McLarsen in Coburg und Kronach (September 2026)

Coburg, 15.09.2026… Warum Coburg? Als ich vor ein paar Jahren mal in Coburg umsteigen musste, fiel mir vom Zug aus diese riesige Burganlage auf. Bis dato kannte ich den Namen eigentlich nur von der Versicherung HUK-Coburg, eine Stadtansicht dazu hatte ich nie… nun sah das ja mit der Burg ganz interessant aus und ich dachte mir damals bereits: Da musst du auch mal hin. Es ist ja ein jährliches Ritual, dass ich eine Stadt im Süden besuche, bevor unsere Bierwanderung losgeht. In diesem Jahr habe ich mir dafür die Stadt Kronach ausgesucht und so bot sich das etwa 35 Kilometer entfernte Coburg für eine ausgiebige Erkundung an. Geplant sind hier 1,5 Tage, bevor ich bereits am Mittwoch nach Kronach fahren werde, um diese kleinere Stadt auch ein wenig zu erkunden… erfahrungsgemäß klappt das während der Bierwanderung eher weniger.

Marktplatz mit Rathaus, links hinterm Baum mein Hotel
Marktplatz mit Stadthaus und Prinz Albert Denkmal

Coburg ist eine Stadt im Norden der fränkischen Region Oberfranken. Sie hat etwa 41.000 Einwohner und liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Thüringen entfernt. Die im 11. Jahrhundert erstmals erwähnte Stadt wurde besonders als Residenzstadt der Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha bekannt. Die Veste Coburg ist eine der größten erhaltenen Burganlagen Deutschlands. Sie thront etwa 160 Meter über dem Stadtzentrum und ist sehr dominant in der Landschaft… wird auch „Fränkische Krone“ genannt. Neben der Veste gibt es noch weitere Schlösser und Parkanlagen in und um Coburg, das Schloss Ehrenburg ist das bekannteste. Prominentester Bewohner war Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, der Ehemann der lange regierenden britischen Königin Victoria. Neben den Immobilien des Adels verfügt Coburg auch über eine wunderbar erhaltene Altstadt mit großem Marktplatz, Rathaus und Stadthaus, frühe neugotische Bebauung an der ehemaligen Stadtmauer und bemerkenswerte Jugendstil-Bauten. Coburg ist Hauptsitz der Versicherung HUK-Coburg, des Autozulieferers Brose und weiterer größerer Unternehmen. Aufgrund der vielen Steuern durch die ansässige Wirtschaft ist Coburg eine der reichsten Städte Deutschlands. Das Stadtwappen mit dem Kopf eines Schwarzafrikaners stellt den Stadtpatron, den Heiligen Mauritius, dar… nach ihm wurde auch die größte Kirche der Stadt, die Morizkirche (ja… ohne t), benannt.

Von 50 Minuten Verspätung der Bahn möchte ich heute gar nicht erst anfangen… der Zug war existent und kam irgendwann nachmittags in der oberfränkischen Stadt an. Vom Bahnhof sind es dann auch nur wenige Minuten zu Fuß, bis man in der historischen Altstadt von Coburg ist. Relativ standesgemäß hatte ich meine Unterkunft direkt am Marktplatz vis-à-vis mit dem Rathaus ausgesucht. Das Hotel „The Square“, was sich vom Namen her auf den Marktplatz bezieht, ist soweit ganz ordentlich… das Zimmer lässt keine Wünsche offen.
Kurz nach 14:00 Uhr ging es dann auf Tuchfühlung mit der Stadt… das Wetter war okay… bewölkt, aber warm und trocken… allerdings soll morgen nochmal Postkartenwetter werden… somit werden die richtig guten Bilder wohl morgen kommen… heute war erstmal Kennenlernen angesagt.

Coburger Erker am Stadthaus
Details an der Hof-Apotheke

Es folgte ein kleiner Stadtrundgang… beginnend am Marktplatz, den ich ja vom Zimmer aus gut vor der Linse habe. Zwei wunderbare Exemplare von Architektur der Renaissance stehen sich dort Giebel zu Giebel gegenüber: Das Rathaus und das Stadthaus. Beides sind Prachtbauten und stehen sich als Rivalen der Stadtgeschichte gegenüber, da sie einst die politische Macht der Bürger und die Macht des Landesherrn (adlige Herzogen-Sippe… sorry…) symbolisierten.
Das Rathaus gab es zuerst (1577–1580, mit Veränderungen im 18. Jahrhundert), das Stadthaus war die Antwort der Herrscher seinerzeit und fällt mindestens gleich prächtig aus… erbaut 1597–1601. Beide Häuser haben eine architektonische Besonderheit, die sogar mit dem Namen „Coburger Erker“ in die Architekturgeschichte eingegangen ist: Der gesamte zweigeschossige Erker ruht auf einer einzigen, kunstvoll kannelierten ionischen Säule, die direkt an der Straßenecke (Marktplatz / Ketschengasse) steht… vom Hotelfenster schaue ich direkt darauf. Das Modell wurde beim Stadthaus kopiert und findet sich in dieser Form nirgendwo anders als in Coburg.
In der Mitte des Marktplatzes steht eine Statue von Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, dem einflussreichen Ehemann der lange regierenden britischen Königin Victoria… die das Teil auch nach seinem frühen Tod gestiftet hatte. Es gibt am Marktplatz auch noch sehr interessante Häuser, zum Beispiel die Hof-Apotheke aus dem 16. Jahrhundert mit vielen erhaltenen Details.
Eine weitere Institution ist eine Würstchenbude auf dem Marktplatz… die berühmte Coburger Bratwurst wird ausschließlich über Kiefernzapfen gegrillt und ist im Rohzustand 31 cm lang… nun habe ich ja seit ein paar Jahren wenigstens die Berliner Currywurst akzeptiert, aber so was Langes… ich weiß nicht… der Rauch ist jedenfalls auf dem kompletten Markt sehr präsent.

Schloß Ehrenburg

Durch die unvermeidliche Fußgängerzone ging es weiter und nach einem kurzen Imbiss in einem asiatischen Bistro ging es zum zweitbedeutendsten Platz der Stadt: dem Schlossplatz. Dort befindet sich unterhalb der Arkaden vom Hofgarten, der Richtung Veste ansteigt, das Schloss Ehrenburg, das Landestheater und das Edinburgh-Palais.
Das Schloss Ehrenburg war die Stadtresidenz der Herzöge und hat seine Ursprünge im 16. Jahrhundert. Während im Inneren noch prächtige Räumlichkeiten aus dem 18. Jahrhundert dominieren, ist das Äußere von einer neugotischen Umgestaltung aus dem 19. Jahrhundert geprägt… unser Berliner Karl Friedrich Schinkel war daran beteiligt. Im Schloss Ehrenburg war Queen Victoria häufig zu Gast, war das Schloss doch Kindheitsort ihres geliebten Ehemanns Prinz Albert.

Landestheater und Edinburgh-Palais

Das Landestheater ist ein Gebäude im Stil des Klassizismus und wurde 1840 eröffnet. Seit 2023 ist es geschlossen… wegen schwerer baulicher Mängel verlor das Drei-Sparten-Haus seine Betriebsgenehmigung und wartet nun auf eine Generalsanierung, die wohl 2030 beginnen soll.
Das Ensemble wird rechts vom Theater vom Edinburgh-Palais ergänzt. Es wurde 1845–1846 erbaut und später von Prinz Alfred, dem Herzog von Edinburgh (zweitältester Sohn der britischen Königin Victoria), erworben und bewohnt. Heute ist es schnöderweise Sitz der Industrie- und Handelskammer.
Läuft man am Edinburgh-Palais vorbei, kommt man zur Kirche St. Augustin. Sie wurde 1856–1860 im neugotischen Stil erbaut und diente dem katholischen Teil des ortsansässigen Adels als Kirche. St. Augustin ist recht klein, die nächste Kirche, die ich im Anschluss besuchte, war protestantisch und mehrfach so groß: die Stadtkirche St. Moriz, geweiht dem heiligen Mauritius… jenem dunkelhäutigen Märtyrer, der auch das Wappen von Coburg ziert, welches auch auf fast allen Gullideckeln zu sehen ist.

Gullideckel mit dem heiligen Mauritius
Turm der Stadtpfarrkirche St. Moriz
St. Moriz - Inneres nach Osten

Das Kirchengebäude mit den ungleichen Türmen ist ziemlich dicht in die Altstadt eingebaut und schwer zu fotografieren. Es ist eine gotische Hallenkirche mit Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert. Das Langhaus wurde im 18. Jahrhundert zum Emporensaal mit zweigeschossigen Emporen umgebaut. Martin Luther… der wohnte 1530 ein halbes Jahr auf der Veste Coburg, predigte mehrere Male in der Kirche.
Das Bemerkenswerteste für mich an diesem Sakralbau ist ein megagroßes Epitaph (für Herzog Johann Friedrich den Mittleren), welches da steht, wo normalerweise der Hauptaltar ist… und dementsprechend auch wie ein Altar wirkt.

Spitaltor
Judentor
Ketschentor

Ich wanderte weiter durch die Altstadt und bewunderte neben zahlreichen Bürgerhäusern auch die drei erhaltenen Stadttore der ehemaligen mittelalterlichen Stadtmauer: Judentor, Spitaltor und Ketschentor… alle drei ähnlich und gut gepflegt…
Apropos… es war mittlerweile fortgeschrittener Nachmittag und einem gepflegten Hopfengetränk sollte langsam nichts mehr im Weg stehen… so kehrte ich erstmal ins Brauhaus Coburg bzw. dessen Außenbereich ein und probierte das hausgebraute Zwickelbier (ganz okay) und das Hauptbier Veste Trunk (nicht so meins).

Im Brauhaus Stadel
Im Biersalon

Danach gab es eine Schreibpause im Hotel, bevor es in das zweite Brauhaus ging, nämlich das Brauhaus Stadel… und dass mich dort die gleiche Bedienung begrüßte wie am Nachmittag, liegt daran, dass beide Läden zusammengehören und auch nur wenige Meter voneinander entfernt sind.
Diesmal sollte es das zünftige Gericht werden, was es fast immer auf meinen Reisen am ersten Abend gibt… es wurde ein Sauerbraten mit Coburger Klößen… auch Rutscher genannt… im Gegensatz zu den klassischen fränkischen Klößen wird hier ein höherer Anteil an gekochten Kartoffeln verwendet (oft zwei Drittel gekocht zu einem Drittel roh oder vier zu eins). Hat geschmeckt… mit dem Coburger Bier konnte ich mich trotzdem nicht anfreunden…
Also ging es danach weiter in den Biersalon, dort gibt es andere fränkische Biere, an diesem Tag 12 verschiedene… alle vom Hahn… nach zwei halben Litern war ich dann aber auch bettfertig… nicht nur wegen des Bieres, hauptsächlich war ich pflastermüde… und schon war der erste Tag Geschichte.

Der Marktplatz zu später Stunde
...noch immer ein wenig vom Nebel umhüllt...
...später aber in voller Schönheit: Veste Coburg

Am frühen Morgen des zweiten Tages merkte ich, wie es ist, wenn man direkt über der Filiale eines (nicht selbst backenden) Bäckers und direkt neben dem Marktplatz schläft… ab spätestens 7:00 Uhr hört man, auch den etwas in die Jahre gekommenen Fenstern geschuldet… einigen Remmidemmi… aber das machte nichts, bin ich einfach wie zuhause um 8 aus den Federn, hab mir beim Bäcker unten Kaffee und Brötchen geholt und war recht früh startklar für den Tag, an dem die Veste Coburg im Mittelpunkt stand.
Der vom Wetterbericht versprochene Himmel schaffte es nicht so schnell wie ich, aus seiner (Wolken-)Decke zu kommen, aber bis zur Veste waren ja erstmal einige Meter… und vor allem Höhenmeter zu verrichten. Wäre meine Zeit deutlich limitierter gewesen, hätte ich mit der Buslinie 1405 auch direkt hochfahren können… ich war mehr für Frühsport und erklomm die 1,4 Kilometer lange Strecke mit einem Höhenunterschied von 160 Metern… etwa eine halbe Stunde und eine rote Rübe auf den letzten Metern hat das benötigt.

Ausstellungsräume der Sonderausstellung "Ein Herzog. Zwei Residenzen."
Martin Luthers Unterkunft für 6 Monate im Jahr 1530

Für diese Mühen gönnte ich mir für 11 Euro Eintritt die Besichtigung der Kunstsammlungen in der Veste. Die Ausstellungen sind prima angelegt, ausgeschildert und sehr gut gemischt… insgesamt riesengroß, ich war etwa zwei Stunden unterwegs, habe dabei aber bestimmt die Hälfte abgeschritten und im Hinterkopf mit mir selber gemurmelt: Dieser Teil der Ausstellung ist sehr schön… interessiert mich aber nicht.
Interessant war für mich die Geschichte der Festung, der Stadt und des ehemaligen Herzogtums samt seiner Herrscher, die historischen Wohnräume Letztgenannter und die zahlreichen Kunstexponate, darunter etliche Gemälde von Lukas Cranach d. Ä., in dessen Geburtsstadt es ja morgen geht.
Weniger oder zumindest in der enormen Menge haben mich u. a. Waffen, Gläser oder Pferdekutschen interessiert… das mag bei anderen Besuchern komplett andersrum sein, dieses Museum ist definitiv für die ganze Familie geeignet.

Gemälde "Ungleiches Paar" von Lucas Cranach d.Ä.
"Herzog Georg III. von Anhalt" und "Martin Luther" von Lucas Cranach d.J.

Die Nebelwolken waren dann auch langsam auf dem Rückzug und es boten sich beste Ausblicke von den verschiedenen Bastionen der Burganlage… lediglich auf das Stadtzentrum hat man keine Sicht durch die Vegetation… damit war auch erklärt, warum ich gestern fast keinen Blick auf die Veste hatte, nur vom Zug aus.
Inzwischen war bestes Spätsommerwetter mit Temperaturen von zirka 25 Grad und ich machte mich langsam an den Abstieg… der gewohnt deutlich einfacher war als der Weg nach oben.

Auf der Veste Coburg
Blick von der Veste zum Eckardtsberg

Mit einem kleinen Imbiss vom Marktplatz ging es kurz ins Hotel, aber nicht lange… ein Berg stand noch auf der Liste… der Eckardtsberg… und zwar einzig und alleine, um den besten Blick auf die Veste zu haben und sie bei bester Wetterkulisse zu fotografieren… schaut selbst… war es doch wert… oder?

Blick vom Eckardtsberg zur Veste

LNun ja… ob es den Aufwand gerechtfertigt hat, bleibt mal dahingestellt… erstmal mit dem Bus so dicht wie möglich ran… dann noch ordentlich über Wege und Treppen hoch, dazwischen Privatgrundstücke, in die ich beinahe reingelaufen wäre… der zornige Köter, der mir noch eine halbe Stunde nachgebellt hat, und zum zweiten Mal die Gesichtsfarbe einer gesunden, reifen Tomate bei Ankunft am Eckardtssturm… der nicht zu besteigen ist, was aber auch nicht nötig war, denn von seinem Fuß entstand das Bild.
Der Rückweg bergab passierte wieder komplett per pedes und zur Belohnung gab es zwei schöne Biere im Josiasgarten, der anlässlich des schönen Wetters wieder aufhatte und gut frequentiert war.

Blick vom Eckardtsberg auf Coburg

Nach einer Schreibpause im Hotel gab es das Abendbrot im Außenbereich des Ratskellers, also genau vor meinem Fenster… Essen, Bier und Bedienung waren erstklassig.
Danach hätte zwar noch das eine oder andere Bier gepasst, aber es fehlte irgendwie die Lokalität dafür… es war ja auch erst Anfang der Woche und viele gastronomische Einrichtungen öffnen erst später in der Woche… also machte ich mich lieber noch etwas an diesen Bericht und ans Sortieren der ganzen Bilder… getrunken wird auch in den nächsten Tagen noch genug… somit war Tag 2 nun auch Geschichte.

Nächstes Ziel: Kronach

Kronach: Stadtansicht an der Haßlach

Kronach ist eine Stadt im Norden von Oberfranken mit etwa 16.000 Einwohnern. Kronach liegt am Rande des Mittelgebirges Frankenwald und gleich 3 Flüsse treffen in der Stadt zusammen: Haßlach, Kronach und Rodach… alles Nebenflüsse des Mains. Die Stadt hat eine ungewöhnliche dreistufige Gliederung: Die Untere Stadt mit den genannten Flüssen und dem Landesgartenschau-Park, dann die historische Altstadt als „Obere Stadt“ und die über allem thronende Festung Rosenberg, die den Landstrich ähnlich dominiert wie die Veste Coburg die Gegend von Coburg… beide Städte sind etwa 35 Kilometer voneinander entfernt. Die Festung Rosenberg war einst Sitz der Bamberger Fürstbischöfe und wurde nie eingenommen. Sie zählt zu den besterhaltenen und größten Burganlagen Deutschlands… auch in dieser Beziehung gibt es Parallelen zur Veste Coburg. Kronach ist Geburtsort eines der bedeutendsten deutschen Maler der Renaissance: Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553)… dieser hieß eigentlich Lucas Maler, das Cranach kommt von einer früheren Schreibweise der Stadt Kronach. „Gronich“, wie der Ort von den fränkischen Einwohnern genannt wird, hat eine super erhaltene Altstadt mit Teilen der erhaltenen Stadtbefestigung aus dem Mittelalter und historischen Wohnhäusern, oft Fachwerkhäuser, aus verschiedenen Bauepochen.

...ebenfalls Kronau mit der Haßlach

...wird fortgesetzt...