar Nachtaufnahmen von Holstentor und Altstadtblick… wie ich finde auch gelungen dafür das ich nur mit dem iPhone fotografiere… (ok nachts aber mit Ministativ). Danach ließ ich es genug sein für heute… morgen ist auch noch ein Tag… wenns regnet, dann sind morgen Gebäude von innen dran… hier gibts ´ne Menge große Kirchen und Museen…

Holstentor bei Nacht
Der Dom... mit dem langen...Langhaus

Tag 2… gut geschlafen, gut gefrühstückt und der Regen war auch noch nicht da… also gleich los bevor Petrus die Schleusen öffnet… Zuerst ging es zum Dom… der zweitgrößten Lübecker Kirche. Der Dom ist die älteste Kirche Lübecks. Sie war vor der Reformation Bischoffssitz, Heinrich der Löwe gab etwas Geld für den Bau dazu. Die erfolgreichen Bürger, Kaufleute und Patrizier der Hansezeit konnten mit dem Bischoff und seinem Dom wenig anfangen, die Kathedrale lag etwas abseits vom bunten Treiben der Hansestadt im Süden der Altstadtinsel im Domkapitel, die Hanseaten bauten bald ihre eigenen Kirchen, allem voran die Marienkirche in Bestlage. Der ursprüngliche Dom war eine romanische Basilika im Stile ihrer Zeit… in Zeiten der Gotik wurde sie mehrmals umgebaut und erweitert, u.a. die mächtige Westfront mit den heute 115 Meter hohen Türmen und auch das Langhaus wurde… (Tada…) verlängert… auf 130 Meter… damit in der Rangfolge der längsten deutschen Kirchengebäude ganz weit vorne. Nach der Reformation wurde der Dom und das ganze Domkapitel von der Stadt einkassiert und  heute von der Nordkirche genutzt. Wie viele andere historische Gebäude Lübecks (ein Fünftel der Altstadt) wurde auch der Dom bei einem Bombenangriff Ende März 1942 schwer zerstört. Der Wiederaufbau dauerte Jahrzehnte… zum Glück wurden viele Inventarstücke ausgelagert, so das man heute noch viele Kunstwerke bewundern kann… u.a. ein 17 Meter hohes Triumphkreuz von 1477 oder einen Lettner mit Kirchenuhr aus der Renaissancezeit.

Dom Inneres gen Osten mit Triumphkreuz
...damit man weiß was die Stunde geschlagen hat... Uhr im Dom

Der Ostteil des Doms kann derzeit nicht besichtigt werden da dort gebaut wird. Nach der Besichtigung regnete es noch immer nicht und ich schlenderte etwas durch die Stadt, vorbei an vielen kleinen Gassen und Häusern die gerne mit Weinstöcken und Kletterrosen verziert sind. Für 12:30 hatte ich mir eine Führung in der Marienkirche geplant und hatte nun noch etwas Zeit und besichtigte in der Zwischenzeit die Jakobikirche.

Der interessante Turm der Jakobikirche
Die berühmte Stellwagen Orgel

Im Vergleich zu Dom und Marienkirche wirkt diese Kirche beinahe klein… ist sie aber nicht wirklich. Die Jakobikirche ist eine dreischiffige Hallenkirche aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts… sie wurde für die Fischer und Seefahrer gebaut (deswegen dreischiffig…haha…quatsch…). Der Turm ist 112 Meter hoch und hat eine interessante Version der Turmspitze… so mit Kugeln und so… 2019 machte der Turm von sich reden als der Zeiger einer Turmuhr plötzlich und unerwartet vom Turm segelte… und zum Glück kam niemand zu Schaden. Diese Kirche wurde im Krieg nicht zerstört, so das man ihre reichhaltige Ausstattung heute noch bestaunen kann. In Kreisen der Orgelfans soll die kleinere der beiden Orgeln, gebaut vom berühmten Orgelbauer Friedrich Stellwagen (1603-1660) eine der berühmtesten Orgeln Europas sein… steht bei Wikipedia. In einer kleinen Seitenkapelle steht übrigens der Rest eines Rettungsbootes der 1957 gesunkenen Segelschiffs Pamir. Der Raum erinnert mit vielen Exponaten an die 80 ertrunkenen Seefahrer.

Marktplatz mit Rathaus und Marienkirche

Danach sollte eigentlich die größte Kirche der Stadt, die Marienkirche besichtigt werden. Zweimal pro Woche gibt es öffentliche Führungen… laut Website der Kirche… stattdessen fand zu dieser Zeit eine Kirchenmusik Veranstaltung statt und die Führung zog warscheinlich mit den Teilnehmern des Events los als die Interessenten außerhalb noch draußen warteten das sich die Türen öffnen… mittlerweile im Regen… drinnen wußte man von nix und ließ uns dort ewig warten bis sich aufklärte das die Führung fast fertig ist… gut… 45 min rumgestanden für nix… aber egal, ich habe die Kirche dann selbst erkundet. Die Marienkirche gilt als die Mutter aller großen nordischen Backsteinkirchen. Ihre Größe und ihre (ehemalige) Ausstattung zeug(t)en vom Wohlstand und Erfolg der Hanse. Die Erbauer und Finanzierer der Kirche müssen viel Freude gehabt haben als sie das hochgotische Flaggschiff zwischen 1277 und 1351 errichteten… dem Bischoff seinen Dom einfach mal klein aussehen lassen… so hat der Dom zwar mit seinen 130 Metern besonders lang… aber St. Marien mit 39 (!) Metern Gewölbehöhe mächtig hoch… auch die Türme sind mit 125 Metern höher… außerdem wurde die Kirche auf dem höchsten Punkt der Altstadtinsel gebaut und liegt direkt am Markt und dem Rathaus… da konnte der Bischoff nur noch gucken… Leider hatte es die Marienkirche in der Bombennacht von 1942 ziemlich böse getroffen, so das der Innenraum im Vergleich zu den anderen Lübecker Kirchen sehr schlicht ausfällt. Das besondere an diesem Sakralbau bleibt die schiere Größe… zum ersten mal wurde ein fast 40 Meter hohes Gewölbe aus Backsteinen gebaut… einer musste sich das ja erstmal trauen… an Nachfolgern sollte es dann nicht mangeln… siehe die ebenfalls sehr großen Kirchen in Wismar, Rostock und Stralsund.

...ganz schön hoch...
...Gewölbe der Marienkirche

Nach drei Kirchen war dann erstmal gut… es regnete inzwischen ohne Unterlass, also erstmal eine kleine Pause, dann noch ein weiterer Spaziergang… der dann bei dem Wetter auch nix getaugt hat… Kaufhäuser waren auch langweilig… also erstmal ins Hotel und in die Tasten für diesen Bericht gehauen… …der Rest des Tages kommt morgen ans Tageslicht… 😉
…dann irgendwas essen… nach dem Riesenschnitzel gestern gab es heute vegetarische Kost beim Kartoffelspeicher direkt ein Haus weiter… dann natürlich Bier… im Mac Thomas… es war heute sehr lecker (das Guinness).

Tag 3: Das Wetter heute verspricht weitestgehende Trockenheit ohne Sonne… aber wer braucht die schon (?)… es ging auf die Piste mit erstem Ziel: Museum Behnhaus-Drägerhaus. Ich bin ja eigentlich nicht der große Museumsgänger aber als ich gelesen habe was dort alles so rumhängt hatte ich mal Lust drauf. Es handelt sich um zwei benachbarte Bürgerhäuser aus dem 18. Jahrhundert in denen man u.a. original erhaltene Zimmer dieser Zeit besichtigen kann und gleichzeitig ist es eine große Kunstausstellung. Es gab Bilder von Caspar David Friedrich, Friedrich Overbeck, Edvard Munch und Max Liebermann (u.v.a.), Skulpturen von Ernst Barlach und Gerhard Marcks und jede Menge über die wohl berühmteste Lübecker Familie seiner Zeit… die Manns zu sehen, hören, lesen. Jedes Exponat hatte gute detaillierte Beschreibungen beiseite und es gab reichlich Möglichkeiten mit QR Codes interaktive Sachen zu erleben… toll gemacht und sehr umfangreich.

Im Museum Behnhaus-Drägerhaus
...wohnen wie bei feine Pinkels...

Weiter ging es zum Heiligen-Geist-Hospital, ein mittelalterliches ehemaliges Spital. Derzeit kann nur der Raum der Kirche direkt an der Straße besichtigt werden… es war auch eine Doku-Ausstellung für modernes Wohnen zu sehen… was ich allerdings nicht weiter beachtet habe. Danach ging ich kurz zum Burgtor (das deutlich unbekanntere Pendant des Holstentores) und noch einen Abstecher ins Willy Brandt Haus. Die Besichtigung ist gratis und bietet einen interessanten Einblick in Leben und politischem Werk Brandts… er ist ja gebürtiger Lübecker.

Das Heiligen-Geist-Hospital

Im Anschluss besichtigte ich noch ein Gebäude was Kirche und Museum gleichzeitig ist… nämlich die Katharinenkirche… gepredigt wird dort schon seit Napoleons Zeiten nicht mehr, es ist ein Museum… errichtet um 1300 im Stile der Backsteingotik aber im Gegensatz zu den anderen Lübecker Kirchen ohne Turm. Das Hauptexponat, das Gemälde „Erweckung des Lazarus“ von Tintoretto war leider gerade hinter einem Gerüst versteckt. Besonders sehenswert ist die Kirche wegen ihrer Schlichtheit und dem lichtdurchfluteten Innenraum. Danach gab ein Fischbrötchen und eine kleine Pause.

Katharienkirche gen Osten
Katharienkirche - Ausgestellte Kunst

Eine Kirche fehlte mir noch in meiner Raupensammlung… die Aegidienkirche… dran vorbei gelaufen war ich schon mindestens zwei mal… drinnen noch nicht.
Das änderte sich dann am Nachmittag. Die Kirche und das ganze Viertel war damals für die kleinen Leute… heute ist es ein sehr begehrtes Wohnviertel. Die Kirche selbst ist ebenfalls im Stile der Backsteingotik… wie so vieles hier… das Innere ist recht dunkel… Kriegszerstörungen gab es kaum, so kann man heute noch eine reichhaltige Ausstattung bewundern.

Aegidienkirche - Turm (86 Meter hoch)

Danach gab es ein Pausenbier in dem Lokal Im alten Zolln… eine Kneipe die es seit 1589 gibt. Sie haben ein eigenes Bier was recht süffig war und wirklich sehr nettes Personal. Ich hätte noch stundenlang dort sitzen können… dann wäre der Tag aber bald vorbei gewesen… stattdessen ging es erstmal ins Hotel, dann Essen im Brauberger und Guinness im „Pub If“ mit einem Gandalf-ähnlichen Wirt und zum Schluß nochmal bei Marta im MacThomas… was definitiv mein Wohnzimmer wäre, wenn ich hier wohnen würde… überhaupt… die Lübecker sind alle ziemlich gut drauf. Die Stadt ist quicklebendig, Fahrräder und Scooter so viele wie in Berlin, viele junge Leute und natürlich Touristen Ü60 mit Camp David Klamotten… aber da kann ja die Stadt nix für… Fazit : auf jeden Fall eine Reise wert… ich war bestimmt nicht zum letzten mal da… und in diesem Sinne… Danke für die Aufmerksamkeit.

Drei Tage in Erfurt – Tag 1

…das Gesicht der Stadt : Dom und Severikirche… so ein Ensemble gibt es kaum irgendwo anders..

 

2020… ein Jahr ganz sicher zum vergessen… Corona hält die Welt im Griff, aus allen Löchern des Planeten schlüpfen irgendwelche Schlaumeier aus der Brut des Halbwissens… und auch das reisen ist kompliziert. Meine Deutschlandreise im Frühjahr fiel in den Lockdown, Schottland hatte ich auf Grund der Situation vor Ort selbst gecancelt… zum ersten mal keine Schottlandreise seit 2009… Eine Bierwanderung mit Freunden in der fränkischen Schweiz mit anschliessendem Aufenthalt in Bamberg war das einzige was bislang 2020 geklappt hat. Die Pandemie spielt mittlerweile wieder mit den Muskeln und diverse Bundesländer erheben ein Einreiseverbot für Menschen aus Corona Hotspots wie eben das heimische Berlin Mitte… zum Glück macht Thüringen diesen Quatsch nicht mit und ich kann guten Gewissens in die Hauptstadt dieses Bundeslandes einreisen.
Warum Erfurt ? …nun ja… ich war noch nicht da… Erfurt hat eine sehr gut erhaltene Altstadt mit vielen Kirchen und anderen historischen Bauwerken… auch die Gastronomie sollte interessant sein, freilich nicht mit so vielen Brauereien wie neulich in Bamberg, aber gutes Essen können sie in Thüringen ganz sicher auch… ganz jenseits der Bratwurst (die ich nicht esse).
Vorab ein paar Fakten… Erfurt hat gut 213.000 Einwohner, liegt am Rande des Thüringer Beckens und ist von den größeren Städten die mittigste Stadt Deutschlands… die verschiedenen berechneten Punkte die die geographische Mitte Deutschlands darstellen sollen, sind nicht weiter als 50 km entfernt. Seit 1990 ist Erfurt erstmalig die Hauptstadt des Bundesland Thüringens, in der DDR war Erfurt Bezirksstadt des Bezirks Erfurt, dem auch die nicht minder bekannten Städte Weimar und Jena angehörten. Davor wiederum gehörte Erfurt zuletzt zu Preußen, in der Zeit des heiligen römischen Reiches war Erfurt nach Köln, Nürnberg und Magdeburg die größte Stadt ihrer Zeit. Der zweite Weltkrieg hat verhältnismäßig wenige bleibende Schäden in der Stadt angerichtet, so das heutzutage eine große Menge historischer Substanz erhalten ist.

Meine Unterkunft : das Haus in der Mitte…
…warum auch immer… aber der KiKa kommt aus Erfurt…
Blick von der Festung Petersberg… etwas eingeschränkt wegen Bauarbeiten…

So, kurz vor halb zwölf in den ICC gestiegen (…etwa 700 m von zuhause… muß ja mal damit angeben, wie verkehrsgünstig wir wohnen…) und nach beschaulicher Fahrt etwa halb drei in Erfurt ausgestiegen. Ich hab mich in der letzten Zeit einigermaßen auf diese Stadt vorbereitet und bin auch (normalerweise) in der Lage aus dem Gedächtnis der Karte mein Ziel zu finden. Am Anfang war das alles auch wie vermutet… immer der Strassenbahn nach und dann kommt man fast automatisch dahin… wenn die Strassenbahn allerdings unerwartet mehrere Optionen bietet, kann man sich vertuen… diese Gelegenheit habe ich genutzt und war plötzlich ganz wo anders… aber nicht schlimm… so groß ist das hier nicht, ein paar Minuten war ich am Ziel : Das Gasthaus Glücksmoment (ich als Pechmann kann das gebrauchen) in einer kleinen Altstadtgasse. Als ich dort ankam stand gerade eine Altstadtführung vor dem Haus… Das Zimmer ist wohl eher als Art Ferienwohnzimmer zu verstehen, sprich es gibt ein Zimmer, (es gibt mehrere) aber kein Hotel mit Frühstücksraum oder Rezeption etc. dazu. Ins Haus kommt man mit einem vorher geschickten Code und dann liegt der Schlüssel im Briefkuvert… Das Zimmer ist völlig ok, alles ist sauber und wenn ich aus dem Fenster schaue, dann sehe ich die kleine aber dominante Allerheiligenkirche die irgendwie in diesen Strassenplan eingebaut wurde… 

Blick vom Dom auf die Altstadt
Krämerbrücke von aussen…
und innen… da siehts wie eine normale Straße aus…

…Der Wetterbericht lässt für morgen nichts gutes erahnen… sogar eine Regenwarnung zeigt meine App… noch nie gesehen… aber vorsorglich bin ich dann erstmal durch die Stadt geflitzt um von den wichtigen Sachen noch ein paar Bilder zu knipsen, die nicht in einer Regenwolke schweben… Dom und Severikirche… die Stars der Stadt (das wusste ich als Kind schon)… Krämerbrücke… eine bebaute Brücke die aussieht wie eine normale mittelalterliche Straße, nur läuft ein kleines Flüsschen drunter)… und Petersberg… der allerdings ist Großbaustelle und die berühmten Ausblicke gibt es gerade nicht… alles schnell fotografiert… 

In der Altstadtkneipe Noah…
…und von aussen…

Nach dem Frühstück um etwa 9:30 meldete sich mein Magen, das etwas Nahrung  vorteilhaft wäre… damit ging es dann in die Straße „Arche“… und wenn man da eine Kneipe hat (oder Restaurant et.) …dann hätte ich diese auch Noah genannt. Ich hatte mir den Laden bereits vorher ausgesucht, sie haben eine große Auswahl an Bier, auch Whisky und bodenständiges, lokales Essen. Da ich nur wenige Minuten nach Öffnung auf der Schwelle stand, war es kein Problem einen Platz zu finden… zwei Bier und ein Rostbrätl später sah es schon schwieriger aus… der Laden steht dem Offside in seiner Gestaltung ziemlich nahe… kaum gibt es irgendeine freie Fläche an den Wänden… alles alte Bilder oder alte Werbung (allerdings ohne roten Faden… im Offside dreht sich zumindest im hinteren Teil alles um lokale Sachen… aber egal…) Das war alles gut, allerdings mußte man sich das nach gut britischer Manier alles selber bestellen und auch gleich bezahlen… kein Problem bei zwei Bier und einem Essen… aber einen ganzen Abend trinken… dann vielleicht doch nicht… Danach erstmal Pause… die 200 m bis zum Hotel… kurz geruht und dann noch was trinken. In Erfurt gibt es mindestens 3 Irish Pubs… Das Offside ist kein Irish Pub… auch wenn manche Leute es so sehen… wenn ich dann aber doch mal in der Fremde bin… dann interessiert es mich doch, wie es da aussieht… Ziel Nummer Eins war das Dubliners. Ein klassisches Irish Pub mit großzügiger Ausstattung und warscheinlich größerem finanziellen Background… sehr gepflegt und sehr empfehlenswert… Das Länderspiel Deutschland – Schweiz stand an und mein Plan war einfach ein paar Guinness und bisschen Fußball schauen… dann kam Karl Heinz* … ein pensionierter Pädagoge im Alter meiner Eltern… nur deutlich schrulliger… Frage : „Spielt denn der Herr Löw da noch mit ? … Ich habe neulich in der Zeitung gelesen… der ist ja sehr sympathisch…“… das war nur der Anfang… es war schon ziemlich schräg… dann wollte er mir unbedingt einen Schnaps spendieren… Eierlikör ? …klar… kein Problem… ach gibt es nicht… dann zwei Sauerkirsch… klingt alles ziemlich obskur… aber der alte Herr hatte Spaß und ich auch… manchmal ist das so… man trifft sich einmal und alles ist gut.
Auf dem Rückweg machte ich noch diverse Nachtfotos mit Stativ, den Rest des Tages hab ich an diesem Blog geschrieben… mal sehen wie die Regenkatastrophe von morgen ausfallt… bis dahin… 

Dom und Severikirche spät abends…
Der Autor vorm Turm der Allerheiligenkirche…

Drei Tage in Erfurt – Tag 2

 

Die Allerheiligenkirche passte ihren Grundriss der Straßensituation an.
Kolumbarium in der Allerheiligenkirche

 Das große Wetterwunder ist heute ausgeblieben… es regnete dafür nur einmal… es muß heute nacht begonnen haben und ich hoffe es hört wenigstens morgen mal wieder auf. Ok ich bin ja auch nicht gekommen um Pigmente zu haschen sondern die Stadt Erfurt kennenzulernen und das geht auch im Regen. Als erstes ging es über die Straße zum Bäcker und erstmal Kaffee und belegtes Brötchen hinter die Kiemen. Anschließend ging ich spazieren… die Strecke hatte ich mir grob ausgesucht. Start war die Allerheiligenkirche direkt gegenüber von meinem Fenster. Es ist eine kleine katholische Kirche die im Laufe der Jahrhunderte irgendwie an die Strassensituation angepasst wurde. Bemerkenswert ist ein Kolumbarium… das sind Stelen mit den Urnen Verstorbener (Christen und Nichtchristen). Wenn man Angehöriger ist, hat man eine Chipkarte und kann dort hinein, für die Öffentlichkeit ist der Bereich gesperrt. Weiter ging es ins Andreasviertel. Dieses kleine Stück Erfurt war früher eher von den ärmeren Bevölkerungsschichten bewohnt. In der DDR verfiel das Viertel zusehends, es gab fertige Pläne das Viertel komplett abzureißen und mit Plattenbauten zu versauen…äähm.. verbauen… Zum Glück war dafür Ende der 1980er kein Geld dafür da und nach der Wende wurde das Andreasviertel liebevoll saniert. An vielen der alten Häuschen stehen lustige Namen… schließlich gab es früher noch keine Adressen und Postleitzahlen. Der einzige Vorteil bei Stadterkundungen im Regen sind die fehlenden Touristen, so das ich in den kleinen Gassen fast alleine war und fotografieren konnte. Leider war das die Zeit der Müllentleerung, weshalb auf den Bildern mehr Mülltonnen als Häuser zu sehen sind. 

Impressionen im Regen…
…im Andreasviertel…
…sehr liebevolle Details…

 

Weiter ging es an der Gera (ich bemühe mich ja Gera nicht wie seinerzeit Nina Hagen mit Ä auszusprechen…), das ist der Fluß der durch Erfurt fliesst. Es folgte eine Stippvisite im Augustinerkloster in dem der junge Martin Luther 6 Jahre als Mönch lebte. Neben der Klosterkirche ist auch das Klostergelände bemerkenswert, weil es vielfach mit modernen Bauten ergänzt wurde. Weiter ging es durch die Altstadt und z.B. durch die Waagegasse, eine dieser verwunschenen Gassen wo man sich nur noch die keifenden Alten von damals und die Gerüche dazu vorstellen muß… die Kulisse steht schonmal dafür… Es waren viele Stadtführungen in der Gegend unterwegs welche ausschließlich aus Rentnern mit Riesenschirmen bestand… war nicht immer einfach…, es folgte die Besichtigung der Predigerkirche, einer ehemaligen Klosterkirche von beachtlicher Größe… Meister Eckhart (nein nicht der von Werner… der hieß Röhrich), ein berühmter Theologe und Philosoph seiner Zeit, wirkte hier. 

Augustinerkloster… alt & neu müssen sich nicht abstoßen…
Martin Luther lebte als Mönch dort…
Im Regen nix für glatte Schuhe… Mittelalterliches Pflaster in der Waagegasse…
                         
…die dann auch nicht sonderlich breit ist…

 

…mehr Platz gibts in der Predigerkirche… sehr groß von innen…
…eher unspektakulär von aussen…

Dann Mittag, beim Fleischer zwei Häuser neben der Unterkunft eine Roulade mit Klössen und Rotkohl für 5€ eingesackt und im Zimmer gegessen. 14:00 war der einzige Termin des Tages : Führung im Dom. Den Teil der Führung der draußen ist wurde wetterbedingt auf nötigste reduziert. Im Inneren wurde viel erklärt und gezeigt, sogar etwas Orgelmusik war dabei… sehr schöne, interessante und auch wirklich große Kirche… das merkte ich vor allem als ich im Anschluß noch die benachbarte Severikirche besuchte… die ist höchstens ein Drittel so groß wie der Dom, obwohl die Kirchen vom weitem ähnlich groß wirken. 

Erfurter Dom nach Osten…
…das ist Wolfram… er ist ein Armleuchter… aber einer der ältesten Exponate des Doms (etwa 1160)
Die Törichten Jungfrauen… muß glatt mal nachschauen um was es da geht… die sehen ganz lustig aus…
TV im Mittelalter… was für Kunstwerke…
Im Inneren der Severikirche

 

Genug der Kirchen für heute dachte ich… aber es regnete immer mehr und ja… was tun mit dem angebrochenen Nachmittag (?) Shopping ? ok, warum nicht… rein in den Anger 1 (das ist das Einkaufscenter #1 von Erfurt)… ja… Karstadt… dies… das… brauch ich ja alles nicht… bin dann irgendwann Richtung Unterkunft gegangen und schrieb einen Großteil dieses Berichtes. Abends stand natürlich wieder die Guinnessversorgung der Thüringenmetropole an… gestern The Dubliner… heute Molly Malone. Das Molly Malone liegt sehr nahe an der Krämerbrücke, ich kam etwa 19:00 an und hatte einen guten Platz direkt an der Türe… etwa 15 min später kam dann der Karl-Heinz von gestern aus dem Dubliner (der mir noch gesagt hatte, er gehe nur alle paar Monate in die Kneipe…) …und ich hatte den gleichen grünen Pullover wie gestern an… „wir hatten ja eine sehr nette Unterhaltung neulich…“ …nun gut, das neulich war gestern und war auch ok… heute aber nicht… ich bin aber wohl nicht so richtig fit in der Behandlung von Problemfällen… irgendwann wusste ich nicht mehr wie ich aus der Nummer rauskomme ohne unhöflich zu sein und wechselte einfach die Location. 

 

Im Molly Malone (+KH)
Im Patricks

 

Das dritte Irish Pub, namens Patrick’s Pub war nur …naja 10 min entfernt und eigentlich noch besser… allerdings hab ich festgestellt das alle drei Pubs von einer Hand geführt werden… aber das ist halt was anderes als das Offside… funktioniert aber auch. Morgen werde ich eine kurze Bewertung der Pubs posten… Wer sich diesbezüglich keine Platte machen muss ist der Wirt von Johnny Worker… da wollte ich erst hin… hatte aber eine unfreiwillige Zwischenstation… irgendwie hatte ich die falsche Tür erwischt und war in der falschen Kneipe ohne das erstmal zu merken… ok Bier bestellt… dann… mmmpf… das ist nicht die Whiskykneipe… wat für ne Dumpfbacken da… aber war ja mein Fehler… Bier schnell ausgetrunken und ab zur richtigen Tür … zum Johnny Worker… ich hab mir vorgenommen, morgen nochmal hinzugehen und den meine Eindrücke zu schildern… bis dahin… Gute Nacht.

 

 

Drei Tage in Erfurt – Tag 3

Herbstliches Pflaster mit Dom… Stiftsgasse
Ehemaliger Kornhofspeicher (15.Jh)… heute Parkhaus

Meine Prophezeiung das der Regen ja irgendwann mal wieder aufhört ging wohl irgendwann heute morgen in Erfüllung. Heute war es allgemein grau aber trocken. Feste Termine gab es nicht mehr, also auf gut Glück ab durch die Stadt und noch hier und da ein paar Bilder schießen…  links am Dom vorbei in die Stiftsgasse… auch ein wenig verwunschen und eine andere Ansicht des Domes… dann an der Gera entlang, an der Ruine der Barfüßerkirche vorbei zum Anger… das ist sowas wie der Erfurter Kurfürstendamm… dann nochmal zur Krämerbrücke mit Enten… irgendwann kam ich dann wieder am Fleischer vorbei und nahm mir eine Suppe zum Mittag mit. Dann gab es erstmal eine kleine Pause…

Die Ruine der Barfüßerkirche
Anger
Kaufmannskirche mit Lutherdenkmal

später noch ein kleiner Erkundungslauf… viel passiert ist an diesem Nachmittag aber nicht mehr… irgendwann waren alle Hotspots abgelaufen, das Wetter hat einen auch nicht herausgefordert „komm raus du Stubenhocker“… außerdem ist das ja auch irgendwie Urlaub und kein Leistungssport. Gegen 19:00 Uhr ging es dann erstmal in Patricks Pub… Burger und Guinness waren angesagt… die drei Pubs sind alle zu empfehlen… die Leute denen das gehört haben gut investiert und das Personal war auch in allen Läden stets freundlich und kompetent. Das Dubliner ist das größte, bei Molly Malone war ich Dank Karl-Heinz nur kurz und im Patricks hat es mir irgendwie am besten gefallen. Zum Abschluss des Tages ging es dann nochmal ins Johnnie Worker. Mein Eindruck von gestern bestätigte sich definitiv… wäre ich wohnhaft in Erfurt… dann würde ich ziemlich oft beim Detlef sein… nicht nur wegen der hervorragenden Whiskyauswahl, sondern auch wegen dem netten Publikum… ich müsste nur von Guinness auf Murphys umsteigen (sic)…

…es gibt tatsächlich eine Schottenkirche… warscheinlich ohne Whisky…
Enten an der Krämerbrücke 1
Enten an der Krämerbrücke 2

…mittlerweile sitze ich wieder im Zug Richtung Berlin… etwas verschmitzt blinzelt die Sonne ab und zu durch… naja…. Es waren drei schöne Tage und ich kann Erfurt nur empfehlen. So viel Kunst und Geschichte in der Mitte Deutschlands gibt es selten auf einmal… Drei Tage für die Stadt sind großzügig bemessen… noch ein Tag wäre zuviel und einen weniger zu kurz. Was bleibt ist eine schöne Erinnerung.

Kirchgasse bei Nacht

McLarsen goes to Arran – TAG 1 : ARDROSSAN

McLarsen goes to Arran
September 2018 und es ist wieder soweit, ich bin mal wieder in Schottland und werde euch daran wieder teilhaben lassen. Der Plan ist es, eine Woche auf der kleinen Insel Arran zu verbringen… das ist recht üppig wenn man bedenkt, das es derzeit nur eine Whiskybrennerei dort gibt und die zweite noch gebaut wird. Aber der Whisky hat mich ganz sicher auf dieses Land gebracht, ist aber wirklich nur ein Baustein in diesem Puzzle. Das schöne Land und seine tollen Leute haben mich zum Schottlandjunkie gemacht. Freiwillig ist da wohl auch kein Ende in Sicht… auch wenn der Brexit vor der Tür steht… Diesmal ist es die Schottandreise No.13… mit Hinflug am 11. September… ob da alles so klappt wie immer ?…

…nun ja… nicht wirklich, es fing auf dem S-Bahnhof Bornholmer Straße an, wo ein nicht allzu schlauer Rollstuhlfahrer versucht hat Rolltreppe zu fahren, dann böse kopfüber runtergefallen ist und ziemlich übel hilflos auf der noch laufenden Treppe lag, genau in dem Moment wo ich auf der anderen Seite runtergefahren bin. So schnell wie ich konnte bremste ich die Rolltreppe, es kamen dann noch zwei andere Passanten, die mitgeholfen haben, irgendwann auch Bahnpersonal…, eine S-Bahn war dann weg, aber das machte nichts, da kurze Zeit später die Verspätungsmeldung des Fluges gemailt wurde… damit war ich wieder locker in der Zeit. Die Verspätung des Fluges nach Glasgow betrug 40 Minuten und ich dachte bei mir… gut das ich extra die späte Fähre gebucht habe, damit ich nicht hetzen muß. Die Autovermietung am Flughafen liegt etwas außerhalb, das da mit Kleinbussen transferiert wurde sah ich erst als ich dort war, insgesamt kostete das auch wieder Zeit. Als ich dann dran war, rief mich eine Dame von Calmac (das ist die Fährenbude in Schottland) an und teilte mir mit das die letzte Fähre gestrichen wurde, vielleicht schaffe ich ja noch die davor (18:00 Uhr):(es war 17:15 Uhr)… Als endlich alle Formalien vom Autovermieter abgeschlossen waren fuhr ich die kleine koreanische Eierfeile mit quietschenden Reifen vom Hof, vielleicht schaffe ich es ja noch… zum Glück hatte ich mir die Strecke gestern nochmal angeschaut, Navi stellen war nicht mehr… aber nun gut… der Verkehr war recht zäh und eine Baustelle mit Stau verhinderten meine pünktliche Ankunft, die Fähre war weg. Etwaige Schadensersatzdinge muß ich später klären. 
 

…stranded in Ardrossan…

Da ich nun in Ardrossan gestrandet war, brauchte ich nun eine Unterkunft. An dieser Stelle lob ich mir die schöne neue digitale Welt, in der man mit dem Smartphone mit wenigen Klicks eine Bleibe findet. Diese heißt Victoria Guesthouse mit Strandblick in Ardrossan / Saltcoats. 

Der Name Saltcoats kommt aus der Zeit als hier aus dem Meer Salz gewonnen wurde, hauptsächlich für die Fischerei…
Die waagerechten Haare belegen die steife Brise…

Vielleicht wäre ich hier ja nie gelandet… und es ist sogar ganz hübsch hier. Endlich weiß ich auch wo sich der Regen, den wir in Berlin ja nur noch vom Hören und Sagen kennen versteckt hat… hier. Allerfeinstes schottisches Schietwetter begleitete meinen kleinen Strandspaziergang bevor ich dann zu Burger und Bier eingekehrt bin. Die erste Fähre um 7:00 Uhr darf ohne mich los, die zweite um 9:45 sollte mich dann aber an mein Ziel bringen… ich halte euch auf dem Laufenden…

McLarsen goes to Arran TAG 2 : BRODICK

McLarsen goes to Arran TAG 2 : BRODICK
…die gestrigen Abweichungen vom Plan sind vergessen. Heute hat alles geklappt und der erste Tag in Brodick hat Spaß gemacht. Die Überfahrt mit der Fähre dauert etwa eine Stunde und die hatte ganz schöne Wetterkapriolen zu bieten. Ich hatte streckenweise Angst, daß ich von Bord geblasen werde, so stark war der Wind. 
Aprilwetter auf der Überfahrt nach Brodick
…mit Besserung nach Ankunft… im Hintergrund der höchste Berg Arrans : Goatfell (874 m)

Bei Ankunft auf Arran wurde es dann aber zunehmend besser, von ein paar Schauern mal abgesehen. Ich habe keine festen Termine hier, aber zwei Ziele : einen Tag nach Kintyre rüber und einmal auf den Goatfell klettern. Für beides gibt es aber keine fixen Termine. Heute galt es erstmal die nähere Umgebung zu erkunden: Brodick, der Hauptort der Isle of Arran. Ich als schnöseliger Berliner hab mich ja bis jetzt immer auf den Hauptstädten der Inseln niedergelassen (Bowmore, Kirkwall, Portree, Tobermory) und so ist es auch diesmal die Haupt…stadt… ok, immerhin leben hier etwa 850 Einwohner… auf der gesamten Insel etwa 4600. Die Fläche von etwa 430 qkm ist vergleichbar mit der von Usedom, da leben laut Wikipedia 76.500 Einwohner… da ist aber auch plattes Land. Arran wird gerne als Schottland in Miniaturausgabe bezeichnet. Man muß wissen das Schottland in der Landschaft mindestens zweigeteilt ist… es gibt die hügeligen Lowlands und die teils krass beeindruckenden Highlands. Grund für diese Zweiteilung  ist grob gesagt eine geologische Verwerfungslinie welche sowohl Schottland als Festland in High- und Lowland trennt und auch den Nord-und Südteil der Insel Arran unterscheidet… daher die Bezeichnung mit der Miniaturausgabe.

Isle of Arran – Brodick (Capital City)
Eingekehrt bin ich im Ormidale Hotel etwas abseits der Hauptstraße im Norden des Ortes. Es ist ein familiengeführter Betrieb mit Pub und allem Schnickschnack… genau danach hatte ich auch gesucht. Mein erster Eindruck ist sehr positiv, alles schön sauber und ein für eine Person recht üppiger Single Room. Wie das mit der Lautstärke ist… bin ich noch gespannt… Nach Erkundung der Hauptstraße mit diversen Geschäften Cafés etc. ging es dann aus den Dorfkern hinaus zum Arran Hertiage Museum. Eintritt kostet 4 £ und man erfährt viel von der geologischen Entstehung der Insel, über die Zeiten unter norwegischer Flagge, Robert the Bruce, Highland Clearances und Weltkriege. Man besichtigt eine Schmiede, ein Cottage von etwa 18hundertirgendwas und kann jede Menge landwirtschaftliches Gerät inspizieren. Danach ging es zum Brodick Castle bzw. den umliegenden Gärten. Das Schloss ist bis nächstes Jahr wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, die Gärten sind davon nicht betroffen. Ich machte eine Führung mit, die auch ohne Innenansichten des Castles viel über Geschichte und die Personen die dort gewirkt haben Aufschluß gibt. Der Garten beeindruckt mit seiner Artenvielfalt, die einer späten Regenten-gattin mit grünem Daumen zu verdanken ist. Besonders lohnenswert soll ein Besuch um Mai – Juni sein, wenn alles in Blüte steht.

Brodick Castle… teils Mittelalter, teils Cromwellzeit, teils Victoriazeit…

In den Brodwick Castle Gardens… jeder Botanische Garten wäre neidisch…
Gleich neben den Gärten befindet sich die Arran Brewery. Ich hatte ein wenig falsche Erwartungen diesbezüglich… ich dachte nach dem ganzen Gelatsche könnte man sich dort etwas an selbstgebrauter frisch gezapfter Ballerbrühe laben… aber der Shop ist eigentlich nur ein Verkaufsraum für Flaschbier und Merchandise… warum kein Biergarten ??? …nun gut, dann über den netten Fußweg namens Fisherman’s Walk der teilweise über den Golfplatz führt, zurück zum Strand von Brodick und ein dram aus der Jackentasche ins Glas, dabei die eintreffende Fähre im Visier bei mittlerweile standesgemäßem Wetter… is ja Urlaub…  

…das Wetter vom Vormittag war wie der Schnee von gestern…

Abends wurde der Pub eine Etage tiefer getestet und für sehr gut befunden. Später gab es noch Pop Bingo… man hat mich fast genötigt mitzumachen, aber ich hab noch nie Bingo gespielt und weiß auch nicht wie das geht… bei der Musik kannte ich dennoch fast jeden noch so peinlichen Song mit Titel und Interpreten…

Morgen… ist Donnerstag… der Rest ergibt sich… bis dahin…

McLarsen goes to Arran TAG 3 : ARRAN – NORTH

McLarsen goes to Arran TAG 3 : ARRAN – NORTH
Kopfintern war ja eigentlich der Abstecher nach Kintyre für heute vorgesehen. Wenn ich jedoch in die weitere Interna meines Schädels eintauche, kann ich mich allerdings nicht ganz frei von dem Gedanken machen, das der Hauptgrund dafür in einer Brennerei mit angeschlossenen Whiskyladen der Treibstoff dafür ist… da gibt es schließlich so einen Käfig, wo arme Whiskyflaschen eingesperrt sind… und …ach die ärmsten… Naja nach einigen hin-und-her-überlegen beschloss ich zumindest heute nicht nach Kintyre zu fahren, vielleicht ja morgen oder übermorgen… Ein weiterer Punkt meiner innerlichen Absage war dann auch das Wetter. Währenddessen es in Berlin und Brandenburg weiter vor sich hin trocknet, hat es sich hier offensichtlich eingeregnet. Mein persönliches Schottlandwetter habe ich vermutlich bereits im Juni verbraucht als ich mit Hamburger,  bayerischen und Mecklenburger Freunden die Westküste unsicher gemacht habe. 
Seit 1995 in Betrieb : die Isle of Arran Distillery.
Also Plan hin oder her… erstmal ins Auto und den Nordteil der Insel abklappern… erste Station : The Isle of Arran Distillery. Die aktuell einzige Whiskybrennerei auf Arran (ein Zustand der sich in den nächsten Monaten ändern wird…) war eine der ersten Brennereien die ich vor 8 Jahren besucht habe. An den Touren hat sich laut Website glaub ich nicht viel geändert, deshalb sparte ich mir das auch und wurde stattdessen im Shop fündig und zwei Distillery Only Flaschen (eine davon von 1996… man muß wissen…der erste Spirit floss hier 1995…) und ein Blechschild zum Arran Brodick Bay (einer limitierten Abfüllung die es im nächsten Offside Tasting geben wird), dürfen mit nach Berlin. Noch ein paar Fotos von außen, dann weiter zum Lochranza Castle was mich ein wenig an meinen Zahn erinnert, der mir neulich halb abgebrochen ist… von vorne noch einigermaßen ansehlich, aber von hinten kaputt und innen hohl. Nun ja, ich werde demnächst zum Zahnarzt gehen und das Lochranza Castle zum Castledoctor… (ich merke… ein paar Guinness machen beim schreiben albern…) 
Lochranza Castle… bzw. was davon übrig ist…
Weiter ging es die Ringstraße um die Nordspitze der Insel zur Westseite, wo sich die Steinkreise von Machrie Moor befinden. Man läuft vom Parkplatz bis zu den Steinkreisen etwa eine halbe Stunde und zurück. Leider fing es da gerade an so richtig zu schütten, aber mit Wind von hinten… ich war später froh, eine zweite Hose mitgenommen zu haben… aber egal. Die Steinkreise von Machrie Moor sind etwa 4000 Jahre alt . 
Machrie Moor… 4000 Jahre alte Steinkreise
Vom größten Kreis stehen nur noch 3 Steine, die lassen aber ahnen, was hier mal abgegangen ist… sicher großes Kino für Fred Feuerstein & Co. Lustig war noch eine Truppe von Leuten, die irgendwelchen spirituellen Hokuspokus in einem Steinkreis gemacht haben… ich mußte mich zügeln, nicht ein unqualifiziertes „JEHOVA, JEHOVA“ zu rufen… 
JEHOVA, JEHOVA !!!
Den Rest des Tages ist nicht mehr viel nennenswertes passiert, ich lobe nochmal die Bar in diesem Haus, die Betreiber haben sich viele nette Details ausgedacht, so klebt die nicht zu umfangreiche Speisekarte auf alten Schallplatten… und die Tische haben den Umriss der Insel Arran… gibt es sicher auch nicht im Möbelhaus… Beim Pubquiz hab ich heute nicht mitgemacht…das hat mir auch die Blamage erspart… erstens ist mein Englisch mangelhaft, zweitens… was hab ich für Ahnung von britischen TV Sendungen  oder Moderatoren. Promis etc… Aber die Leute hatten Spaß… ich auch… morgen bestimmt auch wieder…man liest sich…

McLarsen goes Arran TAG 4 : KINTYRE

McLarsen goes Arran  TAG 4 : KINTYRE
…zum Glück hat es heute nur einmal geregnet… es muß irgendwann heute morgen angefangen haben und … es regnet immer noch…, selten unterbrochen von einigen Minuten Wasserstillstand mit gelegentlichen  Sonnensekunden. Was tun bei dem Wetter (?)… Also doch nach Campbeltown. Nach dem Frühstück die koreanische Eierfeile gesattelt und nach Lochranza geritten… das ist der zweite Fährhafen Arrans im Norden der Insel, wenige hundert Meter von der Arran Distillery entfernt. Selten habe ich eine Fähre so perfekt in Zeit erwischt wie heute, ich kam auf den Patz, wo man sich der Reihenfolge nach einreihen muß, hatte die letzte freie Nummer und mein Vorgänger  rollte schon los, also rauf auf die Fähre… eine halbe Stunde dauert die Überfahrt, Preis für einmal hin und zurück mit Auto und einer Person : 25,20 £.  
Lochranza von der Fähre aus…
…ein Springbankier muß auch mal seine Filiale besuchen…
Zwecks Schnappschüssen aus dem Autofenster raus, fuhr ich die geografisch kürzere, straßentechnisch deutlich längere Single Track Road nach Campbeltown, gut eine Stunde ist man da unterwegs. In Campbeltown waren eh nur zwei Läden interessant : Cadenheads und der neue Distilleryshop bei Springbank. Wenn man das Hobby Whisky nicht ganz im Verborgenen betreibt, dann kennt man im Laufe der Jahre durch Foren etc. viele Gleichgesinnte, so war es auch kein Wunder bekannte Personen aus Deutschland bei Cadenhead zu treffen… bei dieser Gelegenheit… gute Weiterreise René… Zwei Flaschen aus dem Cage konnte ich befreien… beide 14 Jahre… ein Springbank und ein Longrow aus absichtlich eher hellen Sherryfässern. Nach der Befreiung aus dem Käfig werden sie vermutlich erstmal im Offside Keller auf dem Billardtisch eingekerkert werden… Pech(mann) gehabt…  Bei (meiner Lieblingsbrennerei) Springbank war ich ja erst vor ein paar Wochen und im kommenden April habe ich ja schließlich Dank zahlreicher Gönner im Zusammenhang meines 50. Geburtstages einen Termin zum arbeiten… damit war das heute ein kurzer Termin… Eigentlich wollte ich dann ja noch zum Southend und zum richtigen Mull of Kintyre, das ist ein Leuchtturm etwa 20 km von Campbeltown entfernt…aber es hat derart gegallert, da wäre ich nicht ausgestiegen… also… auf der „großen“ Straße zurück nach Norden. Es gab Momente, da mußte ich 30 fahren, da ich vor lauter Wasser nichts gesehen habe… einmal dachte ich in einer tiefen Pfütze mit LKW Gegenverkehr, ich werde von der Piste gespült… am Ende war aber alles gut. Nächste Station : Skipness Seafood Cabin.
…ja Schatz… mir schmeckt es auch… Skipness Seafood Cabin…
Aus diversen Berichten von Leuten, die ähnliche Berichte schreiben wie ich… war es für mich Pflicht, diese gastronomische Perle zu besuchen. Wer jetzt irgendwas schnöselig hippes, vornehmes erwartet… vergesst es. Seafood Cabin heißt ja schon mal nicht Restaurant, wir Deutschen würden es wohl schnöde Imbiss nennen. Es gibt prinzipiell viele Sitzplätze, alle draußen, überdacht allerdings nur 3 Tische… beim heutigen Wetter ein entscheidendes Kriterium. Ich bestellte die berühmte Seafood Platter und ein Arran Bier aus der Flasche und war sehr glücklich damit… ich hätte sogar noch mehr vertragen, die Preise waren sehr fair, aber es sollte ja auch nur ein Imbiss werden. Lustig waren die teilweise bizarren Hühner die dort heimisch sind, eines setzte sich spontan mit mir zu Tisch… Gut das es nicht der Wienerwald war…  Dann ging die Fahre zurück nach Arran und hier ist heute dann nichts mehr besonderes passiert. In der Bar meines Vertrauens läuft zur Zeit Karaoke mit der kompletten Dorfjugend… es war Zeit für mich zu gehen… Morgen… wenn das Wetter mitspielt… geht es bergauf…

McLarsen goes Arran TAG 5 : GOAT FELL

Eines meiner Ziele war wie bereits erwähnt der Aufstieg auf den höchsten Berg der Insel Goat Fell (874 m). In den vergangenen Tagen war das wegen des anhaltenden Regens zumindest ungünstig. Da die Wettervoraussage aber sowieso nicht gerade optimistisch war, musste ich warten, wann es mal geht. 
…vom Wetter war nix gutes zu erwarten…
Die Kurzzeitprognose für heute sagte : entweder jetzt oder nie. Kein Regen bis etwa 15:00 Uhr… das ist zu schaffen. Also mit dem Auto etwas abgekürzt auf den Parkplatz bei der Arran Brauerei und ab ging es… ähmn… nein hoch natürlich. 10:10 Beginn des Aufstieges. Diverse Ratgeber sagen 4 bis 6,5 Stunden für hin und zurück voraus. Ich habe den letzten Berg glaub ich am Wandertag in der 2. Klasse bestiegen, wir waren in den Ravensbergen (etwa 110 m) bei Potsdam unterwegs und ich kann mich glaub ich auch an keine Details erinnern. Der Goat Fell ist zwar 874 m hoch, aber das klingt auch erstmal nicht nach Mount Everest. Man sollte aber bedenken das die Berge hier an der schottischen Westküste mehr oder weniger aus dem Wasser, also von Null beginnen. Sehen wir einen höheren deutschen Berg… ich sach mal den Brocken an… dann stehen wir bereits auf ein paar hundert Metern Bergvorland oder so… die Berge hier in Schottland, (oder auch ähnlich die noch krasseren Berge in Norwegen), haben zwar keine beeindruckenden Höhenzahlen, steht man aber davor… weiß man das das nichts zählt.  …ähmn… wir waren stehengeblieben:
…erste Ausblicke auf die Bucht von Brodick…
…nur der Berg eelber hüllt sich in Wolken…
10:10 Beginn des Aufstieges . Es folgte ein Waldweg , schon ziemlich aufwärts aber halt ein relativ ebener Waldweg. Was ich immer wieder dachte… so viele gute Pilze am Wegesrand… und ich hatte keine Verwendung dafür… Danach wurde der Weg schmaler und steiler… im Prinzip war es ein kleiner Bach, denn es floss ständig Wasser runter… Man konnte es durchaus geniessen, sich umzudrehen und Brodick Bay aus der Ferne zu bestaunen. So ging das eine Weile und ich hatte schon am Anfang Zweifel, ob meine Kondition das bis zum Ende mitmacht… schließlich trainiere ich seit über 25 Jahren Unsportlichkeit… und Ausdauer war auch in meinen sportlicheren Tagen nicht mein Benchmark. So schön wie der Blick zurück auch immer war, der Blick nach vorne war… vernebelt. Die Spitze der Berges war einfach in Wolken gehüllt und… irgendwann fiel mir eine Episode meiner Kindheit ein. Als Ein-bis-zwei-Bierkistenhoch bin ich in Leipzig aufgewachsen (quasi meine ersten 7 Jahre) . Fernsehtürme kannte ich nur aus Büchern oder Fernsehen… ich war beeindruckt ohne je einen gesehen zu haben… Eines Tages ging es als Tagesausflug nach Berlin und da war klar… der Fernsehturm natürlich. Dummerweise war an diesem Tag dichter Nebel und ich war schon nicht begeistert, daß ich vom Objekt meiner Begierde nur so einen langen Stiel gesehen hatte. Ich nötigte jedoch meine Mutter so lange bis sie entnervt einwilligte, da hoch zu fahren. (es war nicht so, das sie mir verheimlicht hatte, das man bei Nebel von oben auch nichts sieht…) Naja… es kam wie es kommen musste… ich war stinksauer, warum man denn nichts sieht… Nun ja, das war ca. 1973 oder 74… heute stand ich dann auch vor der Entscheidung… wegen der schönen Aussicht lohnt sich der Aufstieg heute nicht… aber irgendwie hatte ich den Punkt überschritten, noch einen Rückzieher zu machen. Die Pauseninterwalle wurden kürzer und ich hab mich auch nicht ganz leicht getan… aber auch Dank guter Schuhe kam ich irgendwann oben an. Das Wetter da oben war eine Katastrophe, Wind, gefühlter Frost und Null Sicht… nun gut… ein Glas Arran Whisky wärmte ein wenig und nach 10 min ging es wieder zurück. 
Ein ganzer Held Dank guter Schuhe
Darauf einen Arran 21y von Scoma. war so… speziell, aber in diem Moment sehr gut.
Währenddessen beim Aufstieg Kondition gefordert ist, ist es beim Abstieg durch das ganze Granitdedöns Konzentration… immerhin geht es aber bergab und es bereitete mir keinerlei Mühe. Ich bin also warscheinlich eher der Bergabsteiger… (warscheinlich meiner bekennenden Warmduschermentalität geschuldet…) 
Abwärts war das Wetter wieder als wäre man mit dem Flieger woanders gelandet…
Fazit : 15:10… genau 5 Stunden nach dem Start war ich wieder unten, unverletzt und ohne Skistöcker, die scheinen ja wichtig zu sein… Der Rest des Tages war der Entspannung gewidmet. Morgen ist der Südteil der Insel dran und das ist dann leider auch schon der letzte Tag auf der Insel… aber das ist erst morgen…

McLarsen goes Arran TAG 6 : ARRAN – SOUTH

McLarsen goes Arran  TAG 6 : ARRAN – SOUTH
…wenn es schon einen Artikel mit Arran North gibt, dann fallen jetzt sicher nicht alle vom Glauben ab das es in der Arrangolie auch noch eine Südvariante gibt.  Mit etwas Muskelkater in den Hüften von der gestrigen Bergbesteigung ging es zur Erkundung des südlichen Inselteiles. Erste Station war Lamlash, ein Hafenort nur etwa 3 Meilen von Brodick entfernt und sogar mit ein paar mehr Einwohnern als die Hauptstadt. Imposant ist der Blick auf die Insel Holy Island direkt gegenüber vom Hafen. Buddistische Mönche sind dort ansässig.

Lamlash Hafen mit Holy Island
…noch eine Insel in der Nähe : Ailsa Craig

Das Wetter war zu meiner Ankunft etwas rau, es stürmte und der Regen peitschte, obwohl der Wetterbericht eigentlich nichts von Regen schrieb, die Straßen waren leer, die Einwohner in der Kirche und die Geschäfte zu. Sonntag halt. Also weiter… das Wetter beruhigte sich alsbald, es ging durch schöne Küstendörfer und immer wieder enge, kurvige Straßen, immerhin alle zweispurig. Nächste Station war die Baustelle der zukünftig zweiten Whiskybrennerei auf Arran : Lagg Distillery. So ziemlich an der Südspitze der Insel gelegen, soll sie ab Anfang nächsten Jahres rauchig-torfigen Whisky herstellen, errichtet wird das ganze von der Isle of Arran Distillery in Lochranza. Da es ja nicht recht erlaubt ist am Sonntag über Baustellen zu laufen um Fotos zu machen, konnte ich nur ein paar Schnappschüsse vom Rand aus machen. Die Warehouses sind wohl fertig, die Brennblasen wurden neulich geliefert (auf der Website der Arran Distillery gibt es ein Video davon)… den Rest werden wir sehen, wenn das Teil im Frühjahr aufmacht …selbstverständlich mit Visitorcenter und allem drum und dran…

Die Baustelle der Lagg Distillery
Nächster Programmpunkt war King’s Cave. Hierbei handelt es sich um natürliche Höhlen an der Westküste der Insel, wo angeblich mal König Robert the Bruce genächtigt haben soll. Die Historiker sind sich zwar ziemlich sicher, das das sehr unwahrscheinlich ist, aber als Spaziergang taugt die Strecke schon. Man kann einen Ringweg laufen, welcher 5 km lang ist und an den Höhlen (es sind mehrere) vorbeiführt. Das da auch wieder ganz gut schwieriges Gelände dabei ist erfuhr ich erst als es so weit war… aber wenn schon Muskelkater, dann richtig… Ich brauchte 1 Stunde und 20 Minuten für die Strecke und bin damit glaub ich nicht schlecht…

Die Höhlen an der Westküste…

…angeblich hat Robert The Bruce hier mal genächtigt…
Viel mehr Sachen über die es sich lohnen würde zu schreiben, gab es danach nicht mehr. Heute war der letzte Abend auf Arran und ich möchte an dieser Stelle nochmal das Ormidale Hotel empfehlen, sowohl für die Unterkunft, die Bar, das Essen und das Engagement was die Macher hier für die Anwohner auf die Beine stellen. Es gibt jeden Tag irgendeine lockere Veranstaltung… Pop Bingo, Pubquiz, Karaoke, Disco… heute war es Live Folkmusic Session. Die 4 Musiker, ich vermute 2 Ehepaare um die Mittsechziger, nicht gerade mit Coolnessfaktor ausgestattet, hatten nur 2 Fans dabei… ein Ehepaar im selben Alter. Dagegen dann der örtliche Fußballklub (die müssen gewonnen haben) mit der eigenen Idee von Partymusik… sprich… die armen Folkmusiker sind im Gegröle etwas untergegangen. …aber ich wollte noch was sagen zum Ormidale Hotel und Bar… das Anwesen wurde 1856 als Ferienhaus für den englischen Landschaftsmaler George Hering errichtet und wurde 1935 von der Familie Gilmore gekauft, die das Haus heute noch führt. Brodick auf Arran ist nun mal ein Dorf wo nicht viel los ist, aber hier ist man echt bemüht, für jeden etwas zu bieten. Respekt, hier macht man wirklich vieles richtig. Für Whiskyliebhaber gibt es auch eine gute Auswahl… sicher nichts Außergewöhnliches, aber eine solide Range mit natürlich etlichen Arran Whiskys.

Der Vorgarten vom Ormidale Hotel…unschwer zu erkennen, es war der einzige Sonnentag : Mittwoch

Morgen Vormittag geht die Fähre zurück nach Ardrossan, von dort zum Flughafen das Auto zurückbringen und der Rest gehört Glasgow… von dort oder aber auch einen Tag später von zuhause gibt es dann das letzte Kapitel… erstmal sehen was morgen abend so abgeht… 😉