McLarsen

McLarsen’s Schottlandtour 2017…einmal im Uhrzeigersinn…

Vorwort

Dieses ist eine Art Remaster eines Blogs meiner Schottlandreise von 2017. Es war die bislang letzte große Reise von über 14 Tagen die mich einmal im Uhrzeigersinn durch Schottland geführt hat. Zum 5. Jubiläum habe ich den Blog nochmal etwas aufgehübscht, das eine und andere Bild etwas verbessert und ein paar Fehler korrigiert… viel Spaß beim lesen… McLarsen 27.09.2022



Tag 1 : Flieger, Strickmuster und Stonehaven……so denn, es ist mal wieder angerichtet, das gelobte Land erhält die jährliche Septembervisite und da mich ja auch im Frühjahr noch Leute darauf ansprechen, das sie das gerne gelesen haben, möchte ich euch wieder einladen, mich dazu zu begleiten.…was liegt an (?)… 14 Tage Schottland mit einer etwas unkonventionellen Tour im Uhrzeigersinn mit Start- und Landepunkt Aberdeen, das ist so grob der Plan, der allerdings schon fast minutiös ausgearbeitet ist… auf Reisen bin ich wenig spontan… muß ich aber auch nicht,  da ich alleine unterwegs bin.Heute (Dienstag) war Anreisetag und es gibt noch nicht allzu viel zu erzählen. Da es keinen Direktflug von Berlin nach Aberdeen gibt, ging die Reise heute mit British Airways über London Heathrow. Ich war froh, das ich nicht vor ein paar Monaten die (mittlerweile Pleite)linie Airberlin gewählt hatte (…die hier aber auch eh nicht hinfliegen…), denn deren Piloten waren wohl heute alle plötzlich und unerwartet erkrankt…, (…sicher hat das seine Gründe, aber darum soll es hier nicht gehen…)… mit den Briten lief heute alles nach Plan, das einzige was neu für mich war, ist das die Getränke jetzt Geld kosten…, aber ich hatte eh noch keinen Durst…


…das erste Selfie einer Reise ist selten scharf…
Abendliche Idylle am Strand von Stonehaven

Nach dem Essen wollte ich noch eine Runde drehen und die Pubszene von Stonehaven ergründen, nach Möglichkeit mit Championsleague TV. …Nun gut, das ist hier sehr klein, ich fand nur eine Bar mit Sport TV, die hieß glaub ich Troupers oder so ähnlich und da hab ich mich nicht so recht wohl gefühlt, zumal man immer irgendwem im Weg stand, da alle auf zwei TVs schauten und mittendrinn auch noch Billard gespielt wurde. Als Celtic zur Halbzeit 0:3 zurück lag, ging ich wieder zur Hotelbar, noch ein Guinness und dann noch dieser Text… Morgen stehen folgende Sachen auf dem Zettel : Stonehaven, Dunnottar Castle, Fettercairn Distillery,  Edzell Castle, Brechin.

Tag 2: Dunnottar Castle, Fettercairn, Edzell Castle, Brechin

…kleiner Nachtrag zum Belvedere Hotel…, wenn jemand nebenan aufs Klo geht, knirschen die Dielen im eigenen Zimmer (sind wohl die selben), als würde der Sensemann neben einen stehen, kurz drüber erschrocken, klärt die Klospülung auf, das es doch nicht so ist… Das Frühstück war allerdings gut.Stonehaven hatte ich ja hauptsächlich deshalb als ersten Stopp gewählt, weil in der Nähe eine der größeren Burgruinen liegt. Das Dunnottar Castle war daher auch die erste Station des heutigen Tages.


Fällt irgendwie auf : Dunnottar Castle

Als ich gestern an der Strandpromenade unterwegs war, sah ich am Ende der Bucht den Wegweiser zum Castle mit 2,5 Meilen also etwa 4 Kilometer. Mit dem Auto muß man etwas weiter fahren und wenn man da ist, hat man einiges zu laufen und zu ersteigen, gut das ich gerade nichts mit den Haxen habe. Dunnottar Castle ist eine Burgruine, die mit der schottischen Geschichte ziemlich eng verknüpft ist. Am spektakulärsten war, das hier die schottischen Kronjuwelen vor der Armee Oliver Cromwells versteckt wurden, aber auch vieles andere, was z.B. bei Wikipedia sehr ausführlich aufgelistet ist.


Eine gut gepflegte Ruine mit viel Geschichte

Der größte Trumpf dieser Burg allerdings ist seine Lage auf einem Felsen direkt an der Nordsee.  2013 gab es eine weltweite Abstimmung für ein achtes Weltwunder und Dunnottar Castle belegte den siebten Platz, muß man auch erstmal machen…  Nunja, nach einigen Treppen war ich dann vor Ort, das Wetter war recht feucht und man mußte teilweise aufpassen, nicht auszurutschen, der Eintritt kostete 7 £ und die Sehenswürdigkeit war bereits am frühen Vormittag gut besucht. Ich glaube sogar, das dort prozentual deutlich mehr deutsch gesprochen wurde als im Wedding und Gesundbrunnen… Ein sehr imposanter Ort, leider war das Wetter nicht so gut, das ich darauf verzichtete, die Burg noch aus anderen Perspektiven zu fotografieren, das Vorhaben hätte auch Dank wiederholt ungeeigneter Schuhe im Schlamm enden können.


…das meinte ich mit Wegen abseits der Touristenströme…

Fettercairn Distillery

Der nächste Programmpunkt war die Besichtigung der Fettercairn Distillery, nur etwa 20 min mit dem Auto entfernt. Fettercairn gehört wie auch Dalmore und Jura zu Whyte & Mackay und hat ein Visitorcenter, man kann die Brennerei also offiziell besichtigen. Zum Eintrittspreis von 5 £ erhält man eine etwa einstündige Führung und einen Dram, welches der Standard Fettercairn Fior ist. Der Guide war ein älterer Herr namens Rob und der hat das ganz sympathisch gemacht. Fotografieren war leider nicht erlaubt, aber undercover habe ich trotzdem ein paar Bilder rausgeschmuggelt…

Eine Besonderheit, die ich noch nirgendwo anderes gesehen hatte, war ein Wasserring über den Spiritstills, der diese aussehen lies, als sollten sie einen Zimmerbrunnen imitieren. Man ist der Meinung das diese Vorgehensweise die Öligkeit des New Make lindert… nun ja…


Selfie mit Einhornwhisky

Eigentlich müsste Fettercairn ja die Lieblingsdistille aller kleinen Mädchen sein, ist das Symbol doch ein… Einhorn… Mama, ich will Einhornwhisky !… nein Bilder aus… Zum Kaufen gab es übrigens nix gescheites, also kein Distillery Exclusive oder ähnliches.


Ruinen von Edzell Castle…

…mit Renaissancegarten…

Bei der nächsten Station ging es dann wieder um Geschichte bzw. Architektur : Edzell Castle. Etwas außerhalb der Ortschaft Edzell liegt die Ruine des Edzell Castle, deren Ursprünge auch ins Mittelalter zurück gehen, das was davon aber noch zu sehen ist, stammt eher aus dem 16. Und 17. Jahrhundert. Besonders schön kommt der Kontrast aus dem roten Sandstein und den absolut Top-gepflegten Gartenanlagen. Es gibt dort einen selten gut erhaltenen Renaissancegarten. Mein Aufenthalt dort war besonders schön, da ich weit du breit die einzige Menschenseele war (ganz im Gegenteil zum Dunnottar Castle) …so macht es Spaß, durch die stummen Zeugen der Geschichte zu wandeln und sich vorzustellen, was wohl vor ein paar hundert Jahren hier los war.Weiter ging es nach Brechin, was dann auch die heutige Residenz ist. Die Unterkunft heißt Townhead House, liegt einen Steinwurf davon entfernt, wo einmal die Brennerei North Port stand und ist (bis jetzt) absolut zu empfehlen. Alles was gestern in Stonehaven gefehlt hat, ist hier spitzenmäßig. Sehr geschmackvoll, moderne Ausstattung mit traditionellem Stil. Schade, daß es nur eine Übernachtung ist. In Brechin gibt es noch eine Kathedrale mit einem Rundturm (in Schottland sehr selten, in Irland häufiger erhalten), etwa 1100 entstanden und schwer zu fotografieren, da die Kirche irgendwie eingekesselt ist.


…dann auch noch tiefe Sonne… Brechin Cathedral

…gut geeignet für Gruselgeschichten…

Den Abend ließ ich im Caledonian ausklingen, einem Pub mit ziemlich guter Bierauswahl, hervorragender Küche und nettem Personal. Schade, ich hatte den Eindruck der Laden läuft nicht richtig, die meiste Zeit war ich der einzige Gast und der Laden ist nicht gerade klein… Manuel, der spanische Barkeeper erzählte das Brechin vom Strukturwandel betroffen ist, der besonders in der Ölindustrie gerade stattfindet.Mir fielen auch überdurchschnittlich viele verlassene Häuser auf… schade eigentlich, denn ich finde Brechin hat schon etwas…, auch wenn hier wirklich der Hund begraben ist…, doch das muß hier sein…Morgen Vormittag steht eine Privatführung mit dem Distillerymanager von Glencadam an, das ist die noch verbliebene Brennerei hier in Brechin. Danach geht es noch neben ein paar Gebäuderesten Richtung Dunfermline, wo ich für 3 Nächte aufschlagen werde.

Tag 3: Glencadam Distillery, Arbroath, Dunfermline

Nach dem ebenfalls sehr guten Frühstück (an dieser Stelle noch ein Lob an das Townhead House) ging es zur Brennerei Glencadam, diese liegt recht idyllisch am Rande eines Parkes am StadtDorfrand. Distillerymanager Douglas Fitchett führte mich durch die kleine, altmodische und ziemlich unbekannte Brennerei. Auffällig war für mich, das dort die Brennblasen so eingebaut sind, das man keine Chance hat, sie vernünftig zu fotografieren.


Glencadam Distillery

Die versteckten Stills von Glencadam

Aus der Kühlung in den Brunnen, Wassermanagment bei Glencadam.

Das Wasser für die Kühlung wird hinter dem Brennereigebäude als Art Springbrunnen größerer Art verwendet, vom Park aus sicher hübsch anzuschauen. Glencadam, übrigens gleicher Besitzer wie Tomintoul, produziert zu mindestens 98 % für die Blended Whiskys, in diesem Falle häufig für Supermarktwhiskys in Frankreich oder Spanien. Auf dem Gelände befindet sich auch eine Halle, wo der Whisky geblended wird. Leider konnte ich nicht die großzügig angebotenen Malts zum Ende der Führung trinken, schließlich hatte ich heute einige Kilometer mit dem Auto vor mir. So ging es dann auch zügig weiter, erste Station: Montrose. Hier hatte ich nichts spezielles vor, parkte kurz, ging die Hauptstraße mal hoch, mal runter… es ist eine kleine Hafenstadt mit Bezug auf die Ölindustrie, etwa 12.000 Einwohner und wenig sehenswertes. Bis vor etwa 20 Jahren war Montrose die Heimat der Distillery Lochside, auch hier steht heute ein Supermarkt. Weiter ging es an einen Strand, der in der Gegend bei entsprechenden Wetter der Hit sein soll: Lunan Beach.


…pack die Badehose… NEIN… Lunan Beach

Das Wetter war zwar bedeutend besser als gestern, aber… ich hatte eh keine Badehose bei…, also weiter Richtung Arbroath, ebenfalls an der Nordseeküste gelegen, etwa doppelt so groß wie Montrose und für mich vor allem wegen den baulichen Überresten der Arbroath Abbey einen Stopp wert. Allzu viel ist nicht mehr von der frühgotischen Anlage erhalten, aber was noch zu sehen ist, lässt erahnen, was hier mal für ein Riesenteil stand, die Fotos können das nur andeuten. Wenn man bedenkt das der gemeine Mittelaltermensch ja eher hobbitgroß war, gab das sicher Ehrfurcht. Zerstört wurde das ganze aus verschiedenen Gründen wie Sturm, Feuer und Krieg, dann kam die Reformation und die Abbey wurde überflüssig. Historic Scotland ist ein Verein, der sich um die Restaurierung und Erhaltung solcher alten Denkmäler kümmert und das wirklich sehr gründlich, dafür zahle ich auch gerne etwas.


…das war mal eine richtig große Nummer in der keltisch christlichen Welt : Arbroath Abbey…

…auch in Einzelteilen noch beeindruckend…

Nach dem Rundgang durch die Klosterruine ging es jetzt auf die erste etwas längere Fahrt nach Dunfermline. Man braucht etwa 1,5 Stunden, man fährt über Dundee und Perth, fast alles ist so eine Art Autobahn, die aber zeitweise von hunderten Kreiseln unterbrochen wird, das man fast einen Drehwurm kriegt. Bei bestem Wetter kam ich dann in Dunfermline an. Das City Hotel liegt auch wirklich genau in der City und der erste Eindruck ist sehr positiv. Einziges Problem (bis jetzt), der W-lan Router ist tot, da muß ich noch mal sehen, ob sich da einer kümmert.


Blick vom Pittencrieff Park zum Turm der City Chambers, links in der Mitte im 2.OG mein Fenster…

Dunfermline Abbey

…auch schön : die gerade eröffnete Queensferry Bridge bei Edinburgh aus der Ferne..

Dunfermline ist mit seinen etwa 50.000 Einwohnern eine der größeren schottischen Städte. Sie liegt nördlich von Edinburgh und war schottische Hauptstadt, bevor es Edinburgh wurde. Auch hier gibt es eine Abbey, etwas besser erhalten als Arbroath bzw. wieder aufgebaut, ich war heute schonmal kurz dort, richtig anschauen tue ich sie mir aber erst morgen oder übermorgen. Den Turm kann ich vom Fenster auch sehen, genau wie den Turm der City Chambers, ein Wahrzeichen der Stadt. Schaue ich nach rechts aus dem Fenster, beginnt dort der Pittencrieff Park, der sieht auch nicht klein aus… ist aber auch auf dem Erforschungsplan der nächsten Tage. Abends gab es noch Steak und Bier, da ich aber um kurz nach 9 schon wieder im Hotelzimmer bin (und auch noch ohne w-lan)… denk ich manchmal dran… ob ich nicht doch älter werde… Morgen stehen wiederum alte Gesteinsreste und 3 x neue Whiskymanufakturen auf dem Plan…


Typische Landschaft in Fife

Tag 4: In The Kingdom Of FifeDas Kingdom of Fife ist eine ehemalige schottische Region, die vor gut 20 Jahre von Verwaltungsbezirken ersetzt wurde (hört sich fast deutsch an…) Viele schottische Könige und ihr ganzes Umfeld sowie Ikonen des Christentums prägten diesen Teil Schottlands an der Ostküste oberhalb Edinburghs. Nicht zuletzt stammt aus der Gegend die erste Erwähnung der Whiskybrennerei, aber dazu später…Heute standen ganze 9 Stationen auf dem Zettel, ich habe davon 5 erledigt und finde, das reicht auch, Urlaub sollte nicht in Arbeit ausarten. Die erste Station war Loch Leven und Loch Leven Castle. Der See liegt etwa 20 km von Dunfermline entfernt, relativ nahe an der Autobahn. Auf einer kleinen Insel des Sees befindet sich das Loch Leven Castle.


…mit dem Boot zur Insel…

Loch Leven Castle…viel schottische Geschichte erlebt…

Man kommt mit einem Boot dahin, was etwa 10 Minuten dauert, der Preis ist im Eintritt inklusive.  Es ist eine der ältesten Burgen Schottlands. William Wallace und Robert The Bruce waren dort und lenkten die jahrhundertelangen Scharmützel mit den Engländern. Prominentester Gast (wenn auch nicht freiwillig) war die schottische Königin Maria Stuart, die etwa ein Jahr dort gefangen gehalten wurde und 1568 mit ihrem Gefängniswärter flüchtete. Viel erhalten ist außer den Grundmauern nichts mehr, trotzdem ein sehr schöner Ort, zumal das Wetter heute Vormittag ziemlich klasse war.

Nach 45 min ging es zurück an Land und die nächste Station war die ganz neue Lindores Abbey Distillery bei Newburgh. Ganz neu deshalb, weil sie noch gar nicht produziert, die Leute von Forsyth sind dort noch am ackern und ich denke, in wenigen Tagen geht es da los.


Lindores Abbey Distillery… im Visitorcenter…

Lindores Abbey Distillery… Die Brennblasen kurz vorm Debüt

Das Visitorcenter ist schon offen, man kann dort etwas zur Geschichte erfahren, schließlich kam die erste schriftliche Überlieferung vom Brennen eines uisge beatha (gälisch für Wasser des Lebens, später wurde das Wort Whisky davon abgeleitet) von einem Mönch namens John Cor aus der Lindores Abbey, deren Reste sich direkt vis-a-vis zur Brennerei befinden. Man kann also sagen, der Ort hat eine gewisse Tradition zum Schnapsbrennen. Ein Cafe und Souvenirshop sind auch bereits offen. …noch kein Tropfen destilliert, aber schon 20 Shirts, Taschen, Schnickschnack etc… der ganze Laden ist voll… zum kaufen…zzzzz…..


Falkland – Schloß und Garten

Die nächste Station war das Schloß Falkland, knapp 30 min entfernt. Als ich dort ankam, hatte ich Mühe einen Parkplatz zu finden, so voll war das da, Reisebusse inklusive. Mehr oder weniger aus Versehen, hab ich mich mit einer französischen Reisegruppe auf das Gelände geschmuggelt, das bemerkte ich erst beim rausgehen, als ich einen Ticketschalter sah… Nun gut, ich war eh nur kurz im Garten für ein paar Fotos, das war mir zu überlaufen, also ging es dann Richtung St. Andrews zur ebenfalls neuen, aber bereits produzierenden Eden Mill Distillery & Brewery. Diese befindet sich in einem ehemaligen Industriekomplex im St. Andrews Vorort Eden.


…unspektakulär : Edenmill Distillery & Brewery

Eine Whiskytour hätte mich fast 2 Stunden Wartezeit gekostet, also ließ ich das bleiben , drehte eine Runde im Shop und fuhr weiter zur nächsten neuen Distillery, nämlich Kingsbarns. Auf dem Weg dorthin kam ich durch St. Andrews, was für heute auch auf dem Zettel stand. Da das Wetter aber bereits wieder auf Regen geschaltet hatte, verwarf ich einen Stopp dort und überlege morgen mit dem Bus hinzufahren. Kingsbarnes ist ein Dorf etwa 10 km von St.A. entfernt, alles dreht sich in der Gegend um Golf, etwa 3 km vom Dorf entfernt liegt dann die Kingsbarns Distillery.


Das erste abgefüllte Faß mit Kingsbarns (pre-)Whisky

Kingsbarns Distillery. Das Wetter war mittlerweile im A…

Auf den Überresten eines landwirtschaftlichen Gebäudekomplexes aus dem 19. Jahrhunderts baute der unabhängige Abfüller Wemyss eine neue Distillery, vor allem um als independent Bottler etwas zum tauschen zu haben. 2015 wurde das erste Faß abgefüllt und nächstes Jahr kann der erste Whisky gebottled werden (kann…, nicht muß). Im Bistro von Kingsbarns  konnte ich noch eine leckere Suppe essen, bevor ich eine Privatführung bekam, allerdings nicht ob meiner Prominenz, sondern weil grad niemand anderes da war. Zu zweit kann man das ja etwas individueller gestalten, so outete ich mich gleich als nicht ganz Unbefleckter was Whisky angeht und David, der Guide fragte mich hier und da ab, ob ich wirklich Ahnung habe…, hatte ich, manchmal stotterte nur die englische Sprache ein wenig… Leider durfte ich trotz Handshake mit dem Produktionsleiter und all der Intimität der Führung nicht mal ein Foto in dem Produktionsraum machen (…ja, es ist alles auf kleinstem Raum). Da nicht mal mehr produziert wurde, für mich eine Enttäuschung, die völlig albern ist, aber selbstverständlich akzeptiere ich die Vorschriften im Hause Kingsbarns. Eine kleine Flasche New Spirit darf den Weg in die Heimat antreten. Es ist am 4. Tag die erste Flasche… Rekord… Dann ging es durch reichlich Regen zurück nach Dunfermline. Das WLAN geht noch immer nicht, zum senden muß ich eine Etage tiefer… hmmm… egal. Danach gab es noch Burger und Bier im 7 Kings, einer Riesenkneipe im Stil von Wetherspoon, nur jünger, inklusive einer Geräuschkulisse wie auf dem Frankfurter Flughafen. Noch ein Guinness im Old Inn, dann reicht es jetzt auch. Morgen… ist der einzige Tag, der noch nicht verplant ist. Es soll regnen und ich überlege, ob ich mit dem Bus (Busbahnhof = 50 m) nach St. Andrews oder Edinburgh fahre, beides Ziele bei denen das Auto zum Ballast werden könnte. Vielleicht mache ich aber auch etwas anderes, lasst euch überraschen…


Tag 5: Dunfermline & St.Andrews

…so, der nicht verplante Tag ist nun auch gelaufen. Ich habe es etwas ruhiger angehen lassen und das Auto hatte heute auch frei. Als erstes habe ich mir die Dunfermline Abbey und die Reste des dazugehörigen Palastes angeschaut. Die Gründung der Abtei geht  ins 11.Jh zurück, sie wurde im romanischen und frühgotischen Stil erbaut. Die Gebäude, die dem früheren Abt als Palast diente, wurden im 17. Jh vom schottischen Königshaus bezogen. Wie so viele andere Bauwerke, wurden die Kirche und das Kloster in den Wirrungen der Reformation zerstört bzw. dem Verfall preisgegeben. Erst im 19. Jh fing man an, das Ensemble zu sichern, zu rekonstruieren und zum Teil neu zu bauen. Das zuletzt als Palast des schottischen Königshauses genutzte Gebäude verfiel ab dem Moment, als 1603 die britischen Königshäuser fusionierten. Ich habe heute sehr lange dort verbracht, ein sehr mystischer Ort und eine der bedeutendsten Bauwerke Schottlands.


…den Weinkeller könnte man noch benutzen…

Zickzackmuster in den Säulen der mittelalterlichen Kathedrale

Das Grab von Robert I., better known as Robert the Bruce

Nationalheld Robert the Bruce, von 1306-1329 schottischer König, liegt in der Kirche begraben. Neben der historischen Anlage beginnt eine ziemlich große Parkanlage: der Pittencrief Park. Dieser hat viele Facetten, von halbwildem Wald, über Blumenrabatten  bis zum vornehmen englischen Rasen ist alles vorhanden. Nachdem ich also etwas länger in Dunfermline unterwegs war, nahm ich den Bus nach St. Andrews. Warum Bus (?), ich hatte keine Lust die gleiche Strecke wie gestern mit dem Auto zu fahren, außerdem sah ich gestern auch, das es kaum Parkplätze dort gibt. Der Bus fährt hier gleich um die Ecke und ich mag es mit Musik auf den Ohren durch die Gegend zu gondeln und aus dem Fenster zu gucken, anstatt sich auf den Verkehr konzentrieren zu müssen. Die Fahrt dauerte etwa 1,5 Stunden. St. Andrews ist eine Universitätsstadt, was nicht zu übersehen ist. Man läuft die Market Street entlang und erlebt eine Mischung aus Elitestudenten und Seniorengolfern, sehr schön anzuschauen.


Die Palastreste vom Pittencrief Park gesehen

St. Andrews vom alten Hafen aus gesehen

…wie Reste eines ehemaligen Gebisses ragen die Reste der Kathedrale zu St. Andrews empor…

An der Nordseeküste gibt es dann dann 2 Ruinen zu besichtigen: das Castle und die Kathedrale. Von beiden sind nur noch Reste vorhanden. Der schottische Prediger John Knox, einer der ersten ranghohen Kirchenvertreter, der die Reformation vorantrieb, rief das Volk dazu auf, die Kirche und das Schloß zu zerstören. Das ist ihnen gut gelungen, die Fläche der Kathedrale wurde nun als Friedhof genutzt. Man kann das alles mit vielen hunderten Touristen besichtigen. Danach ging es wieder heimwärts, essen trinken… wie jeden Tag, morgen steht wieder einiges auf dem Plan, der nächste Bericht sollte morgen aus Dumfries im Süden Schottlands kommen.


…zum Abschluß con Dunfermline noch zweimal das Rathaus, zuerst aus dem Hotelfenster…

…und zur blauen Stunde später in anderem Licht, aber nicht weniger reizvoll…

…das nenn ich mal Brücke… übrigens 2500 m lang… von 1890 !…

…so viel Stahl gibt es nicht auf dem größten Schrottplatz !…

Tag 6: Brücken, Glenkinchie, Melrose, Scott’s View, Annandale & Dumfries

…die Überschrift deutet es bereits an : heute wird’s nicht langweilig, es gibt vor allem einige Kilometer zu schrubben… Der checkout vom City Hotel Dunfermline fiel mir nicht so schwer… mein erster Eindruck war ja ganz gut, aber im Nachhinein war der einzige Vorteil die (ja, doch…) ziemlich brilliante Lage. Das Zimmer war auch ok, aber ohne funktionierendes wi-fi macht das keinen Spaß. Ich hatte viermal Bescheid gesagt, es funktionierte mal ein paar Stunden (aber auch nur äußerst dürftig), danach wieder nicht. Die brilliante Lage hat auch für all die einen Nachteil,  die Ruhe wünschen. Gerade am Wochenende war im Hotel und drumherum ein Riesenremmidemmi…, mich hat es kein bisschen gestört, aber das nur zur Info. Heute ging es Richtung Süden, tief in die Lowlands. Station #1 waren die Brücken über den Firth of Forth. Es stand ja neulich weltweit in allen Gazetten, das mit der neuen Queensferry Bridge westlich von Edinburgh eine Brücke mit neuen Superlativen eröffnet hat. Am 04.09. war die Queen hier und hat das Bauwerk eingeweiht. Auf dem Weg in den Süden Schottlands musste ich hier sowieso vorbei und machte einige Aufnahmen, allerdings weniger von der neuen Brücke, auch nicht so viel von der mittelältesten Brücke, sondern von dem Baudenkmal und Weltkulturerbe Forth Bridge von 1890. Ich habe mich im Vorfeld informiert, wo man gute Aufnahmen machen kann, das geht gut, wenn man Albert Hotel Queensferry in die Navigation eingibt. Plötzlich steht man wie ein kleiner Junge vor einem Megateil aus Stahl, der so gewaltig ist, das ein darüberfahrender Zug zwar zu hören ist, aber nicht weiter auffällt. 1890 war es die Brücke mit der größten Spannweite weltweit, das hielt immerhin 30 Jahre lang, dann wurde man in Kanada weiter… und es ist die erste Brücke dieser Dimension, die komplett aus Stahl errichtet wurde. Etwa 5000 Arbeiter waren dabei, etliche überlebten nicht, ein Gedenkstein auf dem öffentlichen Parkplatz listet die Namen auf.

Eigentlich wollte ich noch ein paar andere Aufnahmen besonders von der neuen Brücke machen, aber erstens hatte ich schon genug von der alten im Kasten, dann benutzte ich auch noch eine Navigation, welche die neue Brücke noch garnicht kannte und mich andauernd auf die alte schicken wollte… ich hab das recht spät kapiert und damit Zeit verloren, aber egal… Trotzdem war es im Nachhinein richtig, mit Navigation zu fahren (was ich sonst eigentlich ablehne), die großen Straßen in Schottland, besonders um Edinburgh sind vom allerfeinsten ausgebaut, ich glaube nicht, das daß in Deutschland besser gemacht wäre, nur die ganz großen Kreisverkehre mit 5 Spuren auf jeder Seite und ebenso vielen Optionen machen mir manchmal etwas Kopfzerbrechen… heute war ich allerdings immer richtig… Nächstes Ziel war die Glenkinchie Distillery, die sich ja auch Edinburgh Malt nennt… haha… das wäre ungefähr so, als das sich Spandau  oder Brandenburg a.d. Havel als Berliner Stadtteile bezeichnen würde… Ganz weit draußen, wo sich Fuchs und Hase Gutenacht sagen, liegt die Glenkinchie Distillery.


#fuchs#hase#goodnight#glenkinchie

…Glenkinchie.. die Stills, hätte ich nicht heimlich fotografieren müssen, sähe es besser aus…

Teil der Classic Malts of Scotland ist die Brennerei sogar ziemlich bekannt. Für mich persönlich war es ein Besuch um eine weitere Destille abzuhaken, in diesem Falle #66, aber irgendwelche Erwartungen hatte ich eigentlich nicht. Der Guide William, ein Herr jenseits der 60 machte die Tour allerdings so gut, das ich begeistert war und mir von seinen Ausführungen sogar noch einiges abgucken kann, ein Glücksfall für Diageo. Die Distillery Exclusive Abfüllung hat mich (außer vom Preis) auch überzeugt und da ich noch nicht viel im Koffer hatte, darf eine Flasche trotzdem nach Berlin.


Melrose Abbey

…irgendwo hier liegt das Herz von Robert the Bruce…

Nächster Punkt : Melrose Abbey : Wer in den letzten 2-3 Tagen diesen Blog mitgelesen hat weiß das ich eine gewisse Schwäche für desolate Gebäude aus längst vergangenen Zeiten habe, die Melrose Abbey ist eine Ruine einer ziemlich großen Klosterkirche, welche nach der Reformation zerstört wurde und als Ruine sehr gut gepflegt wird. Ein Besucherhighlight ist die steinerne Darstellung eines Schweines, was Dudelsack spielt… da sach noch mal einer, die hätten im Mittelalter gar keinen Humor gehabt… Um die Ecke gibt es dann noch einen berühmten Aussichtspunkt von Schottland : Scott’s View.


Scott’s View in den garnicht so lowen Lowlands…

Der berühmte schottische Poet Walter Scott (1771-1832) mochte diesen Ausblick sehr gerne und ich kann ihn verstehen. Im übrigen verstehe ich nicht recht, warum die Lowlands ihren Namen haben, in anderen Regionen der Welt, würde man sie warscheinlich als alpin bezeichnen… Also flach ist anders… Weiter ging es jetzt Richtung Annan und der Brennerei Annandale. Das musste jetzt einigermaßen zügig gehen, da um 16:00 Uhr die letzte Führung war. Nicht zuletzt weil heute Sonntag war, ging das ganz gut und um 5 vor 4 durfte die Kollegin, die warscheinlich bereits im Feierabendmodus war, noch eine Privatführung für McLarsen machen.


Annandale : Wiedergeburt nach 90 Jahren

…all in one room : Annandale Distillery

Das ist ihr letztendlich nicht schwergefallen, wir konnten viele Sachen abkürzen und uns auf das konzentrieren, was mich interessiert. Annandale wurde 1830 gegründet, wurde zeitweise von Johnnie Walker betrieben aber 1924 komplett stillgelegt. 90 Jahre sollte es dauern, bis 2014 der erste Tropfen New Make aus den neuen Stills liefen. Ein ortsansässiges Ehepaar, in der Wissenschaft beheimatet und nicht unvermögend kauften die Ruinen und erweckten es zu neuen Leben. Mein Eindruck war sehr positiv, tolles Projekt, ich denke davon werden wir noch viel hören. Letzter Programmpunkt war heute das Erreichen der Nachtresidenz: Dumfries Villa in … Dumfries. Das B&B macht einen sehr guten Eindruck… vor allem das gängige W_LAN beeindruckt mich mach 3 Tagen Stümperei… Viel zu sehen gibt es hier nicht, eine Brücke namens Devorgilla Bridge von 1463 oder so ist die Hauptattraktion hier. Später hatte ich meine Probleme irgendwo Bier zu trinken, was gescheites war nicht dabei, wo ich noch die Bar Tam ‚O Shanter Inn als Gewinner präsentieren kann.

…nun… der Tag war umfangreich, morgen geht es weiter und der Ort von dem ich berichten werde, heißt Stranraer. Gute Nacht.


Devorgilla Bridge in Dunfries… wie gemalt…, is aber nur iPhone…

Tag 7: Caerlaverock, Sweetheart, Threave, Bladnoch & Stranraer

Die Dunfries Villa ist ohne Wenn und Aber zu empfehlen, das sei an dieser Stelle nochmal ausdrücklich erwähnt, zumal 30 £ dafür schon fast geschenkt ist. Als erstes ging es zu einer wunderschön gelegenen Wasserburg, dem Caerlaverock Castle, etwa 10 min von Dumfries entfernt.


Caerlaverock Castle … Der einzige Zugang…

Caerlaverock Castle von hinten

Die Burg ist dreieckig, hat zwei mächtige Türme neben dem einzigen Zugang und konnte dadurch sehr schwer eingenommen werden. Da es jedoch keinen Geheimgang oder ähnliches gab, konnten die Belagerten ausgehungert werden. Viel übrig außer Gemäuer ist auch hier nicht, aber auch top-gepflegt von Historic Scotland. Die nächste Station war die Sweetheart Abbey, etwa 8 km Luftlinie entfernt, trotzdem dauert es etwa eine halbe Stunde mit dem Auto, weil man zurück über Dumfries fahren muß. Die Abtei hat ihren Namen nach dem einbalsamierten Herz des verstorbenen Ehemannes der Klostergründerin und Mäzenin Lady Devorguilla. Beide (Lady und Gattenherz) sind in der Kirche begraben. Von dem um 1270 entstandenen Bau sind wie bei den vielen anderen besuchten Ruinen nur noch Mauerreste erhalten.


Sweetheart Abbey – Blick dahin, wo mal ein Altar stand… bis vor gut 500 Jahren…

New Abbey Corn Mill… ausnahmsweise keine Malzmühle…

Im gleichen Dorf, es heißt New Abbey habe ich im Anschluß noch eine historische Wassermühle besucht, die als Museum besichtigt werden kann aber auch noch voll funktionstüchtig ist. Eher spontan wurde ich noch auf eine Burg aufmerksam, die quasi auf dem Weg lag : Threave Castle. Auch die Reste dieser einst stolzen Anlage stehen im Wasser jedoch nicht wie bei Caerlaverock von einem Graben umgeben, sondern auf einer Insel. Auf diese kommt man, indem man eine Glocke läutet und dann mit einem Boot abgeholt wird. Wenn man dann davor steht… ein ganz schöner Koloss… 5 Etagen hatte die Burg, die Heimat der Familie Douglas war, welche im 15. Jh vom schottischen König Jakob II. entmachtet wurde.  Einige Belagerungen überstand die Burg, die entscheidende wurde aber, und da hilft auch die mächtigste Architektur nichts, mit Schmiergeld aufgegeben.


…don’t pay the ferryman… ist im Eintritt inbegriffen : Threave Castle

…mal etwas Kitsch versucht, bleibt ausbaufähig…

Nächste Station war eine kurze Stippvisite  bei der Bladnoch Distillery. Das dort gerade gebaut wird wußte ich, wollte aber trotzdem mal vorbeischauen. Der abgesperrte Parkplatz mit großen Schildern mit „Shop Closed“ und „No Visitors“ war schnell klar, das es kein kleines ungeplantes Intermezzo geben würde, also ein paar Bilder gemacht und weiter zur heutigen Residenzstadt Stranraer.


Bladnoch… River and closed Distillery…

Hier bin ich im Neptuns Rest Guesthouse untergekommen und mit dem bin ich zufrieden. Das Einzelzimmer ist zwar mit ca. 4qm mit Dachschräge nicht gerade partytauglich, aber es hat alles was ich brauche.  Abends wollte ich noch ein paar Pints zu mir nehmen, musste allerdings feststellen, das dieses gar nicht so einfach ist, da (vielleicht liegt es am Montag) kaum etwas auf hatte. Das Commercial Inn, etwa 5 Häuser weiter kam mir schon wegen seiner undurchsichtigen Fenster nicht ganz koscher vor, als aber nichts mehr anderes übrig blieb und der Durst alle Bedenken von sich wies… ging ich rein… bei uns in Berlin Wedding und Gesundbrunnen heißen solche Lokale „Beim Dicken“, „Zum Magendoktor“ oder „Zum Bierdeckel“… Mehr als zwei zügige Guinness mochte ich da nicht bleiben und somit schreibe ich jetzt, begleitet von einem schönen Port Charlotte im Glas, diesen Bericht. Morgen sind wieder einige Kilometer zu schrubben… Es geht von den Lowlands zurück in die Highlands. Sollte ich wohlbehalten ankommen, kommen die nächsten beiden Berichte aus Stirling.


Blick aus dem Fenster meiner Unterkunft – Stranraer Hafen am Abend

Tag 8: Stirling

Noch ein Wort zu Stranraer : Diese Stadt von etwa 10.000 Einwohnern ist diese Stadt am nächsten : Belfast. Zwar ist da etwas Wasser dazwischen, aber Nordirland kann man sehr gut sehen, vor allem wenn man auf der Küstenstraße Richtung Ayr fährt, eine wunderschöne Straße im Übrigen, die A77.


Die Insel Ailsa Craig… im Hintergrund die nordirische Küste

Heute ging es Richtung Stirling, mit etwa 185 km die wohl längste Strecke dieser Tour. Nur eine Station gab es auf der Strecke, die A.D.Rattray Whisky Experience in Kirkoswald zwischen Girvan und Ayr. Der Stammsitz des unabhängigen Abfüllers ist ein netter Whiskyshop mit sehr nettem Personal. Angeboten werden viele Originalabfüllungen und einige unabhängige Bottlings. Von dem eigenen Stock waren nur drei Whiskys erhältlich, zwei junge Single Malts und ein älterer Grain. Man wartet auf das kommende Bottling, dann gibt es wieder mehr, erfuhr ich. Das schönste an dem Laden ist die Möglichkeit, selbst aus Fässern abzufüllen. Ein 2007er Pulteney und ein 1995er Glen Elgin durften mit schönem Label die Reise ins Offside antreten….dann sind es jetzt schon 3,5 Flaschen…


Die A.D.Rattray Whisky Experience

Straight from the cask…

Der Rest der Fahrt war unspektakulär, in Glasgow muß man etwas konzentriert fahren, da gibt es wieder viele Spuren auf der Autobahn, aber mittlerweile ist sowas fast schon Routine… In Stirling angekommen, konnte ich schon sehr früh in das Hotel einchecken, es ist das Allanhotel in der Allan Street. Das Haus steht nicht in Reiseführern etc., ich habe mir das selber auf der Landkarte erschnüffelt. Ich habe ein Megazimmer mit 3 Betten und Wannenbad, es liegt mitten in der Stadt, hat Parkplätze und kostet 45 € als Single. …kann man nicht meckern, oder ?… (ich hab nochmal vorsichtshalber nachgefragt, haut aber alles hin…) Da ich früh hier war und das Wetter heute herrlich , ging es gleich auf die Piste und das heißt hier natürlich erstmal auf das Castle. Ich bin ja schon oft auf der Autobahn an Stirling vorbeigefahren, hab mir immer gesagt, wow, was für ein Hammerteil, eines Tages mußt du da hoch… Heute war es soweit. Gut das ich noch etwas auf meinem Explorerpass von Historic Scotland frei hatte, sonst hätte der Spaß 15 £ gekostet. Es war interessant mal eine unzerstörte Burg zu besichtigen, dann auch noch mit einmaliger Aussicht. Gut eine Stunde bin ich durch die Gebäude geschlendert, dann war gut und es war mir eh etwas zu überlaufen, aber das gehört halt bei Touristenattraktionen dazu.


Stirling – Innenstadt

Stirling Castle – in der großen Halle

Die Burg vom benachbarten Friedhof aus gesehen

Der Rest der Fahrt war unspektakulär, in Glasgow muß man etwas konzentriert fahren, da gibt es wieder viele Spuren auf der Autobahn, aber mittlerweile ist sowas fast schon Routine… In Stirling angekommen, konnte ich schon sehr früh in das Hotel einchecken, es ist das Allanhotel in der Allan Street. Das Haus steht nicht in Reiseführern etc., ich habe mir das selber auf der Landkarte erschnüffelt. Ich habe ein Megazimmer mit 3 Betten und Wannenbad, es liegt mitten in der Stadt, hat Parkplätze und kostet 45 € als Single. …kann man nicht meckern, oder ?… (ich hab nochmal vorsichtshalber nachgefragt, haut aber alles hin…) Da ich früh hier war und das Wetter heute herrlich , ging es gleich auf die Piste und das heißt hier natürlich erstmal auf das Castle. Ich bin ja schon oft auf der Autobahn an Stirling vorbeigefahren, hab mir immer gesagt, wow, was für ein Hammerteil, eines Tages mußt du da hoch… Heute war es soweit. Gut das ich noch etwas auf meinem Explorerpass von Historic Scotland frei hatte, sonst hätte der Spaß 15 £ gekostet. Es war interessant mal eine unzerstörte Burg zu besichtigen, dann auch noch mit einmaliger Aussicht. Gut eine Stunde bin ich durch die Gebäude geschlendert, dann war gut und es war mir eh etwas zu überlaufen, aber das gehört halt bei Touristenattraktionen dazu.


Zwei Whiskybarwirt/innen Mandy & me

Dem folgte ich gerne und kann allen, die es empfohlen haben, nur danken. Das war der erste tolle Pub Abend in Schottland auf dieser Reise. Ich werde da morgen auch nochmal aufkreuzen, denn ich soll noch was ins Gästebuch schreiben. Das werde ich auch tun… Morgen liegen außerdem zwei Whiskybrennereien in der Gegend und ein Schloss auf dem Zeitplan…

Deanston – bis 1965 Baumwollspinnerei, heute Whiskybrennerei

Tag 9: Deanston, Doune, Dunblade & Glenturret

Gestern war wohl das letzte Aufbäumen des Sommers… (welchen Sommers auch immer)… Heute hat es aber nur einmal geregnet, es begann heute früh und dauert aktuell an, die Wetter-App lässt auch für die kommenden Tage nichts gutes verheißen… Nun ja, das ist ja nur Wasser und ich bin eh nicht zum Strandurlaub hier. Meine erste Station heute war die Deanston Distillery, etwa 20 min entfernt. Die Tour war gut, es durfte fotografiert werden und es gab eine Distillery-only Flasche zu kaufen, die sich jetzt auch im Kofferraum befindet.


Deanston – selten : eine offene Mashtun

Deanston – Brennblasen

Direkt um die Ecke von Deanston ist das Doune Castle, eine etwas besser erhaltene mittelalterliche Burganlage, die auch sehr gut besucht war. Da ich während dieser Reise schon schönere Castles besichtigt habe, die meistens auch ohne Touristenschwärme auskamen, war der Besuch nicht so ausführlich wie andere davor. Besonders berühmt ist Doune Castle übrigens für Filmaufnahmen. Für eine angeblich populäre Serie namens Game of Thrones oder so ähnlich wurden dort etliche Aufnahmen gemacht. Auch für Monty Python’s Ritter der Kokosnuss diente die Burg als Kulisse (I fart in your general direction… your mother was a hamster…and your father smells of elderberries…)


Doune Castle

Dunblade Cathedral

Nächste Station war die Dunblade Cathedral, eine Kirche aus dem Mittelalter, die nur teilweise zerstört wurde und im 19. Jh wieder aufgebaut wurde. Sehr schön auch das benachbarte Dunblade Museum mit schönen Einsichten in das Leben von früher in dieser Gegend. Unrühmlich bekannt wurde Dunblade nach einem Amoklauf 1996 mit 17 Toten. Eine der überlebenden Schüler von damals war Tennisprofi Andy Murray, der wohl berühmteste Sohn der Stadt.

Danach fuhr ich zur Tullibardine Distillery in der Hoffnung, eine Tour zu bekommen. Leider hätte ich dafür fast zwei Stunden warten müssen, so verschob ich das auf morgen früh und tauschte mit Glenturret, wo ich dann auch hinfuhr. Bei Glenturret dreht sich alles um The Famouse Grouse, eines der erfolgreichsten Blends in Großbritannien. Ich machte eine Tour mit, die war ok aber ohne Fotos. Glenturret hatte eine ziemlich berühmte Katze: Towser (1963-1987) wurde nicht nur für Katzenverhältnisse sehr alt, er erlegte auch insgesamt 28.899 Mäuse… und steht damit im Guinness Buch der Rekorde. Heute gibt es gei Glenturret zwei Katzen : Glen und Turret. Mit Glen durfte ich mich kurz anfreunden… Eine Distillery-only Bottle durfte auch mit und dann ging es durch reichlich Regen zurück nach Stirling. Das war heute mal recht kurz, aber ich bin jetzt etwas müde und muß morgen früh zeitig raus. Morgen abend werde ich aus Aberfeldy berichten…


Glenturret – im Schatten des Moorhuhns
Glenturret – Im Schatten der berühmtesten Distillery Cat : UrUrEnkel Glen

Tag 10: Tullibardine, Blair Athol & Aberfeldy

Heute waren gleich 3 Whiskydestillen  auf dem Plan. Es begann um 10 Uhr bei Tullibardine. Die Brennerei ist in privater Hand und gehört zu keinem Konzern. Man wirbt ganz gerne mit der Jahreszahl 1488… hmmm, die erste urkundliche Erwähnung eines uisge beatha in Schottland war 1495, war man in Tullibardine etwa schneller ? … nö… es seie denn, man dreht bei der Jahreszahl 1949 etwas an den Zahlen um ins 15. Jh zu kommen. Die Jahreszahl bezieht sich auf eine Brauerei, welche einst und ziemlich lange an der Stelle gestanden hat. Warum sich die Hausherren mit dieser Jahreszahl schmücken, mit der sie rein garnichts zu tun haben weiß ich nicht. Empfangen wurde ich bereits gestern von einer deutschen Mitarbeiterin des Visitorcenters, die gut und gerne aus Berlin stammen könnte… natürlich nur wegen der Berliner Freundlichkeit versteht sich… Geführt wurde ich mit zwei anderen Deutschen, allerdings von einem älteren Guide namens Jim, der sehr bemüht war.


Tullibardine Distillery – graue Maus an der A9

…ein leicht angegammelter Charm…

Die Dame von dem deutschen Paar verstand kein englisch, der Herr dazu auch nicht viel, so das ich ab und zu übersetzen konnte. Die Produktionsabläufe sind dort natürlich auch wie anderswo, es hat alles einen leicht angegammelten Charme in diesem Industriegebäude direkt an der A9, das passt aber auch irgendwie zum Tullibardine Whisky, von dem ich selten etwas richtig gutes im Glas hatte. Um mein Programm für morgen zu entlasten beschloss ich eine der beiden Brennereien in der Tourihochburg Pitlochrie heute schon zu erledigen. Meine Wahl fiel auf Blair Athol und die Führung startete um 12:45 Uhr. Es war wie so häufig, ich habe nicht viel erwartet und war dementsprechend nicht enttäuscht, das ich nicht viel neues mitnehmen konnte, außer mal vor Ort gewesen zu sein und ein paar (Außen)fotos zu machen. Es ist ja schon ein schöner Ort, mit der efeubehangenen Fassade.


Schloß Cecilienhof in Potsdam ?… Nein : Blair Athol Distillery Pitlochry

…mit vielen lieben Details…

Zu probieren gab es einen Blair Athol 12y OA, also aus der Flora & Fauna Serie, etwas anderes hat Diageo bei dieser Distillery noch nicht zustande gebracht. Es gab auch den Diageo üblichen Distillery Exclusive NAS für 80 £, ich konnte mich heute allerdings beherrschen, eine mitzunehmen. Zeit für Pausen war nicht, es ging sofort weiter nach Aberfeldy, etwa 20 min entfernt. Dort hieß es erstmal das Auto auf dem Hotelparkplatz zu stellen und dann zu Fuß in die Aberfeldy Distillery zu laufen. Ich hatte diese Tour bereits vor ein paar Monaten gebucht, weil ich endlich auch mal etwas trinken wollte, wenn ich vor Ort bin. Ich buchte also die Connoisseur Tour mit einem Fasssample und 5 Whiskys für 27 £. Die Tour war in Ordnung, ich war ja schonmal hier und kannte das alles auch noch.


Die nette Aberfeldy Distillery im gleichnamigen Ort.
Das Faß 2972 ist lecker Aberfeldy, wie er sein soll : Honig und Heidekraut.

Der Dram aus dem 1997er Bourbonfaß war sehr lecker, Aberfeldy ist ja durchaus ein kleines Steckenpferd von mir. Das Tastingset war dann aber weniger interessant für mich: Dewars 12y, Dewars Signature (keine Ahnung wieso der über 200 kostet…) Aberfeldy 12 & 18y, ok die passen immer aber kenne ich halt… und ein 1999er aus dem Sherryfaß, den es auch noch zu kaufen gab. Der war sehr lecker, ein wunderbares Sherryfass mit Fassstärke… aber 150£ waren mir doch zuviel und ich füllte dann einen anderen, nämlich einen 2001’er aus dem Bourbonfass ab, der kostete „nur“ 100£ und darf mit nach Berlin.  Meine Unterkunft ist das Breadalbane Arms Hotel. Es ist ein recht einfaches Hotel, ziemlich laut von innen und außen, aber ok, das einizige Problem ist ein gegen Null tendierendes Netzwerk. …grummmel…Immerhin  ging es vorhin plötzlich mal, daher weiß ich, das es wohl prinzipiell möglich ist, hier etwas zu empfangen oder senden. Um den heutigen Bericht zu senden, bedarf es quasi einem genialen Moment der modernen Übertragungstechnik…Abends saß ich im The Fountain über die Straße, scheint eine kleine Kette nach dem Vorbild Wetherspoons oder Belhavenpubs zu sein, hat Spaß gemacht und geschmeckt.

Morgen geht es nochmal zurück nach Pitlochry und dann nach Dufftown, was dann auch bereits die letzte Station ist, die aber auch 3 Tage beinhaltet.

Tag 11: Reisetag nach Dufftown via Edradour, Pitlochry Dam und Dalwhinnie

Jeden Tag wenn ich diesen Blog schreibe, wunder ich mich über die Tageszahl… 11 schonwieder… wie doch die Zeit vergeht. Heute stand die Reise zur letzten Etappe an, nämlich nach Dufftown. Vorher gab es jedoch noch einen Abstecher nach Pitlochry, wo ich die Edradour Distillery besichtigt habe.


…bisschen wie Puppenstube: Edradour Distillery

Im Produktionsbereich von Edradour

Früher warb die immer noch putzig kleine Brennerei damit, die kleinste in Schottland zu sein. Damit ist seit ein paar Jahren Schluß, es gibt sogar mehrere Farmdestillen, die noch kleiner als Edradour sind, zeitgleich wird Edradour auch immer größer, derzeit werden zusätzliche Lagerhäuser gebaut. Ich war ausversehen schon etwas früher vor Ort, so konnte ich den Ort auch ohne Menschen erleben. Kurz nach Öffnung um 10 Uhr war bereits eine größere Gruppe da, welche dann auch die erste Tour war. Mir hat die Tour und Edradour persönlich sehr gefallen. Normalerweise geht jede Tour durch die Produktion von Malz, Mashtun, Washbacks, Brennblasen, Warehouse und zum Schluß ein Whisky. Edradour hatte folgenden Ablauf : Begrüßung, Gang ins ehemalige Malzlager, dort gab es 2 Whiskys (alternativ den Sahnelikör), dazu ein Video. Danach ging es ins Lagerhaus, danach in die Produktion (das ist echt nicht groß…) und zum Schluß in den Shop mit kurzen unverbindlichen Kaufempfehlungen für Edradour und Signatory Vintage Flaschen. Ich als Autofahrer war froh, daß die Whiskys am Ende wieder weg waren… Für 7,50 £ ist Edradour absolut empfehlenswert, fotografieren ist überall erlaubt und die Leute da sind nett. Edradour liegt ja durchaus etwas abseits von Pitlochry, einem Ort, in dem man aufpassen muß, daß einem kein Touristensenior vors Auto springt, ganz schön überlaufen, der Ort.


…nicht so mächtig wie der Hoover Dam… aber auch gewaltig: Pitlochry Dam

…mit einer extra Treppe für die Lachse…, die schwimmen von unten nach oben…

Ich besuchte danach noch den Pitlochry Dam, einen Staudamm mit Wasserkraftwerk mitten im Ort. Es gibt ein Visitorcenter, in dem man informiert wird, wie die Highlands ab der 1940er Jahre an das Stromnetz angebunden wurden, durch die Errichtung von Wasserkraftwerken. Es liegt ja auch auf der Hand, mit den teilweise extremen geografischen Begebenheiten vor Ort etwas gescheites anzustellen. Eine besondere Attraktion dabei ist eine Fischtreppe, auf der die Lachse an dem Staudamm vorbeigeführt werden. Dann ging es Richtung Speyside. Ich fuhr die A9 Richtung Inverness und erwägte einen Stopp an der Dalwhinnie Distillery zu machen, wenn es nicht wie aus Eimern schüttet, was über große Teile der Strecke der Fall war. Bei Dalwhinnie, eine der höchstgelegendsten Brennereien Schottlands an dem Ort, wo Schottland nachweislich am kältesten ist, machte der Regen bei meiner Ankunft erstmal Pause und ich konnte ein paar Fotos machen. Zufällig startete gerade eine Tour und ich machte sie mit, als Friend of the classic malts of Scotland kostet das ja nix…


kälteste Ortschaft Schottlands : Dalwhinnie

Die Tour (von der ich nix erwartet hatte) war schlechter als gedacht, die Dame hatte einen immer gleichen Singsang Vortrag, was schwer zu ertragen war (nicht das ich etwa zugehört hätte, aber das nervt auch so…), naja aber jetzt war ich da auch mal und habe somit jetzt 73 Whiskybrennereien besucht, einige davon mehrmals… (dafür braucht man dann halt irgendwann nicht mehr zuzuhören…) Weiter ging es in die Whiskyhauptstadt Dufftown. Ich bezog das übliche Commercial Hotel, was neuerdings eine neue Bewirtung hat. Wie sich das auswirkt vermag ich heute noch nicht zu sagen, werde es aber kundtun. Als ich das Haus dann verlies, stand dann zufälligerweise meine Schwester und ihr Freund auf der Straße, kann ja mal passieren (ok, es war nicht ganz zufällig…)


…kleines Familientreffen in Dufftown…

Wir gingen ins Stuarts Arms essen, die beiden fuhren weiter in ihre Unterkunft nahe Aviemore und ich nahm noch 2-3 Guinness im hoteleigenen Pub, in dem sogar das Bundesligaspiel Bayern-Wolfsburg gezeigt wurde. Ich wurde oft gefragt für wem ich da bin, ich konnte nur sagen „I hate them both“… Morgen melde ich mich live vom Autumn Speyside Festival…

Tag 12: AlcoholidayErstmal letzte Nacht : gemütlich vor Mitternacht die Augen zugemacht und dann um halb 3 wachgeworden von reichlich Krach als mehrere Leute von was auch immer (jedenfalls nix abstinentem) heimkamen. Das war laut und rücksichtslos, ich war wenig begeistert aber pennte trotzdem wieder ein, bis kurz nach 4, als sich die Bewohner meines Nachbarzimmers lautstark anbrüllten, ich konnte nichtmal die Sprache identifizieren. Es war eine sehr aggressive Stimmung und ich war ziemlich geladen und überlegte nach einiger Zeit mal persönlich vorstellig zu werden… ich verzichtete… es waren wohl irgendwelche Russen die andere Ansichten von Anstand haben… nochmal würde ich mir das allerdings nicht gefallen lassen… egal…zum heutigen Tag :Öfters wir ja mal die Frage gestellt, wie oft und wie regelmäßig man Alkohol trinkt. Das ist eine gute Frage, der ich mich natürlich auch ganz besonders stellen muß. Wenn ich zuhause bin, dann ist zumindest der Sonntag bleifrei, ansonsten…, ja könnte es weniger sein, aber ich würde nie auf die Idee kommen, bereits kurz nach 10 einen Whisky zu trinken.  …das habe ich allerdings heute getan… Im Rahmen des Autumn Speyside Festivals fand heute in den Räumlichkeiten meines Hotels eine kleine (sehr kleine) Whiskymesse statt. Da ich ja eine Whiskymesse in Berlin mitplane und ausrichten werde, muß ich natürlich im Rahmen der Information auch andere Messen begutachten und wenn es kurz nach 10 ist. … rein dienstlich versteht sich… Es wurden 10 £ Eintritt aufgerufen, allerdings waren fast alle Drams auch kostenlos, was übrig blieb, geht an eine Charitygeschichte. vertreten waren : Murray McDavid als recht spezieller unabhängiger Abfüller mit Sitz (ex-)Coleburn Distillery, eine Blendfirma, eine Ginfabrik aus Elgin, Cairngorm Brewery & Gastbieren… und Whiskycastle Tomintoul. Von Murray McDavid konnte ich einige gute Sachen probieren, vom Whiskycasle ebenfalls, die anderen Sachen waren für mich besonders um die Uhrzeit nicht relevant. Die meiste Zeit, wo ich da war, stand es 10 Verkäufer zu 3 Kunden. Ich hoffe, das war später besser.


Streß ist nicht das Motto einer alten Lokomotive

Die Seyside, Spey, Berge und Wolken.

Ich jedenfalls machte eine Pause, dann ging es um 13:15 weiter mit dem Bus nach Aviemore, dort in den Zug mit Dampflok. Die Tour mit de Zug war nicht sonderlich lang, sowas ist halt was für Bahnliebhaber. Ein schöner Rahmen zum Verkosten diverser Speyside Whiskys war es definitiv, zumal das Wetter heute mal wieder auf der bright side of life war… Im Anschluß ging die Rückfahrt über das Whiskycastle Tomintoul zurück nach Dufftown.


Im Bordrestaurant tätig: Steve Oliver schenkt aus…

Immer sehr international, die Besucher des Autumn Speyside Festivals.

Wer den Blog die letzten Jahre mitgelesen hat weiß vielleicht noch, das ich den neuen Besitzern vom Whiskycastle etwas kritisch entgegenstand,.mittlerweile mögen wir uns…  Die ganze Veranstaltung hat mit Bus, Zug und Whisky gerade einmal 45 £ gekostet… kann man mal machen…Es war einer der Tage, die einfach Urlaub waren, keine Termine und leicht einen sitzen, um es mit Harald Juhnke zu sagen. Abends ist nicht mehr viel passiert, morgen werd ich ein wenig durch die Gegend fahren… und sicher nicht so früh trinken…

Schöner shoppen im Whiskycastle Tomintoul

Tag 13: Speyside Foto SafariDer heutige Tag hatte keine weiteren Termine, also nutzte ich die Zeit, ein wenig durch die Gegend zu fahren und hi und da ein paar Fotos zu machen. Erste Station war Ardmore, eine Brennerei, die offiziell nicht mehr zur Speyside gezählt wird, aber doch recht nahe an der Grenze liegt. Es ist eine der wenigen Destillen in der Gegend, die rauchige Whiskys produziert. Heute war Sonntag und es schien niemand da zu sein, ich wollte eh nur zwei, drei Bilder von außen machen und das tat ich.


Raucherfreundliche Brennerei am Rande der Speyside : Ardmore

Der Hafen von Banff, im Hintergrund die Schwesterstadt Macduff

Weiter ging es nach Banff, eine Stadt an der Nordseeküste, an der Mündung des River Deveron. Warum (?) fragte ich mich selber auch… ich wollte einfach mal da gewesen sein und ich fand auch den Hafen ganz hübsch… Gegenüber, auf der anderen Seite des mündenden Deveron, liegt die Stadt Macduff, gleich nach der Flussbrücke auch die gleichnamige Whiskybrennerei, die ihre Originalabfüllungen unter dem Namen (Glen) Deveron vermarktet. Macduff hat kein Besucherzentrum oder irgendetwas in der Art, ich hoffe eines Tages mal darein zu dürfen, heute war nur ein bisschen von außen zu fotografieren. Es ging weiter an der Nordseestraße Richtung Inverness zuerst mit einer Pinkelpause in der Glenglassaugh Distillery, die halt am Weg lag. Ich nutzte die Gelegenheit um zu schauen, ob es etwas extraordinäres im Shop zu kaufen gab, das war aber nicht der Fall. Ich machte noch einige Aufnahmen der Brennerei von hinten und konnte einige Bunker aus dem 2. Weltkrieg entdecken, die Bilder werden natürlich meinen Freunden der Berliner Unterwelten zugestellt.


Glenglassaugh von hinten

Bunkeranlagen hinter Glenglassaugh

Der Bow Fiddle Rock bei Portknockie

Ebenfalls an der Küste, genauer ein wenig im Wasser war das nächste Ziel, ein auffälliger Felsen in Form eines Geigenbogens, der Bow Fiddle Rock bei Portknockie, ein sehr schönes Fotomotiv. Die Fahrt ging weiter nach Elgin, der Bezirksstadt des Bezirks Moray, was fast die gesamte Speyside ist. Zum letzten mal auf meiner Reise ging es dann um steinerne Zeugen vergangener Zeiten nämlich der Ruine der Elgin Cathedral. Der im 13. Jh errichtete Dom war zu seiner Zeit die größte Kirche Schottands. Im Zusammenhang von Plünderungszügen, Racheakten und nicht letztendlich der Reformation wurde die Elgin Cathedral zerstört aber gibt noch heute einen imposanten Eindruck ab.



Die Elgin Cathedral bzw. was davon übrig ist…

Sterngewölbe im erhaltenen Kapitelhaus

Sehr gut erhalten ist das Kapitelhaus mit seinem Sterngewölbe. In den Räumlichkeiten der Türme sind diverse Reliefs und andere Details ausgestellt, ein Turm kann auch als Aussichtsplattform bestiegen werden, was einen schönen Rundblick über die 23.000 Einwohner große Stadt Elgin bietet. Mit einem kurzen Fototermin bei der Linkwood Distillery ging es weiter, das war allerdings bereits der Weg zurück nach Dufftown.


Mit Robin Laing

Abends stand der obligatorische Auftritt von Robin Laing an. Der Singer/Songwriter aus Edinburgh ist spezialisiert auf Lieder über/und rundum dem schottischen Wasser des Lebens. Zum Konzert wurden 6 Malts gereicht, ausgesucht vom Veranstalter, dem Whiskyshop Dufftown. Es hat mal wieder viel Spaß gemacht, schade das das Event, was in den letzten Jahren immer ausverkauft war, dieses Jahr nur 12 Leute angezogen hat…, eine etwas intimere Atmosphäre war aber auch gut. Morgen ist der letzte Tag der Reise, es gibt die Mystery Bus Tour mit Steve Oliver, die den ganzen Tag lang dauert. Zum Abschluß dann die Last Drop Party vom Whiskyshop…, erfahrungsgemäß ist dieser Tag immer der Höhepunkt auf der Zielgeraden des Festivals. Ich bin nicht sicher, ob der Bericht pünktlich erscheinen wird, möglicherweise erst ein paar Tage später, denn nach Ankunft in Berlin gibt es erstmal viel zu tun. …mal sehen, vielleicht schreib ich den Bericht dann auch im Flugzeug oder so…

Tag 14: Das Beste zum Schluß

Heute nun war der letzte Tag dieser Reise. Ich glaube jeder der mitgelesen hat, wird nicht überrascht sein, das ich ganz zufrieden mit dem Ablauf war. Alles war geplant, alles hat geklappt, genau wie ich mir das vorgestellt habe. Das ist sicher nicht das Modell für eine Schottland Erkundungstour allgemein, aber ich hab das so gewollt und gemacht. Für alle, die diesen Blog mitgelesen haben, stehe ich gerne für praktische Empfehlungen einer Schottlandreise zur Verfügung, die nicht so speziell ist wie meine…


happy@knockdhu

New Make probieren ? Klar, direkt aus dem Spiritreceiver….

Zum heutigen Tag : Um 9:15 ging der Bus mit insgesamt 15 Leuten zur ersten (vorher unbekannten) Station : Knockdhu Distillery. Der Name Knockdhu, der nicht verwechselt werden soll mit Knockando, präsentiert seine eigenen Abfüllungen unter dem Namen anCnoc. Das kommt aus dem Gälischem und heißt sowas wie Schwarzer Berg, den gibt es in Sichtweite durchaus. Ich war sehr erfreut, Gordon Bruce, den Manager der Distillery wieder zu treffen und hatte viel Spaß an dieser Tour, da es nichts war um die Herstellung von Whisky zu erklären (davon wusste unsere Gruppe mehr als genug), sondern etwas zu zeigen, was man vielleicht nicht auf dem Schirm hatte. Davon gab es etliches, zum Beispiel mit alternativem Energiemanagement. Viele andere Sachen sind besonders bei Knockdhu… wir hatten dann ein Tasting mit aktuellen Sachen (ohne den 12y… obwohl ich den auch für Einsteiger sehr empfehlen kann)… Der 24y old… vielleicht taucht er am Freitag zum Tasting auf…Weiter ging es ins Cullen Bay Hotel, wo es neben Kaffee und Tee und Schnittchen eines  gab, was international gewürdigt wurde : Cullen Skink, eine durchaus sehr leckere Fischsuppe. 2015 wurde dieses Restaurant damit Weltmeister !


Glenglassaugh… zwischen 1986 und 2008 geschlossen, das ist schon eine große Lücke…

…im Lagerhaus reifen aber weiter absolut geniale Sachen aus der Vergangenheit…

Fisch muß bekanntlich schwimmen, also ging es in die nächstgelegene Distillery: Glenglassaugh. Gestern war ich da zum pinkeln und es gab nichts interessantes zum kaufen, heute stand ein Handfill Cask bereit… 😉 Egal, die Tour war jetzt nicht so speziell, als wir dann ins Warehouse kamen, dann schon. Mein Traum vom Paradies ist ja …..ganz viel was hier nicht interessiert… und dem Warehouse, wo aus dem Faß direkt ins Glas gefüllt wird.  Das Paradies war heute sehr nahe und brachte folgendes ins Glas : 2009 Madeirafinish, 1975 Madeirafinish, 1973 PX Finish (aber ganz am Anfang) und ein 1967er aus dem Sherryfaß, 50 Jahre alt und… hach ja…was soll ich sagen… lecker…


The New Inn in Aberchirder

Letzte Station der Mystery Bus Tour war das The New Inn in Aberchirder. Nach ein paar Bieren, die sind diesbezüglich gut sortiert, gab es ein Buffet mit Pies und Rolls, also etwas Blätterteiglastiges zum essen, es folgte ein kleines Tasting von Steve Oliver und danach ging es schleunigst zurück nach Dufftown. Es blieben kaum 10 min bis zum nächsten Event, der Last Drop Party… so ähnlich wie Flatrate Whisky Drinking… Es hat Spaß gemacht, ich war zurückhaltend, wie übrigens den ganzen Urlaub über, ich war nicht einmal richtig betrunken… entweder ich werde alt, oder weise… alleine trinken macht keinen Spaß… So, morgen bzw. nachher, geht es wieder Richtung Heimat, abends werde ich in Tegel landen… und dann sind 14 wunderbare Tage in Schottland vorbei…

Musik 2022

22’sChoice#4 – Juli – August 2022

Der 2022er Sampler Nummer 4 beginnt erstmalig in dieser Serie von 20 aktuellen Songs alle zwei Monate mit meiner unangefochtenen Lieblingsband seit fast 40 Jahren : The Church. Die letzte Platte liegt bereits 5 Jahre zurück… es war ihr 25. Album… mittlerweile ist nur noch Sänger und Bassist Steve Kilbey von der Originalbesetzung von 1980 übrig. Dann steht sie auf einmal in der Tür: die neue Single „The Hypnogogue“… Titelstück des im kommenden März erscheinenden neuen, angeblich auch letzten Albums. Es ist mit 6:20 die längste Single der Band… und auch eine der düstersten. Beim ersten und zweiten Hören war ich noch nicht sicher was ich von dem sperrigen Stück Musik halten sollte, erst als ich mir die Kopfhörer dazu aufgesetzt habe kam es mir… etwas Klavier, die typischen Church-Gitarren, dann dort eine Geige, ein elektronischer Effekt der durchs Bild schwirrt, ein Cello… dann Kilbeys dunkle Stimme… welche im Alter (mittlerweile ist er 68) immer besser gereift ist… die teils abstrakten Lyrics… am Ende entsteht ein Sog dem man sich kaum entziehen kan… man muß sich nur darauf einlassen… großes (Kopf)kino !
Von der Atmosphäre gar nicht so weit entfernt ist Song Nummer zwei… er stammt von der schwedischen Band MCC [Magna Carta Cartel]. Die Macher der Band waren einst Mitstreiter der Metalinstitution Ghost… deren Atmosphäre auch bei MCC etwas durchscheint, wenn gleich auch deutlich softer… Dark Wave würde es wohl am besten beschreiben… „Arrows“ ist ein schönes atmosphärisches Stück mit Ohrwurmcharakter. Heavy Metal spielt auch bei der nächsten Band eine Rolle… wenn auch weniger als früher… die ersten Alben der Amerikaner Astranoid waren ziemlich vom Black Metal geprägt, nunmehr ist man eher in die Kategorie Dreampop / Shoegaze gerutscht… und das steht ihnen verdammt gut… eine ähnliche Entwicklung wie Deafhaven. Der Song „Admin“ schwirrt nervös zwischen bombastischen Gitarrenwänden und der eher hellen Stimme des Sängers umher. Zeit etwas Druck rauszunehmen… das Album „Skinty Fia“ der Iren Fontaines D.C. hat sich im Laufe des Jahres immer mehr in meine Gehörgänge gespielt und dürfte inzwischen längst in der Top 10 der besten Alben des Jahres angekommen sein. „Roman Holidays“ ist einer der eher poppigen Songs der sonst recht düster gehaltenen Platte. Düster ist auch das Stichwort für das nächste Stück der Band THUS LOVE… einer noch sehr jungen U.S. Band. Man fühlt sich bei dem Track „In Tandem“ etwas in die frühen 1980er zurück versetzt… auf dem Tisch lagen wohl Platten von Joy Division, Bauhaus, P.I.L., Gang of Four und Psychedelic Furs… mir gefällts… im Oktober erscheint das Album. Bereits erschienen ist das Album „North East Coastal Town“ der Band LIFE aus Hull… die hatten warscheinlich ähnliche Platten auf dem Tisch… etwas Post Punk im Fahrwasser von Bands wie IDLES etc… nicht uncharmant, aber krakelig rauh. Das Gefühl der frühen 1980er bleibt auch beim folgenden Song vom Working Mans Club… nur bestimmen mehr Synthesizer die Atmosphäre… und die ist ziemlich kühl… Gary Numan und seine Tubway Army lassen grüßen. Danach verschwindet das Achziger Gefühl aber die Synthies bleiben beim Stück „Monday Feeling“ der Sängerin Erin Anne aus New Jersey, welche musikalisch zwischen der Sparte Singer/Songwriterin und St. Vincent zuhause ist. Mit Drama und Cinematic kommen dann die Yeah Yeah Yeahs daher… mit einem neuen Stück aus dem Ende September erscheinenden neuen Album der Band… das erste seit 9 Jahren. Etwas unterkühlte Atmosphäre mit Sprechgesang gibt es dann von Dry Cleaning… Ich verstehe zwar nicht wirklich wovon die Sängerin erzählt… aber es hört sich interessant an… wieder Kopfkino.
Zeit für etwas leichteren Pop… es gibt neue Songs von Alvvays und Soccer Mommy… die Songs scheinen fast zusammen zu gehören… bester schwelgerischer Dreampop mit Gitarren und weiblichen Gesang. Anschließend nimmt uns die Australierin Hazel English mit in ihren Traum mit einem gewissen Hamilton… alles ist super… aber leider nur geträumt… Schade. Träumerisch ist auch das Album „Diving Rings“ von Night Palace, der Band um die Amerikanerin Avery Leigh Draut. Die Musik die zwischen klassischer Singer/Songwriterin, Dreampop, Folk und gar Klassik wandelt hat es bereits in meine Top 5 des Jahres geschafft… mindestens… leider verpasst die Welt ein sehr tolles Album… es interessiert nämlich kaum jemanden… what a shame…
Das Duo The Big Pink aus London ist auch schon ein paar Jahre unterwegs und bietet auf der neuen Single „Rage“ melancholischen Dreampop mit Gitarren und Synthesizern… letztere bestimmen auch das Gerüst des nächsten Songs von Kiwi jr. aus Toronto… irgendwie wie eine Mischung aus The Strokes und The Chills… charmant. The Afghan Whigs war eine Band die für mich in den 1990ern sehr bedeutend war… sie hatten die Härte der Grunge Bands und machten mit ihren Soul Einflüssen trotzdem ihr eigenes Ding… Alben wie „Gentleman“ oder „Black Love“ waren für mich Riesenhits zu dieser Zeit. Demnächst erscheint ein neues Album auf dem Weggenosse Mark Lanegan auch letzmalig zu hören sein wird… ich bin gespannt. Etwas punkiger wird es dann nochmal mit den Flatliners, die mit dem Album „New Ruin“ mein liebstes Punkalbum des Jahres veröffentlicht haben… da lege ich mich schon mal fest. „Souvenir“ ist ein eher poppiges Stück mit extrem hohem Ohrwurmpotential. Damit lassen wir den flotten Zwanziger auch langsam ausrollen und haben als vorletzten Song die Single „Waste Your Time“ von Lennie Rayen… eine nette Neuentdeckung aus San Francisco. Aus Kalifornien kommt dann auch die letzte Künstlerin. Elinore Blake steht hinter dem Namen April March, deren Album bereits ganz sicher in der Top 3 des Jahres steht, leider wiederum nur in meinem unbedeutenden Kopf… „Elinor Blue“ ist erst (schon wieder die Bezeichnung…) Singer/Songwriterin… ab der Mitte aber wird der Track immer opulenter… Brian Wilson lässt grüßen… wie die letzten Tage des Sommers… die sind ja auch gerade… Schade…

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22’sChoice#3 – Mai – Juni 2022  Zum Ende der ersten Jahreshälfte stehen wieder viele interessante Songs vor der Tür… zwanzig dürfen rein, etwa genau so viel hatten für diesen Sampler angeklopft… durften aber letztendlich nicht rein.

Den Anfang prägt diesmal ein sinister pulsierender, elektronischer Rhythmus … er schwillt langsam an… ähnlich wie bei The Cure’s „A Forest“… ,dann setzt die ungewöhnlich arrangierte Musik der Band Poliça ein… mit zwei Schlagzeugern und ähnlicher Stimmung wie Massive Attack cirka „Mezzanine“… Kopfhörermusik… spooky… genau wie auch beim zweiten Lied von INVSN… was Disco vorgaukelt aber auch eher finster daher kommt… ein wenig Depeche Mode steckt in dem Song der Schweden… dahinter stehen Musiker aus der härteren Ecke. Etwas besser wird die Stimmung bei Song 3… xPropaganda = ex- Propaganda… die Band hatte Mitte der 1980er einige Hits wie „Dr.Mabuse“ oder das wunderbare „Duel“. Musikalisch ist die Band um Claudia Brücken auch in dieser Zeit stehen geblieben… in diesem Falle auch zurecht. Die elektronische Abteilung wird mit dem vierten Song weitestgehend verlassen… Dreampop steht an… mit der wunderbaren Franzosin Melody Prochet alias Melody’s Echo Chamber. Vor 10 Jahren war ihr selbstbetiteltes Debütalbum in meiner persönlichen Top 10… seit dem ist es erst das zweite Album … und das ist sehr gut… Die schwedische Band ViVii präsentiert danach ebenfalls Dreampop… aber eher im Stil von Mazzy Star… etwas für ruhige Stunden… ebenfalls Anfang der 1990er gab es die Band The Sundays… ob es die noch gibt weiß ich nicht… aber The Blue Herons aus Luzern (!) kommen ihnen ziemlich nahe. Der Song „From Here“ startet in dieser netten Manier, nimmt aber im Verlauf noch etwas an Opulenz zu, wenn ein Streichquartett hinzu kommt… am Ende sogar noch eine Art Basssolo a la New Order’s Peter Hook… großartiger Song ! Weniger Dreampop als Folkrock bietet Sally Dige („Dee-Ah“) … Tochter einer in Südafrika geborenen Kanadierin und eines Dänen… wohnhaft in Berlin…das nenne ich schonmal interessante Herkunft, auch wenn man diesbezüglich heutzutage gerne missverstanden wird… (ich finds Quatsch… Leute sind für mich immer interessant… ob sie nun aus Tokio, New York City oder einem Dorf in der Nähe von Gera kommen…) „I Will Be The Sun For You“ ist jedenfalls ein prima Ohrwurm. Etwas nostalgisch wird es dann mit einem neuen Song der kanadischen Stars. 10 Jahre nachdem „The North“ mein Album des Jahres wurde, sind sie mit neuem, recht melancholischen Album zurück. Noch nicht ganz zurück sind Interpol… das Album erscheint aber demnächst… „Fables“ ist eine ebenfalls eher dunkel angehauchte Vorab-Single. Der Name der nächsten Band ist von einem Slowdive Song : Catch The Breeze… die Musik geht auch ein wenig in die Richtung… die Dänen biegen dann allerdings in Richtung Editors ab. Danach (um es mit Spliff zu sagen) wirds heavy und macht rambam… Besvärjelsen sind die dritten Schweden dieser Compilation und bringen ein wenig Stonerrock mit… noch lauter wirds dann mit Astronoid, die auf ihrem aktuellen Album eine ähnliche Mischung darbieten, wie das Vizealbum des letzten Jahres von Deafhaven… Shoegaze meets Metal. Leise wird es danach aber auch noch nicht… im Gegenteil… „Performative Hours“ von The Flatliners, einer Punkband aus Kanada, beginnt laut und aggressiv… um dann im Refrain dann doch ziemlich melodisch um die Ecke zu kommen… könnte eine gute Punkrockplatte werden. Nun wird es dann doch Zeit etwas vom Gas zu gehen… wenn auch nicht ganz… Supercrush machen besten Powerpop und „Perfect Smile“ könnte von Swervedriver sein. In der gleichen Sparte sind Weezer seit vielen Jahren erfolgreich und immer wieder mal gut, wie bei „The Opposite Of Me“ von ihrer Sommer EP. Eine der größten Ohrwürmer dieses Jahres war „Last Summer“ von Oceanator… auf dem letzten Sampler zu hören… hier die Fortsetzung…wie eine Mischung aus Nirvana und Magnapop. Die Schweden Nummer 4 heißen MCC (Magna Carta Cartel) und waren seinerzeit Teil der inzwischen mega-erfolgreichen Metalband Ghost… Metal ist das hier aber nicht… ich würde es Darkwave nennen und finde das Stück schaurig schön… allerdings braucht es 2-3 Anläufe. Das Album „Once Twice Melody“ von Beach House war bereits Ende letztes Jahr ein Thema, obwohl es erst im Februar als Album erschien. Ein Song davon hat sich nochmal in mein Ohr geschlichen… und zwar das recht poppige, synthielastige „Hurts To Love“… Die Amerikanerin April March hat bislang mit „Rola Rola“ meinen Song des Jahres fabriziert (zu hören auf 22’s Choice #2)… mit ihrem Album „In Cinemara“ steht sie zur Jahresmitte ebenfalls in der Poleposition… soll am Jahresende niemand behaupten, man hätte es nicht kommen sehen… „Runaway“… nicht nur im Titel etwas an Del Shannon und der Musik seiner Ära entlehnt… Kein McLarsen Sampler ohne Anne Lise Frøkedal… das neue I Was A King Album steht vor der Tür und „Follow Me Home“ ist die zweite, leckere Hörprobe und zugleich der Schlußpunkt der 3. McLarsen Musik Compilation des Jahres… in der Zusammenfassung fiel mir auf, das kein einziger Song „Made in UK“ ist… dafür 4 x Schweden, zwei mal Dänemark, einmal Norwegen, einmal Deutschland, einmal Schweiz, 3 x Kanada und der Rest USA… der Brexit schleicht sich langsam in den Alltag 😉

Playlist auf Apple Music

Playlist aud Spotify

22’sChoice#2 – März – April 2022  …wieder zwei Monate vorbei und das gerade noch neue Jahr nähert sich schon wieder dem Bergfest… früher ging das langsamer… bestimmt… Nach zwei Monaten gibt es wieder etwas Musik in die Kategorie McLarsen hört Musik…
Diesmal startet es mit Steve Wynn’s The Dream Syndicate… gegründet vor über 40 Jahren, still going strong… Twen folgen mit ihrem Verständnis von Dreampop… wenig poliert und auf den Punkt gebracht. Oceanator klingen etwas 90s-like aber eher Magnapop als Hole… Mordsgitarrensolo nach kurzer Pause in der Mitte (!) PUP und Fontains D.C. mögen es eher knarzig finster… genau wie Interpol und die südafrikanischen Dangerfields… allerdings etwas ruhiger. Die Afghan Whigs haben einen neuen Track veröffentlicht, The Lazy Eyes aus Australien klingen wie Tame Impala heute nicht mehr klingen… danach wird der Gesang wieder weiblich und geheimnisvoll… Night Palace und Nilüfer Yanya… „Midnight Sun“ mit seinen trockenen, fast wie aus dem Computer kommenden Beats und der abwechselnd akustischen und elektrischen Gitarre verbreitet eine bemerkenswerte Stimmung… wie im Traumsequenzen im Halbschlaf… für mich ein Riesenhit. Es folgt neues Material von Hazel English, I Was A King (die Band von No.1 Album 2021 Sängerin Frøkedal), Destroyer (klingt diesmal nach New Order), Bilderbuch (…ja…hätte ich auch nicht vermutet das die mal mit dabei sind)… und Arcade Fire. Dann wird es französisch mit Melody’s Echo Chamber und mit April March’s „Rolla Rolla“ kommt der zweite Riesenhit (in meinem Kopf leider nur) auf die Playlist… auch wenn letzterer für meine Hörgewohnheiten wohl eher ungewöhnlich ist. Neko Case und Of Monsters And Men beschließen den Sampler… die Isländer schaffen kurzzeitig in dem Song einen Wall of Sound wie ich ihn eher von ihren isländischen Landsleuten von Sigur Rós kenne… viel Spaß beim reinhören… auf :

Apple Music und

Spotify

22’sChoice#1 – Januar – Februar 2022  Die Serie geht weiter und heißt jetzt 22’sChoice mit 20 Songs… etwa einer CD-Länge hörbar bei Apple Music und Spotify…

Apple Music

Spotify

McLarsen in Nürnberg und auf Bierwanderung (August 2022)

Meine vierte Tour des Jahres 2022 führt mich in die fränkische Hauptstadt Nürnberg. Im Anschluss treffe ich mich wieder mit Freunden zu einer Bierwanderung in der Nähe… das man in diesem Landstrich das Handwerk des Bierbrauens beherrscht, konnte ich ja bereits vor zwei Jahren feststellen… als die Ziele Bamberg und fränkische Schweiz hießen… nachzulesen hier: Ein einziges mal war ich bereits in Nürnberg, es ist ziemlich genau 30 Jahre her und war auf der Rückfahrt aus Österreich und Ungarn mit meinem Freund André den ich seinerzeit auch schon 17 Jahre kannte… ich erinnere mich nur vage… es war Hochsommer wie jetzt auch, die ganze Stadt war auf den Beinen, überall gab es Bier zu trinken und es war Party… warscheinlich wäre ich sofort aus Berlin hierher gezogen, aber es stellte sich heraus das es nur ein Stadtfest oder ähnliches war und das hier nicht immer so feierlich ist… Nichtsdestotrotz… natürlich ist die Stadt eine ausführliche Erkundung wert… fast eine halbe Millionen Einwohner, fast 1000 Jahre alt und jede Menge historische Plätze zur Erkundung… mit einer mehr als üppigen Auswahl an Gastronomie die es vom Gastronomen McLarsen ja auch zu entdecken gilt.

Fußgängerzone mit Lorenzkirche
Der Nürnberger Fluss heißt Pegnitz und bietet schöne Fotomotive...
...die Brücke rechts ist der Henkersteg... der wohnte nämlich mal dort

Aller Anfang aber ist immer der Hinweg… traditionell mit der Deutschen Bahn… und der Hinweg hatte es heute wirklich in sich… In Kurzform : Zwei ICE’s werden in Berlin Hauptbahnhof verkoppelt… einer (meiner) nach München, der andere gen Wien. 40 Minuten nach Abfahrttermin wurde festgestellt das der Münchener Teil den Bahnhof nicht verlassen kann da kaputt… bitte alle in den Wiener Teil… der Zug war eh schon überfüllt und ich fragte mich wie das gehen soll… bin aber trotzdem vor… in dem Wagen wo ich dann (ohne Sitzplatz natürlich) gelandet war, fiel dann die Klimaanlage aus und musste geräumt werden… danach konnte der Zug wegen Überfüllung nicht starten und die Leute wurden gebeten auf Alternativen auszuweichen… ich wechselte einen Wagen weiter und konnte sogar in dem Chaos einen Sitzplatz ergattern… kurze Zeit fiel in einem weiteren Wagen und im Bordbistro ebenfalls die Klimaanlage aus und musste geräumt werden… wieder Chaos… nach über 80 min setzte sich der Zug dann Richtung Süden in Bewegung… ich hatte viel Glück mit dem Sitzplatz… trotz nerviger junger Eltern mit dauerplärrenden Bälgern… in Nürnberg wurde den Reisenden Richtung Wien ein neuer Zug zur Verfügung gestellt… mir wars da egal… ich freue mich schon auf den Rückweg am kommenden Sonntag… mal sehen was dann alles passiert…

Tiergärtnertor mit Bierausschank... im Hintergrund die Kaiserburg

Nicht allzu weit war es dann zu Fuß in meine Residenz für drei Nächte… ins „Das Steichele“, einem seit 1897 familiengeführtem Hotel mit angeschlossenem Restaurant und Weinstube. Mit dem Zimmer bin ich zufrieden und ich denke das passt schon… Nach einer kurzen Erfrischung (es sind über 30 Grad… es ist Hochsommerlich) kam der obligatorische Startstadtrundgang um erstmal ein Bild zu bekommen bzw. etwas Übersicht. In Nürnberg liegen die Sehenswürdigkeiten nicht weit auseinander, die Altstadt ist in zwei Teile aufgeteilt… Lorenz und Sebaldus… der Name der beiden großen Kirchen hier. Nach Streifzügen durch die Fußgängerzone und etwas außerhalb dieser… mit einer leckeren Brezen unterwegs kam ich dann ans Gärtnertor unterhalb der Burg und wenige Meter vom Albrecht Dürer Haus und testete erstmal ein helles und ein dunkles fränkisches Bier. Nach diversen Schnappschüssen an diesem schönen Tag gab es danach wieder eine kleine Pause vor dem Abendprogramm.

Fachwerkromantik in der Weissgerbergasse...
...mit schönen Details...

Es ist fast ein wenig Tradition bei meinen Städtereisen: den ersten Abend geht es in ein Braugasthaus mit einheimischem Bier und deftigem Essen. Es gibt der Brauhäuser in Nürnberg sicher so einige… wegen einer gewissen Whiskyrelevanz war aber die Wahl der Hausbrauerei Altstadthof nur logisch… als ich im November 2015 auf der Interwhisky Messe in Frankfurt a.M. den ersten Preis für die beste Whiskybar Deutschlands entgegennehmen durfte, erhielt der Ayrers Whisky aus dem Hause Altstadthof den Preis für den besten deutschen Single Malt… nur schade das niemand von denen kam… was die Veranstalter damals geärgert hatte… aber egal… das ist schon 7 Jahre her und der Whisky hat sich gut entwickelt… mir hat er heute nach 3 verschiedenen Bieren des Hauses (Rotbier, Kellerbier & Schwarzbier) nebst Brauergulasch mit Knödeln als Desert sehr gemundet.

Made in Altstadthof: Bier & Whisky

Danach ging es im Regen (!) zurück Richtung Altstadt St. Lorenz und zum Absacker ins Kings Arms… wenige Meter von meinem Hotel entfernt. Mein Augenmerk gilt in fremden Städten ja auch immer den irgendwie irisch/schottisch/keltisch… wie auch immer Pubs und in meiner Vorrecherche zu Nürnberg hatte ich den Eindruck ich hätte den Stadtplan von Dublin vor mir… so viele gibt es hier… das Kings Arms war nett… das Guinness vielleicht ein Grad zu warm, aber nicht schlimm… die Whisky Auswahl ordentlich und das Personal sehr freundlich… leider lief statt Liverpool Juventus… warum auch immer… weitere Pubs werden in den nächsten Tagen folgen… Für heute reichts 😉

Absacker im Kings Arms
Klassizismus gibts bei uns in Berlin/Brandenburg häufiger als in Franken...
...um so interessanter die St.Elisabeth Kirche...

Nürnberg – Tag 2
Das Frühstück im Steichele ist durchaus gut… für jeden etwas dabei… Punkt 9:00 Uhr ging die Erkundung der Stadt Nürnberg weiter… erster Punkt: Die Kaiserburg. Bis dorthin sah ich mich allerdings auch noch anderweilig um, z.B. in der St. Elisabeth Kirche, einem klassizistischen Kuppelbau ganz in der Nähe meiner Unterkunft, genau wie ein Abstecher in die St. Jakobskirche gleich gegenüber… immerhin verrät sie mir nachts stündlich was die Uhr geschlagen hat. Auf dem Burgberg angekommen kaufte ich mir ein Ticket für 7€ für das quasi Gesamtpaket. Pallas, Doppelkapelle und Museum… sehr interessant… viel über Waffen, Ritter und ähnliches, aber auch die neuere Geschichte die ja mit Nürnberg stark verknüpft ist. Im Mittelalter war Nürnberg eine der größten Städte Mitteleuropas, die Stadt muß bis zum 2. Weltkrieg ein nostalgisches Traumpaket für Freunde der Mittelalterromantik gewesen sein… dann kam Hitler der sich hier auch wohl fühlte, hielt seine bekloppten Parteitage und Aufmärsche in Nürnberg ab, so das es dann am Ende den alliierten Bombern eine Genugtuung war, diese Stadt ein wenig mehr als die anderen platt zu machen… reichlich Industrie in der Gegend, auch für Rüstung war ebenfalls ausschlaggebend für die verheerenden Bombenangriffe 1944 und 1945. Beim Wiederaufbau entschloss man sich die gewachsene Struktur der Stadt beizubehalten und in Anlehnung an die historischen Bauten neu zu bauen… eine Leistung die es zu würdigen gilt… es gibt auch andere Beispiele wie Kassel oder Magdeburg wo nur noch einige einzelne Bauwerke an die versunkenen Städte erinnern.

Die Kaiserburg aus (verbotener Perspektive) ... im Vordergrund St.Sebaldus...
...und der Blick von Gegenüber...

Zur Burgbesichtigung gehörte auch die Erklimmung des Sinwellturms… ein absolutes Wahrzeichen der Burg und der ganzen Stadt. Während ich immer mal wieder solche Türme besteige, frage ich mich stets mit heraushängender Zunge warum… bin ich dann aber oben, fällt es mir wieder ein… Bomben Aussicht… was in diesem Falle auch doppelt passt, vor jedem Fenster gibt es Bilder vom Vorkrieg und den Zerstörungen durch den Krieg.

Die Kaiserburg vom eigenem Turm...
Im Museum...

Nach dem Abstieg sparte ich mir die Besichtigung des Brunnens, die Touris waren in Scharen gekommen… überhaupt frage ich mich manchmal ob hier nicht eine versteckte Übernahme von den Italienern bevorsteht… stattdessen ging es dann an einen Ort der Ruhe… zum Friedhof St. Johannis. Dieser ist in seiner Erscheinung sehr bemerkenswert und erinnert eher an Ruhestatten südlicher Länder. Die Gräber der berühmtesten Nürnberger ihrer Zeit habe ich auch gefunden : Bildhauer Veit Stoß und Universalgenie der Renaissance Albrecht Dürer… beide nur wenige Meter voneinander entfernt. Neben dem Friedhof hann man dann die Hesperidengärten besichtigen… nebst Schank- und Speisewirtschaft…aber dazu war es noch zu früh… Weiter ging es am Ufer der Pegnitz zurück ins Stadtzentrum… über den Henkerssteig, vorbei am Bratwurstmuseum (ein wenig bedauere ich hier das ich keine Bratwurst mag…) zu einem Parkhaus von dem ich weiß, das man von dort oben gute Bilder machen kann… wenn auch nicht soll… stand da ziemlich eindeutig an der Tür… egal, nicht erwischt und ein paar schöne Bilder der Burg gemacht, wo sie auch vollständig drauf ist.

Friedhof St.Johannis
Albrecht Dürer kannte ich schon als Kind und fand ihn gut.. endlich mal in seiner Nähe... wenn man das so sagen kann...

Dann war die eine der beiden großen Kirchen dran… St.Sebaldus und St.Lorenz sehen vom Weiten fast baugleich aus… beide haben eine Doppelturmfassade, ein früh-hochgotisches Langhaus und beide haben spätgotische Chöre. St.Lorenz gilt eher als die Kopie von St.Sebaldus… was daran liegt das die Kirche das alles erst später als das Vorbild gemacht hat… aber egal… es ist eine tolle Kirche mit einer für ein protestantisches Haus beinahe üppigen Ausstattung. Das größte Kunstwerk ist neben einem übergroßen Sakramenthäuscheen aus Sandstein, eine überlebensgroße Schnitzarbeit von Veit Stoß namens Englicher Gruß… was mit England nix, aber mit Engeln schon zu tun hat… für mich ein Kunstwerk was ich immer schon mal sehen wollte und nun auch ewig anstarren konnte… zumal ich kurz vorher am Grab vom Künstler stand, der als Person warscheinlich ehr `ne Flitzpipe war… wie der Berliner sagt… er wurde ohne Not der Urkundenfälschung verurteilt und die Strafe dafür war: einmal mit heißem Eisen durch beide Wangen… unangenehm…er wurde trotzdem ziemlich alt… und er war ein großer Künstler…

Englischer Gruß von Veit Stoß

Nach ein paar Schlenkern rechts und links sowie einer weiteren Brezenvariation der Firma Kolbe (die haben hier sogar einen Brezen Drive-In !) sah ich das eines der unzähligen Irish Pubs bereits aufhatte und gönnte mir zwischen 13 und 14 Uhr zwei amtliche Guinness… ich bin auch der Meinung das es zu der Zeit verdient war.

Ein Guinness... ziemlich früh... im Hintergrund der Mautkeller... gebaut von Hans Beheim um 1500...
...Schanzenbrau...

Es folgte eine Weile das hier alles zu schreiben, dann ging es in eine andere Richtung… der Stadtteil heißt Gostenhof… wird wohl gerne GoHo genannt und ist sowas wie ein Szeneviertel in Nürnberg. Der erste Teil den ich so sah… erinnerte mich eher an Kottbusser Tor in klein… später sah das schon ganz nett aus, zwei Bierstellen hatte ich mir ausgeguckt: erst das Palais Schaumburg, wo es Zeltner und Lindengarten Bier gab, was auch beides sehr gut war. Nicht weit entfernt war die Schanzenbräu Schankwirtschaft mit sehr gutem hellen, roten und schwarzen Bieren aus eigener Produktion. Es war in diesem Hinterhof, den ich ein wenig mit dem einheimischen Eschenbräu vergleichen könnte… derart gemütlich, das ich meine Pläne für den Abend änderte und dort auch gleich zum Abendbrot… sprich einem leckeren Schnitzel mit Kartoffelsalat blieb. Zurück ging es dann auf der anderen Pegnitzseite wie heute mittag… ebenfalls ein schöner Ort bzw. ein schöner Landstrich.
Nach einer weiteren kurzen Pause ging es darum die unzähligen Irish Pubs einzuordnen. Nur wenige Meter von meiner Unterkunft befindet sich das „Thirsty Baker“… ein stattlicher Laden, der sogar zu seinen stattlichen Ausmassen noch eine weitere Etage als quasi Option bsitzt… ich bin neidisch… als ich eintraf fiel mir eine Vielzahl von Whiskys von der Scotch Malt Whisky Society auf… sowas steht nicht einfach mal irgendwo aus Zufall rum… Ich hatte die Gelegenheit mit dem Barkeeper Patrick zu reden und er ist ein absoluter Fachmann mit Erfahrung auch was Whisky auf der Nürnberger Messe ist (da war ich selber noch nie)… durch einen obligatorischen Facebook-Post durfte ich auch kurz die Chefin kennenlernen… der bzw. den Besitzer:innen gehört auch da wenig entfernte Irish Castle Pub… da bin ich dann auch nochmal auf (wirklich) nur ein Bier reingeschneit… es ist ein alter Gewölbekeller und die Jazzmusik war zum Glück gerade vorbei. Sowohl Thirsty Baker als auch Irish Castle Pub waren in allen Belangen Top! Dann aber war es Zeit fürs Bettchen… was in meinem Falle heisst… erstmal schreiben und Fotos sortieren… aber das soll so… immer aktuell…

Eine tolle Entdeckung: The Thirsty Baker
Der gewaltige Umgangschor der St.Sebald Kirche

Nürnberg – Tag 3
Nach dem Frühstück ging es wieder auf die Piste… und ich merkte recht schnell, so ausufernd wie gestern wird es heute nicht… die Sonne ballerte bereits am Vormittag mit 33 Grad im Schatten und so richtig war ich auch nicht in Form. Also erstmal dahin wo es schön kühl ist… in Kirchen. Nachdem ich ja gestern St.Lorenz als Kopie von St.Sebald bezeichnete, war es an der Zeit das Original zu besichtigen. Baugleich sind die beiden Kirchen auf jeden Fall nicht…beide verfügen aber über eine reichhaltige Ausstattung größtenteils aus der Zeit vor der Reformation. Im Krieg wurden beide Kirchen stark zerstört… das Interior wurde zum Glück ausgelagert bzw. vermauert. Bemerkenswert fand ich bei St.Sebald das das Langhaus einen Knick hat.

Das Grabmahl des heiligen Sebaldus von Nürnberg
Einige der Bleiglasfenster wurden von Albrecht Dürer (mit)entworfen
Die Frauenkirche am Hauptmarkt

Nach St.Sebald folgte die Liebfrauenkirche am Hauptmarkt. Sie ist katholisch, ebenfalls aus dem Zeitalter der Gotik und besitzt keinen Turm… dafür eine astronomische Uhr welche 12:00 Mittags ein mechanisches Schauspiel namens Männleinlaufen startet. Wenn man bedenkt das dieses aus dem Mittelalter kommt… dann aber Hochachtung ! Dargestellt werden die 7 Kurfürsten welche drei mal um den Kaiser laufen. Ich habe das mal gefilmt:

Frauenkirche - Inneres nach Osten
Der schöne Brunnen am Hauptmarkt... heißt wirklich so...

Anschließend besuchte ich den Bürgermeistergarten und den Burggarten… nicht ohne ab und zu im Schatten auf einer Bank zu sitzen. Irgendwann wurde es aber zuviel mit der Hitze und ich beschloss den Nachmittag im halbwegs kühlen Hotelzimmer zu verbringen… soll ja auch nicht in Arbeit ausarten hier…

...als Postkarte geeignet... Blick vom Bürgermeistergarten
Im Burggarten... nicht zu sehen waren die 33° im Schatten...

Irgendwann wurde es kühler und ich hatte Hunger.. schaute wo es was gibt und erinnerte mich daran das meine Herberge ja auch ein traditionsreiches Lokal ist (seit 1897 im Familienbetrieb), also stärkte ich mich hier vor Ort mit einem Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln und Salat… das Ergebnis war sehr lecker und spendete mir Kraft für die Guinness Session Nuremberg… einige Pubs hatte ich die letzten Tage ja schon besucht… heute war der Rest angesagt (bin mir aber nicht sicher ob ich alle auf dem Schirm hatte… gereicht hats trotzdem) Start war am O’Sheas Irish Pub direkt an der Pegnitz. Es gab einen Bereich direkt am Ufer (leider gnadenlos voll) und viele weitere Tische vor einem wirklich altem Haus. Das Guinness war gut, das Personal auf Zack und es war so das ich noch stundenlang dort hätte sitzen können… aber weitere sollten folgen… die nächste Station war das Dubliner Irish Pub in der Königstraße… sowas wie der Boulevard hier… gleich daneben ist auch das Finnegans Harp wo ich gestern recht früh war… da war alles ok aber nix besonders… weiter zu Mulligans… (alle drei Pubs liegen nicht viel mehr als 100 Meter entfernt… ich saß jeweils draußen und registrierte das Touristen auch auffiel wie viele Irish Pubs es dort gibt… Das Mulligans war auch ok… dann gab es um die Ecke noch das Kilians, offenbar noch nicht lange… ein Banner mit Neueröffnung hing da… das Guinness war ok, aber ich hatte den Eindruck das da kein Herzblut drinsteckt und das eventuell nur ein Abschreibungsobjekt ist… der nicht zu beneidende Barmann (er war komplett allein) war mehr in Cocktails, Longdrinks, Tequlilla etc. beschäftigt als mit den Sachen die etwas mit Irish Pub zu tun hatten. Allerdings war ich auch hier nur zum pinkeln drinnen und mag mich täuschen… ein wenig zu viel Irish Pub scheint es in der Stadt zu geben… zumal es häufig gleiche Besitzer gibt… Ich habe jedenfalls nicht mehr Guinness getrunken als im Durchschnitt daheim und bin damit jetzt auch weniger betrunken als es dem einen oder anderen beim lesen dieser Zeilen scheinen mag… (an dieser Stelle hätte ich gendern können… verpasst 😉
Ob Nürnberg jetzt vorbei ist… ist noch nicht sicher… morgen geht es mit der S-Bahn nach Neumarkt in der Oberpfalz wo andere Bachulken aus Berlin und Potsdam… und Erlangen dazu stoßen werden und wir werden eine amtliche Bierwanderung machen… die Wettervorhersage ist relativ vernichtend… vermutlich fällt jeder ersehnte Regentropfen zu dieser Zeit… aber schauen wir mal… Vielleicht zeige ich ja auch meine Nürnberger Trinkstätten…

...jedes Guinness wäre langweilig... das hier war das erste 😉
Mein erstes Selfie in Neumarkt i.d. Oberpfalz... mit Rathaus und St.Johannis

Tag 4 – Neumark i.d.Oberpfalz
Der heutige Tag ist ein Tag des Übergangs von meinem Nürnberg Besuch zum Start unserer Bierwanderung in Neumarkt in der Oberpfalz. Die Reise von Nürnberg nach Neumarkt war kurz… 33 Minuten mit der S-Bahn Linie 2 mit spektakulären Haltepunkten wie Feucht-Ost und Postbauer-Heng … Vom Bahnhof sind es dann nochmal gut 25 min Fußweg und schon ist man im Kloster St.Josef… das ist nämlich unsere Unterkunft. Die Zimmer sind schlicht aber sauber und zweckmäßig… den Herren der überm Bett hängt kenne ich ja schon von diversen Kirchenbesichtigungen… Meine Freunde erwartete ich so gegen 16 Uhr… Zeit genug um die Stadt zumindest mal oberflächlich zu erkunden. Neumarkt i.d.Oberpfalz ist ein 40.000 Seelen Städtchen mit Marktplatz, Rathaus, Kirche… keine richtige Fußgängerzone aber schon eine Art Kleinstadtboulevard. Vier Bierbrauereien produzieren im Ort, die bekannteste ist das Lammsbräu was seit den 1990ern als erstes Biobier gilt.

Das Neumarkter Rathaus aus dem Jahre 1415 wurde nach Kriegszerstörung wieder aufgebaut
In der Stadtkirche St.Johannis
In der Klosteranlage von St.Josef... unserer Unterkunft

Nach einer kurzen Visite der Innenstadt ging es wieder hoch zum Kloster und meine Freunde aus Potsdam und Berlin waren früher da als vermutet. Sie kamen mit dem Auto da die Preise für die Bahn für dieses Wochenende seit Monaten regelrecht unverschämt waren… Vergnügungssteuer ist bei dem Verein derzeit ja auch nicht angesagt… Es kamen mein bester Freund André (wir kennen uns seit 1975) aus Potsdam und Matthias, Immo und Philipp aus Berlin, alle langjährige Stammgäste im Offside. Aus Erlangen kam Matthias’ Bruder Thomas angereist, Tags drauf soll dann Karsten aus Berlin den flotten Siebener komplettieren. Die Wagenladung aus Potsdam und Berlin war ziemlich durstig und vor allem unterhopft im Kloster angekommen, so das wir uns schleunigst Richtung Innenstadt bewegten um das berühmte erste Bier der Veranstaltung zu zelebrieren. Dieses Vorhaben gestaltete sich unerwartet schwierig, da viele Gasthöfe und Kneipen (auch welche die Teil der morgigen Bierwanderung sein werden) einfach mal die Zeit nutzen um Urlaub zu machen… oder das gerade stattfindende Volksfest (sic!) vorzuschieben… erste Bedenken… aber dann ging es zum oberen Ganskeller (den hatte ich am Nachmittag vorsichtshalber schonmal auf zwei Bier getestet). Dort gab es dann reichlich Speis und Trank… mit den leckeren Bieren von Gansbräu, das wären Helles, Kellerpils, Kellerhell, Dunkel und Festbräu. Das hat alles viel Spaß gemacht, alles war lecker und die Kellnerin war großartig wie sie mit dickstem bayerisch uns Berliner imitiert hat…

Das erste Bier (für die meisten zumindest)

… danach sollte es noch ein Guinness im ortsansässigen Pub werden. Dieser war dann auch im Urlaub…wie uns ein auf der Bank liegender Betrunkener mitteilte… aber ein paar Meter weiter gibts noch eine Lokalität namens Westside. Dort war dann sowas was ich (nicht abfällig) Dorfbums nennen würde… aber es gab Bier… so lange blieben wir auch nicht und im einsetzenden Regen ging es Richtung Kloster. Dort gab es im Keller einen Kühlschrank mit diversen Bieren und einer Kasse des Vertrauens. Draußen in dem parkähnlichen Umfeld der (nicht gerade kleinen) Anlage gab es Stühle und Tische zum Verweilen und dort wurde dann mit Flaschenbieren regionaler Herkunft der Tag ausgeläutet… es regnete mittlerweile in Strömen aber wir empfanden es als Erfrischung nach vielen Tagen der Hitze. Danach ging es unters Kruzifix ins Bett und der erste Tag in Neumarkt war vorüber.

368 Stufen kurz nach dem Frühstück war unsere erste Etappe...

Tag 5 – Die offizielle Bierwanderung
Wenn ich gestern schrieb wir hätten den Tag ausgeläutet, dann hatte ich noch nicht damit gerechnet das der Tag im Kloster auch amtlich eingeläutet wird. 06:00 Uhr ging der erste Glockenschlag: 1-2-3-4…1-2-3-4-5-6. Die Glocken befanden sich Luftlinie nicht weiter als 20 Meter… naja egal… 06:15 noch ein Schlag, 06:30 zwei Schläge… dann aber sofort danach das volle Geläut… und damit war die Nacht definitiv vorbei. 08:00 trafen wir uns zum Frühstück und Punkt Neun startete die Reisegruppe Pechmann (das war sowas wie ein Codewort) zur offiziellen Bierwanderung „Neumarkter Biervielfalt“ Es handelt sich um einen Rundweg von 16,6 km mit (theoretisch) 4 Brauereien bzw. Gasthöfen, einer Wallfahrtkirche, einem ehemaligen Steinbruch, einer Burgruine, einem Kanal, dem Gelände einer Landesgartenschau und der Innenstadt. Normalerweise startet der Rundgang am Bahnhof und hat als erste Station den oberen Ganskeller… diesen hatten wir ja gestern schon umfangreich getestet… oder getastet… wie man will… unser Kloster lag auf der Strecke und wir konnten frisch geduscht den Aufgang zur Wallfahrtskirche Mariahilf in Angriff nehmen. Der Regen pausierte gerade aber die Luftfeuchtigkeit war gefühlt deutlich über 100%… wir liefen quasi in einer Regenwolke… 368 Stufen… und waren danach doppelt nass… von der Luftfeuchtigkeit und dem Schweiß der Anstrengung… ich bin ja nicht sonderlich bekannt für meine Fähigkeit Ausdauersport zu verrichten… aber es war nicht so schlimm wie befürchtet, die Zunge hing zwar in bester Krawattenmanier heraus aber ich war darauf vorbereitet. Die Kirche ist recht klein, von außen eher unspektakulär, von innen hui… barocke Üppigkeit…

...nach 368 Stufen kann man so aussehen...

… aber wir hatten nur einen kurzen Blick Zeit… der Name der Veranstaltung ist ja Bierwanderung und der Antrieb war das erste Bier… das hätte theoretisch im Gasthof Schönblick sein können… leider öffnet diese Lokalität erst 11:00 Uhr… damit deutlich zu spät für uns, also weiter durch Wald und Feld, hoch und runter… durch einen ehemaligen Steinbruch… zur Burgruine Wolfstein, die gut sichtbar über der Stadt thront… es hätte da theoretisch auch eine Einkehr gegeben, aber es war weder Mittwoch och Sonntag… also Aussicht geniessen, vorbei an einem Fels-Kuriosum namens Krähentisch und das Ziel vor Augen : Bier… im Berghotel Sammüller… endlich da angekommen grüßte die Kreidetafel vom (sicher verdienten, aber für uns gerade ungünstigen) Urlaub der Betreiberfamilie… Die Hälfte der Wanderung war locker rum und es gab noch keinen Tropfen Flüssigkeit… ein wenig Frustration stellte sich ein… ich als Organisator der Geschichte war ein wenig sauer… dieser Bierwanderweg wird überregional beworben, an jeder Laterne ist er ausgeschildert, die Stadt Neumarkt hat eine pdf-Datai für den Wanderweg auf der Website… und dann gibts kein Bier bei der Bierwanderung… hmpf… Plötzlich erschien das Zeichen von Edeka und fast die komplette Runde kehrte ein und kam mit einer Flasche Bier wieder raus… manche auch mit Cola… ich hielt mich zurück und wollte mein erstes Bier in gezapfter Form. Das war dann auch kurze Zeit später möglich im Blomenhof. Dieser Gasthof liegt am Stadtrand und existiert seit 1571 und hatte AUF (!) Wir konnten unser Glück kaum fassen und wurden vom Braumeister Stefan, der dann auch noch ein Berliner (!) war hervorragend versorgt. Die Biere im Blomenhof waren… vielfältig… (genaues hab ich… sorry… aber vergessen). Es hat viel Spaß gemacht und die Lokalität ist unbedingt zu empfehlen…

Die Burgruine Wolfstein

Mittlerweile waren wir mit Karsten zu siebt und sind dann langsam den Wanderweg weiter gelaufen… er führte uns am Ludwig Donau Main Kanal vorbei auf das Gelände der Landesgartenschau von 1998. Irgendjemand bemerkte das See Café… und die hatten Bier, also nix wie rein und Neumarkter Lammsbräu bestellt… es war mit Abstand das langweiligste Bier der Tour… aber es war Bier und wir waren glücklich… zumal Petrus die Himmelsschleuse aufdrehte und es für eine Weile richtig heftig regnete… Als es wieder trockener wurde ging es wieder in den oberen Ganskeller… inzwischen so eine Art Generalstützpunkt der Reisegruppe Pechmann. Die Kellnerin vom Vortag war nicht mehr da, aber wir hatten wieder viel Spaß… und wenn es nur war zu beobachten wie eine Frau dem Mann am Tisch ihr Bier überm Kopf zu kippen und dann zu gehen… der Typ wollte uns später für eine Anzeige … nööö… bestimmt nur irgendeine bayerische Tradition… Der Abend endete im Kloster in einem TV Zimmer wo wir mit meinem Laptop und Philipp’s DAZN Account Gladbach-Hertha schauten… Hertha hat jedenfalls nicht gewonnen, aber egal… danach waren alle platt und freuten sich auf die Glocke…

Der Krähentisch mit der Stadt im Hintergrund...

Tag 6 – Die inoffizielle Bierwanderung
Auf das Geläut war Verlass… natürlich waren wir diesmal vorbereitet… Frühstück und los zur nächsten Wanderung. Philipp meldete sich mit einer Blase am Fuß ab und wir fuhren zu sechst mit dem Regionalzug Richtung Regensburg. Die Wanderung habe ich mir vor einigen Monaten mehr oder weniger selber ausgedacht… es ist kein offizieller Wanderweg und die Gastronomie auch nicht Teil irgendwas Offiziellem… nach der gestrigen Erfahrung nicht das beste Zeichen… Die erste Station, die Brauerei Plank in Laaber an der schwarzen Laber (!) war bereits bei der Planung unklar, nach einem Anruf vor Antritt der Wanderung wussten wir bereits das es dort keine Gastronomie mehr gibt. Der Ort Laaber, der anders als der Fluss mit zwei A geschrieben wird bietet eine Burgruine im Ortskern… wir haben sie uns kurz angeschaut und eine ältere Frau getroffen die uns etwas erzählt hat von dem wir ALLE KEIN Wort verstanden haben… aber wir haben nett zurück gegrüßt… Weiter ging es an der schwarzen Laber… es gibt diverse Flüsse mit dem Namen Laber… kleine, große, weiße, schwarze…etc… alle sind Neben- oder Zuflüsse der Donau. Größtenteils waren wir auf einem Fahrradweg unterwegs… auf Grund des Wetters begegnete uns allerdings… meines Wissens kein einziges Fahrrad…

Die schwarze Laber ist ein 77 km langer Zufluss der Donau
Die Burgruine in Laaber

Erste (inoffizielle Station war ein Campingplatz mit Gastronomie… theoretisch… wir waren ganz einfach in die paar Stunden geraten wo gerade Pause war… Bier gabs trotzdem… aus dem Automat… unter Vernichtung jeder Münze die wir hatten… ein kleines Bier war uns vergönnt… immerhin… da nächste Ziel war ein Gasthof namens Münchsmühle etwa 1,5 km entfernt. Als wir dort ankamen war auch erstmal Frust… der Gasthof selber sollte erst 15:00 Uhr öffenen, allerdings stand auf der Website das es einen SB Bereich gibt, der schon früher auf hat… hatte er aber nicht… das war auch ein Platz abseits jeder Zivilisation… gefühlt zumindest… plötzlich öffnete sich ein Fenster und der Wirt meinte… jo… I mach äuch auf… und öffnete nicht etwa den Gasthof, sondern einen SB Bereich wo man sich aus Kühlschränken über 20 Sorten Bier auswählen kann… mit einem Geldwechselautomat… letztendlich aber auch eine Art Kasse des Vertrauens… im katholischen Bayern setzt man offenbar auf Gottvertrauen… selbstverständlich hätten wir eher zuviel als zuwenig gelöhnt… Der Münchshof hat uns allen wirklich prima gefallen, das Hauptgebäude datiere ich ins 18. Jahrhundert, diverse Nebengebäude gibt es auch… mittendurch fließt die schwarze Laber… auf die Frage wo die Toilette ist, antwortete der (durchaus coole) Wirt: in de Laber… Kein Problem… sind bestimmt keine Fische zu Schaden gekommen…In Erwartung der vielleicht totsicheren nächsten Station, der Brauerei Goss in Deuerling ging die Wanderung aber zügig weiter… um dann feststellen zu müssen… das wir leider auch in deren Schliessziten lagen… etwas frustrierend mittlerweile… wie ein roter Faden meiner (wie ich dachte) guten Planung. Nun ja, die nächste Planung einer ähnlichen Sache wird definitiv jede Stelle abtelefoniert… ob sie denn geöffnet sind.

Die Rettung... Bier in der Münchsmühle
Bierwanderung 2022 (Symbolbild) ...am 20.08.22

Über Stock, Stein und Straße ging es dann zum nächsten Stützpunkt welcher dann sogar geöffnet war: Brauereigasthof Eichenhofen. Gerade muss da noch eine Hochzeit abgefrühstückt worden sein… schon kam der durstige Berlin-Brandenburger Mob und verlangte Bier und Brotzeit… es war alles sehr lecker… eigentlich hatten wir noch einen eher optionalen Stützpunkt… aber wir wählten den Rückweg Richtung Neumarkt und trafen uns dann mit dem abtrünnigen Philipp im… ihr habt es geahnt… oberen Ganskeller. Dort machten wir was wir am besten können… essen… trinken… labern… schließlich waren wir an der schwarzen Laber unterwegs… Auch an diesem Abend wurde noch der Kühlschrank des Klosters bemüht…wat mut dat mut…

Brauereigasthof Eichenhofen

Tag 7 – Rückreise
Nach dem morgentlichen Bimmelterror gab es nochmal Frühstück, die Autogruppe startete gen Berlin, Thomas gen Erlangen, Karsten und ich erst nach Nürnberg in Erwartung eines neuen Abenteuers der Bahn… leider hatte Karsten keinen festen Platz… ich schon… und die Bahnfahrt verlief unerwartet so wie man das erwartet: unspektulär und sogar pünktlich. Als ich dann mit meinem Rollkoffer am Offside ankam, saßen Matthias, Immo und Philipp schon beim Bier davor… alles gut gegangen…

…Jo…eine Woche unterwegs gewesen… viel gesehen… viel getrunken… viel gegessen… schön wars mal wieder… Danke an alle die mich dabei begleitet haben… und natürlich meiner lieben Frau Nina die mir an der Heimfront den Rücken freigehalten hat.

Der flotte Siebener der Reisegruppe Pechmann am letzten Abend im oberen Ganskeller

Islay 2012 – McLarsens erster Reisebericht (10th Anniversary Remaster)

Vorwort

Hier lest ihr meinen ersten Reisebericht aus dem Jahr 2012. Es war meine dritte Schottlandreise und die erste die ich alleine machte. So etwas wie ein Reiseblog oder ähnliches mag es damals (vor 10 Jahren mittlerweile) zwar schon gegeben haben, in meiner kleinen Welt jedoch noch nicht. Das ich meine Eindrücke trotzdem aufgeschrieben habe, lag am Interesse mancher Whiskyenthusiasten aus dem Cutty Sark Whiskyforum. Dort las ich seinerzeit gern die Schottlandberichte von anderen und wollte die Gelegenheit nutzen auch einen Beitrag dazu zu leisten. Der Bericht erfreute sich hoher Beliebtheit und somit sollte es der Anfang einer beliebten Serie von Berichten aus Schottland sein. Anlässlich der Tatsache das dieser Bericht nun 10 Jahre alt wird, habe ich ihn etwas aufgehübscht und nochmal veröffentlicht… viel Spaß dabei…

Empfang mit Regenbogen : Glasgow Airport

ANREISE : Teil eins meiner Reiseberichte startet zuhause, im Offside, ca. 13.30 Uhr, da es mein Verein Hertha BSC letzte Saison nicht geschafft hatte, in der ersten Fußballiga zu bleiben, sind dieses Jahr halt Termine wie der heutige an der Tagesordnung : 13.30 Uhr : Hertha gegen Aalen…soll wohl irgendwo im schwäbischen liegen…, nun ja, genug geärgert, den Halbzeitstand von 0:0 mit auf die Reise genommen, und los ging es, ab zum S-Bhf Bornholmer Straße, eine Stunde gefahren, mittlerweile den Endstand von 2:0 wohlwollend zur Kenntnis genommen… und schon ist man mitten auf dem alten Schönefelder Flugzeugplatz, daneben wird ja fleißig rumgebaut, angeblich soll der neue Flughafen ja noch in den nächsten Jahrzehnten vollendet werden. Flugzeuch hoch Fluchzeuch runter… Nix besonderes passiert, gute Musik via iPhone im Ohr, (besonders hervorzuheben Stars (die heißen wirklich so einfach) mit dem Album „The North“), und schon ist man in Glasgow. Letztes Jahr wurde ich hier, zusammen mit Jörg mit einem amtlichen Regenguss begrüßt, wie es sich für eine Stadt geziemt, die sich inoffiziell „Raintown“nennt. Heute konnte ich vom Flugzeug gerade noch so einen Regenbogen fotografieren, ansonsten ist hier das gleiche schöne Wetter, wie in Berlin, bzw. wie immer, wenn ich Schottland bereise…(dreimalaufholzklopf…). So, Hotel hatte ich wie immer in der Renfrew Street gebucht, da man von da aus einerseits gut zum Busbahnhof kommt, anderseits in die Gegend guter Bars abseits des Citymainstreams…. (was ’n Unwort…)… Vor vielen Wochen recherchierte ich dann mal zwecks Whiskybars in dieser Gegend, in den letzten Jahren war ich nie zufrieden mit den großen Namen wie z.B. das „Pot Still“, da bin ich als Betreiber einer eigenen Whiskybar dann doch vielleicht kritischer als andere… Nun gut, die Wahl fiel auf eine Bar namens „Bon Accord“, etwa 10 Fußminuten von hier, direkt an Schottlands meistbefahrener Autobahn, der M8 gelegen (die dort allerdings eine Etage tiefer fährt…)

Im Bon Accord

Ich kam in die Bar, bestellte mir ein local beer, fragte nach fester Nahrung und wurde erstmal enttäuscht… keine Küche mehr… Im Laden waren etwa 6 schottische Ureinwohner um die 60 und älter, so das ich einen Moment lang Plan B (Ben Nevis Pub 10 min weiter) in meinem Kopf durchexerzierte. Dann kamen zwei Herren ins Lokal, die ich schnell als Landsleute identifizieren konnte. Wir kamen relativ schnell ins Gespräch, wenn man Deutsche in Schottland trifft, sind es ähmmm, zumindest recht häufig Leute mit Whiskymigrationshintergrund..(sicher das Whiskyunwort des Jahres, vielleicht sollte ich es mir vorsichtshalber patentieren lassen…).. Björn und Ralf aus Essen waren beruflich hier und, natürlich im Whiskybusiness…, wir hatten eine gute Unterhaltung. Zwischendurch war ich mal nebenan beim Inder was essen, was übrigens ganz vorzüglich war, dann kamen zwei Herren in den Laden, den meine Gesprächspartner kannten… Ich wurde schnell aufgeklärt : der eine ist Angus von einer Whiskyauktionsfirma deren Namen ich jetzt nicht im Kopf habe, der andere ist Carsten Ehrlich, der Macher der Whiskyfair Limburg und der Whiskylabels Whisky Agency und Liquid Library etc…, für alle, die hier nicht so viel über Whisky Bescheid wissen…Leute, die man nicht einfach so mal trifft…und schon gleich gar nicht in einer (mir noch) unbekannten Bar an der M8 in Glasgow… Wir hatten ein paar Bier und zwei-drei Whiskys, einige Fachgespräche, dann ging es aber ab ins Bett, schließlich klingelt um 7.30 der Wecker…

Impressionen aus dem Busfenster - Landschaft bei Arrochar
Am Pier von Inveraray
Auf der Fähre Kennacraig - Islay

…so geschehen heute morgen, mittlerweile ist es Montag und ich befinde mich in Kennacraig auf der Fähre nach Islay, welche just in diesem Moment ablegt. Immer wieder ein Erlebnis: die Fahrt von Glasgow bis hierher. Solche beeindruckenden Landschaften bekommt man in Europa höchstens noch in Norwegen geboten. Luftlinie ist es ja gar nicht so weit, aber die zerklüftete Westküste mit ihren hunderten Seen und Bergen, die einfach mal so von null auf achthundert in die Höhe wachsen, machen die Fahrt zur Zickzacktour. Beeindruckend ist auch, mit welcher Geschwindigkeit die schottischen Busfahrer diese Strecken langbrettern, aber die machen das ja öfters, ich wäre warscheinlich mit Tempo 30 da langgekrochen… Sehr schön anzusehen sind auf der Strecke, welche am westlichen Stadtrand Glasgows auch die Auchentoshan Distillery streift, der ewig lange Loch Lomond, der ja Gegenstand einer der bekanntesten Songs der schottischen Nationalschlagerhelden Runrig ist. (ok, das mit dem Schlager nehm ich zurück, ist aber nicht sooo weit entfernt…), der kleine Hafen von Inveraray, wo der Bus 15 Minuten Pause macht, genau wie die kleinen Straßen des kleinen Ortes, ein kurzer Abstecher in den dortigen Whiskyshop, aber die Zeit ist zu kurz zum stöbern, den Bus verpassen wäre ja schon grober Unfug… Das Wetter ist so, wie man es an der Westküste gewöhnt ist, Sonnenschein und Regen im wechselnden 10 Minuten Rhythmus…

In Bowmore angekommen...

…mittlerweile in Bowmore angekommen. Das Quartier bei Rena Omand in der Jamieson Street bezogen, ich habe 4 Betten, quasi ein Doppelbett und zwei einzelne zur Verfügung.. Platz ist also.. So, dann ein kurzer Überblick über die Hauptstadt der Insel Islay… 20 min… Dann mal kurz zur Bowmore Distillery ins Visitor Center, nur um mal zu schauen, was es da so schönes gibt…, Bowmore selbst steht ja erst nächsten Dienstag auf der Tagesliste… dann Hunger, Restaurant… Lochside Hotel… Naja, ich geb den noch ne zweite Chance, aber heute war nicht so der Tag Lochside vs. Mclarsen…
Viel besser dann später im Bowmore Hotel, die Bar, die auch die Einheimischen nutzen, ich hatte viel Spaß, gute Whiskys, und jetzt aber den Kanal voll für heute. Morgen steht Lagavulin an, ich bin hier schließlich nicht zum Vergnügen, wir hören bzw. Lesen morgen weiter, wenn ihr wünscht…. Good.night..

Lagavulin Distillery vom Dunyvaig Castle

LAGAVULIN: Tag 2 wachte ich gegen 7 von Geräuschen auf, die mich daran erinnerten wie es klingt, wenn man mit dem Auto durch eine Pfütze fährt. Es gallerte wie aus einem Guß an Fenster und Dachschräge, 5 Minuten später zeigte sich dann aber schon wieder die Sonne. Es folgte die erste Unregelmäßigkeit auf meiner Reise, bei der bis hierher alles wie am Schnürchen geklappt hatte. Der Busfahrplan, der an der Bushaltestelle hängt, deckt sich nicht mit dem in meinem Kalender, statt 9.45 Uhr kam der Bus Richtung Ardbeg erst 10.20, die gebuchte Warehouse demonstration bei Lagavulin beginnt aber 10.30, naja, dachte ich, dann komme ich eben zu spät, die Schotten haben es eh nicht so mit Pünktlichkeit. Verpasst hab ich schließlich nicht viel, außer, das eben genau ein Stuhl gefehlt hat, so das ich stehen mußte, was mich nicht störte. Eine derart volle Demonstration habe ich noch nicht erlebt, es waren ca. 50 Leute da, mindestens die Hälfte davon ein Seniorenwhiskyclub aus Dänemark. Vortragender war die lebende Lagavulin Legende Ian MacArthur, auch Pinky genannt, über 40 Jahre im Geschäft und nie um einen Scherz oder Schabernack verlegen.

...mit dem Valinch aus dem Fass... Ian MacArthur bei der Arbeit...

Es gab direkt aus dem Faß : ein New Make (das ist das Zeug, wie es aus der Brennblase kommt, nicht gereift und völlig klar, darf sich auch nicht Whisky nennen, das nämlich erst nach 3 Jahren Fassreifung), das war harter Tobak am frühen Morgen… warscheinlich gut geeignet zum Fensterputzen. Danach kam ein 8jähriger aus dem Sherryfaß, ein 12jähriger aus dem Bourbonfaß, ein 14jähriger aus dem Sherryfaß und zur Krönung ein 30jähriger Bourbonfassgereifter, der natürlich erwartungsgemäß das Highlight war. Da alle Gläser immer sehr gut befüllt wurden, war man dann gegen Mittag schon ein wenig „heifitelititi“ wie meine Mutter sagen würde. Produziert wird bei Lagavulin übrigens derzeit nicht, deshalb gab es auch keine Führungen. Die Brennblasen sind eingerüstet und es werden die Kondensatoren ausgetauscht. Danach ging ich fotografieren was das Zeug hielt, nicht aber, ohne mir noch mal im Visitor Center versichern zu lassen, das danach auch noch eine Flasche Lagavulin Jazzfestival Abfüllung für mich da ist. Gegenüber der Distillery befindet sich, halb im Meer schon, eine Burgruine, oder sagen wir mal, die Reste der Ruine. Unter Einsatz meines Lebens kletterte ich auf die nassen, glitschigen Felsen und wurde mit einem Top Ausblick und tollen Fotos belohnt.

Dunyvaig Castle von Lagavulin aus gesehen
...lange her das hier mal die gute Stube war...

Dann ging ich zurück ins Visitor Center, kaufte die Flasche, wartete einen Regenguß ab und ging dann zu Fuß Richtung Port Ellen, an Laphroaig vorbei, wurde unterwegs böse mit Wasser begossen, aber der stürmische Wind trocknete die Sachen relativ schnell. In Port Ellen machte ich noch ein paar Fotos von der Mälzerei, auf dem Gelände befand sich früher die Port Ellen Distillery, die 1983 geschlossen wurde. Als einzige Lokalität mit fester Nahrung (um diese Zeit), erwies sich das Cybercafe als Glücksgriff. Gutes Essen für ein schmales Geld von einer sozialen Einrichtung für die Dorfjugend, sehr zu empfehlen.

Lagavulin Distillery vom Bootssteg
...das Wetter wirkte gelegentlich bedrohlich...
...auf nach Port Ellen... Bye Lagavulin
Port Ellen : Reste der Brennerei, Strand und Maltings

Nach den ganzen Outdoortätigkeiten taten anschliessend 2 Stunden rumgammeln, Emails gucken etc. ganz gut… dann pünktlich zur Champions League ins Bowmore Hotel auf der anderen Straßenseite. Im Pub war heute überhaupt nix los, Gottseidank war zumindest die zweite Halbzeit von Real – M.City recht ansprechend, sonst wäre mir ja beinahe langweilig geworden. Apropos Pub, mir ist heute aufgefallen, das das Waschbecken der Herrentoilette im Bereich des Sitzklos ist…, also hinter dessen Tür… der Trockner ist aber schon wieder wo anders, etwa 6 m entfernt…(nein, ich hab nicht zu viel Bier gehabt…)
So, das wars für heute, morgen liegt die große Ardbeg Tour mit Wasserquelle, Lunch und allem pipapo an, da gibt es später sicher viel zu berichten…..

...eigenwillige Anordnung der sanitären Anlage...
Empfangskommitee bei Ardbeg

ARDBEG… ist die erste Distillery, die ich zum zweiten mal gesehen habe, das nicht weil sie meine Lieblingsbrennerei ist, aber es hat sich vor zwei Jahren so ergeben, das ich dort schonmal war. In der Planungsphase dieser Reise beschloß ich, wenn möglich immer die Touren zu buchen, die das meiste zu bieten haben, wo man auch etwas mehr sehen kann, als der gemeine Durchgangstouri. Die besondere Tour bei Ardbeg nennt sich „walk to the water source“‚ dauert 4 Stunden, kostet 35 pounds und führt zu einer der beiden Quellen, aus denen das Wasser für den Ardbeg Whisky stammt.

Slainte
Unser Tourguide Dougie

Einen Fehler machte ich gleich zum Anfang. Es wurden Gummistiefel angeboten, aber da ich momentan ziemlich viel Rücken habe und Schuhe oder Socken anziehen ziemlich anstrengend finde, dachte ich mir, geht schon so und ließ meine Docs an. Bereits nach einigen hundert Metern bemerkte ich meinen Irrtum, es regnete ab und zu und die Wege wurden immer schlammiger, es war schon ein Geschicklichkeitsspiel, den Weg immer 2 Meter im Voraus abzuscannen und dann nach links, rechts oder in die Mitte zu springen, um es vorweg zu nehmen, am Ende sah ich aus wie eine Sau, aber egal. Unterwegs gab es den einen oder anderen Ardbeg Dram, beginnend mit dem „Very Young“, dann ein letzter Rest vom „Kildalton“, das ist eine 24jährige Abfüllung von 1980, gefolgt vom ungetorften „Blasda“, einem Sample eines Fasses von 1995, welches wohl anlässlich der Feierlichkeiten zum 200 Jubiläum 2015 abgefüllt werden soll, dann folgte das neueste Produkt des unbegrenzten Ardbeg Hypes, der „Galileo“. Später, zum Schluß der Veranstaltung wurde noch ein „Uigeadail“ gereicht.

Loch Iarnan
Torfstechen

Nach einer Weile kamen wir am Loch Iarnan an, das ist die eine Quelle, die andere heißt Airigh Nam Beist, vor ein paar Jahren Namensgeber einer mittlerweile sehr begehrten Ardbeg Abfüllung. Dort angekommen, wurde ein Lunch gereicht, bestehend aus Lachsbaguette, Nektarine, Kuchen, Walker Crisps und Limonade. Danach ging es auf dem gleichen Weg zurück, unterwegs berichtete unser Guide Dougie, ein cooler Typ Mitte 50, wie es früher so war, er ist nämlich ein waschechter Ardbeganer, lebte bis vor einem Jahr in England und kehrte dann zurück. Ich fand seine Geschichten sehr interessant, es würde jetzt aber den Rahmen sprengen, die hier noch aufzuschreiben. Nicht unterschlagen möchte ich auch, das er uns unterwegs an einem Torffeld gezeit hat, wie das Torfstechen geht, man konnte sich auch selbst daran versuchen. Zurück in der Distillery gab es mit den ehemaligen Malzböden etwas zu sehen, was sonst nicht in den Führungen gezeigt wird. Die Räumlichkeiten werden heute für Anlässe wie z.B. Hochzeiten genutzt. Der Rest der Distillerytour bot das übliche, Malzmühle, Mashtun, Washbacks, Stillroom. Zum Abschluß ging es dann auf den Bootssteg wo der letzte Whisky genommen wurde. Fazit: das war verdammt viel für 35 Pfund, ich kann nur jedem empfehlen, wer mal Mittwochs auf Islay ist und etwas über den Tellerrand schauen mag, der sollte diese Tour machen…..und Gummistiefel ausleihen. Ein großes Kompliment nochmal an Dougie, unserem Tourguide. Danach machte ich noch ein paar Fotos, dann wurde noch etwas eingekauft, (z.B. Galileo). Zurück wurde ich von 4 sehr netten Leuten aus Mönchengladbach mit dem Auto mitgenommen, die haben ihr Quartier ein paar Häuser weiter.
…so, jetzt ein Stündchen Ruhe und dann mal ein, naja vielleicht auch 2,3… Bier zum Fußball…

...man beachte Schuhe und Hose 😉

BUNNAHABHAIN… (sprich Bunna-hawen). Von dem heutigen Tag wußte ich im Voraus, das gewisse Abläufe schwierig werden. Ich wollte unbedingt die Managers Tour machen und diese findet nur Donnerstags um 14 Uhr statt. Bunnahabhain ist neben Kilchoman die einzige Distillery auf Islay, die man nicht mit dem Bus erreichen kann. Also heißt es rechtzeitig so weit wie möglich mit dem Bus ranfahren und dann laufen, Google prophezeite 1 Stunde, 15 Minuten Fußweg, Punkt 13 Uhr bog ich auf die Straße ein und legte mit Stechschritt los. Dieses Tempo versuchte ich zu halten, auch wenn es gefühlt nur bergauf ging. Ausgerechnet heute war der gesamte Himmel mit einer grauen Suppe zugekleistert, welche ständig Wasser von sich gab, das Vergnügen unter Zeitdruck einen Minimarathon zu laufen, war also gering. Etwa auf der Hälfte wurde ich dann erlöst. Das erste Auto, was mich überholte, hielt an und zwei nette Kanadier, welche auch diese Tour gebucht hatten, namen mich mit. Wir drei waren dann auch die einzigen Besucher der Tour, was ja immer nicht schlecht ist, wenn es wenige Leute sind.

Tom, Andrew Brown & Murray
Bunnahabhain - Die große Mashtun

Distillerymanager Andrew Brown nahm uns dann für ca. 2,5 Stunden unter seine Fittiche und wir besichtigten die Brennerei. Auffällig waren die Brennblasen, welche alle verschiedene Formen haben, relativ ungewöhnlich angeordnet sind und die richtig dunkel sind, man kann nur noch ahnen, das sie aus Kupfer sind. Danach ging es noch an der Faßabfüllung vorbei, in eines der insgesamt 8 Warehouses, leider ohne eine Probe aus einem Faß. Zu guterletzt ging es dann noch in einen Raum, wo es dann noch was zu trinken gab : Darach Ur (ohne Altersangabe in neuen Eichenfässern gereift), Bunnahabhain 12 (der Standard), Bunna 18 (mein Favorit), Bunna 25 (schon lecker, aber nicht für das Geld…) und zum Abschluß noch einen Toitech (getorft und ohne Altersangabe).

Die Brennblasen von Bunnahabhain
...viele Abläufe sind Computergesteuert...
Grünspan... oder warum der Vorlauf nicht verwendet wird.

Meine Einschätzung : die Managerstour von Bunnahabhain lohnt sich nicht unbedingt, ist aber Ok. Wir haben wohl das gleiche gesehen, wie andere Besucher auch, nur das der Manager geführt hat und ungefähr doppelt so viel dazu erklärt hat. Leider ist Andrew Brown kein guter Entertainer und selbst die beiden Kanadier haben nur die Hälfte verstanden. 5 Whiskys sind OK, wenn auch die Standards nicht aufregend waren. Fazit : Die Tour kann man machen, muß man aber nicht. Tom und Murray, so heißen die beiden Kanadier, die übrigens in Tokio und Shanghai leben, nahmen mich dann noch bis Bridgend mit und die letzten 3 Meilen lief ich dann nach Bowmore zurück, das war nicht ganz ungefährlich auf der engen, vielbefahrenen Strasse, aber es gab keine Alternative, Busse fahren um die Zeit nicht mehr. So, gleich gehts nochmal in den Pub, heute mal ins Lochside Hotel, wo ich Hans aus Göttingen treffen werde. Morgen geht es weiter mit Laphroaig, ebenfalls eine große Tour mit Besichtigung der Wasserquelle, ich bin gespannt…

Bunnahabhain - Fassabfüllung
...das könnte ein schöner Tag werden...

LAPHROAIG:  …so, es ist Freitag, der 21. September, Tag 5 auf Islay und damit etwa die Hälfte… und ich bin mir relativ sicher, heute das Highlight der Reise erlebt zu haben… alles was jetzt noch kommt, muß sich an den heutigen Tag messen lassen…und das wird schwierig. Laphroaig war das Thema bzw. die Distillery des Tages, die Tour nennt sich Water to Whisky Experience…, im Prinzip so ähnlich, wie am Mittwoch die Tour bei Ardbeg, nur etwas exorbitanter…
…Fangen wir mal mit den äußeren Umständen an… das Wetter,… war das grausam gestern, gerade im Süden von Islay muß es ja besonders geschüttet haben, das Feld, wo bei den Friends Of Laphroaig die Fähnchen stecken (rein juristisch gehören mir da auch theoretisch ein paar Quadratzentimeter)… war ein einziger See, der Wald rund um die Straßen noch Ardbeg/Lagavulin/Laphroaig war ein Wasserbiotop. Von Augenzeugen wurde mir berichtet, das Ardbeg so sehr geflutet wurde, das man kurz vor Abbruch der Produktion war, da das Wasser durch das Stillhouse lief…
Nun gut, heute erwachte der Tag mit blauen Himmel und jetzt (kurz vor 7 Ortszeit), scheint die Sonne noch immer…klappt doch…

Die Wasserquelle von Laphroaig
Picknick
Kompott
Fernsicht... vorne Lagavulin, hinterm Wasser Kintyre, die Berge sind auf Arran

So, nun zu Laphroaig. Die Ausgangslage : in meiner Top 3 aller Distillerys jederzeit gesetzt, genau wie Springbank, das sind die beiden, auf die ich nichts kommen lassen will…, die Nummer drei wechselt immer ein wenig, Aberlour, Tomintoul, Ben Nevis besetzen den Platz schon mal, aber auch Exoten wie Benrinnes gehört das Interesse…egal…ich will nur damit sagen, das mein Verhältnis zu Laphroaig ohnehin ein gutes ist. Der heutige Besuch könnte die Brennerei unsterblich gemacht haben.
Auf Grund des Busfahrplanes war ich schon etwa 90 Minuten zu früh da, das war auf Grund des guten Wetters kein Problem. Ich meldete mich im Visitor Center an, bei Jenny, die wie sich später rausstellte unsere Führerin war. Ich schaute mich ein wenig im Shop um, ging raus und machte schöne Fotos von der Distillery unter blauen Himmel, von Weitem und über Stock und Stein… Der erste Whisky des Tages war nicht ganz freiwillig, obwohl, quatsch, falsches Wort, er war aus Versehen. Aus irgendwelchen Gründen sollte für irgendwem eine Flasche Laphroaig Cairdas 30 Jahre geöffnet werden und der Korken ging beim Öffnen kaputt. Soweit nichts besonderes, mir ist das auch schon öfters passiert, jedoch nicht bei einer solchen Flasche, keine Ahnung was die kostet…, die beiden Leute, die etwas mit der Flasche zu tun hatten, drückten den Restkorken in die Flasche und da es jetzt eine Flasche mit Macke war, wurden den Leuten, die gerade in der Nähe rumstanden… (gottseidank steh ich manchmal auch richtig…), ein dram davon gereicht … Laphroaig 30 Jahre, dunkles Sherryfaß… Einfach mal so, …kostenlos…der Tag fing gut an und er ging gut weiter…unsere Gruppe bestand aus mir, Paul und Murray (die beiden Kanadier von gestern) und Peter, ein uriger Typ Mitte 60 aus Canberra, Australien. Unsere Tourguidin (ok, das Wort gibt es wohl nicht, aber ihr wisst, was ich meine…) Jenny, eine junge Frau Anfang 20 mit Angst den Bus zu fahren (kein Reisebus, nur VW Van), machte ihren Job von Anfang an sehr gut. Wir fuhren zur Wasserquelle von Laphroaig, welche ungefähr gegenüber der Distille vielleicht 1,5 km auf dem Berg liegt. Dort gab es erstmal Lunch : verschiedene Sandwiches, Suppe, Käse (Laphroaig Flavour) etc…. jedenfalls alles sehr lecker…, natürlich auch Laphroaig, 10 years old, CS Batch # 4. Als die zwei Wurstfinger breit eingegossenen Drams alle waren, wurde nochmal nachgegossen… Das Wetter war traumhaft, man konnte die ganze Gegend genießen, freier Blich auf den Mull of Kintyre und bis rüber nach Irland. Jenny meinte irgendwann… don’t be shy… Und schenkte nochmal zwei wurstfingerbreit nach… Langsam wurde es lustig und ich merkte, das ist ein guter Tag… 

...heute besser mit Gummistiefeln...
Trecker fahrn...
Torf stechen...
Laphroaig trinken...

Wir fuhren dann auf ein Torffeld zwischen Port Ellen und dem Flugplatz. Nach abenteuerlichen Hinweg, nur wenige hundert Meter, aber gefühlt 5 Meter tiefen Schlamm, kamen wir an der Torfstechstelle von Laphroaig an und versuchten uns in diesem Handwerk mehr schlecht als recht…, es gibt übrigens nette Fotos davon…achso, begleitet wurde das ganze von mindestens …3 Triple Wood…, zurück in der Distillery, wurden erstmal die Gummistiefel ausgezogen, (ja… Ich habe gelernt, ohne die wäre ich wohl auch versunken…), dann wurden wir durch die Distillery geführt. Die Führung war interessant, bot sie doch auch einen Blick auf Maltingfloors, ein Blick in den Kiln, der grad nicht an war und in den Kiln, der gerade das Malz toastete, die Körner genascht, sehr leckeres Knusperzeugs… Selbstverständlich nichts für Leute, die mit Rauch nichts zu tun haben wollen. Mashtun, Washbacks, Stillhouse… Alles bekannt von anderen Brennereien, die Brennblasen, sieben (!) an der Zahl beeindrucken schon, wie sie so an einer Reihe stehen… Danach hatten wir noch einen kurzen Blick in die Fassabfüllung und es ging in das Warehouse #1.

Laphroaig - Stillhouse

Es ist Teil der Tour aus drei Fässern zu kosten und dann eine 0,25 l Flasche vom Favouriten abzufüllen, für zuhause… Es gab ein 1997’er Faß, ein 1999’er, und ein 2003’er, ich entschied mich am Ende für das 1997’er, Nicht ganz so torfig und der absolute Rest vom Fass, es musste schon gekippt werden, damit da noch was rauskommt, in der Flasche ist jetzt auch sehr viel Holz, mal sehen, ob ich das nochmal filtere, oder es so naturbelassen mitnehme… Danach war Schluß, wir verabschiedeten uns von Jenny, die einen sehr guten Job machte, ich verabschiedete mich von Paul und Murray, die heute noch ihren Rückweg antreten, und Peter und seine Frau Robyn waren so nett, mich nach Bowmore mit dem Auto zu fahren. Das war der Tag 5, ……Lou Reed hat einen Song darüber : Perfect Day…
…und morgen … Kilchoman…

...noch schnell was zum mitnehmen abfüllen...
Urlaub auf dem Bauernhof ? Kilchoman !

KILCHOMAN: So, es ist Samstag und das Abenteuer geht in die nächste Runde, heute stand Kilchoman im Mittelpunkt. Um da erstmal hin zu kommen reservierte ich mir im Voraus ein Mietauto, was ich bis Montag behalten werde um die Stellen der Insel anzusteuern, wo es mit Bus oder zu Fuß schwierig wird. Das mit der Reservierung hat alles prima geklappt, wie alles andere bislang auch (ich bin begeistert…) und so kam heute meine Jungfernfahrt auf der anderen Straßenseite, ich hatte bislang noch keine Gelegenheit, das auszuprobieren. Das Auto ist das gleiche wie zuhause auch, ein Polo, nur das alles falschrum ist… Ich habe mich erstaunlich schnell an den Linksverkehr gewöhnt, Islay ist ja auch ein gutes Testpflaster, so viel Verkehr ist halt nicht. Nur bei den Single Track roads mußte ich mir ab und zu daran erinnern, das ich rechts sitze, wenn der Schotter schon auf der linken Seite spritzte…
Kilchoman liegt als einzige Brennerei der Insel nicht am Meer, oder am See, sondern am Arsch der Welt. Wenn man Richtung Bruichladdich fährt, muß man über eine Single Track Road, also eine einspurige Straße mit kleinen Buchten zum Ausweichen von Gegenverkehr, etwa 4 Meilen ins Landesinnere fahren. Dann folgt man einem kleinen Schotterweg und kommt auf das Gelände einer Farm, auf der sich die Distillery befindet.

In einer Art Garage wird selbst gemälzt
Der Produktionsraum

Die kleinste Distillery Islays ist zugleich auch die jüngste, sie wurde erst 2005 eröffnet und produziert im Jahr so viel, wie Caol Ila an drei, vier Tagen. Der Whisky von Kilchoman schmeckt Islay-typisch sehr rauchig, ich bin gespannt, wie reifere Abfüllungen schmecken werden, die derzeitigen Whiskys können ja nicht älter als sechs, sieben Jahre alt sein. Die Distillerytour war unspektakulär, das hatte ich auch nicht anders erwartet, es ist halt alles ziemlich winzig, im Vergleich zu den großen Fabriken der letzten Tage.

Keltenkreuz neben der Kirchenruine vom Dorf Kilchoman
Militärfriedhof Kilchoman

Danach fuhr ich zur Kirchenruine auf dem Friedhof von Kilchoman, hier gibt es auch ein Keltenkreuz und sehr alte Gräber. Über einen Acker gelaufen erreicht man den Militärfriedhof von Kilchoman, für die Opfer der Schiffskatastrophe des Schiffes HMS Otranto, das 1918 in Sichtweite des Friedhofes sank. Die Katastrophe kostete übrigens 431 Menschenleben. Ich fuhr danach mit dem Auto etwas näher ans Meer, parkte und spazierte gut eine Stunde am menschenleeren Machir Bay, einen wunderschönen Sandstrand, welcher von teils bizarren Felsformationen begrenzt wird. Ständiger Begleiter war auch heute die Fotokamera und die Kopfhörer, der Sound der aktuellen Platten von The Raveonettes und Smashing Pumpkins untermalten die Landschaft hervorragend. Danach fuhr ich nochmal in die Distillery, bzw. in das Cafe von Kilchoman um einen Happen zu essen. Somit blieb dann noch Zeit für einen Abstecher ins Islay Museum in Port Charlotte. Auch das war sehr interessant, man kann auch dort einiges über die Schiffskatastrophe der Otranto erfahren. Danach machte ich noch ein paar Bilder in Bruichladdich, man muß das Kaiserwetter ja nutzen, und fuhr dann nachhause.
So viel zu heute, morgen liegt keine Distillery an, morgen ist Sonntag, ich werde wohl mal über die ganze Insel kreuz und quer fahren…

Machir May...
...ein herrlich einsamer Strand auf Islay...

ISLAY KREUZ UND QUER: Heute war kein Besuch einer Whiskydistillery angedacht, sondern eine Vermessung der Insel von West nach Ost, Süd nach Nord, kreuz und quer und wo man sonst noch so hinfahren kann. Dafür, das es erst mein zweiter Tag als Geisterfahrer ist, habe ich mich ziemlich schnell an die linke Straßenseite gewöhnt, fast schon, als wäre ich nie anders gefahren. Ich startete Richtung Kildalton Cross, das ist eines von mehreren keltischen Kreuzen aus dem Frühmittelalter. An den drei Süddestillen Laphroaig, Lagavulin und Ardbeg vorbei, sieht das auf der Karte gar nicht so weit aus, der Weg zieht sich aber dermaßen lang hin, das man schon ins Grübeln kommt, ob man nicht ausversehen schon vorbei gefahren ist.

Kildalton Cross in der Morgensonne
...aus der zweiten Hälfte des 8. Jh n.C.... ganz schön alt...

Als ich mir am Dienstag überlegte, was ich nach Lagavulin machen sollte, hatte ich mal kurz mit dem Gedanken gespielt, da hin zu laufen… Das wäre wohl ein böses Erwachen geworden… Endlich angekommen, freute ich mich besonders darüber, das weit und breit keine Menschenseele zu sehen war, die Morgensonne strahlte über den kleinen Friedhof und die Ruine der kleinen Kapelle, ein schöner, ruhiger Moment. Nach ein paar Fotos ging es zurück, ein letzter Blick auf die drei Whiskybrennereien der Südküste geworfen, freundlich innerlich Adieu gesagt, fuhr ich jetzt durch Port Ellen, an der Mälzerei vorbei auf die Halbinsel The Oa.

Halbinsel Oa ... eher schlicht....
...abgesehen vom American Monument...

Wenn mir die Lage des Kildalton Crosses eben noch vorkam wie das Ende der Welt, so sah ich mich jetzt gezwungen, das zu revidieren… das Ende de Welt ist eindeutig hier… Früher lebten wohl um die tausend Menschen hier, heute sind es ca. 40… Den Gipfel der völlig kahlen Berg- und Tallandschaft bildet das American Monument, ein gar nicht sooo großer Turm, der aber durchaus riesig wirkt, weil er auf dem Gipfel der kahlen Landschaft steht. Er wurde zu Ehren der Amerikaner gebaut, die im ersten Weltkrieg bei Schiffsunglücken um Islay ums Leben gekommen sind.

Kilnave Cross
...griechisches Fischerdorf ? Portnahaven !

Nach dem südlichsten Teil der Insel ging es nun genau andersrum… in den Norden. Der Ardnave Point ist zwar nicht die Nordspitze der Insel, aber schon ziemlich weit nördlich… Man kann ziemlich nahe mit dem Auto ranfahren, bis zur Spitze ist es allerdings ein Fußmarsch von ungefähr einer Stunde, darauf verzichtete ich dann doch. Stattdessen inspizierte ich das nächste Steinkreuz, das Kilnave Cross, ebenfalls neben der Ruine einer Kapelle gelegen, sieht man bei diesem Kreuz aber deutlich, wie der Zahn der Zeit am Stein genagt hat, alles was mal eckig war, ist jetzt rund… Dann meldete sich langsam mein Magen, ich fuhr nach Port Charlotte und genehmigte mir einen Burger. Weiter ging es dann zur Westspitze der Insel, dieser Teil Islays nennt sich übrigens Rhinnes Of Islay und war warscheinlich ganz früher mal eine seperate Insel. Vorbei an den Resten der ehemaligen Port Charlotte Distillery, immer geradeaus geht die Straße nach Portnahaven, auch die zieht sich länger hin, als gedacht, ich mußte schon wieder ans Ende der Welt denken. Portnahaven ist ein sehr malerisches Dorf, mit niedlichen kleinen Häuschen, die einen kleinen Hafen umranden, gekrönt wird die Ortschaft von einem gewaltigen Leuchtturm. Von da aus begab ich mich wieder in den Osten der Insel, nach Bunnahabhain. Als ich am Mittwoch da war hatte es wie blöde geregnet und ich war froh, das ich mit dem Auto mitgenommen wurde, somit war keine Zeit übrig, Fotos zu machen, das wollte ich heute nachholen. Auf dem gesamten Brennereigelände war heute kein Mensch zu sehen, ich konnte in Ruhe knipsen. Rechts neben der Distillery, am Ufer entlang über Felsen und Steinen vorbei liegt das Schiffswrack der Wyre Majestic, die 1974 auf Grund lief. Da die Gewässer sehr kompliziert sind, verzichtete man auf eine Bergung und ließ sie einfach dort liegen. Der Rost von 38 Jahren hat schon gute Arbeit geleistet, man kann aber noch vieles erkennen, schöne Bilder sind das geworden, die Klettertour hat sich gelohnt.

Bunnahabhain Distillery ohne Menschen
Wyre Majestic... im Hintergrund die Paps Of Jura...

Zum Abschluß des heutigen Inselcrossings stand dann noch Finnlaggan an. Whiskyfreunde kennen den Namen von einer Whiskyabfüllung gleichen Namens, welche von irgendeiner Islay Distillery stammt.
Geschichtsliebhabern dagegen fällt dazu als erstes „Lords Of The Isles“ ein (darauf hin könnte man wieder kontern : oh ja, das war ein guter Ardbeg…)… nun kurz, diese Lords waren die Herrscher der Inseln im Mittelalter, und die Gebäuderuinen auf einer Insel im Loch Finlaggan, war ihre Geschäftsstelle. In den letzten Jahren hat man das alles ein wenig präpariert, mit Visitor Center und Ausstellung. Ich war wiederum der einzige weit und breit und genoss auch dort die Ruhe und die gewisse Magie solch historischer Orte. Auf dem Rückweg kam mir Familie Flodder mit kreischenden Kindern, Kegeln und Hunden entgegen… puh, Glück gehabt….
Morgen steht Jura auf dem Plan. Allerdings gibt es für morgen eine Sturmwarnung, so das es möglich ist, das die Fähre nicht übersetzen kann…hoffen wir mal das beste…

Finlaggan... einst Zentrum der Lords Of The Isles... schon bisschen her...
Isle of Jura... Craighouse in der Ferne

ISLE OF JURA & CAOL ILA – Tag 8, langsam neigt sich die Reise ihrem Ende entgegen, heute stand ursprünglich nur Jura auf dem Zettel, ganz spontan hab ich allerdings Caol Ila mit auf die Tagesordnung gesetzt, aber der Reihe nach. Die Sturmwarnung von gestern entpuppte sich als harmlos, es regnete zwar nicht gerade wenig, Wind an und für sich war durchaus auch genügend vorhanden, aber das war alles kein Problem für die Islay – Jura Fähre. Da ich aber auf Nummer sicher gehen wollte, fuhr ich etwas früher los und setzte um halb 10 über. Gerade mal 4 Minuten dauerte die Überfahrt, kostete aber hin und zurück stolze 16 Pfund. Ich war wieder einmal der einzige, ich hatte sozusagen eine Privatfahrt.

Isle Of Jura Distillery
Jura Distillery - Stillhouse

Drüben angekommen ging es Richtung Craighouse, den Hauptort der flächenmäßig gar nicht so kleinen Insel. Auf 366 Quadratkilometer (das ist immerhin doppelt so groß wie die Ostseeinsel Fehmarn), kommen gerade einmal 180 Einwohner. In Craighouse befindet sich auch die Whiskydistillery Jura. Die Tour startete um 11 und war ausnahmslos deutsch besetzt, neben meiner Wenigkeit nahm auch mein Göttinger Bekannter und quasi Ex-Berufskollege Hans und seine von ihm geleitete Whiskyreisegruppe aus Chemnitz teil. Die Tour war so mittelmäßig interessant, mittlerweile kennt man die Abläufe ja schon auswendig, lediglich ein paar Zahlen waren für mich interessant, ich hätte z. B. nicht gedacht, das die ja eher kleine Brennerei über 2 Mio. Liter jährlich herstellt. Zum probieren gab es am Schluß einen aus der Standardrange, den man sich aussuchen konnte, ich nahm den 12jährigen Jura Elixir, den kannte ich noch nicht, traf aber überhaupt nicht meinen Geschmack, irgendwie kam er mir extrem sprittig daher… Nach der Tour gingen wir noch zusammen einen Kaffee trinken und ich machte mich dann auf und fuhr einmal die Insel hoch und runter, verfahren ist fast ausgeschlossen, es gibt nur eine Straße. An den Haltebuchten machte ich häufig kurz Pause und fotografierte, oft aus dem Autofenster, schließlich regnete es.

Landschaft mit den Paps Of Jura

Danach beschloß ich ganz spontan, auf dem Rückweg Caol Ila auch noch aufzusuchen. Eigentlich war die Brennerei erst für Donnerstag auf dem Rückweg vorgesehen, aber ich dachte mir, mit dem ganzen Gepäck und so, ohne Auto, ist es besser heute. Im Nachhinein sehe ich das so, das ich es mit Sicherheit richtig gemacht habe. Die Touren einer großen Diageo Distillery sind für den Liebhaber immer ein kleines Ärgernis. Besonders das strikte Fotografierverbot nervt. Von der Sache her war es trotzdem interessant, es ist ja alles recht modern dort, die Mashtun ist eine der größten, die ich je gesehen habe und der Stillroom mit dem berühmten Blick aufs Wasser und die Paps von Jura haben selbstverständlich was. Auch hier konnte man unter 4 Standards zum Probieren wählen. Ich nahm den mir noch unbekannten 12jährigen Caol Ila Unpeatet Style mit über 64%, und es schüttelte mich zum zweiten male am heutigen Tag, ich musste glatt noch um einen Schluck von der Distillersedition bitten, um den Geschmack wieder loszuwerden… Danach ging es nach Bridgend und es galt Abschied von dem Auto zu nehmen, als Erfahrung nehme ich auf jeden Fall mit, das es völlig easy ist, auf der anderen Seite zu fahren und das nächste mal werde ich wohl komplett mit Auto touren. Mit dem Bus ging es dann zurück nach Bowmore, wo sich dann auch der morgige Tag abspielen wird, Quasi als Heimspiel ist die Craftman’s Tour in der Bowmore Distillery angesagt.

Die Caol Ila Distillery von der Fähre aus...
...vom Näheren wirds auch nicht hübscher...
Bowmore Distillery - Malzboden

Tag 9 : Heimspiel in BOWMORE. Nachdem ich jetzt schon eine Woche hier verweile, wurde es auch langsam Zeit, die Bowmore Distillery zu besichtigen. Vom Bowmore Whisky kann ich ja durchaus sagen, das dieser so eine Art erste Liebe für mich ist und ihn auch heute noch größtenteils sehr gerne mag. Meine erste Flasche Bowmore war ein 15jähriger Mariner, noch mit dem Aufdruck direkt auf der Flasche, es folgten andere Standards, ich finde, auch heute kann man den ordinären Bowmore 12 Jahre noch gut mal trinken. Ich war also sehr gespannt, wie es da wohl so ist…
Für den ersten Scherz des Tages sorgte ich selbst, als mir direkt vor dem Visitor Center die Mütze vom Kopf flog und es auch bestimmt putzig aussah, wie ich ihn wieder eingefangen habe, die Damen im Visitor Center hatten glaub ich Spaß…. Ich wurde bereits erwartet… You must be Lars… Ich war tatsächlich der einzige, der die Craftmans Tour gebucht hat. Meine Führerin hieß Lynda, eine hübsche, junge Frau mit rotem Haar und Sommersprossen. Zuerst parkte sie mich an der Bar mit einem Bowmore 12 und lies mich damit 5 Minuten alleine. Danach gingen wir zu den Malzböden. Mir wurden diverse Arbeitsgeräte vorgeführt, erstmals durfte ich auch einen elektrischen Gerstewender bestaunen.

Das was aussen so aussieht...
...sieht von innen so aus und ist quasi ein getarnter Schornstein...
in dem Gerste zu Malz gedarrt wird.

Die nächsten Stationen war der Kiln, der war gerade dabei, das Malz nach dem Räuchern zu trocknen. Lynda zeigte mir alles, was ich sehen wollte und ich durfte auch fotografieren, so viel ich wollte. Auch wenn ich bereits zum 23. mal eine Whiskydistillery besuchte, so erschlossen sich für mich einige Sachen heute ganz neu. Nach Mashtun, Washbacks und Stillhouse ging es dann in das berühmte #1 Vault Warehouse, in dem wir gemeinsam zwei Fässer öffneten, ein Bourbonfaß von 2000 und ein Firstfill Oloroso Sherryfaß, was 17 Jahre alt war. Direkt aus dem Faß ins Glas ist ja für mich immer wieder ein wenig wie Weihnachten und Geburtstag auf einmal, so auch heute wieder, der erste war sehr schön, aber der aus dem Sherryfaß war eine absolute Granate. Hinter der Scheibe sah ich, wie die Leute der regulären Tour neidisch zu uns schauten, wie wir mitten in den heiligen Hallen einen gepflegten Dram zu uns nahmen. Achja, der Vollständigkeit sollte ich noch das Glas New Spirit erwähnen, was ich aber nur zu Schnüffelzwecken benutzte. Ich hätte mich gerne noch ein paar Stunden dort rumgetrieben und hätte gerne noch ein paar weitere Fässer probiert, aber immer wenn es am schönsten ist, soll man ja aufhören… Wir gingen zurück an die Bar und hier konnte ich jetzt noch probieren, was ich wollte.

Bowmore... im legendären #1 Vault Warehouse

Der Bowmore 25 Jahre war nach den faßstarken Whiskys aus dem Warehouse jetzt viel zu mild, sicher etwas Perlen vor die Säue, wenn man bedenkt das der 200£ kostet…, am besten hat mir die Stillmans Edition gefallen, das ist eine weitere Sherryt_nte in Faßstärke, die es nur hier zu kaufen gibt. Die neue Abfüllung Springtide halte ich für 150£ für völlig daneben und der neue 17jährige konnte mir schon gefallen. Mehr wollte ich dann nicht, man soll ja nicht übertreiben. Nach zweieinhalb Stunden galt es nun Abschied zu nehmen, Lynda machte einen großartigen Job, alle Arbeiter die wir unterwegs trafen waren sehr nett und ein kleiner Plausch war immer drin, landesüblich hauptsächlich über das Wetter. Vor einiger Zeit habe ich häufig negatives über Bowmore bzw. dessen Visitorcenter gelesen, ich kann rein gar nichts negatives sagen, vielleicht haben sie sich ja auch gebessert. Für mich war die Tour neben der bei Laphroaig der Höhepunkt meiner Reise, bis dato zumindest. Bowmore ist jetzt für mich genau wie früher, etwas besonderes.

Wie eine Glucke trohnt die Kirche über Bowmore...
...sie ist rund, damit sich de Teufel nicht in der Ecke verstecken kann...

Nach den ganzen Leckerlis am Morgen, stärkte ich mich dann mit einem Sandwich aus dem Supermarkt und pausierte erstmal zuhause, ist ja heute schließlich Heimspiel. Das Wetter war heute übrigens eine Zumutung, Regen und Sturm und umgekehrt… Als dann wenigstens der Regen pausierte, schnappte ich mir nochmal die Kamera und nahm die berühmte runde Kirche ins Visier. Tagsüber ist deren Tür unverschlossen und ich konnte, mal wieder mutterseelenalleine in der 1769 gebauten Kirche fotografieren. Es heißt, man hat die Kirche rund gebaut, damit der Teufel keine Ecke zum verstecken hat. Draussen tobte immer noch der Sturm und die Geräusche, die er mit der Kirchentür veranstaltete, klangen von innen als würde jemand die Tür eintreten wollen…spooky… Draußen lagen dann auch einige Mülltonnen kreuz und quer, quasi vom Winde verweht.
So, morgen kommt die letzte Distillery in meiner Raupensammlung : Bruichladdich. …schaun wer mal…

Bruichladdich - Stillhouse...
...mit Ugly Betty....
...selten : eine offene Mashtun...

BRUICHLADDICH: Heute morgen zum Frühstück lernte ich Willi aus Sulingen bei Bremen kennen. Wir fanden schnell heraus, das wir Kollegen sind, auch er ist Gastwirt und hat eine Menge Malts im Angebot. Ebenfalls recht schnell stellten wir fest, daß wir heute den gleichen Termin bei Bruichladdich haben. Wir fuhren zusammen mit dem Postbus hin und machten die Tour, die von Raymond, einem jungen Mann, recht witzig geleitet wurde. Das fotografieren war überall erlaubt, die Tour war gut. Als Besonderheit fiel mir die nach oben hin offene Mashtun auf, auch eine Lomond Still namends Ugly Betty, die zur Herstellung des „The Botanist“ Gin benutzt wird, unterscheidet die bis vor wenigen Wochen unabhängige Brennerei von anderen bereits gesehenen. Als Probierdram gab es lediglich den Laddie Ten und bei allem, was ich immer so über Bruichladdich gehört und gelesen habe, war ich unterm Strich etwas enttäuscht. Man möge mich nicht verkehrt verstehen, ich kann nichts negatives sagen, aber etwas besonderes empfand ich bei diesem Besuch nicht. Wenigstens eine Flasche PC10 zum vernünftigen Kurs konnte ich erstehen, das ist doch auch was. Nach der Tour liefen Willi und ich nach Port Charlotte. 

Das Wetter heute ist das genaue Gegenteil von dem von gestern, statt Regen und Sturm gab es heute Sonne satt, allerschönstes Spätsommerwetter. Wir kamen am Port Charlotte Hotel vorbei, die tatsächlich zwei Tische draußen stehen hatten. Willi meinte, es wäre doch ein tolles Foto, mit einem Guinness in der Sonne zu sitzen…, ich fragte dann, wer uns daran hindern sollte (?)…gesagt getan, ein gepflegtes Bier in der Mittagssonne, wer weiß, wann man dazu das nächste mal kommt. Willi hatte um 14 Uhr noch einen Termin bei Kilchoman und hatte Glück, das ein englischsprachiges Pärchen mit Auto in die Bar kamen und ihn mitnehmen konnte. Ich nutzte dann die Gunst der Stunde und nahm einen Happen Mittag zu mir (feste Nahrung), nahm den nächsten Bus nach Bowmore und setzte mich dann noch eine Stunde am Hafen in die Sonne, hörte Musik (heute besonders zu empfehlen : Grizzly Bear mit dem Album „Shields“, kein easylistening, aber sehr gut…) Später werd ich noch was festes zu mir nehmen und den letzten Abend mit einem Getränk meiner Wahl beschliessen. Morgen um 15.30 legt die Fähre in Port Askaig ab und wird mich langsam wieder Richtung Heimat bringen.

...mit Willi in Port Charlotte... Slainte !
Goodbye Islay... Port Ellen mit Rindviechern

RÜCKREISE: Nun hat ja alles mal ein Ende, auch diese Reise. Der Tag bis zum Nachmittag stand im Zeichen der Rumgammelei, die Fähre ging erst um halb vier. Etwas Zeit brauchte ich für das Packen des Koffers, irgendwie hatte sich mein Gepäck augenscheinlich vermehrt und ich benötigte eigentlich einen Elefanten, um den Koffer zu schließen…
Nachdem ich das irgendwann geschafft hatte, konnte ich nur hoffen, das es mich trügt, das mir das Gewicht des Gepäckstückes deutlich über 20 kg vorkam… Die Rückfahrt war unspektakulär, auch wenn die Strecke rückzu immernoch sehr schön ist, am Ende des Urlaubs sieht man alles nicht mehr so euphorisch wie hinzu. Halb zehn checkte ich in Glasgow ein und machte mich gleich nochmal auf
die Socken ins Bon Accord. Diesmal war deutlich mehr los als letztes mal, ich hatte gerade noch so einen Stehplatz an der Bar ergattern können. Da gestern Arthur Guinness Tag war, fiel mir die Getränkewahl recht leicht, was es bei den zich Biersorten in diesem Pub sonst nicht so ist. Nach einer Weile wurde mir
einfach so ein Dram gereicht (Pulteney 17y). Es kam vom Seniorbesitzer der Bar, Paul McDonagh der zufällig neben mir saß und mit dem ich dann sofort ins Gespräch kam, unter Kollegen quasi. Es hat viel Spaß gemacht, er spendierte sogar noch einen Dram, einen Springbank von der Scotch Whisky Society, sehr leckeres Tröpfchen. Sein Sohn, ebenfalls Teilhaber des Ladens, arbeitete hinter der Bar und nahm an unserer Unterhaltung rege teil. …das war es also wieder mit dem Vorhaben, höchstens 2 bis 3 Bier zu trinken und pünktlich im Hotel zu sein… schließlich ist der Wecker auf Punkt 5 gestellt… Egal, es hat viel
Spaß gemacht und ich denke, ich werde via Email und Facebook mit den beiden in Verbindung bleiben. So, dann eine Mütze Schlaf, zum Flughafen gefahren, den Koffer aufs Band gelegt…. und natürlich nachzahlen müssen… Grummel… Aber was soll man machen… Der Flug war ganz normal, der Weg nachhause auch und nun bin ich wieder hier.
Als Fazit dieser gelungenen Reise stelle ich fest : zwei bis drei Tage weniger hätten gereicht, der Anspruch, jeden Tag nur eine Distillery zu besuchen, ist bei Touren wie der von Ardbeg, Laphroaig und
Bowmore zwingend, nicht aber zu Touren wie Caol Ila oder Bruichladdich, zwei mal eine Stunde Besichtigung mit einem Standarddram ist durchaus drinne. Ich habe 1188 Fotos gemacht, viele nette Locals kennengelernt, mit vielen Whiskyenthusiasten gesprochen, tolle Leute aus aller Welt kennengelernt, auch wenn das alles unterm Strich nicht gerade ein Billigtrip war, es hat sich voll gelohnt und bleibt bis ans Ende meines Lebens in meinem Herzen und wenn ich nicht dement werde, auch in meinem Kopf.
Bedanken möchte ich mich zuerst bei meiner Freundin Nina, die in der Zeit hier die Stellung gehalten hat
und die ganze Arbeit für mich mit machen mußte. Weiterhin möchte ich Rena für ihre Gastfreundlichkeit danken, Danke an alle, die dabei waren, Danke an alle, die meine Ergüsse täglich gelesen haben und sie schon kommentierten. …bis zur nächsten Reise.

Bon Accords McDonagh's und ein kleiner (nur 1,77) Deutscher....

McLarsen in Bremen und bei den Ostfriesen (Juni 2022)

Das Jahr 2022 nähert sich der Mitte… Zeit für den dritten Ausflug… dieses mal wieder in den Norden der Republik. Als mich der Whiskyclub „Regulars“ aus Leer in Ostfriesland fragte, ob ich dort wieder ein Whiskytasting abhalten könnte und ich das bejaht hatte, war klar das ich das noch mit einer Stadterkundung verbinden würde… und was bietet sich dazu besser an als eine Stadt auf dem Wege zum Meer… die alte und ehrwürdige Hansestadt Bremen. Zuletzt war ich hier vor ziemlich genau 30 Jahren mit meiner damaligen Freundin auf dem Weg zurück von ein paar Tagen an der Nordsee… an das meiste kann ich mich schlicht nicht mehr erinnern, so das eine Auffrischung meiner Bremen-Kenntnisse durchaus gefragt ist.

Weitwinkel sei Dank: Liebfrauenkirche, Rathaus, Dom

Jo… Bremen… mit gut einer halben Millionen Einwohnern elftgrößte Stadt Deutschlands… kleinstes Bundesland und an der Weser gelegen… welche 60 km weiter bei Bremerhaven in die Nordsee mündet. Wie alle Hansestädte war Bremen besonders im Mittelalter sehr reich und gesamteuropäisch gesehen auf jeden Fall eine große Nummer. Später wurde Bremen auch ein bedeutender Industriestandort… 1817 wurde in Bremen das erste Dampfschiff auf deutschem Boden gebaut… noch heute sind Firmennamen von teils ehemaligen Industriestandorten bekannt : Bremer Vulkan (Werft), Focke-Wulf (Flugzeuge), Borgwarth (Autos), Beck & Co. (so’ne Plörre… ähmn Bier) oder Kaffee Hag vom hier sehr bekannten Unternehmer und Mäzen Ludwig Roselius. Fussballfans wissen Bescheid wenn es grün ist und nach… ämn ihr wisst schon…
Nachdem es in den vergangenen Tagen auf Deutschlands Bahnstrecken hoch her ging (Stichwort : 9 Euro Ticket) und ich die Rückreise meiner letzten Exkursion auch noch nicht ganz vergessen habe… war ich sehr erfreut, das es heute keinerlei Probleme bei der Anreise gab. Meine Unterkunft heißt Bremer Haus von der Kette Novum Hotel… ist nicht weit von Bahnhof, Altstadt und Szeneviertel entfernt… die nahe Gegend ist zwar weniger schön, aber man kann nicht alles haben… das Zimmer ist auf jeden Fall ok und übers Frühstück kann ich erst morgen berichten.

...muß ja nicht immer Gotik sein... Expressionismus in der Böttcherstraße

Nach dem Einchecken ging es erstmal in die Altstadt. Das Wetter war trocken, aber bewölkt… ein weiteres blaues Album ist also nicht in Sicht. Ich ließ mich zwei Stunden durch die Innenstadt treiben… ohne Besichtigungen (die hebe ich mir für den angekündigten Regen in den nächsten Tagen auf)… vorbei am Marktplatz mit dem prächtigen Rathaus und seiner Renaissancefassade… meiner Meinung nach das markanteste Bauwerk der Weserrenaissance… dem mächtig gewaltigen Dom St. Petri mit seiner Doppelturmfront (welche aber noch nicht sehr alt ist)… die Böttgerstraße… eine Straße im Stil des Backsteinexpressionismus aus den 1920-30er Jahren… auf dem Grundriss mittelalterlicher Gassen… gestiftet vom Kaffeemäzen Roselius.

Enge Gassen im Schnoorviertel
Alternatives Gewächshaus im Schnoor

Weiter ging es durch das niedliche Schnoorviertel… enge Gassen, kleine Geschäfte und Gastronomie… in Lübeck und Lüneburg gibt es ähnliche Viertel… zum Glück im Krieg verschont worden… was man definitiv nicht von der ganzen Stadt behaupten kann. Der Spaziergang ging dann an der Weser weiter, dort gibt es eine Art Biergartenpromenade namens Schlachte… ich kann mir gut vorstellen, wie voll das dort in den letzten Tagen war (Pfingsten und schönes Wetter… achja… und 9 Euro Ticket). Heute war tote Hose, ein Weizenbier gönnte ich mir trotzdem… hatte ja ca. 500 Sitze an der Weser für mich…

An der Weser
Der Bremer Roland... mach Abzug der dicken Wolken

Danach ging es erstmal zurück ins Hotel und einiger Text dieses Berichtes entstand ebenda. Später kam doch tatsächlich noch die Sonne raus und ich konnte noch ein paar „Blaue Fotos“ machen… Ab 20:00 wurde die gastronomische Seite Bremens erforscht… da ist natürlich viel zu entdecken. Für heute und meinen hungrigen Bauch hatte ich als erstes das Brauhaus Schüttinger unweit des Marktplatzes ausgesucht. Mittlerweile hat ja jede mittelgroße Stadt so ein Brauhaus… das ist ja auch in allen Blogs meiner deutschen Entdeckungsreisen nachzulesen… dieses Gasthaus war auch nicht anders… vielleicht mit Baujahr 1990 eines der älteren… ich kann nichts negatives schreiben… das Bier war gut aber nicht bemerkenswert gut… das Essen üppig (Das Schnitzel ragte fast über den Tisch hinaus…), aber auch nichts wo ich jetzt sagen würde… das war ja mal toll… vielleicht bin ich ja verwöhnt. Sehr weit musste ich nicht zur nächsten Lokalität laufen, sie war direkt auf der anderen Straßenseite, hieß Cottons Pub und hatte Guinness. Es ist ein eher kleiner Laden mit Aschenbechern auf den Tischen, 80er Jahre Musik und einer für die Größe der Bar gute Auswahl an Whiskys… nicht weniger… aber auch nicht mehr.

Rathaus und Dom zur blauen Stunde

Es wurde langsam dunkel (sind ja gerade mit die längsten Tage… und dann auch noch im Norden) und ich machte mich auf einige Nachtaufnahmen zu fotografieren. Danach hatte ich eigentlich vor, im Little Marys Pub den Absacker zu nehmen… aber erstmalig mußte ich mir selber den Spruch anhören den viele Offside Nachteulen zu hören bekommen: Sorry… letzte Runde ist durch… Nun gut… Unterhopfung wird mein Problem heute eh nicht mehr… dafür konnte ich noch etwas an dem ersten Bremen Bericht schreiben… den ihr gerade gelesen habt.

Zu später Stunde an der Weser

Tag 2: An der Weser
Nach der ersten Nacht und dem ersten Frühstück kann ich immernoch nix negatives zum Hotel sagen… hatte wohl mal wieder ein glückliches Händchen… die Auswahl war ungleich größer als bei den letzten, kleineren Städten. Die Planung der heutigen Aktivitäten waren geprägt vom Wetterbericht… eigentlich sollte es spätestens ab Mittag regnen… Stand 17:30 Uhr ist es immer noch trocken… Als erstes war der Dom dran… genauer noch der Turm vom Dom… obwohl ich eine Wurst geworden bin was hohe Aufstiege angeht, lasse ich mir solche Gelegenheiten ungern entgehen… erstens gibt es schöne Aussichten, zweitens seltene Einblicke in das Innere alter, ehrwürdiger Bauwerke. 265 Stufen, knapp 60 Meter gab es zu bezwingen… oben angekommen etwas außer Atem (Atemlos im Turm… war das nicht mal von Helene Jäger ?) Der Ausblick war nicht so toll wie z.B. der von St.Petri in Lübeck oder der Marktkirche in Halle… viel Drahtvorhang und Gitter störten die freie Sicht… dennoch lohnenswert für ganze 3€.

...und etwas flussabwärts an Tag 2
Die Aussichtsplattform Südturm des Doms in etwa 60m.
Der Marktplatz mit Roland von oben

Danach besichtigte ich die Kathedrale, welche einige architektonische Seltenheiten bietet. Schön war das wieder jemand Orgel geübt hatte… wiederum bin ich nicht sicher ob alles so sein sollte wie es klang. Die Ausstattung des Doms ist eher bescheiden… die verschiedenen Gewölbearten behalte ich als auffälligstes Merkmal des Bauwerkes in Erinnerung.

Dom St.Petri - Inneres nach Westen
Verschiedene Gewölbearten aus verschiedenen Bauphasen

Nach der Besichtigung der größten Bremer Kirche ging es an den größten Fluß der Stadt. Die Weser an und für sich hat keine eigene Quelle… sie entsteht vom Zusammenfluss der Werra und der Fulda im südniedersächsischen Hann.Münden, sie ist etwa 450 km lang… Bremen ist mit Abstand die größte Stadt welche sie durchfliesst… etwa 60 km nach Bremen mündet sie bei Bremerhaven in die Nordsee… aber das hatte ich ja gestern schon erwähnt. Heute ging es erstmal flussabwarts… es gibt eine wunderbar ausgebaute Weserpromenade… mit Fischgrat-backstein für Fußgänger und Radfahrer. In Höhe von der Kellogs Fabrik hört sie ziemlich plötzlich auf und man befindet sich plötzlich auf einer Großbaustelle a la Potsdamer Platz anno 1996. Das Großprojekt heißt Überseestadt und verwandelt ehemaliges Industriegebiet in urbane Nutzung… und zwar gefühlt an allen Ecken… ich war etwas überrascht… ich starte an einer grünen Fußgängerampel und stehe am anderen Ende vor einer Baugrube… bevor ich eine Lösung für das Problem hatte, kamen von überall Autos… nicht ganz optimale Planung…

Schuppen Eins mit fahrtüchtigen-
- und unfahrtüchtigen Borgward

Apropos Autos… ich bin ja nach wie vor ein großer Freund historischer Automobile, auch wenn ich kein eigenes mehr will… der Schuppen Eins ist eine kostenfreie Ausstellung alter Schätzchen, besonders auch der fast schon vergessenen Epoche „Made In Bremen“… Stichwort Borgward, Lloyd, Goliath oder aber auch die T-Modelle von Mercedes der 123er Reihe (habe ich lange gefahren). Manchmal überlege ich was gewesen wäre, hätte man Borgward damals gerettet… die Automobillandschaft sähe heute anders aus… vor allem nicht so süddeutsch. Im Gebäudekomplex befinden sich auch viele Werkstätten welche sich auf Oldtimer spezialisiert haben… insgesamt super Konzept. Rückzu vermied ich die kuriose Ampelkreuzung… trotzdem war es streckenweise schwierig zu Fuß da wieder rauszukommen… aber geschafft.

Ostertorsteinweg im "Viertel"

Es folgte eine Pullerpause und eine Portion frischer Erdbeeren von einem Marktstand in den Wallanlagen… danach ging es Weseraufwärts… aber erstmal auf der Straße, durch die Stadtteile Ostertor und Steintor, zusammen das Viertel genannt, sowas wie das Kreuzberg oder das Scheunenviertel der Stadt… mit allen Klischees… sehr schön allerdings. Mittagessen gab es um halb 3 in einem Laden namens Suppkultur, den ich mir auch vorher ausgesucht hatte… Blumenkohl-Mandelcremesuppe mit Sahne für 4,20€… was soll da schief gehen… Klasse. Noch ein wenig weiter dann rechts abgebogen stand ich dann vorm Weserstadion, welches direkt an der Weser liegt und wo es wenige Meter daneben sehr beschaulich aussieht. Es folgte der Rückweg an der Weserpromenade, nicht ohne nochmal kurz zwei Bierchen an der Schlachte genommen zu haben… Haacke-Beck ist zwar jetzt nix besonderes… aber in Sichtweite der Brauerei am anderen Flußufer zumindest … bekömmlich…  (eines der dämlichten Geschmacksbeschreibungen… aber wenn einem nix Gescheites einfällt…)

Das Weserstadion...
...und wie es dort mit 180 Grad Drehung vom gleichen Standpunkt aussieht

Nach einer Pause ging es ab 8 wieder in die Gastronomie… heute hatte ich mir zwei Sachen ausgesucht, die ziemlich nahe beieinander sind… nämlich im Schnoorviertel. Der Name „Gaststätte Kleiner Olymp“ lässt griechisch vermuten … der Name kommt aber woanders her… Gastronomie gibt es hier seit 1963… das Haus ist deutlich älter… man vermutet, das die Barockfassade vor ein deutlich älteres Haus gesetzt wurde… Geschichte atmet man in diesem Haus in jedem Winkel… es gibt 3 Etagen… ich war nur im Erdgeschoss und war schon beeindruckt… Es gibt Schnoor Bräu… ein Bier ungenannter Herkunft… dunkel und leicht… sehr gut… das Essen war auch sehr gut… ich hatte Bremer Labskaus… für mich sowas wie Hefeweizen… schmeckt mir einmal im Jahr… dann ist wieder gut… die Bedienungen im kleinen Olymp waren auch außergewöhnlich freundlich… und ich erlebte in Bremen noch nie jemand unfreundliches… Danach ging es ein paar Meter weiter ins Little Marys Pub… wo ich gestern zu spät kam. Erst störte mich das Murphys doch extrem anders als mein Lebenselixier Guinness schmeckt, dann fand ich es doch sehr gut dort… nicht zuletzt wegen Ken’s superber Musikauswahl… jetzt ab ins Bett… 32.333 Schritte… tausend mehr und ich hätt’n Schnaps… achso… etwas genieselt hat es später auch noch…

Im Schnoor ohne Touristen

Tag 3 : Im Grünen und ein wenig Gastro…
Da ich ja gestern so umtriebig war, konnte ich es heute etwas ruhiger angehen lassen. Nach dem Frühstück erledigte ich ein paar Sachen am Laptop und schraubte noch etwas an der Präsentation für das Whiskytasting von morgen. Dann ging es nochmal in die Innenstadt… da schaute ich mir die Wallanlagen an, ein Parkähnlicher Grünzug in der Innenstadt mit Gewässern, Brücken, Windmühle und Blumenmeer aus Studentenblumen… recht überlaufen allerdings. Ganz anders war das dann im Bürgerpark Bremen, nördlich vom Hauptbahnhof. Dort konnte ich bestimmt anderthalb Stunden schlendern ohne vielen Leuten dabei begegnet zu sein. Neben einigen Attraktionen wie Tiergehege, Meierei, Spielplätze und Gastronomie darf sich die Natur dort weitestgehend frei entfalten, also viele Wildwiesen und waldige Abschnitte. Mit etwas Musik auf den Ohren hat mir der Spaziergang viel Spaß gemacht… das war Abschalten pur…

Loriot Platz am Wall ...selten allein...
Naturlandschaft Bremer Bürgerpark I.
Naturlandschaft Bremer Bürgerpark II

Auf dem Rückweg gab es zum Mittag wieder eine Suppe von der Suppkultur, die dort in der Nähe eine Filiale haben. Es folgte eine Pause… bin ja nicht beruflich unterwegs… der Plan war das ich dann ab etwa 18:00 Uhr drei gastronomische Punkte abklappere und danach warscheinlich gesegnet ins Bett falle… Bei Station 1 hat das auch hervorragend geklappt… das Ahlenfelder hätte ich mir nicht besser ausdenken können… Wolf-Dieter Ahlenfelder (1942-2014) war ein Schiedsrichter der vor allem mit seiner Entscheidung nach 32 min zur Halbzeit zu pfeifen (im Spiel Werder Bremen – Hannover 96 am 08.11.1975)… dann nach Protesten noch bis 90 Sekunden vor der Halbzeit hat nachspielen lassen… später gab es dafür seinen legendären Spruch „Wir sind Männer… wir trinken keine Fanta…“ Wer mich aus dem CuttySark Whiskyforum kennt, weiß das dieser Spruch bei mir hinterlegt ist… Das Ahlenfelder führt Biere der Union Brauerei Bremen und kann gut Burger machen… ich hab beides kontrolliert… das Bier (Helles, Keller, Rotbier) war überzeugend, der Chili-Cheese-Burger auch… bleibt nur das beste Kompliment was der Berliner machen kann : „Kannste nich meckern…“ Aus Versehen hatte ich bereits vier Union Biere intus…

Union Bräu Helles im Ahlenfeller
Im Hegartys Pub.. aber was im Gedächtnis bleibtist :
...ein professionelles Kotzbecken...

das nächste Ziel war das Bonanza Pub etwa 15 min entfernt… das hatte dann aber aus irgendwelchen nicht irgendwo vermerkten Gründen nicht auf… entgegen aller Vorzeichen… nun ja… das eigentliche Ziel No. 3 – Das Hagerties Irish Pub an der Szeneviertelmeine war das nächste… immerhin auf… immerhin lecker Guinness aber null Empfang oder Wi-Fi und Personal was anhand der geringen Besucherzahlen betont gelangweilt war… nö… das war dann nach zwei Guinness auch vorbei. Zwei Adressen hatte ich noch gespeichert von denen ich dachte, das könnte was sein : „Die Fliege“… ich bin nicht sicher wo ich es gelesen hatte… aber ich hatte Guinness erwartet… und bestellt… die (warscheinlich noch relativ neue) Bardame sagte mir dann… aber erst kurz vor dem Zapfhahn, das es ja gar kein Guinness mehr gibt… aber im Prinzip heißt das ja jetzt nur anders… Bremer Union… ist auch schwarz und noch teurer (5,90€ a 0,5l)… nun gut… eins reichte… zumal da auch interessant schräge Typen waren… aber egal… die letzte Adresse die noch war hieß Paddys Pit Irisch Pub. Es gab Murphys… und nein… das schmeckt nicht wie Guinness, sondern wie… egal… immerhin war das Personal auf dem Posten und die Musik war ok… aber letztendlich war der Abend für’n Arsch… durch die ganze Stadt gelaufen und nur eine gute Kneipe gewesen… immerhin muß ich mich jetzt nicht fragen, wie wohl die restlichen Pubs aus der Liste waren…

Morgen ist Abreise… aber nicht nachhause, sondern nach Leer… schließlich ist ja im Titel dieses Blogs auch was mit Ostfriesland dabei…

Windmühle in den Wallanlagen zu späterer stunde...
Der Hafen von Leer

Tag 3&4 – Bei den Ostfriesen

In Leer hatte ich den einzigen festen Termin dieser Reise: Ein Whiskytasting bei der privaten, nicht kommerziellen Vereinigung von Whiskyliebhaber:innen aus dem Raum Ostfriesland. Bis dahin… es sollte 19:30 starten, hatte ich nach Ankunft und CheckIn erstmal Zeit, Leer etwas zu erkunden. Leer, ca. 35.000 Einwohner… ist nach Emden und Aurich die drittgrößte Stadt Ostfrieslands. Sie hat einen Binnenhafen und eine schöne Altstadt mit einer unvermeidbaren, großen Fussgängerzone… auf der auch gerade richtig Betrieb war… in den Seitenstraßen war es beschaulicher und mit einer Nudelbox vom Asiaten pflegte ich am Hafenufer zu speisen. Später gab es noch ein paar Guinness im Darrys Pub… 15:00 und schon Bier… aber es sollten auch die letzten für heute sein.

Leer - Altstadt mit Fussgängerzone
Leer - Rathaus
Kirchturm der großen Kirche... statt Kreuz oder Wetterhahn ein Schiff

Um 18:00 holte mich Seb, der Organisator der Regulars ab und wir fuhren zum Veranstaltungsort: dem Versammlungssaal der Freiwilligen Feuerwehr von Leer-Loga. Wir stimmten noch Kleinigkeiten ab und richteten die Technik ein… bald kamen auch die ersten Gäste und es ging los. Das Tasting war auf 25 Plätze limitiert und schnell ausverkauft. Mein Thema waren Whiskys von den schottischen Inseln Arran, Skye, Raasay, Mull, Orkney, Jura und Islay… mit Zusatzzahl Campbeltown in der Nachspielzeit. Nach etwas aufräumen und so ging es dann zu später Stunde (es war schon Samstag) zurück ins Hotel und dort auch sofort in die Horizontale. Es war ein schönes Tasting mit sehr netten Gästen und wirklich sehr engagierten Gastgebern… allen voraus Seb, der wirklich alles für gutes Gelingen dieser Veranstaltungen gibt… quasi ehrenamtlich.

Man mag es mir ansehen... es gibt schlimmere Jobs als Whiskytastings...
...das scheinen die Teilnehmer des Tastings zu teilen...
...wenn du auf der schottischen Landkarte bei Inverness rumfuchtelst und hinter dir Nessi im Nacken hast... der Bauch ist übrigens auch Nessis Schatten 😉

Für den nächsten Morgen war erstmal ein kurzer Gang zum benachbarten Bäcker notwendig denn Frühstück gibt es in dieser Herberge nicht. Danach ging es zum Bahnhof… das Kaiserwetter forderte eine Stippvisite ans Meer regelrecht heraus… Ziel war Norddeich… das Tor zu den ostfriesischen Inseln. Durch meine Facebook Posts welche ich bei meinen Reisen verstärkt absetze, wurde ein alter Freund aus Schulzeiten aufmerksam. Mit Lehmi war ich von 1975 bis 1985 10 Jahre in einer Schulklasse, seit über 20 Jahren lebt er mit seiner Familie jetzt in Ostfriesland und ließ es sich nicht nehmen, mich diesen Nachmittag mit dem Auto durch Ostfriesland zu kutschieren.

...da wo man vormittags sieht, wer nachmittags zu Besuch kommt... Pilsumer Leuchtturm
...seit 47 Jahren befreundet... Lehmi und icke...

Wir hielten beim Pilsumer Leuchtturm, bekannt vor allem durch die Filme mit Otto Waalkes. Weiterhin inspizierten wir den schiefen Kirchturm von Suuhusen… angeblich der schiefste Kirchturm der Welt… man wartet wohl auf den Guinness Rekordbuch Eintrag (meine Guinness Rekorde sind eher anderer Art…) und auch Lehmis Residenzstadt Esens… von der ich bis dahin noch nicht einmal wußte, das es sie gibt, haben wir inspiziert… eine nette kleine 7000 Seelen-Kleinstadt mit Rathaus aus dem 18. Jahrhundert und spätbarocker Fassade. Zwischendurch fuhren wir kreuz und quer durch Ostfriesland, quatschten über alte Zeiten und was wir heute so machen… wie das so ist, wenn man sich viele Jahre nicht mehr gesehen hat. Das war ein Nachmittag den man nicht kaufen kann… einfach nur Klasse… Danke Andreas Lehmann aka Lehmi.

der schiefste Kirchturm der Welt... vom Nahen weniger gut zu erkennen als aus der Ferne : Kirche von Suuhusen
Das Rathaus von Esens... Lehmis Residenzstadt

Der Rest des Tages war dann unspektakulär… ich war noch was essen und hab noch ein paar Guinness im samstagabendlichen Trubel in der Fußgängerzone verdrückt.
Das Hotel 24/7 Selfcheckin… der Name ist Programm, hier habe ich noch nicht eine Menschenseele gesehen, einchecken muß man am Computer hinterm Haus… alles ziemlich neu hier und die Zimmer sind sehr unterschiedlich. Für 65€ pro Einzelzimmer ohne Frühstück… ok aber kein Schnapper. Die Rückfahrt war dann weitestgehend problemlos… mal abgesehen von der Überfüllung bis Hannover inklusive Schulklasse (10-11 Jahre) 🙄… Jetzt macht die McLarsen Reiseabteilung erstmal zwei Monate Pause… dann gehts im August wieder südwärts… vielen Dank fürs Mitlesen.

...ein schnödes Guinness als letztes Bild ?... das kann nicht sein...
Die Nordsee bei Norddeich... schon besser 😉

McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn (April 2022)

Meine zweite Reise des Jahres führt mich in eine von mir noch komplett unerschlossene Gegend : Rheinland-Pfalz… mit einem kleinen Abstecher nach Hessen (Whisky Fair Limburg)… eine Ecke Deutschlands in der hauptsächlich Wein serviert wird und alles noch ein wenig deutscher als Deutsch ist… meine Residenzstadt ist Koblenz… eine der ältesten Städte im Land und schön soll es dort auch sein…
Dann ging startete ich heute etwas früher, da ein paar mehr Kilometer als zuletzt zu reisen sind… 8:25 vom Gesundbrunnen ging es los… via Köln… mit komplett überfüllten Zug, fehlenden Wagen, technischen Störungen unterwegs das der Anschlusszug in Köln nicht mehr zu erreichen wäre… der hatte aber auch 30 min Verspätung und alles war wieder gut… schon Abenteuer aber letztendlich angesichts der Probleme auf der Welt… in den Skat zu drücken.

...treffen sich zwei Flüsse... Vater Rhein (rechts) und Mutter Mosel
Das Wort Kaiserwetter wird eher Enkel Wilhelm II. zugeschrieben...egal

Hier angekommen ging es in das bahnhofsnahe Hotel Jan Van Werth… 5 Nächte mit Frühstück für 310€… dazu noch eine strategisch sehr gute Lage… dachte ich mal nicht viel falsch machen zu können… und (Stand abends)… hab ich wohl auch nicht… kein Luxus (was soll ich damit) aber klein, fein und sauber. Danach ging es los zur ersten Erkundungsrunde… aber nach 10 min ging es erstmal zurück ins Hotel… die Kleiderordnung mußte dem Wetter angepasst werden… Jacke aus und Mütze auf… die Sonne brezelte so richtig los… es folgte ein Spaziergang durch die Fußgängerzone (gähn)… zur Mosel, auf die Balduinbrücke… benannt nach einem zumindest für seine Zeit (1285-1354) recht progressiven Erzbischof und Kurfürsten… am Peter Altmann Ufer (hat nix mit dem Ex-Wirtschaftsminister zu tun) zum deutschen Eck. Das Deutsche Eck ist eine Art künstliche Mole am direkten Zusammenfluss der Flüsse Rhein und Mosel… dominiert von einem gigantischen Reitermonument von Kaiser Wilhelm I. Der Name Deutsches Eck kam aber viel früher… als es ein Deutschland im weitesten Sinne noch nicht gab… als der Deutsche (Ritter)Orden dort eine Niederlassung erwarb. Bei so viel Kaiser (Wilhelm) konnte auch das Wetter nicht viel anders als sich dem anzupassen… das wird dieses Jahr das zweite blaue Album werden.

Basilika St. Kastor... atommüllfrei übrigens...
Im Inneren eines sehr alten Bauwerkes

Nach dem Wilhelm seinem Eck ging es an den ältesten Ort der Stadt: die Basilika St. Kastor… prominentes Beispiel der Romanik im Rheingebiet… Ursprünge bis ins 9. Jahrhundert… ganz schön alt… drinnen übte jemand mit der Orgel… ich bin nicht sicher ob alles so sollte… es waren interessante und fast psychedelische Momente dabei… der Reiz bei diesen alten romanischen Sakralbauten ist die relativ bescheidene Größe im Gegenteil zu spätromanischen oder gar gotischen Bauten des späteren Mittelalters. …raus aus der Kirche, rein in den Biergarten… der stand da halt rum und ein Hefeweizen hat den Vorteil das es einmal im Jahr lecker ist und ich kein zweites brauche…rülps… und weiter durch die Stadt und erstmal wieder ins Hotel frischmachen.

...gefühlt war das ein Kubikmeter Essen... und zwar leckeres... Altes Brauhaus

Dann zum Thema Gastronomie… für heute hatte ich mir das „Altes Brauhaus“ ausgesucht… zwar wird dort entgegen meiner ursprünglichen Annahme kein Bier gebraut, dafür aber lokales Bier ausgeschenkt und dazu noch äußerst zünftiges Essen gereicht… puh… der Bauch war voller leckerer Biere und Speisen… durchaus zu empfehlen. Ein Absacker war noch drin… gleich nebenan in einem Pub namens Schiffchen… und da wurde ich seltsam melancholisch… der Laden hatte alles wie das Offside vor etwa 15 Jahren… verqualmt, Dart, gut 100 Whiskys, die Musik rockig und etwas zu laut, etwas zu dunkel… aber sehr herzlich… da muß ich nochmal rein… heute passte nix mehr in den Bauch… und morgen ist ja auch noch ein Tag… da wird Koblenz genauer untersucht, fürs erste sieht es aus als ob wir Freunde werden könnten…

Nostalgischer Absacker im Schiffchen...

McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn Tag 2

Nach der ersten Nacht und dem ersten Frühstück gibt es noch immer nichts zu beanstanden was das Hotel angeht… war eine gute Wahl… Etwa 10 Uhr ging die Tagestour los… als erstes ging es Richtung Rheinufer wo das Kurfürstliche Schloss dominiert. Das Schloß wurde im Stil des französischen Frühklassizismus Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Es ist deshalb etwas seltenes, weil nach der französischen Revolution kaum noch größere Adelshäuser gebaut wurden… Im zweiten Weltkrieg wurde das Schloß schwer getroffen und später im Äußeren originalgetreu rekonstruiert. Die Innenräume werden heute überwiegend als Büroräume von Bundesbehörden genutzt. Sehr gelungen sind die Wege hinterm Schloß entlang des Rheins mit alten Denkmälern und einigen etwas albernen Statuen neuerer Zeit.

Das Kurfürstliche Schloß mit Joseph Görres Denkmal
Das Preussische Regierungsgebäude

Das nächste Gebäude was auffällt ist so eine Art historistische Trutzburg… wie man zu Zeiten Kaiser Wilhelms halt gebaut hat… man ließ gerne die deutsche Vergangenheit wieder aufleben… heraus kam in diesem Falle das preußische Regierungsgebäude… erbaut 1902-1905… also in der Zeit von Wilhelm II. Sein Großvater Wilhelm I. lebte übrigens viele Jahre (bevor er König und Kaiser wurde) in Koblenz… er war hier Generalgouverneur der rheinischen Provinz… somit bekommt das Reiterstandbild am deutschen Eck etwas mehr Bedeutung als die meisten der tausenden Wilhelms-Denkmäler die damals in ganz Deutschland errichtet wurden. Nach dem protzigen Regierungsgebäude (was übrigens nicht zerstört wurde) kam dann das nächste Ziel des Tages : die Seilbahn über den Rhein zur gegenüberliegenden Festung Ehrenbreitstein. Leider war die Schlange zu lang für mich (meine Zeit mit Anstehen erledigte ich in meinen ersten 21 Jahren in der DDR… heute brauche ich das nicht mehr 😉 …einfach in einer Stunde nochmal schauen war der Plan.

Liebfrauenkirche von außen...
...und innen...

So ging ich stattdessen noch ein wenig in die Altstadt spazieren und besichtigte z.B. die Liebfrauenkirche, welche im Kern wie die Kastorkirche sehr alt ist. Die heutige Erscheinung ist romanisch (Schiff), gotisch (Chor) und barock (Zwiebeltürme). Die Kirche würde schwer zerstört und wieder aufgebaut, das Interieur jedoch für eine katholische Kirche fast schon schlicht. Gegen 12 machte ich den nächsten Versuch mit der Seilbahn aber statt weniger waren es nun deutlich mehr Interessenten am Ticketschalter… da erinnerte ich mich das man Karten online kaufen kann… also Planänderung… erstmal Mittagessen bei einem Laden namens Salatbar in der Nähe des Bahnhofs… es gab Minestrone und Saft (damit hier nicht der Verdacht aufkommt ich verbrauche bei meinen Entdeckungsreisen Herden von Tieren)… sehr lecker, der Laden hat nur von 11 bis 3 geöffnet und freut sich bei den Einheimischen höchster Beliebtheit. Danach kurz ins Hotel was eh auf dem Weg lag, schnell eine Online Karte gekauft und damit ohne anstellen zur Seilbahn.

Interessantes Mauerwerk auf der Festung
Das Deutsche Eck von oben

Die Überfahrt dauert etwa 5 Minuten… ein Return-Ticket kostet 13,90€, legt man noch 4€ drauf ist der Eintritt für die Festung Ehrenbreitstein mit dabei. Bei schönstem Wetter war das heute eine sehr gute Idee, ich verweilte länger auf dem Gelände der Festung ohne mir aber die zahlreichen Ausstellungen anzusehen. Dann ging es wieder abwärts… ich habe das übrigens auch gefilmt.

Nach noch etwas Schlendern durch die Altstadt und einem Eis von einer Bude wo immer viele Leute anstehen (das hab ich auch damals gelernt… wo Leute anstehen muß es etwas gutes geben)…und das Eis von eGeLosiA ist in der Tat sehr lecker… man kann auch in den Produktionsteil schauen…

Das Tagesprogramm war damit auch erledigt und ein großer Teil dieses Artikels wurde dann im Hotel verfasst. Das Abendprogramm sah ab 20:00 Uhr eine Verabredung im Irish Pub Koblenz vor… vorher mußte noch feste Nahrung her. Die Wahl fiel heute auf eine unkonventionelle Pizzeria mit Craftbeer Ausschank: 3 Hefen. Es gibt dort Bier der Vulkan Brauerei und anderen kleinen Herstellern. Die Pizza „Bella Burn“ mit u.a. saueren Zwiebeln und hausgemachter Chilisauce war eine der besten Pizzen der letzten Jahre… auch wenn ich kurz vorm Abbruch wegen der Schärfe war… das Bier war gut… der Service…ähnm… ausbaufähig… nix gegen die (einzige) Bedienung, aber in der Zeit hätte ich locker drei Bier mehr geschafft (die hatten nur 0,3l Gläser)… und… naja… es war dafür lecker.

Niederländisch/Deutsch/Irisch Pub Verbundenheit... mit Hubertus Winkelmolen und Shay Dywer

Mein Date im Irish Pub war mit Organisatoren einer Informationsplattform für Betreiber von Irish Pubs in Deutschland… im Irish Pub Koblenz ist Mittwochs Karaoke… war egal… ich wurde empfangen wie ein Staatsgast und wir hatten einigen Spaß abseits der wilden Party… ich fühle mich sehr geehrt… das muß dazu reichen… Danke Hubertus und Shay…
…war’n schöner Tach heute… morgen gehts nach auswärts…

Mit dem Bummelzug an der Mosel..

McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn Tag 3 – Trier

Für meinen heutigen Ausflug nach Trier war schon der Weg dorthin ein Erlebnis. Etwa 90 Minuten rollte der Regionalzug von Koblenz nach Trier… besonders in der ersten Hälfte stets parallel zur Mosel… verschlafene Dörfer, Burgen und Weinberge so weit das Auge reicht… wenn ich zwischen Koblenz und Cochem täglich pendeln müsste… ich würde es wohl als Privileg verstehen.

Porta Nigra zu Trier

Vom Hauptbahnhof der 110.000 Einwohner zählenden Stadt Trier sind es dann nur wenige hundert Meter bis zur wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit der Stadt : das römische Stadttor Porta Nigra. Trier kann sich mit einigen Attributen schmücken was hohes Alter angeht… so ist Trier die wohl ÄLTESTE Stadt Deutschlands… 100%ig wasserdicht ist diese Behauptung wohl nicht, aber durchaus möglich… erwiesen dagegen ist die Tatsache das Trier etwa 16 v.C. von den Römern errichtet wurde. Unter den Römern blühte die Stadt auf und im 4.Jh n.C. war Trier die größte Stadt nördlich der Alpen. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte gehörte die Stadt verschiedenen Machthabern… bereits seit dem 3. Jh. n.C. war Trier Bischofssitz … die Stadt wurde häufig zerstört und wieder aufgebaut.

Porta Nigra - andere Seite
Im Inneren der Porta Nigra

Zurück zur Porta Nigra… dieses Tor wurde ab 170 n.C. als eines von vier Stadttoren gebaut aber nie vollendet. Die anderen Tore verschwanden nach und nach, die Porta Nigra verdankt ihr Überleben einem Mönch der in dem Bau wohnte. Als dieser Mönch Simeon 1035 verstarb wurde er vom Papst heilig gesprochen und Porta Nigra zu einer zweistöckigen Kirche umgebaut. Dieser Umstand war es, das der antike Bau quasi in der Kirche konserviert blieb. Unter französischer Herrschaft in der ersten Hälfte des 19.Jh. wurde der Kirchenbau abgetragen und nach und nach das originale antike Bauwerk freigelegt. Man kann dieses besichtigen, Eintritt 4€… wandeln auf 3 Geschossene vor fast 2000 Jahren aus Sandstein und Metallklammern errichtet wurden… wunderbare Ausblicke auf die Stadt inklusive… sehr zu empfehlen.

Dom und Liebfrauenkirche zu Trier
Trierer Dom - Inneres gen Osten

Niemand sollte aber denken das diese Porta Nigra jetzt das absolute Highlight in Sachen Geschichte Architektur und Kunst war… nein… der Dom zu Trier ist die ÄLTESTE Bischoffskirche Deutschlands…(manche gehen so weit zu behaupten es wäre das ÄLTESTE Bauwerk Deutschlands… ohne Garantie allerdings)… etwa 310-320 n.C. wurde es unter dem römischen Kaiser Konstantin gebaut… davon ist heute nicht mehr viel übrig… aber immerhin… überlegt mal wie lange das her ist… seinerzeit war es die größte Kirche Europas… ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster und behaupte (im 4.Jh n.C.)… der WELT ! Die Anlage wurde natürlich im Laufe der Jahrtausenden (!) häufig verändert, umgebaut erweitert etc…. wer meinen Blog kennt, weiß das ich für Sakralbauten eine Menge übrig habe (ohne je einer Religion angehört zu haben)… und ich hab auch schon eine Menge gesehen, aber der Trierer Dom hat mich heute schwer beeindruckt… er macht nach außen nicht viel her… viel Stückwerk aus vielen Jahrhunderten… aber was es da alles zu sehen gibt… seien es nur die Toten… der olle Balduin liegt da… in einer Art Zeitkapsel der letzte Rock vom Jesus (vielleicht zumindest), dann ein herrlicher Kreuzgang den man betritt und alles ist so still… (bis dann irgend ein Kind blägt…aber egal) der Dom zu Trier… ein Erlebnis.

Der Kreuzgang zwischen Dom und Liebfrauenkirche
Beeindruckende Gewölbewelten in der Liebfrauenkirche

Dann gibt es direkt daneben bzw. mit Kreuzgang verbunden und überhaupt… quasi angewachsen die Liebfrauenkirche… deutlich jünger und kleiner… ich hatte nicht mehr viel erwartet nach dem Dom… aber diese Liebfrauenkirche ist ja noch der Oberhammer… auf einem Grundriss eines Kreuzes als Art Zentralbau mit sehr hohen Gewölben und bunten Fenstern… von außen eher das hässliche Entlein… von innen äußerst ungewöhnlich…gut gelungen… stilreine Frühgotik.

Konstantinbasilika... für die Baustelle kann ich nix 😉
Im schlichten Inneren des antiken Bauwerks

Man sollte meinen das wars aber jetzt mit altem Kirchenkram (?).. nö… es gibt noch die Konstantinsbasilika. Dieser Bau ist zumindest das ÄLTESTE Gebäude in Deutschland, was als Kirche genutzt wird. Erbaut wurde sie im 4.Jh n.C. als römische Audienzhalle, erst seit 1856 dient das Gebäude als protestantische Kirche. Eine Basilika ist es auch nicht, eher ein Saalbau… da hatte sich wohl mal jemand vertan…

Das Kurfürstliche Palais mit der Konstantinbasilika und Schlosspark
...nur so über'n Zaun fotografiert... die Kaiserthermen
Marktplatz in Trier... ein Hauch von Italien...

Direkt an diesem sehr alten Bau ist das Kurfürstliche Palais für die feinen Wasserpredigenten Bischöfe zu bewundern… ein Rokoko Schloss wie es auch hätte in Potsdam stehen können… Park inklusive… geht man diesen bis zum Ende kommt man zu den Kaiserthermen… wiederum Zeugnisse römischer Herkunft… da bin ich heute aber nicht rein… vielleicht nächstes mal… stattdessen ging es zurück in die Altstadt… erstmal Mittagessen… draußen… war lecker und ich hatte ein italienisches Feeling… Trier hat durchaus etwas südländisches… Danach schlenderte ich noch hier und da etwas rum… aber das sollte es auch gewesen sein… etwas früher als geplant fuhr ich dann nach Koblenz zurück… die gleiche schöne Strecke… die aber eigentlich nur zwischen Koblenz und Cochem so richtig Weltklasse ist.

Später gab es dann noch Bier im Pipers Corner… meine Blutgruppe ist ja eigentlich G (wie Guinness)… aber Murphys ist immerhin nicht untrinkbar und hatte mir heute auch nix geschadet… der Laden war gut besucht und auch hier dachte ich an das Offside etwa 15 Jahre früher… da wurde auch geraucht, Whisky war viel da (aber noch im Rahmen) und keine irische Dudelmusik… müsste ich jetzt hier leben, das Piper wäre eine Option für was Längerfristiges… Morgen geht es an die Lahn…

...fast ein Guinness... aber immerhin...

McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn Tag 4 : An der Lahn

Der heutige Tag hat mich selbst zum Nachdenken angeregt ob ich zu mir selber eventuell etwas zu arrogant bin oder nur naiv… Ich hatte mir im Vorfeld folgendes Programm ausgesucht: 10 Uhr Start vom Koblenzer Hauptbahnhof, Burg Lahneck, Rhein-Lahn-Mündung, (dafür insgesamt 2 Stunden), Burg Nassau (eine Stunde), Kloster Arnstein & Goethepunkt Obernhof, Schloss und Stadt Diez… dann langsam zurück… Im Nachhinein muß ich drüber lachen… denn das schafft kein Mensch… aber gut, Station 1 : Burg Lahneck.

Burg Lahneck - Rokokozimmer mit altem Fritz an der Wand
Die Burg Lahneck in Lahnstein an der... genau... Lahn
In der Küche... wenns schnell gehen mußte wurde der Topf einen Zacken zugelegt...
Burgkapelle mit Marmorboden aus der Gegend

Von der Station Niederlahnstein ist es ein Fußmarsch von etwa 30 Minuten wobei die letzten paar hundert Meter steil aufwärts gehen (bekanntlich nicht mein Steckenpferd) Vor mir lief eine Familie mit Oma die auch nicht so schnell war… ich brauchte nicht zu überholen… war aber pünktlich 11 Uhr zur Führung oben. Die Burg Lahneck, strategisch günstig an Rhein und Lahn gelegen, wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Im 30jährigen Krieg wurde sie beschädigt, aufgegeben und lange Zeit dem Verfall preisgegeben. Eine schottische junge Künstlerin soll 1851 auf dem Turm verdurstet sein da die morsche Treppe nach dem Aufstieg hinter ihr zusammengebrochen war. In der zweiten Hälfte des 19.Jh. wurde die Burg wieder flott gemacht und ist bis heute im Privatbesitz… zeitweise sogar bewohnt. Besichtigungen sind nur mit Führung möglich… diese war sehr gut und vor allem interessant.

Das Pendant zur Burg : Schloß Martinsburg am Rhein
Zusammenfluss von Rhein (oben) und Lahn... im Hintergrund Burg Stolzenfels

Danach wählte ich einen anderen Weg zurück nach Lahnstein in der Annahme noch ein paar gescheite Fotomotive zu erhaschen… dem war nicht wirklich so… erst als ich ganz unten am Rhein angekommen war wurde es wieder interessant. Da war das Schloss Martinsburg… damals vom gleichen Bauherren wie die Burg Lahneck als Zollburg am Rhein gebaut. Auf der anderen Rheinseite thront die Burg Stolzenfels… immer wieder ein schönes Motiv. Nach einem kleinen Picknick ging es dann zur Lahnmündung… verglichen mit der von der Mosel am deutschen Eck wirkt dieser Zusammenfluss zweier bedeutender Flüsse eher bescheiden. Plötzlich fiel mir auf das der Zug gleich kommt… einen Aufenthalt von einer Stunde bis zum nächsten war nicht zu akzeptieren, so das ich im Laufschritt (!) zum Bahnhof zurück bin… hat geklappt… aber nur weil der Zug Verspätung hatte, außerdem war ich auf dem falschen Gleis… was einen weiteren Sprint bedeutete… zum Glück ist Maskenpflicht im Zug, so das man nicht so gesehen hat wie ich hyperventiliert habe… Es war nun schon eh später als geplant und so wurde die nächste Station, Burg Nassau gleich mal gestrichen. Stattdessen stieg ich eine Station weiter in Obernhof aus.

Kloster Arnstein auf dem nächsten Berg
Romanik und Gotik vereint - Klosterkirche Arnstein

Dort war die Klosterkirche Arnstein das Ziel. Diese steht genau wie eine Burg auf einem Berggipfel und sieht vom weiten ziemlich imposant aus…bisschen wie der Limburger Dom in klein … gerade erst wieder bei normaler Atmung ging es zum nächsten Anstieg. Die Kirche, die mittlerweile ein griechisch orthodoxes Kloster ist war geöffnet, der Laden mit Kaffe, Kuchen und Erfrischungsgetränken leider nicht, da heute orthodoxer Karfreitag war… wieder bergab sah ich auf der Landkarte einen Goethepunkt… angeblich soll der junge Goethe mal da gewesen sein… es ist ein Aussichtspunkt… ziemlich weit oben. Wegweiser und digitale Karten widersprachen sich aber teilweise, so das ich unnötig weit und hoch war (lechts…), der richtige Punkt aber noch weit weg und nochmal 100m höher… ich hatte einen anderen schönen Aussichtspunkt mit einer kleinen Bank, taufte ihn Schillerpunkt und beließ es dabei. Wieder zurück im Tal hatte ich noch einige Zeit bis zum Zug und erreichte den rettenden Campingplatz… der hatte nämlich Bier… und ihr glaubt ja nicht wie das gezischt hat… 17.00 Uhr war ich dann zurück in Koblenz und frage mich wann ich die beiden anderen Stationen eigentlich hätte machen sollen… mal sehen ob ich morgen Muskelkater habe…

Aussicht vom selbsternannten Schillerpunkt
Der Wilhelm bei Nacht... der Regenbogen... keine Ahnung...

Abends gab es heute nichts neues zu erkunden… nachdem ich mich bei meinem alpinen Tagesprogramm ausschließlich von Mini-Wienern und Krautsalat von Aldi (Süd!) sowie Koblenzer Rohrperle aus meiner Trinkflasche ernährt hatte… musste nun etwas amtliches her… das amtliche Essen hatte mir am Dienstag im Brauhaus am besten gefallen, so kehrte ich heute da nochmal ein. Als ich den Laden betrat sah ich das es dermaßen knüppeldicke voll war das ich mir unsicher war ob das was wird… aber die Chefin persönlich organisierte mir einen (Not)platz nahe der Toiletten… als Einzelgast kann ich gut mit sowas leben… hab auch ein wenig drauf spekuliert das mir die Leute ein paar Münzen auf den Teller legen… Das Essen (Sauerbraten ist definitiv einer meiner Leibgerichte) war riesig und vollumfänglich gut, das Bier auch… das Partyvolk im Laden … hätte es bei uns garantiert nicht ansatzweise gegeben… wir wissen nur zu gut, warum wir Junggesellenabschiede und ähnlichen Quatsch nicht akzeptieren… bemerkenswert fand ich das niemand eingeschritten ist, egal wie laut und ordinär die waren… aber egal… ich hatte meinen Hunger deutlich überwunden und trinken wollte ich eh woanders… Erst mal mussten jedoch ein paar Nachtaufnahmen her… dazu kam ich bislang noch nicht… also nochmal ans Deutsche Eck und St.Kastor… naja… geht so… Dann musste ja noch der Eisenhaushalt aufgebessert werden und dafür ging’s ins Irish Pub… ich wollte ja da auch noch mal etwas selber bestellen was mir neulich nicht gelungen war 😉 …erkannt wurde ich trotzdem, trinken und auch bezahlen zum Glück auch… auch dort war Freitagsparty mit Partyvolk… das ist nicht schlimm… eher normal, aber nicht umsonst lege ich meine Städtereisen von Dienstag bis Freitag… Wochenende lieber im eigenen Pub… Spaß gemacht hat das im Irish Pub Koblenz trotzdem… die machen gute Arbeit… sind allerdings eher mit den großen Irish Pubs (Europacenter, Hackischer Markt etc.) von Berlin zu vergleichen…quasi Offside x 5 oder so. Jo… dann neigt sich die Ära Koblenz langsam dem Ende entgegen… aber morgen gehts erstmal nach Limburg…

...fast wie zuhause...

McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn Tag 5 : Whiskyfair Limburg

Das letzte Kapitel der Reise ist schnell geschrieben… kurz nach 10 ging es mit dem gleichen Bummelzug wie gestern nach Limburg. Die Whisky Fair ist die bedeutendste Messe in Sachen Whisky in Deutschland seit vielen Jahren…2002 fand sie zum ersten mal statt, damals noch im wesentlich kleineren Rahmen in einem Ort nicht weit von Limburg. Parallel zur wachsenden Maltwhisky Begeisterung expandierte die Messe schnell und fand später in der gar nicht so kleinen Stadthalle in der Domstadt Limburg statt. Der Fokus liegt bei unabhängigen Abfüllen und Whiskygeschäften… die großen Industriefirmen wie Diageo oder Pernod-Ricard sind selbst nicht vertreten, ihre Produkte aber bei zahlreichen Händlern durchaus. Als ich vor fast 10 Jahren zum ersten mal in Limburg war, war ich schnell begeistert und seitdem ist diese Veranstaltung für mich Pflichtprogramm aus mehreren Gründen…natürlich hauptsächlich der persönliche Kontakt zu Kollegen und Herstellern, die einzigartige Atmosphäre in dieser knuffigen alten Stadt und… vielleicht das wichtigste… das Miteinander mit Gleichgesinnten zum Thema Whisky… vor Corona war ich zumeist zweimal im Jahr in Limburg weil hier auch traditionsgemäß das (Whisky)forumstreffen vom Cuts Sark Forum stattfand oder vielleicht auch wieder findet…meistens hat man sich im kleinen Kreis vorher getroffen und … wie auch immer… aber den Großteil der besten Whiskys die ich je im Glas hatte, erlebte in in Limburg. Nach zwei Jahren Pause war es heute wieder soweit… die Stimmung war gut, allgemein herrschte die Meinung das vor Corona mehr Lametta war… aber alle waren happy sich mal wieder zu sehen und sich mal wieder auszutauschen. Ich möchte mich an der Stelle sehr herzlich bedanken für die vielen leckeren Tropfen die in meinem Glas gelandet sind… sei es von den Ausstellern als auch von den Whiskyfreunden… (ich sage nur Port Ellen Sherryfass… Wuko und Bettina… oder Redreast 30y… Seb… Bunna Moinhe… Kerstin & Frank… es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Der Rest vom Tag war unspektakulär… ich war noch was essen, hab noch ein paar Murphys im Piper gezogen und erwarte morgen das blaue Wunder namens Deutsche Bahn… meine Fahrkarte mußte wegen einer Fahrplanänderung umgebucht werden… der Sitzplatz ist damit weg… und wenn die Bahn schon selber ankündigt „Außergewöhnlich hohe Auslastung“… dann habe ich eine Vorahnung was mich morgen erwartet… schauen wir mal… ich werde das als Nachtrag mit einem kurzen Fazit in dem Blog ergänzen… das kann aber ein paar Tage dauern… bis dahin Danke fürs mitlesen… war ja auch begeistert das mich gefühlt jeder zweite auf der Messe darauf angesprochen hat 😉

Nachtrag

Nun war ich ja schon auf das Schlimmste vorbereitet… und es war schlimm… die Rückfahrt. Es begann mit einer halbstündigen Verspätung des ersten Zuges… Umsteigezeit war 13 min… ich bin dann gleich in drei Regionalzügen und einem IC weitergefahren, die waren zwar auch voller als sonst aber ich konnte immer sitzen… und wenn es an einem der drei WCs war, die verstopft waren. Im IC von Minden nach Gesundbrunnen bekam ich auch anstandslos einen Sitzplatz und freute mich wie Bolle… dann kam die Durchsage das es eine Weichenstörung gibt… dann waren es nochmal 55 Minuten Stillstand auf dem Bahnhof Bückeburg… immerhin mit Sitzplatz… neben uns hielt ein ICE nach Hamburg, der war derartig überfüllt… da hätte ich nicht sein wollen. Auch das ging vorbei und 20:30 war ich dann zuhause… macht 9,5 Stunden für den Rückweg.
Aber davon mal ab, es war ein wunderbarer Kurztrip. Es ist eine wunderbare Gegend mitten in Deutschland… Koblenz ist eine coole Stadt und ich hätte auch dort noch einige Läden abarbeiten (ob das das richtige Wort ist 😉 ) Im Juni geht es wieder auf Achse, diesmal wieder eher im Nordteil der Republik… bis dahin vielen Dank für den enormen Zuspruch über meine Notizen…

...bis zum nächsten Ausflug...

McLarsen in Lüneburg & Celle (März 2022)

Meine letzte Reise nach Halle (+Naumburg & Merseburg) ist mittlerweile fast ein halbes Jahr her… sie stand noch unter dem Zeichen der Corona-Pandemie… diese ist noch lange nicht vorbei aber die Schlagzeilen bestimmen die Sache mit dem Weltfrieden bzw. nach vielen Jahrzehnten… des Friedens in Europa… der Blog wird auch später zu lesen sein… eine Woche vor meinem Reiseantritt nach Lüneburg hat Putin die Ukraine überfallen… die Welt ist nicht mehr die gleiche wie damals bei meinem letzten Reisebericht… Corona…(?) …ist nach wie vor gefährlich und ich hatte auch das Vergnügen das selbst zu erfahren… schon auf dem Weg zu dieser Reise wurde mir klar, daß die Welt sich verändert hat… am Bahnhof Gesundbrunnen und besonders am Hauptbahnhof wurde fast ausschließlich ukrainisch gesprochen… die Stadt ist voller Flüchtlinge deren Zukunft im Ungewissen liegt… da kommt man sich selbst schon etwas affig vor wenn man Probleme hat wie : Ist der Zug pünktlich ?… ist mein Platz frei ?… nun gut, die Anreise war komplett planmäßig und 13:30 war ich in Lüneburg.

Ein zentraler Platz der Altstadt : Am Sande
Typische Lüneburger Gassenszene

Lüneburg… was weiß man darüber… Hansestadt in der Nähe von Hamburg, bekannt auch durch die Lüneburger Heide. Die Stadt wurde zur Hansezeit reich da es unter der Stadt einen Salzstock gab und dieses Salz brauchte man z.B. in Lübeck um den gefangenen Fisch zu konservieren. Die heute etwa 75.000 Einwohner Stadt hat eine gut erhaltene Altstadt welche von den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs größtenteils verschont blieb.
Meine Unterkunft ist ein recht neues Hotel der Kette B&B unweit des Bahnhofes. Die Zimmer sind modern und funktionell… alles was man braucht. Nach dem Check-In ging es dann gut zwei Stunden zur Erkundung in die Altstadt, heute ohne irgendwelche Stationen mit Besichtigung. Die Altstadt ist in der Tat sehr reizvoll, viele gotische Häusergiebeln… häufig etwas windschief, sehr rustikales Kopfsteinpflaster, Marktplatz, Rathaus, Gassen, kleine Läden mit regionalem Gedöns neben den üblichen Verdächtigen (Karstadt, C&A und Co.) der republikweiten Fußgängerzonenlandschaften.

Blick vom Kalkberg v.l.n.r: Nikolaikirche, Michaeliskirche, Johanniskirche, Wasserturm
Der historische Lastenkran an der Ilmenau

Ein schöner Punkt war die Besteigung des Kalkberges, der eigentlich Gipsberg heißen müsste da jenes dort jahrhundertelang abgebaut wurde. Auf dem Rest des Berges hat man eine sehr schöne Aussicht auf die Stadt. Nach diesen zwei Stunden hatte ich den Großteil der Altstadt einmal durchlaufen… viel größer ist die Stadt nicht, von allen bis jetzt erkundeten Städten ist Lüneburg die kleinste. Am Ufer der Ilmenau steht ein alter Lastenkran aus der Zeit des Mittelalters, drum herum gibt es jede Menge Gastronomie… angeblich hat Lüneburg nach Madrid die höchste Kneipendichte Europas. Das Wetter ist diesmal auch fast schon sensationell… mußte ich bei meinen letzten Erkundungen immer erst nach der Wetter App planen um Fotos ohne Regen zu bekommen, so muß ich diesmal lediglich planen wann die Sonne gerade günstig steht… die Sammlung könnte ich blaues Album nennen.

Work in Progress... Bierbrauen im Mälzer
Ein grünes Bild im blauen Album... nicht im Bild : ein Topflappen fürs Bier

Nach einer Pause ging es dann etwa 18:00 Uhr los diese o.g. Kneipendichte zu testen… für heute hatte ich mir das Brauhaus Mälzer ausgesucht einer kleinen Hausbrauerei mit großen Kapazitäten für den Ausschank der eigenen Biere. Das schöne an solchen Brauhäusern (wie ich sie ja auch schon in Bamberg, Lübeck und Halle kennenlernen durfte) ist ja nicht nur leckeres Bier sondern auch zünftiges, bodenständiges Essen. Heute gab es Biergulasch mit Bratkartoffeln und Bohnen. Dazu wurde naturtrübes Pils (ähnlich unserem Eschenbräu), Märzen und IPA gereicht. Danach wollte ich noch etwas Champions League mit dem FC Liverpool schauen und suchte dazu ein Irish Pub namens Tir na nOg auf und hatte den besten Platz zum Fussball gucken ever… bis dann das Guinness kam… denn das war pisswarm. Der Barkeeper gab mir nach meiner Beschwerde zwar noch ein anderes, aber das war leider nicht besser… und warmes Bier… sorry, aber das geht bei mir garnicht… auch kein Guinness. Ich wußte von einem weiteren Pub und beschloss es dort zu versuchen.

Kalt aber teuer: Guinness im Dubliner

Beim Dubliner Irish Pub angekommen, sah ich als erstes das es kein Fußball gab, man erlaubte mir nicht an der Bar zu sitzen (ich war mittlerweile der einzige Gast), das Guinness was ich dann an einem großen Tisch in einer leeren Kneipe bekam war dann aber wenigstens kalt. Ich durfte auch gleich zahlen : 6,20€ für einen Pint Guinness… neulich mussten wir ja im Offside mal wieder die Bierpreise anpassen… auf 5,10€ und in diesem Laden 6,20€ ? …nein, da reicht eins. Damit war das Thema Irish Pubs zu Lüneburg abgeschlossen und es ging zurück ins Hotel… der Tag war dann auch vorbei.

Tag 2 in Lüneburg. Nach dem Frühstück und noch immer bei allerbestem Wetter hatte ich mir für heute einen weiteren Aussichtspunkt ausgewählt, bei dem die Sonne von Osten günstiger ist als es gestern Nachmittag gewesen wäre (ich denke ich werde mich bei zukünftigen Erkundungen mit schlechterer Wetterlage an diese Luxusüberlegungen zurückerinnern…) Der Wasserturm… fast vis-a-vis zu meinem Hotelzimmerfenster. Der Lüneburger Wasserturm wurde im neugotischem Stil erbaut und war mit der seinerzeit sehr modernen Technik von 1907 bis 1985 in Betrieb.Nach einigen Jahren des Verfalls wurde der Turm mit Spenden von einem Trägerverein saniert und dient heute als Aussichtspunkt, Galerie und Eventlocation. Der Spaß kostet 5€, man kann mit Fahrstuhl oder Treppe nach oben kommen und die Stadt liegt einem zu Füßen… ähnlich wie gestern vom Kalkberg, nur von der anderen Seite. Da ich mich naturgemäß treppauf etwas schwer tue, wählte ich hochzu den Aufzug und runter die Treppe um auch die interessant gestalteten Ausstellungsräumlichkeiten zu besichtigen. Fazit : tolle Arbeit, gutes Konzept… Respekt !

Der Wasserturm zu Lüneburg
St. Johannis aus halber Höhe vom Wasserturm
St.Johannis - Mittelschiff gen Westen

Nach dem Turmabstieg ging es nochmal durch die Altstadt… einfach eintauchen ohne bestimmtes Ziel und auch mal 10 Minuten auf einer Bank sitzen und nur die Szenerie genießen. Es folgte die Besichtigung der Johanniskirche, dem größten Sakralbau der Stadt. Es ist eine 5schiffige Hallenkirche bei der die Seitenschiffe ein eigenes Satteldach besitzen… nicht ganz handelsüblich… Der Turm ist knapp 110 Meter hoch und reichlich schief und verdreht… angeblich hatte sich der Baumeister nach Bemerkung des Fehlers vom Turm gestürzt, landete aber in einem Heuwagen und überlebte… freute sich dermaßen darüber das er sich dann so einen auf die Lampe gegossen haben soll und sich in dessen Folge das Genick gebrochen haben soll… nun ja… wer weiß was davon stimmt.

Marktplatz mit Markttreiben und Rathaus
Rathaus- Details

Um 14 Uhr hatte ich mir bereits im Vorfeld ein Ticket zur Rathausführung besorgt. Das Rathaus Lüneburg liegt in der Bewertung die Schönheit und künstlerischer Bedeutung in einer Rangliste deutscher Rathäuser sicherlich in der Top 5 (ich weiß aber garnicht ob es solche Listen gibt…) Die Führung war sehr gut, allerdings war fotografieren nicht erlaubt… was in diesem Falle echt schade ist, ich habe noch nie so viel Reichtum in einem Rathaus einer früher schon sehr reichen Stadt gesehen. Das Rathaus ist ein Gebäude mit vielfachen Erweiterungen… stets im Stil der Zeiten, von Gotik über Renaissance bis Barock. Die Führung dauerte eine Stunde und kostete lediglich 5€. Das Rathaus ist auch noch vollumfänglich in seiner Funktion. Anschließend gab es noch ein Brötchen auf die Hand und etwas Zeit im Hotel… schliesslich muss der Text hier ja auch geschrieben werden.

...lecker Speis und Trank im Brauhaus Nolte...

Für die Abteilung Gastronomie ging es dann in eine Gegend außerhalb der Altstadt, zum Braugasthof Nolte im Osten der Stadt. Der Hinweg kam mir vor wie die einzige Straße Norddeutschlands, die nur bergauf geht… nicht steil aber stetig. Endlich angekommen wurde ich aber nicht enttäuscht. Nolte ist eine Brauerei mit Ausschank und gutem Essen genau wie gestern das Mälzer… allerdings mit dem Unterschied das dieser Laden seit über 100 Jahren von einer Familie geführt wird, die sich auch ihren Stil erhalten hat… da waren keine Hipster sondern alles Leute aus der Gegend, häufig ältere Semester wie Siggi und seine Kumpels die über Dinge von Anfang der 70er Jahre plauschten und nebenbei Witze über Urologen machten… herrlich… das Essen war ebenfalls großartig, ein Jägerschnitzel wurde es heute… dazu wurden gereicht je zwei Helle, Märzen und Dunkle… meiner Meinung nach alle besser als gestern im hippem Mälzer. Rückzu ging’s bergab und nach nicht mal 20 Minuten war ich im Hotel… hab dann auch mal recherchiert wieviele hunderte Kilometer das waren… ähmn… nicht mal 2 km… Ich muß weiter trainieren… das werde ich auch morgen, aber nicht in Lüneburg sondern in Celle…

Das Celler Schloß von Süden

Tag 3 : Celle

Wie ich bereits erwähnte ist Lüneburg für drei Tage (und ich meine dann ja auch immer drei GANZE Tage) etwas zu klein… also überlegte ich mir im Vorfeld noch einen Tagesausflug in eine Stadt meines Interesses die in der Nähe und gut zu erreichen ist… and the winner was : CELLE ! Bemüht man die Einwohnerzahlen, so ist Celle mit 70.000 Einwohnern nur 5000 kleiner als Lüneburg… aber mit Gemeindereformen und weiß ich was ist die eigentliche Stadt… oder das was der Tourist McLarsen darunter versteht: die Altstadt… doch deutlich kleiner als die knapp 80 km entfernte Hansestadt Lüneburg. Lange Zeit verband die Städte im späten Mittelalter die Herrschaft der Welfen… als 1371 die Lüneburger Bürger jedoch die nervigen Adligen zum Teufel schickten, siedelten sich Teile der Herrschaftlichkeiten neben Hannover auch in Celle an. Mit etwas Steuervergünstigungen und anderem Rumgemauschel wurde die Stadt ein paar km nach Norden an die Aller verlegt und relativ gleichzeitig erbaut… nach Plänen… im Mittelalter. Da Celle das Glück hatte im Krieg nicht zerstört wurden zu sein, ergibt sich heute eine der besterhaltenen, umfangreichsten Fachwerkstädte Europas… etwa 500 Fachwerkhäuser sind erhalten, die Fläche ist nicht üppig, aber intensiv. Dieses quasi Freilichtmuseum und das Schloß war mein Reiseziel.

Stadtkirche und Altes Rathaus
Schloß vom Kirchturm aus
Die Dächer der Altstadt... im Hintergrund die Aller

Je nach Zugverbindung fährt man zwischen 40 und 70 Minuten via Uelzen mit dem Zug nach Celle. Vom Bahnhof ist es ein kleiner Fussmarsch bis ins Zentrum, aber nicht so weit wie gestern zum Braugasthof Nölte… Als erstes kommt man an Schloss und Schlosspark vorbei, unmittelbar dahinter öffnet sich das Meer der Fachwerkhäuser.
Mit knapp 14 Jahren hatte ich meinerseits die Prüfung für die Fähigkeit einer Schlossführung im Schloss Sanssouci abgelegt und diese auch viele Jahre meiner Jugend genossen… ganz sicher nicht nur zum Geld verdienen (als das Thema kam, erlernte ich einen Beruf…) Ich wollte heute auf jeden Fall auch eine Führung um etwas mehr Input zu bekommen als nur das Schloss zu besichtigen (was auch so für 1€ weniger möglich gewesen wäre). Neben mir interessierten sich nur 3 weitere Leute dafür, so wurde es eine kleine Gruppe. Die Schlossführerin hieß Cosima Bellersen Quirini, sie ist auch Autorin mehrerer Bücher und gestaltete ihre Führung sehr interessant und mit viel Leidenschaft besonders für die Sachen der Geschichte für die sie sich wohl am meisten interessiert: die Menschen hinter den gestellten Ölschinken, die an jeder Wand hängen… Es war sehr interessant zu erfahren wie bedeutend das Adelsgeschlecht der Welfen einmal war und wer letztlich alles davon abstammt… nun ja… bei der Inzucht damals jetzt auch kein großes Wunder… Ein absolutes Highlight war die Schlosskapelle die den Eindruck vermittelt das die Zeit darin seit dem 16. Jahrhundert stehen geblieben ist. Leider kann man nicht richtig rein sondern durch eine Glaswand schauen. Das Interieur stammt bereits aus den Zeiten nach der Reformation und in ihrer Üppigkeit ist eine Ausstattung in diesem Maße bei einer evangelischen Kirche sicher beispiellos.

Das Innere der Schlosskapelle
In der Stadtkirche St.Marien

Noch vor der Schlossführung nutzte ich die Möglichkeit auf den Turm der Stadtkirche zu steigen. Der Turm der im Kern mittelalterlichen, aber komplett barock umgestalteten Kirche ist gerade etwas über 100 Jahre alt, fügt sich in seiner neobarock gestalteten Form aber prima ins Stadtbild ein. Der Turm ist 74 Meter hoch und als ich die letzten Stufen zu der unteren Laterne erklimmte, musste ich aufpassen das ich nicht auf meine raushängende Zunge trete… Der Ausblick war natürlich großartig… besonders bei diesem immer noch sehr schonen Wetter. Die Kirche selbst wurde natürlich auch besichtigt, hier gibt es ebenfalls prächtigen Barock zu bewundern. Die Fachwerk Altstadt war ja das Hauptziel, ich ließ mich in ihr treiben und machte viele Bilder auch von netten Details. Kurz nach 17 Uhr ging dann der Zug zurück nach Lüneburg. Es war ein toller Tagesausflug in eine kleine, sehr charmante Altstadt mitten in Deutschland.

Fachwerkstadt Celle

Gastronomisch hatte ich mich für den letzten Abend noch nicht festgelegt. Ich entschied mich zum Essen nochmals das Mälzer zu besuchen (da gibts wenigstens kein Industriebier) und den Rest des Abends dann in einem Laden namens To Huus in dem verschiedene Ratsherrn Biere aus Hamburg probiert werden konnten. Das war es dann auch schon wieder, in den nächsten Monaten werden weitere Erkundungen folgen. Als letztes Bild vom blauen Album hier nochmal der Wasserturm am Abend… in blau und gelb mit Friedenstaube. Für die Ukraine.

Wasserturm am Abend

McLarsen an der Saale : Halle, Naumburg, Merseburg (Oktober 2021)

2021… das zweite Coronajahr lässt wieder keinen richtigen Urlaub zu, daher behelfe ich mich derweil mit Exkursionen in die deutschen Heimat… und finde immer mehr Gefallen daran, Städte oder Landstriche allgemein zu bereisen. Bamberg, Erfurt und Lübeck machten den Anfang, mit Halle an der Saale geht es weiter. …ja… warum Halle ?… Nun, ich war hier halt noch nie, hab gehört das es hier ganz nett ist und kann von hieraus noch die Domstädte Naumburg und Merseburg erkunden. Was weiß ich bis jetzt von Halle (?)… etwa 230.000 Einwohner… in der Nähe von Leipzig und Geburtsort von Georg Friedrich Händel und Hans Dietrich Genscher. „In Halle wer’n die Doofen nicht alle“ … diesen Spruch, im breitestem Sächsisch gesprochen, kenne ich noch aus meiner Leipziger Zeit… mal sehen was dran ist oder auch nicht…
Kommen wir mal zum Abenteuer Anreise per Bahn. Nachdem ich neulich in Lübeck großes Glück hatte das ich aus Versehen einen früheren Zug nahm und nur deshalb meinen Anschluß in Hamburg bekam, hatte ich heute weniger Glück. Das erste was ich auf der Anzeigetafel vom Gleis 7 meines Heimatbahnhofes Berlin Gesundbrunnen las, war „Zug fällt aus“. Tja… dann also erstmal zum Hauptbahnhof und zum Glück halten ja diverse Züge gen Süden in der Saalestadt. Beim ersten Stopp am Südkreuz gab es dann schon die erste Auszeit… man warte auf den Lokführer, der hatte sich verspätet weil er mit der Bahn unterwegs war… verrückt. Bis Halle lief dann alles gut, danach sollte der Zug dann umgeleitet werden damit er quasi drehen kann, der Triebwagen hatte einen Defekt… ob er irgendwann in München angekommen ist weiß ich nicht… es konnte mir auch egal sein.

5 Türme und Händel...
Der Hallmarkt ist der Markt hinter der Marktkirche vom Marktplatz... sehr marktant...

Der Hallenser Hauptbahnhof liegt etwas östlich vom Stadtzentrum. Davor gibt es ziemlich große Straßen… und überhaupt… so richtig schön ist anders… es gibt einen Fußweg ins Zentrum, bei dem man ständig aufpassen muß das man nicht von der Straßenbahn erwischt wird… vorbei an vielen Läden die man nicht braucht zum Hotel Schweizer Hof am Waisenhausring. Das Haus scheint familiengeführt zu sein und ist alt aber sauber und ordentlich… so zumindest der erste Eindruck. Nach kurzer Pause hörte es dann auch endlich auf zu regnen und die erste Erkundungstour konnte starten. Bereits nach wenigen Schritten war ich im Zentrum der Altstadt… der Marktplatz mit den 5 Türmen… die 4 Türme der Marktkirche und der profane Rote Turm, den mal irgendwelche reichen Bürger der Stadt gebaut haben… im 15. Jahrhundert war das… wohl eine Art Statussymbol…Die Marktkirche hat deshalb 4 Türme, weil sie aus zwei Kirchen hervorging welche dicht hintereinander standen. Die sogenannten Hausmannstürme kann man besichtigen bzw. besteigen… 7€ kostet der Spaß, Führung inklusive. Da das Wetter gerade schön (wenn auch etwas wechselhaft) war, beschloss ich die Besteigung gleich zu machen… wer weiß was morgen für Wetter ist… was ich habe (damit meine ich schöne Bilder) habe ich.

...so sah das mit zwei Kirchen plus einem externen Turm aus...
...und aus zwei mach eine... (plus Turm)

Recht bemerkenswert fand ich das da ganz oben die Wohnung eines Türmers war, der letzte seiner Art lebte von 1886 bis 1916 mit Frau und 5 Kindern (mit der zweiten Frau dann noch zwei Blagen)… auf etwa 20 qm. Zwischen den Türmen ist eine Brücke und die Aussicht kann sich auf jeden Fall sehen lassen… guter Einstieg um die Stadt kennenzulernen. Die dazugehörige Kirche habe ich später auch besichtigt…bzw. das was man derzeit sehen kann… das ist etwa ein Drittel, der Rest wird gerade restauriert.

Aprilwetter in etwa 50 m Höhe..., mit den anderen beiden Kirchtürmen...
...über den Dächern von Halle...

Nach ein paar Streifzügen durch die Altstadt gab es dann ein kleines Päuschen bevor der Artikel „Gastronomie in Halle“ eröffnet wurde… Für den hungrigen Bauch gab es Einkehr ins Lokal „Zum Brotkasten“, eine kleine aber feine Gaststätte gleich um die Ecke. Es gab Schnitzel mit Pfifferlingen und Bratkartoffeln mit zwei dunklen Hasserödern für etwa etwas über 20 Euro… es war lecker und sehr nett… empfehlungswert allemal…. dann hatte ich mir im Vorfeld gleich nebenan noch ein Nantes Pub gespeichert… das ist da zwar noch irgendwie… aber zappenduster, also Plan B : Fiddler’s Pub in der großen Ullrichstraße, etwas entfernt aber für die gewohnten Berliner Verhältnisse geradezu um die Ecke. Das Fiddlers ist ein Pub was man durch einen langen Hausflur auf einem Hinterhof erreicht. Das Guinness war so wie es sein muß, das Publikum an diesem Abend hauptsächlich Studenten erstes Semester, ein paar Langhaarige meines Alters (…ja… ist schon typisch Irish Pub… kann ja nix dafür…) und sonst nix besonderem. Auf dem Rückweg noch ein paar Experimente mit der Kamera und schon ist der Tag vorbei… aber eigentlich wird Halle erst am zweiten Tag richtig erkundet…

Fiddler's Pub... Barhocker im Hockerformat und Relikte aus Raucherzeiten... die einzige Raucher(in) war die Bedienung
...warum der Rote Turm so heißt... er wird nachts rot angestrahlt...

Tag 2 – Halle ordentlich zu Fuß

Ich informiere mich ja durchaus im Vorfeld solcher Reisetrips über Dinge die man laut irgendwelcher Leute gesehen haben sollte, dann google ich auch mal über verwegene Foto Hotspots die gar keiner kennt… dann gibt es manchmal Bekannte die auch schon mal hier waren oder sogar öfters sind… Aus diesem Mix (natürlich nur die Sachen die mich auch interessieren) habe ich heute meinen Rundgang durch Halle zusammengestellt. Ich bin im Besitz eines guten Orientierungssinnes und benutze Navigationssysteme erst wenn ich mir extrem unsicher bin… vorher auf der Karte gucken muß reichen… Also, nach dem Frühstück und nach dem Verschwinden des Hochnebels ging es bei allerbestem Wetter los… erstmal Richtung Marktplatz um von dort aus zum Dom und der Moritzburg zu kommen.

...dem Bischof sein Privatdom...
...und sein Home... sein Castle... Moritzburg

Der Dom öffnete erst 11 Uhr und so lange wollte ich nicht warten… also wird wohl die Zahl der in Halle besichtigten Kirchen bei etwa 0,30 bleiben (etwa so viel kann man in der Marktkirche sehen) …interessant ist das mit dem Dom aber trotzdem… eigentlich stand (und steht) der Dom des Bistums in Magdeburg, aber der damalige Fürstbischof bevorzugte Halle als Wohnort und richtete sich seinen Freizeitdom nebst Neuer Residenz ein…dann kam Luther und die Reformation, der Bischof ging nach Mainz und hinterließ einen gigantischen Schuldenberg… der Vorteil ist… was gebaut war war gebaut und zeichnet Halle heute aus. Gewohnt hat der Bischof in der nahegelegenen Moritzburg welche es in Teilen schon vorher gab… diese große Burganlage wird seit etwa gut 100 Jahren nach Jahren des Verfalls als Museum und Kunst-Hotspot genutzt… Ruhetag : Mittwoch… (quasi heute)… aber nicht schlimm, ein Museumsbesuch war eh nicht eingeplant. Vorbei an der Leopoldina (vielleicht erinnert sich der eine oder andere… die hatten in Coronazeiten… ähmn… quasi jetzt… wissenschaftliche Empfehlungen an die Bundesregierung gegeben, dafür gibt es sie), ging meine Wanderung über eine Insel mit Park direkt an der Saale… das alles bei Kaiserwetter (im Oktober) und stationierte an der Giebichensteinbrücke.

Giebichensteinbrücke mit Burg Giebichenstein
Burgenroman(t)ik an der Saale

Dort gab es den Insidertipp mal durch einen geschlossenen Biergarten zu laufen und die Brücke mit Burg Giebichenstein zu fotografieren… ging gut… ein weiterer Fototipp war von der Petruskirche des Ortsteils Kröllwitz… auch das war super… leider alles gegen die Sonne, aber egal… dann gab es die Burg(Ruine) noch zur Besichtigung… für läppische 4 Euro konnte das Gelände besichtigt werden, inklusive Aufstieg des Turmes… wonach ich dann glaub ich auch etwas rot im Gesicht war… aber sehr lohnenswert, der Ausblick.

Blick vom Turm der Burg Richtung Innenstadt von Halle
...vom Rest der Burg gibts nicht mehr viel..

Über einen Park namens Reichardts Garten ging es zurück in Richtung Innenstadt, mit einem Schlenker ins Paulusviertel, deren Zentrum jene Paulskirche ist, in der vor gut einer Woche noch Bundeskanzlerin und Landesfürst*innen die deutsche Einheit gefeiert hatten. Die Kirche ist neugotisch und nicht weiter interessant, aber das Viertel um diesen kreisrunden Rathenauplatz auf dem die Kirche steht, ist schlicht traumhaft… überwiegend Bauten aus der Gründerzeit machen das Viertel zu dem wohl beliebtesten Kiez der Stadt… ich kann das vollumfänglich verstehen… Von dort aus ging es dann über den Joliot-Currie Platz mit dem Opernhaus erstmal kurz ins Hotel, die Blase drückte und ich hatte mir unterwegs etwas zu essen eingefangen… zu der Zeit standen auch deutlich über 10 km auf dem Tacho.

Pauluskirche
...im Paulusviertel mit Blick zum Wasserturm...
Park Sanssouci ?... Nö... Joliot-Curie Platz mit Opernhaus

Nach einer Stunde Pause ging es weiter zum Stadtgottesacker… einer der berühmtesten deutschen Friedhöfe überhaupt. Es ist ein Ort der Renaissance… die Friedhöfe mussten nach der Pest ausserhalb der Stadtmauern sein und so wurde im italienischem Stil eine Anlage aus Arkaden gebaut, wie es nördlich der Alpen einzigartig ist. Der Friedhof ist nicht irre groß und hat eher lokale Prominenz zu liegen (außer Händel seinem Vater kannte ich keinen…und Händels Vater im Prinzip auch nicht…), aber sehr, sehr schön… genau wie auch das Gerichtsgebäude im wilhelminischen Stil ganz in der Nähe… nun ja noch paar Bilder hier und da… dann qualmten die Socken…

...knapp 100 Arkaden gibt es auf dem Stadtgottesacker...
...drinnen teils sehr alte Grabsteine, aber auch neuzeitliche Sachen sind möglich...
Das Landgericht

Abends gab es dann Bauernfrühstück und lokales Bier im Halleschen Brauhaus kurz hinterm Markt… sehr lecker… beides… auf meiner App stehen für heute 27.000 Schritte und 31 Stockwerke… reicht erstmal… morgen geht es zu Eckaaat und seine Frau Uta…

Bier im Halleschen Brauhaus... skøl
...insgesamt ein toller Tag mit super Wetter in Halle...

Tag 3 : Naumburg

Für zwei Tage war Halle prima zu erkunden… vielleicht hätte ich auch für einen dritten Tag irgendwas zum besichtigen gefunden… aber ich dachte mir… wenn ich schon mal in der Gegend bin, besichtige ich auch die mittelalterlichen Kathedralen in Naumburg und Merseburg.
Ab zum Bahnhof und mit den Regio Richtung Jena nach Naumburg… vorbei an der Heimat der Plaste und Elaste aus Schkopau und durch die riesige Industriewüste der Leunawerke… irgendwie bin ich immer wieder froh, wenn ich solche Landschaften wieder verlassen habe… irgendwie gruselig… immerhin stinkt es nicht mehr wie zu DDR Zeiten, da wurde mir nämlich immer schlecht. Nach gut einer halben Stunde hielt der Zug in Naumburg und ich lief ein ganzes Stück auf recht trister Straße Richtung Innenstadt. Ich hatte für 14:00 Uhr eine Führung im Dom gebucht und hatte vorher Zeit die Stadt etwas zu erkunden.

Markt mit Stadtkirche St.Wenzel
Hildebrandt-Orgel in der Stadtkirche

Naumburg hat etwa 30.000 Einwohner und die Hauptattraktion ist natürlich der Dom, aber auch die kleine Altstadt mit Bürgerhäusern überwiegend aus der Zeit der Renaissance und ein ziemlich großer Marktplatz ist sehenswert. Leider gibt es auffällig viel Leerstand besonders in den eher abgelegenen Teilen der Fußgängerzonen. Eigentlich hatte ich hier auch eine Turmbesichtigung geplant, aber das war zu umständlich… ich hätte erst in ein Museum gemusst und Zeitfenster und was weiß ich noch… das hätte zu lange gedauert bis 14:00 Uhr… außerdem war das Wetter heute nicht so schön sondern eher ungemütlich… es ist halt Herbst. Der Turm den ich besteigen wollte ist der Turm der Stadtkirche St.Wenzel am Marktplatz. Der Turm wird übrigens seit Jahrhunderten von der Stadt verwaltet, er hatte noch bis in die 1980er Jahre eine Türmerin. Die Kirche selbst konnte ich besichtigen. Es ist ein seltsamer Bau mit ungewöhnlichen Maßen und Grundrissen. Die Ausstattung stammt überwiegend aus der Zeit des Barock. Überregional bekannt ist die Hildebrandt-Orgel, welche vom berühmten Orgelbaumeister Georg Silbermann (das war der Lehrer vom Hildebrandt) und Johann Sebastian Bach höchstselbst abgenommen und bespielt wurde. Nach ein paar Streifzügen durch die Altstadt und einer Suppe in einer Fleischerei für 3,70€ schlenderte ich langsam Richtung Dom.

nette Details in der Altstadt
Das Renaissance Rathaus

…Der Naumburger Dom ist eine der bekanntesten Sakralbauten Deutschlands und ein Ort den ich schon immer mal besuchen wollte. Seine Geschichte kürze ich mal in der gewohnten unkonventionellen Art und Weise folgendermaßen ab : Ekkehard I., der mächtige Markgraf der Gegend gründete um 1000 eine Burg in der Nähe vom heutigen Dom (Neweburg, Nuwenburg… der Name Naumburg war das Ende der stillen Post…), seine Söhne Ekkehard II. und Hermann bauen eine kleine Kirche und 1028 wird das Bistum Zeitz einfach mal nach Naumburg verlegt weil Ekkehart und sein Bruder das wollten und konnten… mit päpstlicher Genehmigung… bald wurde ein erster Dom gebaut, an der gleichen Stelle… nur viel kleiner als der heutige. Etwa 200 Jahre später war die Kathedrale im nationalen (…ok, was war damals schon national… aber ich sehe es mal bezogen auf das heutige Deutschland) als auch internationalen Kathedralenstandard nicht mehr standesgemäß, also wurde ein neuer Dom um den alten drum herum gebaut… viel größer freilich… bei Baubeginn sprechen wir noch von Spätromanik, weiter fortgeschritten bereits von der Gotik… das kann man tatsächlich von Joch zu Joch im Kirchenschiff nachvollziehen.

Dom - Ostchor von außen
Westchor von innen

Der Naumburger Dom hat zwei Chöre… im Westen und Osten… die Mitte was man sonst als Langhaus bezeichnet war fürs Fußvolk, die Enden für die … nennen wir es mal Theologen… Das Besondere dabei ist das beide Lettner (Schranken, Trennwände) noch heute stehen… das hat der Dom exklusiv… gen Osten eine einfache Wand mit zwei kleinen unauffälligen Türen und Kruzifix oben drauf, der Westlettner absolute Weltklasse an Bildhauerarbeit den der Naumburger Meister (…jeder Historiker wüsste gerne mehr über ihm… ein Name z.B.) Jener Naumburger Meister muß auch als Architekt gewirkt haben, denn die weltberühmten Stifterstatuen im Westchor stammen auch von ihm und die können nicht einfach geklaut werden, denn sie sind Bestandteil der Gewölbestreben… quasi Teil der Statik… nicht schlecht… wenn man bedenkt das sie bereits seit Mitte des 13.Jh dort stehen… Ekkehard II. und seine Frau Uta… die Stars der Kirche, der Stadt und Uta warscheinlich das Topmodell des gesamten Mittelalters… nun ja… wie die wirklich aussahen… konnten auch die Künstler nicht wissen, denn die Personen waren zur Zeit der Erschaffung bereits über 200 Jahre tot… egal, aber es sind wirklich Meisterwerke, wenn man sie sieht, denkt man man könnte diese Personen irgendwo her kennen… vielleicht aus einer Mittelalter Spielgruppe. 1532 wurde der Dom Opfer einer Brandstiftung… die Beseitigung der Schäden zog sich bis ins 19. Jahrhundert… viele Einrichtungsstücke wurden unwiderruflich vernichtet. …Reformation… 1542 wurde Naumburg protestantisch und Nikolaus von Amsdorf wurde erster evangelischer Bischof… in Naumburg und… weltweit (!)… Kurze Zeit war dann die Erfolgsstory des Domes vorbei, das Bistum wurde aufgelöst und der Dom war Kirche der Domgemeinde… Seit 2018 ist der Dom zu Naumburg Unesco Weltkulturerbe. Heute ist der Dom im Besitz einer öffentlich rechtlichen Stiftung.

Meisterwerke aus Kalkstein am Westlettner
Stifterfiguren v.l.: Hermann, Reglindis, Ekkehart und Uta

Die Führung war gut… aber ich hätte gerne noch mehr erfahren… aber dann reichen einfach nicht ein oder zwei Stunden um ein Bauwerk mit solcher Bedeutung und Vergangenheit zu erkunden…
Danach ging es zurück nach Halle… Pause und ab in die Gastronomie… ich hatte mir ja viele Orte notiert, aber da bleiben deutlich mehr Baustellen als bei den letzten besuchten Städten… sprich: wenn ich auch geschrieben habe das Halle für zwei Tage ok ist… meinte ich nicht die Abende bzw. Nächte damit… davon könnte ich nämlich noch ein paar bestücken… heute wählte ich für die feste Nahrung „Die Schnitzelwirtin“ gleich um die Ecke… super, relativ neues, geschmackvoll ausgestattetes Restaurant mit guter Organisation, nettem Personal und einem schweinegeilen Schnitzel Zigeuner Art… Danach musste noch Guinness… Anny Kilkenny Irish Pub hieß die erwählte Lokalität… 2G (für die Nachwelt : Genesen oder/und Geimpft)… ich kam rein und der Kellner erzählte mir was vom Doppeldecker-Donnerstag… also bestell ein Guinness und du bekommst zwei… ich dachte kurz ich bin tot und im Paradies… war aber nur die erste Runde (alles andere wäre ja auch wirtschaftlich ziemlicher Quatsch) … der Laden ist Teil der Kette die ich letztes Jahr schon in Erfurt kennenlernen durfte… ist bisschen wie MotelOne… man weiß was man kriegt… Überraschungen aber eher selten… ich fand’s gut. Morgen ist zwar Abreisetag aber diesmal habe ich mir was einfallen lassen, das der Rückreisetag auch noch was kann…

Dom von Westen

Tag 4 : Merseburg

Bereits für 11 Uhr hatte ich vor einiger Zeit eine Führung im Merseburger Dom gebucht und außerdem für 14 Uhr eine Turmführung am gleichen Ort. Das bedeutete heute etwas schneller in die Puschen zu kommen… Frühstück, Sachen packen, Auschecken, zum Bahnhof latschen, Tasche ins Schließfach, Fahrkarte ziehen und ab mit den Zug nach Merseburg… Fahrzeit : 9 Minuten.

Der Tausendjährige Dom zu Merseburg
Aus der romanischen Basilika wurde eine spätgotische Hallenkirche

Vom dortigen Bahnhof läuft man nochmal etwa 10 Minuten und dann ist man da… beim 1000jährigen Dom… am 01.10.1021 wurde er (bzw. sein Vorgängerbau) geweiht, Kaiser Heinrich II und seine Frau Kunigunde waren anwesend. Es war eine romanische Basilika mit vier Türmen… viel ist davon heute nicht mehr zu sehen, der heutige Bau stammt größtenteils aus der Zeit von 1510 und 1517 im Stil der Spätgotik. Der Dom steht nicht alleine in der Landschaft sondern ist quasi der vierte Seitenflügel des Schloss Merseburg, ein großer Bau im Stil der Renaissance der als Fürsten(Bischof)sitz gebaut wurde. Zur anderen Seite hat der Dom einen Kreuzgang mit Kapitelhaus… wegen des Jubiläums konnte man eine Ausstellung besichtigen, in der es viel um die berühmten Merseburger Zaubersprüche geht… deren Bedeutung sich mir persönlich nicht ganz erschließt.

Der Dom ist quasi der vierte Flügel vom Schloss... das ist heute Kreisverwaltung.

Von der Saale aus ist die Anlage nur 20 Meter entfernt auf einem Felsen gebaut… was von unten beeindruckend aussieht… aber die Türme selbst sind glaub ich keine 50 Meter hoch… Zwischen der Führung und der Turmführung hatte ich Zeit ein wenig die 33.000 Seelenstadt zu erkunden, war davon aber etwas enttäuscht, die Stadt war Ziel vieler Luftangriffe im zweiten Weltkrieg, schließlich war auch damals schon reichlich Industrie in der Gegend, die man ja treffen wollte. Neben einem Rathaus im Renaissancestil und ein paar alten Häusern ist die Altstadt deutlich von Nachkriegsbauten geprägt. Ein kleiner Spaziergang an der Saale unterhalb des Schloss-und Domberges brachte auch ein schönes Fotomotiv… es ist ganz am Ende des Berichtes zu sehen. Kurz vor 14 Uhr ging es dann zurück zum Dom, ich hatte ja eine Turmführung gebucht… von der war man vor Ort allerdings überrascht… wegen Bauarbeiten (eine neue Glocke wird eingebaut) finden diese Führungen gerade nicht statt… da ich aber nicht der einzige war der das im Voraus gebucht hatte, ging die Domführerin dann exklusiv mit zwei Mann auf den Turm, mit Spaziergang auf den Gewölben und an den Glocken vorbei. Leider war das Wetter auf dem Turm gerade recht stürmisch, so das die Sache nach ein paar Minuten wieder abwärts ging… gelohnt hat sich das eher so mittel… hatte ich doch die Heimreise nach dem Termin geplant… und so bestand der Rest des Tages in einiger Zeit des Wartens auf Bahnhöfen und dann schließlich die Rückfahrt. 19:30 hatte mich der Gesundbrunnen zurück.

...über den Dächern der Stadt...
...und der Domresidenz

Es war eine schöne Reise, ich hatte nicht viel von Halle erwartet und habe viel von der Stadt bekommen. Speziell das Flair der Studentenstadt hat mir gefallen, besonders die Gastronomie hat noch viel mehr zu bieten als ich es in der kurzen Zeit erkunden konnte. Ich würde Halle mal als Geheimtipp bezeichnen… mit dem großen Vorteil, das die Stadt nicht zu überlaufen ist. Das Hotel Schweizer Hof war prima, die Landlords sehr nett und das ganze auch recht preiswert wenn man bedenkt das es eine prima Lage hat. Wer also gerne mal ein Wochenende außerhalb von Berlin erleben will aber nicht so weit weg… fahrt doch mal nach Halle… für 30 € mit dem ICE, etwa 90 Minuten Fahrt in eine schöne Stadt, die Spaß macht wenn man sie entdecken will…

Schloss und Dom in Merseburg von der Saale aus gesehen... ein wirklich schönes Motiv...

McLarsen in Lübeck (September 2021)

14.09.2021… alle Jahre wieder kommt von diesem Blog im September ein Reisebericht… meistens aus Schottland. Seit die Corona Pandemie die Weltherrschaft übernommen hat ist halt alles ein wenig anders. Sicher wäre eine Reise nach Schottland möglich gewesen, aber es würde sich irgendwie falsch anfühlen. Bereits im vergangenen Jahr bin ich auf Reiseziele ausgewichen die leichter beherrschbar sind… nämlich sehenswerte Städte in Deutschland die ich noch nicht kenne. Bamberg und Erfurt waren die ersten Ziele, fast ein Jahr später geht es nunmehr in den Norden der Republik in die Hansestadt Lübeck. Mein Fokus liegt wie immer auf den Bereichen Geschichte, Architektur und Gastronomie… Fotografie nicht zu vergessen.
Meine Erwartung im Voraus (?) : eine gut erhaltene Altstadt, Unesco Welterbe, riesige Backsteinkirchen und schöne kleine Details in den Gassen der mittelalterlichen Altstadt. Das Wetter scheint nur am Anreisetag mitzuspielen… aber schauen wir mal…