Monat: Juni 2022

Islay 2012 – McLarsens erster Reisebericht (10th Anniversary Remaster)

Vorwort

Hier lest ihr meinen ersten Reisebericht aus dem Jahr 2012. Es war meine dritte Schottlandreise und die erste die ich alleine machte. So etwas wie ein Reiseblog oder ähnliches mag es damals (vor 10 Jahren mittlerweile) zwar schon gegeben haben, in meiner kleinen Welt jedoch noch nicht. Das ich meine Eindrücke trotzdem aufgeschrieben habe, lag am Interesse mancher Whiskyenthusiasten aus dem Cutty Sark Whiskyforum. Dort las ich seinerzeit gern die Schottlandberichte von anderen und wollte die Gelegenheit nutzen auch einen Beitrag dazu zu leisten. Der Bericht erfreute sich hoher Beliebtheit und somit sollte es der Anfang einer beliebten Serie von Berichten aus Schottland sein. Anlässlich der Tatsache das dieser Bericht nun 10 Jahre alt wird, habe ich ihn etwas aufgehübscht und nochmal veröffentlicht… viel Spaß dabei…

Empfang mit Regenbogen : Glasgow Airport

ANREISE : Teil eins meiner Reiseberichte startet zuhause, im Offside, ca. 13.30 Uhr, da es mein Verein Hertha BSC letzte Saison nicht geschafft hatte, in der ersten Fußballiga zu bleiben, sind dieses Jahr halt Termine wie der heutige an der Tagesordnung : 13.30 Uhr : Hertha gegen Aalen…soll wohl irgendwo im schwäbischen liegen…, nun ja, genug geärgert, den Halbzeitstand von 0:0 mit auf die Reise genommen, und los ging es, ab zum S-Bhf Bornholmer Straße, eine Stunde gefahren, mittlerweile den Endstand von 2:0 wohlwollend zur Kenntnis genommen… und schon ist man mitten auf dem alten Schönefelder Flugzeugplatz, daneben wird ja fleißig rumgebaut, angeblich soll der neue Flughafen ja noch in den nächsten Jahrzehnten vollendet werden. Flugzeuch hoch Fluchzeuch runter… Nix besonderes passiert, gute Musik via iPhone im Ohr, (besonders hervorzuheben Stars (die heißen wirklich so einfach) mit dem Album „The North“), und schon ist man in Glasgow. Letztes Jahr wurde ich hier, zusammen mit Jörg mit einem amtlichen Regenguss begrüßt, wie es sich für eine Stadt geziemt, die sich inoffiziell „Raintown“nennt. Heute konnte ich vom Flugzeug gerade noch so einen Regenbogen fotografieren, ansonsten ist hier das gleiche schöne Wetter, wie in Berlin, bzw. wie immer, wenn ich Schottland bereise…(dreimalaufholzklopf…). So, Hotel hatte ich wie immer in der Renfrew Street gebucht, da man von da aus einerseits gut zum Busbahnhof kommt, anderseits in die Gegend guter Bars abseits des Citymainstreams…. (was ’n Unwort…)… Vor vielen Wochen recherchierte ich dann mal zwecks Whiskybars in dieser Gegend, in den letzten Jahren war ich nie zufrieden mit den großen Namen wie z.B. das „Pot Still“, da bin ich als Betreiber einer eigenen Whiskybar dann doch vielleicht kritischer als andere… Nun gut, die Wahl fiel auf eine Bar namens „Bon Accord“, etwa 10 Fußminuten von hier, direkt an Schottlands meistbefahrener Autobahn, der M8 gelegen (die dort allerdings eine Etage tiefer fährt…)

Im Bon Accord

Ich kam in die Bar, bestellte mir ein local beer, fragte nach fester Nahrung und wurde erstmal enttäuscht… keine Küche mehr… Im Laden waren etwa 6 schottische Ureinwohner um die 60 und älter, so das ich einen Moment lang Plan B (Ben Nevis Pub 10 min weiter) in meinem Kopf durchexerzierte. Dann kamen zwei Herren ins Lokal, die ich schnell als Landsleute identifizieren konnte. Wir kamen relativ schnell ins Gespräch, wenn man Deutsche in Schottland trifft, sind es ähmmm, zumindest recht häufig Leute mit Whiskymigrationshintergrund..(sicher das Whiskyunwort des Jahres, vielleicht sollte ich es mir vorsichtshalber patentieren lassen…).. Björn und Ralf aus Essen waren beruflich hier und, natürlich im Whiskybusiness…, wir hatten eine gute Unterhaltung. Zwischendurch war ich mal nebenan beim Inder was essen, was übrigens ganz vorzüglich war, dann kamen zwei Herren in den Laden, den meine Gesprächspartner kannten… Ich wurde schnell aufgeklärt : der eine ist Angus von einer Whiskyauktionsfirma deren Namen ich jetzt nicht im Kopf habe, der andere ist Carsten Ehrlich, der Macher der Whiskyfair Limburg und der Whiskylabels Whisky Agency und Liquid Library etc…, für alle, die hier nicht so viel über Whisky Bescheid wissen…Leute, die man nicht einfach so mal trifft…und schon gleich gar nicht in einer (mir noch) unbekannten Bar an der M8 in Glasgow… Wir hatten ein paar Bier und zwei-drei Whiskys, einige Fachgespräche, dann ging es aber ab ins Bett, schließlich klingelt um 7.30 der Wecker…

Impressionen aus dem Busfenster - Landschaft bei Arrochar
Am Pier von Inveraray
Auf der Fähre Kennacraig - Islay

…so geschehen heute morgen, mittlerweile ist es Montag und ich befinde mich in Kennacraig auf der Fähre nach Islay, welche just in diesem Moment ablegt. Immer wieder ein Erlebnis: die Fahrt von Glasgow bis hierher. Solche beeindruckenden Landschaften bekommt man in Europa höchstens noch in Norwegen geboten. Luftlinie ist es ja gar nicht so weit, aber die zerklüftete Westküste mit ihren hunderten Seen und Bergen, die einfach mal so von null auf achthundert in die Höhe wachsen, machen die Fahrt zur Zickzacktour. Beeindruckend ist auch, mit welcher Geschwindigkeit die schottischen Busfahrer diese Strecken langbrettern, aber die machen das ja öfters, ich wäre warscheinlich mit Tempo 30 da langgekrochen… Sehr schön anzusehen sind auf der Strecke, welche am westlichen Stadtrand Glasgows auch die Auchentoshan Distillery streift, der ewig lange Loch Lomond, der ja Gegenstand einer der bekanntesten Songs der schottischen Nationalschlagerhelden Runrig ist. (ok, das mit dem Schlager nehm ich zurück, ist aber nicht sooo weit entfernt…), der kleine Hafen von Inveraray, wo der Bus 15 Minuten Pause macht, genau wie die kleinen Straßen des kleinen Ortes, ein kurzer Abstecher in den dortigen Whiskyshop, aber die Zeit ist zu kurz zum stöbern, den Bus verpassen wäre ja schon grober Unfug… Das Wetter ist so, wie man es an der Westküste gewöhnt ist, Sonnenschein und Regen im wechselnden 10 Minuten Rhythmus…

In Bowmore angekommen...

…mittlerweile in Bowmore angekommen. Das Quartier bei Rena Omand in der Jamieson Street bezogen, ich habe 4 Betten, quasi ein Doppelbett und zwei einzelne zur Verfügung.. Platz ist also.. So, dann ein kurzer Überblick über die Hauptstadt der Insel Islay… 20 min… Dann mal kurz zur Bowmore Distillery ins Visitor Center, nur um mal zu schauen, was es da so schönes gibt…, Bowmore selbst steht ja erst nächsten Dienstag auf der Tagesliste… dann Hunger, Restaurant… Lochside Hotel… Naja, ich geb den noch ne zweite Chance, aber heute war nicht so der Tag Lochside vs. Mclarsen…
Viel besser dann später im Bowmore Hotel, die Bar, die auch die Einheimischen nutzen, ich hatte viel Spaß, gute Whiskys, und jetzt aber den Kanal voll für heute. Morgen steht Lagavulin an, ich bin hier schließlich nicht zum Vergnügen, wir hören bzw. Lesen morgen weiter, wenn ihr wünscht…. Good.night..

Lagavulin Distillery vom Dunyvaig Castle

LAGAVULIN: Tag 2 wachte ich gegen 7 von Geräuschen auf, die mich daran erinnerten wie es klingt, wenn man mit dem Auto durch eine Pfütze fährt. Es gallerte wie aus einem Guß an Fenster und Dachschräge, 5 Minuten später zeigte sich dann aber schon wieder die Sonne. Es folgte die erste Unregelmäßigkeit auf meiner Reise, bei der bis hierher alles wie am Schnürchen geklappt hatte. Der Busfahrplan, der an der Bushaltestelle hängt, deckt sich nicht mit dem in meinem Kalender, statt 9.45 Uhr kam der Bus Richtung Ardbeg erst 10.20, die gebuchte Warehouse demonstration bei Lagavulin beginnt aber 10.30, naja, dachte ich, dann komme ich eben zu spät, die Schotten haben es eh nicht so mit Pünktlichkeit. Verpasst hab ich schließlich nicht viel, außer, das eben genau ein Stuhl gefehlt hat, so das ich stehen mußte, was mich nicht störte. Eine derart volle Demonstration habe ich noch nicht erlebt, es waren ca. 50 Leute da, mindestens die Hälfte davon ein Seniorenwhiskyclub aus Dänemark. Vortragender war die lebende Lagavulin Legende Ian MacArthur, auch Pinky genannt, über 40 Jahre im Geschäft und nie um einen Scherz oder Schabernack verlegen.

...mit dem Valinch aus dem Fass... Ian MacArthur bei der Arbeit...

Es gab direkt aus dem Faß : ein New Make (das ist das Zeug, wie es aus der Brennblase kommt, nicht gereift und völlig klar, darf sich auch nicht Whisky nennen, das nämlich erst nach 3 Jahren Fassreifung), das war harter Tobak am frühen Morgen… warscheinlich gut geeignet zum Fensterputzen. Danach kam ein 8jähriger aus dem Sherryfaß, ein 12jähriger aus dem Bourbonfaß, ein 14jähriger aus dem Sherryfaß und zur Krönung ein 30jähriger Bourbonfassgereifter, der natürlich erwartungsgemäß das Highlight war. Da alle Gläser immer sehr gut befüllt wurden, war man dann gegen Mittag schon ein wenig „heifitelititi“ wie meine Mutter sagen würde. Produziert wird bei Lagavulin übrigens derzeit nicht, deshalb gab es auch keine Führungen. Die Brennblasen sind eingerüstet und es werden die Kondensatoren ausgetauscht. Danach ging ich fotografieren was das Zeug hielt, nicht aber, ohne mir noch mal im Visitor Center versichern zu lassen, das danach auch noch eine Flasche Lagavulin Jazzfestival Abfüllung für mich da ist. Gegenüber der Distillery befindet sich, halb im Meer schon, eine Burgruine, oder sagen wir mal, die Reste der Ruine. Unter Einsatz meines Lebens kletterte ich auf die nassen, glitschigen Felsen und wurde mit einem Top Ausblick und tollen Fotos belohnt.

Dunyvaig Castle von Lagavulin aus gesehen
...lange her das hier mal die gute Stube war...

Dann ging ich zurück ins Visitor Center, kaufte die Flasche, wartete einen Regenguß ab und ging dann zu Fuß Richtung Port Ellen, an Laphroaig vorbei, wurde unterwegs böse mit Wasser begossen, aber der stürmische Wind trocknete die Sachen relativ schnell. In Port Ellen machte ich noch ein paar Fotos von der Mälzerei, auf dem Gelände befand sich früher die Port Ellen Distillery, die 1983 geschlossen wurde. Als einzige Lokalität mit fester Nahrung (um diese Zeit), erwies sich das Cybercafe als Glücksgriff. Gutes Essen für ein schmales Geld von einer sozialen Einrichtung für die Dorfjugend, sehr zu empfehlen.

Lagavulin Distillery vom Bootssteg
...das Wetter wirkte gelegentlich bedrohlich...
...auf nach Port Ellen... Bye Lagavulin
Port Ellen : Reste der Brennerei, Strand und Maltings

Nach den ganzen Outdoortätigkeiten taten anschliessend 2 Stunden rumgammeln, Emails gucken etc. ganz gut… dann pünktlich zur Champions League ins Bowmore Hotel auf der anderen Straßenseite. Im Pub war heute überhaupt nix los, Gottseidank war zumindest die zweite Halbzeit von Real – M.City recht ansprechend, sonst wäre mir ja beinahe langweilig geworden. Apropos Pub, mir ist heute aufgefallen, das das Waschbecken der Herrentoilette im Bereich des Sitzklos ist…, also hinter dessen Tür… der Trockner ist aber schon wieder wo anders, etwa 6 m entfernt…(nein, ich hab nicht zu viel Bier gehabt…)
So, das wars für heute, morgen liegt die große Ardbeg Tour mit Wasserquelle, Lunch und allem pipapo an, da gibt es später sicher viel zu berichten…..

...eigenwillige Anordnung der sanitären Anlage...
Empfangskommitee bei Ardbeg

ARDBEG… ist die erste Distillery, die ich zum zweiten mal gesehen habe, das nicht weil sie meine Lieblingsbrennerei ist, aber es hat sich vor zwei Jahren so ergeben, das ich dort schonmal war. In der Planungsphase dieser Reise beschloß ich, wenn möglich immer die Touren zu buchen, die das meiste zu bieten haben, wo man auch etwas mehr sehen kann, als der gemeine Durchgangstouri. Die besondere Tour bei Ardbeg nennt sich „walk to the water source“‚ dauert 4 Stunden, kostet 35 pounds und führt zu einer der beiden Quellen, aus denen das Wasser für den Ardbeg Whisky stammt.

Slainte
Unser Tourguide Dougie

Einen Fehler machte ich gleich zum Anfang. Es wurden Gummistiefel angeboten, aber da ich momentan ziemlich viel Rücken habe und Schuhe oder Socken anziehen ziemlich anstrengend finde, dachte ich mir, geht schon so und ließ meine Docs an. Bereits nach einigen hundert Metern bemerkte ich meinen Irrtum, es regnete ab und zu und die Wege wurden immer schlammiger, es war schon ein Geschicklichkeitsspiel, den Weg immer 2 Meter im Voraus abzuscannen und dann nach links, rechts oder in die Mitte zu springen, um es vorweg zu nehmen, am Ende sah ich aus wie eine Sau, aber egal. Unterwegs gab es den einen oder anderen Ardbeg Dram, beginnend mit dem „Very Young“, dann ein letzter Rest vom „Kildalton“, das ist eine 24jährige Abfüllung von 1980, gefolgt vom ungetorften „Blasda“, einem Sample eines Fasses von 1995, welches wohl anlässlich der Feierlichkeiten zum 200 Jubiläum 2015 abgefüllt werden soll, dann folgte das neueste Produkt des unbegrenzten Ardbeg Hypes, der „Galileo“. Später, zum Schluß der Veranstaltung wurde noch ein „Uigeadail“ gereicht.

Loch Iarnan
Torfstechen

Nach einer Weile kamen wir am Loch Iarnan an, das ist die eine Quelle, die andere heißt Airigh Nam Beist, vor ein paar Jahren Namensgeber einer mittlerweile sehr begehrten Ardbeg Abfüllung. Dort angekommen, wurde ein Lunch gereicht, bestehend aus Lachsbaguette, Nektarine, Kuchen, Walker Crisps und Limonade. Danach ging es auf dem gleichen Weg zurück, unterwegs berichtete unser Guide Dougie, ein cooler Typ Mitte 50, wie es früher so war, er ist nämlich ein waschechter Ardbeganer, lebte bis vor einem Jahr in England und kehrte dann zurück. Ich fand seine Geschichten sehr interessant, es würde jetzt aber den Rahmen sprengen, die hier noch aufzuschreiben. Nicht unterschlagen möchte ich auch, das er uns unterwegs an einem Torffeld gezeit hat, wie das Torfstechen geht, man konnte sich auch selbst daran versuchen. Zurück in der Distillery gab es mit den ehemaligen Malzböden etwas zu sehen, was sonst nicht in den Führungen gezeigt wird. Die Räumlichkeiten werden heute für Anlässe wie z.B. Hochzeiten genutzt. Der Rest der Distillerytour bot das übliche, Malzmühle, Mashtun, Washbacks, Stillroom. Zum Abschluß ging es dann auf den Bootssteg wo der letzte Whisky genommen wurde. Fazit: das war verdammt viel für 35 Pfund, ich kann nur jedem empfehlen, wer mal Mittwochs auf Islay ist und etwas über den Tellerrand schauen mag, der sollte diese Tour machen…..und Gummistiefel ausleihen. Ein großes Kompliment nochmal an Dougie, unserem Tourguide. Danach machte ich noch ein paar Fotos, dann wurde noch etwas eingekauft, (z.B. Galileo). Zurück wurde ich von 4 sehr netten Leuten aus Mönchengladbach mit dem Auto mitgenommen, die haben ihr Quartier ein paar Häuser weiter.
…so, jetzt ein Stündchen Ruhe und dann mal ein, naja vielleicht auch 2,3… Bier zum Fußball…

...man beachte Schuhe und Hose 😉

BUNNAHABHAIN… (sprich Bunna-hawen). Von dem heutigen Tag wußte ich im Voraus, das gewisse Abläufe schwierig werden. Ich wollte unbedingt die Managers Tour machen und diese findet nur Donnerstags um 14 Uhr statt. Bunnahabhain ist neben Kilchoman die einzige Distillery auf Islay, die man nicht mit dem Bus erreichen kann. Also heißt es rechtzeitig so weit wie möglich mit dem Bus ranfahren und dann laufen, Google prophezeite 1 Stunde, 15 Minuten Fußweg, Punkt 13 Uhr bog ich auf die Straße ein und legte mit Stechschritt los. Dieses Tempo versuchte ich zu halten, auch wenn es gefühlt nur bergauf ging. Ausgerechnet heute war der gesamte Himmel mit einer grauen Suppe zugekleistert, welche ständig Wasser von sich gab, das Vergnügen unter Zeitdruck einen Minimarathon zu laufen, war also gering. Etwa auf der Hälfte wurde ich dann erlöst. Das erste Auto, was mich überholte, hielt an und zwei nette Kanadier, welche auch diese Tour gebucht hatten, namen mich mit. Wir drei waren dann auch die einzigen Besucher der Tour, was ja immer nicht schlecht ist, wenn es wenige Leute sind.

Tom, Andrew Brown & Murray
Bunnahabhain - Die große Mashtun

Distillerymanager Andrew Brown nahm uns dann für ca. 2,5 Stunden unter seine Fittiche und wir besichtigten die Brennerei. Auffällig waren die Brennblasen, welche alle verschiedene Formen haben, relativ ungewöhnlich angeordnet sind und die richtig dunkel sind, man kann nur noch ahnen, das sie aus Kupfer sind. Danach ging es noch an der Faßabfüllung vorbei, in eines der insgesamt 8 Warehouses, leider ohne eine Probe aus einem Faß. Zu guterletzt ging es dann noch in einen Raum, wo es dann noch was zu trinken gab : Darach Ur (ohne Altersangabe in neuen Eichenfässern gereift), Bunnahabhain 12 (der Standard), Bunna 18 (mein Favorit), Bunna 25 (schon lecker, aber nicht für das Geld…) und zum Abschluß noch einen Toitech (getorft und ohne Altersangabe).

Die Brennblasen von Bunnahabhain
...viele Abläufe sind Computergesteuert...
Grünspan... oder warum der Vorlauf nicht verwendet wird.

Meine Einschätzung : die Managerstour von Bunnahabhain lohnt sich nicht unbedingt, ist aber Ok. Wir haben wohl das gleiche gesehen, wie andere Besucher auch, nur das der Manager geführt hat und ungefähr doppelt so viel dazu erklärt hat. Leider ist Andrew Brown kein guter Entertainer und selbst die beiden Kanadier haben nur die Hälfte verstanden. 5 Whiskys sind OK, wenn auch die Standards nicht aufregend waren. Fazit : Die Tour kann man machen, muß man aber nicht. Tom und Murray, so heißen die beiden Kanadier, die übrigens in Tokio und Shanghai leben, nahmen mich dann noch bis Bridgend mit und die letzten 3 Meilen lief ich dann nach Bowmore zurück, das war nicht ganz ungefährlich auf der engen, vielbefahrenen Strasse, aber es gab keine Alternative, Busse fahren um die Zeit nicht mehr. So, gleich gehts nochmal in den Pub, heute mal ins Lochside Hotel, wo ich Hans aus Göttingen treffen werde. Morgen geht es weiter mit Laphroaig, ebenfalls eine große Tour mit Besichtigung der Wasserquelle, ich bin gespannt…

Bunnahabhain - Fassabfüllung
...das könnte ein schöner Tag werden...

LAPHROAIG:  …so, es ist Freitag, der 21. September, Tag 5 auf Islay und damit etwa die Hälfte… und ich bin mir relativ sicher, heute das Highlight der Reise erlebt zu haben… alles was jetzt noch kommt, muß sich an den heutigen Tag messen lassen…und das wird schwierig. Laphroaig war das Thema bzw. die Distillery des Tages, die Tour nennt sich Water to Whisky Experience…, im Prinzip so ähnlich, wie am Mittwoch die Tour bei Ardbeg, nur etwas exorbitanter…
…Fangen wir mal mit den äußeren Umständen an… das Wetter,… war das grausam gestern, gerade im Süden von Islay muß es ja besonders geschüttet haben, das Feld, wo bei den Friends Of Laphroaig die Fähnchen stecken (rein juristisch gehören mir da auch theoretisch ein paar Quadratzentimeter)… war ein einziger See, der Wald rund um die Straßen noch Ardbeg/Lagavulin/Laphroaig war ein Wasserbiotop. Von Augenzeugen wurde mir berichtet, das Ardbeg so sehr geflutet wurde, das man kurz vor Abbruch der Produktion war, da das Wasser durch das Stillhouse lief…
Nun gut, heute erwachte der Tag mit blauen Himmel und jetzt (kurz vor 7 Ortszeit), scheint die Sonne noch immer…klappt doch…

Die Wasserquelle von Laphroaig
Picknick
Kompott
Fernsicht... vorne Lagavulin, hinterm Wasser Kintyre, die Berge sind auf Arran

So, nun zu Laphroaig. Die Ausgangslage : in meiner Top 3 aller Distillerys jederzeit gesetzt, genau wie Springbank, das sind die beiden, auf die ich nichts kommen lassen will…, die Nummer drei wechselt immer ein wenig, Aberlour, Tomintoul, Ben Nevis besetzen den Platz schon mal, aber auch Exoten wie Benrinnes gehört das Interesse…egal…ich will nur damit sagen, das mein Verhältnis zu Laphroaig ohnehin ein gutes ist. Der heutige Besuch könnte die Brennerei unsterblich gemacht haben.
Auf Grund des Busfahrplanes war ich schon etwa 90 Minuten zu früh da, das war auf Grund des guten Wetters kein Problem. Ich meldete mich im Visitor Center an, bei Jenny, die wie sich später rausstellte unsere Führerin war. Ich schaute mich ein wenig im Shop um, ging raus und machte schöne Fotos von der Distillery unter blauen Himmel, von Weitem und über Stock und Stein… Der erste Whisky des Tages war nicht ganz freiwillig, obwohl, quatsch, falsches Wort, er war aus Versehen. Aus irgendwelchen Gründen sollte für irgendwem eine Flasche Laphroaig Cairdas 30 Jahre geöffnet werden und der Korken ging beim Öffnen kaputt. Soweit nichts besonderes, mir ist das auch schon öfters passiert, jedoch nicht bei einer solchen Flasche, keine Ahnung was die kostet…, die beiden Leute, die etwas mit der Flasche zu tun hatten, drückten den Restkorken in die Flasche und da es jetzt eine Flasche mit Macke war, wurden den Leuten, die gerade in der Nähe rumstanden… (gottseidank steh ich manchmal auch richtig…), ein dram davon gereicht … Laphroaig 30 Jahre, dunkles Sherryfaß… Einfach mal so, …kostenlos…der Tag fing gut an und er ging gut weiter…unsere Gruppe bestand aus mir, Paul und Murray (die beiden Kanadier von gestern) und Peter, ein uriger Typ Mitte 60 aus Canberra, Australien. Unsere Tourguidin (ok, das Wort gibt es wohl nicht, aber ihr wisst, was ich meine…) Jenny, eine junge Frau Anfang 20 mit Angst den Bus zu fahren (kein Reisebus, nur VW Van), machte ihren Job von Anfang an sehr gut. Wir fuhren zur Wasserquelle von Laphroaig, welche ungefähr gegenüber der Distille vielleicht 1,5 km auf dem Berg liegt. Dort gab es erstmal Lunch : verschiedene Sandwiches, Suppe, Käse (Laphroaig Flavour) etc…. jedenfalls alles sehr lecker…, natürlich auch Laphroaig, 10 years old, CS Batch # 4. Als die zwei Wurstfinger breit eingegossenen Drams alle waren, wurde nochmal nachgegossen… Das Wetter war traumhaft, man konnte die ganze Gegend genießen, freier Blich auf den Mull of Kintyre und bis rüber nach Irland. Jenny meinte irgendwann… don’t be shy… Und schenkte nochmal zwei wurstfingerbreit nach… Langsam wurde es lustig und ich merkte, das ist ein guter Tag… 

...heute besser mit Gummistiefeln...
Trecker fahrn...
Torf stechen...
Laphroaig trinken...

Wir fuhren dann auf ein Torffeld zwischen Port Ellen und dem Flugplatz. Nach abenteuerlichen Hinweg, nur wenige hundert Meter, aber gefühlt 5 Meter tiefen Schlamm, kamen wir an der Torfstechstelle von Laphroaig an und versuchten uns in diesem Handwerk mehr schlecht als recht…, es gibt übrigens nette Fotos davon…achso, begleitet wurde das ganze von mindestens …3 Triple Wood…, zurück in der Distillery, wurden erstmal die Gummistiefel ausgezogen, (ja… Ich habe gelernt, ohne die wäre ich wohl auch versunken…), dann wurden wir durch die Distillery geführt. Die Führung war interessant, bot sie doch auch einen Blick auf Maltingfloors, ein Blick in den Kiln, der grad nicht an war und in den Kiln, der gerade das Malz toastete, die Körner genascht, sehr leckeres Knusperzeugs… Selbstverständlich nichts für Leute, die mit Rauch nichts zu tun haben wollen. Mashtun, Washbacks, Stillhouse… Alles bekannt von anderen Brennereien, die Brennblasen, sieben (!) an der Zahl beeindrucken schon, wie sie so an einer Reihe stehen… Danach hatten wir noch einen kurzen Blick in die Fassabfüllung und es ging in das Warehouse #1.

Laphroaig - Stillhouse

Es ist Teil der Tour aus drei Fässern zu kosten und dann eine 0,25 l Flasche vom Favouriten abzufüllen, für zuhause… Es gab ein 1997’er Faß, ein 1999’er, und ein 2003’er, ich entschied mich am Ende für das 1997’er, Nicht ganz so torfig und der absolute Rest vom Fass, es musste schon gekippt werden, damit da noch was rauskommt, in der Flasche ist jetzt auch sehr viel Holz, mal sehen, ob ich das nochmal filtere, oder es so naturbelassen mitnehme… Danach war Schluß, wir verabschiedeten uns von Jenny, die einen sehr guten Job machte, ich verabschiedete mich von Paul und Murray, die heute noch ihren Rückweg antreten, und Peter und seine Frau Robyn waren so nett, mich nach Bowmore mit dem Auto zu fahren. Das war der Tag 5, ……Lou Reed hat einen Song darüber : Perfect Day…
…und morgen … Kilchoman…

...noch schnell was zum mitnehmen abfüllen...
Urlaub auf dem Bauernhof ? Kilchoman !

KILCHOMAN: So, es ist Samstag und das Abenteuer geht in die nächste Runde, heute stand Kilchoman im Mittelpunkt. Um da erstmal hin zu kommen reservierte ich mir im Voraus ein Mietauto, was ich bis Montag behalten werde um die Stellen der Insel anzusteuern, wo es mit Bus oder zu Fuß schwierig wird. Das mit der Reservierung hat alles prima geklappt, wie alles andere bislang auch (ich bin begeistert…) und so kam heute meine Jungfernfahrt auf der anderen Straßenseite, ich hatte bislang noch keine Gelegenheit, das auszuprobieren. Das Auto ist das gleiche wie zuhause auch, ein Polo, nur das alles falschrum ist… Ich habe mich erstaunlich schnell an den Linksverkehr gewöhnt, Islay ist ja auch ein gutes Testpflaster, so viel Verkehr ist halt nicht. Nur bei den Single Track roads mußte ich mir ab und zu daran erinnern, das ich rechts sitze, wenn der Schotter schon auf der linken Seite spritzte…
Kilchoman liegt als einzige Brennerei der Insel nicht am Meer, oder am See, sondern am Arsch der Welt. Wenn man Richtung Bruichladdich fährt, muß man über eine Single Track Road, also eine einspurige Straße mit kleinen Buchten zum Ausweichen von Gegenverkehr, etwa 4 Meilen ins Landesinnere fahren. Dann folgt man einem kleinen Schotterweg und kommt auf das Gelände einer Farm, auf der sich die Distillery befindet.

In einer Art Garage wird selbst gemälzt
Der Produktionsraum

Die kleinste Distillery Islays ist zugleich auch die jüngste, sie wurde erst 2005 eröffnet und produziert im Jahr so viel, wie Caol Ila an drei, vier Tagen. Der Whisky von Kilchoman schmeckt Islay-typisch sehr rauchig, ich bin gespannt, wie reifere Abfüllungen schmecken werden, die derzeitigen Whiskys können ja nicht älter als sechs, sieben Jahre alt sein. Die Distillerytour war unspektakulär, das hatte ich auch nicht anders erwartet, es ist halt alles ziemlich winzig, im Vergleich zu den großen Fabriken der letzten Tage.

Keltenkreuz neben der Kirchenruine vom Dorf Kilchoman
Militärfriedhof Kilchoman

Danach fuhr ich zur Kirchenruine auf dem Friedhof von Kilchoman, hier gibt es auch ein Keltenkreuz und sehr alte Gräber. Über einen Acker gelaufen erreicht man den Militärfriedhof von Kilchoman, für die Opfer der Schiffskatastrophe des Schiffes HMS Otranto, das 1918 in Sichtweite des Friedhofes sank. Die Katastrophe kostete übrigens 431 Menschenleben. Ich fuhr danach mit dem Auto etwas näher ans Meer, parkte und spazierte gut eine Stunde am menschenleeren Machir Bay, einen wunderschönen Sandstrand, welcher von teils bizarren Felsformationen begrenzt wird. Ständiger Begleiter war auch heute die Fotokamera und die Kopfhörer, der Sound der aktuellen Platten von The Raveonettes und Smashing Pumpkins untermalten die Landschaft hervorragend. Danach fuhr ich nochmal in die Distillery, bzw. in das Cafe von Kilchoman um einen Happen zu essen. Somit blieb dann noch Zeit für einen Abstecher ins Islay Museum in Port Charlotte. Auch das war sehr interessant, man kann auch dort einiges über die Schiffskatastrophe der Otranto erfahren. Danach machte ich noch ein paar Bilder in Bruichladdich, man muß das Kaiserwetter ja nutzen, und fuhr dann nachhause.
So viel zu heute, morgen liegt keine Distillery an, morgen ist Sonntag, ich werde wohl mal über die ganze Insel kreuz und quer fahren…

Machir May...
...ein herrlich einsamer Strand auf Islay...

ISLAY KREUZ UND QUER: Heute war kein Besuch einer Whiskydistillery angedacht, sondern eine Vermessung der Insel von West nach Ost, Süd nach Nord, kreuz und quer und wo man sonst noch so hinfahren kann. Dafür, das es erst mein zweiter Tag als Geisterfahrer ist, habe ich mich ziemlich schnell an die linke Straßenseite gewöhnt, fast schon, als wäre ich nie anders gefahren. Ich startete Richtung Kildalton Cross, das ist eines von mehreren keltischen Kreuzen aus dem Frühmittelalter. An den drei Süddestillen Laphroaig, Lagavulin und Ardbeg vorbei, sieht das auf der Karte gar nicht so weit aus, der Weg zieht sich aber dermaßen lang hin, das man schon ins Grübeln kommt, ob man nicht ausversehen schon vorbei gefahren ist.

Kildalton Cross in der Morgensonne
...aus der zweiten Hälfte des 8. Jh n.C.... ganz schön alt...

Als ich mir am Dienstag überlegte, was ich nach Lagavulin machen sollte, hatte ich mal kurz mit dem Gedanken gespielt, da hin zu laufen… Das wäre wohl ein böses Erwachen geworden… Endlich angekommen, freute ich mich besonders darüber, das weit und breit keine Menschenseele zu sehen war, die Morgensonne strahlte über den kleinen Friedhof und die Ruine der kleinen Kapelle, ein schöner, ruhiger Moment. Nach ein paar Fotos ging es zurück, ein letzter Blick auf die drei Whiskybrennereien der Südküste geworfen, freundlich innerlich Adieu gesagt, fuhr ich jetzt durch Port Ellen, an der Mälzerei vorbei auf die Halbinsel The Oa.

Halbinsel Oa ... eher schlicht....
...abgesehen vom American Monument...

Wenn mir die Lage des Kildalton Crosses eben noch vorkam wie das Ende der Welt, so sah ich mich jetzt gezwungen, das zu revidieren… das Ende de Welt ist eindeutig hier… Früher lebten wohl um die tausend Menschen hier, heute sind es ca. 40… Den Gipfel der völlig kahlen Berg- und Tallandschaft bildet das American Monument, ein gar nicht sooo großer Turm, der aber durchaus riesig wirkt, weil er auf dem Gipfel der kahlen Landschaft steht. Er wurde zu Ehren der Amerikaner gebaut, die im ersten Weltkrieg bei Schiffsunglücken um Islay ums Leben gekommen sind.

Kilnave Cross
...griechisches Fischerdorf ? Portnahaven !

Nach dem südlichsten Teil der Insel ging es nun genau andersrum… in den Norden. Der Ardnave Point ist zwar nicht die Nordspitze der Insel, aber schon ziemlich weit nördlich… Man kann ziemlich nahe mit dem Auto ranfahren, bis zur Spitze ist es allerdings ein Fußmarsch von ungefähr einer Stunde, darauf verzichtete ich dann doch. Stattdessen inspizierte ich das nächste Steinkreuz, das Kilnave Cross, ebenfalls neben der Ruine einer Kapelle gelegen, sieht man bei diesem Kreuz aber deutlich, wie der Zahn der Zeit am Stein genagt hat, alles was mal eckig war, ist jetzt rund… Dann meldete sich langsam mein Magen, ich fuhr nach Port Charlotte und genehmigte mir einen Burger. Weiter ging es dann zur Westspitze der Insel, dieser Teil Islays nennt sich übrigens Rhinnes Of Islay und war warscheinlich ganz früher mal eine seperate Insel. Vorbei an den Resten der ehemaligen Port Charlotte Distillery, immer geradeaus geht die Straße nach Portnahaven, auch die zieht sich länger hin, als gedacht, ich mußte schon wieder ans Ende der Welt denken. Portnahaven ist ein sehr malerisches Dorf, mit niedlichen kleinen Häuschen, die einen kleinen Hafen umranden, gekrönt wird die Ortschaft von einem gewaltigen Leuchtturm. Von da aus begab ich mich wieder in den Osten der Insel, nach Bunnahabhain. Als ich am Mittwoch da war hatte es wie blöde geregnet und ich war froh, das ich mit dem Auto mitgenommen wurde, somit war keine Zeit übrig, Fotos zu machen, das wollte ich heute nachholen. Auf dem gesamten Brennereigelände war heute kein Mensch zu sehen, ich konnte in Ruhe knipsen. Rechts neben der Distillery, am Ufer entlang über Felsen und Steinen vorbei liegt das Schiffswrack der Wyre Majestic, die 1974 auf Grund lief. Da die Gewässer sehr kompliziert sind, verzichtete man auf eine Bergung und ließ sie einfach dort liegen. Der Rost von 38 Jahren hat schon gute Arbeit geleistet, man kann aber noch vieles erkennen, schöne Bilder sind das geworden, die Klettertour hat sich gelohnt.

Bunnahabhain Distillery ohne Menschen
Wyre Majestic... im Hintergrund die Paps Of Jura...

Zum Abschluß des heutigen Inselcrossings stand dann noch Finnlaggan an. Whiskyfreunde kennen den Namen von einer Whiskyabfüllung gleichen Namens, welche von irgendeiner Islay Distillery stammt.
Geschichtsliebhabern dagegen fällt dazu als erstes „Lords Of The Isles“ ein (darauf hin könnte man wieder kontern : oh ja, das war ein guter Ardbeg…)… nun kurz, diese Lords waren die Herrscher der Inseln im Mittelalter, und die Gebäuderuinen auf einer Insel im Loch Finlaggan, war ihre Geschäftsstelle. In den letzten Jahren hat man das alles ein wenig präpariert, mit Visitor Center und Ausstellung. Ich war wiederum der einzige weit und breit und genoss auch dort die Ruhe und die gewisse Magie solch historischer Orte. Auf dem Rückweg kam mir Familie Flodder mit kreischenden Kindern, Kegeln und Hunden entgegen… puh, Glück gehabt….
Morgen steht Jura auf dem Plan. Allerdings gibt es für morgen eine Sturmwarnung, so das es möglich ist, das die Fähre nicht übersetzen kann…hoffen wir mal das beste…

Finlaggan... einst Zentrum der Lords Of The Isles... schon bisschen her...
Isle of Jura... Craighouse in der Ferne

ISLE OF JURA & CAOL ILA – Tag 8, langsam neigt sich die Reise ihrem Ende entgegen, heute stand ursprünglich nur Jura auf dem Zettel, ganz spontan hab ich allerdings Caol Ila mit auf die Tagesordnung gesetzt, aber der Reihe nach. Die Sturmwarnung von gestern entpuppte sich als harmlos, es regnete zwar nicht gerade wenig, Wind an und für sich war durchaus auch genügend vorhanden, aber das war alles kein Problem für die Islay – Jura Fähre. Da ich aber auf Nummer sicher gehen wollte, fuhr ich etwas früher los und setzte um halb 10 über. Gerade mal 4 Minuten dauerte die Überfahrt, kostete aber hin und zurück stolze 16 Pfund. Ich war wieder einmal der einzige, ich hatte sozusagen eine Privatfahrt.

Isle Of Jura Distillery
Jura Distillery - Stillhouse

Drüben angekommen ging es Richtung Craighouse, den Hauptort der flächenmäßig gar nicht so kleinen Insel. Auf 366 Quadratkilometer (das ist immerhin doppelt so groß wie die Ostseeinsel Fehmarn), kommen gerade einmal 180 Einwohner. In Craighouse befindet sich auch die Whiskydistillery Jura. Die Tour startete um 11 und war ausnahmslos deutsch besetzt, neben meiner Wenigkeit nahm auch mein Göttinger Bekannter und quasi Ex-Berufskollege Hans und seine von ihm geleitete Whiskyreisegruppe aus Chemnitz teil. Die Tour war so mittelmäßig interessant, mittlerweile kennt man die Abläufe ja schon auswendig, lediglich ein paar Zahlen waren für mich interessant, ich hätte z. B. nicht gedacht, das die ja eher kleine Brennerei über 2 Mio. Liter jährlich herstellt. Zum probieren gab es am Schluß einen aus der Standardrange, den man sich aussuchen konnte, ich nahm den 12jährigen Jura Elixir, den kannte ich noch nicht, traf aber überhaupt nicht meinen Geschmack, irgendwie kam er mir extrem sprittig daher… Nach der Tour gingen wir noch zusammen einen Kaffee trinken und ich machte mich dann auf und fuhr einmal die Insel hoch und runter, verfahren ist fast ausgeschlossen, es gibt nur eine Straße. An den Haltebuchten machte ich häufig kurz Pause und fotografierte, oft aus dem Autofenster, schließlich regnete es.

Landschaft mit den Paps Of Jura

Danach beschloß ich ganz spontan, auf dem Rückweg Caol Ila auch noch aufzusuchen. Eigentlich war die Brennerei erst für Donnerstag auf dem Rückweg vorgesehen, aber ich dachte mir, mit dem ganzen Gepäck und so, ohne Auto, ist es besser heute. Im Nachhinein sehe ich das so, das ich es mit Sicherheit richtig gemacht habe. Die Touren einer großen Diageo Distillery sind für den Liebhaber immer ein kleines Ärgernis. Besonders das strikte Fotografierverbot nervt. Von der Sache her war es trotzdem interessant, es ist ja alles recht modern dort, die Mashtun ist eine der größten, die ich je gesehen habe und der Stillroom mit dem berühmten Blick aufs Wasser und die Paps von Jura haben selbstverständlich was. Auch hier konnte man unter 4 Standards zum Probieren wählen. Ich nahm den mir noch unbekannten 12jährigen Caol Ila Unpeatet Style mit über 64%, und es schüttelte mich zum zweiten male am heutigen Tag, ich musste glatt noch um einen Schluck von der Distillersedition bitten, um den Geschmack wieder loszuwerden… Danach ging es nach Bridgend und es galt Abschied von dem Auto zu nehmen, als Erfahrung nehme ich auf jeden Fall mit, das es völlig easy ist, auf der anderen Seite zu fahren und das nächste mal werde ich wohl komplett mit Auto touren. Mit dem Bus ging es dann zurück nach Bowmore, wo sich dann auch der morgige Tag abspielen wird, Quasi als Heimspiel ist die Craftman’s Tour in der Bowmore Distillery angesagt.

Die Caol Ila Distillery von der Fähre aus...
...vom Näheren wirds auch nicht hübscher...
Bowmore Distillery - Malzboden

Tag 9 : Heimspiel in BOWMORE. Nachdem ich jetzt schon eine Woche hier verweile, wurde es auch langsam Zeit, die Bowmore Distillery zu besichtigen. Vom Bowmore Whisky kann ich ja durchaus sagen, das dieser so eine Art erste Liebe für mich ist und ihn auch heute noch größtenteils sehr gerne mag. Meine erste Flasche Bowmore war ein 15jähriger Mariner, noch mit dem Aufdruck direkt auf der Flasche, es folgten andere Standards, ich finde, auch heute kann man den ordinären Bowmore 12 Jahre noch gut mal trinken. Ich war also sehr gespannt, wie es da wohl so ist…
Für den ersten Scherz des Tages sorgte ich selbst, als mir direkt vor dem Visitor Center die Mütze vom Kopf flog und es auch bestimmt putzig aussah, wie ich ihn wieder eingefangen habe, die Damen im Visitor Center hatten glaub ich Spaß…. Ich wurde bereits erwartet… You must be Lars… Ich war tatsächlich der einzige, der die Craftmans Tour gebucht hat. Meine Führerin hieß Lynda, eine hübsche, junge Frau mit rotem Haar und Sommersprossen. Zuerst parkte sie mich an der Bar mit einem Bowmore 12 und lies mich damit 5 Minuten alleine. Danach gingen wir zu den Malzböden. Mir wurden diverse Arbeitsgeräte vorgeführt, erstmals durfte ich auch einen elektrischen Gerstewender bestaunen.

Das was aussen so aussieht...
...sieht von innen so aus und ist quasi ein getarnter Schornstein...
in dem Gerste zu Malz gedarrt wird.

Die nächsten Stationen war der Kiln, der war gerade dabei, das Malz nach dem Räuchern zu trocknen. Lynda zeigte mir alles, was ich sehen wollte und ich durfte auch fotografieren, so viel ich wollte. Auch wenn ich bereits zum 23. mal eine Whiskydistillery besuchte, so erschlossen sich für mich einige Sachen heute ganz neu. Nach Mashtun, Washbacks und Stillhouse ging es dann in das berühmte #1 Vault Warehouse, in dem wir gemeinsam zwei Fässer öffneten, ein Bourbonfaß von 2000 und ein Firstfill Oloroso Sherryfaß, was 17 Jahre alt war. Direkt aus dem Faß ins Glas ist ja für mich immer wieder ein wenig wie Weihnachten und Geburtstag auf einmal, so auch heute wieder, der erste war sehr schön, aber der aus dem Sherryfaß war eine absolute Granate. Hinter der Scheibe sah ich, wie die Leute der regulären Tour neidisch zu uns schauten, wie wir mitten in den heiligen Hallen einen gepflegten Dram zu uns nahmen. Achja, der Vollständigkeit sollte ich noch das Glas New Spirit erwähnen, was ich aber nur zu Schnüffelzwecken benutzte. Ich hätte mich gerne noch ein paar Stunden dort rumgetrieben und hätte gerne noch ein paar weitere Fässer probiert, aber immer wenn es am schönsten ist, soll man ja aufhören… Wir gingen zurück an die Bar und hier konnte ich jetzt noch probieren, was ich wollte.

Bowmore... im legendären #1 Vault Warehouse

Der Bowmore 25 Jahre war nach den faßstarken Whiskys aus dem Warehouse jetzt viel zu mild, sicher etwas Perlen vor die Säue, wenn man bedenkt das der 200£ kostet…, am besten hat mir die Stillmans Edition gefallen, das ist eine weitere Sherryt_nte in Faßstärke, die es nur hier zu kaufen gibt. Die neue Abfüllung Springtide halte ich für 150£ für völlig daneben und der neue 17jährige konnte mir schon gefallen. Mehr wollte ich dann nicht, man soll ja nicht übertreiben. Nach zweieinhalb Stunden galt es nun Abschied zu nehmen, Lynda machte einen großartigen Job, alle Arbeiter die wir unterwegs trafen waren sehr nett und ein kleiner Plausch war immer drin, landesüblich hauptsächlich über das Wetter. Vor einiger Zeit habe ich häufig negatives über Bowmore bzw. dessen Visitorcenter gelesen, ich kann rein gar nichts negatives sagen, vielleicht haben sie sich ja auch gebessert. Für mich war die Tour neben der bei Laphroaig der Höhepunkt meiner Reise, bis dato zumindest. Bowmore ist jetzt für mich genau wie früher, etwas besonderes.

Wie eine Glucke trohnt die Kirche über Bowmore...
...sie ist rund, damit sich de Teufel nicht in der Ecke verstecken kann...

Nach den ganzen Leckerlis am Morgen, stärkte ich mich dann mit einem Sandwich aus dem Supermarkt und pausierte erstmal zuhause, ist ja heute schließlich Heimspiel. Das Wetter war heute übrigens eine Zumutung, Regen und Sturm und umgekehrt… Als dann wenigstens der Regen pausierte, schnappte ich mir nochmal die Kamera und nahm die berühmte runde Kirche ins Visier. Tagsüber ist deren Tür unverschlossen und ich konnte, mal wieder mutterseelenalleine in der 1769 gebauten Kirche fotografieren. Es heißt, man hat die Kirche rund gebaut, damit der Teufel keine Ecke zum verstecken hat. Draussen tobte immer noch der Sturm und die Geräusche, die er mit der Kirchentür veranstaltete, klangen von innen als würde jemand die Tür eintreten wollen…spooky… Draußen lagen dann auch einige Mülltonnen kreuz und quer, quasi vom Winde verweht.
So, morgen kommt die letzte Distillery in meiner Raupensammlung : Bruichladdich. …schaun wer mal…

Bruichladdich - Stillhouse...
...mit Ugly Betty....
...selten : eine offene Mashtun...

BRUICHLADDICH: Heute morgen zum Frühstück lernte ich Willi aus Sulingen bei Bremen kennen. Wir fanden schnell heraus, das wir Kollegen sind, auch er ist Gastwirt und hat eine Menge Malts im Angebot. Ebenfalls recht schnell stellten wir fest, daß wir heute den gleichen Termin bei Bruichladdich haben. Wir fuhren zusammen mit dem Postbus hin und machten die Tour, die von Raymond, einem jungen Mann, recht witzig geleitet wurde. Das fotografieren war überall erlaubt, die Tour war gut. Als Besonderheit fiel mir die nach oben hin offene Mashtun auf, auch eine Lomond Still namends Ugly Betty, die zur Herstellung des „The Botanist“ Gin benutzt wird, unterscheidet die bis vor wenigen Wochen unabhängige Brennerei von anderen bereits gesehenen. Als Probierdram gab es lediglich den Laddie Ten und bei allem, was ich immer so über Bruichladdich gehört und gelesen habe, war ich unterm Strich etwas enttäuscht. Man möge mich nicht verkehrt verstehen, ich kann nichts negatives sagen, aber etwas besonderes empfand ich bei diesem Besuch nicht. Wenigstens eine Flasche PC10 zum vernünftigen Kurs konnte ich erstehen, das ist doch auch was. Nach der Tour liefen Willi und ich nach Port Charlotte. 

Das Wetter heute ist das genaue Gegenteil von dem von gestern, statt Regen und Sturm gab es heute Sonne satt, allerschönstes Spätsommerwetter. Wir kamen am Port Charlotte Hotel vorbei, die tatsächlich zwei Tische draußen stehen hatten. Willi meinte, es wäre doch ein tolles Foto, mit einem Guinness in der Sonne zu sitzen…, ich fragte dann, wer uns daran hindern sollte (?)…gesagt getan, ein gepflegtes Bier in der Mittagssonne, wer weiß, wann man dazu das nächste mal kommt. Willi hatte um 14 Uhr noch einen Termin bei Kilchoman und hatte Glück, das ein englischsprachiges Pärchen mit Auto in die Bar kamen und ihn mitnehmen konnte. Ich nutzte dann die Gunst der Stunde und nahm einen Happen Mittag zu mir (feste Nahrung), nahm den nächsten Bus nach Bowmore und setzte mich dann noch eine Stunde am Hafen in die Sonne, hörte Musik (heute besonders zu empfehlen : Grizzly Bear mit dem Album „Shields“, kein easylistening, aber sehr gut…) Später werd ich noch was festes zu mir nehmen und den letzten Abend mit einem Getränk meiner Wahl beschliessen. Morgen um 15.30 legt die Fähre in Port Askaig ab und wird mich langsam wieder Richtung Heimat bringen.

...mit Willi in Port Charlotte... Slainte !
Goodbye Islay... Port Ellen mit Rindviechern

RÜCKREISE: Nun hat ja alles mal ein Ende, auch diese Reise. Der Tag bis zum Nachmittag stand im Zeichen der Rumgammelei, die Fähre ging erst um halb vier. Etwas Zeit brauchte ich für das Packen des Koffers, irgendwie hatte sich mein Gepäck augenscheinlich vermehrt und ich benötigte eigentlich einen Elefanten, um den Koffer zu schließen…
Nachdem ich das irgendwann geschafft hatte, konnte ich nur hoffen, das es mich trügt, das mir das Gewicht des Gepäckstückes deutlich über 20 kg vorkam… Die Rückfahrt war unspektakulär, auch wenn die Strecke rückzu immernoch sehr schön ist, am Ende des Urlaubs sieht man alles nicht mehr so euphorisch wie hinzu. Halb zehn checkte ich in Glasgow ein und machte mich gleich nochmal auf
die Socken ins Bon Accord. Diesmal war deutlich mehr los als letztes mal, ich hatte gerade noch so einen Stehplatz an der Bar ergattern können. Da gestern Arthur Guinness Tag war, fiel mir die Getränkewahl recht leicht, was es bei den zich Biersorten in diesem Pub sonst nicht so ist. Nach einer Weile wurde mir
einfach so ein Dram gereicht (Pulteney 17y). Es kam vom Seniorbesitzer der Bar, Paul McDonagh der zufällig neben mir saß und mit dem ich dann sofort ins Gespräch kam, unter Kollegen quasi. Es hat viel Spaß gemacht, er spendierte sogar noch einen Dram, einen Springbank von der Scotch Whisky Society, sehr leckeres Tröpfchen. Sein Sohn, ebenfalls Teilhaber des Ladens, arbeitete hinter der Bar und nahm an unserer Unterhaltung rege teil. …das war es also wieder mit dem Vorhaben, höchstens 2 bis 3 Bier zu trinken und pünktlich im Hotel zu sein… schließlich ist der Wecker auf Punkt 5 gestellt… Egal, es hat viel
Spaß gemacht und ich denke, ich werde via Email und Facebook mit den beiden in Verbindung bleiben. So, dann eine Mütze Schlaf, zum Flughafen gefahren, den Koffer aufs Band gelegt…. und natürlich nachzahlen müssen… Grummel… Aber was soll man machen… Der Flug war ganz normal, der Weg nachhause auch und nun bin ich wieder hier.
Als Fazit dieser gelungenen Reise stelle ich fest : zwei bis drei Tage weniger hätten gereicht, der Anspruch, jeden Tag nur eine Distillery zu besuchen, ist bei Touren wie der von Ardbeg, Laphroaig und
Bowmore zwingend, nicht aber zu Touren wie Caol Ila oder Bruichladdich, zwei mal eine Stunde Besichtigung mit einem Standarddram ist durchaus drinne. Ich habe 1188 Fotos gemacht, viele nette Locals kennengelernt, mit vielen Whiskyenthusiasten gesprochen, tolle Leute aus aller Welt kennengelernt, auch wenn das alles unterm Strich nicht gerade ein Billigtrip war, es hat sich voll gelohnt und bleibt bis ans Ende meines Lebens in meinem Herzen und wenn ich nicht dement werde, auch in meinem Kopf.
Bedanken möchte ich mich zuerst bei meiner Freundin Nina, die in der Zeit hier die Stellung gehalten hat
und die ganze Arbeit für mich mit machen mußte. Weiterhin möchte ich Rena für ihre Gastfreundlichkeit danken, Danke an alle, die dabei waren, Danke an alle, die meine Ergüsse täglich gelesen haben und sie schon kommentierten. …bis zur nächsten Reise.

Bon Accords McDonagh's und ein kleiner (nur 1,77) Deutscher....

McLarsen in Bremen und bei den Ostfriesen (Juni 2022)

Das Jahr 2022 nähert sich der Mitte… Zeit für den dritten Ausflug… dieses mal wieder in den Norden der Republik. Als mich der Whiskyclub „Regulars“ aus Leer in Ostfriesland fragte, ob ich dort wieder ein Whiskytasting abhalten könnte und ich das bejaht hatte, war klar das ich das noch mit einer Stadterkundung verbinden würde… und was bietet sich dazu besser an als eine Stadt auf dem Wege zum Meer… die alte und ehrwürdige Hansestadt Bremen. Zuletzt war ich hier vor ziemlich genau 30 Jahren mit meiner damaligen Freundin auf dem Weg zurück von ein paar Tagen an der Nordsee… an das meiste kann ich mich schlicht nicht mehr erinnern, so das eine Auffrischung meiner Bremen-Kenntnisse durchaus gefragt ist.

Weitwinkel sei Dank: Liebfrauenkirche, Rathaus, Dom

Jo… Bremen… mit gut einer halben Millionen Einwohnern elftgrößte Stadt Deutschlands… kleinstes Bundesland und an der Weser gelegen… welche 60 km weiter bei Bremerhaven in die Nordsee mündet. Wie alle Hansestädte war Bremen besonders im Mittelalter sehr reich und gesamteuropäisch gesehen auf jeden Fall eine große Nummer. Später wurde Bremen auch ein bedeutender Industriestandort… 1817 wurde in Bremen das erste Dampfschiff auf deutschem Boden gebaut… noch heute sind Firmennamen von teils ehemaligen Industriestandorten bekannt : Bremer Vulkan (Werft), Focke-Wulf (Flugzeuge), Borgwarth (Autos), Beck & Co. (so’ne Plörre… ähmn Bier) oder Kaffee Hag vom hier sehr bekannten Unternehmer und Mäzen Ludwig Roselius. Fussballfans wissen Bescheid wenn es grün ist und nach… ämn ihr wisst schon…
Nachdem es in den vergangenen Tagen auf Deutschlands Bahnstrecken hoch her ging (Stichwort : 9 Euro Ticket) und ich die Rückreise meiner letzten Exkursion auch noch nicht ganz vergessen habe… war ich sehr erfreut, das es heute keinerlei Probleme bei der Anreise gab. Meine Unterkunft heißt Bremer Haus von der Kette Novum Hotel… ist nicht weit von Bahnhof, Altstadt und Szeneviertel entfernt… die nahe Gegend ist zwar weniger schön, aber man kann nicht alles haben… das Zimmer ist auf jeden Fall ok und übers Frühstück kann ich erst morgen berichten.

...muß ja nicht immer Gotik sein... Expressionismus in der Böttcherstraße

Nach dem Einchecken ging es erstmal in die Altstadt. Das Wetter war trocken, aber bewölkt… ein weiteres blaues Album ist also nicht in Sicht. Ich ließ mich zwei Stunden durch die Innenstadt treiben… ohne Besichtigungen (die hebe ich mir für den angekündigten Regen in den nächsten Tagen auf)… vorbei am Marktplatz mit dem prächtigen Rathaus und seiner Renaissancefassade… meiner Meinung nach das markanteste Bauwerk der Weserrenaissance… dem mächtig gewaltigen Dom St. Petri mit seiner Doppelturmfront (welche aber noch nicht sehr alt ist)… die Böttgerstraße… eine Straße im Stil des Backsteinexpressionismus aus den 1920-30er Jahren… auf dem Grundriss mittelalterlicher Gassen… gestiftet vom Kaffeemäzen Roselius.

Enge Gassen im Schnoorviertel
Alternatives Gewächshaus im Schnoor

Weiter ging es durch das niedliche Schnoorviertel… enge Gassen, kleine Geschäfte und Gastronomie… in Lübeck und Lüneburg gibt es ähnliche Viertel… zum Glück im Krieg verschont worden… was man definitiv nicht von der ganzen Stadt behaupten kann. Der Spaziergang ging dann an der Weser weiter, dort gibt es eine Art Biergartenpromenade namens Schlachte… ich kann mir gut vorstellen, wie voll das dort in den letzten Tagen war (Pfingsten und schönes Wetter… achja… und 9 Euro Ticket). Heute war tote Hose, ein Weizenbier gönnte ich mir trotzdem… hatte ja ca. 500 Sitze an der Weser für mich…

An der Weser
Der Bremer Roland... mach Abzug der dicken Wolken

Danach ging es erstmal zurück ins Hotel und einiger Text dieses Berichtes entstand ebenda. Später kam doch tatsächlich noch die Sonne raus und ich konnte noch ein paar „Blaue Fotos“ machen… Ab 20:00 wurde die gastronomische Seite Bremens erforscht… da ist natürlich viel zu entdecken. Für heute und meinen hungrigen Bauch hatte ich als erstes das Brauhaus Schüttinger unweit des Marktplatzes ausgesucht. Mittlerweile hat ja jede mittelgroße Stadt so ein Brauhaus… das ist ja auch in allen Blogs meiner deutschen Entdeckungsreisen nachzulesen… dieses Gasthaus war auch nicht anders… vielleicht mit Baujahr 1990 eines der älteren… ich kann nichts negatives schreiben… das Bier war gut aber nicht bemerkenswert gut… das Essen üppig (Das Schnitzel ragte fast über den Tisch hinaus…), aber auch nichts wo ich jetzt sagen würde… das war ja mal toll… vielleicht bin ich ja verwöhnt. Sehr weit musste ich nicht zur nächsten Lokalität laufen, sie war direkt auf der anderen Straßenseite, hieß Cottons Pub und hatte Guinness. Es ist ein eher kleiner Laden mit Aschenbechern auf den Tischen, 80er Jahre Musik und einer für die Größe der Bar gute Auswahl an Whiskys… nicht weniger… aber auch nicht mehr.

Rathaus und Dom zur blauen Stunde

Es wurde langsam dunkel (sind ja gerade mit die längsten Tage… und dann auch noch im Norden) und ich machte mich auf einige Nachtaufnahmen zu fotografieren. Danach hatte ich eigentlich vor, im Little Marys Pub den Absacker zu nehmen… aber erstmalig mußte ich mir selber den Spruch anhören den viele Offside Nachteulen zu hören bekommen: Sorry… letzte Runde ist durch… Nun gut… Unterhopfung wird mein Problem heute eh nicht mehr… dafür konnte ich noch etwas an dem ersten Bremen Bericht schreiben… den ihr gerade gelesen habt.

Zu später Stunde an der Weser

Tag 2: An der Weser
Nach der ersten Nacht und dem ersten Frühstück kann ich immernoch nix negatives zum Hotel sagen… hatte wohl mal wieder ein glückliches Händchen… die Auswahl war ungleich größer als bei den letzten, kleineren Städten. Die Planung der heutigen Aktivitäten waren geprägt vom Wetterbericht… eigentlich sollte es spätestens ab Mittag regnen… Stand 17:30 Uhr ist es immer noch trocken… Als erstes war der Dom dran… genauer noch der Turm vom Dom… obwohl ich eine Wurst geworden bin was hohe Aufstiege angeht, lasse ich mir solche Gelegenheiten ungern entgehen… erstens gibt es schöne Aussichten, zweitens seltene Einblicke in das Innere alter, ehrwürdiger Bauwerke. 265 Stufen, knapp 60 Meter gab es zu bezwingen… oben angekommen etwas außer Atem (Atemlos im Turm… war das nicht mal von Helene Jäger ?) Der Ausblick war nicht so toll wie z.B. der von St.Petri in Lübeck oder der Marktkirche in Halle… viel Drahtvorhang und Gitter störten die freie Sicht… dennoch lohnenswert für ganze 3€.

...und etwas flussabwärts an Tag 2
Die Aussichtsplattform Südturm des Doms in etwa 60m.
Der Marktplatz mit Roland von oben

Danach besichtigte ich die Kathedrale, welche einige architektonische Seltenheiten bietet. Schön war das wieder jemand Orgel geübt hatte… wiederum bin ich nicht sicher ob alles so sein sollte wie es klang. Die Ausstattung des Doms ist eher bescheiden… die verschiedenen Gewölbearten behalte ich als auffälligstes Merkmal des Bauwerkes in Erinnerung.

Dom St.Petri - Inneres nach Westen
Verschiedene Gewölbearten aus verschiedenen Bauphasen

Nach der Besichtigung der größten Bremer Kirche ging es an den größten Fluß der Stadt. Die Weser an und für sich hat keine eigene Quelle… sie entsteht vom Zusammenfluss der Werra und der Fulda im südniedersächsischen Hann.Münden, sie ist etwa 450 km lang… Bremen ist mit Abstand die größte Stadt welche sie durchfliesst… etwa 60 km nach Bremen mündet sie bei Bremerhaven in die Nordsee… aber das hatte ich ja gestern schon erwähnt. Heute ging es erstmal flussabwarts… es gibt eine wunderbar ausgebaute Weserpromenade… mit Fischgrat-backstein für Fußgänger und Radfahrer. In Höhe von der Kellogs Fabrik hört sie ziemlich plötzlich auf und man befindet sich plötzlich auf einer Großbaustelle a la Potsdamer Platz anno 1996. Das Großprojekt heißt Überseestadt und verwandelt ehemaliges Industriegebiet in urbane Nutzung… und zwar gefühlt an allen Ecken… ich war etwas überrascht… ich starte an einer grünen Fußgängerampel und stehe am anderen Ende vor einer Baugrube… bevor ich eine Lösung für das Problem hatte, kamen von überall Autos… nicht ganz optimale Planung…

Schuppen Eins mit fahrtüchtigen-
- und unfahrtüchtigen Borgward

Apropos Autos… ich bin ja nach wie vor ein großer Freund historischer Automobile, auch wenn ich kein eigenes mehr will… der Schuppen Eins ist eine kostenfreie Ausstellung alter Schätzchen, besonders auch der fast schon vergessenen Epoche „Made In Bremen“… Stichwort Borgward, Lloyd, Goliath oder aber auch die T-Modelle von Mercedes der 123er Reihe (habe ich lange gefahren). Manchmal überlege ich was gewesen wäre, hätte man Borgward damals gerettet… die Automobillandschaft sähe heute anders aus… vor allem nicht so süddeutsch. Im Gebäudekomplex befinden sich auch viele Werkstätten welche sich auf Oldtimer spezialisiert haben… insgesamt super Konzept. Rückzu vermied ich die kuriose Ampelkreuzung… trotzdem war es streckenweise schwierig zu Fuß da wieder rauszukommen… aber geschafft.

Ostertorsteinweg im "Viertel"

Es folgte eine Pullerpause und eine Portion frischer Erdbeeren von einem Marktstand in den Wallanlagen… danach ging es Weseraufwärts… aber erstmal auf der Straße, durch die Stadtteile Ostertor und Steintor, zusammen das Viertel genannt, sowas wie das Kreuzberg oder das Scheunenviertel der Stadt… mit allen Klischees… sehr schön allerdings. Mittagessen gab es um halb 3 in einem Laden namens Suppkultur, den ich mir auch vorher ausgesucht hatte… Blumenkohl-Mandelcremesuppe mit Sahne für 4,20€… was soll da schief gehen… Klasse. Noch ein wenig weiter dann rechts abgebogen stand ich dann vorm Weserstadion, welches direkt an der Weser liegt und wo es wenige Meter daneben sehr beschaulich aussieht. Es folgte der Rückweg an der Weserpromenade, nicht ohne nochmal kurz zwei Bierchen an der Schlachte genommen zu haben… Haacke-Beck ist zwar jetzt nix besonderes… aber in Sichtweite der Brauerei am anderen Flußufer zumindest … bekömmlich…  (eines der dämlichten Geschmacksbeschreibungen… aber wenn einem nix Gescheites einfällt…)

Das Weserstadion...
...und wie es dort mit 180 Grad Drehung vom gleichen Standpunkt aussieht

Nach einer Pause ging es ab 8 wieder in die Gastronomie… heute hatte ich mir zwei Sachen ausgesucht, die ziemlich nahe beieinander sind… nämlich im Schnoorviertel. Der Name „Gaststätte Kleiner Olymp“ lässt griechisch vermuten … der Name kommt aber woanders her… Gastronomie gibt es hier seit 1963… das Haus ist deutlich älter… man vermutet, das die Barockfassade vor ein deutlich älteres Haus gesetzt wurde… Geschichte atmet man in diesem Haus in jedem Winkel… es gibt 3 Etagen… ich war nur im Erdgeschoss und war schon beeindruckt… Es gibt Schnoor Bräu… ein Bier ungenannter Herkunft… dunkel und leicht… sehr gut… das Essen war auch sehr gut… ich hatte Bremer Labskaus… für mich sowas wie Hefeweizen… schmeckt mir einmal im Jahr… dann ist wieder gut… die Bedienungen im kleinen Olymp waren auch außergewöhnlich freundlich… und ich erlebte in Bremen noch nie jemand unfreundliches… Danach ging es ein paar Meter weiter ins Little Marys Pub… wo ich gestern zu spät kam. Erst störte mich das Murphys doch extrem anders als mein Lebenselixier Guinness schmeckt, dann fand ich es doch sehr gut dort… nicht zuletzt wegen Ken’s superber Musikauswahl… jetzt ab ins Bett… 32.333 Schritte… tausend mehr und ich hätt’n Schnaps… achso… etwas genieselt hat es später auch noch…

Im Schnoor ohne Touristen

Tag 3 : Im Grünen und ein wenig Gastro…
Da ich ja gestern so umtriebig war, konnte ich es heute etwas ruhiger angehen lassen. Nach dem Frühstück erledigte ich ein paar Sachen am Laptop und schraubte noch etwas an der Präsentation für das Whiskytasting von morgen. Dann ging es nochmal in die Innenstadt… da schaute ich mir die Wallanlagen an, ein Parkähnlicher Grünzug in der Innenstadt mit Gewässern, Brücken, Windmühle und Blumenmeer aus Studentenblumen… recht überlaufen allerdings. Ganz anders war das dann im Bürgerpark Bremen, nördlich vom Hauptbahnhof. Dort konnte ich bestimmt anderthalb Stunden schlendern ohne vielen Leuten dabei begegnet zu sein. Neben einigen Attraktionen wie Tiergehege, Meierei, Spielplätze und Gastronomie darf sich die Natur dort weitestgehend frei entfalten, also viele Wildwiesen und waldige Abschnitte. Mit etwas Musik auf den Ohren hat mir der Spaziergang viel Spaß gemacht… das war Abschalten pur…

Loriot Platz am Wall ...selten allein...
Naturlandschaft Bremer Bürgerpark I.
Naturlandschaft Bremer Bürgerpark II

Auf dem Rückweg gab es zum Mittag wieder eine Suppe von der Suppkultur, die dort in der Nähe eine Filiale haben. Es folgte eine Pause… bin ja nicht beruflich unterwegs… der Plan war das ich dann ab etwa 18:00 Uhr drei gastronomische Punkte abklappere und danach warscheinlich gesegnet ins Bett falle… Bei Station 1 hat das auch hervorragend geklappt… das Ahlenfelder hätte ich mir nicht besser ausdenken können… Wolf-Dieter Ahlenfelder (1942-2014) war ein Schiedsrichter der vor allem mit seiner Entscheidung nach 32 min zur Halbzeit zu pfeifen (im Spiel Werder Bremen – Hannover 96 am 08.11.1975)… dann nach Protesten noch bis 90 Sekunden vor der Halbzeit hat nachspielen lassen… später gab es dafür seinen legendären Spruch „Wir sind Männer… wir trinken keine Fanta…“ Wer mich aus dem CuttySark Whiskyforum kennt, weiß das dieser Spruch bei mir hinterlegt ist… Das Ahlenfelder führt Biere der Union Brauerei Bremen und kann gut Burger machen… ich hab beides kontrolliert… das Bier (Helles, Keller, Rotbier) war überzeugend, der Chili-Cheese-Burger auch… bleibt nur das beste Kompliment was der Berliner machen kann : „Kannste nich meckern…“ Aus Versehen hatte ich bereits vier Union Biere intus…

Union Bräu Helles im Ahlenfeller
Im Hegartys Pub.. aber was im Gedächtnis bleibtist :
...ein professionelles Kotzbecken...

das nächste Ziel war das Bonanza Pub etwa 15 min entfernt… das hatte dann aber aus irgendwelchen nicht irgendwo vermerkten Gründen nicht auf… entgegen aller Vorzeichen… nun ja… das eigentliche Ziel No. 3 – Das Hagerties Irish Pub an der Szeneviertelmeine war das nächste… immerhin auf… immerhin lecker Guinness aber null Empfang oder Wi-Fi und Personal was anhand der geringen Besucherzahlen betont gelangweilt war… nö… das war dann nach zwei Guinness auch vorbei. Zwei Adressen hatte ich noch gespeichert von denen ich dachte, das könnte was sein : „Die Fliege“… ich bin nicht sicher wo ich es gelesen hatte… aber ich hatte Guinness erwartet… und bestellt… die (warscheinlich noch relativ neue) Bardame sagte mir dann… aber erst kurz vor dem Zapfhahn, das es ja gar kein Guinness mehr gibt… aber im Prinzip heißt das ja jetzt nur anders… Bremer Union… ist auch schwarz und noch teurer (5,90€ a 0,5l)… nun gut… eins reichte… zumal da auch interessant schräge Typen waren… aber egal… die letzte Adresse die noch war hieß Paddys Pit Irisch Pub. Es gab Murphys… und nein… das schmeckt nicht wie Guinness, sondern wie… egal… immerhin war das Personal auf dem Posten und die Musik war ok… aber letztendlich war der Abend für’n Arsch… durch die ganze Stadt gelaufen und nur eine gute Kneipe gewesen… immerhin muß ich mich jetzt nicht fragen, wie wohl die restlichen Pubs aus der Liste waren…

Morgen ist Abreise… aber nicht nachhause, sondern nach Leer… schließlich ist ja im Titel dieses Blogs auch was mit Ostfriesland dabei…

Windmühle in den Wallanlagen zu späterer stunde...
Der Hafen von Leer

Tag 3&4 – Bei den Ostfriesen

In Leer hatte ich den einzigen festen Termin dieser Reise: Ein Whiskytasting bei der privaten, nicht kommerziellen Vereinigung von Whiskyliebhaber:innen aus dem Raum Ostfriesland. Bis dahin… es sollte 19:30 starten, hatte ich nach Ankunft und CheckIn erstmal Zeit, Leer etwas zu erkunden. Leer, ca. 35.000 Einwohner… ist nach Emden und Aurich die drittgrößte Stadt Ostfrieslands. Sie hat einen Binnenhafen und eine schöne Altstadt mit einer unvermeidbaren, großen Fussgängerzone… auf der auch gerade richtig Betrieb war… in den Seitenstraßen war es beschaulicher und mit einer Nudelbox vom Asiaten pflegte ich am Hafenufer zu speisen. Später gab es noch ein paar Guinness im Darrys Pub… 15:00 und schon Bier… aber es sollten auch die letzten für heute sein.

Leer - Altstadt mit Fussgängerzone
Leer - Rathaus
Kirchturm der großen Kirche... statt Kreuz oder Wetterhahn ein Schiff

Um 18:00 holte mich Seb, der Organisator der Regulars ab und wir fuhren zum Veranstaltungsort: dem Versammlungssaal der Freiwilligen Feuerwehr von Leer-Loga. Wir stimmten noch Kleinigkeiten ab und richteten die Technik ein… bald kamen auch die ersten Gäste und es ging los. Das Tasting war auf 25 Plätze limitiert und schnell ausverkauft. Mein Thema waren Whiskys von den schottischen Inseln Arran, Skye, Raasay, Mull, Orkney, Jura und Islay… mit Zusatzzahl Campbeltown in der Nachspielzeit. Nach etwas aufräumen und so ging es dann zu später Stunde (es war schon Samstag) zurück ins Hotel und dort auch sofort in die Horizontale. Es war ein schönes Tasting mit sehr netten Gästen und wirklich sehr engagierten Gastgebern… allen voraus Seb, der wirklich alles für gutes Gelingen dieser Veranstaltungen gibt… quasi ehrenamtlich.

Man mag es mir ansehen... es gibt schlimmere Jobs als Whiskytastings...
...das scheinen die Teilnehmer des Tastings zu teilen...
...wenn du auf der schottischen Landkarte bei Inverness rumfuchtelst und hinter dir Nessi im Nacken hast... der Bauch ist übrigens auch Nessis Schatten 😉

Für den nächsten Morgen war erstmal ein kurzer Gang zum benachbarten Bäcker notwendig denn Frühstück gibt es in dieser Herberge nicht. Danach ging es zum Bahnhof… das Kaiserwetter forderte eine Stippvisite ans Meer regelrecht heraus… Ziel war Norddeich… das Tor zu den ostfriesischen Inseln. Durch meine Facebook Posts welche ich bei meinen Reisen verstärkt absetze, wurde ein alter Freund aus Schulzeiten aufmerksam. Mit Lehmi war ich von 1975 bis 1985 10 Jahre in einer Schulklasse, seit über 20 Jahren lebt er mit seiner Familie jetzt in Ostfriesland und ließ es sich nicht nehmen, mich diesen Nachmittag mit dem Auto durch Ostfriesland zu kutschieren.

...da wo man vormittags sieht, wer nachmittags zu Besuch kommt... Pilsumer Leuchtturm
...seit 47 Jahren befreundet... Lehmi und icke...

Wir hielten beim Pilsumer Leuchtturm, bekannt vor allem durch die Filme mit Otto Waalkes. Weiterhin inspizierten wir den schiefen Kirchturm von Suuhusen… angeblich der schiefste Kirchturm der Welt… man wartet wohl auf den Guinness Rekordbuch Eintrag (meine Guinness Rekorde sind eher anderer Art…) und auch Lehmis Residenzstadt Esens… von der ich bis dahin noch nicht einmal wußte, das es sie gibt, haben wir inspiziert… eine nette kleine 7000 Seelen-Kleinstadt mit Rathaus aus dem 18. Jahrhundert und spätbarocker Fassade. Zwischendurch fuhren wir kreuz und quer durch Ostfriesland, quatschten über alte Zeiten und was wir heute so machen… wie das so ist, wenn man sich viele Jahre nicht mehr gesehen hat. Das war ein Nachmittag den man nicht kaufen kann… einfach nur Klasse… Danke Andreas Lehmann aka Lehmi.

der schiefste Kirchturm der Welt... vom Nahen weniger gut zu erkennen als aus der Ferne : Kirche von Suuhusen
Das Rathaus von Esens... Lehmis Residenzstadt

Der Rest des Tages war dann unspektakulär… ich war noch was essen und hab noch ein paar Guinness im samstagabendlichen Trubel in der Fußgängerzone verdrückt.
Das Hotel 24/7 Selfcheckin… der Name ist Programm, hier habe ich noch nicht eine Menschenseele gesehen, einchecken muß man am Computer hinterm Haus… alles ziemlich neu hier und die Zimmer sind sehr unterschiedlich. Für 65€ pro Einzelzimmer ohne Frühstück… ok aber kein Schnapper. Die Rückfahrt war dann weitestgehend problemlos… mal abgesehen von der Überfüllung bis Hannover inklusive Schulklasse (10-11 Jahre) 🙄… Jetzt macht die McLarsen Reiseabteilung erstmal zwei Monate Pause… dann gehts im August wieder südwärts… vielen Dank fürs Mitlesen.

...ein schnödes Guinness als letztes Bild ?... das kann nicht sein...
Die Nordsee bei Norddeich... schon besser 😉