McLarsen im Land der tausend Biere VI. Kronach & Rund um den Staffelberg (September 2026)
Berlin, im September 2026… Zu einem Highlight des Jahres hat sich eine Unternehmung gemausert, die 2020, im ersten Corona-Jahr, eher als Ersatz für ausgefallene Urlaube gedacht war: Ein paar Kumpels treffen sich in Franken, es wird gewandert und Bier getrunken… Fähigkeiten, die wir alle besitzen und an drei Tagen mal ordentlich ausleben. Im Prinzip könnte ich aber auch sagen… ich habe Schottland im September mit Franken ausgetauscht. Ich war fast 10 Jahre im September in Schottland, wegen Whisky, Land und Leuten… entstanden in dieser Reihenfolge. Dann kam Corona und Brexit… Franken bot sich irgendwie an… ist auch nicht ganz so weit und Bier, Land und Leute ersetzen die alte Leidenschaft nach einigen Jahren sehr gut.
Die erste Tour in der Fränkischen Schweiz, speziell in der Gemeinde Aufseß (nachzulesen HIER), hatte mir so gut gefallen, dass es wieder und wieder wiederholt wurde und wir dieses Jahr bereits zum sechsten Mal Bierwandern. Ziel der Hauptwanderung ist diesmal eine Runde um den Staffelberg mit verhältnismäßig vielen Möglichkeiten der Einkehr. Residenzstadt ist die Stadt Kronach, die ich bereits einen Tag zuvor ansteuerte, um sie ein wenig besser kennenzulernen. Das kann man, genau wie meine Erkundungen kurz davor in Coburg, HIER nachlesen.),
Anreisetag war Donnerstag, 17.09.2026. Während ich ja bereits in Kronach und besonders auf der dortigen Festung Rosenberg auf Sightseeing-Tour unterwegs war, startete der Großteil der Gruppe… Matthias, Immo, Philipp und André etwa 11:00 Uhr in Berlin und Potsdam mit dem Auto, Karsten kam kurze Zeit später mit dem Zug und Hansi musste kurzfristig wegen gesundheitlicher Probleme passen, kommt aber am Samstagabend und wird uns auch zurück nach Berlin chauffieren, da Matthias innerhalb Bayerns weiterreist… so weit, so kompliziert…
Am Anreisetag der anderen hatte ich Zeit, die Festung Rosenberg zu besichtigen, und fange damit einfach mal an und zitiere mich selbst vom Coburg-und-Kronach-Blog:
Der Donnerstag war Anreisetag der 5 anderen Freunde aus Potsdam und Berlin, vorher hatte ich allerdings noch reichlich Zeit, die Festung Rosenberg zu erkunden. Dort machte ich noch ein paar Fotos von der Gegend mit Hochnebel, nicht so dicht wie vor zwei Tagen in Coburg, aber auch reizvoll.
Dann kaufte ich mir ein Ticket für 11 Euro… dafür bekommt man eine über einstündige Führung und unbegrenzte Zeit im Museum… der Fränkischen Galerie. Einen Teil der Museumsausstellung besichtigte ich bis 11:00 Uhr, dann ging die Führung durch die Burg los. Die sympathische Führerin erklärte eine Menge über die Architektur der Wehranlage und deren militärischen Besonderheiten. Wir durchliefen eine 13 Meter dicke Wand und einen unterirdischen Gang und machten uns einen Überblick über die Dimensionen der riesigen Anlage (23,6 Hektar… etwa 33 Fußballfelder).
Im Anschluss besichtigte ich den Rest des Museums mit einigen Werken von Lucas Cranach und seinen zeitgenössischen Künstlern. Die 11 Euro waren sehr gut angelegt, gute Führung und schönes Museum.
Nach gut 3 Stunden Architektur, Kunst und Geschichte war es nun aber Zeit für eine Einkehr in die Gastronomie der Festung… und die heißt Bastion Marie. Neben einem zünftigen Strammen Max probierte ich auch das eigens für den Laden produzierte Bier „Mariechen“… ein frisches, naturtrübes, helles Bier, an das ich mich gut gewöhnen könnte…
Bevor das allerdings dazu kommt, musste ich erstmal wieder runter von der Burg und meine Mitwanderer begrüßen und auch in das neue Hotel einchecken. Das Stadthotel Pfarrhof macht ebenfalls einen sehr gepflegten Eindruck. Es sind alte, historische Gebäude, bei denen viele Details liebevoll erhalten und mit viel Stil in die Hotelanlage integriert wurden.
Als wir dann vollzählig waren, musste ich meinen Freunden gleich mal das zeigen, was ich kurz zuvor kennengelernt hatte und für gut befunden hatte: die Bastion Marie mit ihrer phänomenalen Aussicht, dem guten Essen und dem Bier Mariechen… mein Echo wurde von den Mitstreitern ausnahmslos geteilt (was nicht selbstverständlich ist).
Anschließend zogen wir noch weiter in das Gasthaus Sonnenschein im Appei’s Max, einem rustikalen Restaurant in der Unteren Stadt, und abschließend ins Blueberry Hill, einem Pub etwas abseits der Altstadt… dort gab es das erste Guinness seit Tagen… und auch sonst ist das ein sehr sympathischer Laden… sowas hat mir in der mehrfach größeren Stadt Coburg etwas gefehlt.

Kronach ist eine Stadt im Norden von Oberfranken mit etwa 16.000 Einwohnern. Kronach liegt am Rande des Mittelgebirges Frankenwald und gleich 3 Flüsse treffen in der Stadt zusammen: Haßlach, Kronach und Rodach… alles Nebenflüsse des Mains. Die Stadt hat eine ungewöhnliche dreistufige Gliederung: Die Untere Stadt mit den genannten Flüssen und dem Landesgartenschau-Park, dann die historische Altstadt als „Obere Stadt“ und die über allem thronende Festung Rosenberg, die den Landstrich ähnlich dominiert wie die Veste Coburg die Gegend von Coburg… beide Städte sind etwa 35 Kilometer voneinander entfernt. Die Festung Rosenberg war einst Sitz der Bamberger Fürstbischöfe und wurde nie eingenommen. Sie zählt zu den besterhaltenen und größten Burganlagen Deutschlands… auch in dieser Beziehung gibt es Parallelen zur Veste Coburg. Kronach ist Geburtsort eines der bedeutendsten deutschen Maler der Renaissance: Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553)… dieser hieß eigentlich Lucas Maler, das Cranach kommt von einer früheren Schreibweise der Stadt Kronach. „Gronich“, wie der Ort von den fränkischen Einwohnern genannt wird, hat eine super erhaltene Altstadt mit Teilen der erhaltenen Stadtbefestigung aus dem Mittelalter und historischen Wohnhäusern, oft Fachwerkhäuser, aus verschiedenen Bauepochen.
Am Freitag war es an der Zeit, ein wenig für die Haupttour am Samstag zu üben. Ich suchte ein paar Punkte in der Gegend von Kronach aus und um kurz nach 10 startete der flotte Sechser vom Hotel… aber nicht allzu weit wartete die erste Station, der Kroniche Stadtgarten, den ich tags zuvor bereits für gut befand, und so stand als erstes Bier des Tages ein Bier der Brauerei Trunk mit dem Namen Nothelfer vor uns.
Wir wussten, dass wir die Brauerei am Samstag im Programm haben, da die aber verschiedene Sorten haben, konnten wir schon mal welche abhaken… so ganz in Bierlaune war der größte Teil von uns noch nicht… geschmeckt hat’s trotzdem… einigermaßen.
Weiter ging es über das Gelände einer Landesgartenschau am Ufer des Flusses Haßlach. Noch in den 1990er Jahren war diese Gegend ein unansehnliches Gewerbegebiet und für die 2002 geplante Landesgartenschau galt es, eine der größten Altlastensanierungen in der Geschichte Bayerns zu stemmen. Der Landesgartenschau-Park ist heute eine gelungene Mischung aus Natur, Kunst und Freizeit und bietet eigentlich für jeden etwas.
Neben Spielplatz, Skateranlage, Kletterturm und Kletterwand gibt es einen schön angelegten Kreislehrgarten, Kunstwerke, Skulpturen und sogar einen Planetenweg. Auf der Stadtgeschichtspromenade wird zudem die über tausendjährige Geschichte Kronachs auf künstlerische Weise erzählt. Herzstück ist die Seebühne, auf der nicht nur Konzerte stattfinden, sondern die bei „Kronach leuchtet“ regelmäßig zur spektakulären Kulisse wird – und wer danach Durst hat, kann direkt im Biergarten einkehren.
Am Ende des Parks kommt ein Supermarkt, der von der Hauptstraße angefahren wird… und auf der anderen Straßenseite kam unsere nächste Einkehrmöglichkeit, der Fröschbrunna… landwirtschaftlicher Betrieb, Bio-Wirtshaus mit Biergarten und Sommer-Rodelbahn.
Wir waren so ziemlich die Ersten in der Gaststätte… wahrscheinlich wurde dort gerade Kohl gekocht… es roch jedenfalls nicht gerade so, wie man es sich vorstellt, wenn man eh viel zu früh Bier trinken muss und auch noch nicht so auf Hochtouren ist. Mehr als ein Bier brauchten wir dann dort auch nicht und weiter ging es mit frischer Luft in der freien Natur.
Leider irrte ich mich mit der Wahl des Weges ein wenig… oder… naja… ganz schön… wir waren plötzlich im Wald und es ging immer höher, was ich eigentlich nicht geplant hatte… okay, Fehler erkannt und auf waghalsige Art steil querfeldein, bergab den Kurs geändert… zum Glück ist niemand abgerutscht… ganz ohne war das nicht…
Vorbei an vielen Pilzen, für die wir allerdings an diesem Tag keine Verwendung hatten… aber Immo und ich werden nun wohl demnächst mal in die Pilze fahren… allerdings in Brandenburg.
Irgendwann kamen wir wieder in der Zivilisation an, aber der weitere Weg war direkt am Wasser und eigentlich gar kein Weg… aber ein wenig Abenteuer hat ja auch was…
Das nächste Bier war ja bereits angepeilt… in der Gemeinde Hummendorf gibt es gleich zwei Einkehrmöglichkeiten: Restaurant zur Mühle und Göppner’s Wirtshaus und Landmetzgerei… beide auch bei Google als offen deklariert… wir liefen am Restaurant zur Mühle vorbei… dort stand: Wir öffnen Sonntag wieder… okay… egal, wir wollten eh eher zu Göppner, der war nur ein paar Meter weiter und hatte: Auch zu. Hmpf.
Da kämpft man sich durch Wald und Flur und steht dann wie ein Trottel in Hummendorf! Humm! Wir diskutierten leidenschaftlich vor den Fenstern der Gastwirtschaft, wie es weitergehen soll, Tendenz: zurück nach Kronach… dann öffnete sich plötzlich ein Fenster und die Wirtin des geschlossenen Gasthofes fragte so etwa… was’n los?
Wir erklärten unsere Lage und sie ihre… eine Hochzeit wird vorbereitet und deshalb ist ausnahmsweise zu… nun gut… aber irgendwie hatte die Frau wohl etwas Mitleid mit uns und bot Flaschenbier an… da konnten wir schlecht Nein sagen… kurze Zeit später saßen wir im geschlossenen Biergarten und hatten Zirndorfer Kellerbier am Hals.
Als sie dann auch noch fragte, ob wir nicht eine frische Leberkas-Semmel wollten (die Antwort war natürlich JA)… merkten wir, dass wir eine tolle Erfahrung von Gastfreundlichkeit à la Franken erlebten, über die wir sicherlich in den nächsten Jahren noch sprechen werden.
Die gute Laune war wieder da und der bewölkte Himmel klarte auch langsam auf, nun ging es auf dem Weg, den wir hinzu verfehlt hatten, sicher zurück Richtung Kronach.
Da ich ja wusste, dass die Haupttour am nächsten Tag gelingen wird, verdrängte ich die Tatsache, dass der Ausflug zur Übung diesmal Murks war… egal, wir pausierten noch im Biergarten Housnkuh im Landesgartenschau-Park… dort traten wir uns einen betrunkenen Local ein… aber wurden ihn auch wieder los, dann ging es zurück in die Innenstadt…
Eine Hälfte der Gruppe spielte Schach mit meterhohen Figuren in der Fußgängerzone, der andere Teil kehrte recht spontan in die Gaststätte der Brauerei Kaiserhof ein. Dort sieht es noch so aus, wie es vor 50 Jahren dort wahrscheinlich auch aussah… dunkel, Eiche rustikal und ein irgendwie kantig wirkender Wirt… das Kaiserhof-Bier kam in Keramikkrügen und war erwartungsgemäß sehr gut.
Anschließend traf sich die ganze Gruppe im s’Antla, dem Braugasthaus, zu dem auch unser Hotel gehört… oder umgedreht. Ich war ja am Abend zuvor dort und fand alles ganz prima… Essen, Bier und auch Location… das wurde diesmal nicht von allen geteilt… besonders das Bier „Flößer“ wurde als sauer tituliert und auch das Gesamtprodukt s’Antla konnte nicht überzeugen… nun ja… Geschmäcker sind halt verschieden… ich würde wieder hingehen… für die Gruppe war es der einzige Besuch der Gastwirtschaft.
Weiter ging es dann zum bewährten Blueberry Hills Pub, wo wir trotz mittlerweile einiger gezogener Töppe noch nett bedient wurden… leider wird es das letzte Mal gewesen sein, da am nächsten Tag eine geschlossene Gesellschaft geplant war.
Die Gruppe hatte nun auch deutlich Bettschwere und der erste Bierwander-Tag ging zu Ende… nicht ganz nach Plan… aber irgendwie ist am Ende jeder selig in den Schlaf geglitten… ich bin mir sicher…
Am nächsten Morgen, nach ordentlich Frühstück, ging es um 9:30 Uhr los Richtung Bahnhof und der flotte Sechser fuhr mit dem Regionalzug 20 Minuten lang nach Lichtenfels. Das Wetter war prächtig für die Jahreszeit und ich glaube, jeder war gut gelaunt. Diese Tour hatte ich mir bereits vor einem halben Jahr ausgedacht… es ist keine offizielle Wandertour, die irgendwo in irgendwelchen Reiseführern steht. Wir starten in Lichtenfels und laufen einmal im Uhrzeigersinn um den Staffelberg, einer dominanten Erhebung in der Gegend, dessen Spitze 539 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Um den Berg gibt es zahlreiche Einkehrmöglichkeiten… 9 Stopps wären möglich und uns war schon klar, dass wir nicht alle schaffen werden… aber diesen Luxus hatten wir bislang auch nicht. In Neumarkt vor 4 Jahren hatten wir ziemlich große Probleme, überhaupt etwas zu finden, was geöffnet ist und Bier verkauft… die erste Stelle, die das damals bot, war die Getränkeabteilung eines Edeka-Supermarktes. Nach Erreichen der letzten Station geht es dann mit dem Zug von Bad Staffelstein zurück nach Kronach. So viel zur Planung und ich kann ein wenig spoilern: Hat auch geklappt.
Vom Bahnhof Lichtenfels liefen wir gut einen Kilometer an einer vielbefahrenen Hauptstraße zur ersten Station des Tages: Braumanufaktur Lippert. Diese handwerklich geführte Brauerei wurde 2010 von einem ehemaligen Software-Entwickler gegründet… erst als Hobby, dann Schritt für Schritt professionell. Die Manufaktur befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Tankstelle und nunmehr wird statt Benzin oder Diesel „Fränkisch Hell“ und „Räucherla“ gezapft und mein Eindruck war auch, dass der Laden hervorragend in dem Ort etabliert ist… neben Bierausschank gibt es auch ein Brotzeit-Angebot und die Möglichkeit, Pakete aufzugeben… zeitweise war es ein wenig wie auf einem Postamt. Ich hatte das Helle und es hat mir sehr gut gemundet. Nach diesem guten Start ging es gut 3 Kilometer weiter Richtung Basilika Vierzehnheiligen. Die letzten Meter gingen ziemlich steil bergauf und durch kontinuierliches Glockengeläut konnten wir die Kirche auch nicht verfehlen. Eigentlich hatte ich geplant, die international bedeutende Wallfahrtskirche zu besichtigen, aber als wir oben ankamen, zog ein riesiger Prozessionszug in die Kirche ein und damit ging das wahrscheinlich eh nicht. Aber auch von außen konnte die Basilika beeindrucken. Sie wurde zwischen 1743 und 1772 nach Plänen des berühmten Baumeisters Balthasar Neumann im Stil des Rokoko erbaut. Ein weiteres Meisterwerk von Neumann ist die Würzburger Residenz mit dem legendären Treppenhaus, das ich vor drei Jahren bestaunen durfte. Es war zwar schade, dass es mit einer Besichtigung gerade unpassend war, aber nach dem steilen Aufstieg war allen ein wenig mehr nach Bier als nach Kunstgeschichte.
Die Brauerei Trunk befindet sich vielleicht 100 Meter neben der Basilika. Die ehemalige Klosterbrauerei existiert seit 1803 und wird seit 1989 von der Familie Trunk geführt… nicht der schlechteste Name für Brauer. Einige Biere hatten wir ja bereits im Vorfeld kennengelernt, es gibt u.a. Nothelfer-Biere: Export Dunkel, Pils, Lager und Weiße. Der Name Nothelfer (der für Bier auch ganz putzig ist…) Der Markenname bezieht sich auf die benachbarte Wallfahrtskirche, die den Vierzehn Nothelfern – einer Gruppe von Heiligen der katholischen Kirche – geweiht ist. Der Legende nach erschienen diese im 15. Jahrhundert einem Hirten an genau diesem Ort und versprachen, dort künftig alle Bitten und Notrufe der Menschen zu erhören… unsere 100%ig unreligiöse Wandergruppe scherzte im Vorfeld über die Heiligen mit nur vier Zehen… aber… sorry 😇 Der Biergarten war sehr gut besucht, es war Samstag und das Wetter prächtig, viele Radfahrer mit E-Bikes und Einheitskleidung um die 70 waren vor Ort, während nebenan in den Türmen der Basilika das Geläut wahrscheinlich kurz vorm Glühen war, vom Dauergeläut. Das war alles ganz schön und gut, aber recht schnell ging es dann auch weiter… weg von den Menschenmassen in die Einsamkeit von Wald und Flur… 4,3 Kilometer… heute die längste Einzelstrecke der Tour nach Uetzing. Dort gibt es das Metzger-Bräu und das ist nicht der Name des Brauerei-Inhabers, sondern kommt von der Metzgerei am gleichen Platz. Ich weiß nicht, wie ernst gemeint die Aktion im Jahre 2002 war, im hauseigenen Wurstkessel Bier zu brauen… anscheinend ist aber aus einer Schnaps-(oder Bier)-Idee etwas ganz Fantastisches entstanden.
Wir hatten Glück, eine ganze Bierbank für uns zu bekommen. Bier und feste Nahrung bekommt man im Verkaufsraum der Metzgerei im Keller… das wirkt alles recht einfach und improvisiert… hat bei mir aber den ultimativen Wohlfühl-Moment der gesamten Tour erzeugt… das Bier ist ein süffiges, bernsteinfarbenes und malzbetontes Lager, die Mettsemmel und die Pfefferbeißer aus der eigenen Fleischerei rundeten das alles herrlich ab. In der Zeit von zwei Bieren konnten wir noch jede Menge Oldtimer bestaunen, die in der Gegend irgendwo ein Treffen hatten… das passte irgendwie prima… ich hätte dort noch Stunden sitzen können… hätte aber wahrscheinlich irgendwann doppelt gesehen… also doch lieber weiter… 2 Kilometer bis nach Stublang… ein wunderschönes Dorf mit Fachwerkhäusern und einer ebenfalls sehr malerischen Brauerei: Dinkel. Das dazugehörige Gasthaus hatte geschlossen und der ebenfalls im Ort gelegene Gasthof Hennemann hatte Mittagspause, zum Glück war der Biergarten in der Brauerei geöffnet… für mich der schönste Ort der Wanderung… wie in einem alten Burghof… alles sauber und wie aus dem Ei gepellt… Nur das Bier… war zumindest für mich in diesem Falle… Geschmacksache.
Es folgten 2 Kilometer Fußweg nach Loffeld, dort erwartete uns die Brauerei, die sich auf den Berg bezieht, um den wir die ganze Zeit gelaufen sind, den wir aber eigentlich selten gesehen haben: Staffelberg-Bräu. Bereits letztes Jahr hatte unsere Gruppe in Forchheim ein Bier dieser Brauerei im Glas, nunmehr waren wir direkt vor Ort… und das auch nicht alleine. Es war gut besucht, das Staffelberg-Bier… wie immer an dieser späten Stelle erinnere ich mich nicht mehr so genau, welches… aber es war gut… und eine Sache musste ich hier auch noch erledigen: das jährliche Schäuferla. Das fränkische Nationalgericht, ein Schweinebraten aus der Schulter mit Klößen, war dran und wie gewohnt sehr schmackhaft… das ist halt das hohe Niveau von Franken, das Bier passt fast immer (ich glaub, auch das schlechteste wäre anderswo noch ganz gut) und das Essen ist im deutschlandweiten Vergleich schlicht erstklassig, dazu noch preiswert und zumeist noch kredenzt von netten, sympathischen Menschen… das mal so als Lobeshymne zwischendurch… dem Tag auch durchaus angemessen.
Es war mittlerweile 17:30 Uhr und ich hatte die Info, dass unser noch fehlendes Team-Mitglied Hansi bereits in Kronach gelandet war… im Prinzip waren wir auch bereits nicht mehr derart durstig, dass wir noch 3 Stationen gebraucht hätten, also einigten wir uns auf eine letzte Location in Bad Staffelstein, von dort sollte es dann auch zurück nach Kronach gehen. Der Weg vom Staffelberg-Bräu bis zum Ban-Bräu war etwa 4 Kilometer und weitestgehend an einer Straße. Etwa auf der Hälfte begegneten wir zwei älteren Frauen, die von einem Event einen Korb mit Schnapsflaschen durch die Gegend trugen… Auf unsere Feststellung, dass es sich offenbar nicht um Wasserflaschen handelt, durften (oder mussten?) wir glatt mit den Damen auf offener Straße einen Schnaps trinken, der ebenfalls anwesende Herr mit Fotoapparat hielt den Moment fest… vielleicht sind wir jetzt in der Lokalzeitung…
Wenig später erreichten wir Bad Staffelstein… die Geburtsstadt von Adam Riese… dem Gott aller Mathelehrer… also nicht meiner… zum Rechnen waren wir auch nicht dort, sondern zum Besuch der Brauerei Ban-Bräu im Stadtzentrum. Diese Mikro-Brauerei wurde erst im Mai 2025 eröffnet und war zum Zeitpunkt unseres Erscheinens… quasi leergesoffen. Das neue Bier brauchte noch einige Zeit zur Reifung, stattdessen bot die Bierbar andere, gute und größtenteils uns bekannte Biere von anderen fränkischen Brauereien an… womit wir auf jeden Fall einverstanden waren… lecker waren sie alle… wir hatten dann einen Termin mit der Deutschen Bahn und fuhren zurück nach Kronach.
Dort trafen wir uns mit unserem verlorenen Sohn (egal, dass er der Älteste ist) Hansi im Kroniche Stadtgarten… was nunmehr als unser Stammlokal gelten durfte. Wir hatten natürlich viel zu erzählen, dazu gab es noch Livemusik mit der Künstlerin Lucie, einer sympathischen Sängerin… ich glaub, wir waren auch die Letzten… wie immer… als hätte es den ganzen Tag über nix zu trinken gegeben…
Danach ging es in die Gemächer… nach dem Frühstück trennten sich die Bierwanderer… Matthias reiste weiter ins tiefere Bayern, Karsten mit der BahnCard 100 zurück und wir 5 anderen mit Hansi im Elektro-VW nach Berlin (war mein erstes E-Auto-Erlebnis).
Bleibt als Fazit… das war eine gelungene Veranstaltung diesmal… mit allem drum und dran lehne ich mich mal aus dem Fenster… und behaupte: War wohl die beste Bierwanderung… zumindest die Hauptwanderung, aber auch Kronach war ein toller Ort, an den man vermutlich nicht so schnell geraten wäre. Nun ist auch nach der Bierwanderung vor der Bierwanderung… ich könnte eigentlich gleich wieder anfangen zu planen… aber erstmal sacken lassen… ich bin mir sicher, nächstes Jahr wird auch geil. Mein Dank geht an Nina, die mir den Rücken an der Heimatfront freigehalten hat… und auch an Hansi, der uns quasi abgeholt hat… 350 Kilometer weit…










