Köpenick vs. Malzfabrik… die Berliner Herbst Whiskymessen im Wandel der Zeit

 

 20 Jahre Whisky Herbst… nicht schlecht… wenn man mal zurückdenkt wie die Whiskywelt damals aussah… nur vereinzelte Verrückte gab es damals, die den schottischen Schnaps wie ein Kultgetränk zelebrierten. Das Geld hieß noch D-Mark und eine Flasche Port Ellen kostete 150 Mark … man kaufte seinen Stoff bei Big Market, bei Wein & Whisky in Schöneberg, bei Kierzek in Lichtenberg oder in der Wein-Oase Köpenick. Die Betreiber der drei letztgenannten Geschäfte wagten dann vor 20 Jahren den Schritt in die Welt der Whiskymessen. In Deutschland gab es seinerzeit nur die Interwhisky in Frankfurt… viele Leute konnten sich gar nicht vorstellen, das es überhaupt so großes Interesse für eine schottische Spirituose geben kann, das man daraus eine Messe veranstalten kann… …nun ja… und heute ist September 2019… es gibt zig Whiskygruppen und Whiskyklubs in den sozialen Medien oder Whiskyforen… eine Flasche Port Ellen kostet mindestens 1000 Euro, es gibt unzählige Onlineshops zum Thema Whisky… und etwa 50 Whiskymessen in Deutschland (keine Garantie auf Vollständigkeit)… davon alleine 4 Messen in Berlin…. und davon wiederum zwei gleichzeitig… Wie kam es dazu (?)… nun ja, das Thema Whisky wuchs und wuchs, 2013 war Whisky-Boomtime… alle Welt wollte Single Malt und der Berliner Whiskymesse wurde das Gelände in der Köpenicker Freiheit zu eng. Eine neue Location wurde in der Malzfabrik in Tempelhof gefunden, schließlich gibt es ja auch eine Verbindung zwischen Malz und Malzwhisky… …nur mit was nicht gerechnet wurde, war die Idee der Betreiber der Freiheit Köpenick, in Eigenregie die Veranstaltung einfach fortzusetzen… als Whiskyfest statt Whiskyherbst … ich denke das viele damals gar nicht bemerkt haben, das es nunmehr 2 Messen gibt. Viele dachten auch, das diese Situation eine kurze Episode bleiben wird, denn eigentlich hat es ja auch etwas skurriles… eine Stadt mit 3,5 Mio Einwohnern und zwei Whiskymessen an einem Datum… Nun ja mittlerweile fanden die Messen zum siebten Male gleichzeitig statt und man hat sich irgendwie daran gewöhnt, schließlich kann man ja am Freitag hierhin und Samstag dorthin… Für die Betreiber war es keine Option in das Frühjahr zu wechseln… die Erfinder des Whiskyherbstes natürlich nicht… schließlich ist der Whiskyherbst das Original und Herbst ist nun mal im Herbst … und für die Alt-Köpenicker Erlebnisgastronomie & Veranstaltungs GmbH… so heißt der Veranstalter in Köpenick, gab es auch keinen Grund etwas zu ändern, denn die Besucher kamen genau so wie zu Zeiten, als es nur eine Messe gab. Die inzwischen neu dazugekommenen Messen Spreeside Whisky und Finest Whisky Deluxe im Frühjahr füllen beide andere Nischen der Whiskyszene und haben auf die großen Herbstmessen keinen Einfluss. Zum 20. Whiskyherbst deuteten sich dieses Jahr einige Veränderungen an. Uwe Wagmüller, Betreiber von Finest Whisky und der Bar Union Jack wurde Teil des Teams Whiskyherbst… im Fußball würde man sagen das war ein Königstransfer, schließlich verfügt Uwe über sehr viele andere, neue Verbindungen sowohl bei Handel und Industrie, als auch in der Gemeinschaft der Whiskykonsumenten… man konnte also gespannt sein… Als Mitbetreiber der Spreeside Whiskymesse war es für mich auch in diesem Jahr wichtig, beiden Messen einen Besuch abzustatten und neben der Pflege der Kontakte auch die Stimmung der Veranstaltungen einzufangen. Am kürzeren der beiden Tage dem Freitag war dafür Köpenick vorgesehen. …5 Minuten Fußweg bis zum Bhf. Gesundbrunnen… 46 min Fahrzeit bis Rathaus Köpenick, 5 min Fußweg bis zur Freiheit 15… macht also knapp eine Stunde Reisezeit, was gar nicht mal schlecht ist… ist doch Köpenick gefühlt schon eher bei als in Berlin. Eintritt kostete 13 Euro… genau wie im Vorjahr wenn ich mich recht entsinne. Etwas komisch war gleich von Beginn an, das der große Stand von Finest Whisky und Sansibar mittlerweile in der Malzfabrik steht. Stattdessen residiert jetzt Diageo an dieser Stelle. Einige Aussteller teilen sich für das Wochenende auf um auf beiden Veranstaltungen präsent zu sein, so z.B. Anam na h-Alba, Jens Fahr’s Altstadtkneipe, Pinkernells Whisky Market, Glina und Whisky Warehouse No.8. Einige Aussteller die nur in Köpenick sind, sind den weiten Weg nach Köpenick auf jedem Fall wert, zum Beispiel der Whiskydruid Michel Reick mit seinen Abfüllungen Best Dram oder Scotch Universe …, er war am Vorabend noch mit seinen Neuigkeiten bei uns im Offside zum Tasting… mit im Gepäck war auch der erste unabhängig abgefüllte St. Killian aus einem Amaronefass. Mein sehr geschätzter Kollege Robin Pitz von der Villa Konthor in Limburg erfreute mich mit einem leckeren älteren Ardmore von Daily Dram… Bei Klaus Pinkernell gab es einen bemerkenswerten Benriach vom Abfüller Claxton… lecker Kirsch-Streuselkuchen… Bei Cadenhead konnte ich den 24jährigen Springbank probieren, für den die doch glatt 500 € pro Flasche haben wollen… naja… sehr lecker… aber 500 ? …nö. 

 

Wie jedes Jahr ist Livemusik auch ein wichtiger Teil der Veranstaltung. Die Band Clover spielt glaub ich schon seit 15 Jahren die immer gleichen irischen Herz- Schmerz-und Sauflieder… und haben da ja auch ihre Fans. Hier und da sah man besonders jüngeren Besuchern im Laufe des Abends auch eine erhöhte Heiterkeit an… ja… es ist schon ein wenig Partystimmung aber (noch ?) nicht die befürchtete Ballermannisierung der Veranstaltung. Schön ist und bleibt die Stimmung am Ufer… besonders wenn die Sonne untergeht. Hier wurden dieses Jahr noch ein paar Stehtische installiert, was mir recht positiv auffiel, schließlich ist es fast unmöglich, einen Sitzplatz zu ergattern. Beim Catering gab es auch Neuheiten, in den vergangenen Jahren gab es viele Kleinigkeiten für den schnellen Hunger, diesmal stand da ganz groß was von einem speziellen Burger für 9 €. Ich weiß nicht ob die Schlange stets recht lang war weil es so hervorragend geschmeckt hat, oder weil die Zubereitung so lange gedauert hat… für mich war es keine Option. Über die Besucherzahlen kann ich nicht viel sagen… es war weder voll noch leer… da ich in den vergangenen Jahren immer Samstag in Köpenick war, fehlt mir der Vergleich. 

 

Als Fazit kann man sagen das sich das Köpenicker Whiskyfest treu geblieben ist… nach dem Motto never change a running system macht man alles wie immer, wenn Aussteller abspringen, kommen einfach neue… Die richtigen Whiskynerds blieben größtenteils fern… die Raritäten früherer Aussteller fehlen dann doch… aber Maltheads sind ja auch nur eine Minderheit. Für Neulinge im Bereich Whisky gab es reichlich zu probieren… Diageo und Mackmyra waren da sehr beliebt. Für mich selber war es ein schöner Abend, weniger wegen dem Whisky, als von der tollen Location direkt am Wasser. 

 

Am Samstag war dann der Whiskyherbst in der Malzfabrik angesagt. 5 Minuten zu Bahnhof, 20 min S-Bahnfahrt zum Bhf. Südkreuz, gut 15 min Fußweg zur Malzfabrik… macht etwa 10 Minuten schneller als nach Köpenick… nicht optimal, aber auch nicht zu ändern, es gibt noch die Möglichkeit mit einem Bus, aber damit ist man auch nicht schneller. Für die Malzfabrik hatte ich ein bisschen mehr Zeit und das war auch gut so. Die Aussteller berichteten von einem guten Freitag (fast alle zumindest…) und einem enormen Ansturm auf die Messeabfüllungen, die am Samstag natürlich längst Geschichte waren. Meine flüssigen Highlights waren ein älterer Tomatin von Sansibar, ein schön aschiger Port Charlotte vom Whisky Warehouse No.8, ein Fettercairn von Anam na h-Alba, ein uralter Tomintoul bei Jack Wiebers und ein ebenfalls sündhaft teuerer Springbank von Claxton beim Pinkernell’s Stand. Das Catering war auch komplett neu… neben einem Stand mit kleinen und mittelgroßen Gerichten gab es auch den alten Lieferwagen mit Pannek seine Budike… Eisbeinbrötchen und Whisky-Burger… Berlin meets Scotland… dann gab es noch einen mobilen Kaffeestand und einen alten Citroen Transporter mit Bulmers Cider an Bord… Dank des schönen Wetters ebenfalls eine gute Idee… Zum Chillen und Genießen gab es im hinteren Teil an der Wiese reichlich Gelegenheit, es standen genügend Liegestühle bereit. Im Hauptteil der Messe gab es deutlich mehr Stehtische als früher, ein Aussteller für Whiskyfässer stellte zusätzliche Sitzmöbel bereit. Ich gebe zu… mir fällt absolut nichts ein, was ich vermisst hätte oder was nicht optimal gelaufen war… na gut… die ewig nervige Dudelsackcombo… aber es soll ja auch Leute geben, die da Spaß dran haben… Die große Bühne für die sonst immer auch hier vor sich hin dudelnden Larkins, Clovers oder wer auch immer… wurde übrigens wegrationalisiert… nur ein einsamer Solomusiker sang inmitten des Treibens von der Molly Malone und den ganzen anderen irischen Gestalten… bis die Dudelsäcke wieder dazwischen grätschten… ich wäre gerne noch ein wenig länger da geblieben, aber irgendwann ist es dann eben wieder vorbei. 

 

Das Fazit ist damit eigentlich schon fast gesagt, der Whiskyherbst ist komplett in der (mittlerweile nicht mehr richtig neuen) Location angekommen, hat sorgfältig neu sortiert und sich dabei mit den Überläufern aus Köpenick sinnvoll verstärkt. Ich weiß das es noch immer Leute gibt, die diese und welche Leute die mit der Messe zu tun haben nicht leiden können und deshalb nicht kommen… diese Leute ermutige ich hiermit, mal über den Schatten zu springen… sie verpassen auf jeden Fall etwas… aber andererseits bleibt dann ja mehr für unsereins… Nächstes Jahr… ganz klar… geht es weiter mit den Berliner Messen im Herbst… und wir dürfen gespannt sein, was sich bis dahin noch in der Berliner Whiskywelt ändert… oder auch nicht…