McLarsen in Coburg und Kronach (September 2026)

Coburg, 15.09.2026… Warum Coburg? Als ich vor ein paar Jahren mal in Coburg umsteigen musste, fiel mir vom Zug aus diese riesige Burganlage auf. Bis dato kannte ich den Namen eigentlich nur von der Versicherung HUK-Coburg, eine Stadtansicht dazu hatte ich nie… nun sah das ja mit der Burg ganz interessant aus und ich dachte mir damals bereits: Da musst du auch mal hin. Es ist ja ein jährliches Ritual, dass ich eine Stadt im Süden besuche, bevor unsere Bierwanderung losgeht. In diesem Jahr habe ich mir dafür die Stadt Kronach ausgesucht und so bot sich das etwa 35 Kilometer entfernte Coburg für eine ausgiebige Erkundung an. Geplant sind hier 1,5 Tage, bevor ich bereits am Mittwoch nach Kronach fahren werde, um diese kleinere Stadt auch ein wenig zu erkunden… erfahrungsgemäß klappt das während der Bierwanderung eher weniger.

Marktplatz mit Rathaus, links hinterm Baum mein Hotel
Marktplatz mit Stadthaus und Prinz Albert Denkmal

Coburg ist eine Stadt im Norden der fränkischen Region Oberfranken. Sie hat etwa 41.000 Einwohner und liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Thüringen entfernt. Die im 11. Jahrhundert erstmals erwähnte Stadt wurde besonders als Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha bekannt. Die Veste Coburg ist eine der größten erhaltenen Burganlagen Deutschlands. Sie thront etwa 160 Meter über dem Stadtzentrum und ist sehr dominant in der Landschaft… wird auch „Fränkische Krone“ genannt. Neben der Veste gibt es noch weitere Schlösser und Parkanlagen in und um Coburg, das Schloss Ehrenburg ist das bekannteste. Prominentester Bewohner war Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, der Ehemann der lange regierenden britischen Königin Victoria. Neben den ehemaligen Immobilien des Adels verfügt Coburg auch über eine wunderbar erhaltene Altstadt mit großem Marktplatz, Rathaus und Stadthaus, frühe neugotische Bebauung an der ehemaligen Stadtmauer und bemerkenswerte Jugendstil-Bauten. Coburg ist Hauptsitz der Versicherung HUK-Coburg, des Autozulieferers Brose und weiterer größerer Unternehmen. Aufgrund der vielen Steuern durch die ansässige Wirtschaft ist Coburg eine der reichsten Städte Deutschlands. Das Stadtwappen mit dem Kopf eines Schwarzafrikaners stellt den Stadtpatron, den Heiligen Mauritius, dar… nach ihm wurde auch die größte Kirche der Stadt, die Morizkirche (ja… ohne t), benannt.

Von 50 Minuten Verspätung der Bahn möchte ich heute gar nicht erst anfangen… der Zug war existent und kam irgendwann nachmittags in der oberfränkischen Stadt an. Vom Bahnhof sind es dann auch nur wenige Minuten zu Fuß, bis man in der historischen Altstadt von Coburg ist. Relativ standesgemäß hatte ich meine Unterkunft direkt am Marktplatz vis-à-vis mit dem Rathaus ausgesucht. Das Hotel „The Square“, was sich vom Namen her auf den Marktplatz bezieht, ist soweit ganz ordentlich… das Zimmer lässt keine Wünsche offen.
Kurz nach 14:00 Uhr ging es dann auf Tuchfühlung mit der Stadt… das Wetter war okay… bewölkt, aber warm und trocken… allerdings soll morgen nochmal Postkartenwetter werden… somit werden die richtig guten Bilder wohl morgen kommen… heute war erstmal Kennenlernen angesagt.

Coburger Erker am Stadthaus
Details an der Hof-Apotheke

Es folgte ein kleiner Stadtrundgang… beginnend am Marktplatz, den ich ja vom Zimmer aus gut vor der Linse habe. Zwei wunderbare Exemplare von Architektur der Renaissance stehen sich dort Giebel zu Giebel gegenüber: Das Rathaus und das Stadthaus. Beides sind Prachtbauten und stehen sich als Rivalen der Stadtgeschichte gegenüber, da sie einst die politische Macht der Bürger und die Macht des Landesherrn (adlige Herzogen-Sippe… sorry…) symbolisierten.
Das Rathaus gab es zuerst (1577–1580, mit Veränderungen im 18. Jahrhundert), das Stadthaus war die Antwort der Herrscher seinerzeit und fällt mindestens gleich prächtig aus… erbaut 1597–1601. Beide Häuser haben eine architektonische Besonderheit, die sogar mit dem Namen „Coburger Erker“ in die Architekturgeschichte eingegangen ist: Der gesamte zweigeschossige Erker ruht auf einer einzigen, kunstvoll kannelierten ionischen Säule, die direkt an der Straßenecke (Marktplatz / Ketschengasse) steht… vom Hotelfenster schaue ich direkt darauf. Das Modell wurde beim Stadthaus kopiert und findet sich in dieser Form nirgendwo anders als in Coburg.
In der Mitte des Marktplatzes steht eine Statue von Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, dem einflussreichen Ehemann der lange regierenden britischen Königin Victoria… die das Teil auch nach seinem frühen Tod gestiftet hatte. Es gibt am Marktplatz auch noch sehr interessante Häuser, zum Beispiel die Hof-Apotheke aus dem 16. Jahrhundert mit vielen erhaltenen Details.
Eine weitere Institution ist eine Würstchenbude auf dem Marktplatz… die berühmte Coburger Bratwurst wird ausschließlich über Kiefernzapfen gegrillt und ist im Rohzustand 31 cm lang… nun habe ich ja seit ein paar Jahren wenigstens die Berliner Currywurst akzeptiert, aber so was Langes… ich weiß nicht… der Rauch ist jedenfalls auf dem kompletten Markt sehr präsent.

Schloß Ehrenburg

Durch die unvermeidliche Fußgängerzone ging es weiter und nach einem kurzen Imbiss in einem asiatischen Bistro ging es zum zweitbedeutendsten Platz der Stadt: dem Schlossplatz. Dort befindet sich unterhalb der Arkaden vom Hofgarten, der Richtung Veste ansteigt, das Schloss Ehrenburg, das Landestheater und das Edinburgh-Palais.
Das Schloss Ehrenburg war die Stadtresidenz der Herzöge und hat seine Ursprünge im 16. Jahrhundert. Während im Inneren noch prächtige Räumlichkeiten aus dem 18. Jahrhundert dominieren, ist das Äußere von einer neugotischen Umgestaltung aus dem 19. Jahrhundert geprägt… unser Berliner Karl Friedrich Schinkel war daran beteiligt. Im Schloss Ehrenburg war Queen Victoria häufig zu Gast, war das Schloss doch Kindheitsort ihres geliebten Ehemanns Prinz Albert.

Landestheater und Edinburgh-Palais

Das Landestheater ist ein Gebäude im Stil des Klassizismus und wurde 1840 eröffnet. Seit 2023 ist es geschlossen… wegen schwerer baulicher Mängel verlor das Drei-Sparten-Haus seine Betriebsgenehmigung und wartet nun auf eine Generalsanierung, die wohl 2030 beginnen soll.
Das Ensemble wird rechts vom Theater vom Edinburgh-Palais ergänzt. Es wurde 1845–1846 erbaut und später von Prinz Alfred, dem Herzog von Edinburgh (zweitältester Sohn der britischen Königin Victoria), erworben und bewohnt. Heute ist es schnöderweise Sitz der Industrie- und Handelskammer.
Läuft man am Edinburgh-Palais vorbei, kommt man zur Kirche St. Augustin. Sie wurde 1856–1860 im neugotischen Stil erbaut und diente dem katholischen Teil des ortsansässigen Adels als Kirche. St. Augustin ist recht klein, die nächste Kirche, die ich im Anschluss besuchte, war protestantisch und mehrfach so groß: die Stadtkirche St. Moriz, geweiht dem heiligen Mauritius… jenem dunkelhäutigen Märtyrer, der auch das Wappen von Coburg ziert, welches auch auf fast allen Gullideckeln zu sehen ist.

Gullideckel mit dem heiligen Mauritius
Turm der Stadtpfarrkirche St. Moriz
St. Moriz - Inneres nach Osten

Das Kirchengebäude mit den ungleichen Türmen ist ziemlich dicht in die Altstadt eingebaut und schwer zu fotografieren. Es ist eine gotische Hallenkirche mit Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert. Das Langhaus wurde im 18. Jahrhundert zum Emporensaal mit zweigeschossigen Emporen umgebaut. Martin Luther… der wohnte 1530 ein halbes Jahr auf der Veste Coburg, predigte mehrere Male in der Kirche.
Das Bemerkenswerteste für mich an diesem Sakralbau ist ein megagroßes Epitaph (für Herzog Johann Friedrich den Mittleren), welches da steht, wo normalerweise der Hauptaltar ist… und dementsprechend auch wie ein Altar wirkt.

Spitaltor
Judentor
Ketschentor

Ich wanderte weiter durch die Altstadt und bewunderte neben zahlreichen Bürgerhäusern auch die drei erhaltenen Stadttore der ehemaligen mittelalterlichen Stadtmauer: Judentor, Spitaltor und Ketschentor… alle drei ähnlich und gut gepflegt…
Apropos… es war mittlerweile fortgeschrittener Nachmittag und einem gepflegten Hopfengetränk sollte langsam nichts mehr im Weg stehen… so kehrte ich erstmal ins Brauhaus Coburg bzw. dessen Außenbereich ein und probierte das hausgebraute Zwickelbier (ganz okay) und das Hauptbier Veste Trunk (nicht so meins).

Im Brauhaus Stadel
Im Biersalon

Danach gab es eine Schreibpause im Hotel, bevor es in das zweite Brauhaus ging, nämlich das Brauhaus Stadel… und dass mich dort die gleiche Bedienung begrüßte wie am Nachmittag, liegt daran, dass beide Läden zusammengehören und auch nur wenige Meter voneinander entfernt sind.
Diesmal sollte es das zünftige Gericht werden, was es fast immer auf meinen Reisen am ersten Abend gibt… es wurde ein Sauerbraten mit Coburger Klößen… auch Rutscher genannt… im Gegensatz zu den klassischen fränkischen Klößen wird hier ein höherer Anteil an gekochten Kartoffeln verwendet (oft zwei Drittel gekocht zu einem Drittel roh oder vier zu eins). Hat geschmeckt… mit dem Coburger Bier konnte ich mich trotzdem nicht anfreunden…
Also ging es danach weiter in den Biersalon, dort gibt es andere fränkische Biere, an diesem Tag 12 verschiedene… alle vom Hahn… nach zwei halben Litern war ich dann aber auch bettfertig… nicht nur wegen des Bieres, hauptsächlich war ich pflastermüde… und schon war der erste Tag Geschichte.

Der Marktplatz zu später Stunde
...noch immer ein wenig vom Nebel umhüllt...
...später aber in voller Schönheit: Veste Coburg

Am frühen Morgen des zweiten Tages merkte ich, wie es ist, wenn man direkt über der Filiale eines (nicht selbst backenden) Bäckers und direkt neben dem Marktplatz schläft… ab spätestens 7:00 Uhr hört man, auch den etwas in die Jahre gekommenen Fenstern geschuldet… einigen Remmidemmi… aber das machte nichts, bin ich einfach wie zuhause um 8 aus den Federn, hab mir beim Bäcker unten Kaffee und Brötchen geholt und war recht früh startklar für den Tag, an dem die Veste Coburg im Mittelpunkt stand.
Der vom Wetterbericht versprochene Himmel schaffte es nicht so schnell wie ich, aus seiner (Wolken-)Decke zu kommen, aber bis zur Veste waren ja erstmal einige Meter… und vor allem Höhenmeter zu verrichten. Wäre meine Zeit deutlich limitierter gewesen, hätte ich mit der Buslinie 1405 auch direkt hochfahren können… ich war mehr für Frühsport und erklomm die 1,4 Kilometer lange Strecke mit einem Höhenunterschied von 160 Metern… etwa eine halbe Stunde und eine rote Rübe auf den letzten Metern hat das benötigt.

Ausstellungsräume der Sonderausstellung "Ein Herzog. Zwei Residenzen."
Martin Luthers Unterkunft für 6 Monate im Jahr 1530

Für diese Mühen gönnte ich mir für 11 Euro Eintritt die Besichtigung der Kunstsammlungen in der Veste. Die Ausstellungen sind prima angelegt, ausgeschildert und sehr gut gemischt… insgesamt riesengroß, ich war etwa zwei Stunden unterwegs, habe dabei aber bestimmt die Hälfte abgeschritten und im Hinterkopf mit mir selber gemurmelt: Dieser Teil der Ausstellung ist sehr schön… interessiert mich aber nicht.
Interessant war für mich die Geschichte der Festung, der Stadt und des ehemaligen Herzogtums samt seiner Herrscher, die historischen Wohnräume Letztgenannter und die zahlreichen Kunstexponate, darunter etliche Gemälde von Lukas Cranach d. Ä., in dessen Geburtsstadt es ja morgen geht.
Weniger oder zumindest in der enormen Menge haben mich u. a. Waffen, Gläser oder Pferdekutschen interessiert… das mag bei anderen Besuchern komplett andersrum sein, dieses Museum ist definitiv für die ganze Familie geeignet.

Gemälde "Ungleiches Paar" von Lucas Cranach d.Ä.
"Herzog Georg III. von Anhalt" und "Martin Luther" von Lucas Cranach d.J.

Die Nebelwolken waren dann auch langsam auf dem Rückzug und es boten sich beste Ausblicke von den verschiedenen Bastionen der Burganlage… lediglich auf das Stadtzentrum hat man keine Sicht durch die Vegetation… damit war auch erklärt, warum ich gestern fast keinen Blick auf die Veste hatte, nur vom Zug aus.
Inzwischen war bestes Spätsommerwetter mit Temperaturen von zirka 25 Grad und ich machte mich langsam an den Abstieg… der gewohnt deutlich einfacher war als der Weg nach oben.

Auf der Veste Coburg
Blick von der Veste zum Eckardtsberg

Mit einem kleinen Imbiss vom Marktplatz ging es kurz ins Hotel, aber nicht lange… ein Berg stand noch auf der Liste… der Eckardtsberg… und zwar einzig und alleine, um den besten Blick auf die Veste zu haben und sie bei bester Wetterkulisse zu fotografieren… schaut selbst… war es doch wert… oder?

Blick vom Eckardtsberg zur Veste

Nun ja… ob es den Aufwand gerechtfertigt hat, bleibt mal dahingestellt… erstmal mit dem Bus so dicht wie möglich ran… dann noch ordentlich über Wege und Treppen hoch, dazwischen Privatgrundstücke, in die ich beinahe reingelaufen wäre… der zornige Köter, der mir noch eine halbe Stunde nachgebellt hat, und zum zweiten Mal die Gesichtsfarbe einer gesunden, reifen Tomate bei Ankunft am Eckardtssturm… der nicht zu besteigen ist, was aber auch nicht nötig war, denn von seinem Fuß entstand das Bild.
Der Rückweg bergab passierte wieder komplett per pedes und zur Belohnung gab es zwei schöne Biere im Josiasgarten, der anlässlich des schönen Wetters wieder aufhatte und gut frequentiert war.

Blick vom Eckardtsberg auf Coburg

Nach einer Schreibpause im Hotel gab es das Abendbrot im Außenbereich des Ratskellers, also genau vor meinem Fenster… Essen, Bier und Bedienung waren erstklassig.
Danach hätte zwar noch das eine oder andere Bier gepasst, aber es fehlte irgendwie die Lokalität dafür… es war ja auch erst Anfang der Woche und viele gastronomische Einrichtungen öffnen erst später in der Woche… also machte ich mich lieber noch etwas an diesen Bericht und ans Sortieren der ganzen Bilder… getrunken wird auch in den nächsten Tagen noch genug… somit war Tag 2 nun auch Geschichte.

Nächstes Ziel: Kronach

Kronach: Stadtansicht an der Haßlach

Kronach ist eine Stadt im Norden von Oberfranken mit etwa 16.000 Einwohnern. Kronach liegt am Rande des Mittelgebirges Frankenwald und gleich 3 Flüsse treffen in der Stadt zusammen: Haßlach, Kronach und Rodach… alles Nebenflüsse des Mains. Die Stadt hat eine ungewöhnliche dreistufige Gliederung: Die Untere Stadt mit den genannten Flüssen und dem Landesgartenschau-Park, dann die historische Altstadt als „Obere Stadt“ und die über allem thronende Festung Rosenberg, die den Landstrich ähnlich dominiert wie die Veste Coburg die Gegend von Coburg… beide Städte sind etwa 35 Kilometer voneinander entfernt. Die Festung Rosenberg war einst Sitz der Bamberger Fürstbischöfe und wurde nie eingenommen. Sie zählt zu den besterhaltenen und größten Burganlagen Deutschlands… auch in dieser Beziehung gibt es Parallelen zur Veste Coburg. Kronach ist Geburtsort eines der bedeutendsten deutschen Maler der Renaissance: Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553)… dieser hieß eigentlich Lucas Maler, das Cranach kommt von einer früheren Schreibweise der Stadt Kronach. „Gronich“, wie der Ort von den fränkischen Einwohnern genannt wird, hat eine super erhaltene Altstadt mit Teilen der erhaltenen Stadtbefestigung aus dem Mittelalter und historischen Wohnhäusern, oft Fachwerkhäuser, aus verschiedenen Bauepochen.

...ebenfalls Kronach mit der Haßlach

Der Ablauf des folgenden Morgens war ähnlich wie tags zuvor, nur galt es, alles zusammenzupacken und ab zum Bahnhof. Coburg war, glaub ich, traurig… schien gerade noch die Sonne, fing es am Bahnhof an zu regnen. Die Strecke nach Kronach beträgt zwar nur etwa 35 Kilometer, aber der Bus, der durchfährt, hält an jedem Briefkasten und die Bahn… fährt nicht durch… man muss in Lichtenfels umsteigen, aber es geht schneller als der Bus… theoretisch zumindest, aber über Verspätungen unter einer Stunde wollte ich ja diesmal nix sagen.
In Kronach angekommen ging es erstmal zur Unterkunft… für eine Nacht mietete ich mich ins Hotel Klosterkeller ein… nur wenige Schritte neben der Unterkunft für die nächsten Tage. Die Landlords waren so freundlich und ermöglichten mir, meine Tasche weit vor dem üblichen Check-in in mein Zimmer zu stellen. Das Hotel macht übrigens bislang einen Top-Eindruck.
Das Wetter galt es heute etwas zu berechnen… es war zum Glück kein Dauerregen, aber wenn, dann schon ordentlich. Es war einigermaßen sicher, dass es zwischen 16–17:00 Uhr aufklart, was natürlich für schöne Fotos von Vorteil ist.

Die Amtsgerichtstraße in der oberen Stadt mit dem ersten Hotel
Von der oberen Stadt blickt man auf die Dächer der unteren Stadt

Mein erster Eindruck über Kronach war sehr positiv, es ist alles recht klein, überall ist altes Gemäuer und diese dreistufige Aufteilung der Stadt ziemlich selten. Als Erstes wollte ich mir aber einen Eindruck von oben verschaffen und lief hoch zur Festung Rosenberg… bereits der dritte Mount Everest (für mich) innerhalb 24 Stunden. Oben wollte ich aber nur mal schauen und inspizierte auch die Gastronomie der Bastion Marie… deren Ausblick ist ziemlich genial und ich hoffe, dass wir dort morgen in Truppenstärke einreiten können… im Mittelalter hätte das nicht geklappt, die Burg wurde nie eingenommen. Ich hatte kurz überlegt, ob ich auch gleich mal das Bier testen sollte, hab mich aber dagegen entschieden… stattdessen ging es wieder bergab und es gab Mittagessen in einer Fleischerei am Stehtisch mit gutem Essen für wenig Geld. Es fing wieder an zu regnen und naja… jetzt mit vollem Magen durfte es dann doch ein Bier werden und zwar im Kroniche Stadtgarten. Die liegen etwas südlich der Altstadt und haben einen Biergarten… dort trank ich zwei Bier aus der Brauerei Trunk bei der Basilika Vierzehnheiligen, die wir am Samstag im Programm haben… deren Bier heißt übrigens Nothelfer.

Stadtkirche St. Johannis von Westen... auch wenn man denkt von Osten...
St. Johannis - Inneres von West nach Ost

Beide Biere schmeckten ganz hervorragend, aber bevor es zu gut schmeckt, ging es erstmal weiter in die Stadtkirche St. Johannis. Die gotische Kirche hat Wurzeln im 14. Jahrhundert, ist auch zum größten Teil gotisch, irritiert aber mit einer seltsamen Einteilung. Das Langhaus ist eine dreischiffige Hallenkirche, der Ostchor ist eher klein und an der Westseite ist eine Art Westchor, der aber keiner ist… zwar größer als der richtige, aber dort befindet sich die Orgel… der Turm übrigens im Nordosten.
Während meiner Besichtigung war nur eine Person außer mir in der Kirche… es war eine Organistin, die die Orgel bespielte und das sehr gut… ich liebe sowas… wahrscheinlich, weil ich nie dazu gezwungen wurde. Danach ging es für eine Schreibpause ins Hotel… auch weil der Himmel jetzt die Schleusen richtig öffnete. Gegen 17:00 Uhr sah alles wieder prima aus und ich konnte endlich meine Entdeckungsreise fortsetzen und konnte auch richtig gute Bilder machen.

Das Bamberger Tor
Szene zwischen Oberer und Unterer Stadt
Auf der Stadtmauer

Nochmal zur Vorstellung dieser kleinen Stadt… Kronach ist in 3 Teile aufgeteilt, aber nicht in der Breite, sondern in der Höhe. Es gibt die Unterstadt, dort sind die Flüsse und der größte Teil der Stadt… dann gibt es die Obere Stadt, die größtenteils von der mittelalterlichen Stadtmauer begrenzt etwa eine Häuserhöhe über der Unteren Stadt liegt… hier ist der gut erhaltene mittelalterliche Stadtkern… dann geht’s noch eine Etage höher zur Festung Rosenberg… etwa 60 Meter über der Oberen Stadt.
Gut sehen kann man den Aufbau am Ufer der Haßlach, wo alle drei Etagen gut zu erkennen sind.
Mein jetziges Hotel, das gemeinsame Hotel für die nächsten Tage der Bierwanderung, befindet sich in der Oberen Stadt. Über alte Treppen und natürlich auch an einigen Straßen kann man in die Untere Stadt wechseln. An der Haßlach lief ich dann bis etwa zur Höhe des Bahnhofs, dann durch das mittelalterliche Bamberger Tor über den zentralen Melchior-Otto-Platz durch die Straßen der Altstadt.

Melchior-Otto-Platz mit Geburtshaus von Lucas Cranach
Das Haus hat schon bessere Tage erlebt
Der Marktplatz mit dem Neuen Rathaus

Lucas Cranach ist hier geboren… im Fachwerkhaus Lucas-Cranach-Straße 2, das markante Haus mit der historischen Aufschrift „Zur Scharfen Ecke“… das ist allerdings historisch umstritten, aber wenn nicht dort, dann halt ein paar Häuser weiter.
Für mich ist Kronach so etwas wie das letzte Kapitel der Cranach-Trilogie, die es zwar so nicht gibt, aber geben könnte… ich war jetzt am Geburtsort, in Wittenberg, der Stadt, wo er den größten Teil seines Wirkens erlebte, und in Weimar, wo er seine letzten Jahre verlebte und starb.

Cranach Denkmal vor dem Rathaus

 Lucas Cranach der Ältere… eigentlich Lucas Maler, wurde 1472 in Kronach geboren und gilt neben Albrecht Dürer als einer der bedeutendsten Maler der Renaissance im deutschsprachigen Raum. Um 1500 verließ er seine Heimatstadt und landete schließlich 1505 in Wittenberg, wo er Hofmaler der sächsischen Kurfürsten wurde. Hier verbrachte er den größten Teil seines Lebens und baute eine große und äußerst erfolgreiche Werkstatt auf. Sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere führte diese später weiter, weshalb bis heute eine Vielzahl von Cranach-Werken erhalten geblieben ist.

Cranach war aber nicht nur Maler. Die Cranachs wurden reich, besaßen Immobilien, eine Apotheke und saßen zeitweise im Rat der Stadt. Und dann war da natürlich Martin Luther… Cranach war mit ihm eng befreundet und wurde zu einem der wichtigsten Bildchronisten der Reformation. Viele der heute bekannten Luther-Porträts stammen aus seiner Werkstatt.

Für mich ist Kronach deshalb so etwas wie das erste Kapitel einer kleinen Cranach-Trilogie, die es zwar offiziell nicht gibt, aber geben könnte: Kronach als Geburtsstadt, Wittenberg als Stadt seines großen Wirkens und Weimar als Ort seiner letzten Jahre und seines Todes.

In Kronach steht das markante Fachwerkhaus „Zur Scharfen Ecke“ in der Lucas-Cranach-Straße. Ob Cranach tatsächlich dort geboren wurde, ist allerdings historisch umstritten. Für mich passt es trotzdem ganz gut als Ausgangspunkt.

In Wittenberg hatte mich die Dauerausstellung „Cranachs Welt“ eine gute Stunde ganz bei sich… nachzulesen hier.  Und in Weimar begab ich mich zum Abschluss in die Jakobskirche. Cranach kam 1552 als etwa 80-Jähriger gemeinsam mit seinem Förderer Herzog Johann Friedrich dem Großmütigen nach Weimar und starb dort ein Jahr später. Sein Grab befindet sich noch heute an der Südseite der Kirche… nachzulesen hier.

Wenige Meter daneben liegt eine… naja… sehr weit entfernte Familienangehörige späterer Zeit: Christiane von Goethe, geborene Vulpius. Cranach ist schließlich der Ur-Ur-Ur-Großvater von Johann Wolfgang von Goethe… ihrem Ehemann.

Damit war meine kleine Cranach-Trilogie komplett: Kronach – Wittenberg – Weimar. Geboren, gewirkt, gestorben… wenn auch nicht in Reihenfolge.

Cranach Spuren in Kronach... Original Cranach-Stromkasten von 1497 😉
Eine andere Version von "Das Ungleiche Paar" von Cranach als das von Coburg... dieses von der Festung Rosenberg

Nach einer Stunde Stadtbesichtigung hatte ich alles gesehen, später gab es noch gutes Essen und Bier im s’Antla, dem größten Brauerei-Gasthaus der Stadt. Dort dreht sich neben selbstproduziertem Bier und der üblichen fränkischen Küche so einiges um das Thema Ente… fränkisch Antla… und so kam bei mir eine Entensülze auf den Teller, die zusammen mit Bratkartoffeln und Salat sehr lecker und vor allem mal was anderes war. Die Biere, die ich an diesem Abend probierte (Einser, Flößer und Festbier), mochte ich gerne.
Die Gastwirtschaft gehört auch zu dem Stadthotel, welches ich morgen beziehen werde, zusammen und hat auch einen Shop und einen externen Biergarten wenige hundert Meter weiter und tiefer am unteren Rand der Stadtmauer.

Früher Nebel über Kronach
Die Festung Rosenberg von Nordost
Festung Rosenburg - Ausstellungsräume der Fränkischen Galerie

Der Donnerstag war Anreisetag der 5 anderen Freunde aus Potsdam und Berlin, vorher hatte ich allerdings noch reichlich Zeit, die Festung Rosenberg zu erkunden. Dort machte ich noch ein paar Fotos von der Gegend mit Hochnebel, nicht so dicht wie vor zwei Tagen in Coburg, aber auch reizvoll.
Dann kaufte ich mir ein Ticket für 11 Euro… dafür bekommt man eine über einstündige Führung und unbegrenzte Zeit im Museum… der Fränkischen Galerie. Einen Teil der Museumsausstellung besichtigte ich bis 11:00 Uhr, dann ging die Führung durch die Burg los. Die sympathische Führerin erklärte eine Menge über die Architektur der Wehranlage und deren militärischen Besonderheiten. Wir durchliefen eine 13 Meter dicke Wand und einen unterirdischen Gang und machten uns einen Überblick über die Dimensionen der riesigen Anlage (23,6 Hektar… etwa 33 Fußballfelder).
Im Anschluss besichtigte ich den Rest des Museums mit einigen Werken von Lucas Cranach und seinen zeitgenössischen Künstlern. Die 11 Euro waren sehr gut angelegt, gute Führung und schönes Museum.
Nach gut 3 Stunden Architektur, Kunst und Geschichte war es nun aber Zeit für eine Einkehr in die Gastronomie der Festung… und die heißt Bastion Marie. Neben einem zünftigen Strammen Max probierte ich auch das eigens für den Laden produzierte Bier „Mariechen“… ein frisches, naturtrübes, helles Bier, an das ich mich gut gewöhnen könnte…

Blick durch ein Späh-Fenster der Burg auf Kronach

Bevor das allerdings dazu kommt, musste ich erstmal wieder runter von der Burg und meine Mitwanderer begrüßen und auch in das neue Hotel einchecken. Das Stadthotel Pfarrhof macht ebenfalls einen sehr gepflegten Eindruck. Es sind alte, historische Gebäude, bei denen viele Details liebevoll erhalten und mit viel Stil in die Hotelanlage integriert wurden.
Als wir dann vollzählig waren, musste ich meinen Freunden gleich mal das zeigen, was ich kurz zuvor kennengelernt hatte und für gut befunden hatte: die Bastion Marie mit ihrer phänomenalen Aussicht, dem guten Essen und dem Bier Mariechen… mein Echo wurde von den Mitstreitern ausnahmslos geteilt (was nicht selbstverständlich ist).
Anschließend zogen wir noch weiter in das Gasthaus Sonnenschein im Appei’s Max, einem rustikalen Restaurant in der Unteren Stadt, und abschließend ins Blueberry Hill, einem Pub etwas abseits der Altstadt… dort gab es das erste Guinness seit Tagen… und auch sonst ist das ein sehr sympathischer Laden… sowas hat mir in der mehrfach größeren Stadt Coburg etwas gefehlt.

Die Wandergruppe auf der Festung Rosenberg... könnte auch 'ne Punk Band sein... 🤘😉

An dieser Stelle mache ich einen Break von einem zum anderen Bericht… wer möchte, kann hier: „NOCH NICHT FERTIG“ weiterlesen im Bericht McLarsen im Land der tausend Biere VI. Kronach & Rund um den Staffelberg (September 2026).
Bleibt noch ein kurzes Fazit… sowohl Coburg als auch Kronach haben mir gut gefallen… Coburg sehe ich als eine Art Geheimtipp, man bekommt viel Kunst und Geschichte, ohne sie mit lästigen Touristenmassen teilen zu müssen. In puncto Gastronomie (da meine ich aber eher die für mich interessanten Sachen) ist meines Erachtens noch etwas Luft nach oben.
Kronach ist natürlich bedeutend kleiner, hat aber gerade in Sachen Gastro deutlich mehr zu bieten… zumindest in Bezug auf die Einwohnerzahl. Mit der wunderschönen Altstadt und der Festung Rosenberg kann man im Norden Oberfrankens, unweit der Thüringer Grenze, ein regelrechtes Kleinod städtebaulicher Kunst kennenlernen. Die Stadt hat außerdem noch einen schönen Park, der mal für eine Landesgartenschau umgestaltet wurde… dieser Teil kommt in dem oben genannten Bericht vor.

Es folgen ein paar Bilder aus Coburg und Kronach als Zugabe:

Coburg - Blick vom Schloß Ehrenburg auf die Arkaden des Hofgarten
Coburg - Ampelmännchen mit Coburger Bratwurst
Coburg - Denkmal für Gurken-Alex
Coburg - Münzmeisterhaus von 1333... eines der ältesten deutschen Fachwerkhäuser
Coburg - Hahnenmühle... ebenfalls Anfang 14. Jahrhundert
Coburg - Albertplatz mit Wandgemälde über den Platz-Namensgeber
Coburg - Casimirianum von 1605
Coburg - Casimirianum - Detail
Coburg - Auf der Veste
Coburg - Auf der Veste
Coburg - Auf der Veste
Coburg - Nachts auf'm Markt
Kronach - Festung Rosenberg - Tor
Kronach - Historische Stadtmauer mit Hexenturm
Kronach - Altstadt mit Stadtturm
Kronach - Cranach Signum Geflügelte Schlange vor dem Rathaus