McLarsen

Musik 2026

choice#41 - März 2026

01 – KEELEY „Hungry For The Price“

Beim ersten Abspielen des Songs, der choice#41 eröffnet, war ich erstmal irritiert und habe geprüft ob ich noch irgendwas anderes mit Audio auf habe… da kommt nämlich eine amtliche Ansage der Deutschen Bahn… und in der Tat hab ich so gesehen… erstmal Bahnhof verstanden. Dann setzt die Musik ein, wir haben sehr schönen Dreampop, der sich wie ein ICE-Zug in Bewegung setzt… von München nach Düsseldorf… laut Text. Vorgetragen wird der Song, den ich rein zufällig gefunden habe, von KEELEY aus Dublin. KEELEY sind ein Trio um Sängerin, Gitarristin und Songwriterin Keeley Moss. Das dazugehörige Album „Girl On The Edge Of The World“ erschien am 20. Februar, also taufrisch… und sieh an… Miki Berenyi (Lush, MB3 etc.) singt mit, ebenso Sice von Boo Radleys… schaut man sich die Titelliste an, so liegt nahe, das es ein Reisebericht ist… und das ist auch der Fall, aber nicht wie man vermutet ein netter Blog über Interrail und Reisen, sondern die letzte Reise der Münchner Gymnasiastin Inga Maria Hauser, die im April 1988 allein durch Europa reiste und am 06.04.1988 in Nordirland ermordet wurde. Bis heute ist der Fall nicht aufgeklärt, bzw. der Mörder nicht gefunden… es ist einer der bekanntesten ungelösten Kriminalfälle Nordirlands. Keeley Moss hat sich der Sache angenommen und schreibt seit 2016 einen Blog darüber. Trotz des ernsten Themas haben wir hier ein sehr gutes Konzeptalbum mit besten Shoegaze/Dreampop meets Singer/Songwriterin… Es ist auch bereits das vierte Album der Band zu diesem Thema…– ein Drama als Lebensaufgabe.

02 – FAILURE „The Air’s On Fire“

Mit Failure kommt eine Band ins Spiel, deren Name mir seit Jahrzehnten vertraut ist, die mich aber irgendwie immer verpasst hat – obwohl Indie-Rock, Space-Rock, Heavy-Shoegaze und Post-Grunge eigentlich exakt mein Beuteschema sind.
Im April erscheint das neue Album der 1990 in Los Angeles gegründeten Band. Besonders Fantastic Planet (1996) war einflussreich. Nach der Trennung ging man bis 2014 getrennte Wege, 2015 folgte das Comeback-Album. „The Air’s On Fire“ ist nun die neue Vorab-Single – unaufdringlich, aber kraftvoll.

03 – HOLLOW SUNS „Back To Dust“

Hollow Suns – der Name klingt, als würde einem die sprichwörtliche Sonne aus dem Allerwertesten scheinen. Geografisch befinden wir uns allerdings im fernen Osten, in Tokio. „Back To Dust“ ist der Titelsong der im März erscheinenden EP. Musikalisch bewegen wir uns im Grunge-Gaze-Bereich à la Deftones, kombiniert mit stadiontauglichem Indie-Rock im Geiste der Foo Fighters. Warum sollte das nicht noch größer werden?

04 – BLACKWATER HOLYLIGHT „Void To Be“

Bereits im letzten Monat ahnte ich, dass Not Here Not Gone von Blackwater Holylight eine Top-10-Angelegenheit werden könnte. Die Vorab-Singles „Heavy Why?“, „Involuntary Haze“ und „Bodies“ machten Lust auf mehr – und das Album liefert.
Besonders „Void To Be“ hat es mir angetan: schimmernde, verträumte Gitarren, die zu mächtigen Wellen anschwellen, aus der Lärmwand taucht kurz eine Geige auf, verschwindet wieder – alles umhüllt vom sehnsüchtigen Gesang von Sunny Faris. Ein Album, das mit jedem Durchlauf wächst.

05 – WHITELANDS „I Am No God, An Effigy“

Ähnlich ging es mir mit Whitelands und ihrem Album Sunlight Echoes. Die Singles kannte ich bereits, doch das Gesamtwerk überzeugt ebenfalls. Viel Shoegaze, ein Hauch Britpop, ein Song mit Emma Anderson von Lush – und dann dieser Monolith: „I Am No God, an Effigy“.
Der Song klingt wie die akustische Umsetzung des Labelnamens „Sonic Cathedral“. Selbst Slowdive dürften da kurz schlucken. Definitiv ein Kandidat für die Songs des Jahres.

06 – THE JULIES „Teenage Sadness (feat. Memory Stitches)“

The Julies aus Philadelphia waren im Sommer mit „Black Metal“ vertreten – ein Song über verschnörkelte Logo-Schriftzüge auf Plattencovern. Nun ist ihr neues Album Cherisher erschienen. Die Band existiert – mit Unterbrechungen – seit über 30 Jahren, ohne dass ich es damals bemerkte.
Teenage Sadness“ entstand vom Titel her aus „Summertime Sadness“ von Lana del Rey und „Teenage Summer“ von Crowded House…musikalisch bleibt man im Shoegaze-Terrain. Gemeinsam mit Olivia Buchholz (Memory Stitches) entsteht eine wunderbar nostalgisch-melancholische Atmosphäre.

07 – SUMMER OF HATE „Além“

Eine feine aber laute Wand aus elektrischen Gitarren bietet uns der Song „Além“ von Summer Of Hate aus Porto und bringen damit außerdem noch Portugal auf die choice-Landkarte. Ihr gerade erschienenes Album „Blood & Honey“ ist teilweise eine anstrengende Herausforderung… es hat eine Blood-Seite mit recht globalen Einflüssen und überwiegend langen Songs (Além ist mit 4:53 die Miniatur des Albums) sowie eine etwas leichtere Honey-Seite, von der „Além“ stammt. Die Band bezeichnet den Song als Titelmusik für eine nicht existierende Teenie-Serie. Der Song klingt wie eine Mischung aus Wolf Alice und My Bloody Valentine.

08 – VANESSA CARLTON „Great House“

Vanessa Carlton knackte die Pop-Charts 2002 mit dem Hit „A Thousend Miles“, 24 Jahre später erscheint demnächst ihr siebtes Studioalbum „Veils“ welches von Kult-Producer (Flaming Lips, MGMT etc.) und Mercury Rev-Mitglied Dave Friedman produziert wurde. „Great House“ konnte mich innerhalb weniger Sekunden gefangen nehmen… es ist eine atmosphärische Piano-dominierte Ballade der inzwischen 45jährigen in Pennsylvania geborenen Künstlerin.

09 – AND ALSO THE TREES „The Silver Key“

Eines der elegantesten Stücke dieser sowieso recht feinen Compilation kommt von And Also The Trees, einer Band, die es bereits seit 1979 gibt, die nie richtig weg war, ich aber häufig aus meinen Augen verlor. Von den frühen Tagen erinnere ich mich gut an „Shantell“, ihr Album „Virus Meadow“ von 1986 mit den Giganten „Slow Pulse Boy“ und „Gone Like The Swallows“  Jetzt erscheint ihr neues Album „The Devil’s Door“, und die Lead-Single „The Silver Key“ mit den bandüblichen Gitarrenklängen à la Mandoline, aber elektrisch, ist einfach großartig. Die frühen Werke dieser Band wurden übrigens von ihren Freunden von The Cure produziert, mit denen sie dieses Jahr auch wieder auf Tour gehen … coole Combi …

10 – SHE PAST AWAY „Mizantrop“

Wir machen einen Abstecher in die Türkei und sind bei dem Duo She Past Away, die hier mit dem Titelsong ihres Albums „Mizantrop“ vertreten sind. Musikalisch ist das Darkwave bzw. Coldwave mit türkischen Texten. Ich bin erstaunt wie viel Musik täglich in dieser Sparte erscheint… auf Dauer ist mir das häufig zu plastisch, die Band She Past Away ist eine der Ausnahmen… ich muß an Red Lorry Yellow Lorry oder frühe Sisters Of Mercy denken.

11 – CORVIN „Dead End Pyre“

Von den Achzigern geprägt und nicht gerade für den Kindergeburtstag geeignet… das können auch Corvin aus Italien. Ihre Musik geht eher in Richtung Goth-Rock mit großer Band… auch hier müssen Sisters Of Mercy für einen Vergleich herhalten, allerdings eher die spätere Phase, auch Fields Of The Nephilim fallen mir ein, genau wie die Finnen von The 69 Eyes oder auch das letzte AFI Album vom letzten Jahr.

12 – THE SECRET FRENCH POSTCARDS „Blush“

Auch The Secret French Postcards aus Schweden veröffentlichen seit rund zehn Jahren Musik mit deutlicher 80er-Verwurzelung: The Cure, The Church, Bauhaus. Melancholischer Post-Punk. Die Mundharmonika irritiert zunächst, passt aber letztlich erstaunlich gut.

13 – BLEACHERS „You And Forever“

Der poppigste Moment dieser Choice-Ausgabe kommt von Bleachers, also Jack Antonoff… jener Starproduzent dem die Frauen vertrauen: Taylor Swift, Lana Del Rey, Lorde, Sabrina Carpenter… trotzdem oder auch vielleicht gerade deshalb haben wir es mit einem positiven und euphorischen Popsong zu tun… muß ja nicht immer Punkrock sein…

14 – METRIC „Victim Of Luck“

Es folgt neues aus Kanada… Toronto um genau zu sein. Demnächst erscheint das 10. Studioalbum von Metric und vorab gibt es schonmal die Single „Victim Of Luck“… ein Song der klingt, wie Metric bereits seit 28 Jahren klingen… ein Mix aus Synth-Pop und Post-Punk und ebenfalls (zumindest meiner bescheidenen Meinung nach): sehr gut.

15 – SNAIL MAIL „My Maker“

Lindsey Jordan steht im Ausweis der jungen Frau, die sich Snail Mail nennt und demnächst ihr drittes Studioalbum veröffentlichen wird. „My Maker“ begeistert mit akustischer Gitarre und Mellotron, das Video wurde in einem Take mit einem Heißluftballon aufgenommen… für mich persönlich der beste Song der Künstlerin bis dato… „Above us, it’s just sky“

16 – PRISM SHORES „I Didn’t Mean To Change My Mind“

Nochmal Kanada… diesmal Montreal… die Band heißt Prism Shores und die Musik ist zeitloser Jangle Power-Pop im Stile von Teenage Fanclub oder Nada Surf. Dabei wird das Rad nicht neu erfunden aber das hat ja auch niemand gefordert…

17 – GUIDED BY VOICES „We Outlast Them All“

Die ewigen Guided By Voices… ich werd nie vergessen, wie ich sie Anfang der 1990er mal live und Open Air gesehen habe… nach gefühlt jeden Song (und die sind meistens nicht sehr lang), wurde eine Flasche Bier geöffnet, eins, zwei, gsuffa… und weiter… „We Outlast Them All“ ist die Vorab-Single ihres 44.(!) Studioalbums und man muß bei GBV wissen, das auf einer Platte, besonders auf den älteren, gut mal 20 Songs drauf sein können… ich möchte nicht derjenige sein, der irgendwann mal damit beauftragt wird, eine Best-Of von der Band aus Ohio zusammenzustellen… müßig zu erwähnen, das es auch noch zahlreiche Soloalben von Rob Pollard und anderen Musikern der Band gibt. „We Outlast Them All“ gefällt mir nach einigen durchschnittlichen Veröffentlichungen der letzten Jahre mal wieder außerordentlich gut… schnörkellose Gitarrenmusik mit einer positiv-euphorischen Note… long live GBV…

18 – SNOWCUFFS „Burst“

Snowcuffs aus Chicago ist das Projekt zweier anderer Shoegaze Bands dieser Stadt, nämlich Astrobrite und Lightfoils. Nach der Debüt EP vom letzten Jahr erscheint jetzt ein weiteres Minialbum, von dem hörten wir bereits im Dezember „In Blue“ und diesmal „Burst“.

19 – NOTHING „Never Come Never Morning“

„Never Come Never Morning“ ist der Opener des gerade erschienenen 6. Albums Nothing aus Philadelphia. Ich glaube, es ist ihr sanftester Song bis dato… zwischen folkiger Ballade und den Shoegazer-Gitarrenwänden… dazu der gewohnt eher sanfte Gesang von Nicky Palermo… sogar Streicher und Bläser sind dabei… kaum zu glauben, das bei der Band Nothing so einige Jahre Knast auf der Bühne stehen.

20 – MØL „Crush“

Nach der hervorragenden Vorab-Single „Garlands“, welches auf choice#38 im Dezember zu hören ist, ist nun auch das dazugehörige Album „Dreamcrush“ von Møl erschienen und bietet mit „Crush“ einen weiteren Banger der Oberklasse. Die Band aus Aarhus in Dänemark schafft den Spagat von Black Metal über Shoegaze zum Pop ganz hervorragend. Klingt der Anfang noch eher wie ein Stück Alternative-Rock a la Foo Fighters, überrascht der gegroulte Refrain a la Deafheaven schon ein wenig, später gibt es ruhigere Parts um dann mit voller Wucht weiter zu knüppeln… eigentlich bin ich kein großer Freund von Rumgebrülle, aber das hier macht einen Riesenspaß… fast 6 Minuten lang

Playlist auf Apple Music und Spotify

choice#40 - Februar 2026

Das Cover der ersten Ausgabe vor 5 Jahren

Happy New Music Year 2026 und Congrats zur choice-Serie, die nicht nur eine runde Ausgabe hat, sondern nun genau seit fünf Jahren existiert … Januar/Februar 2021, das war mitten in der elend langen zweiten Lockdown-Phase der Corona-Pandemie, und da das Offside zu jener Zeit ja geschlossen war, hatte ich etwas mehr Zeit für so’n Kram … schließlich waren früher meine Mixtapes, später dann Mix-CDs recht beliebt, und heutzutage muss man ja nicht mehr für jedes Lied einen Tonträger kaufen.
Ich hatte trotzdem nicht gedacht, dass es dieses Projekt so lange geben würde … von Anfang 2021 bis September 2024 erschien der Sampler alle zwei Monate, danach monatlich. Ab dieser Ausgabe wird es die Musik auch zwischen den von mir verfassten Beschreibungen geben, die ganze Playlist kann nach wie vor bei Apple Music und Spotify gehört werden … YouTube spare ich mir ab jetzt und setze lieber Videos mit in die aktuelle Beschreibung.

01 – STOREY LITTLETON  „January“

Los geht’s mit Storey Littleton. Sie ist die Tochter von Elizabeth Mitchell und Dan Littleton, die mit der Folk-Indie-Band Ida seit Anfang der 1990er unterwegs sind und ihr auf diesem Wege die Gabe für Musik bereits in die Wiege gelegt haben. „January“ fängt mit einer Imitation des Intros von „The Leader Of The Pack“ von den Shangri-Las an … einem Pophit von 1964 … dann setzt das Klavier ein, und sie beginnt zauberhaft zu singen … da ist viel 1970er-Joni-Mitchell-Feeling dabei, und ich muss prompt an Weyes Blood denken … ein wunderbar schwelgerisches Stück Singer-Songwriter-Popmusik, irgendwer spielt Harfe, und am Ende fährt das Motorrad wieder weg.

02 – HOWLING BELLS  „Melbourne“

Nach 12 Jahren wird demnächst ein Album von Howling Bells erscheinen. Die Band stammt aus Melbourne/Australien und lebt seit ein paar Jahren in London. Der Song „Melbourne“, der übrigens wunderbar an Storey Littletons „January“ anknüpft … handelt davon, an seine Wurzeln zurückzukehren, um aber festzustellen, dass dort niemand Bekanntes mehr ist … eine wehmütige Erfahrung … wunderbar in einem Jangle-Pop-ähnlichen Indie-Rock mit großen Hooks verpacktem Song.

03 – DEARY  „Seabird“

Beim nächsten Song fällt mir als Erstes das Wort „ENDLICH!“ ein … endlich hat eine der vielversprechendsten Dreampop-Bands der letzten Monate … nein … Jahre … das Debütalbum angekündigt. Es geht um Deary, die mit diversen Singles hier immer wieder Teil der Choice-Serie waren. Das Album wird „Birding“ heißen und Anfang April erscheinen. Vorab gibt es mit „Seabird“ ein wahres Gemälde von einem Dreampop-Song, als wären die Cocteau Twins auferstanden und spielten mit Slowdive auf einer Bühne. Seit Kurzem ist ein fester Drummer dabei, und das Trio wechselte das Plattenlabel von Sonic Cathedral zu Bella Union … ach ja … das Album handelt tatsächlich über Vögel.

04 – MEMORY MOTEL  „Get It Together“

Musikalisch entfernen wir uns nicht wirklich von den verträumten Klängen von Deary, legen aber noch ein paar Gitarren dazu und hören „Get It Together“ von Memory Motel. Wir sind auch wieder in Australien, diesmal in Sydney, was im Video auch zu sehen ist. Der Song landete bereits Ende letzten Jahres auf meiner Liste … anfangs etwas unbeachtet, aber in den letzten Wochen wurde das Stück immer größer … weiß gar nicht, warum ich es nicht gleich bemerkt habe … auch diese Band beabsichtigt, 2026 ein Debütalbum zu veröffentlichen … scheint ein gutes Jahr zu werden …

05 – BLACKWATER HOLYLIGHT  „Bodies“

Das Debütalbum von Blackwater Holylight erschien bereits 2018 … Ende Januar steht jetzt mit „Not Here Not Gone“ das vierte Album der drei Musikerinnen aus Portland an, die nunmehr in Los Angeles leben. Die erste Single des Albums, „Heavy, Why?“, landete auf Anhieb unter den 20 besten Songs des letzten Jahres auf dem Best-Of-Sampler choice#39. „Bodies“ hat auch wieder harte Gitarren, Doom-Gaze und Melancholie … ich freue mich so auf dieses Album … sollte mich nicht wundern, wenn da nicht schon ein Anwärter auf die Top Ten vor der Tür steht … nach drei wunderbaren Vorab-Singles wäre es wohl keine Überraschung …

06 – NOTHING  „Toothless Coal“

Mit Nothing kommt es zum ersten männlichen Leadgesang dieser Zusammenstellung. Musikalisch sind wir wieder im Heavy Shoegaze, und „Toothless Coal“ ist bereits die dritte Vorab-Single ihres demnächst erscheinenden fünften Studioalbums „A Short History Of Decay“. Im Video und auch auf dem Plattencover geht es um zahnärztliche Maßnahmen … grrr …

 

07 – ENDEARMENTS  „Real Deal“

Ein weiteres Debütalbum erscheint Anfang März von Endearments aus Brooklyn, die eine feine Melange aus Dreampop und Indie-Pop bieten, was in ihrer ersten Auskopplung „Real Deal“ ganz gut zu hören ist … es ist ein Song, der bereits seit ein paar Wochen in meiner persönlichen Playlist rotiert und dabei immer besser wurde … deshalb ist er heute hier.

08 – WHITELANDS  „Blankspace“

 Whitelands veröffentlichten, genau wie Deary, bei Sonic Cathedral etliche Singles … allerdings waren bei mir Deary deutlich weiter vorne … dennoch gab es durchaus auch gute Songs der Londoner … nun steht das zweite Album in den Startlöchern, und „Blankspace“, die vierte Single daraus, ist alles andere als blank, sondern bester Dreampop.

09 – TELEPHONIST  „Gegen Die Wand“

London, Brooklyn, Melbourne, Sydney … Dortmund … aus der schwarz-gelben Stadt im Ruhrpott kommt das Duo Telephonist, und auch die machen Shoegaze … mit deutschen Texten … fällt aber nicht weiter auf. „Gegen die Wand“ ist von der gleichnamigen EP, die im Dezember erschien.

10 – PERMAFROST  „Tears & Bullets“

Der Name der nächsten Band passt zu den aktuellen Temperaturen … er lautet Permafrost und klingt etwa wie Echo & The Bunnymen zirka 1983 … oder Wild Swans, eine andere Band aus Liverpool dieser Zeit … Permafrost gibt es in der Tat auch bereits sehr lange … gegründet wurden sie im hohen Norden von Norwegen, in Molde, 1982 … mittlerweile sind sie in Oslo ansässig, aber ihre Musik klingt noch immer sehr nach Post-Punk der 1980er … mit „Wrong Heart“ waren sie vor zwei Jahren schon mal auf dieser Serie. „Tears And Bullets“ ist eine aktuelle EP, mehr soll im Laufe des Jahres folgen.

11 – BLACK SWAN LANE  „The Devil’s Hand“

Der nächste Song heißt „The Devil’s Hand“ und könnte quasi von der gleichen Platte wie Permafrost stammen, Black Swan Lane sind aber Amerikaner und haben eine besondere Bindung zu The Chameleons, einer meiner Lieblingsbands der 80er … die Band hat in vielen Projekten mit den Post-Punk-Heroes aus Manchester zusammen gespielt, und das hat auch abgefärbt. Das 2019er Album „Vita Eterna“ war großartig … die nachfolgenden Alben sind stilistisch ähnlich, aber von den Songs her eher beliebig. „The Devil’s Hand“ ist vom gerade erschienenen Album „The Messenger“ … so hieß (zufällig?) auch die erste Band von Bandchef Jack Sobel.

12  – THE TWILIGHT SAD – „Designed To Lose“

The Twilight Sad aus Schottland gibt es mittlerweile seit 23 Jahren… mit wechselndem Personal schafft die Band um ihre Gründer James Graham und Andy MacFarlane, mit Post-Rock und schottischem Slang über die Abgründe des Lebens zu singen… kein Wunder, dass auch diese Band Freunde von Robert Smith sind und quasi ein Dauerabo auf Supportauftritte für The Cure haben. „Designed To Lose“ klingt allerdings fast schon positiv und könnte auch von einer Band aus den 1980ern stammen. Ihr sechstes Studioalbum „It’s The Long Goodbye“ erscheint Ende März… mitgespielt hat auch Robert Smith sowie Musiker von Arab Strap und Mogwai… auf deren Rock Action Label das Album auch erscheint.

13 – EXEK  „Sidestepping“

Mit der Band Exek sind wir wieder in Melbourne gelandet und hören mit „Sidestepping“ ein Stück leicht surrealen Post-Rock mit etwas Synth-Pop… auch dieser Song geistert bereits seit ein paar Wochen in meinem Kopf herum, und wenn es im Januar eine reguläre Choice-Ausgabe gegeben hätte, wäre das Lied mit von der Partie gewesen. Ich weiß (noch) wenig über die Band, deren siebtes Album demnächst erscheint… werde aber am Ball bleiben.

14 – THE NEW PORNOGRAPHERS  „Votive“

Manche Dinge kann man sich nicht blöder ausdenken… die kanadische Band The New Pornographers – und ja, der Bandname zählt nicht zu den originellsten der Welt – hatte bis vor ein paar Monaten einen Schlagzeuger, auf dessen Computer Kinderpornos gefunden wurden… zwar wurde er sofort gefeuert und der Rest der Band ist reichlich schockiert… und die bereits fertigen Aufnahmen fürs neue Album wurden teilweise neu eingetrommelt… aber ein fader Beigeschmack wegen des Bandnamens bleibt doch. Zum Glück nicht musikalisch, denn da überzeugt die Band um A.C. Newman seit weit über 20 Jahren mit wechselnden, teils prominenten Mitstreitern (Neko Case, Destroyer), und das kommende Album „The Former Site Of“ wird sicher eine feine Nummer… hier schon mal ein Vorgeschmack mit „Votive“.

15 – BIBI CLUB  „Washing Machine“

Bibi Club nennt sich die Band von Adèle Trottier-Rivard und Nicolas Basque aus Montreal, deren drittes Album „Amaro“ demnächst erscheint. „Washing Machine“ ist einer der seltenen englischsprachigen Songs des Duos… es geht um harten Tobak… den Verlust eines Kindes. Musikalisch sind wir im Dreampop… wenn Blonde Redhead etwas schneller spielen würden, könnte es so klingen.

16 – DRY CLEANING  „Let Me Grow And You’ll See The Fruit“

Mit Dry Cleaning erscheint nun sogar eine Band, die beim ersten Choice-Sampler vor genau 5 Jahren auch mit von der Partie war. Damals war „Strong Feelings“ vom ersten Album „New Long Leg“ dabei, heute ist es „Let Me Grow And You’ll See The Fruit“… zwei Alben mit grässlichen Covern später… noch immer weiß ich nicht so genau, was es alles bedeuten soll, aber man hört dem Sprechgesang von Florence Shaw immer noch gerne zu… „I can watch this TV show for however long, Armstrong. No one coming along with a video call or a survey or a dick pic or a loud bang or a smell that comes up“… warum auch immer… ich mag’s…

17 – EAVES WILDER  „Hurricane Girl“

Eine angenehme Neuentdeckung ist Eaves Wilder aus London, deren letzte Single „Everybody Talks“ auch bereits in der Offside-Playlist überzeugen konnte. Auf „Hurricane Girl“, der zweiten Single aus dem kommenden Album „Little Miss Sunshine“, verbindet sie auf wunderbare Art Shoegaze und Grunge, ohne dabei einen Affen zu machen… das tut sie höchstens im Video. Musikalisch ist das irgendwo zwischen Metric und Pearl Jam… wiederum erwarten wir ein Debütalbum… VÖ: 17.04.26.

18 – A$AP ROCKY  „Punk Rocky“

A$AP Rocky… kennt wahrscheinlich jeder… außer mir… ich fand das Video ganz witzig, für das er sogar die 90’s-Ikone Winona Ryder wieder ausgebuddelt hat… und die Musik fand ich auch cool… musste an die letzten Sachen von Blood Orange denken… dass er ein bekannter Rapper ist und dazu noch mit einer gewissen Rihanna liiert ist, haben mir erst andere erzählt… nun hat sich auch mal ein Rap-Weltstar auf die Choice geschmuggelt…

19 – SLEAFORD MODS  „Elitest G.O.A.T.“ feat. Aldous Harding

Wo wir schon beim Sprechgesang sind… da sollten diesmal auf keinen Fall die Sleaford Mods fehlen… und das ziemlich reudige Gebelle von Straßenköter Jason Williamson in Verbindung mit dem zarten Gesang der wunderbaren Aldous Harding macht schon echt was her… die Typen passen auf jeden Fall in diese Welt… wusstet ihr übrigens, dass Aldous Harding eigentlich Hannah Topp heißt?… dann eben jetzt.

20 – PETER GABRIEL  „Been Undone“ (Dark-Side Mix)

Den Abschluss macht eine lebende Legende… Peter Gabriel ist zurück, und Ende des Jahres soll das Album „o/i“ erscheinen, mit zu jedem Vollmond einer Auskopplung… „Been Undone“ ist die erste. Der Song hat alles, was die Musik des Ex-Genesis-Sängers seit Jahrzehnten ausmacht… nicht geradeaus, sondern immer kleine Haken und die markanten Drums von Manu Katché… über 7 Minuten dauert das Ganze, ohne eine Sekunde zu langweilen… welcome back…

Das Covermotiv ist diesen Monat ein Schnappschuss aus einem Restaurant gegenüber unseres lokalen Shoppingtempels… es vermischt die Lichter von draußen mit den sich in der Fensterscheibe spiegelnden Lichtern des Innenraums, was angenehm verwirrend ist.

Das war die erste Ausgabe von McLarsen’s Music Choice im Jahre 2026… es war die 5-jährige Jubiläumsausgabe in neuem Look… ich hoffe, sie konnte gefallen… choice#41 erscheint Ende Februar. 

Playlist auf Apple Music und Spotify

RadioMc

Der Radiorecorder R 4100 wurde Anfang der 1980er Jahre im VEB Kombinat Stern-Radio Berlin gebaut. Er kostete seinerzeit 1160 Mark… als ich ausgelernt hatte, verdiente ich damals um die 700 Mark… mal so als Vergleich. Ein solches Gerät, und zwar exakt das hier auf dem Bild, wurde mir 1983 zur Jugendweihe geschenkt. Auf dem Gerät liefen alle musikalischen Entdeckungen dieser Zeit und ohne die Möglichkeit Musik aus dem Westradio aufzunehmen würde ich heute vielleicht Schlager oder Volksmusik hören… warscheinlich aber eher nicht… Der Rekorder wird Pate einer neuen musikalischen Compilations-Serie, ähnlich wie die choice Serie, aber nicht nur mit Neuheiten, sondern wie ein Mixtape aus ganz verschiedenen Zeiten. Name: RadioMcLarsen. Die Sampler-Serie soll zu Monatsmitte erscheinen und wird wie von der Neuheiten- Sample-Serie choice, die es bereits seit fast 5 Jahren gibt, bei Apple Music, Spotify und YouTube hörbar sein…

RadioMc#008

Berlin, 13.02.2026… Der Februar-RadioMc startet mit einer Lokomotive und nimmt uns mit dem „Kundalini Express“ in leicht angekiffte, psychedelische Klanglandschaften. Der Song stammt vom zweiten Love And Rockets-Album „Express“ aus dem Jahr 1986. Love And Rockets waren – oder sind vielleicht immer noch – David J, Daniel Ash und Kevin Haskins, also quasi Bauhaus ohne Peter Murphy. Musikalisch wurde der Gothic Rock von Bauhaus mit Post-Punk und Pop gekreuzt – seinerzeit ein sehr erfolgreiches Konzept. Mit „So Alive“ landeten sie ein paar Jahre später sogar einen Chart-Hit.
In den Charts waren etwa zehn Jahre später auch Supergrass aus Oxford. Mit „Alright“ schufen sie eine der definitiven Hymnen des Britpop-Rummels. Aber auch später kamen immer wieder starke Songs, etwa „Grace“ vom Album „Life On Other Planets“. Für mich zählen Supergrass zu den sympathischsten Britpoppern – die Lausbuben aus der letzten Reihe, während vorne die ehrgeizigen Klassenstreber Blur und Oasis saßen.
Neben Britpop gab es in den 1990ern noch eine andere Wiederauferstehung: Hardrock. Weil das aber unsexy klang, nannte man das Kind einfach Grunge. Nirvana, Pearl Jam und Alice In Chains wurden zu Superstars des Genres mit Epizentrum Seattle. Aber auch Frauenbands waren erfolgreich: Neben Hole und Babes In Toyland vor allem L7, deren „Pretend We’re Dead“ zum Major-Hit wurde. Bald sprach man vom weiblichen Grunge-Zweig als Riot-Grrrl-Bewegung. 2026 geht die Band gemeinsam mit Amyl & The Sniffers auf Tour – das könnte wild werden.
Ganz so wild ist es bei Basia Bulat sicher nicht. Die kanadische Sängerin markierte mit dem Album Good Advice (2016) weitgehend die Abkehr von ihren Folk-Wurzeln hin zum Indie-Rock. „Infamous“ war die Hitsingle – lief im Radio und natürlich regelmäßig in der Offside-Playlist.
Von Kanada nach Schottland: Mit „Shine A Light“ von Paolo Nutini kommt eine ordentliche Portion Pathos in den RadioMc. Die hymnische Nummer kratzt am Arena-Rock, wirkt aber nie kitschig – Nutinis Stimme bringt genug Soul mit. Mit Bono wäre das vermutlich schiefgegangen.
Wir kommen zu einem der besten Indie-Rock-Alben der 2000er, das heute leider kaum noch jemand kennt: Someone To Drive You Home von The Long Blondes. Produziert von Pulp-Bassist Steve Mackey, schlägt es die Brücke von 60’s-Girlie-Pop zu Blondie’schem New Wave. „Weekend Without Makeup“ ist eine Art Kitchen-Sink-Drama, in dem sich die Protagonistin als 1950er-Hausfrau imaginiert. Leider kam danach nicht mehr viel.
Apropos New Wave – oder sagen wir Pop-Punk: Hier eine der Bands der ersten Stunde. Buzzcocks wurden 1976 gegründet, „What Do I Get?“ war ihr erster Hit. Weitere – vor allem „Ever Fallen in Love (With Someone You Shouldn’t’ve)“ – folgten. Nach dem Tod von Pete Shelley 2018 existiert die Band weiterhin und veröffentlichte jüngst neues Material.
Aus Minneapolis hört man derzeit vor allem Schlimmes – dank des Regimes des orangen Fatzke im Weissen Haus. Man sollte aber nicht vergessen, dass diese Stadt fantastische Musik hervorgebracht hat. Neben Prince kamen auch viele Underground-Acts an die Oberfläche, etwa Hüsker Dü (im letzten RadioMc vertreten) und diesmal The Replacements mit einer der größten Generation-X-Hymnen: „Bastards Of Young“ vom 1985er Album „Tim“. Bei ihrem Auftritt in „Saturday Night Live“ war die Band um Paul Westerberg einigermaßen betrunken – mit lebenslangem Hausverbot als Folge. Ich habe schon Schlimmeres gesehen. Aber gut, ist auch 40 Jahre her.
Eine weitere langlebige Band mit Punk-Wurzeln sind die Mekons aus Leeds. Das linke Künstlerkollektiv veröffentlichte 1993 „Born To Choose“ auf einem gleichnamigen CD-Sampler mit R.E.M., Tom Waits, Soundgarden u. v. a. Die Erlöse gingen an Organisationen für Frauenrechte. Das von Sally Timms gesungene Lied strotzt vor Kraft – musikalisch wie textlich.
Blonde Redhead – die Band der Japanerin Kazu Makino und der italienischen Zwillingsbrüder Amedeo und Simone Pace – wurde 1993 in New York gegründet. Ihr Noise-Rock der Anfangsjahre entwickelte sich später Richtung Shoegaze und Dreampop. Das Album „Sit Down For Dinner“ landete in meiner Top 10 des Jahres 2023 auf Platz 9. „Kiss Her Kiss Her“ war einer der besten Songs dieses Jahres.
Song Nummer 10 kommt von den Shout Out Louds aus Stockholm. Ihre ersten Stücke verbuchte ich innerlich als poppige Cure-Kopien, später lernte ich sie sehr zu schätzen. Leicht melancholische Pop-Perlen wie „Paola“ scheinen sie mühelos aus dem Ärmel zu schütteln. Der Song stammt vom 2017er Album „Ease My Mind“.
Von Stockholm nehmen wir den Flieger nach Australien und landen in Brisbane – allerdings 40 Jahre früher, also 1977. Dort erschien „(I’m) Stranded“ von The Saints, einer der ersten Punk-Songs überhaupt – zumindest in Australien, etwa zeitgleich mit Radio Birdman. The Saints waren damals das Produkt der kongenialen Musiker Chris Bailey und Ed Kuepper. Kuepper stieg bald aus, Bailey führte die Band weiter – allerdings ohne Punk-Attitüde. Bailey starb 2022. Kuepper tourte später mit Mark Arm (Mudhoney) unter dem Banner „The Saints ’73–’78“. Im November erschien zudem das Album „Long March Through the Jazz Age“ mit letzten Aufnahmen vor Baileys Tod.
Es folgt mit „Bohemian Like You“ der größte Hit der Dandy Warhols aus dem Jahr 2000, der allerdings erst durch eine Vodafone-Werbung 2001 richtig durch die Decke ging. Das Rolling-Stones-artige Gitarrenriff ist das prägende Element des Songs.
Eher ein Geheimtipp waren Madder Rose in den 1990ern. Mit flottem Indie-Rock, manchmal am Rande des Grunge, und gefühlvollen Balladen hatten die New Yorker um Mary Lorson und Billy Coté Achtungserfolge. Ähnliche Bands wie Belly oder Magnapop hatten größere Hits und blieben deshalb präsenter im Gedächtnis. „(Living A) Daydream“ vom Album Bring It On war zumindest bei mir ein Hit.
Song Nummer 15 kommt wieder aus Schottland und ist mein persönlicher Favorit von Franz Ferdinand: „Eleanor Put Your Boots On“ vom zweiten Album „You Could Have It So Much Better“. Als vierte Single wurde der Song in einer etwas flotteren Version neu eingespielt – diese ist hier zu hören.
Es folgt ein wenig Nostalgie: „Berlin“ von Fischer-Z spiegelt die Atmosphäre der geteilten Stadt in den 1980ern wider. Fischer-Z war immer eher das Projekt des Briten John Watts als eine klassische Band. Musikalisch sprechen wir von Post-Punk und New Wave, oft mit politischen Texten. 1987 spielte die Band zusammen mit James Brown und anderen Stars vor über 100.000 Zuschauern in Ost-Berlin – ein Ereignis, dem ich übrigens beiwohnen durfte.
Von Berlin chartern wir eine Maschine nach Dunedin in Neuseeland. Dort gibt es seit den 1980ern das kultige Label Flying Nun. Besonders in den 1990ern liebte ich Bands wie The Chills, The Clean, The Jean Paul Sartre Experience oder Straitjacket Fits. Eine weitere war Able Tasmans – und „Mary Tyler Moore“ ist für mich ihr schönster Song. Einer meiner absoluten Lieblingssongs überhaupt.
Noch einmal um den Globus – von Neuseeland nach Kanada. Aber damit das ökologisch vertretbar bleibt, bleiben wir dort auch für die letzten drei Songs.
Wir beginnen mit dem jüngsten: „In Undertow“ von Alvvays aus Toronto. Der Song ist ein bandtypischer Mix aus schwelgerischem Indie-Pop mit Anleihen bei Shoegaze und Jangle-Pop. Er stammt vom zweiten Album Antisocialites aus dem Jahr 2017 – eine Platte voller bittersüßer Melodien mit leicht verschwommenem Blick.
Es folgt Neil Young, seinerzeit nicht umsonst „Godfather Of Grunge“ genannt. In den 60ern und 70ern schuf er Großes, die 80er gerieten eher zur künstlerischen Irrfahrt. Doch mit „Freedom“ und „Ragged Glory“ fand er gerade wieder zur alten Stärke zurück, als der Grunge die Welt überrollte – und Onkel Neil kurzerhand mit auf das Podest hob.
Mirror Ball von 1995 klingt wie ein klassisches Neil Young & Crazy Horse-Album. Tatsächlich spielte er es jedoch nicht mit Crazy Horse ein, sondern mit niemand Geringerem als Pearl Jam – damals der heißeste Scheiß der Rockmusik. Aus rechtlichen Gründen durfte der Bandname allerdings nicht auf dem Cover erscheinen. Wir hören daraus das epische Gitarrengewitter „I’m The Ocean“.
Song Nummer 20 ist traditionell der Musik gewidmet, die ich durch meine Eltern kennengelernt habe – lange bevor ich selbst das Ruder übernahm. Gordon Lightfoot ist eine kanadische Legende. Ein großer Singer-Songwriter, stets mit einem Bein im Country, mit dem anderen im Folk. Er starb 2023. „If You Could Read My Mind“ ist einer seiner größten Hits – zeitlos, melancholisch, wunderschön.
Viel Spaß beim Hören – bis März. 🎶

 

Die Playlist auf Apple Music und Spotify.

 

Radiomc007

Berlin, Januar 2026… Der erste RadioMc des noch frischen Jahres beginnt mit dem Text „I could sleep. When I lived alone. Is there a ghost in my house?“ … und das ist in der Tat bereits der komplette Text des ersten Songs von Band Of Horses von ihrem zweiten Album „Cease To Begin“ aus dem Jahr 2007 … es startet ruhig, nur um die elektrischen Gitarren dann so richtig krachen zu lassen … ein schönes Video gibt es auch davon, Kissenschlacht inklusive.
Knackige Gitarren mit viel Kraft und Harmonie, addiert mit ein paar Haken, sind das Konzept vom zweiten Song der Januar-Zusammenstellung. Er kommt von Swervedriver und heißt „Duel“ … damals, 1993, tat ich die Band versehentlich in die falsche Schublade, nämlich zu Grunge … das war damals nicht so meins, und erst später bemerkte ich meinen Fehler … Swervedriver machen 1-A-Shoegaze der etwas härteren Gangart. Ihr Comeback-Album von 2015 „I Wasn’t Born To Lose You“ wurde glatt mein Album des Jahres. „Duel“ aber bleibt ihr großer Klassiker … sechseinhalb Minuten Gitarrenwände, bis der Arzt kommt.
Es folgt mit den Smashing Pumpkins eine recht bekannte Band mit einem eher unbekannten Lied. „Panopticon“ war eine Single auf ihrem 2013er Album „Oceania“, und auch hier lassen die Gitarren Muskeln spielen, aber trotzdem hat der Song auch etwas Verträumtes. Eigentlich bin ich kein großer Fan dieser Band, dieses Album finde ich aber besser als manches andere überkandidelte Opus ihrer Diskografie.
Es folgen drei Songs mit charismatischen Frontfrauen aus drei Jahrzehnten. Beginnen wir in den 1990ern mit Dolores O’Riordan und den Cranberries … eigentlich hatte ich erst „Zombie“ ausgewählt, dann aber bemerkt, dass der Song zwar nach wie vor ein starker ist … aber durch seine Penetranz auch etwas Nerviges hat und zudem schon einige Abnutzungserscheinungen zeigt … dann lieber „Dreams“ vom Debütalbum … damals war ich kein großer Fan der Band, aber im Rückblick waren sie schon sehr gut.
Die nächste Band ist Wolf Alice mit einem Song vom Debüt „My Love Is Cool“ von 2015. Die Band um Ellie Rowsell ist immer noch gut im Geschäft, letztes Jahr waren sie mit ihrem Album „The Clearing“ in meiner Top-20. „Bros“ war der erste größere Hit der Londoner … wie doch die Zeit vergeht … schon wieder über zehn Jahre her … der nächste Song hat allerdings bereits über 45 Jahre auf’m Buckel … es ist „Atomic“ von Blondie … ich weiß, dass sowohl Cranberries als auch Wolf Alice die Platten der Band um Debbie Harry gehört haben … zeitlos gute Popmusik.
Für alle, denen das jetzt zu poppig ist … etwas Schwermut kommt mit Song Nummer 7 ins Spiel … „Mouthful Of Wasps“ (igitt!) von Kashmir aus Dänemark war bei mir ein Hit im Jahr 2010. Die Band schien vor dem internationalen Durchbruch zu stehen, es gab Songs mit David Bowie und Lou Reed zusammen, und ihr Stil war irgendwo zwischen Radiohead, Muse, Elbow und den Flaming Lips. Leider kam seit über zehn Jahren nichts Neues mehr aus dem Staate Dänemark.
Ähnlichen Kultstatus pflegen auch The Notwist aus Oberbayern. Die frühen Alben der 1989 gegründeten Band sind für meine Ohren beinahe unhörbar, spätestens mit „Neon Golden“ von 2002 gesellten sich ihre Tonträger aber auch in mein Regal. „One With The Freaks“ ist ein Song irgendwo zwischen Radiohead und Go-Betweens … klingt komisch … ist aber so.
Schwieriges Frühwerk muss ich auch Hüsker Dü attestieren, zumindest was meinen Geschmack angeht mochte ich den Punkrock des Trios aus Minneapolis erst ab „Zen Arcade“ oder gar „New Day Rising“ … waren diese beiden richtungsweisenden Alben noch sehr roh, kamen bei den Nachfolgern doch deutlich poppigere Klänge zutage. Im Gegensatz zur lokalen Konkurrenz The Replacements waren die Songs von Grant Hart und Bob Mould aber stets ernster und düsterer.
„Don’t Want To Know If You Are Lonely“ vom 1986er Werk „Candy Apple Grey“ wurde sogar ein kleiner Hit in den Independent-Charts. Die eine oder andere Hüsker-Dü-Platte ist sicher auch Schuld an der Gründung des nordirischen Trios Therapy? … in der Zeit von Pixies und Nirvana kam der trockene, frische Alternative Metal sehr gut an, besonders das Album „Troublegum“ wurde erfolgreich … dann kam noch ein Nachfolgeralbum mit einem Hüsker-Dü-Cover („Diane“), und von da an ging’s bergab … so richtig geil wurde die Band bis heute nicht wieder.
Es folgt eine Uralt-Lieblingsband … Wire lernte ich zwar erst in den 1980ern kennen (als ihre wegweisenden ersten drei Alben erschienen, hab ich noch ABBA gehört) … aber seitdem verdient die Band um Colin Newman meine volle Aufmerksamkeit … und jene drei berühmten Alben „Pink Flag“, „Chairs Missing“ und „154“ lernte ich später noch ausführlich kennen … mit Perlen wie „12XU“, „Outdoor Miner“, „Mannequin“ oder eben „The 15th“ … Songs aus dem Übergang vom Punk zum Post-Punk … eine der einflussreichsten Bands ihrer Zeit.
Es folgt Jane Weaver, geboren 1972 in Manchester, mit „Slow Motion“ … war mal der letzte Song eines Auftritts als Vorprogramm von Teenage Fanclub vor ein paar Jahren, seitdem sitzt der Song mit den weichen Synthies im Ohr … eine Künstlerin, die leider völlig zu Unrecht unterm Radar praktiziert … mal wieder eine Empfehlung an dieser Stelle, die gute Frau hat derzeit neun Alben veröffentlicht.
Apropos Synthpop … das waren ja hauptsächlich die 1980er … „Wishing (If I Had A Photograph Of You)“ von A Flock Of Seagulls ist ein äußerst typisches Beispiel dafür. Leider hat man die Band hauptsächlich deshalb in Erinnerung, dass sie die mit Abstand beschissensten Frisuren ihrer Zeit trugen … und das waren in dieser Zeit nicht gerade wenige … zum Glück waren da aber auch eine Handvoll toller Hits wie „I Ran“, „Space Age Lovesong“ oder eben das epische „Wishing“ … von mir aus könnte das Lied noch mal so lang sein und seine Endlosschleife wiederholen … ich mag es riesig.
40 Jahre später wurde auch getanzt … „Slow Disco“ heißt der nächste Song von der schwedischen Band INVSN. Hinter denen steht Dennis Lyxzén von Refused und (International) Noise Conspiracy … also Bands, die in deutlich härteren Sphären unterwegs sind bzw. waren. Der Song ist übrigens der zweitmeistgespielte Song im Offside seit Beginn der Aufzeichnungen vor etwa zehn Jahren … die Tanzmaus in mir wackelt schon mit der kleinen Zehe …
Es folgt Peter Murphy, bekannt als Sänger von Bauhaus und Solokünstler, besonders gut war sein 1989er Album „Deep“ mit dem Hit „Cuts You Up“, der hier zu hören ist. Eine meiner Lieblingsbands der 1990er waren Swell aus San Francisco. Ihre Musik war schwer zu definieren, sie hatte Folk, Alternative, Lo-Fi, Dreampop … am ungewöhnlichsten war das Schlagzeug von Sean Kirkpatrick, was stets etwas nach Gerümpel klang … und der Bariton von Sänger David Freel mit teils rabenschwarzen Texten. „Forget About Jesus“ vom 94er Album „41“ besticht mit akustischer Gitarre, weichen Keys und ebendiesen Rumpel-Drums.
Song Nummer 17 zeigt nach „Is There A Ghost“ von Band Of Horses zum zweiten mal auf diesem Sampler, das es nicht immer viel Text braucht um ein geiles Lied zu schreiben… „The skyline waits for the world The skyline waits for the fall But you shouldn’t have come at all“
…viel mehr is nicht… aber als es 2017 rauskam und ich es alleine im Auto auf einsamen Straßen in den schottischen Highlands im Autoradio hatte, sang ich so laut und schief wie ich nur konnte mit… schonmal deshalb wird es immer ein Lieblingssong bleiben. Broken Social Scene sind ein kanadisches Musikerkollektiv um Kevin Drew… man kann auch Supergroup sagen… mit dabei sind u.a. Amy Millan von den Stars und Emily Haynes von Metric… alle trällern diese Hymne mit.
Schwelgerisch und euphorisch startet auch „Good Dancers“ von The Sleepy Jackson, einer meiner Lieblingshits des Jahres 2003. Hinter The Sleepy Jackson steht Luke Steele, der einige Jahre später mit Empire Of The Sun Riesenhits wie „Walking On A Dream“ oder „We Are The People“ hatte … diese Sachen waren mir etwas zu poppig, ich mochte die beiden Alben der Vorgängerband lieber … auch wenn diese Meinung wohl ziemlich exklusiv sein dürfte …
Weniger exklusiv dürfte dann aber meine Meinung sein, dass Fiona Apple Ende der 1990er eine große Bereicherung der Musikszene im Bereich Singer-Songwriterinnen war. „Tidal“ war ein großes Debütalbum, und „Criminal“ ein Song, der eine große Karriere einleitete … die stets größere Pausen hatte … Kate Bush, Tori Amos, Fiona Apple … alle verschieden, aber qualitativ in einer Linie.
Prompt sind wir am Ende der Zusammenstellung … Nummer 20 ist stets ein Ausflug in die Zeit meiner Kindheit bzw. frühen Jugend … häufig Sachen, die ich von meinen Eltern kannte … dazu gehört auf jeden Fall auch der eine oder andere Leonard Cohen-Song. „Suzanne“, einer seiner bekanntesten Songs, war mir auch gut in einer Version von Neil Diamond geläufig … den gab es hier aber schon mal, deshalb natürlich auch das unverfälschte und großartige Original von 1967.
Es gab jetzt sieben Ausgaben dieser kleinen Serie … 140 Songs … bis jetzt keine doppelten Interpreten und immer ein Cover mit meinem Jugendradio und mir… selbstverständlich ohne künstliche Intelligenz erstellt … Nummer 8 erscheint in vier Wochen … viel Spaß beim Hören …

Hier die Links zu der Playlist auf Apple Music, Spotify und You Tube.

 

RadioMc006

Erst nach der Operation zwischen meinem Kopf und dem R4100 war mir klar, dass die Ausgabe Nummer 6 mit Radiohead starten muss … eine Band, die mir nicht viel bedeutet, ich halte sie eher für überbewertet und mag vor allem den weinerlichen Gesangsstil von Thom Yorke nicht … allerdings akzeptiere auch ich zwei Alben von ihnen, die ich durchaus sehr schätze, nämlich „The Bends“ von 1995 und „OK Computer“ von 1997 … alles, was danach kam, war mir zu verkrampft verkünstelt … „Airbag“ ist aber auch für mich der beste Song vom 1997er Meisterwerk.
Nach so viel Kunst kommt mit Song 2 eine klare, laute Kante … Crossover … als es das Wort noch gar nicht gab … die Musik schon, Beastie Boys oder Run DMC … dann plötzlich Faith No More, mit ihrem alten Sänger Chuck Mosely … „We Care A Lot“ kam 1987 ziemlich cool um die Ecke … Hip Hop, Funk, Punk und Metal … damals war auch noch nicht abzusehen, dass die Band später mit einem anderen Sänger die Charts erobern sollte.
Eher Punk pur ist dann Song Nummer 3, eine frühe Single der Idles. „Danny Nedelko“ handelt von einem gleichnamigen besten Freund des Sängers, einem polnischen Metzger … danach kann man gut Pogo gegen Fremdenfeindlichkeit tanzen: yari yari yari yari eh eh eh eh!
Wenn wir schon mal beim Abrocken sind, sollte „Lust For Life“ von Iggy Pop nicht fehlen … aufgenommen 1977 in den Hansa Studios West-Berlins, produziert von Buddy David Bowie … ein Klassiker durch und durch.
Um die Jahrtausendwende erschien die britische Band Doves auf der Bildfläche, die ein paar ganz ordentliche Alben boten, „The Last Broadcast“ von 2002 zum Beispiel, hier vertreten mit „Pounding“ … so eine Art unverkleisterte Radiohead würde ich es nennen.
Zehn Jahre später erschien das Debütalbum von Melody’s Echo Chamber und konnte bei mir durchaus punkten. Das Album wurde mit ihrem damaligen Lover Kevin Parker von Tame Impala aufgenommen, was man auch hört. Im Gegensatz zu Tame Impala kann ich die Musik der Französin Melody Prochet aber heutzutage immer noch sehr gut hören, ihr aktuelles Album „Unclouded“ wird in meiner Jahres-Top-10 von 2025 auftauchen … und nächstes Jahr kommt die Gute sogar mal live nach Berlin … in diesem Sinne: „I Follow You“.
Danach geht’s zurück ins Jahr 1988 zu den Briten von The House Of Love. Die Band um Guy Chadwick kennt man vor allem von ihrem Hit „Shine On“, einem Song, den man mitzischen kann … 1990 wurde er zum zweiten Mal veröffentlicht und wurde ein Hit. Hier gibt es die Originalversion, die noch ein bisschen ungeschliffener und damit charmanter um die Ecke kommt.
Es folgt ein anderes Terrain der populären Musik mit The xx, die ja viele Hits hatten … ich mochte „Chained“ vom zweiten Album immer am liebsten … geheimnisvoll und sinister, der gemischte Gesang, der schlichte Beat und die plötzlich ausbrechende Gitarre … sehr gut …
Ein weiterer Klassiker folgt mit Massive Attack und „Unfinished Sympathy“. Als das Stück 1991 rauskam, hörte ich eigentlich ganz andere Musik, aber die warmen Keyboards, der soulige Gesang von Sara Nelson und auch das saustarke Video ließen mir keine andere Wahl, als diese Platte zu kaufen. Sieben Jahre später folgte mit „Mezzanine“ sogar ein noch besseres Album … inzwischen hieß die Musik Trip-Hop und spülte weitere gute Bands wie Tricky und Portishead nach oben.
Wir bleiben in dem Bereich der elektronischen Musik mit den drei New Yorker Musikerinnen von Au Revoir Simone. Dieses Trio schaffte es mit diversen Stücken, in meinem Kopf Hits zu erzeugen … einige hört man auch mal im richtigen Radio, „Shadows“ zum Beispiel … am liebsten mag ich allerdings „A Violent Yet Flammable World“ vom 2007er Album „The Bird Of Music“.
Es folgt wiederum ein Klassiker … vielleicht mein Lieblingssong von Depeche Mode … zeitlos und erhaben: „Enjoy The Silence“ … kannste nüscht verkehrt machen … ebenfalls Helden der 1980er Jahre sind The Jesus and Mary Chain mit einem Stück aus ihrem zweiten Album „Darklands“ … ist zwar erst Dezember … April wird’s wieder, früher als man denkt.
Sehr viel The Jesus and Mary Chain gehört haben müssen auch Black Rebel Motorcycle Club … genau wie eine Leidenschaft für sperrige Bandnamen … „Berlin“ stammt vom 2007er Album „Baby 81“.
Noch eine Schippe härter wird’s mit Baroness und der Leadsingle ihres 2023er Albums „Stone“, welches mein Vizealbum dieses Jahres wurde. Der Song heißt „Last Word“ und ist mit über sechs Minuten das längste Stück dieser Compi.
Wir bleiben bei elektrischen Gitarren und tauchen ins Jahr 1978 ein und hören „Surrender“ von Cheap Trick … eine Band, die es immer noch gibt und die auch gerade ein neues, gutes Album abgeliefert hat. Die Musik von Cheap Trick war immer ein Balanceakt zwischen Glam- und Hardrock … heute nennt man so was Power-Pop.
Es folgt Midnight Oil, in den 80ern und 90ern eine meiner Lieblingsbands. Ihr Konzert 1990 in der Waldbühne war eines der geilsten Gigs ever … als Ossi war man damit ja noch nicht so verwöhnt … hier ein Stück vom großartigen Album „Red Sails In The Sunset“ von 1984, als die Band außerhalb Australiens noch ein Geheimtipp war. „When The Generals Talk“ überrascht mit auffälligem Schlagzeug und zickigen Hooks …
wir bleiben in Australien und hören Underground Lovers mit „Seven Day Weekend“ … ein Song, wo der Tanzmaus die große Zehe zuckt … hey … it’s a weekend …
Nachdem ja heute bereits ein Lied über Berlin, also die Stadt, in der ich seit 34 Jahren lebe, lief, folgt nun eine Ode an die erste Stadt, in der ich meine ersten sieben Jahre verlebt habe: „Leipzig“ ist ein Song von Thomas Dolby und wird hier interpretiert von Dave Stewart & Barbara Gaskin aus dem Jahr 1983. Bei dem Dave Stewart handelt es sich nicht um den Eurythmics-Heini, und die beiden waren auch seinerzeit in den Charts mit dem Song „It’s My Party“ … ebenfalls eine Coverversion. …achso… leider ist dieser Song bei Spotify nicht vorhanden… einer fehlt bei denen immer…
Die beste Coverversion der letzten Jahre allerdings ist meiner Meinung nach „Doot Doot“ von Freur, einer Vorgängerband von Underworld … hier dargeboten von der Shoegaze-Band The Fauns, die den Song sehr nahe am Original hervorragend in die heutige Zeit geholt haben … die Platte war ein Hit in meiner Jahreswertung von 2024.
Damit sind wir auch schon beim berühmten Song Nummer 20, der traditionell in die tiefe Vergangenheit reicht und mit den Beatles und „Across The Universe“ zeitlose Schönheit präsentiert. Ich wünsche viel Spaß beim Hören dieses Samplers … frohes Fest, guten Rutsch und bis Januar zur Ausgabe Nummer 7.

Playlist auf Apple Music, Spotify (ohne „Leipzig“) und You Tube

RadioMc005

Berlin, 11.11.2025… Der November-RadioMc startet mal wieder mit einem dramatischen Intro… so viel Zeit muss sein… nach Babygeschrei, Sirenen und einer Explosion setzt dann ein Klavier ein, und bald kommt es einem vertraut vor… Roger Hodgson… da muss man ein gewisses Alter haben, um den Namen sofort zuordnen zu können. Wenn er dann aber anfängt zu singen, wird sicher auch jeder – na ja – fünfte Hörer der neueren Generationen sagen: Aha! Supertramp!
 1982 erschien das letzte „richtige“ Album der Band, die in den 1970er-Jahren eine der erfolgreichsten Bands der Welt war. Zwei Jahre später erschien das erste Soloalbum von Roger Hodgson – und es war besser als viele Supertramp-Alben und viel besser als alles, was von Band und Soloalben noch folgen sollte. Hodgson spielte jedes Instrument selbst ein (was nicht immer ein Qualitätsmerkmal sein muss – diesmal passts), und „Had A Dream (Sleeping With The Enemy)“ war auch beim damals 16-jährigen McLarsi ein Hit… allerdings in der kastrierten Single-Version… hier gibt es natürlich die kompletten achteinhalb Minuten. Gut zehn Jahre später erschien das Album „Tomorrow The Green Grass“ der Amerikaner The Jayhawks, der Band um die Bandleader Gary Louris und Mark Olson. Im Song „I’d Run Away“ stecken auch ein paar Supertramp-Moods drin; der Song bietet opulenten Pop mit Orchester und Americana… Country war immer die Wurzel dieser Band, die es heute noch immer gibt – nur ohne Mark Olson. Sonniger Pop kommt auch mit Song Nummer 3 vorbei… The Thrills aus Irland überraschten 2003 mit Folkrock inclusive Westcoast-Feeling… nee, nicht Galway, eher San Francisco… was aber auch kein Wunder war, entstand „So Much For The City“ doch in Kalifornien. „Big Sur“ war der größte Hit der Platte und auch heute noch ein gern gehörtes Stück dieser Band, die leider nach nur drei guten Alben 2007 wieder von der Bildfläche verschwand. Apropos Westcoast… The War On Drugs können das auch sehr gut – mit etwas mehr Breitwand-Sound… gut geeignet für sommerliche Ausfahrten mit einem Cabrio der Wahl… im Laufe seiner fünf Minuten steigert sich der Song in ungeahnte Höhen der Euphorie… radiofreundlicher AOR-Mainstream der hochwertigsten Art, wenn ihr mich fragt. Nach so viel Wohlklang kann ein wenig Punk-Attitüde nicht schaden… das übernimmt die Band Magnapop, die Mitte der 1990er-Jahre einige Erfolge verzeichnen konnte. Ihr größter Hit war „Open The Door“, mein liebstes Album der Band um Linda Hopper war aber „Hot Boxing“ von 1994 – produziert von Bob Mould, was man auch hört… hier mit „Piece Of Cake“. Fast 30 Jahre später erschien dann der nächste Song: „The Last Summer“ von Oceanator hätte gut und gerne auch gleichzeitig mit Magnapop erscheinen können… etwas slacker-ischer Grunge mit einem der besten Gitarrensoli der letzten Jahre, eingespielt von Chefin, Sängerin und eben Gitarristin Elise Okusami, dem einzig festen Mitglied der Band. Der Song war einer meiner liebsten Songs des Jahres 2022. Ich würde der Amerikanerin sehr einen größeren internationalen Durchbruch gönnen. Einen solchen hatte die Band Carnival Season (helau… heute ist zufällig der 11.11.) leider nie, da sie mit ihrem Hochdruck-Power-Pop zur falschen Zeit an der falschen Stelle waren. Erfolgreich waren damals die, die aus Minneapolis (Hüsker Dü, The Replacements), Boston (Pixies) oder Seattle (alle Grunge-Heinis) kamen… Alabama war seinerzeit nicht angesagt… schade… „Waiting For No One“ war ein großartiges Album, und „Black Velvet Elvis“ wäre in einer gerechten Welt zumindest ein Kulthit… egal… Hauptsache, ich kenne ihn – und teile ihn hiermit gerne. Deutlich erfolgreicher waren natürlich Nirvana – und auch Dave Grohls Nachfolgeband Foo Fighters… Quatsch… sie sind es noch immer und zählen zu den größten Rock-Acts der Gegenwart. Und so ganz verschließen konnte ich mich denen auch nie… auch wenn ich kein Mega-Fanboy bin. „Long Road To Ruin“ ist einer meiner Favoriten der Million-Seller. Große Vorbilder für Nirvana waren die Pixies… diese Band war hier schon vertreten, und erstmal soll es keine Wiederholungen geben. Also dann an dieser Stelle ein Stück vom besten Pixies-Album, das es nie gab – denn es war das zweite Soloalbum von deren Sänger Black Francis, der sich seinerzeit in Frank Black umbenannte. „Teenager Of The Year“ war 1994, durchaus eines meiner besseren Jahre, mein Album des Jahres – und das mit großem Abstand… 22 Songs in einer Stunde… das bekamen damals fast nur noch They Might Be Giants hin. „White Noise Maker“ flirtet etwas mit New-Wave-Klängen. Für eine Sampler-Serie, die etwas mit Radio zu tun hat, ist der kommende Song eine Pflichtveranstaltung: „The Spirit Of Radio“ der kanadischen Progrocker Rush – ist quasi die Quintessenz von Rockmusik im Radio… ein Song wie ein Monument: Rock, New Wave und Reggae… auch nach 45 Jahren nicht totzukriegen… nicht auszudenken, wenn der Sänger noch eine gescheite Stimme hätte… aber irgendwas ist immer…  Elektrische Gitarren beherrschen bekanntlich den Heavy Metal – deren bekannteste Vertreter Portugals sind Moonspell. Sie hatten in den 1990ern einen Hit mit „Opium“, um den geht es aber in Lied Nummer 11 nicht; es ist eher eine Ballade… „Scorpion Flower“ stammt vom 2008er-Album „Night Eternal“ und wurde gemeinsam mit Anneke van Giersbergen, der ehemaligen Sängerin der niederländischen Metal-Band The Gathering, aufgenommen… der Song hat durchaus etwas Gothic-Sound dabei… Vom Mond zur „Midnight Sun“ geht es im nächsten Stück – es kommt von Nilüfer Yanya und ist ihr bislang größter Hit. Im Jahr 2022 entdeckte ich die junge Londonerin damit auch, und seitdem ist sie ständiger Gast in der choice-Serie, also der anderen Sampler-Serie von mir, in der nur Neues geboten wird. Besonders liebe ich an dem Song, wenn die kratzigen Akustikgitarren plötzlich am Starkstrom hängen. Wir beamen zurück ins Jahr 2007… da erschien das Album „The Last Holy Writer“ von Trembling Blue Stars, die mit ihrem Dream-Pop heute oder Anfang der 1990er sehr erfolgreich hätten sein könnten. 2007 allerdings war diese Art Musik weniger angesagt, und so blieb die Band ein Geheimtipp – wenig später lösten sie sich auf. Die Band, die aus The Field Mice hervorging, sollte vielleicht mal über ein Comeback nachdenken… „Idyllwyld“ ist so wunderschön traurig, wie der Songtitel merkwürdig aussieht. Ein Klassiker auf Deutsch folgt mit Track Nummer 14: Element of Crime mit „Und Du Wartest“ vom Album „Weißes Papier“ von 1993… es war erst das zweite deutschsprachige Album der Berliner Band, die damit immer größer wurde und nach wie vor eine Alleinstellung in der deutschen Szene hat. Etwas Melancholie kommt auch beim darauffolgenden Lied nicht zu kurz… „That Look You Give That Guy“ von Eels ist eines der traurigsten Lieder, die ich kenne… man möchte Mark Everett in den Arm nehmen und ihn trösten… nach Regen kommt schließlich wieder Sonne – singen auch Madness mit „The Sun and the Rain“, eines meiner Lieblingslieder dieser nach wie vor megacoolen Band, ohne die die 1980er ganz sicher um einiges ärmer gewesen wären. Nach Madness geht es nach Norwegen: Ephemera aus Bergen – drei Frauen, die 2003 mit dem Song „Girls Keep Secrets in the Strangest Ways“ auch mal im gut sortierten deutschen Radio liefen und hier noch etwas Sonnenschein in die dunkle Jahreszeit bringen. Waren wir diesmal überhaupt schon in Australien? Na dann aber schnell ein Klassiker… The Triffids aus Perth gab es von 1978 bis 1989. Ein Comeback der Band, ähnlich wie es später bei den Kollegen der Go-Betweens kam, konnte leider nicht stattfinden, weil Bandleader David McComb 1999 verstarb. Das Album „Born Sandy Devotional“ von 1986 reiht sich ein in eine Serie australischer Benchmark-Alben wie „16 Lovers Lane“ (The Go-Betweens), Starfish (The Church), „Diesel & Dust“ (Midnight Oil) und meinetwegen auch „Highway To Hell“ (AC-DC)… und „Wide Open Road“ ist der Klassiker daraus… man kann die unendlichen Weiten der einsamen Straßen Australiens vor sich sehen… und das vom puren Hören. Wo wir dann schon mal auf der anderen Seite des Planeten sind, ist auch noch ein Abstecher nach Neuseeland drin… French For Rabbits ist ein gemischtes Duo, das allerfeinsten Dream-Pop liefert. „The Other Side“ vom 2014er Debüt „Spirits“ ist ein Song, den ich mir auf meiner Beerdigung vorstellen könnte… aber nur als Rausschmeißer, zum Beginn hätte ich gerne „Blue Marbled Elm Trees“ von King Creosote… nachzuhören auf RadioMc003… aber soweit ist es ja (hoffentlich) noch nicht so bald. „The Other Side“ wäre natürlich ein wunderbarer Abschluss für jeden Musiksampler… aber beim RadioMc kommt ja bekanntlich immer noch Song Nummer 20… quasi „The Other Side of Lars“… Musik, mit der ich aufgewachsen bin, als ich noch bei den Eltern mitgehört habe. Elton John gehört da 100%ig dazu… ich konnte mich kaum für einen Song entscheiden, so gut war er in den 1970ern… „Goodbye Yellow Brick Road“, „Rocket Man“, „Your Song“… ich könnte ewig weiter aufzählen… habe mich letztendlich für „Tiny Dancer“ entschieden, ein Lied vom Album „Madman Across the Water“ von 1971… damals stand er noch ziemlich am Anfang seiner einzigartigen Karriere, die ich allerdings spätestens ab Mitte der 1980er nicht weiter verfolgt habe. Dann wünsche ich viel Spaß beim Hören und hoffe, dass die Zusammenstellung nicht zu finster geraten ist… kocht einen Tee und lest ein Buch dazu… bis zur Nummer 006…

Playlidst auf Apple Music, Spotify und You Tube

RadioMc004

Berlin, 17.10.2025… Oktober… Herbst, Halloween und Kürbisse… da kommt auch der R 4100 nicht dran vorbei und der Name der Band, die den Reigen eröffnet… Mostly Autumn… passt ja auch gleich mal. Ich habe ja eine Schwäche für markante Intros von Songs… bei „Fading Colours“ ist es ein bisschen wie „Darf es etwas mehr sein?“ Prog-Rock, Folk und Bombast… für alle, denen Evanescence oder Nightwish zu hart sind und Pink Floyd zu langweilig, bietet die Band aus dem englischen York seit 30 Jahren eine zuverlässige Alternative. Dieser Song von 2007 war seinerzeit ein Dauerbrenner im Offside.
Nach acheinhalb Minuten ist dann Schluss und weiter geht es mit Balaam & The Angel, eine Band von zeitweise vier Brüdern, die Ende der 1980er im Fahrwasser von The Cult kleinere Erfolge im Bereich Goth-Rock feierten. Das Debütalbum „The Greatest Story Ever Told“ mochte ich sehr gern… Alles, was danach kam, wurde leider immer schlechter… Zweitliga-Hardrock zum Vergessen… Bis auf diesen einen Song: „I Love The Things You Do To Me“ finde ich auch nach 37 Jahren noch großartig, die Band ist längst vergessen, der Song hätte es verdient gehabt, ein Hit zu werden.
Song Nummer 3 nimmt etwas Geschwindigkeit auf. Fucked Up aus Toronto veröffentlichten 2011 eine Hardcore-Oper namens „David Comes To Life“ und „Queen Of Hearts“ ist für mich immer noch der liebste Brüll-Song aller Zeiten… Wenn dann in der Mitte des Songs das Gebrülle von Sänger Damian Abraham in den Hintergrund rückt und Bassistin Sandy Miranda das Mikro übernimmt, merkt man erstmal, wie hochmelodisch das Teil ist… Wie sagten schon Mogwai… Hardcore Will Never Die, But You Will.
Gegensätzlicher Gesang war auch schon immer ein Mittel zum Zweck bei einem der erfolgreichsten Indie-Musiker aus Deutschland… Phillip Boa & The Voodoo Club… hier zusammen mit seiner langjährigen Muse Pia Lund auf einer ihrer erfolgreichsten Hits der 1990er Jahre… „Deep In Velvet“ vom 1996er Album „She“. Nachdem weiblicher Gesang jetzt öfter geteilt mit männlichem war, folgt mit Karen O. endlich die erste Leadsängerin dieser Compilation. Yeah Yeah Yeahs… Walter Ulbrichts Albtraum-Band hatten ihre (bislang zumindest) erfolgreichste Zeit in den 2000ern und „Maps“ war der große Hit und ist immer noch einer der schönsten Punk- oder Indie-Lovesongs ever.
Das hier ist RadioMc Nummer 4 und der eine oder andere Lieblingssong und die eine oder andere Lieblingsband war bereits Thema… hier folgt ein weiterer Lieblingssong von einer zumindest seinerzeit ebenfalls hochverehrten Band: The Chameleons mit „Swamp Thing“ vom letzten „richtigen“ Album „Strange Times“ von 1986. Er hat alles, was die Band damals so großartig machte, virtuosе Gitarren im Breitbandformat mit Drama und Pathos… leider wollten damals alle lieber U2 hören und die Band verschwand erstmal für lange Zeit. Aktuell gibt es ein neues Album der Band aus Manchester, aber außer einem Song kann man das so ziemlich in den Skat drücken.
Etwas länger gibt es mittlerweile auch Spoon aus Austin, Texas… Seit 1993 bieten Britt Daniel und Co. eine Melange aus aufs Nötigste reduziertem Indie-Rock – irgendwo auf halber Strecke zwischen den Pixies und den Black Keys.
„Whisper I’ll Listen to Hear It“ ist eher untypisch… aber mein Favorit vom 2017er Erfolgsalbum „Hot Thoughts“. Irgendwie elektronisches Gepränkel am Anfang… unklar, wohin die Reise gehen soll… aber dann geht es ab wie Schmitt’s Katze, und man möchte sich eine Elvis-Tolle kämmen und beckenbetont auf dem Tisch tanzen… doch prompt ist der Song auch schon wieder vorbei.
Mit XTC kommen alte Helden… Sie waren eine der besten New-Wave-Bands am Ende der 1970er- und später auch der 1980er-Jahre. Hier ist ein Song aus dem Spätwerk der Band… auch wenn das Jahr 1992 bereits ein wenig her ist – danach kam nur noch sehr wenig, was schade ist.
„The Disappointed“ ist bester Britpop aus einer Zeit, als es diesen noch gar nicht gab.
New Wave war auch Thema bei Elvis Costello, der in seiner langen Karriere so manche musikalischen Wege beschritten hat. Hier ein Song vom zweiten Album Armed Forces von 1979… Die alten Costello-Platten sind übrigens alle großartig.
Es folgt Mae Moore, eine kanadische Singer-Songwriterin, deren Album Bohemia von Steve Kilbey von The Church produziert wurde. Das Album ist ein unbekanntes Juwel dieser Zeit, und wir hören den Titelsong.
 Auch mit auf dem Album war übrigens Grant McLennan von den Go-Betweens – Kilbey und McLennan kannten sich bereits von ihrem gemeinsamen Projekt Jack Frost… ein Traum: Zwei meiner absoluten Lieblingsmusiker machten auf zwei Alben gemeinsame Sache. Nicht alles war genial, aber ein paar Songs für die Ewigkeit waren dabei – zum Beispiel „Angela Carter“ vom zweiten Album Snow Job.
Gleich drei Musikerinnen, die solo recht erfolgreich waren, machten als Boygenius ein Album und ein paar Singles, gingen auf Welttournee – und waren damit mega-erfolgreich. Die Damen heißen Julien Baker, Phoebe Bridgers und Lucy Dacus, und der Song „Not Strong Enough“ erhielt einen Grammy und war einer meiner Songs des Jahres 2023. Das Album landete auf meiner Nummer 3.
Es folgt ein weitestgehend vergessener Song aus dem Jahr 1986: David & David nannte sich das Duo aus David Baerwald und David Ricketts, die exakt ein Album machten – und mit „Welcome to the Boomtown“ eine kleine Hymne aus der Reagan-Zeit hinterließen.
Wir tauchen noch etwas tiefer in die Timeline und sind bei einem der einflussreichsten Alben der Rockgeschichte schlechthin: „Marquee Moon“ von Television.
 Eigentlich gehört hier das über zehnminütige Titelstück hin, aber „Venus“ ist auch ein perfekter Song der kurzlebigen Band um Tom Verlaine.
 Sie waren Teil der frühen Punkszene in New York – der Stadt, die auch zehn Jahre zuvor mit Velvet Underground Terrain für Musikgeschichte bereitete.
Letzten Monat waren sie auf RadioMcVol.003, und heute haben wir mit John Cale ein Mitglied der Kultband an Bord.
 „Paris 1919“ von 1973 ist mein Lieblingsalbum des Walisers, der auch noch mit über 80 Jahren Platten veröffentlicht und Konzerte gibt.
Wir springen 16 Jahre weiter und landen im Jahr 1989, als New Model Army ihr bis dato erfolgreichstes Album „Thunder and Consolation“ veröffentlichten… Es waren die letzten Monate der DDR, und ich liebte das Album – und New Model Army war nach der Wende die Band mit den meisten Konzerten, die ich besuchte.
 Bei denen ist bis heute „Vagabonds“ ein absolutes Highlight.
Anfang der 1990er war ich auch häufig auf Konzerten der Walkabouts, einer Band aus Seattle, die aber keinen Grunge machte – eher Folkrock im Stil von Neil Young. Besonders im Gedächtnis blieben bei den meisten die Songs, in denen Carla Torgerson am Mikro stand.
Das waren allerdings nur die Hälfte der Songs – ihr Partner Chris Eckman war ebenfalls ein guter Sänger.
 „Grand Theft Auto“ vom Album „New West Motel“ (mein Album des Jahres 1993) steckt Neil Young & Crazy Horse locker in die Tasche.
Florence + The Machine gibt es nunmehr auch schon fast 20 Jahre, und Florence Welch wird nächstes Jahr 40… wie doch die Zeit vergeht. Immer gute Popmusik gemacht – und das nächste Album erscheint an Halloween.
 Wir hören aber erst einmal etwas Altes: den ersten Hit „Dog Days Are Over“.
Es folgt einer meiner Lieblingssongs von Interpreten der letzten paar Jahre, die aber auch ab und zu im Radio laufen… Villagers zum Beispiel – die Band um Conor J. O’Brien aus Dublin. Ich mag ihn sehr, aber es gibt nur einen Song, den ich vielleicht sogar als einen der besten Songs der 2010er Jahre bezeichnen würde: „Nothing Arrived“.
 Er beginnt unspektakulär, wie ein Song von… ich sag mal World Party (was ja schon mal nicht schlecht sein kann…), aber er steigert sich gegen Ende ins Unermessliche und… es ist ein absoluter Hit – für mich zumindest.
Mit Nummer 20 kommt dann der übliche Song aus der Zeit, als Mutti und Papi noch die Kassetten aufgenommen haben…
Mir ist die Nummer der Kassette entfallen (in irgendeiner Kiste liegt sie aber noch). Es war der erste Song des Mixtapes aus den mittleren 1970ern – wahrscheinlich damals noch vom Westradio in Leipzig aufgenommen (dort wuchs ich die ersten sieben Jahre auf die Höhe von etwa vier Bierkisten auf).
 The Love Affair kennt man vom Hit „Everlasting Love“ – der übrigens auf der Kassette gleich dahinter kam. Ich mochte immer „A Day Without Love“ lieber, auch wenn er musikalisch in der Tat nicht weit entfernt ist.
Weitere Bands auf der Kassette waren The Marmalade und die Beatles… war auch ’ne schöne Zeit.
So… das war also die Oktober-Ausgabe vom RadioMc. Beim nächsten Mal sind die ganzen Weinblätter auf dem Cover gefallen, und es wird langsam frisch im Garten… auch dafür wird’s was auf die Ohren geben – in etwa vier Wochen.
Viel Spaß erst mal mit Nummer 4…

Playlist auf Apple Music, Spotify und YouTube

RadioMc003

Berlin, 16.09.2025… Die Nummer 003 startet mit 3 Mal Schottland aus 3 Jahrzehnten… Beginnen wird King Creosote mit „Blue Marbled Elm Trees“, einer meiner Lieblingssongs aus dem Jahr 2023. In dem Lied geht es quasi darum, seiner eigenen Beerdigung beizuwohnen und das ganz im positiven Sinne. Der hymnische Song ist im Folk zuhause und kommt u.a. mit Uilleann Pipes daher und eignet sich auch ganz hervorragend als Lied für die eigene Beerdigung. King Creosote ist das Projekt des Musikers Kenny Anderson aus Fife, der bereits sehr viele Veröffentlichungen verzeichnen kann, häufig in Eigenregie. Ein weiteres Bandprojekt, hinter dem eine einzelne Person steht, nämlich Mike Scott, sind auch The Waterboys, eine Band, die ich von Anfang an geliebt habe… das war bereits 1983… Die ersten drei Alben „The Waterboys“, „A Pagan Place“ und „This Is The Sea“ sind absolute Meilensteine, es folgten Ausflüge in den Bereich Irish Folk und später auch mal Schweinerock… nicht jeder Schuss war ein Treffer, 2011 aber gelang Scott mal wieder ein Volltreffer. „An Appointment With Mr. Yeats“ basiert auf Texten und Lyrik des berühmten irischen Poeten William Butler Yeats (1865-1939). Die Musik ist eher Rock mit wenig Folk. Das Album war mein Album des Jahres 2011 und wir hören einen der besten Songs darauf: „White Birds“. Noch länger als The Waterboys existieren die Simple Minds… gegründet 1978 in Glasgow. Sie waren Teil einer Art Big Three in den Mitt-1980ern, gemeinsam mit U2 und Big Country waren sie meine Lieblinge. Erst in den 1990ern wurden sie mir dann zu langweilig. „New Gold Dream (81,82,83,84)“ von 1982 war eines ihrer stärksten Alben, noch vor dem späteren Ruhm und Hits wie „Don’t You (Forget About Me)“ oder „Belfast Child“. Wir hören den Titelsong, der zwischen New Wave, Elektronik und Rock dahin perlt… absoluter Klassiker.
Von Schottland ist es bekanntlich nicht weit nach Irland. Das erste Album von Sinead O’Connor liebte ich damals, auch wenn ich etwas irritiert war, dass diese hübsche Frau Glatze trägt… und das in den 1980ern, in denen es viele Verbrechen in Form von Frisuren gab. Mein Lieblingssong von O’Connor ist „Jerusalem“, ein sehr atmosphärisches Stück zwischen laut und leise. Von der Frisur her ähnlich, musikalisch eher im Dream-Pop beheimatet, war die Sängerin Jana Hunter, eine Trans-Person, die zusammen mit ein paar anderen Musikern die Band Lower Dens gründete. Aus dem Jahr 2015 stammt der Song „To Die In L.A.“ vom Album „Escape From Evil“. 2021 verkündete Hunter das Ende der Band. Von L.A. geht’s jetzt nach New York. 2001 kam aus dieser Stadt das Debütalbum The Strokes… Musik, die damals irgendwie aus der Zeit gefallen schien, mit analogen Instrumenten und alten Mikrophonen. Das Album wurde ein Hit und auch die nachfolgenden Veröffentlichungen waren sehr erfolgreich. Inspiriert wurden The Strokes von Musik aus ihrer Heimatstadt… New York Dolls, Television und… na klar: Velvet Underground… Grund genug, die Uhr auf das Jahr 1967 zurückzustellen und mit „Sunday Morning“ an eine der einflussreichsten Platten der Rockmusik zu erinnern: The Velvet Underground & Nico. Wir bleiben in New York… 10 Jahre später erschien „Rocket To Russia“, das zweite Album der Ramones und für mich persönlich auch ihr bestes. „Cretin Hop“ hat alles, was einen Ramones-Song ausmacht… schnell, kurz und knapp und melodisch… zeitlos sowieso.
Sehr viel Energie steckt auch im nächsten Song. „Debaser“ ist der Opener des fantastischen Albums „Doolittle“ der Pixies. Sie waren zu dieser Zeit Vorbild für viele Bands, die später noch viel berühmter wurden, Nirvana zum Beispiel. „Doolittle“ ist für mich persönlich ihr bestes Album. Der nächste Song heißt „Mountain“ und kommt von den Schotten Biffy Clyro. Es ist eine hymnische Ballade aus dem Jahr 2009 und ein Höhepunkt in ihrem Live-Oeuvre… zum Mitgrölen bestens geeignet. Etwas ruhiger wird es dann mit Lied Nummer 11: Loma mit der Single „Going Out“, ein Ohrwurm aus der Corona-Zeit. Die Band aus Texas coverte das Lied des dänischen Künstlers Dinner aus dem Jahr 2014 und ist ein gutes Beispiel dafür, dass Coverversionen auch deutlich besser sein können als Originale… in der Musik von Loma schwebt eine gewisse exotische Note mit und die treibt den nächsten Song auf die Spitze. Die Australier Not Drowning, Waving nahmen ihr fünftes Album „Tabaran“ gemeinsam mit Musikern aus Papua-Neuguinea auf, was in dem Song „Sing Sing“ zu einem Ozean an Trommeln führt… der Song ist einer meiner absoluten Lieblingslieder, wenn auch ganz sicher der exotischste. Bitte dringend nach 2:20 Minuten  die Lautstärke hochdrehen und die Wucht von unzähligen Musikern wirken lassen… wer das einmal macht, macht es immer wieder… versprochen… das Beste daran ist übrigens, dass in diesem Monat ein Nachfolger erscheint. Nachdem die Band seit 1993 kein Album mehr veröffentlicht hat, erscheint demnächst „Malira“. Nummer 13 kommt dann von den Briten The Maccabees und der Anfang von „Pelican“ hat auf jeden Fall auch etwas Exotisches, eher afrikanisches… in einer Mischung mit „Eye Of The Tiger“… vom Album „Given To The Wild“, welches mein drittliebstes Album von 2012 war. Es folgt ein Klassiker aus den goldenen 1980ern vom wohl bekanntesten Album von The Smiths… „The Queen Is Dead“. Die meisten Leute kennen daraus „Bigmouth Strikes Again“ oder natürlich „There Is A Light That Never Goes Out“… beides natürlich fantastisch, wie auch das ganze Album… mein Favourit ist allerdings das abschließende „Some Girls Are Bigger Than Others“… eine Weisheit, die nie enden wird… Dann kommen Tindersticks… ich lernte sie als Support für Nick Cave & The Bad Seeds 1993 kennen und war so geflasht von der Band, dass der Hauptact danach eher Nebensache war. Ihr erstes, selbstbetiteltes Album ist immer noch in meiner ewigen Top 10 und auch das zweite, was ebenfalls nur Tindersticks heißt, war großes Kino. Auf „Travelling Light“ singt dann auch meine absolute Lieblingssängerin der 1990er Jahre mit: Carla Torgerson von The Walkabouts… ein Lied wie eine wärmende Decke am gerade angezündeten Kamin… Apropos Lieblingssängerin… in der heutigen Zeit ist Carla Torgerson nicht mehr so präsent, dafür andere Frauen, besonders Anne Lise Frøkedal, Weyes Blood und Neko Case. Die kommt hier mit „Night Still Comes“ von ihrem Album „The Worse Things Get…“, welches mein Album 2013 war. Die bereits erwähnte (Anne Lise) Frøkedal aus Norwegen schaffte das Album des Jahres 2021 mit „Flora“… sowas wie mein Soundtrack der Corona-Depression. „Set Your Spirit Free“ wäre in einer gerechten Welt auf jeden Fall ein Hit… so ist es hauptsächlich im Offside bekannt. So, genug am Kamin verharrt, gehen wir raus in die kalte Welt und betrachten den „Black Moon“ von Killing Joke, eine großartige Band, die Vorbild für so viele Metal-Bands war, obwohl sie selber keinen spielten. Statt ihres größten Hits „Love Like Blood“ gibt es heute ein Stück aus dem Album „Pandemonium“ von 1994. Anschließend geht es noch einmal nach Schottland, was heute mit 5 Beiträgen recht stark vertreten ist. Mogwai aus Glasgow sind Meister des Post-Rock, meist instrumental, immer laut und großartig. Hier ein Stück vom Album „As The Love Continues“ mit Gesang. „Ritchie Sacramento“ ist eines der poppigsten Stücke der Band… aber auch das können sie sehr gut. Die Nummer 20 taucht stets in die Abgründe meiner Lieblingsmusik ein, heute „The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore“ von den Walker Brothers. Ich mochte Scott Walker auch später noch, als er eher schräge Sachen produzierte… dieser Evergreen sollte aber nach wie vor in keinem Haushalt der Dunkelheit fehlen… viel Spaß mit RadioMc Vol.003

Playlist auf: Apple Music, Spotify und You Tube.

Berlin, 18.08.2024… RadioMcLarsen Vol.002: Die zweite Ausgabe von RadioMcLarsen startet mit einem absoluten Mitbrüller meiner Lieblingssongs: „Birdhouse In Your Soul“ von They Might Be Giants hat auch 35 Jahre nach Erscheinen nichts vom Zauber der guten Laune verloren… einer der Songs die immer laut gedreht werden müssen, wenn sie mal im Radio kommen. Unsterblich. Song zwei ist dagegen die größte Säuferhymne der Welt, die natürlich ebenfalls mitgegrölt werden muß. Chumbawamba, eine leicht anarchistisch angehauchte Combo aus England, gelang 1997 mit „Tubthumping“ der große internationale Durchbruch, obwohl sie damals bereits lang 15 Jahre Musik veröffentlichten. Der nächste Song täuscht erstmal an, einen auf den Dancefloor locken zu wollen… bald aber schreit dann der Sänger der Briten High Vis seinen Frust heraus… „Mind’s A Lie“ ist aus dem letzten Jahr, aber durchaus dafür geeignet, ein Klassiker zu werden… Crossover anno 2024. Song 4 geht zurück ins Jahr 1977 und zwar nach Australien. Dort veröffentlichten The Saints mit „(I’m) Stranded“ und Radio Birdman mit „Radio Appears“ die ersten Punk-Alben des 5. Kontinents. „Aloha Steve & Danno“ gehört für mich in jede Top-Ten für Punk-Singles aus der Zeit, als das noch was Exotisches war. Stooges meets Ramones, schön auch die Gitarrenbrücke mit der Melodie von „Hawaii Five-O“. Etwas älter als zum Erscheinen im Jahr 2013 klingt auch der nächste Song von TOY. Die Band war vor etwa 10 Jahren ein großes Versprechen, die ersten 3 Alben waren großartig, „Clear Spot“ sogar mein Album des Jahres 2016, danach kam leider nicht mehr viel. „Endlessly“ ist bester Psychedellic-Gitarren-Rock, verträumt und doch voller Energie… Drogen kannste stecken lassen… der Song saugt dich auch so ein und trägt dich in unbekannte Welten… so ähnlich wie auch der nächste Song, aber weniger mit Gitarren, als mit Synthesizern… Ladytron aus Liverpool gruben mitten in einer Zeit von Nu-Metal und weiß-ich-was-für’n-Zeuchs den Synthpop der frühen 1980er wieder aus und lieferten viele sehr gute atmosphärische Stücke wie hier „Tomorrow“ aus dem 2008er Album „Veloficero“. Eine Band die Vorbild sein könnte, kam Mitte der 1980er aus Düsseldorf… Propaganda hatten internationale Hits wie „P-Machinery“, „Dr. Mabuse“ und eben „Duel“… ebenfalls einer meiner Lieblingssongs ever, die laut gedreht werden müssen und mitgesungen… ihr wisst schon… Nach nun zwei mal Synth-Pop zurück zu Gitarre, Bass und Schlagzeug… diesmal aus einer anderen Stadt die Karneval feiert… von Düsseldorf nach Köln. Dort ist die Band Klee zuhause, die machten mindestens drei vorzügliche Platten, bevor sie leider in den Schlagerbereich abdrifteten. Aus dem 2005er Album „Jelänger Jelieber“ hier das verträumte „Mit Dir“… ich hoffe, die Band kriegt irgendwann wieder die Kurve. Nummer 9 ist wieder was mit Vögeln… „Birds Fly (Whisper To A Scream)“ war eine der größten Hits der Liverpooler Band The Icicle Works, eine Band, die zu Unrecht nur im Schatten von Echo & The Bunnymen standen. Das selbstbetitelte Debütalbum von 1984 war jedenfalls großartig. Später veröffentlichte Sänger Ian McNabb viele Soloalben, unter anderen mit den Neil Young Mitstreitern Crazy Horse. The Icicle Works dürften auch Vorbild für die Band White Lies gewesen sein, auf deren Debutalbum von 2009 war zumindest ein Kracher drauf, der bis heute unerreicht ist: „Death“… große Geste, großes Drama… und nebenbei auch besser als jeder Editors Song. Von Death zu Deaf ist es zumindest bei oberflächlicher Betrachtung der Schreibweise nicht weit… musikalisch wirds härter. Deafheaven aus San Francisco verdienten sich schon öfters meine Aufmerksamkeit… musikalisch in einer großartigen Härte gehalten… nur hatte ich immer gedacht, wenn das Gebrülle von einem Gesang ersetzt würde, wäre es eine runde Sache. 2021 war es dann soweit, „Infinite Granite“ kam mit bewährter Mischung aus Black Metal und Shoegaze (mit mehr Betonung auf letzteres) und normalen Gesang. Belohnung: Platz zwei in meinem Album-Jahres-Charts. Das neue Album von diesem Jahr legte leider wieder eine Rolle rückwärts hin… „Great Mass Of Color“ bleibt als Hymne… besonders zum Schluß, wenns nochmal richtig laut wird. Ordentlich laut können es auch die Texaner mit dem etwas ausufernden Bandnamen …And You Will Know Us By The Trail Of Dead… die kombinieren Alternative Rock mit Punk und Progressive Rock, 2005 mit dem Album „Worlds Apart“, was eine wunderbare Mischung aus allen möglichen Richtungen war… hier vertreten mit dem Titelsong. Apropos Punk… eine meiner Alltime Lieblingsbands sind immer noch The Damned, eine der ersten Punkbands der ersten Stunde, die bis heute gute und sehr gute Musik veröffentlichen. „Wait For The Blackout“ ist einer der vielen Meilensteine zwischen der ersten Punkrock-Phase und der Gothrock-Phase… sie waren bei beiden Pioniere… wieder so ein Lieblingslied zum mitsingen. Wir switchen in die 1990er, bevor der Britpop mit Blur und Oasis so richtig Fahrt aufnahm, gab es durchaus bereits ein paar Bands, die den Boden dafür bereiteten, so auch Suede mit ihrem Glam-Brit-Pop. „Animal Nitrate“ war sicher der markanteste Song dieser Zeit (1993) und gerade kommt die Band stark zurück, auf dem aktuellen choice-Sampler (#34) ist die sehr gute neue Single „Dancing With The Europeans“ drauf. Großes Vorbild für Brett Andersons Suede war sicher David Bowie, der ja Glam-Rock mit erfunden hat und heute mit „Starman“ ein wenig die Freunde der 1970er Musik bedient. Um Sterne geht es auch im nächsten Song: „Star Roving“ war die großartige Comeback-Single der Shoegaze-Legenden Slowdive von 2017. Das selbstbetitelte Album dazu wurde in diesem Jahr nur noch von der Lieblingsband übertroffen… großartiges Albun, großartige Liveband… in ihrer ersten Phase gingen sie etwas an mir vorbei, da zog ich für diese Musik eher Lush, Ride oder Cocteau Twins vor… zum Beispiel mit deren Meisterwerk „Heaven Or Las Vegas“ von 1990… hier vertreten mit dem Opener „Cherry-Coloured Funk“. Die Vorbilder der Cocteau Twins, die es ja immerhin bereits seit 1979 gab, waren sicher auch Bowie, aber eher düstere Phase, Siouxsie & The Banshees oder The Cure. Aus dem gleichen Topf schöpften auch The Sisters Of Mercy ihre Inspiration. „Marian“, geschrieben von Wayne Hussey (später The Mission) ist für mich mit Abstand das beste Lied der Band vom einzig wirklich guten Album „First And Last And Always“… wie der Name schon sagt… über den Rest hüllen wir den Mantel des Schweigens. Kurz vor Schluß nochmal eine Band, die auf der härteren Schiene fährt, nämlich Mastodon. 2017 erschien neben einem regulären Album noch eine EP, aud die „Toe To Toes“ drauf war, dieser Song entwickelte sich mit der Zeit zu meinem Lieblingsstück der Band… Gothrock-Prog-Rock-Metal… was für ein schöner Mix. Song Nummer 20 ist stets der Zeit reserviert, in der ich noch sehr jung war. Im Haushalt meiner Eltern gab es keinen Punkrock und auch kein Metal… aber auch keinen Schlager oder so’n Mist… viele Sachen hörte ich gerne mit und viele Songs sind noch heute heimliche Lieblingssongs… auf Nummer 001 letzten Monat konnte ich bestimmt den einen oder anderen Mithörer mit Neil Diamond überraschen. Diesen Monat ist ein trauriges Jubiläum schuld an der Auswahl… 80 Jahre Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima. Die Briten von Wishful Thinking waren eine typische Eintagsfliege, der Song „Hiroshima“ erzeugt aber als Ballade mit Progrock Ausflügen auch nach über 50 Jahren noch Gänsehaut. Ich wünsche viel Spaß beim Hören, egal wo ihr den Mix gerade hört… bis nächsten Monat… keep on rockin’…

Playlist auf Apple Music, Spotify und YouTube

Berlin, 24.07.2025… RadioMcLarsen Vol.001 – Da das Ding ja etwas mit Radio zu tun hat, soll die Serie auch mit einem Lied über Radio starten: „Radio Free Europe“ ist ein in den USA gegründeter Sender, der besonders in Zeiten des Kalten Krieges von Bedeutung war… quasi ein bisschen Freiheit hinter den Eisernen Vorhang zu bringen. Nicht alles von dem Sender war erfolgreich, und in diesem Jahr wurde der Geldhahn von Trump zugedreht. Grund genug, eine alte Single von 1983 etwas aufzupäppeln… Es war schließlich die Debüt-Single einer damals komplett unbekannten, jungen Band aus Athens/Georgia, die im Laufe ihrer Karriere noch zu Weltruhm kommen sollte: R.E.M. Ich lernte die Band ein paar Jahre später kennen, und über viele Jahre waren sie eine meiner Lieblingsbands. Das erste Lied der RadioMcLarsen-Serie ist ein Remix dieser Single von 2025… nur gering abweichend vom Original. Als ich R.E.M. kennenlernte, galt die Band als eine Art amerikanisches U2… Da muss man wissen, dass jene U2 in den Mitte-1980ern meine absolute Lieblingsband waren. Damals dachte ich noch echt, dass Bono ein Samariter ist und mit der Musik die Welt retten wird… Nun ja… Nach „The Joshua Tree“ verflog der Zauber dann aber recht schnell. Wir hören den Song „A Sort Of Homecoming“ vom Album „The Unforgettable Fire“ in einer Liveversion… Ich bin normalerweise kein Freund von Liveversionen, diese hier macht den Song aber tatsächlich besser. Da der Sampler aber nicht nur ein Guide durch meine Musikhör-Geschichte werden soll, zappen wir 28 Jahre weiter und finden uns in Australien wieder bei dem Song „Endless Summer“ vom Debüt-Album der Band The Jezabels. Die Band um Sängerin Hayley Mary erreichte bei mir Platz 4 der Jahres-Albumcharts und den Sommerhit des Jahres 2012. Der Song fährt auf breiten Straßen und bietet hymnischen Dreampop. Das nächste große Ding wurden The Jezabels dann doch nicht, ihre beiden anderen Studioalben wollten nicht so sehr zünden, und seit 2016 ist Pause. Apropos Sommerhit… Mit dem „Liebesformular“ von International Music aus Essen kommt danach gleich der Sommerhit des vergangenen Jahres. Die Band, die auch als Düsseldorf Düsterboys unterwegs ist, ist für mich eine der coolsten deutschen Bands der Gegenwart. Das Trio verbindet verschiedene Musikstile und hat auch keine Berührungsängste mit Krautrock oder Progressive Rock. „Liebesformular“ ist einer der poppigen Momente der Band „Timeless Melancholy Music“, wie es im Text heißt. Zeitlos ist auch der nächste Song aus dem Jahr 1992: „Motorcycle Emptiness“ von den Manic Street Preachers ist kein bisschen gealtert, eine Hymne über Einsamkeit und Verzweiflung… Für mich nach wie vor der beste Song einer Band, die auch viele erfolgreichere Songs produziert hat. Zurück ins Jahr 1983, und es folgt ein Lieblingslied meinerseits, mindestens Top 5: „This Is The Day“ von The The. Es ist einer dieser Songs, bei denen ich nicht anders kann, als es laut zu drehen, wenn es im Radio kommt, und bei denen ich auch nicht anders kann, als laut mitzusingen… Das Lied strahlt einen bedingungslosen Optimismus aus, obwohl es eigentlich um etwas geht, was wir heute Prokrastination nennen. Um Matt Johnson, die Person hinter The The, war es jahrelang sehr ruhig. Letztes Jahr erschien ein gutes, altersweises neues Album, und neulich wurde eine komplett neue Version seines 1993er-Hits „Slow Emotion Replay“ veröffentlicht… die in dieser Version „This Is The Day“ gar nicht unähnlich ist. Der nächste Song hat auch ein paar Akkordium-Klänge und ist ebenso sehr euphorisch. Es ist „No Cars Go“ von Arcade Fire, vom zweiten Album „Neon Bible“, welches mein Album des Jahres 2007 war. Die Band war seinerzeit eine der besten der Welt für mich, live ein echtes Ereignis… Da rennen gefühlt 10 Leute quer über die Bühne und machen richtig Alarm, mit allen möglichen Instrumenten. Auf der Platte kam auch eine Kirchenorgel zum Einsatz… Nach „Neon Bible“ kam noch „The Suburbs“, ein Konzeptalbum, das nur noch halb so gut war. Danach wurden sie zu Tanzmäusen, Win Butler wurde unkorrekten sexuellen Verhaltens beschuldigt, und heute sind die Kanadier für mich nur noch eine stinknormale Band, die ihre besten Tage weit hinter sich hat… Schade… Das trifft auf  The National nicht zu. Sie tauchten etwa gleichzeitig auf der Weltbühne auf und sind auch heute noch, mit 10 Studioalben im Gepäck, eine exzellente Band mit einer ebenfalls sehr lebendigen Live-Performance. Markenzeichen ist natürlich der Bariton von Matt Berninger, der auch gerade ein nicht minder gutes Solo-Album veröffentlicht hat. Das Album „High Violet“ war übrigens mein Album des Jahres 2010, und „Lemonworld“ ist mindestens so gut wie der Hit „Bloodbuzz Ohio“ vom gleichen Album. Es geht dann auch etwas ruhiger weiter… zumindest erstmal. Beach House, das amerikanisch-französische Duo, war mit die ersten, die eine Renaissance von Dreampop und Shoegaze ermöglichten. „Dive“ aus dem Album „7“ fängt erst verträumt an, man fühlt sich wie so oft bei der Band in Watte gehüllt… Dann nimmt der Song aber noch etwas Tempo auf, und es kommen laute Gitarren zum Einsatz. Es wabert wunderbar vor sich hin, bis das Lied dann plötzlich zu Ende ist. Dreampop wurde jedoch viel früher erfunden, und eine der Pionierinnen waren auf jeden Fall Siouxsie & The Banshees. Nach ihrer frühen Punk-Phase und Highlights der Rubrik Goth-Rock kam die Band ab Mitte der 1980er in poppigere Gefilde, ohne ihre Musik nennenswert zu verändern. „Song From The End Of The World“ ist eine Standalone-Single von 1987, sicher nicht ihr größter Hit, für mich jedoch einer ihrer besten. Die nächste Band ist Type O Negative, eine amerikanische Metalband, die ursprünglich im Bereich Doom- und Goth-Metal zuhause war. Heavy Metal war für mich immer nur bedingt interessant, es gab und gibt zu viele Spielweisen dieses Genres, mit denen ich nichts anfangen kann. In den 1990ern kamen für mich nur wenige Bands aus dieser Richtung in Frage: Suicidal Tendencies, Helmet, Paradise Lost und Type O Negative. Letztere veröffentlichten mit „October Rust“ ein Album, das näher an Cocteau Twins als an Metal lag… eine Mischung, die mir sehr gut gefällt, und von der Song Nummer 11 „Love You To Death“ stammt. Spätere Alben waren wieder härter, und nachdem Sänger Peter Steele 2010 starb, ist die Band Geschichte. 2002 überraschte dann eine andere New Yorker Band mit Musik, die klang, als wäre es 20 Jahre früher, und im Plattenladen des Vertrauens ständen Joy Division, Bauhaus und Gang Of Four bei den Neuheiten. „Turn On The Bright Light“ wurde mein Album des Jahres, und Interpol war die coolste Band dieser Jahre. Auf diesem Sampler gibt es „Obstacle 1“ und danach einen Originalsong aus dem Jahr 1979: „Disorder“, den ersten Song von Joy Divisions erstem Album „Unknown Pleasures“, auch in meiner Musikwelt ein absoluter Meilenstein. Ich lernte die Band erst lieben, als sie bereits als New Order deutlich populärer wurden. The Sweet Serenades, eine Band um den Schweden Martin Nordvall, stehen ebenfalls eher auf der düsteren Seite des Lebens und erinnern an eine Mischung aus The Cure und Depeche Mode. „Akhila“, der Song mit den markanten Marimbas, war ein Sommerhit im Jahr 2023. Von 2012 stammt der nächste Song von Metric, der kanadischen Band um Emily Haines, die es wunderbar schaffen, Synthpop mit elektrischen Gitarren zu kreuzen. Eigentlich sollte an dieser Stelle „I’m All Yours“ aus der Twilight-Serie stehen, aber Spotify hat nicht die richtige Version, also hier der erste Song vom Album „Synthetica“: „Artificial Nocturne“. Ebenfalls aus Kanada stammt Haley Bonar, die hier mit dem wunderbaren Song „Kill The Fun“ vom 2014er-Album „Last War“ vertreten ist. Es ist mein Lieblingslied der Künstlerin, die mit ihrem Album „Impossible Dream“ mein zweitliebstes Album des Jahres 2016 wurde. Danach veröffentlichte sie Sachen als Haley und nennt sich nunmehr Haley McCallum… Leider kam schon lange nichts mehr Bemerkenswertes an Musik raus… Sie hätte das Potenzial gehabt, gleich hinter Lieblingssängerin Neko Case eingeordnet zu werden. Apropos Liebling… Die Lieblingsband darf bei der Erstauflage natürlich auch nicht fehlen. The Church aus Australien lernte ich ca. 1983 kennen und bald lieben, spätestens seit „Starfish“ von 1988 mit ihrem Hit „Under The Milky Way“ sind sie meine uneingeschränkte Lieblingsband. Im Laufe der Zeit durfte ich die meisten Bandmitglieder persönlich kennenlernen… Ex-Gitarrist Marty Willson-Piper war sogar schon im Offside. Die Band wird demnächst ihr 28.(!) Studioalbum veröffentlichen, worauf ich naturgemäß sehr gespannt bin. Es folgt eine andere australische Legende: The Go-Betweens hatten mit „Streets Of Your Town“ vom Album „16 Lovers Lane“ einen ähnlichen Erfolg wie The Church mit „Under The Milky Way“ im gleichen Jahr. Danach gab es eine langjährige Pause, dann noch drei weitere Alben, aber als Grant McLennan 2006 plötzlich starb, war diese Band leider auch Geschichte. Es folgt Musik aus Neuseeland: The Mutton Birds waren eine Band von Don McGlashan, schöner gitarrenbetonter Pop mit mehrstimmigem Gesang à la R.E.M., und mit einer Trompete, die Sänger und Gitarrist McGlashan auch bei Liveauftritten selbst spielt – was ich sonst nur von Element of Crime kenne. „The Heater“ von 1994 ist zudem der einzige Song über eine elektrische Heizung, den ich kenne. Das letzte Album der Band erschien 1999… seitdem nur noch gelegentliche Soloalben von Don McGlashan… Schade eigentlich. Zeit für den Schlusspunkt… und da habt ihr doch bestimmt gezuckt, als ihr den Namen auf dem Cover gelesen habt, oder? Wer mich lange kennt, weiß, dass ich eine Schwäche für Neil Diamond habe… Er ist ein großartiger Sänger und schrieb zig gute Songs, auch für andere Künstler… Die meisten denken aber, er sei nur ein Schnulzensänger. „If You Know What I Mean“ aus dem Album „Beautiful Noise“ von 1976 ist einer meiner absoluten Lieblingssongs EVER… Ich stelle mir manchmal vor, wie ich in einem Pub einer britischen Kleinstadt diesen Song zum Karaoke singe… mit Brusthaartoupee und Spiegelsonnenbrille… pathetisch performe und am Schluss mit den Miedern der Kleinstadt-Omas beworfen werde… So viel dazu… Song Nummer 20 wird auch in Zukunft etwas aus dieser Richtung sein. „and the radio played like a carnival tune as we lay in our bed in the other room when we gave it away for the sake of a dream In a penny arcade, if you know what I mean If you know what I mean babe“…

Playlist auf Apple Music, Spotify und YouTube

McLarsen in Chemnitz… auf den Spuren des sächsischen Manchester (Februar 2026)

Meine erste Erkundung des Jahres führt mich nach Chemnitz, und einige werden sich sicher fragen: Warum? Nun gut… ich kenne Chemnitz ein bisschen von früher. Ich wurde etwa 20 Kilometer vom Chemnitzer Stadtzentrum entfernt in Stollberg geboren. Etwa 5 Kilometer von der damaligen Kreisstadt im Bezirk Karl-Marx-Stadt liegt die Stadt Oelsnitz im Erzgebirge (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stadt im Vogtland). In Oelsnitz verbrachte ich viel Zeit meiner Kindheit und frühen Jugend bei meiner Oma. Immer wenn längere Ferien waren, besuchte ich sie und meinen Onkel Werner, der im gleichen Haushalt lebte.

Meine Eltern setzten mich meistens in Berlin-Schönefeld in den Zug, und ich stieg in Karl-Marx-Stadt aus. Dort holte mich dann mein Onkel mit dem Trabbi ab und brachte mich zur Oma. Von Chemnitz sah ich meist nicht viel, aber ich habe diese Stadt hauptsächlich als graue, hässliche Stadt in Erinnerung. Das ist alles lange her, und inzwischen heißt die Stadt auch wieder Chemnitz… letztes Jahr war sie gar Kulturhauptstadt Europas… es ist an der Zeit, sich mal ein Bild zu machen, wie sich die Stadt verändert hat… schließlich sind meine Erinnerungen ja bereits über 40 Jahre alt.

Der Nischel von der Seite und das letzten Tag unerwartet erloschene Congress-Hotel
Theaterplatz mit Petrikirche, Oper und Kunstsammlungen (v.r.n.l)

Am Anfang meiner Reisen steht meistens irgendeine Sauerei von der Deutschen Bahn… wie oft war die erste Nachricht des Tages, die ich aufs Handy bekommen habe: Zug fällt aus… suchen Sie Alternativen… viel Spaß… (sinngemäß)… diesmal allerdings erreichte mich bereits am späten Vorabend des Reiseantritts eine E-Mail von meinem schon vor Monaten gebuchten und auch bereits bezahlten Hotel:
„…wir müssen Sie leider darüber informieren, dass wir zum 31.01.2026 den Hotelbetrieb des Congress Hotel Chemnitz einstellen werden. Aufgrund der Betriebsaufgabe endet zu diesem Zeitpunkt auch unsere Geschäftsbeziehung… Ab dem 01.02.2026 werden wir keine Gäste mehr beherbergen.“
…hä?… in der Tat war telefonisch niemand mehr zu erreichen und die Website war ebenfalls down… nun ja… dann abends um 22:00 Uhr noch schnell ein neues Hotel gesucht… war aber nicht schwierig, der Andrang für Chemnitz an einem Montag und Dienstag im Februar ist überschaubar.
Die Bahn dagegen machte heute das, was sie mir in letzter Zeit nur selten gezeigt hat… sie fuhr… und zwar pünktlich… trotz eisiger Temperaturen von minus 10 Grad.

Roter Turm - Ein Wahrzeichen der Stadt
Marktplatz mit Altem Rathaus (links) und Neuem Rathaus (rechts)
Neues Rathaus in reichlich Shopping-Gedöns

Im neuen Hotel Super 8 angekommen, ging es gleich erst mal in die Innenstadt… auch wenn das in Chemnitz keine pittoreske Altstadt mit Fachwerkhäusern und Gassen mit Kopfsteinpflaster ist… sondern eher eine große Menge Beton mit überschaubaren Lücken von Bauten aus der Vorkriegszeit.
Da nicht weit vom Hotel entfernt, war die erste Station tatsächlich das 7 Meter hohe (mit Sockel über 13 m) und ca. vierzig Tonnen schwere Karl-Marx-Monument. Es wurde 1971 eingeweiht und gilt als Wahrzeichen der Stadt. Die Bezeichnung „Nischel“ kommt aus dem sächsischen Wort für Kopf oder Schädel, und dieses Exemplar gilt als zweitgrößte Büste der Welt… noch 60 Zentimeter mehr misst ein Lenin-Schädel in Sibirien.
Weiter ging es zum Theaterplatz, einem hübschen Ensemble aus Bauten des späten 19. Jahrhunderts bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts mit der als Theater gebauten Oper (1906–1909), der neugotischen Petrikirche (1885–1888) und dem König-Albert-Museum (1909), welches Sitz der Chemnitzer Kunstsammlungen ist. Überall im Zentrum finden sich noch Spuren der Kulturhauptstadt Europas vom letzten Jahr, häufig auch als Schriftzug der Stadt.

Die Stadtpfarrkirche St. Jakobi
Das rekonstruierte spätgotische Netzgewölbe der Kirche
Modelle der Kirche zur Veranschaulichung der Kriegszerstörung

Von dort aus zurück kommend passiert man ein weiteres Wahrzeichen der Stadt… den Roten Turm. Eines der selten erhaltenen mittelalterlichen Gebäude der Stadt war Teil der Stadtbefestigungsanlage und diente lange auch als Kerker. Direkt daneben kommt viel Einkaufscenter… das alles stand bei meinem letzten Besuch vor etwa 40 Jahren noch nicht… da stand der Turm recht einsam in der Gegend und man hatte freie Sicht auf das Neue Rathaus.
Das Neue Rathaus (1907–1911) steht im rechten Winkel zum Alten Rathaus (1496–1498), einem Renaissancebau mit hübschen Giebeln und einem Turm mit Haube und Laterne. Hinter dem Alten Rathaus steht dann noch der Hohe Turm, der aus dem Mittelalter stammt und als Glockenturm der Stadtpfarrkirche St. Jakobi dient… aber nicht direkt zur Kirche gehört. St. Jakobi ist quasi zwischen bzw. hinter den Rathäusern eingeklemmt und kommt von Weitem städtebaulich kaum zur Geltung… auch weil sie nicht sehr groß ist. Die Kirche wurde im Krieg stark zerstört und erst in den letzten Jahrzehnten wieder aufgebaut. Ein Modell im Innenraum verdeutlicht sehr gut, wie stark die Zerstörung war. Eine weitere Besonderheit ist der Westgiebel der Kirche im Jugendstil, gestaltet von den Dresdner Architekten Schilling & Graebner.

Die Chemnitzer Pinguine
Versteinerter Wald

Nach der Kirche begegnete ich noch einigen Pinguinen… passend zur Temperatur… allerdings nur als Bronzeskulpturen von 2004… dann warf ich noch einen Blick auf den versteinerten Wald, der im Foyer eines ehemaligen Kaufhauses ausgestellt ist. Hierbei handelt es sich um ein Zeugnis eines Vulkanausbruchs von vor 290 Millionen Jahren… gefunden im Chemnitzer Stadtgebiet.
Damit war das, was man so Altstadt oder Innenstadt nennen könnte, ziemlich abgegrast… ein paar Sachen kommen morgen und übermorgen noch dazu. Heute hatte ich erst mal Hunger, und so’n Brauhaus-Bier kommt ja auch immer gut… also rein ins Turm-Brauhaus… dort gab es deftiges Essen und leckeres Bier (Hell und Kupfer).
Später gab es noch Guinness im Imagine Pub bei der Bahnstation Chemnitz-Süd… war nicht viel los… Montag halt, aber angenehm… selbst der Chor, der sich dort traf und unvermittelt Arien schmetterte, störte nicht… aber irgendwann kam dann auch das Sandmännchen und holte mich ins Hotel ab, wo ein Teil dieses Textes entstand.

Im Turm-Brauhaus
Im Imagine Pub

Chemnitz ist die drittgrößte Stadt im Bundesland Sachsen. Sie hat 245.000 Einwohner und liegt im Erzgebirgsvorland an dem gleichnamigen Fluss Chemnitz. Die Stadt entwickelte sich im frühen Mittelalter eher langsam, ausgehend vom Kloster St. Marien … erst als 1357 das Bleichprivileg an vier Bürger erteilt wurde, begann langsam eine höhere Bedeutung der Stadt in wirtschaftlicher Hinsicht … es war der Start vor allem in Richtung Textilproduktion, was Chemnitz in den kommenden Jahrhunderten nachhaltig prägen sollte. Die Stadt Chemnitz als Wirtschaftsstandort bekommt ein Stück weiter in diesem Bericht noch einen Extra--Artikel. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Chemnitz Großstadt, und 1930 gab es 360.000 Einwohner. Bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt zu 80 % zerstört und überwiegend im Stil des Sozialismus wieder aufgebaut. Obwohl der berühmte Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Kapitalismuskritiker Karl Marx (1818–1883) zeitlebens nie einen Fuß in die Stadt gesetzt hatte, wurde vom ZK der SED und der Regierung der DDR 1953 beschlossen, die Stadt in Karl-Marx-Stadt umzubenennen … was nach der Wende nach einer Volksabstimmung 1990 revidiert wurde.
Chemnitz ist nicht sehr reich an bedeutenden Kunst- und Baudenkmälern aus Mittelalter, Renaissance oder Barock … zumindest wenn man den Vergleich mit anderen Städten vollzieht … es gibt ein altes und ein neues Rathaus, einen roten Turm,  zwei mittelalterliche Kirchen und ein paar Bürgerhäuser, die 1945 nicht vom Bombenhagel untergepflügt wurden. Für jüngere Stilepochen wie Gründerzeit, Jugendstil und Moderne gibt es allerdings hervorragende Beispiele, wie zum Beispiel den Stadtbezirk Kassberg oder das Kaufhaus Schocken. Noch deutlich höher dürften die Herzen der Liebhaber sozialistischer Architektur in dieser Stadt schlagen … soll’s ja geben … da wäre zum Beispiel der Nischel von Karl Marx und gefühlt die Hälfte aller Gebäude der Stadt.
Chemnitz fiel in der Vergangenheit immer mal wieder mit rechten Übergriffen auf, konnte aber (nach meinem persönlichen Gefühl zumindest) in den letzten Jahren mit einem Imagewandel gut gegensteuern, nicht zuletzt durch den Titel der Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2025. Berühmte Personen der Stadt sind u. a. der Universalgelehrte Georgius Agricola (1494–1555), der Maler Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976), der Schriftsteller Stephan Heym (1913–2001), die Bauhaus-Designerin Marianne Brandt (1893–1983), die Eiskunstläuferin Katarina Witt (*1965) und die Band Kraftklub (seit 2010).

Der Fluß Chemnitz mit der Markthalle
Sozialistische Magistrale... Brückenstraße mit Congress-Hotel
Der zugefrorene Schloßteich mit Schloßkirche und buntem Schornstein

Am zweiten Tag in der sächsischen Metropole am Rande des Erzgebirges standen etliche Kilometer zu Fuß auf dem Plan. Das im weitesten Sinne Stadtzentrum war weitestgehend abgegrast, also ging es ein wenig weiter außerhalb… vorbei an den Pinguinen und über eine Flussüberquerung namens Bierbrücke machte ich die erste Sichtung des Flusses, der der Stadt den Namen verlieh… der Chemnitz. Im Süden der Stadt fließen die kleineren Flüsse Würschnitz und Zwönitz zusammen und heißen für die letzten 37 Kilometer Chemnitz… bevor diese dann in die Zwickauer Mulde mündet.
Neben der Chemnitz steht die Markthalle, ein Bau von 1891, in der neben einem Kabarett auch die Ausstellung Körperwelten zu sehen ist. Ein wenig flussabwärts ging es vorbei am komplett zugefrorenen Schlossteich zur ersten ehemaligen Industrieimmobilie der Stadt… der Schönherr-Fabrik. Nachdem dort anfangs eine Mühle, später eine Spinnerei wirtschaftete, erreichte die Fabrik im 19. Jahrhundert mit über 1600 Beschäftigten ihren Peak als Produktionsort für Webstühle… ein wichtiger Wirtschaftszweig in der für die Textilindustrie so bedeutsamen Stadt und ihrem Umland.
Später, in der DDR-Zeit, wurden dort Teppich-Webmaschinen gefertigt, und heutzutage ist auf dem Gelände ein bunter Mix aus Gewerbe, Kultur und Gastronomie in den denkmalgeschützten Gebäuden mit dem markanten Uhrturm zu finden… das war die erste Spur des sächsischen Manchester.
Da ich nun so weit im Norden war, lief ich noch ein paar Meter weiter bis hinter eine Eisenbahnbrücke und stand dann unweit eines anderen Wahrzeichens der Stadt: dem Schornstein des Heizkraftwerkes Chemnitz-Nord. Mit einer Höhe von über 300 Metern ist er einer der höchsten Schlote Deutschlands, und durch seine farbige Gestaltung trägt er zahlreiche Namen wie „Lulatsch“, Schorsch oder Buntstift. Nachts leuchtet eine Kette aus LED-Leuchten und macht das Bauwerk zu einem Kunstwerk… entworfen vom französischen Künstler Daniel Buren.

Der Uhrenturm der Schönherr-Fabrik
Industrieromantik hinter der Schönherr-fabrik
Der bunte Lulatsch von Chemnitz

  Industriestadt Chemnitz… das Manchester Sachsens… Die größte Stadt Sachsens Leipzig, ist besonders bekannt als Messestadt, Universitätsstadt und musikalische Tradition… Dresden, die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes ist als Kunst- und Kulturstadt weltberühmt… und Chemnitz als dritte sächsische Großstadt…? Ganz klar… Industriestadt. Über die Industriegeschichte der 245.000 Einwohner- Stadt könnte man sicher ganze Bände schreiben, was sicher auch anderswo bereits passiert ist… hier die gewohnt kurze Einordnung.
Seit dem 14. Jahrhundert ist Chemnitz von der Textilherstellung geprägt. Als im 15. Jahrhundert im nahen Erzgebirge Silber und andere Erze gefunden wurden, kamen weiterverarbeitende Gewerbe in die Stadt, die in dieser Zeit an Bedeutung gewann. Im 17. Jahrhundert entstanden erste Manufakturen der Textilindustrie mit Schwerpunkt Strumpfwirkerei. Im 18. Jahrhundert prägte die Kattundruckerei (bedruckte Baumwolle) den Wirtschaftsstandort und ab 1798 entstand die erste Maschinenspinnerei… die industrielle Revolution nach englischem Vorbild kam ins Rollen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Chemnitz dann zum Zentrum des Maschinenbaus… häufig Maschinen für die Textilindustrie. Es gab Gießereien, es wurden Dampfmaschinen und Lokomotiven gebaut. Im Jahr 1800 gab es in Chemnitz 10.500 Einwohner, 83 Jahre später überschritt die Einwohnerzahl die 100.000’er Grenze und wurde 15. deutsche Großstadt. Durch die vielen rauchenden Schlote der Stadt bekam Chemnitz die Bezeichnung Sächsisches Manchester… was nicht unbedingt als Kompliment verstanden werden sollte, schließlich meint es auch den beruhmt berüchtigten Manchester-Kapitalismus mit aller Ausbeutung der Arbeiterschaft, Umweltverschmutzung und sozialer Schieflage.
Ab dem späten 19. Jahrhundert produzierten die Wanderer-Werke Fahrräder, Motorräder und Schreibmaschinen (Marke Continental). Die Firma produzierte auch Autos namens Wanderer (englisch: Rover) Die Autosparte ging in den 1930ern in der Auto-Union auf und ist in deren Symbol der vierte Ring, den man noch heute an jedem Audi sehen kann. Die Automobilindustrie produzierte auch nach dem Krieg Fahrzeuge, wie den Transporter Barkas B1000. Maschinenbau und Automobilindustrie sind auch heute noch in der Stadt präsent, z.B. das VW Motorenwerk und das Union Werkzeugmaschinen Werk… insgesamt ist die Stadt aber durchaus eine andere geworden… In den 1930ern erreichte die Stadt ihren Höchstwert an Einwohnern… 361.000 waren es… 1945 wurde die Stadt im zweiten Weltkrieg stark zerstört und modern wieder aufgebaut… die Stadt hieß von 1953 bis 1990 Karl Marx Stadt und die Fabriken hießen jetzt auch anders, zum Beispiel VEB Baumwollspinnerei oder Werkzeugmaschinenkombinat „Fritz Heckert“. Etwa 20% der kompletten Industrie der DDR war in Karl Marx Stadt ansässig.
Nach der Wende ging es dann, wieder unter dem alten Namen Chemnitz… wirtschaftlich bergab. Die Einwohnerzahl sank auf etwa 250.000. Für die Zukunft wird übrigens auch gesorgt… die Technische Universität Chemnitz hat ihre Wurzeln in der Zeit der industriellen Revolution und zählt heute zu den größten Hochschulen Sachsens mit über 8 000 Studierenden und rund 2 400 Beschäftigten.

Seltene historische Idylle am Schloßberg
Schlosskirche und Klostergebäude mit Museum
Ausblick vom Schloßberg auf die Innenstadt

Auf dem Weg zurück wollte ich dann die Schlosskirche besichtigen, neben St. Jakobi die einzige erhaltene mittelalterliche Kirche der Stadt… aber schon der Aufstieg zu dem Gebäudekomplex, zu dem auch die Gebäude eines ehemaligen Klosters gehören, in denen heute Teile der Chemnitzer Kunstsammlungen untergebracht sind, war schwierig, da arschglatt und schlecht geräumt. Als ich dann vor der Kirchentür stand, fand ich sie verschlossen vor und musste lesen, dass das Gebäude in den Wintermonaten nicht für Besichtigungen geöffnet ist… schade… eine kleine Anmerkung auf der Website oder bei Google hätte die Rutschpartie sparen können, die auch abwärts nicht ganz ungefährlich war.

Auf der anderen Seite des gefrorenen Schlossteichs ging es dann in den Stadtbezirk Kaßberg. Dieser Bezirk erfreut sich in der Stadt großer Beliebtheit, ist er doch überwiegend von Altbauten aus den Zeiten der Gründerzeit, des Jugendstils und nachfolgender Stile geprägt. Das Gebiet gilt als eines der größten Gründerzeit- und Jugendstilviertel Deutschlands und ist seit 1991 als Flächendenkmal geschützt.

In dem kleinen Bistro Suppkultur gab es ein Schälchen Eintopf zum Mittagessen und dann weiter die Barbarossastraße Richtung Süden. Dort grenzt die Straße an die Zwickauer Straße, eine der Hauptverkehrsstraßen der Stadt, die mit viel Industriegeschichte in Verbindung steht, zum Beispiel der ehemaligen Strumpffabrik Moritz Samuel Esche… um 1900 die größte ihrer Art in Deutschland. Rechts davon sieht man bereits das Industriemuseum und links davon die historische Hochgarage Chemnitz. Das war mein nächstes Ziel…

In Chemnitz wurden ja seit den 1920er Jahren Fahrzeuge gebaut, die Infrastruktur der Stadt war darauf aber noch nicht vorbereitet… etwa bezüglich der Parkmöglichkeiten. 1928 wurde die Hochgarage mit sieben Geschossen und Aufzügen für PKWs gebaut und, da die meisten Fahrzeugbesitzer eh einen Chauffeur beschäftigten, gleich Wohnraum für diese Angestellten mit dazu. Die Immobilie gilt als älteste Hochgarage Deutschlands und beherbergt ein Museum für sächsische Fahrzeuge.

Da mein erstes Auto ja auch eines aus Sachsen war… ein Trabant 601 Kombi, Baujahr 1969… schaute ich mir die Ausstellung mal an. Sie wird von einem Verein geführt und bietet neben historischen Autos (es gab nur zwei Trabbis) vor allem Meilensteine der Zweiräder… Diamant-Fahrräder und vor allem verschiedene Motorräder aller Epochen. An der Rezeption erhält man eine ausführliche Einführung über die Ausstellung und dann bewegt man sich durch eine Ansammlung von viel Metall und leicht mineralölhaltiger Luft… nebenbei laufen historische Videoaufnahmen, z.B. von der Fahrzeugherstellung in den Werken der Auto Union. Nach einer Stunde war ich dann durch und ging weiter zum nächsten Museum.

Im Bezirk Kaßberg
Die ehemalige Strumpffabrik Esche
Die historische Hochgarage Chemnitz mit Fahrzeugmuseum
Motorräder Made In Chemnitz im Fahrzeugmuseum
Autos Made In Chemnitz - Wanderer "Püppchen" von 1913

Passend zur Geschichte der Stadt und zum Thema dieses Ausflugs war es das Industriemuseum… ebenfalls an der Zwickauer Straße gelegen, in den Hallen einer Gießerei, die wiederum zur Werkzeugmaschinenfabrik Escher gehörte. Das 2003 eröffnete staatliche Museum beleuchtet die industrielle Entwicklung im Raum Sachsen in verschiedenen Themenbereichen… Bergbau, Textilindustrie, Maschinenbau, Automobilindustrie etc… und auch im Kontext der sozialen Auswirkungen des „Manchester-Kapitalismus“… ich gebe zu, das Wort Manchester habe ich in der Ausstellung nicht gelesen… wohl aber heimische Firmen wie die Spülmittel-Marke Fit, deren seltsame Form übrigens dem Roten Turm in Chemnitz nachempfunden ist.
Es gab an den vielen Stationen die Möglichkeit, das Thema auf digitalen Wegen zu vertiefen… man hätte also durchaus noch viele Stunden mehr dort verbringen können… aber nach zwei Museen kurz hintereinander war nach gut zwei Stunden dann bei mir erst mal gut.

Eine funktionsfähige Dampfmaschine im Industriemuseum
Querschnitt eines DKW-Original PKW
fit - aus Chemnitz.. dem Roten Turm nachempfunden
Das Industriemuseum... etwas später... von außen...

Ich hatte noch ein paar Außenaufnahmen weiterer Industriebauten auf dem Plan und wollte dann in ein Pub am westlichen Stadtrand… dafür war ich allerdings eine Stunde zu früh und ging nach dem Industriemuseum noch mal den Kaßberg hoch (das Viertel heißt nicht umsonst so) und machte eine Pause im Café „Emmas Onkel“… Kaffee… oder Tee… ok… Bier kostet sogar 20 Cent weniger, dann halt mal ein Bier… nettes Café übrigens…
Danach den Kaßberg wieder runter… inzwischen hatte es amtlich angefangen zu schneien und der Abstieg wurde zu einer Rutschpartie… aber alles gut gegangen. Der Weg in den Stadtteil Schönau führte mich über den westlichen Teil der Zwickauer Straße vorbei an weiteren ehemaligen Industriebauten, manche im Dornröschenschlaf, andere umgestaltet in andere Funktionen… ein ehemaliges Straßenbahndepot, die Gebäude der ehemaligen Braustolz-Brauerei aus der Weite zur Kenntnis genommen…
Dann stand ich vor einem regelrechten Palast der Industriearchitektur: den ehemaligen Wanderer-Werken… über die habe ich im zweiten grünen -Bereich bereits geschrieben. Das fast komplett ungenutzte Areal strahlt durchaus etwas Faszinierendes aus… wie viele Leute dort jahrzehntelang geschuftet haben, was für international anerkannte Produkte dort gefertigt wurden… dann steht dort eine sehr große Immobilie, die ohne Denkmalschutz längst abgerissen wäre.
Der starke Schneefall und die Dunkelheit brachten sicher keine Fotos ein, die das gut darstellen… die Bilder haben aber auch was.
Inzwischen war es 18:00 Uhr und „Lienau’s Pub“ hatte die Pforten aufgeschlossen. Es muss seltsam ausgesehen haben, als ich als Schneemann getarnt als erster Gast reinkam… aber das machte nichts… das Guinness war lecker und Gastwirt Torsten jemand, mit dem ich schnell ins Gespräch kam… quasi unter Kollegen. Lienau’s Pub bietet neben Guinness noch viele weitere Biere und Cider vom Fass, eine gute Auswahl an Whiskys, Sport-TV, Darts, Online-Games und regelmäßig Livemusik. Im Sommer gibt es einen großen Außenbereich und man kann sich sogar in der hauseigenen Pension einmieten… quasi… Wenn Pub in Chemnitz: Lienau’s Pub in Schönau… etwas abseits, aber ein paar Meter weiter fährt eine Tram ins Zentrum… was ich dann auch irgendwann nutzte… und daheim im Hotel nicht mehr an diesem Bericht schrieb… da war ich nämlich knülle von diesem großen Wandertag durch das ehemalige sächsische Manchester… von dem ich heute viele Indizien finden konnte.

Altes Strassenbahn-Depot... heute "Garagen-Campus"
Die ehemaligen Wanderer Werke in Schönau
Im Lienau's Pub

Am dritten Tag stand die Abreise auf dem Plan, vorher hatte ich jedoch noch einige Stunden Zeit, die ich auch bewusst nicht verplant hatte. Nach dem Frühstück widmete ich mich etwas dem Text dieses Berichtes, Check-out war dann um 12:00 Uhr und ich machte meinen Museums-Marathon voll… man muss an der Stelle mal anmerken… in meiner Stadt Berlin… in der ich seit ziemlich genau 35 Jahren lebe… habe ich Museen besichtigt… ähm… keine Ahnung… jedenfalls deutlich weniger als in den letzten Jahren irgendwo anders…
Direkt neben meinem Hotel befindet sich ein sehr interessantes Bauwerk, das ehemalige Kaufhaus Schocken, erbaut 1929 bis 1930 von Erich Mendelsohn im Stil des Neuen Bauens, oder auch der Klassischen Moderne. Charakteristisch ist die bogenförmige Front mit horizontalen Fensterbändern… das war damals etwas komplett Neues. Die Gebrüder Schocken hatten mehrere Kaufhäuser in verschiedenen Städten, ihr Konzept war weniger auf Luxusartikel gerichtet als das der Konkurrenz, z.B. Tietz. Bald nach der Öffnung des Kaufhauses gab es Probleme, denn die Familie Schocken war jüdisch, wurde später vom NS-Regime enteignet und emigrierte.
Das Gebäude diente viele Jahre weiter als Kaufhaus, auch in DDR-Zeiten und nach der Wende als Kaufhof. Seit 2014 beherbergt das Warenhaus das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz, kurz: smac. Dort bietet eine umfassende Dauerausstellung Archäologie in Sachsen von der Steinzeit bis zur industriellen Revolution auf drei Etagen. Parallel gibt es an der gebogenen Straßenfront eine weitere Dauerausstellung über das Kaufhaus Schocken, den Architekten Mendelsohn und die Familie Schocken.
Ich hatte ja alle Zeit der Welt und schlenderte durch die Ausstellung, die vormittags gern von Schulklassen frequentiert wird… für die jüngeren Besucher gibt es eine Menge zu entdecken… kleines Fazit: alle drei Museen in Chemnitz, in denen ich war, sind sehr zu empfehlen.

Das Kaufhaus Schocken, links davon mein Hotel
Im Archäologischen Museum
Dauerausstellung über das Kaufhaus, seinem Architekten und der Gründerfamilie

Nun war noch Zeit übrig, der erste Zug Richtung Heimat war für kurz nach 16:00 Uhr geplant, so blieb noch Zeit für ein ordentliches Mittagessen im Turm-Bräu. Als ich mir gerade mein Schnitzel schmecken ließ, kam dann die offenbar unvermeidbare Nachricht aus dem Hause Deutsche Bahn: Verbindung fällt aus. Nun gut… also ein bisschen früher zum Bahnhof, dann via Leipzig mit dem ICE gefahren und sogar noch 40 Minuten früher als geplant am Gesundbrunnen angekommen.
Schön war’s mal wieder… und die Frage, ob Chemnitz die alte, graue Stadt ist, wie ich sie als Kind in Erinnerung hatte… nein, ist sie nicht, wenn man keine übertriebenen Erwartungen an eine Stadt hat, die von jeher mehr für Wirtschaft und Industrie gelebt hat als von Kunst und Schönheit. Sicher hat die Wahl zur Kulturhauptstadt Europas der Stadt einen ordentlichen Schub nach vorne gegeben, und ich bin auch sicher, dass Chemnitz im Sommer noch deutlich hübscher aussieht, als es jetzt im kalten Februar der Fall war.
In puncto Gastronomie braucht sich Chemnitz keinesfalls vor der Konkurrenz aus Leipzig oder Dresden zu verstecken… ich hätte noch reichlich Anlaufpunkte gehabt… aber zwei Abende sind halt nicht viel… und noch ein Wort zu den Menschen in Chemnitz… da ich ja selbst aus der Region stamme, war ich nicht sehr überrascht, wie freundlich man dort ist… ich hatte es nur zu Hause im… na ja… nennen wir es diplomatisch: weniger freundlichen Berlin… etwas vergessen.
Mein herzlicher Dank gilt Nina und auch Xander, die in meiner Abwesenheit in Berlin Schnee geschippt haben.

Es folgen ein paar Bonus-Bilder:

Im Brauhaus... mit Blick aufs Neue Rathaus
Das Judith-Lucretia-Portal (1559) am Alten Rathaus
Stadtpfarrkirche St. Jakobi - Inneres nach Osten...
...und die Jugendstil-Westfassade
Unter Pinguinen
Ein wenig Patina... altes Motorrad im Fahrzeug-Museum
Der expressionistische Uhrenturm der Schubert & Salzer Werke
Die Wanderer Werke im Schneegestöber

Musik 2025

choice#39 – Best of 2025

… wieder ein Jahr rum … hier noch einmal zusammengefasst die besten Songs des Jahres … es gab elf reguläre Choice-Compilations à 20 Songs … macht 220 Lieder, und davon gibt es die besten 20.
Beginnen wir mit Blankenberge … „Now You Know“ ist sicher nicht der beste Song des Albums „Decitions“, das war „New Rules“, aber der war bereits auf dem Best-of-2024-Sampler drauf … und „Now You Know“ ist ein prima Starter … im September schrieb ich dazu:

„choice#35 startet mit einem cinematischen Intro, bei dem die elektrischen Gitarren langsam in das Lied reintropfen, ein träger Beat vom Schlagzeug setzt ein und Sängerin Yana fängt träumerisch an zu singen… ein wenig, als wäre sie gerade erwacht und hätte noch keinen Kaffee… dann entsteht aus den Gitarren-Tropfen eine breite Wand, und die strömt wie ein Ölteppich aus einem langsam havarierenden Frachter in den Ocean Of Sound… wow… und wenn man dann denkt, es ist gleich vorbei, dann kommt noch das Gitarrensolo und Gitarrist Daniil tritt auf alle Effekt-Pedale wie der Organist einer großen Kathedralen-Orgel. Blankenberge heißt die Band, die sich nach einer belgischen Küstenstadt benannt hat… von dort aber kommen sie definitiv nicht, die Band stammt ursprünglich aus dem tiefsten Sibirien und ist der Musikszene zuliebe jetzt in St. Petersburg beheimatet… jaja… Kalinka klingt anders… „Decisions“ ist bereits das vierte Studioalbum der Russen, und die drei Vorab-Singles „New Rules“, „Together“ und „Escape“ waren hier auch bereits vertreten. Als nun das Album erschien, brauchte ich erst ein paar Hörgänge, bis sie mich, besonders mit diesem Song „Now You Know“, dem Album-Opener, begeistern konnten. Die Top 3 des Jahres haben sie sicher, es wäre das erste Mal überhaupt, dass es Musik aus Russland in meine Charts schafft.“

…In der Tat wurde das Album Vizemeister 2025. 

Zweitbester Song des Jahres wurde „Luna“ von bloom effect… dazu schrieb ich im November:

Da sitz ich neulich abends im Garten mit Kopfhörern auf und zapp’ ich mich so durch die Musikwelt… nach dem Motto Hörer, denen X gefällt, könnten auch Y mögen… meistens frag ich mich, wie die KI da manchmal draufkommt, manchmal klappt’s aber auch… so bei dem Song, der Nummer 37 einleitet… erst ein paar verzerrte Gitarrenanschläge, dann Bass und los geht das Breitband-Gewitter… dann weiblicher Gesang… ok… das ist wohl spanisch… aber dann dieser Refrain… da wäre mir doch beinahe die Bierpulle aus der Hand gerutscht… Gitarrenwände bis hoch in den Himmel… wow… die Band heißt bloom effect und ist das Trio eines englischen Gitarristen, eines kanadischen Drummers und einer argentinischen Sängerin und Bassistin mit Sitz Vancouver. „Luna“ heißt der Song von der „Oscilón“ EP und bereits beim zweiten Hören rutschte er in die Top 10 der Songs des Jahres… er ist aus meinen Ohren nicht mehr wegzudenken und ich freue mich, über diese tolle Shoegaze-Band gestolpert zu sein.“

Ein Album das erst 2026 erscheinen wird, ist „Not Here Not Gone“ der drei Frauen von Blackwater Holylight. Die erste Single daraus „Heavy, Why?“ legt die Latte bereits ziemlich hoch und im Dezember schrieb ich dazu:

„Wall Of Sound mit reichlich tiefergelegten elektrischen Gitarren bestimmen auch das nächste Stück… es heißt „Heavy, Why?“ und kommt von Blackwater Holylight. Die vier Amerikanerinnen bieten einen wunderbar düster-melancholischen Shoegaze-Sound… da bin ich auf das Album gespannt, es soll im Januar kommen.“

Song Nummer 4 kommt von Preoccupations, heißt Andromeda und im Juni beschrieb ich den Song folgendermaßen:

„Der zweite Song kommt vom neuen Preoccupations Album, er heißt „Andromeda“ und kommt deutlich härter daher als der (auch gute) Rest des Albums „Ill At Ease“, wo Synthies die Oberhand gewonnen haben… „Andromeda“ bleibt lange im Ohr… man meint im Nebel des Sternbilds zu stehen.“

Spacig ist auch Song 5 von The Asteroid No.4… er startete choice#33 im Juli:

„Meine Damen und Herren… bitte schnallen Sie sich an… es geht hoch hinaus… wir fliegen ins All und zwar zum Neptun… aber nicht mit den Raketen irgendwelcher flitzpiepigen Tech-Milliardäre, sondern mit The Asteroid No.4, einer jungen Band aus… Moment… hier steht: Gegründet 1995 in Kalifornien… ja beim Dreizack des Neptun… wieder eine gute Band, die sich 30 Jahre vor mir versteckt hat… unglaublich.“

Für mich ist „Neptun“ die Nummer 3 der Songs des Jahres… es war der Sommerhit. Nach Platz 3 folgt Platz 4 der Songs und das ist Deep Sea Diver mit „Shovel“, der Hit vom Jahresbeginn, im Februar schrieb ich:

„Aus Seattle kommt die nächste Band Deep Sea Diver… ein Projekt der Sängerin Jessica Dobson… „Shovel“ ist mein ❤️ des Monats, sie selbst sagt von dem Song, es ist ihr „Nick Cave meets Robyn Hit“… Nick Cave… naja… aber PJ Harvey schon, und der Refrain der dann völlig unvermittelt hochgradig poppig daherkommt… könnte durchaus von Robyn sein… oder irgendein anderer Act für die Tanzmaus McLarsen (TmMcL)… Das dazugehörige Album „Billboard Heart“ erscheint am 28. Februar.“

Deutlich später im Jahr, nämlich zu Halloween erschien das neue Album von Florence + The Machine und zu „Sympathy Magic“ merkte ich im November folgendes an:

„…Halloween ist auch der Erscheinungstermin vom neuen Album „Everybody Scream“ von Florence + the Machine und hier gibt es die dritte Single daraus „Sympathy Magic“ ist für mich die eindeutig beste davon… vielleicht einer der größten Songs von ihr… viel Orchester, aber auch Beats aus der Konserve, die sich unauffällig in das Gesamtbild fügen, viel Euphorie und dominante, Florence-typische Percussion und ein mystisches Video.“

Nicht weit entfernt von der Musik von Florence Welch ist auch die der Last Dinner Party Frauen. Ihr Debüt im letzten Jahr war auf Anhieb in der Top 10 und „The Faminine Urge“ Song des Jahres… mit dem zweiten Album „From The Pyre“ haben sie die Top 10 knapp verfehlt, aber „This Is The Killer Speaking“ ist immerhin Platz 5 der besten Songs des Jahres:

„The Last Dinner Party überraschten neulich mit einer neuen Single aus heiterem Himmel, und auch das zweite Album kommt noch im Oktober. Etwas Spaghetti-Western, Streicher, Tempowechsel, Refrains wie Abba in ihren besten Zeiten… alles wieder da, das Debütalbum „Prelude To Ecstasy“ wurde bei mir letztes Jahr ein guter 4. Platz… welcome back.“

Es folgt Song #9 von Wolf Alice aus dem September:

„…Song Nummer 9 hat auch einen etwas ausgefallenen Takt, hier überwiegen allerdings akustische Gitarren… wir sind beim neuen Album von Wolf Alice, eine Band, die ich von Anfang an mitverfolgt habe, aber nicht mit allen einher gehe… häufig gab es auf den Platten einen Song, wo ich gesagt hatte „wow“… und den nächsten gleich weiter skippen musste. Das neue Album „The Clearing“ gefällt mir fast durchgängig und orientiert sich etwas an 70’s Rock-Pop… stets ist ein Hauch von Fleetwood Mac zugegen. „White Horses“ wurde von Drummer Joel Amey geschrieben und er singt den Song auch, Leadsängerin Ellie Rowsell kommt hauptsächlich im Refrain zur Geltung… schöner Ohrwurm das.“

Im Juli erschien „Incomprehensible“ von Big Thief:

„Mit Big Thief kommen dann alte Bekannte auf die Bildfläche… „Incomprehensible“ klingt wie es heißt… schleierhaft… nicht im Weltall aber doch zumindest im großen, dunklen Wald tappern Adrianne Lenker und ihre Mitstreiter rum, weniger Folk als zuletzt, dafür mehr Dreampop… typisch 4AD halt.“

Mit Song Nummer 11 sind wir mit Fotoform bei den Gewinnern des Jahres 2025… Album des Jahres mit „Grief Is A Garden (Forever In Bloom)“ und auch Song des Jahres mit „If You Knew / Don’t You Worry, Baby“. Im März ahnte ich bereits das da etwas Großes kommt:

„Es folgt der Song mit dem ❤️ des Monats… vorher nie etwas von denen gehört… aber genau wie es bei mir so ist, wenn ich mich in der großen weiten Welt des Internets durch diverse Seiten kämpfe um neues musikalisches Material aufzuspüren, reichen häufig 2 Sekunden, um das wegzuklicken… sehr häufig sogar… andersrum geht aber auch… bei „If You Knew / Don’t You Worry, Baby“ dauerte es auch nur wenige Sekunden zu realisieren, das es sich hier um einen wahren Leckerbissen handelt. Fotoform heißt die Band aus Seattle und die Single ist kein Debüt, es gibt bereits zwei Alben. Ich weiß garnicht an was ich zuerst denken soll… Cocteau Twins… Lush… Siouxsie… Pale Saints oder Slowdive… vielleicht auch alles auf einmal… ich bin mir sicher, das dieser Song in der Wertung der besten Songs 2025 ziemlich weit oben stehen wird.“

Nochmals Glückwunsch an Kim und Geoff nach Seattle. Die eine oder andere CD von Lush drehte sich bei den Musiker:innen von Fotoform sicher in den 1990ern im CD-Player … Lush sind leider Geschichte, aber solange immer neue Sachen von Emma Anderson und Miki Berenyi erscheinen und damit richtig gute Musik, ist das nicht so schlimm … so geschehen auch 2025 mit dem Debütalbum des Miki Berenyi Trio „Tripla“.
Das Album belegte Platz 3 des Jahres und ist hier mit dem Song „8th Deadly Sin“ vertreten, darüber schrieb ich im Februar:

„… nach Weihnachtsliedern und Best-Of 2024 wird das auch Zeit und es gibt einen schönen ersten Sampler des Jahres 2025… beginnen wird er mit dem Miki Berenyi Trio, genau wie die #27 und die #22 im letzten Sommer… angesichts der Tatsache das das neue Projekt der ehemaligen Lush Sängerin erst zwei Songs veröffentlicht hat ist das bemerkenswert… aber letzten Monat durfte „Vertigo“ die Best Of Compilation des letzten Jahres eröffnen, aus heiterem Himmel kam letzte Woche Song Nummer zwei… es ist der Opener des Albums „Tripla“, welches Anfang April mit einem Artwork a la 4AD Anfang 1990er erscheinen wird. Im Prinzip ist das MB3 eine verkleinerte Version von Piroshka, dem letzten Projekt Miki’s… Auf Schlagzeug wird jetzt verzichtet, dafür kommt etwas mehr Electronica ins Spiel, der Text ist wieder gesellschaftskritisch und nach wie vor allerfeinster Dreampop von Leuten, die das vor über 35 Jahren bereits prima konnten und diesen Sound in die Gegenwart exportiert haben… ohne das das auch nur annährend altbacken klingt.“

Der einzige deutsche Beitrag in dieser Jahresenabrechnung kommt immerhin aus Berlin… Song Nummer 13 – Fuffifuffzig mit „Lack Again“:

„Es folgt guter Pop aus Berlin, Fuffifuffzig machen mir schon länger Spaß, das beste Denglisch seit Falco und dabei auch noch (im Gegenteil zu Falco) komplett symphatisch… dahinter steht die Schauspielerin Vanessa Loibl und ich prophezeie an dieser Stelle eine steile Karriere.“

Der Song war das ganze Jahr über ein Hit bei mir und auch bei Radioeins… wo auch der nächste Song in der Playlist war, nämlich „Mercury“ von Automatic… hier mein Resümee aus dem September:

„…Automatic, eine Band von 3 Frauen aus Los Angeles… Keys, Bass, Drums… die Drummerin ist übrigens die Tochter vom Bauhaus-Drummer und genau ihr Part gefällt mir bei „Mercury“ so gut… wenn keiner guckt, wippt mein ganzer Fuß.“

Bei Song Nummer 15 gibt es kein Zitat, „Burn The Candles“ von HEALTH steigt direkt in die Best Of des Jahres ein, weil das Album gerade erst erschienen ist. „Burn The Candles“ konnte mir aber so gut gefallen, dass er hier unbedingt mit rauf musste … er ist bestes Crossover aus Techno, Industrial, Hardcore und Metal … hört sich anstrengend an, durch den weichen Gesang im Hintergrund ist das Stück sehr gut genießbar und unterm Kopfhörer mit ein paar Phon(e)s mehr noch besser.
Musikalisch ist der nächste Song nicht weit entfernt, nur nicht ganz so wild. Im September schrieb ich über „Infinite Source“ von Deftones …:

„Knackig und frisch und trotzdem mit aller Härte der elektrischen Gitarre ist auch schon immer das Aushängeschild der Deftones… eine Band auf die sich glaub ich derzeit mehrere Generationen von Freunden der härteren Musik einigen können. Bislang spielte die Band, die es immerhin auch bereits seit 1988 gibt, in meiner Welt keine große Rolle… diesmal, sprich bei dem aktuellen Album „Private Music“ hab ich mal etwas genauer reingehört und eigentlich alles gefunden, was ich gebrauchen kann, melodischen Metal mit Gesang, der auch als solcher bezeichnet werden darf… daran scheitern die meisten Metal-Bands, wenn sie sich an den Pforten meiner Ohren vorstellen. „Infinite Source“ klingt für mich in etwa wie eine Mischung aus Helmet und Ride.“

Song #17 „In My Basement Room“ von Winter kam ebenfalls im September… choice #35 ist mit ganzen 5 Songs hier vertreten…

„Wir bleiben im Genre Shoegaze und kommen zu Samira Winter, die ihr musikalisches Projekt auf ihren Nachnamen beschränkt und bereits auf dem ersten choice-Sampler vor fast 5 Jahren dabei war. Die brasilianisch-amerikanische Künstlerin hat mit „Adult Romantix“ ohne großes Aufsehen, eines der besten Alben ihrer Musikrichtung veröffentlicht… es lohnt sich auf jeden Fall durchzuhören… „In My Basement Room“ ist eine melancholische Erinnerung an die eigenen musikalischen Schritte in der Kellerwohnung von damals.“

Die letzten drei Songs gehören den Veteranen, als erstes der leider einzige richtig gute Songs vom Album „Arctic Moon“ meiner (Mit-)Helden der 1980er The Chameleons… im Juli schrieb ich:

„…Über einen King gehts auch im nächsten Song… „Saviours Are A Dangerous Thing“ dreht sich offensichtlich auch um den orangen Fatzke im Weissen Haus (…schon mal jemand über den Begriff „Gröfatzke“ nachgedacht?) Die Band, The Chameleons zählt zu meinen absolut bedeutendsten Bands der Vergangenheit… und da rede ich von den 1980ern… 3 Alben für die Ewigkeit („Script Of The Bridge“, „What Does Anything Mean…“ und „Strange Times“… davor steht nur noch die Lieblingsband (The Church)… dazu noch ein Album unter dem Namen The Sun and The Moon (würde bei mir qualitativ unter Chameleons durchgehen) und ein paar Singles und EP’s, 2002 gab es ein Comebackalbum was ok war, aber meilenweit entfernt von den ersten drei Alben. Letztes Jahr hat sich die Band (bzw. wer davon noch so lebt) wieder zusammengerauft und die Single „Where Are You?“ veröffentlicht… irgendwie fand es niemand (den ich kenne) cool und über die Ankündigung eines neuen Albums hält sich meine Vorfreude in Grenzen… nun also „Saviours Are A Dangerous Thing“… wird das letzte Lied vom neuen Album „Arctic Moon“ welches im September erscheint… nach zwei-drei Durchgängen bin ich jetzt der Meinung, das es sich um den besten Chameleons-Song seit „Strange Times“ handeln könnte… der Song wächst auch noch… ich glaube zwar nach wie vor nicht an ein gutes Album… aber ein geiler Song ist schonmal drauf… Fein!“

…meine Vermutung sollte sich übrigens bestätigen… das Album „Arctic Moon“ konnte nicht ansatzweise an alte Heldentaten anknüpfen… der Song ist und bleibt allerdings sehr gut.

In der ersten Jahreshälfte kam das neue Soloalbum von The National’s Matt Berninger raus, die Single „Bonnet Of Pins“ punktete das ganze Jahr über in meinem Kopf. Im April schrieb ich:

„Es folgt Neues von Matt Berninger. Der The National Sänger landete mit seinem ersten Soloalbum „Serpentine Prison“ bei mir auf Platz 1 der Alben des Jahres 2020… aber eigentlich auch nur, weil niemand anderes wollte… und so ein opulenter, euphorischer Song wie „Bonnet Of Pins“ war absolut nicht dabei… der Song hätte der Hauptband auch gut gestanden, vielleicht ist er aber auch schon zu poppig… besonders in der Mitte, wenn Bläser und Streicher den Song nochmal richtig in die Höhe treiben…ich mag’s sehr und freue mich auf das Album, das Ende Mai erscheint…“

Ebenfalls aus dem April Sampler choice#30 kommt der letzte Song. Er kommt von von Dean Wareham und heißt „Yesterdays Hero“:

„Das Herzchen des Monats geht diesmal an einen Veteranen der Independent Szene: Dean Wareham war Sänger der einflussreichen Bands Galaxy 500 und Luna… die es aber glaub ich auch noch gibt. Sein neuestes Soloalbum erschien gerade und ist ein sehr schönes… man möchte fast sagen – altersmildes Werk geworden. Es wurde im kleinen Kreis in 6 Tagen aufgenommen. „Yesterday’s Hero“ hat die Klasse eines Neil Diamond Songs aus den 1970ern… das ist mein Ernst und keinesfalls negativ gemeint… wunderbar melancholisch und zeitlos. Ich freue mich auch auf dieses Konzert in diesem Monat.“

Das Konzert war übrigens klasse und das Musikjahr 2025 ebenso … genauso freue ich mich jetzt aber auf das, was wieder an neuer Musik erscheinen möge, die dann auf choice#40 Ende Januar veröffentlicht werden sollte. Es wird nicht nur eine runde Zahl, sondern markiert auch fünf Jahre McLarsen’s Music Choice … hätte nie gedacht, dass ich so etwas so lange durchhalte … aber auch ein Dankeschön an alle, die hier mitlesen.

Hier der Link zur ganzen Playlist auf Apple Music, Spotify und Youtube.

...nochmal die Top 10 auf einem Blick...

Das Jahr 2025 in Musik… jeden Tag ein Bild aus dem Jahr und ein platziertes Album… heute: 

Platz 1 
FOTOFORM „Grief Is A Garden (Forever In Bloom)“ 

Im Februar stolperte ich über den Song „If You Know / Don’t You Worry, Baby“, der auf irgendeiner Indie-Musikseite vorgestellt wurde … in den ganz seltenen Fällen reichen wenige Sekunden, um sich schockzuverlieben … diesmal war es so … und es ist auch der Song des Jahres geworden, ich kann ihn noch immer genauso fasziniert hören wie mittlerweile vor fast einem Jahr.
Trotz zwei veröffentlichter Alben hatte ich noch nie etwas von der Band gehört … es sind Kim House (Bass und Gesang) und Geoff Cox (Gitarre) plus ein Schlagzeuger … heimisch in Seattle. Es folgte mit dem Titelsong des Albums eine weitere Single, bis das Album im April erschien. Es startet mit „The City Is Over“, einem Song, der auf breiteren Straßen fährt und den ich mir auf jeden Fall auch im gut sortierten Radio vorstellen kann.
Viele Songs tragen eine melancholische Note, der Albumtitel kommt schließlich von persönlichen Schicksalsschlägen und der Trauer über den Tod vertrauter Menschen … es ist aber auch immer wieder ein Sonnenstrahl dabei. Musikalisch erinnert das alles ein wenig an die frühen 1990er Jahre, an Cocteau Twins, Lush und Slowdive.
Ein besonderer Moment war dann, dass ich die Band bei einem kleinen Shoegaze-Abend in Berlin live erleben konnte und Kim und Geoff auch noch persönlich kennenlernen durfte. Vor ein paar Tagen konnte ich bei Instagram lesen, dass das nächste Album bereits geplant ist … das sind sehr gute Nachrichten … hoffentlich auch wieder in Berlin … dann müssen wir mal anstoßen … auf den besten Song und das beste Album 2025!

Auf einem wunderschönen Friedhof im Alten Land bei heißem Sommerwetter, aufgenommen im August… dazu passt der Titel des Top-Albums des Jahres… Es heißt „Grief Is A Garden (Forever In Bloom)“ und kommt von Fotoform

Platz 2 
BLANKENBERGE „Decisions“

Blankenberge ist der Name einer belgischen Küstenstadt … der ist allerdings irreführend … die gleichnamige Band, die es in diesem Jahr auf Platz 2 geschafft hat, stammt aus St. Petersburg in Russland … ursprünglich sogar aus Sibirien. Ende 2024 konnten sie mich bereits mit der Vorab-Single „New Rules“ begeistern, später auch noch mit „Together“ und „Escape“. Im Sommer kam dann das Album und konnte ebenfalls bezaubern. Blankenberge machen klassischen Shoegaze-Dreampop mit stets verträumter Sängerin und einem Gitarristen, der es gerne mal laut mag. „Decisions“ ist bereits das vierte Album der Band um Sängerin Yana Guselnikova und Gitarrist Daniil Levshin … die Band lebt nach Putins Einmarsch in der Ukraine größtenteils außerhalb Russlands. Ihr letzter gemeinsamer Auftritt war 2020. Zum allerersten Mal in meinem Leben steht Musik aus Russland in meinen Charts … aber Kalinka klingt auch anders …

Heiterer Himmel am Yachthafen von Cuxhaven… aufgenommen im August… ähnliches Wetter gibts auf dem Cover der Nummer zwei…

Platz 3
MIKI BERENYI TRIO „Tripla“

Man sollte meinen, wenn eine Band sich Trio nennt und das Debütalbum dazu „Tripla“, ist es doch selbstverständlich, dass es auf Platz 3 kommt … in Wahrheit fällt mir das erst jetzt auf.
Debütalbum ist dann auch so eine Sache … Miki Berenyi veröffentlicht seit den späten 1980ern Platten, erst und am bekanntesten mit Lush, später mit Piroshka. Als der Schlagzeuger Piroshka verließ, machte Miki mit Oliver Cherer und ihrem Partner Kevin ‘Moose’ McKillop als Miki Berenyi Trio weiter. 2024 erschien mit „Vertigo“ der erste Song, der auch gleich unter den besten des Jahres landete.
„Tripla“ bietet exakt das, was man von diesen Veteranen der Shoegaze-Szene erwartet … Dreampop vom Allerfeinsten mit der unverwechselbaren Stimme von Miki Berenyi. Es ist sicher schade, dass die kurze Reunion von Lush schnell vorbei war, aber so lange Miki und auch die ehemalige Bandpartnerin Emma Anderson immer noch fleißig Musik veröffentlichen, ist das doch auch okay … ich hoffe nur, dass man das Trio auch mal auf deutschen Bühnen bewundern darf. #berenyi_miki

…ist das Kunst? vielleicht… geplant war es nicht, es war ein Schnappschuß aus Versehen… dafür nicht schlecht… paßt zum Cover von „Tripla“

Platz 4
DEEP SEA DIVER „Billboard Heart“

Auf dem vierten Album der Band um Jessica Dobson gibt es alles, was man als Liebhaber von gitarrenbetontem Indie-Rock gerne hören will: laute Gitarren, ausdrucksstarker Gesang, der auch mal ruppig werden kann, Balladen und eine Prise Pop … die Band aus Seattle scheint sich das alles aus den Ärmeln schütteln zu können … dabei soll die Entstehung von „Billboard Heart“ eine schwere Geburt gewesen sein … das hört man nicht.
Mein Liebling von dem Album ist die Single „Shovel“, deren Refrain in ungeahnt poppige Höhen steigt … eine Mischung aus Grunge und Synth-Pop … das dazugehörige Video ist ebenso sehenswert … ein One-Shot-Video mit leicht schmutzigem Abgang … #thisisdeepseadiver

Blauer Himmel überm anderen Ufer… die Elbe mit dem Magdeburger Dom, aufgenommen im Februar… da kam auch „Billboard Heart“ raus…

Platz 5 
bloom effect „Oscilón EP“ / „Portents EP“

Bloom Effect ist eine interkontinentale Band mit Sitz im kanadischen Vancouver. Gitarrist Craig Weighman kommt aus England, Schlagzeuger Tom Rappa ist Kanadier und Bassistin und Sängerin Julia Lafit stammt aus Argentinien … was die häufig spanischen Texte erklärt. Das Trio macht allerfeinsten Shoegaze- und Dreampop, und sie konnten mich mit dem Song „Luna“ geradewegs umhauen … der Song war der beste im gesamten zweiten Halbjahr und ist auch der zweitbeste Song des Jahres.
Ein Debütalbum gibt es noch nicht, dafür zwei Mini-Alben: „Portents EP“ vom Anfang des Jahres und „Oscilón EP“ im September. Ich hoffe sehr, bald mehr von der Band zu hören und sie vielleicht auch mal auf der Bühne zu sehen … ein Versprechen in die Zukunft …

cuando la luna desaparece la locura en mi habitacion… Erdbeermond über Berlin, aufgenommen im Juni vom Dach unseres Wohnhauses in Berlin

Platz 6
DEFTONES „Private Music“

Eigentlich hatte ich die Kalifornier Deftones eher mit dem Thema Nu Metal und Emo im Hinterkopf … im Prinzip stimmt das aber seit vielen Jahren nicht mehr wirklich … vielleicht war das schon immer nicht korrekt, denn im Prinzip ist die Musik der Band um Sänger Chino Moreno eher härterer Shoegaze als Crossover-verliebter Nu Metal à la Limp Bizkit.
Auf ihrem zehnten Album kann man das wieder gut nachhören, die Musik ist laut und hart, die Vocals dagegen angenehm, fast schon sanft eingebunden, außerdem sehr melodiös … also sehr gut geeignet für meine Ohren … und nebenbei auch für eine breite Masse an Hörern jüngerer Jahrgänge … wahrscheinlich sind Deftones die Band mit härterer Musik, auf die sich von Boomern bis Gen Z alle einigen können … und bestimmt das Album, das andere am meisten auch platziert haben.

…alles im grünen Bereich bei unserer Bierwanderung in Franken, aufgenommen im September… zum Glück hatten wir keine weißen Schlangen im Gras…

Platz 7

FLORENCE + the MACHINE „Everybody Scream“

Auf ihrem sechsten Studioalbum verarbeitet Florence Welch persönliche Schicksalsschläge und verbindet ihre Musik mit den Themen Mystik und Halloween. Vielleicht ist das Album weniger eingängig als die letzten, trotzdem enthält es großartige Songs wie zum Beispiel „Sympathy Magic“ und „You Can Have It All“… im letztgenannten klingt sie fast wie Adele…

Hexengang am Dom zu Osnabrück, aufgenommen im Januar… ein mystischer Ort, der zu „Everybody Scream“ von Florence + the Machine passt…

Platz 8

HEALTH  „CONFLICT DLC“

Ziemlich gerade noch rechtzeitig vor dem Jahresende wurde das neue Album des Trios HEALTH aus Los Angeles veröffentlicht. Es ist noch dunkler als schwarz, bietet Industrial Metal, wummernde Beats, teils als Dauerfeuer, aber auch ambientlastigen Shoegaze. Dann ist da der im Verhältnis zur Musik sehr sanfte Gesang im Hintergrund … von dem ich früher immer dachte, er wäre weiblicher. Wer also Nine Inch Nails, Ministry und Deftones mag, aber auch ein paar Pop-Momente nicht scheut, ist hier sehr gut aufgehoben.

Zum Cover von Nummer 8 passt höchstens der gepflasterte Dom Vorplatz in Münster… aufgenommen im Januar.

Platz 9

AUTOMATIC „Is It Now?“

Die Musik dieser drei Frauen aus Los Angeles weckt die Tanzmaus McLarsen und lässt die kleine Fußzehe wippen … hypnotische Basslinien, kalte Synthies und immer wieder verspielte Percussion … (die Drummerin ist übrigens die Tochter des Bauhaus-Trommlers …) die Texte dazu sind aber alles andere als Easy Listening … genau wie die Zeit, in der wir leben … aber wenn schon Weltuntergang, dann kann man ihn auch tanzen … das dritte Album des Trios macht Spaß … immer wenn „Mercury“ im Radio kommt, muss ich irgendwelche komischen Schritte machen … im Video dazu wird die grüne Fee getrunken … muss ja nicht immer Whisky sein.

Sportliche Kunst an einer Brücke in Krakau, aufgenommen im März, sportliches Cover auch von Platz 9… Automatic mit „Is It Now?“

Platz 10

MELODY’S ECHO CHAMBER  „Unclouded“

Seit ihrem selbstbetitelten Debüt von 2012 ist die Französin Melody Prochet alias Melody’s Echo Chamber Stammgast in meinen Jahresend-Abrechnungen. Das neue Album „Unclouded“ wurde mit einer bunten Mischung aus schwedischen und britischen Musikern aufgenommen, die Songs sind fast alle unter drei Minuten, und sie haben einen manchmal jazzigen Groove, mit zuckersüßen Streichern, die von einem Herzschmerz-TV-Film kommen könnten, wie es sie zur Weihnachtszeit ja nicht selten gibt. Dass es nicht kitschig wird, liegt an der guten Prise Psychedelia, die sich wie ein roter Faden durch ihr Werk zieht. Mit so etwas gewinnt man keinen Grammy, aber die Herzen von Leuten mit einer Vorliebe für gut gemachte, handverlesene Independent-Musik.

Venus im Park vom Georgium in Dessau... im Sommer war es... zu Venus passt... Melody

Best Of Music 2025

 

Es ist mal wieder soweit… die beste Musik des Jahres wird gewürdigt… jeden Tag eine Platzierung mit einem Bild aus diesem Jahr… außer heute… da gibt es die Platzierungen 20-11 auf einen Rutsch… das wären:

11 – I Was A King „Until The End“
12 – AFI „Silver Bleeds The Black Sun“
13 – Dean Wareham „That’s The Price Of Loving Me“
14 – Neko Case „Neon Grey Midnight Green“
15 – The Last Dinner Party „From The Pyre“
16 – Wolf Alice „The Clearing“
17 – Winter „Adult Romantix“
18 – Bambara „Birthmarks“
19 – Astronoid „Stargod“
20 – Preoccupations „Ill At Ease“

choice#38

Berlin, 05.12.2025… So… es ist wieder soweit… die 38. Ausgabe der choice-Serie 2025 bittet zum letzten Tanz des Jahres… und beginnt mit einem Nachschlag vom Album des Jahres 2024… das hieß hier „Illuminator“ und stammt von der New Yorker Band GIFT. Gerade erschien eine Deluxe-Version der Platte, mit einigen Remixes und zwei neuen Songs. Von denen hören wir mit „Shadow Stealer“ ein sehr ordentliches Stück, welches es wahrscheinlich deshalb nicht auf das reguläre Album geschafft hat, weil es das mit Abstand härteste Stück ist, das ich von der Band bisher kenne… was soll ich sagen… das steht ihnen sehr gut. Welches Album es dieses Jahr auf das oberste Podest geschafft hat, wird demnächst auch aufgelöst.
Weiter geht es mit Song Nummer zwei, das heißt „As Fast As I Can“ und stammt von Yndling, einem Projekt der Norwegerin Silje Espevik, und hat auch gut Power… der Song erschien bereits im März als Single, jetzt ist das Album erschienen und der Song erreichte mich auch etwas verspätet. Etwas früher war ich bei der Band Sister Ray Davies dran… die Debüt-Single gab es hier im Sommer, nun steht das Debüt-Album in den Regalen und wir hören daraus „Iona“… fängt ruhig mit akustischer Gitarre an und verliert sich in träumerischen Shoegaze-Gefilden. Hinter der Band mit dem Namenspiel aus „SISTER Ray“ von Velvet Underground und RAY DAVIES, dem Frontmann der Kinks, stehen die Amerikaner Adam Morrow und Jamie Sego.
Wer das Cover dieser Ausgabe bereits gesichtet hat, wird sich schon gefragt haben, was es mit 打倒三明治 und „兩輩子的時間“ auf sich hat… nun gut… mein Chinesisch ist auch grottenschlecht, aber die Band kommt aus Taiwan, macht feinsten Dreampop und heißt auf Englisch Sandwich Fail, der Song „Two Lifetimes“… international war es ja in dieser Compilation-Serie schon immer… Taiwan hatten wir noch nicht.
Snowcuffs aus Chicago gab es hier vor ein paar Monaten schon mal, sehr guter Shoegaze-Sound mit guter Sängerin und einem Schlagzeuger, dessen Stil auffällt. Hinter der Band Bliss Abyss steht der Amerikaner Peter Wallner und ihre Single „Star“ klingt wie ein Chart-Hit aus den 1990ern… ist aber brandneu und hätte auf jeden Fall Aufmerksamkeit verdient.
Es folgt Neues von der Lieblingsband… wer mich kennt, weiß natürlich, dass es sich hierbei um The Church handelt, die ich seit den frühen 1980ern verfolge und die spätestens seit dem Album „Starfish“ von 1988 (wo auch ihr größter Hit „Under The Milky Way“ drauf ist) meine Band Nummer eins sind. Von der Originalbesetzung ist nur noch Sänger und Bassist Steve Kilbey übrig, aber die „neuen“ Musiker der Band sind allesamt auch wahrliche Meister ihrer Kunst… inzwischen besteht die Band aus sechs Mitgliedern. Album Nummer 28 (!) erscheint im Februar und heißt „Lacuna“ und ist hoffentlich nicht das letzte. „Sacred Echoes (Part 2)“ ist die Vorab-Single. Ich liebe es, wenn sich der Song zum Crescendo hochschraubt… sehr sehenswert ist auch das Video zu dem Stück.
Song Nummer 8 ist auch eine Band, die mit Ch anfängt und nach The Church auch die dienstälteste Combo dieser Ausgabe. The Charlatans hatten auch diesen einen Hit, der passenderweise auch noch „The Only One I Know“ heißt, und werden gerne als One-Hit-Wonder abgestempelt, aber das stimmt – genau so wie bei The Church – natürlich überhaupt nicht. Die Briten haben mit ihrem 14. Studioalbum zwar nur halb so viel wie die Lieblingsband, aber auch diese haben viele Höhepunkte. „Out Of Our Own“ beginnt sehr ruhig… Britpop à la Travis oder frühe Coldplay… dann aber plötzlich nimmt der Song beachtlich an Fahrt auf und endet in hoher Geschwindigkeit… das ist wirklich sehr, sehr gut!
Es folgt guter Singer-Songwriter-Pop von Hazel English, die allerdings Australierin ist… aber natürlich englisch singt… sie war hier schon öfter vertreten und ich mag diese Frau sehr gerne… was auch auf Anne Lise Frøkedal zutrifft. Sie ist wahrscheinlich die Künstlerin, die in der choice-Serie die meisten Beteiligungen hat – egal ob als Gitarristin von King Hüsky, als Frøkedal (ihr Album „Flora“ war Album des Jahres 2021) oder als Co-Leaderin der Band I Was A King… die gerade wieder ein Album veröffentlicht haben, von dem es hier das sehr Band-typische „Nowhere Near“ zu hören gibt. Produziert wurde das Album der Norweger übrigens von Bill Ryder-Jones, dem Ex-Gitarristen von The Coral… der auch als Solist schon hier war. Leider ist das Album auf Spotify nicht zu finden… ein Zustand, der sich in letzter Zeit aufgrund verschiedener Ursachen häuft.
Es folgt neue Musik von Melody Prochet aka Melody’s Echo Chamber. Ihr Debüt von 2012 mit der Hitsingle „I Follow You“ bleibt bei mir unvergessen, das neue Album „Unclouded“ erscheint in Kürze und endlich ist für nächsten April auch mal ein Konzert angesetzt… da bin ich doch glatt dabei.
Die nächste Band heißt Magic Fig und klingt wie eine Symbiose aus Cocteau Twins und Marillion… oder Lush und Pink Floyd… oder Melody’s Echo Chamber und frühen Genesis… naja, egal… „Flammarion“ ist schon ein sehr interessantes Stück Musik, welches musikalisch im Prog-Rock und gesanglich im Dream-Pop zuhause ist… eine Kombi, die alles andere als alltäglich ist… dafür umso besser.
Geese aus Brooklyn sind ja gerade der heißeste Scheiß seit langem… so richtig warm wurde ich mit der Band um Cameron Winter bislang nicht… besonders das Rumgenöle des Sängers… das gab es doch schon mal… als damals, 2004, das Album „Funeral“ von Arcade Fire erschien, dachte ich mir auch… Musik ist gut, aber der Sänger… hmm… dann kam „Neon Bible“ und wurde Album des Jahres 2007. Die Wahrscheinlichkeit, dass „Getting Killed“ von Geese mein Album des Jahres wird, ist eher gering, aber mit „Taxes“ haben sie mich jetzt doch gekriegt… fängt erst mit dem üblichen Geleier an, steigert sich aber so richtig zur Hymne… geil das.
Zum zweiten Mal Gast im choice-Studio ist Madeline Kerr aus Nashville mit ihrer Shoegaze-Band Mercury. Mit „Heaven“ gibt es Wall Of Sound mit emotionalem Gesang.
Wall Of Sound mit reichlich tiefergelegten elektrischen Gitarren bestimmen auch das nächste Stück… es heißt „Heavy, Why?“ und kommt von Blackwater Holylight. Die vier Amerikanerinnen bieten einen wunderbar düster-melancholischen Shoegaze-Sound… da bin ich auf das Album gespannt, es soll im Januar kommen.
Von den USA geht es jetzt nach Dänemark… nach Aarhus, um genau zu sein… Heimat von Møl, einer Blackgaze-Band… fängt sehr verträumt und harmonisch an, bis dann der Refrain gegrölt wird… Deafheaven lässt grüßen… aber macht nix, ist ein großartiger Song mit Tempowechseln und geilem Solo… auch hier erscheint das Album im Januar.
Nun geht es nach Adelaide, Australien… von dort kommt die Band Sunsick Daisy und der Song „Pale Blue“ ist ein flottes Stück Indie-Rock mit deutlich mehr Leichtigkeit als die letzten beiden Songs.
Wir bleiben in Down Under… Radio Free Alice machen besten Post-Punk mit dominanter Bassline im neuen Song „Rule 31“.
Weil es gerade so schön in Australien ist (die haben schließlich gerade Sommer…) bleiben wir in Melbourne und hören Rocket Rules mit der Single „Tiptoe“ und das ist wunderbarer Dreampop… federleicht mit einer melancholischen Note… klingt, als wäre es 1992… Slowdive oder Pale Saints fallen mir als Vergleich ein.
Nicht allzu weit von Australien ist Neuseeland, und dort endet unsere choice-Reise, mit der neuen Single von T. G. Shand, der Band von Annemarie Duff. Ihre geheimnisvollen Soundcollagen „Levitating The Knife“ sind wieder nicht einfach zu beschreiben… unheimlicher Dreampop vielleicht…
Das war die letzte choice-Ausgabe des Jahres 2025… um den Jahreswechsel wird #39 erscheinen und mit den besten Songs des Jahres bestückt sein. Bis dahin… frohes Fest und guten Rutsch…

Playlist auf Apple Music, Spotify (ohne I Was A King) und Youtube

 

choice#37

Berlin, 29.10.2025… Da sitz ich neulich abends im Garten mit Kopfhörern auf und zapp’ ich mich so durch die Musikwelt… nach dem Motto Hörer, denen X gefällt, könnten auch Y mögen… meistens frag ich mich, wie die KI da manchmal draufkommt, manchmal klappt’s aber auch… so bei dem Song, der Nummer 37 einleitet… erst ein paar verzerrte Gitarrenanschläge, dann Bass und los geht das Breitband-Gewitter… dann weiblicher Gesang… ok… das ist wohl spanisch… aber dann dieser Refrain… da wäre mir doch beinahe die Bierpulle aus der Hand gerutscht… Gitarrenwände bis hoch in den Himmel… wow… die Band heißt bloom effect und ist das Trio eines englischen Gitarristen, eines kanadischen Drummers und einer argentinischen Sängerin und Bassistin mit Sitz Vancouver. „Luna“ heißt der Song von der „Oscilón“ EP und bereits beim zweiten Hören rutschte er in die Top 10 der Songs des Jahres… er ist aus meinen Ohren nicht mehr wegzudenken und ich freue mich, über diese tolle Shoegaze-Band gestolpert zu sein. Einen ähnlichen musikalischen Ansatz verfolgt auch die zweite Band… False Flowers aus Sacramento klingen mit „Chatham Rules“ etwa so, als würde Billy Duffy von The Cult Gitarre für Siouxsie & The Banshees spielen… oder die jüngst auferstehenden Xmal Deutschland. Das hat alles gute Power und ist ebenfalls von einer EP… und zwar als Debüt. (EDIT: Fehlt auf Spotify) Kallai aus Portland setzt den Dream-Pop fort mit „Falling“, einem schönen melancholischen Lovesong, aber er könnte auch von fallenden Blättern handeln, wie es gerade überall zu sehen ist, die Gitarren pinseln ein herbstliches Aquarell… Bei Song Nummer vier gibt es härtere Gitarren… Neues von Astronoid aus Massachusetts. Auf ihrem sehr guten Debütalbum „Air“ von 2016 war noch viel Black Metal zu hören, die Songs vom letzten Album von vor drei Jahren gingen bereits in Richtung Shoegaze (sie waren auch auf der choice-Serie zu hören). „Third Shot“ ist die erste Single vom neuen Album „Stargod“ und bietet eine schöne Mischung aus Progrock und Metal, ähnlich wie das Deafheaven mit ihrem vorletzten Album auch machten, bevor der Sänger wieder zum Brüllen übergegangen ist. Die Stimme von Brett Boland ist mir allerdings wiederum etwas zu hoch… ist halt nicht immer alles perfekt. Das war jetzt viermal Gitarren satt, Song 5 hat auch viel Power, kommt aber eher aus der Electropop-Ecke… Er beginnt mit bombastischen Streichern à la James Bond, bevor ein Synth-Pop-Beat einsetzt und Margaret Sohn alias Miss Grit träumerisch mit dem Gesang einsetzt. Im Chorus gibt es dann auch Gitarren… an der Stelle klingt etwas Massive Attack ca. Mezzanine durch… als moderner Soundtrack. Der Electro-Beat wird beim nächsten Song beibehalten, bevor Gitarren einsetzen… bisschen wie bei „Eye of the Tiger“… und dann ist es dann wieder: das Saxophon… der Oberlippenbart der zeitgenössischen Musik… muss mal wieder an The Psychedelic Furs denken… doch dann weiblicher Gesang… „There’s A Mouth and a Face like a Toilet Seat…“ ok… Die Musik der Londoner Band Y lässt sich am ehesten mit Acts wie Big Special und Fat Dog vergleichen… noch gibt es erst wenige Singles, aber es sollte mich wundern, wenn da nicht ein großes Next Big Thing auf der Schwelle steht… ein Trio mit Gitarre, Bass und Drums sind Marvin’s Revenge aus England. Der Sänger erinnert an Grian Chatten von Fontaines D.C. und die Musik von „Coats“ ist ziemlich sinister Post-Punk Kram… Auch The Slashes aus San Diego sind ein Trio mit Bass, Gitarre und Schlagzeug und machen Post-Punk im Stil von The Chameleons und Killing Joke. Das Trio bringt die Atmosphäre einer wilden Nacht in der Großstadt in die Lautsprecher… Interpol dürften ein wenig neidisch sein. Es folgt She’s In Parties mit „Are You Dreaming“. Die Londoner Band um die gebürtige Irin Katie Dillon benannte sich nach einem Song von Bauhaus. Ihre eigene Musik ist etwas poppiger als die der Gothic-Veteranen und bedient das Feld zwischen Indie-Pop und Shoegaze… genau dort ist auch Hatchie bereits seit ein paar Jahren unterwegs… Mit „Only One Laughing“ kehrt die Australierin eher an ihre musikalischen Anfänge zurück, ihre letzten Veröffentlichungen waren doch recht poppig… so gefällt sie mir wieder besser. Die Hälfte der Compi ist rum und es ist Zeit für eine kleine Ballade. „I See A Darkness“ kommt von Will Oldham aka Bonnie Prince Billy… Johnny Cash coverte das Stück 2000 auf American III, nun also Anna Calvi & Perfume Genius. Besonders das Gitarrenspiel von Anna Calvi sorgt für jede Menge kalte Schauer auf dem Rücken… etwas Grusel wegen der Atmosphäre (…hey… is Halloween…) meistens aber ob der Schönheit von diesem Song und dieser hervorragenden Interpretation… Coverversion des Jahres? Mir fällt keine bessere ein bis dato. Halloween ist auch der Erscheinungstermin vom neuen Album „Everybody Scream“ von Florence + the Machine und hier gibt es die dritte Single daraus „Sympathy Magic“ ist für mich die eindeutig beste davon… vielleicht einer der größten Songs von ihr… viel Orchester, aber auch Beats aus der Konserve, die sich unauffällig in das Gesamtbild fügen, viel Euphorie und dominante, Florence-typische Perkussion und ein mystisches Video. Man könnte meinen, etwas dick aufgetragen? Nö… ist regelrecht schlank und minimalistisch gehalten im Vergleich zum nächsten Stück… es heißt „Berghain“… man erwartet Techno… und bekommt Oper… dann auch noch in drei Sprachen… Deutsch, Spanisch und Englisch… ROSALÍA heißt die Künstlerin, Björk singt mit und Yves Tumor rappt das Teil dann zum Ende… das alles dauert keine 3 Minuten und danach fragt man sich „was war’n das eben?“… wenn du mich fragst, ein ziemlich geiles Stück außergewöhnlicher Musik der Spanierin… soll doch niemand behaupten, hier in der choice-Serie läuft immer das gleiche… …so, jetzt aber mal einen Gang runter hier… Künstlernamen sind ja so’ne Sache… nicht immer kreativ, aber häufig einprägsam… wie bei der Musikerin Lillie Amadea West aus Chicago, die unter dem Namen Lala Lala Musik veröffentlicht. Es ist guter Indie-Rock-Pop und „Does This Go Faster?“ ist bereits der zweite Song von ihr, der es in diese Mixtape-Serie geschafft hat. Zum ersten Mal dabei ist Molly Ringworm… wieder so ein Alias einer amerikanischen Künstlerin, die in diesem Falle aus New Jersey kommt und zuhause den Namen Sarah Holt auf dem Klingelschild stehen hat. Auch hier gibt es coolen Indie-Rock mit ganz leichten Grunge-Elementen… jedenfalls bisschen 1990’s-like… Apropos… Langkamer aus Bristol bringen auch ein wenig 1990’s Gitarrensound auf den Sampler, ihr schrammeliger Klang erinnert mich an Bands wie Sonic Youth oder auch Wedding Present… knarzig trocken. Recht kurzfristig ist Song Nummer 17 hier gelandet… bislang nie gehört, aber beim ersten Mal gleich gezündet… Cubzoa ist das Projekt von dem Engländer Jack Wolter, das Stück „In Two Worlds“ der Opener seines Debütalbums. Die Richtung wechselt öfters, mal glaubt man gleich Swans hier ein Stück Industrial hinlegen, dann denkt man, das sind doch Radiohead und dann ist es aber ein schönes Stück Jangle-Indie-Rock… nicht nur sehr interessant, sondern auch sehr gut. Die Band Radioactivity aus Texas gab es erst- und letztmalig vor 10 Jahren, jetzt gibt es eine neue Platte, wir hören „Analog Ways“, ein herrlich unkompliziertes Stück Jangle-Rock… nach diesen vielen progressiven Stücken auf diesem Sampler ein Stück Pop für die Ohren… irgendwo zwischen R.E.M. und Nada Surf. Der nördlichste Act dieser choice-Ausgabe kommt auf jeden Fall aus Tromsø im nördlichen Norwegen… Heimat von Vilde Bye, einer jungen Singer-Songwriterin, die mit einem Bein in der Folk- oder gar Country-Schublade steht. „Mailbox“ ist ein wunderbarer Song über das Beenden einer Beziehung… ich hab deine Sachen in eine Tüte hinter der Tür gepackt… bitte wirf den Schlüssel in den Briefkasten… wird angenehm rockig nach einer Weile… ich werd die Vilde mal weiter beobachten. Zum Schluss gibt es noch so eine Zufallsentdeckung wie der erste Song von bloom effect… diesmal stöberte ich eigentlich in der Metal-Ecke rum und kam zur aktuellen EP „In The Echo Of All Dreams“ der Briten Rolo Tomassi (vorher nie gehört) und wundere mich noch immer, dass ich brav bis Song Nummer 4 gezappt habe… der Rest war nämlich ziemlich unhörbarer Brüll-Knüppel-Metal… da nützt auch weiblicher Gesang nichts… Song Nummer 4 „Unintending“ allerdings ist ein echter Glücks-Fund. Er beginnt als Ballade… soweit gut… aber wenn man nach 3 Minuten denkt, das wars… geht es nochmal richtig ab… die Gitarren türmen sich ähnlich majestätisch wie beim Startsong dieser Compilation… großartig… und wenn man die Repeat-Taste gedrückt hat, kommt danach nochmal „Luna“ und man lässt die Gitarren weiter wie Lava auf seinen Kopf laufen… tut gut das…

Playlist auf Apple Music, Spotify (ohne False Flowers) und Youtube.

 

choice#36

Berlin, 01.10.2025… So… Urlaub rum, Sommer vorbei… erste fliegende Blätter… fast Weihnachten… och Mensch… naja, Zeit für choice#36… die beginnt mit einem undurchsichtigen Intro… es hüpfen die Akkorde hin und her, dann schmutzige Hardrock-Riffs, als hätte jemand Eddie Van Halen ausgebuddelt… doch dann glaubt man plötzlich, einen brandneuen Song von MGMT zu hören… es handelt sich aber um eine neue Single von Portugal. The Man. Vor gut 10 Jahren spielte die Band aus Alaska noch bescheiden als Support für die Black Keys, dann erschien 2017 das Album Woodstock mit Hits wie „Feel It Still“ und „Live In The Moment“ und plötzlich kannte die ganze Welt die Band mit dem blöden Namen. Nun sind sie zurück mit dem Vorboten des neuen Albums „Shish“, welches im November erscheint, und der Song „Denali“ ist sein Opener… genau wie bei choice#36. Es folgt „Light Sleeper“, eine sehr hymnische Single der Band Home Front aus dem kanadischen Edmonton. Die Musik der Band, die hauptsächlich als Duo spielt, bezeichnen sie selbst als Oi!-Wave… interessant… klingt komisch – passt aber… der Song kann vor Kraft kaum laufen… ich muss ein wenig an High Vis denken… Album folgt auch demnächst… im Video sieht man auch, dass es sich beim Solo um ein Saxofon handelt… tja… das Saxofon… der Oberlippenbart der Instrumente… kommt halt alles wieder, auch wenn man es auf gar keinen Fall vermisst hat… genau wie astreine The Cure-Moods beim nächsten Song von AFI… stand bei „Behind The Clock“ aus dem letzten Monat noch Bauhaus Pate, ist es bei „Ash Speck In A Green Eye“ ziemlich eindeutig The Cure Anfang der 1980er… nur immer her mit so ’nem Kram. Song Nummer 4 fängt an wie irgendein alter Song der Psychedelic Furs, auch hier gibt es wieder das Saxofon, aber sehr dezent und sehr stimmig. „Alastair“ von dust aus Newcastle / Australien machen allerfeinsten Post-Punk und ihr zweites Album erscheint am 09. Oktober. So weit sind sie bei Silver Gore noch nicht, da erschien gerade erst eine Debut-EP, von der es von der es vor zwei Monaten auch bereits „Dogs In Heaven“ (auf choice#34) zu hören gab… die Dame, die hier so ähnlich wie Neko Case singt, ist übrigens die Tochter von Depeche Modes Martin Gore… wer prüfen möchte, wie ich auf den Vergleich Neko Case komme (?)… Tada… der Opener des neuen Albums meiner Lieblingssängerin heißt „Destination“ und es ist ein sehr guter Song und das Album ist auch wieder großartig und passt auch zu den fallenden Blättern. Es folgt mit „Happy 4U“ von LAPRêCHE der Gute-Laune-Popsong des Monats… er schleicht sich ins Ohr und ich werde ihn seit Wochen nicht mehr los… aber warum auch… es ist auch ein großartiges Stück der Band aus Brooklyn. Auch Song Nummer 8 ist ein gut gelauntes Stück Popmusik, diesmal aus Frankreich, Melody’s Echo Chamber verfolge ich bereits von Anfang an, damals machte sie noch zusammen mit dem Typen von Tame Impala Musik… zum Glück hat sie längst ihr eigenes Ding gefunden. Weitergeht’s mit Pillow Queens, einer dreiköpfigen Frauenband aus Dublin… fängt ein wenig an wie „My Sharona“ wird dann aber zu einer kämpferischen Hymne. Von Dublin nach Tampere, Finnland… dort gibt es die Band Mumrunner, die mit „Yearning Hearts“ ein sehr gutes zweites Album mit Shoegaze und Dream Pop-Songs veröffentlicht haben. „Wish“ ist mein Favorit daraus. Unsere musikalische Weltreise geht weiter nach Madrid, Heimat der Hinds, die letztes Jahr mit dem Album „Viva Hinds“ recht knapp an meiner Top-10 des Jahres vorbeigeschlittert waren. Mit „Girl, So Confusing“ covern sie einen Hit von Charli XCX und machen daraus einen coolen Hinds-Song… und Lorde singt auch mit… Von Madrid zurück nach Dublin… das zweite Album von SPRINTS setzt den Weg vom ersten Album aus dem letzten Jahr fort… von ganz leise bis gleich auf die Fresse… ich möchte mich mit Sängerin Karla Chubb lieber nicht anlegen. „Something’s Gonna Happen“ ist ein sehr typischer SPRINTS-Song… erst Zuckerbrot, dann ordentlich Peitsche… gab es übrigens auf der Choice-Serie bereits auf #12 (Januar 2023) zum ersten Mal… damals kannte die Band noch keine Sau… Mit Bands wie SPRINTS oder Fontaines D.C. steht Irland derzeit gut im Fokus von Alternative Rock… wer war nochmal U2? Der nächste Flug geht von Dublin nach Kanada, dort kommt das Duo Softcult her, die uns hier mit „16/25“ einen kurzen, aber intensiven Appetitanreger für ihr demnächst erscheinendes Debüt-Album reichen. Dann wird’s exotisch… Not Drowning, Waving  gibt es seit den 1980ern, ich hatte sie leider erst Mitte der 1990er entdeckt. Die Australier um David Bridie hatten ein feines Händchen, World Music mit Pop zu verknüpfen, ganz ohne Kitsch… Höhepunkt war das Album „Tabaran“ von 1990 mit dem Trommel-Hit „Sing Sing“ (zu hören auch auf Radiomac Vol.003), das sie mit Musikern aus Papua-Neuguinea aufgenommen hatten. 35 Jahre später gibt es aus heiterem Himmel eine Fortsetzung davon. Das neue Album heißt Malira und der Song „Alar“ ist der erste Song von ihm… gesungen von George Telek. (An dieser Stelle sei kurz angemerkt, dass der Song auf Spotify nicht zur Verfügung steht). Nicht ganz so exotisch aber dennoch ungewöhnlich kommt auch der nächste Song daher… schon mal der Name Ho99o9 (Horror ausgesprochen)… und dann ist es auch noch ein Hip-Hop-Duo und Chelsea Wolfe, die Singer-Songwriterin, die auch in Electro, Folk und Metal tätig ist, singt dazu, eine sehr ungewöhnliche, aber packende, stockfinstere Angelegenheit. Danach folgt der übliche Ausflug nach Neuseeland und wir hören Yumi Zouma mit „Drag“. Das Debütalbum von Miki Berenyi Trio erschien in der ersten Jahreshälfte und es gibt jetzt einen kleinen Nachschlag mit „Doldrum Days“ mit fein prickelnden Gitarren… wieder eine prima Sache das… Hinter Speed Of The Stars steht der Sänger meiner Lieblingsband The Church, Steve Kilbey… zusammen mit Frank Kearns (Cactus World News) und Hugo Race (Nick Cave & The Bad Seeds, The Wreckery) zusammen mit Barton Pryce als Drummer produzierten die Herren letztes Jahr ein Album in der Toskana. Das Ergebnis lässt mich gerade mit dieser prominenten Besetzung etwas ratlos zurück, aber „Prosecco On Ice“ ist einer der sehr guten Stücke davon. Mit Yael Naim darf dann etwas geträumt werden „Let It Transform You“ ist irgendein Soundtrack, aber sehr schön. Zum Schluss gibt es einen neuen Song der jungen Texanerin Solya, die sicher ein wenig nach Lana Del Rey klingt, aber das ist ja so verkehrt auch nicht. Viel Spaß beim Hören…

Playlist auf Apple Music, Spotify (ohne Not Drowning, Waving) und You Tube

The Lemonheads live 11.09.2025 im Frannz Berlin

Berlin, 12.09.2025… The Lemonheads… eindeutig eine Band aus der Vergangenheit, Anfang der 1990er war Evan Dando der coolste Sänger nach Kurt Cobain und Eddie Vedder… die Musik eher Punk-angehauchter Power-Pop als Grunge und einige unwiderstehliche melodieverliebte Songs… „It’s A Shame About Ray“ drehte sich auch in meiner Stereo-Kompaktanlage dieser Zeit. Nun ja, Cobain schoss sich die Rübe weg, Vedder war und ist Teil eines großen Band-Kollektivs und veröffentlicht bis heute erfolgreich Musik und bespielt die großen Arenen mit Pearl Jam. Und Evan Dando (?) hatte so seine Probleme mit Drogen und der musikalische Erfolg ließ schnell nach. 2025 steht nun erstmals seit fast 20 Jahren ein neues Lemonheads-Album am Start. Die erste Single „Deep End“ mit Juliana Hatfield und J Mascis konnte gefallen und war Teil von choice#32. Nun also live in meiner Lieblings-Konzert-Location in Berlin, dem Frannz Club in der Kulturbrauerei. Es war ausverkauft und ganz ordentlich voll, die Vorband Grateful Cat machte Spaß und alle waren überrascht, als Evan Dando plötzlich für einen Song des Berliner Duos am Schlagzeug spielte… das war schon cool. Während der Umbaupause tauchte Dando dann wieder auf der Bühne auf und suchte irgendein elektronisches Gerät… irrlichterte auch im Publikum rum und bekam es dann von seinem Team gereicht… war wohl gar nicht weg… dann ging es nach einer Weile endlich los. Als Einlaufhymne diente das Intro von Ozzy Osbourne’s „Mr. Crowley“… bald sollten sich dann unerwartete Parallelen auftun, denn recht schnell wurde ganz offensichtlich, dass Mr. Dando nicht wirklich Herr seiner Sinne ist. Das Set wurde im Schweinsgalopp runtergespielt, die Unterschiede der einzelnen Songs höchstens für absolut bibelfeste Lemonheads-Jünger erkennbar… der Sänger und Gitarrist hatte immer wieder Aussetzer mit seinem Spielgerät und dem Vortrag seiner Songs… Nina reichte es mit dem Fremdschämen dann irgendwann und ging schon mal raus. Bassist und Drummer verschwanden dann backstage und Dando coverte mit der akustischen Klampfe u.a. Bee Gees, Whitney Houston und Fleetwood Mac… einige fanden es cool, mir war es dann aber auch irgendwann zu viel. Eine Zugabe mit ein paar Hits oder wenigstens einen neuen Song blieb aus, irgendwann war eine merkwürdige Veranstaltung zu Ende und ich frage mich… war das halt purer Rock’n’Roll oder einfach nur schlecht? Vielleicht ja auch beides… unterhaltsam schon…

choice#35

Berlin, 29.08.2025… choice#35 startet mit einem cinematischen Intro, bei dem die elektrischen Gitarren langsam in das Lied reintropfen, ein träger Beat vom Schlagzeug setzt ein und Sängerin Yana fängt träumerisch an zu singen… ein wenig, als wäre sie gerade erwacht und hätte noch keinen Kaffee… dann entsteht aus den Gitarren-Tropfen eine breite Wand, und die strömt wie ein Ölteppich aus einem langsam havarierenden Frachter in den Ocean Of Sound… wow… und wenn man dann denkt, es ist gleich vorbei, dann kommt noch das Gitarrensolo und Gitarrist Daniil tritt auf alle Effekt-Pedale wie der Organist einer großen Kathedralen-Orgel. Blankenberge heißt die Band, die sich nach einer belgischen Küstenstadt benannt hat… von dort aber kommen sie definitiv nicht, die Band stammt ursprünglich aus dem tiefsten Sibirien und ist der Musikszene zuliebe jetzt in St. Petersburg beheimatet… jaja… Katjuscha klingt anders… „Decisions“ ist bereits das vierte Studioalbum der Russen, und die drei Vorab-Singles „New Rules“, „Together“ und „Escape“ waren hier auch bereits vertreten. Als nun das Album erschien, brauchte ich erst ein paar Hörgänge, bis sie mich, besonders mit diesem Song „Now You Know“, dem Album-Opener, begeistern konnten. Die Top 3 des Jahres haben sie sicher, es wäre das erste Mal überhaupt, dass es Musik aus Russland in meine Charts schafft. Nach dem dramatischen Einstieg geht es kein bisschen leiser weiter… „Behind The Clock“ heißt die neue Single von AFI… und es geht nicht um das siebte Geißlein… da tauchen eher Namen wie Freddy Madison, Betty Elms, Nikki Grace und Susan Blue auf, also irgendwelche Filmcharaktere, mit denen ich aber nicht vertraut bin. Die Musik der Band, die ausgeschrieben A Fire Inside heißt und die es bereits seit 1991 gibt, klingt ein wenig, als hätte man Bauhaus an eine Starkstrom-Steckdose gestöpselt, es ist viel Gothic-Rock im Spiel und ich habe von dieser Band noch nie einen stärkeren Song gehört. Im Oktober erscheint das Album dazu, und ich bin sehr gespannt. Song 3 lässt auch nicht nach an Dunkelheit und Intensität… und 1980’s Inspiration: War es bei AFI gerade noch Bauhaus als Vergleich, kommen mir bei „Oblivion“ der New Yorker Band Lathe Of Heaven unweigerlich Killing Joke in den Sinn… und das ziemlich schmerzfrei und fast schon unverschämt… die Basslinie ist exakt dieselbe wie „Love Like Blood“… aber was solls, besser gut geklaut als schlecht erfunden. Das Album „Aurora“ (Das Titelstück gab es hier vor zwei Monaten) ist insgesamt recht gelungen, und ich werde mir die Band im November wohl mal anschauen. So, jetzt mal ein Ausflug auf die grüne Insel, aber ohne Fiddle und Akkordion, sondern mit elektrischen Gitarren, die klingen als wenn sie Synthesizer wären… oder so etwas Ähnliches… klingt ein wenig nach Soft-Industrial… sollte es jemals so etwas gegeben haben. Just Mustard heißt die Band aus Dalkirk kurz vor der Grenze zu Nordirland, ihr erster Fan mit großem Namen war Robert Smith von The Cure, was auch ein wenig darauf hindeutet, dass es kein Easy Listening LaLa-Pop ist, sondern schon ein wenig auf der dunklen Seite des Pop… hat aber einen schönen Flow und die kleine Fußzehe der Tanzmaus in mir wackelt schon. Nach „We Were Just Here“, dem Titelstück der demnächst erscheinenden zweiten Albenveröffentlichung der Iren, wippt auch die andere kleine Zehe… Automatic, eine Band von 3 Frauen aus Los Angeles… Keys, Bass, Drums… die Drummerin ist übrigens die Tochter vom Bauhaus-Drummer und genau ihr Part gefällt mir bei „Mercury“ so gut… wenn keiner guckt, wippt mein ganzer Fuß. Song Nummer 6 hat auch einen etwas ausgefallenen Takt, hier überwiegen allerdings akustische Gitarren… wir sind beim neuen Album von Wolf Alice, eine Band, die ich von Anfang an mitverfolgt habe, aber nicht mit allen einher gehe… häufig gab es auf den Platten einen Song, wo ich gesagt hatte „wow“… und den nächsten gleich weiter skippen musste. Das neue Album „The Clearing“ gefällt mir fast durchgängig und orientiert sich etwas an 70’s Rock-Pop… stets ist ein Hauch von Fleetwood Mac zugegen. „White Horses“ wurde von Drummer Joel Amey geschrieben und er singt den Song auch, Leadsängerin Ellie Rowsell kommt hauptsächlich im Refrain zur Geltung… schöner Ohrwurm das. Gemischter Gesang prägt auch die nächsten beiden Stücke… erst Neues von Of Monsters And Men aus Island… hatten vor gut 10 Jahren große Hits und haben immer wieder gute Platten veröffentlicht, aber eher unterm Radar der Massen. „Ordinary Creature“ ist ein wunderbarer Song, der mich ein wenig an Stars erinnert… trotzdem 100%ig auch nach OMAM… wir gehen nach Norwegen und es bleibt verhalten melancholisch… I Was A King veröffentlichen demnächst ein neues Album, „Dust Bunnies“ ist die erste Single… diesmal gesungen von Frode Strømstad, meine Lieblings-Norwegerin Anne Lise Frøkedal hält sich gesanglich im Hintergrund… möglicherweise hat sie auf allen choice-Samplern mit der 35. Ausgabe die meisten Einsätze… für Statistik-Freaks. Etwas bekannter in der Welt des weiblichen Gesangs ist sicher Florence Welch mit ihrer Band Florence + The Machine, die interpretieren nämlich Song Nummer 9 mit „Everybody Scream“, das dazugehörige Album erscheint am 31. Oktober… also Halloween… und das ist wohl auch der rote Faden des 6. Albums der Londoner. Aus Leicester wiederum stammt das erste Album der Band Jools, die sowohl musikalisch als auch optisch durchaus recht auffällig sind. „The Pleasures“ bietet viel, von Hip Hop über Punk zu Crossover… ich habe das Gefühl, von denen wird man noch hören. Nach dem wilden Ritt ein wenig Entspannung mit dezentem Electro-Beat… da wippt sie wieder, die kleine Zehe der Tanzmaus… Nightbus ist ein Duo aus Manchester, welches es gut versteht, tanzbaren Pop mit etwas geheimnisvollen Dreampop-Gitarren zu vereinen… meiner Meinung nach gehört „Ascension“ eigentlich in die Charts… schaun’ wir mal. Dreampop war ein gutes Stichwort… die Band Lemongaze debutiert hier mit dem Song „0 (type)“, einem dunklen Stück Shoegaze-Rock. Das Stück kommt schwer in die Gänge und ist auch ein wenig unheimlich, würde man es im dunklen Wald hören. Der nächste Song „Lorraine“ von Flatwaves aus Philadelphia hat auch laute Gitarren und weiblichen Gesang, kommt aber vom Sound so knackig daher, wie ein Stück roher Blumenkohl im Pudding (falls das Sinn macht)… jedenfalls frei und frisch von der Leber der Song… Knackig und frisch und trotzdem mit aller Härte der elektrischen Gitarre ist auch schon immer das Aushängeschild der Deftones… eine Band auf die sich glaub ich derzeit mehrere Generationen von Freunden der härteren Musik einigen können. Bislang spielte die Band, die es immerhin auch bereits seit 1988 gibt, in meiner Welt keine große Rolle… diesmal, sprich bei dem aktuellen Album „Private Music“ hab ich mal etwas genauer reingehört und eigentlich alles gefunden, was ich gebrauchen kann, melodischen Metal mit Gesang, der auch als solcher bezeichnet werden darf… daran scheitern die meisten Metal-Bands, wenn sie sich an den Pforten meiner Ohren vorstellen. „Infinite Source“ klingt für mich in etwa wie eine Mischung aus Helmet und Ride. Shoegazige, elektrische Gitarren sind auch die DNA der Band The Asteroid No.4… deren „Neptun“ vor zwei Monaten choice#33 eröffnete und noch immer ein prima Sommerhit in meinem Oberstübchen ist. Ganz so spacig ist „Captivate“ nicht… eher etwas chilliger… gut um von den ganzen härteren Klängen runterzukommen. Die Band gibt es übrigens auch bereits seit 30 Jahren. Wir bleiben im Genre Shoegaze und kommen zu Samira Winter, die ihr musikalisches Projekt auf ihren Nachnamen beschränkt und bereits auf dem ersten choice-Sampler vor fast 5 Jahren dabei war. Die brasilianisch-amerikanische Künstlerin hat mit „Adult Romantix“ ohne großes Aufsehen, eines der besten Alben ihrer Musikrichtung veröffentlicht… es lohnt sich auf jeden Fall durchzuhören… „In My Basement Room“ ist eine melancholische Erinnerung an die eigenen musikalischen Schritte in der Kellerwohnung von damals. Der fast schon obligatorische Abstecher nach Neuseeland kommt diesmal mit dem Titelsong des aktuellen Albums von The Beths. „Straight Line Was A Lie“… wer kennt es nicht… man denkt, man kommt auf geradem Weg zum Ziel, prompt läuft man im Kreis… könnte die neue Hymne der Deutschen Bahn werden… lieber nicht, dazu ist der Indie-Rock der Band aus Auckland um die Sängerin Elizabeth Stokes doch zu gut. Der Name der nächsten Künstlerin lautet Tasmin Nicole Stephens, sie kommt aus Manchester und nennt sich TTSSFU… warum habe ich noch nicht herausgefunden, die Musik klingt aber prima… poppiger Dreampop irgendwo zwischen My Bloody Valentine und The Cure. Song Nummer 19 kommt aus Kanada und stammt von Besnard Lakes, einer Psych-Indie-Band, deren siebtes Album in den Startlöchern steht. „Give Us Our Dominion“ ist ein schöner, hymnischer Song, der das Album abschließen wird. Unsere Compilation namens choice#35 hat noch einen Rausschmeisser… Der Song heißt „The Whole Woman“ und kommt von der Schwedin Anna Von Hausswolff, die Iggy Pop zum ungleichen Duett bittet. Einserseits ist es eine majestätische Ballade, andererseits mit den Gegensätzen des Gesangs auch ein wenig putzig. Viel Spaß mit dem Mixtape, was ihr dort finden könnt:

Apple Music, Spotify, YouTube

choice#34
Berlin, 31.07.2025… Nachdem letzte Woche ein zweites Samplerformat namens RadioMcLarsen debütierte, gibt es nunmehr die 34. Ausgabe der choice-Serie mit ausschließlich neuer Musik. Die Ausgabe für August 2025 startet mit einer Band aus Oklahoma, die ich 2011 mit dem Album „Tamer Animals“ und besonders für den Titelsong des Albums sehr mochte. Other Lives waren seitdem nie ganz weg, aber durchaus etwas aus meinen Augen verloren… „Show Some Love“ startet unsere Compilation mit viel Lametta… Streicher, Orchester, mehrstimmiger Gesang und eine angenehme Stimme des Leadsängers… Referenzen wären Fleet Foxes oder auch Mercury Rev in ihrer mittleren Phase, auch The National sind nicht weit weg… #34 beginnt also mit einer gewissen eleganten Üppigkeit, die fließend in Song Nummer zwei übergeht… da sei erstmal ein klares „Hurrah!“ erlaubt… Die Lieblingssängerin hat ein neues Album aufgenommen, es erscheint Ende September und heißt „Neon Grey Midnight Green“ – die Rede ist natürlich von Neko Case. Die erste Auskopplung heißt „Wreck“ und ist erstaunlich positiv, Streicher, Bläser und euphorischer Gesang… was für ein Comeback. Neko Case’s vorletztes Album „The Worse Things Get, The Harder I Fight, The Harder I Fight, The More I Love You“ war mein Album des Jahres 2013, der Nachfolger „Hell On“ von 2018 ging bis auf einen Song etwas an mir vorbei… nun bin ich gespannt, ob das ganze Album wieder eine großartige Angelegenheit wird. Es bleibt opulent… The Last Dinner Party überraschten neulich mit einer neuen Single aus heiterem Himmel, und auch das zweite Album kommt noch im Oktober. Etwas Spaghetti-Western, Streicher, Tempowechsel, Refrains wie Abba in ihren besten Zeiten… alles wieder da, das Debütalbum „Prelude To Ecstasy“ wurde bei mir letztes Jahr ein guter 4. Platz… welcome back. Stilistisch nicht weit entfernt vom letzten Song ist das Lied „19“ von Solya, einer sehr jungen Texanerin… das mit der 19 könnte hinkommen… großartiger Song übers Älterwerden – oder vielleicht auch nicht… sollte mich nicht wundern, wenn man von der jungen Frau noch hören wird. Mit Song Nummer 5 starten wir eine kleine Weltreise in Sachen Dreampop und beginnen in Helsinki. Aus der finnischen Hauptstadt kommt die Band Thelma’s Dream, die mich mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum überzeugen konnte… Besonders „Rooms“ blieb in meinen Ohren hängen… ganz ähnlich wie Mariin K., eine Band aus einer anderen nordeuropäischen Hauptstadt, nämlich Tallinn / Estland. Mariin Kallikorm ist der Name der Lead-Sängerin der Band, die quasi namensgebend ist, bester Dreampop in einer gewissen Dauerschleife, ohne eine Sekunde zu lang zu sein. Auch hier lässt das Album „Still Rose“ keine Wünsche offen. An dieser Stelle auch ein herzliches Willkommen, Estland, in der Welt der choice-Serie. Frankreich ist dort längst heimisch, und mit Belljars kommt auch hier eine neue Band aufs Parkett, die mit Dreampop bestens umgehen kann. „Lady Lazarus“ aus dem selbstbetitelten Debüt-Album überzeugte mich am meisten… Die Band kommt übrigens aus Lille. In Texas waren wir schon mit Solya, nun auch The Julies mit „Black Metal“, was aber nicht der musikalische Stil der Musik ist. Es geht eher um den ästhetischen Stil der Plattencover. Auch ein cooler Song, leider recht schnell vorbei… Mit den Belgiern von The Name tritt danach die dienstälteste Band dieser Zusammenstellung an… 1978 in Brüssel gegründet, arbeitete die Band mit Produzent Martin Hannett zusammen und war auf dem berühmten Factory-Label unter Vertrag, zusammen mit Joy Division. Ich muss zugeben, mir war die Band nicht wirklich geläufig, daher war ich überrascht, als ich die neue Single „Swimming With Brian Jones“ hörte… Eigentlich war ich hauptsächlich wegen des Songtitels neugierig… Es beginnt ein wenig wie ein Lied von Robert Forster und steigert sich zu einer ordentlichen Wucht mit einer gewissen Kauzigkeit. Etwas abseits vom Mainstream sind auch die Songs der Briten Big Special. Ihr aktuelles Album „National Average“ ist gerade ein wenig Kritikerliebling. Ich finde es interessant, aber auf Albumlänge ist das nix für mich. „Domestic Bliss“ aber kommt schon geil… Irgendwie Sleaford Mods, Arab Strap und Idles gut durchgemixt. Mit Leknes & The Layoffs wird es noch kurioser. Hier würde ich einen Mix aus Nick Cave, Tom Waits und Morphine vermuten – also alles, was ich in den 1990ern gehört habe. Die Band kommt aus Trondheim in Norwegen. Die Musik und das Video wurden in Mexiko aufgenommen (?) oder ich habe da was falsch verstanden… Es ist aber ein tiefschwarzer Blues mit standesgemäßem, sehenswertem Schwarzweiß-Video… Nicht mit Kopfhörern nachts im Wald hören! Wir bleiben in Norwegen, ein bisschen nördlicher noch. In Tromsø ist die Heimat der Punks von LÜT. Die haben zusammen mit Bela B. von den Ärzten einen Song namens „Glücksschmied“ aufgenommen, den sie abwechselnd auf Deutsch und Norwegisch singen – coole flotte Angelegenheit, das. Die Gitarren bleiben etwas härter… Die folgende Band heißt The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die (was für ein Name…). Die Band aus Connecticut bietet Post-Punk mit ordentlich tief gestimmten elektrischen Gitarren. Der Song heißt „Dissolving“… Ist das jetzt Dreammetal oder Metalgaze? Nein, dazu ist es noch deutlich zu zahm… aber sehr interessant. Auch bei „Breath Onto Me“ sind die Gitarren laut… Zeitgenössischer Shoegaze-Rock von Wisp, der Band um Natalie Lu, einer Musikerin aus San Francisco, deren Album „If Not Winter“ daran erinnert, dass in wenigen Wochen die ersten Schokoladen-Weihnachtsmänner im Supermarkt auftauchen werden. Es folgt neue Musik aus Schottland… Idlewild aus Edinburgh waren eine Marke des Indie-Rock ab Ende der 1990er. Sie waren nie ganz weg, aber auf meinen Bühnen weniger präsent… und so besser… das mit „Stay Out Of Place“ ist ein sehr starkes Stück Musik… vielleicht das beste der letzten Jahre… für mich zumindest. Es folgt noch eine Band aus den 90ern… Suede… Noch bevor Blur und Oasis um den Thron des Britpop stritten, gab es bereits die Band um den immer irgendwie komischen Frontmann Brett Anderson. Die Gallagher-Brüder pöbelten seinerzeit über Suede, wie auch sowieso über alle anderen… Ich finde es deshalb auch widerlich, wie die beiden Flitzpiepen für unglaublich viel Geld ihre mit von den Beatles geklauten Melodien versetzten Kamellen auf die ausverkauften Arenen der Welt vermarkten und auch noch glauben, sie wären die Größten… 17 Jahre nach Erscheinen eines neuen Songs… aber eigentlich… Suede… „Dancing With The Europeans“ klingt eher nach The Cult als nach schwülstigem Glam-Rock/Pop… Was für eine Energie in dem Song steckt… Auch die beiden Singles davor waren schon gut. Dieser Song gehört für mich in die Top-5 der Suede-Songs. Nachdem gerade zwei Bands aus den 1990ern, die man sogar kennen müsste, liefen, kommt mit Boyish wieder ein unbekanntes Duo aus Brooklyn auf den Plan… Auch wenn es die Band schon ein paar Jahre gibt, populär ist anders. Das darf sich gerne ändern. „Jumbos“ ist ein cooles Stück Dreampop. In diese großzügige Schublade lässt sich auch die Musik der nächsten Band, wieder ein gemischtes Duo, stecken: Silver Gore… Das Gore kommt von Ava Gore… Die Sängerin ist die Tochter von Depeche Mode’s Martin Gore und damit nach Stella Rose (Gahan) die zweite DM-Tochter, die auf einem choice-Sampler landete. Der Song „Dogs In Heaven“ ist ein nettes Kuriosum mit Geheul und New-Order-Pop… Gerade mal zwei Minuten lang… Ich muss das Stück immer mehrere Male hintereinander hören. Kurz vor Schluss geht es nochmal nach Australien, da waren wir diesmal noch gar nicht… Death Bells, zusammen mit Landsmann Sans Merit, bieten schönsten Dreampop, bevor die Kanadierin Rachel Bobbitt mit dem wunderbaren Song „Hands Hands Hands“ den Reigen für heute beendet. Ich hoffe, jeder hatte Spaß mit den letzten 72 Minuten Musik… Bis nächsten Monat…

 

Playlist auf Apple Music, Spotify und YouTube

choice#33

Berlin, 01.07.25… Meine Damen und Herren… bitte schnallen Sie sich an… es geht hoch hinaus… wir fliegen ins All und zwar zum Neptun… aber nicht mit den Raketen irgendwelcher flitzpiepigen Tech-Milliardäre, sondern mit The Asteroid No.4, einer jungen Band aus… Moment… hier steht: Gegründet 1995 in Kalifornien… ja beim Dreizack des Neptun… wieder eine gute Band, die sich 30 Jahre vor mir versteckt hat… unglaublich. Es bleibt spacig…wer bei Sister Ray Davies an eine Mischung aus Velvet Underground und The Kinks denkt, liegt komplett daneben… diese Musik spielt sich vollständig in einem fernen Universum ab, hört das Lied „War Machine The Purpose Of A System Is What It Does)“ mal im Dunklen… und ihr werdet mindestens Sterne sehen (Ohne Drogen oder gegen die Wand gelaufen zu sein)… feinster Shoegaze-Space-Dreampop von einem Duo, ebenfalls aus den Vereinigten Staaten, diesmal aber Tatsache Neu… bislang auf dem Markt: Ein Song… Dieser. So langsam sollten wir wieder auf die Erde zurückkehren… machen wir auch, bleiben aber noch ein wenig in der Rakete, die gerade in Christchurch/Neuseeland gelandet ist… hier sitzt Annemarie Duff auf der Kommandobrücke ihrer Band T. G. Shand und stellt ihre neue Single „The Deadpan Break“ vor… auch das ist ziemlich spacig, aber im Vergleich zu den ersten beiden Songs etwas mehr geerdet… die gute Frau ist ja nicht zum ersten mal bei den choice Samplern dabei und jeder ihrer Songs hat etwas geheimnisvolles in der DNA… manchmal denkt man, das außer dem Song noch irgendwas anderes im Raum läuft… oder ist da etwa noch wer ? Puh(!) … Der Name der nächsten Band lautet Sugar For The Pill und so ist es keine Überraschung, das die Musik etwas nach Slowdive klingt. „LUV“ erinnert mich auch ein wenig an die Musik der Band Blankenberge, die kommen aber aus Russland, Sugar For The Pill aus Athen/Griechenland, ich gehe mal davon aus, das es der erste griechische Beitrag auf der choice Serie ist… καλωσόρισμα Sugar For The Pill, das ganze Album ist übrigens dufte… wie der Berliner sacht… „Ditt Paradis“ hört sich irgendwie ebenfalls nach Berliner Schnauze an, ist aber schwedisch und der Songtitel der Band Kallsup aus Örebro, Schweden… wiederum sehr guter, etwas lärmiger gitarrenbetonter Shoegaze. Mit Big Thief kommen dann alte Bekannte auf die Bildfläche… „Incomprehensible“ klingt wie es heißt… schleierhaft… nicht im Weltall aber doch zumindest im großen, dunklen Wald tappern Adrianne Lenker und ihre Mitstreiter rum, weniger Folk als zuletzt, dafür mehr Dreampop… typisch 4AD halt. Der Name der Sängerin der nächsten Band, Dog Race– ist Kathryn Healy und ihre Stimme ist eine der ungewöhnlichsten unserer Zeit… etwas gewöhnungsbedürftig vielleicht, aber sehr atmosphärisch und auch deshalb zum zweiten mal hintereinander hier vertreten… die Briten sollte man auf dem Schirm haben. Vom derzeit gut angesagten Sonic Cathedral-Label kommen danach Whitelands und bringen mit“Heat Of The Summer“ tatsächlich etwas sommerliches in die Playlist, genau wie auch das darauffolgende Stück „Breakaway“ von Been Stellar aus New York, ein schönes Stück Indie-Rock im Stile von Nada Surf. Ab jetzt wird es etwas härter… Dropkick Murphys sind nicht gerade typisch für McLarsen-Sampler, eher schon für die Offside Playlist… aber erstens ist „Who’ll Stand With Us“ ein unglaublich starker Rocker im bandüblichen Stil mit elektrischen Gitarren und Dudelsack (In soweit nix neues seit 13 Studioalben… s.a. Ramones oder AC/DC… aber nein, das war böse…) denn zweitens legen sich die Amerikaner auch mit ihren eigenen Fans an… wer auf den orangen Faschisten im Weissen Haus steht, wird abgecancelt… man kann damit die Hälfte der Fans verlieren, gerade deshalb ist es wichtig, das es Bands oder überhaupt Künstler gibt, die ihre Haltung öffentlich vertreten und nicht nur alles gewähren lassen, was in den Staaten gerade abgeht… genau wie Bruce Springsteen auch, auf einer etwas höheren Ebene… hätte nicht gedacht, das diese Musiker wieder so wichtig werden… wenngleich auch weniger wegen der Musik. Wenn wir gerade mal bei etwas härteren Sachen sind… Turnstile’s neues Album „Never Enough“ ist gerade in aller Leute Mund… bzw. Ohr… darf hier auch nicht fehlen… Ex-Hardcore Combo aus Baltimore mit sehr wechselhafter Auslegung ihres Stils… oder ihres Repartoires, da kann es schon etwas härter zu Gange gehen, dann kommen plötzlich irgendwelche Keyboards und lassen den Song als Ambient-Stück auslaufen… oder umgedreht… macht Spaß wenn nicht alles nach Schema X und Y gespielt werden muß. Jetzt sind wir einmal hier… also bleibt es etwas härter und zwar mit einem neuen Stück von Katatonia… nicht zu verwechseln mit der walisischen Britpop-Band die sich aber auch mit „C“ schreiben… hier ist die schwedische Metalband, die mit „Thrice“ einen starken Song an den Anfang ihres neuen Albums gesetzt haben… Prog-Metal vom Feinsten… Katatonia gibt es auch immerhin bereits seit 1991… noch 3 Jahre älter ist eine andere Metal-Institution aus England, die ich zumindest seit Ende der 1990er Jahre bereits verfolge: Paradise Lost. Am Anfang stand Goth-Metal, dann klangen sie plötzlich wie Depeche Mode, machten eine fragwürdige Coverversion von Bronski Beat’s „Smalltown Boy“… langweilig war die Karriere jedenfalls nicht… mit der Vorab-Single ihres neuen Albums klingen die Briten wieder wie in ihren besten Zeiten… welcome back… so… bisschen Rock bleibt beim nächsten Song, aber mit Metal ist heute Schluß… Whispers In The Shadow heißt die Band aus Wien, von der ich bis neulich noch nie etwas gehört hatte obwohl sie auch bereits fast 40 Jahre auf’m Buckel haben… nun ist sie hier mit „Illusions Of Grandeur“… der Text… ist mir eigentlich ein wenig zu kitschig, trotzdem ein starker Song und ein guter Sänger. Über einen King gehts auch im nächsten Song… „Saviours Are A Dangerous Thing“ dreht sich offensichtlich auch um den orangen Fatzke im Weissen Haus (…schon mal jemand über den Begriff „Gröfatzke“ nachgedacht?) Die Band, The Chameleons zählt zu meinen absolut bedeutendsten Bands der Vergangenheit… und da rede ich von den 1980ern… 3 Alben für die Ewigkeit („Script Of The Bridge“, „What Does Anything Mean…“ und „Strange Times“… davor steht nur noch die Lieblingsband (The Church)… dazu noch ein Album unter dem Namen The Sun and The Moon (würde bei mir qualitativ unter Chameleons durchgehen) und ein paar Singles und EP’s, 2002 gab es ein Comebackalbum was ok war, aber meilenweit entfernt von den ersten drei Alben. Letztes Jahr hat sich die Band (bzw. wer davon noch so lebt) wieder zusammengerauft und die Single „Where Are You?“ veröffentlicht… irgendwie fand es niemand (den ich kenne) cool und über die Ankündigung eines neuen Albums hält sich meine Vorfreude in Grenzen… nun also „Saviours Are A Dangerous Thing“… wird das letzte Lied vom neuen Album „Arctic Moon“ welches im September erscheint… nach zwei-drei Durchgängen bin ich jetzt der Meinung, das es sich um den besten Chameleons-Song seit „Strange Times“ handeln könnte… der Song wächst auch noch… ich glaube zwar nach wie vor nicht an ein gutes Album… aber ein geiler Song ist schonmal drauf… Fein!… Die Band wird ja heutzutage auch für jede dritte Indie-Band mit zwei Gitarren als Vorbild zitiert… das ist bei der Band Lathe Of Heaven sicher auch nicht anders… Post-Punk und New Wave mit einer Prise Gothic ist nicht zu überhören… „Aurora“ ist der Titeltrack des neuen Albums, was Ende August erscheinen wird. Es folgt ein neuer Song von Nilüfer Yanya… „Where To Look“ ist Teil der EP „Dancing Shoes“ und kommt den Hit „Midnight Sun“ ziemlich nahe. HAIM sind zwar hier glaub ich zum ersten mal, aber das liegt glaub ich eher an der langen Pause, die sich die drei Schwestern seit dem letzten Album genommen haben, gemocht hab ich sie schon immer und das neue Album „I Quit“ ist wie eine gute Playlist von allem was Pop zur Zeit so kann… im Falle von „Lucky Stars“ Dreampop, andere sind für Tanzmäuse und Rocker und Popper… Danielle, Alana, Este… bitte übernehmt die Weltherrschaft, ihr seid besser als eure Freundin Taylor Swift! Mit 17 Jahren startete eine andere Sängerin durch… Lorde aus Neuseeland legte eine steile Karriere als Teen hin, nun ist sie mit Ende 20 zurück und das sehr gut… ich mag das Album „Virgin“ wirklich sehr, auch wenn die Musik sicher nicht gerade an alte Säcke wie mich gerichtet ist… bleibt noch der Rausschmeisser… der kommt von Blood Orange, das Projekt von Devonté Hynes, den ich mal als Lightspeed Champion kennengelernt habe. Er ist ziemlich umtriebig, ist auch bei Turnstile (Die von Song #11) dabei und hat sich komplett verschiedene Musiker für einen Song eingeladen, der wie eine Skizze klingt… er hat doch Tatsache Vini Reilly… also The Durutti Column ausgegraben, der mit seiner klassischen Gitarre den Song bestimmt, denn Caroline Polachek (Ex-Chairlift Sängerin mit sehr erfolgreicher Solokarriere) und andere berühmte Musiker die ich nicht kenne. Wenn das Teil im Offside läuft, gucken die Leute auf den Monitor und machen Snapshots, was da läuft… kann dann nicht verkehrt sein… Ich glaube fast… so einen bunten Sampler hatten wir lange nicht mehr… und diesmal gilt auch nicht der gern genutzte Spruch, daß ich hier lauter Bands hab, die’s garnicht gibt 😉

Playlist auf Apple Music, Spotify und Youtube.

The Cult live in Berlin 08.06.2025

Columbia Theater Berlin, Columbiadamm 09-10

…sitz ich neulich im Garten und spiel am Handy, kommt doch glatt die Meldung das meine 1980’er Helden The Cult in den Frannz Club kommen… noch dazu an einem Sonntag an dem ich eh nichts besseres zu tun habe… das Frannz, ich erwähnte das bereits gelegentlich… mag ich sehr wegen der intimen Größe, die fussläufige Nähe und für die bessere Bierauswahl… und dort The Cult die eher in den größeren Arenen zuhause sind (?)… muß ich hin… für durchaus nicht günstige 62 € schnell ein Ticket gekauft und dann Vorfreude… zwei Tage später wurde der Gig dann ins deutlich größere, aber auch nicht zu große Columbia Theater verlegt… nun gut… gibt ja BVG.

„Love“ war diese eine Platte die ich Mitte der 1980er wie blöde über Kopfhörer am Teenager Schreibtisch gehört habe, neben The Church und (damals auch) U2… nicht mal wegen dem Hit „She Sells Sanctuary“, eher „Big Neon Glitter“, „Hollow Man“ oder dier Ballade „Brother Wolf And Sister Moon“… die Platte hatte solchen Charme, auch durch das Schlagzeugspiel von Big Country Drummer Mark Brzezicki… was hätte ich dafür gegeben diese Energie mal live zu erleben… aber ich lebte damals auf der anderen Seite der Mauer in Potsdam. Ich liebte die Band vor allem weil sie sich mit jedem Album neu erfinden konnten, war „Dreamtime“ noch von Gothic und New Wave geprägt, „Love“ war dann härter, aber besser produziert, „Electric“ von Rick Rubin produzierter staubtrockener Hardrock, „Sonic Temple“ dann von Bob Rock produziert, Hardrock für die Stadien der Welt, irgendwo zwischen Led Zeppelin und Guns’n’Roses… alles prima… dann aber eine langanhaltende Flaute… was sie mit dem selbstbenannten Album von 1994 sagen wollten, ist mir heute noch ein Rätsel. Es folgten Comeback-Alben die wieder besser waren, aber auch das letzte Album, „Under The Midnight Sun“ von 2022 konnte mich nicht mehr dahin zurückholen, wo ich vor 40 Jahren so fasziniert war. Nun mal sehen, wie sich das Live anfühlt…

…und da war meine Laune erstmal etwas unterkühlt, statt einer Vorband legte eine Dame auf einen DJ-Deck Sachen auf bzw. tat so und drehte an Knöpfchen… das war zwar nicht alles schlecht, nur gebraucht hat das glaub ich keiner im mittlerweile gut gefüllten Columbia Theater. Da es dann aber noch bis fast 21:30 Uhr dauerte, bis die Band die Bühne enterte… war ich ehrlichgesagt bereits etwas angefressen. Dann kamen sie aber und bereits nach wenigen Takten war klar… das wird fein… und ich erinnerte mich auch sofort, warum ich diese Band so liebte… wegen ihrer frischen, ungebändigten Energie. Billy Duffy’s E-Gitarre klingt wie ein präzises Uhrwerk und Ian Astbury, mit Mitte 60 noch topfit und sportlich, gibt den Rock’n’Roll Entertainer vom Feinsten… er braucht viel Platz, fuchtelt mit Rasseln und Tambourin, wirft mit Mikrofonständer… und wirkt dabei mal wie ein Schamane, mal wie eine Ballerina… Hackentrick mit Tambourin inklusive. Die Songs sind ein schöner Querschnitt aus 11 Alben… auch die Stücke der neueren Alben konnten mir besser gefallen als so… als dann als letztes Stück der Hit „She Sells Sanctuary“ kam, kannte es im Publikum kein Halten mehr… großartig… als Zugabe gab es noch „Fire Woman“ und Love Removal Machine“, dann ging die Band backstage… aber Astbury blieb noch ein wenig, sang mit der Musik die jetzt vom Band kam und erzählte dem Publikum, das sie einen neuen Promoter für Deutschland suchen… die meisten wollen nur volle Stadien… aber jeder der diesen Abend miterlebt hat weiß, wie geil es ist, in solchen kleineren Läden zu spielen… geil wars… 40 Jahre nach den Kopfhörer-Abenden am Teenager Schreibtisch.

choice#32

Berlin, 30.05.2025… Den musikalischen Reigen im Juni eröffnet eine Coverversion des Titelstücks eines der bedeutendsten Dreampop Alben ever: „Heaven Or Las Vegas“ von Cocteau Twins. Erst war ich etwas vorsichtig, aber selbst Miley Cyrus konnte den Song nicht zerstören… zumal Matt Pond PA ja auch kein Unbekannter ist… das Album „Several Hours Later“ wurde 2005 zu meinem Album des Jahres… aber davon ab… wie das passieren konnte, verstehe ich heute auch nicht mehr, später fand ich Matt Pond PA eher dröge… nun aber zum Cocteau Twins Cover: es ist sehr gut, vielleicht erst beim zweiten oder dritten Anlauf, gegen Mitte schwingt sich der Song zur Hymne auf… das steht ihm gut, auch die gesangliche Unterstützung von Sängerin Anya Marina macht eine runde Sache draus. Der zweite Song kommt vom neuen Preoccupations Album, er heißt „Andromeda“ und kommt deutlich härter daher als der (auch gute) Rest des Albums „Ill At Ease“, wo Synthies die Oberhand gewonnen haben… „Andromeda“ bleibt lange im Ohr… man meint im Nebel des Sternbilds zu stehen. Gitarren und Synthies bietet das nächste Stück der Newcomer Band Dog Race aus England. Ihre Musik hat Züge von Goth-Rock und der Gesang von Sängerin Katie Healy ist mindestens gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert sehr gut… erscheinen wird die Debut EP übrigens auf dem Label Fascination Street Records… ein weiteres Indiz das eventuelle Ähnlichkeiten mit The Cure keine Zufälle sind. Es folgt eine weitere Vorab-Auskopplung vom neuen Soloalbum des Ride- Bassisten Steve Queralt. Auf dem vorletzten choice-Sampler war bereits ein Stück zusammen mit der Ex-Lush Sängerin Emma Anderson zu hören, bei „Messangers“ steht ihm mit Verity Susman die Sängerin von Memorials und Electrelane zur Seite… es ist wiederum ein schwerer Brocken Shoegaze-Finsterpop. Song 5 kommt vom Duo Twin Rains, Jay Merrow und Christine Stoesser aus Toronto, auch hier gibt es feinsten Dreampop mit teilweise recht lauten Gitarren. Die beiden verdienen sonst ihr Geld mit Filmmusik. Ebenfalls ein gemischtes Duo sind Fotoform aus Seattle, die nunmehr bereits zum vierten mal hintereinander auf meinen choice-Compilations zu finden sind… die letzte Band, die das mit nur 3 Songs geschafft hat, waren letztes Jahr die Band Gift… die Folge war das Album des Jahres… also ich weiß ja, es ist erst Mai und die Lieblingsgruppe hat auch noch ein neues Album fertig… aber „Grief Is A Garden (Forever In Bloom)“ von Fotoform hat mindestens schonmal die Top 3 sicher… „Distant Paradise“ ist für mich sogar einer der besten Songs dieses hervorragenden Albums. Nach dem melancholischen Stück von Fotoform bleibt es musikalisch ähnlich, aber mit etwas mehr drive… mit sehr virtuosem Schlagzeug und ordentlich Power… Snowcuffs sind ein Fünfer aus Chicago, die gerade ihre Debut EP namens „Sink Down“ veröffentlicht haben… zwei Gitarren, Bass, Drums, Keyboards und weiblicher Gesang… erinnert mich etwas an Blankenberge, deren Album auch in den Startlöchern steht. Es wird dann kurzzeitig etwas ruhiger… eine E-Gitarre und melancholische Lyrics eines 23jährigen… ok… ich war auch unter 30 als ich der Meinung war, ich könnte meine Memoiren schreiben… was zum Glück beim Entwurf blieb… bei Khyree Zienty, besser bekannt als Ekkstacy klingt das „I kinda miss being seventeen It’s the only time I fell in love I think my friends liked me more back then And maybe now I don’t like them“ Ekkstacy sieht eher aus wie ein Rapper, also wie die Schulbänke an denen ich vor über 40 Jahren gesessen habe und (vermeintlich) kreativ bemalt habe… ähmn… ich meine großflächig tätowiert. Er hatte wohl schon so manchen Trouble… in der ersten Minute des Songs „Seventeen“ möchte man ihn fast in den Arm nehmen… dann bricht der Song aus und wird richtig laut… und geil… ich hatte noch keine Zeit mir das komplette Album „Forever“ in Ruhe anzuhören… aber ich freu mich drauf. Nourished By Time nennt sich der nächste Musiker der im Ausweis den Namen Marcus Brown, wohnhaft in Baltimore zu stehen hat. „Max Potential“ ist irgendwie R&B… aber mit Mitteln von Dreampop gespielt… klingt wie eine Mischung aus TV On The Radio und Coolio. Es folgt ein weiterer Musiker mit Pseudonym, hinter King Hüsky steht Vidar Landa, der Gitarrist von Kvelertak,  einer der wildesten Metalbands Norwegens… aber ihr werdet es sicher gleich bemerken, das hier ist eher Belle & Sebastian als Metal… meine Lieblings-Norwegerin Anne Lise Frøkedal spielt auch mit. Danach wird groß aufgetischt mit fetten Arrangements… Piano, Streicher, große Geste, das alles in bester Power-Pop Manier a la Jellyfish oder Pugwash… die Band heißt Push Puppets, kommt aus Chicago und ihr Leader heißt Erich Specht… aber dafür kann er nichts. Song Nummer zwölf: die Band heißt Autos, der Song „Drive“… das gabs in den 1980ern schonmal in ähnlicher Konstellation, da hieß die Band aber The Cars und „Drive“ war eine Edelschnulze. Dieser „Drive“ hier klingt eher so wie The Cars normalerweise geklungen haben, schnörkelloser Power-Pop mit Gitarre, Bass und Schlagzeug… Autos kommen übrigens aus Kalifornien, genau wie auch Dollar Shop, die im nächsten Song „Tik Tok“ auch eine ungeheuere Energie verbreiten… ich muß an 1990er Bands wie Magnapop, Throwing Muses oder Juliana Hatfield Three denken… Apropos… Juliana Hatfield singt auch im Background vom nächsten Song, der neuen Single der Lemonheads, zu ihren erfolgreichten Tagen von „It’s A Shame About Ray“ war sie auch schon als Bassistin Teil der Band und Evan Dando’s Partnerin gleich mit… ein weiterer Gast aus dieser Zeit spielt auf „Deep End“ auch noch mit, nämlich Dinosaur jr’s J Mascis… der macht das was er am liebsten macht… ein Gitarrensolo. Es folgt ein Ausflug nach Neuseeland… wie fast immer… Jazmine Mary heißt die Singer-Songwriterin die mit „Memphis“ einen schönen Song am Rande von Country daher kommt, das Tempo ändert sich öfters und das Video in dem die Künstlerin in einem Shoppingcenter auf Autogrammjäger wartet hat auch was. Es folgt nochmals Dreampop von einem amerikanischen Duo: Bouquet heiß die Band und „Spellbreaker“ ist ein simpler, chilliger Song der lange im Ohr bleibt. Es folgt die neue Single der Synth-Pop Größen Nation Of Language „Inept Apollo“… sie erscheint auf dem Sub-Pop Label, das früher eher für Grunge und härtere Gitarren bekannt war… der Song setzt sich recht schnell im Kopf fest und bleibt lange. Mit Deary kommt das letzte gemischte Duo auf die Bühne und überzeugt auch mit der neuen Single „I Still Think About You“ auf ganzer Linie. Ich hoffe auf ein erstes Album und einen Liveauftritt in Berlin. Da wir ja wieder völlig im Dreampop gefangen sind macht The Haunted Youth weiter. Mit „Teen Rebel“ war der Belgier bereits auf dem allerersten choice-Sampler vor 5 fast Jahren vertreten… „Emo Song“ verliert sich gegen Ende in einem ordentlichen Gitarrengewitter, erst nach fast 7 Minuten ist Schluß… einen Song haben wir allerdings noch: „A Painted Image“ von Heaven ist ein schöner Rausschmeißer… Er fängt an wie ein Galaxy 500 Song und irgendwann setzen dann doch noch Drums ein und der Song nimmt etwas Fahrt auf, die Mitglieder der Band mit Sitz New York haben schon bei Swervedriver und Dean & Britta (Galaxy 500, Luna) gespielt, von daher ist der Klang dieses Liedes kein Zufall.

Hier die Playlist auf Apple Music, Spotify und You Tube

choice#31

Berlin, 03.05.2025… Das Cover von #31 ist mal wieder ein „Ausversehen-Kunstwerk“, also im falschen Moment abgedrückt mit unscharfen Ergebnis… aber das hat dann auch wieder was… und hat sogar Bezug auf die Band die den Reigen eröffnet…das Bild entstand unmittelbar vor dem Auftritt von Fotoform neulich in einer Livelocation in Berlin. Die Band, namentlich Kim House und Geoff Cox ist so etwas wie die Band der Stunde… zumindest in meinem Kopf. Vor ein paar Tagen ist nun auch das dritte Album der Band aus Seattle erschienen und „This City Is Over“ eröffnet das fantastische Werk und McLarsen’s Music Choice #31 auch gleich mit. Es ist etwas flotter und auch poppiger als der Rest der Platte und auch das steht ihnen ganz hervorragend. Mehr zu Fotoform und dem Konzert gibt es übrigens in dem Artikel nach diesem. Musikalisch recht ähnlich kommt dann Song Nummer zwei daher… die neue Single von Bleach Lab „Feel Something“. Die Londoner veröffentlichen demnächst eine neue EP, dieses ist der Vorab-Track, selbstproduziert und mit neuem Gitarristen. Ein ganzes Album erscheint im August von der nächsten Band: Black Honey. Mit „Dead“ taucht die Band aus Brighton ebenfalls in die weite Landschaft des Shoegaze-Dreampop ein, die drei vorangegangenen Alben waren eher Indie-Pop. Der Refrain „You can’t kill me now cause I’m already dead“ ist doch sehr einprägsam… für mich das Beste was ich von der Band bis jetzt kenne. Von Brighton gehts jetzt nach Hamburg… dort gibt es mit Joy Forever eine vielversprechende neue Band die mir ziemlich nahe am Sound von Fontaines D.C. gebaut scheinen (etwa Skinti Fia)… das kann ja nicht so falsch sein. Apropos… Fontaines D.C. haben noch ein paar Songs zu ihrem 2024er Album „Romance“ nachgereicht und davon hören wir „Before You I Just Forget“, ein Stück was der Leadsingle „Starbuster“ recht nahe steht… leichte Einflüsse von Hip-Hop sind nicht von der Hand zu weisen. The Moonlandingz entstanden quasi als Sidekick von The Fat White Family, auch Musiker vom Working Men’s Club sind dabei… mit Gastbeiträgen u.a. von Nadine Shah und wie im Falle von „It’s Where I’m From“ auch Iggy Pop. Die nächste Band heißt Greet Death und sie kommen aus Michigan mit melancholischen Shoegaze daher. Betrachtet man das Video zu „Country Girl“ scheinen die eine gewisse Affinität zu Horrorfilmen zu haben, was auch im Text zu hören ist. Musikalisch gefällt mir das mit den tiefergelegten Gitarren ganz prima. Wir wechseln die Kontinente und landen in Neuseeland, wo ja immer wieder beste Musik herkommt… bedenkt man das das Land ja nur 5 Millionen Einwohner hat. Yumi Zouma kannte ich bislang nicht, ihr eingängiger Indie-Pop hat aber auf jeden Fall das Zeug dazu auf größeren Bühnen der Welt gepielt zu werden… immerhin haben sie bereits Shows ihrer berühmten Landsfrau Lorde eröffnet. „Bashville On The Sugar“ ist ein Gute-Laune Stück was zum sonnigen Wetter passt was wir sicher bald wieder haben werden. Auch The Beths kommen aus Neuseeland … ihre neue Single „Metal“ ist poppiger als zuletzt und mit ihrem Jangle Rock schwebt ein bisschen der Geist der Go-Betweens über dem Song. Die nächste Künstlerin heißt Indigo De Souza, sie ist 27 Jahre alt und sie ist Amerikanerin mit brasilianischen Wurzeln. „Heartthrob“ ist eine wunderbare Gutelaune Single die oft kurz davor ist sich zu überschlagen… aber stets sicher auf der Hüpfburg landet… tolle neue Entdeckung. Mit guter Laune ist dann aber erstmal vorbei… die Band Postcards kommt aus Beirut/Libanon und ist damit ziemlich nahe an einem Krisengebiet der Welt in der die Apokalypse nie weit zu sein scheint. Die Band gibts schon über 10 Jahre und sind die einzige libanesische Band die ich überhaupt kenne… vor 4 Jahren (auf choice#4) waren sie auch schon mal dabei… allerdings deutlich sanfter… das war zwar auch keine perfekte Zeit (Corona), aber der Quatsch der heutzutage auf der Welt passiert lässt nur eine härtere Gangart zu. „Dust Bunnies“ ist die Leadsingle zum Album „Ripe“ und wird erst nach zwei bis drei Durchgängen zum richtig geilen Song… man sollte sich darauf einlassen. Dann wirds kompliziert… Shamir hat mir mit dem Song „Recording 291“ gut gefallen, das ich den Song hier mit auf den Sampler gepackt habe, dann recherchiere ich und kriege lediglich raus, das Shamir eine non-binäre Person ist, die ihr letztes, zehntes Album veröffentlicht, weil alles gesagt ist… wenn das so ist… möchte ich das an dieser Stelle akzeptieren und zu Frankie Cosmos überleiten. Die Band kenne ich lange aber offenbar nicht gut… es ist die Band von Greta Kline und erst jetzt wo ich mal genauer hinsehe bemerke ich, das Katie von Schleicher da auch mitspielt… die wiederum war hier schon öfters und „Vanity“ ist glaub ch der beste Song von Frankie Cosmos… (für mich und Stand heute). Rachel Bobbitt ist dann aber hier komplett neu… die Singer/Songwriterin kommt aus Nova Scotia/Kanada und der Song „Furthest Limb“ schlich sich im Laufe der letzten Wochen mehr und mehr in mein Ohr… im Refrain ähnelt der Gesang etwas dem von Weyes Blood… Vom neuen Japanese Breakfast Album muß hier auch noch ein Song rauf: „Honey Water“ ein Stück was vor Kraft kaum laufen kann, da gibt es Ansätze von Shoegaze mit einem Piano… auf Starkstrom… brilliant! …aber auch etwas düster… das kann man von „I Do What I Do“ von April March nicht behaupten, die neue Single ist sonnig wie eh und je von der 60jährigen, ein Album folgt in den nächsten Wochen… die beiden letzten waren bei mir sehr erfolgreich. Die dienstälteste Musikerin auf #31 ist Suzanne Vega. „Solitude Standing“ war eine der ersten Platten die ich mir kaufen konnte… fast 40 Jahre später ist sie noch immer am Start und legt mit „Flying With Angels“ ein sehr gutes Album vor, besonders „Alley“ hat es mir angetan. Die nächste Dame… eine Frauenquote brauchte es ja bei den choice-Samplern eh noch nie… Lael Neale war auch schon zwei mal vertreten… die amerikanische Singer/Songwriterin besticht mit ihrem Minimalismus, so auch „Wild Waters“. Mit Deacon Blue kommen alte Bekannte auf die Liste… in Schottland sind sie Superstars, im Rest der Welt höchstens eine Randnotiz. Das neue Album „Great Western Road“ ist in meinen Ohren deutlich überzuckert, aber zwei, drei geile Songs sind immer dabei, wie das sehnsüchtige „Ashore“… da hat man glatt Lust von Glasgow über die Great Western Road Richtung Westküste von Schottland zu fahren. Zum Schluß gehts noch mal nach Norwegen wo uns Jenny Hval mit einem stimmungsvollen „Lay Down“ ins Reich der Träume führt… und dann ist die Compilation schon wieder zuende…

Nachzuhören bei Apple Music, Spotify und Youtube.

Fotoform + Glazyhaze + Menk live in Berlin 24.04.2025

Tommyhaus Wilhelmstraße 9

Die Band Fotoform aus Seattle entdeckte ich erst vor ein paar Wochen, als sie die Single „If You Knew / Don’t You Worry, Baby“ veröffentlichten. Dieser Song war eine Liebe auf den ersten Takt, er wurde Song des Monats und machte mich sehr neugierig auf das Duo Kim House und Geoffrey Cox. Sehr erfreut war ich dann kurze Zeit später, als ich erfuhr, das ein neues Album in den Startlöchern steht und vor allem, das die Band in Berlin auftreten wird. Am Donnerstag, 24.04.2024 war es dann soweit. Spielstätte war das Tommyhaus in der Wilhelmstraße, schräg gegenüber der SPD Zentrale… ein ehemals besetztes Haus (Tommy Weisbecker Haus) Der Abend bestand aus den Auftritten von drei Bands, zuerst die Band Menk, ursprünglich aus St. Petersburg/Russland, jetzt in Berlin zuhause. Das Duo aus einer Schlagzeugerin und einem singenden Gitarristen bot eine schräge Mischung aus Psychedelic, Krautrock und Post-Punk… es wirkte zuweilen etwas improvisiert, machte aber Laune.

Menk

Danach war dann bereits Fotoform an der Reihe… ich hatte eigentlich damit gerechnet, das die der Hauptact sind, aber es sollte sich später herausstellen, das dies ein Vorteil sein kann. Vom Stil her würde ich Fotoform in die Schubladen Dreampop, Shoegaze und Post-Punk stecken… eine Mischung aus Cocteau Twins und The Cure passt glaub ich schon ganz gut… weitere Referenzen wären Lush, The Chameleons oder Siouxsie & The Banshees. Ich hänge hier mal das Video von der bereits erwähnten Single „If You Knew / Don’t You Worry, Baby“ dran:

So ein Abend mit mehreren Bands hatte natürlich den Nachteil, das alle Beteiligten keine unbegrenzte Spielzeit hatten. Kim und Geoff (wir hatten uns bereits früh miteinander bekannt gemacht), hatten noch einen Schlagzeuger an Bord und spielten insgesamt 9 Songs. Vor dem aktuellen Album „Grief is A Garden Forever In Bloom“ gab es bereits zwei Longplayer… „Fotoform“ von 2017 und „Horizons“ von 2021… von denen waren auch Songs dabei und vom neuen Album gab es 4 Stücke. Besonders bei „If You Knew…“ ging der eine und andere Schauer den Rücken runter… vor Schönheit der Musik. Der Vorteil das die Band nun frei hatte, war das man jetzt mit ihnen kommunizieren konnte. Das haben wir gemacht und nebenbei konnte man noch den dritten Act des Abends verfolgen: Glazyhaze aus Venedig/Italien. Auch die sind im Shoegaze und Dreampop zuhause, aber etwas flotter und in Richtung Indie-Pop… nicht unsympathisch und gut gemacht, aber längst nicht so gut wie Fotoform. Die Italiener sind auch wesentlich jünger und vielleicht werden sie in Sachen Songwriting auch noch reifer… die Single „Nirvana“ läuft in der Offside Playlist jedenfalls recht häufig. Es war ein toller Abend… für schmale 15€ gab es drei Bands die Musik nach meinem Geschmack lieferten.. die Bierpreise waren lächerlich günstig und das Tommyhaus hat durchaus Charme… sollte man öfters machen… und liebe Freunde der Musik: Merkt euch Fotoform aus Seattle!

Glazyhaze
Dean Wareham live in Berlin 14.04.2024

Frannz Club Berlin Schönhauser Allee 36

Seit etwa 35 Jahren kenne ich die Stimme von Dean Wareham nun bereits… gesehen habe ich den 1963 in Wellington/Neuseeland geborenen Musiker aber noch nie. Galaxy 500 waren zu der Zeit als ich sie entdeckte, schon bald wieder Geschichte. Sie veröffentlichten drei Studioalben: „Today“, „On Fire“ und „This Is Our Music“. 1991 ging das Rough Trade Label pleite und die Band löste sich auf. Bassistin Naomi Yang und Schlagzeuger Damon Krukowskin traten nunmehr als Damon & Naomi auf und veröffentlichen bis heute regelmäßig neue Musik. Dean Wareham gründete 1991 mit dem Bassisten von The Chills und dem Schlagzeuger der Feelies die Band Luna. Luna war im Vergleich zu Galaxy 500 etwas poppiger, beeinflusst wurde die Band von Velvet Underground, Television und Joy Division. Luna begleiteten mich stets mit ihren sehr guten Alben, das 1999er Album „The Days Of Our Nights“ wurde mein Album des Jahres. Vor etwa 20 Jahren löste sich Luna auf und Wareham und Bassistin Britta Phillips (die auch Warehams Ehefrau ist) veröffentlichten fortan als Dean & Britta einige Tonträger. 2025 erschien nun das fünfte Soloalbum von Dean Wareham „That’s The Prize Of Loving Me“ und das gefiel mir sehr gut… also dachte ich mir, gehe ich doch mal hin… der Frannz Club in der Kulturfabrik ist von mir zuhause in 30 Minuten gut zu Fuß zu erreichen und überhaupt mag ich diese Spielstätte sehr gerne… schön klein und nicht nur überteuertes Industriebier wie in den großen Hallen.

Big Search aka Matthew Popieluch

Als Support spielte der kalifornische Musiker Matthew Popieluch aka Big Search. Er ist der Tourgitarrist von Dean Wareham und stimmte mit guten, ruhigen Songs auf den Hauptact ein. Ich mußte öfters an Leonard Cohen denken, aber auch an Gordon Lightfoot oder eben auch Dean Wareham. Anbei als Video eines seiner besten Songs „Bouquet“. Für einen Song kam dann auch Britta Phillips mit auf die Bühne.

Als Support spielte der kalifornische Musiker Matthew Popieluch aka Big Search. Er ist der Tourgitarrist von Dean Wareham und stimmte mit guten, ruhigen Songs auf den Hauptact ein. Ich mußte öfters an Leonard Cohen denken, aber auch an Gordon Lightfoot oder eben auch Dean Wareham. Anbei als Video eines seiner besten Songs „Bouquet“. Für einen Song kam dann auch Britta Phillips mit auf die Bühne.

Nach einer kurzen Pause kam dann Dean Wareham mit Band auf die Bühne, also Bassistin Britta Phillips, Gitarrist Big Search und ein Schlagzeuger. Im ersten Viertel des Sets spielten sie viele Songs des neuen Albums, auch den Song des Monats „Yesterday’s Heroes“… was bei mir viel Gänsehaut auslöste. Mit „Flowers“ kam dann der erste von insgesamt sechs Galaxie 500 Songs und das im Durchschnitt um die 60-jährige Publikum war seelig. Als Zugabe gab es eine lange und laute Version von Lunas „23 Minutes In Brussels“ und nach zwei weiteren Galaxy Songs – „Strange“ und „Tugboat“ war dann Feierabend. Es war ein sehr schöner Gig, sehr melancholisch und nostalgisch, besonders schön waren die kurzen Gitarrensolis von Wareham… ein Hauch von Tom Verlaine und Velvet Underground im Prenzlauer Berg…

choice#30

Berlin, 05.04.2024… So… April… fängt etwas finster an mit Bambara, einem New Yorker Trio. „Hiss“ ist atmosphärisch, cineastisch, Drama Baby… man glaubt Nick Cave mit Fluppe in der Hand in einem düsteren Nachtklub croonen zu hören, dazu bedrohliche Industrial Geräusche… zwischendurch etwas weiblicher Gesang der die Sache etwas versüßt… ganz schöner Brocken, aber ein astreiner Einsteiger. Es folgt Neues von Matt Berninger. Der The National Sänger landete mit seinem ersten Soloalbum „Serpentine Prison“ bei mir auf Platz 1 der Alben des Jahres 2020… aber eigentlich auch nur, weil niemand anderes wollte… und so ein opulenter, euphorischer Song wie „Bonnet Of Pins“ war absolut nicht dabei… der Song hätte der Hauptband auch gut gestanden, vielleicht ist er aber auch schon zu poppig… besonders in der Mitte, wenn Bläser und Streicher den Song nochmal richtig in die Höhe treiben…ich mags sehr und freue mich auf das Album, das Ende Mai erscheint…Der nächste Song beginnt irgendwie auch wie ein The National Song… es ist aber Billy Nomates, deren frühere Sachen eher geloopte Musik aus dem Laptop war, nun mit richtiger Band und einem sehr eingängigen Song der mich am Ende schon mal fast kirre gemacht hat, weil da irgendwo im Hintergrund ein Wecker klingelt. Bereits bei Song 4 nehmen wir mal die Geschwindigkeit etwas raus mit „Wire Walks“ von Amy Millan. Der Song hat etwas gebraucht um in meinen Kopf zu ziehen, mittlerweile gibt es bereits eine neue, ebenfalls sehr gute Single der Stars Sängerin. „Wire Walks“ erinnert mich an die charmant zerbrechlichen Songs des letzten Blonde Redhead Albums „Sit Down For Dinner“, im weiteren Verlauf verschönern noch Streicher und Bläser diesen fantastischen Song. Etwas härter wird dann Nummer 5 mit Grandmas House, ok hart ist übertrieben, aber nach der lieblichen Amy Millan Nummer schon. Der rein weibliche Vierer aus Bristol kommt aus der Punk-Ecke aber liefert hier einen zartbitteren, ziemlich dunklen Song mit kratzigen E-Gitarren… die kommen auch im nächsten Song vor… „Postcolonial Blues“ von Second Idol aus Sydney strotzt nur so vor Kraft, ohne zu explodieren… Grunge, Post-Punk, Lyrics über Rassismus und Kolonialismus… ich schätze mal von Second Idol wird man noch hören. Etwas bekannter sind dann schon The Raveonettes, das Duo aus Kopenhagen, die mit ihrem Album „Pe’ahi“ vor gut 10 Jahren auf Platz 5 meiner Charts landeten, nun soll es „Pe’ahi II“ geben und “Killer“ ist die zweite Vorab-Single daraus… sie sind sich treu geblieben mit ihren minimalistischen, melancholischen Songs. Perlender Dreampop folgt mit Pale Blue Eyes, welche letztes Jahr als Support für Slowdive schon sehr angenehm auffielen. Der Anfang von „The Dreamer“ ist schon fast geklaut… bei Lush’s Album „Spooky“… aber das macht nix… apropos Lush… nun ist endlich das erste Album von Miki Berenyi Trio erschienen, ich hatte noch keine Zeit es als Ganzes zu hören, freue mich aber darauf und stelle stellvertretend den Song „Kinch“ vor, der mit Phil Spektor-liken Schlagzeug überrascht. Nochmal Apropos Lush… auch die andere Sängerin der Band, Emma Anderson ist auch heute wieder mit von der Partie, als Sängerin der Soloplatte vom Bassisten einer anderen Shoegaze-Legende, Steve Queralt von Ride… so sind die alten Helden und Heldinnen alle irgendwie miteinander verknüpft und man darf sich immer wieder über neue Musik freuen die noch exakt wie vor 30 Jahren klingt, die aber von heutigen, jungen Bands genau so weiter gespielt wird… zum Beispiel von Fotoform aus Seattle. Mit „If You Knew / Don’t You Worry, Baby“ gab es letzten Monat an dieser Stelle das Herzchen des Monats, nun die neue Single „Grief Is A Garden“. Besonders freue ich mich, das die Band diesen Monat noch nach Berlin kommt… auch als Vorband dabei: Glazyhaze aus Venedig, die hier mit „Nirvana“ vertreten sind, bei dem Song gefällt mit besonders der Refrain. Die Geschichte des nächsten Songs ist eine seltene und auch tragische. Die Band The Funeral March Of The Marionettes wurde 1987 in Illinois gegründet und existierte bis Mitte 1990er Jahre, danach fiel sie in einen langen Winterschlaf bis sie vor ein paar Jahren wieder erwachte. Es folgten EPs und Singles und es sollte ein neues Album her, was wohl auch 2023 produziert wurde. Inzwischen erkrankte Bandgründer und einziges ständiges Mitglied Joe Whiteaker an Krebs, letzte gemeinsame Sache der Band war der Dreh des Videos von „It All Falls Apart“, bevor Whiteaker letztes Jahr starb. Die verbleibenden Mitglieder der Band wollen jetzt das Album veröffentlichen, die Einnahmen sollen Frau und Kinder des verstorbenen Bandleaders zu Gute kommen. Auch ohne diese Geschichte ist die Musik schon dramatisch… etwas Gothrock, Bowie, Siouxsie, Cure, Bauhaus… bedrückend schön. Etwas aus der Zeit gefallen klingt auch der nächste Song: „My Mirror“ von Cataphiles aus Bremen könnte gut vom Anfang der 1980er stammen, ist aber Jahrgang 2025… hier muß ich an Killing Joke und X-mal Deutschland denken… das alles mit reichlich Drive… Song Nummer 15 kommt von Preoccupations, die kaum wiederzuerkennen sind… das ist die gleiche Band, die vorher Viet Cong hieß? Deutlich poppiger als frühere Sachen, besonders fällt auf, daß sie den Synthesizer entdeckt haben… aber was solls… ich find das schon geil, man muß dem Stück etwas Zeit geben. Aus der Elektroabteilung kommt auch Circuit Des Yeux, dem Projekt der Amerikanerin Haley Fohr. Es handelt sich um eine Art Electro-Folk eiskalter Sorte mit einer sehr markanten, dunklen Stimme… tanzbar ist das wohl auch… kann einen aber bestimmt auch im Albtraum vorkommen. Apropos Horror… das aktuelle Album von The Horrors hat auch einige schön- schaurige Songs an Bord, wie z.B. „The Silence That Remains“, welcher choice#25 eröffnete, nun überraschen sie mit einen total eingängigen „LA Runaway“ am Ende dieses bemerkenswerten Albums „Night Life“. Das Herzchen des Monats geht diesmal an einen Veteranen der Independent Szene: Dean Wareham war Sänger der einflussreichen Bands Galaxy 500 und Luna… die es aber glaub ich auch noch gibt. Sein neuestes Soloalbum erschien gerade und ist ein sehr schönes… man möchte fast sagen – altersmildes Werk geworden. Es wurde im kleinen Kreis in 6 Tagen aufgenommen. „Yesterday’s Hero“ hat die Klasse eines Neil Diamond Songs aus den 1970ern… das ist mein Ernst und keinesfalls negativ gemeint… wunderbar melancholisch und zeitlos. Ich freue mich auch auf dieses Konzert in diesem Monat. Song Nummer 19 ist mir heute spontan in die Liste geflogen. Hinter Bird steht die Irisch/Britische Cellistin und Singer/Songwriterin Janie Price, sie hat aus dem The Smiths Klassiker „How Soon Is Now“ mal eben quasi einen völlig anderen Song gezaubert… und das ist auch zauberhaft und sollte an dieser Stelle nicht fehlen. Den Schlusspunkt setzt heute ein Lied vom Debutalbum einer Band, die sich 1980 gegründet hat… The Loft. Die Band um Peter Astor veöffentlichte damals einige Singles, dann trennte man sich und Astor machte mit The Weather Prophets weiter, teils mit den gleichen Songs. Was die Herren jetzt 45 Jahre später geritten hat, ein Album mit neuen Songs aufzunehmen, weiß ich nicht, aber ich freue mich sehr Peter Astor leicht nölige Stimme wiederzuhören. „This Machine“ baut sich langsam auf und spätestens im letzten Drittel läuft die Machine auf allen Zylindern… und garantiert gut geschmiert.

Die Playlist gibts wie immer auf:

Apple Music, Spotify und Youtube

Berlin, 03.03.2025… so… schon wieder März… und Merz auch bald… aber was solls… Nummer 29 ist dran… Einstieg erfolgt mit „Just To Ask A Dance“… nein, die Tanzmaus traut sich noch nicht… erstmal orchestrales Intro, Synthies und Gitarren… na gut… warum nicht auch tanzen, aber eher im Keller… Heartworms ist das Projekt der Britin Jojo Orme und „Glutton For Punishment“ das gerade veröffentlichte Debutalbum und der Song ein Super Starter für dieses… und auch für diesem Sampler. Der zweite Song fängt auch eher klassisch an… etwas barock mit einem Cembalo, bevor der Song Fahrt aufnimmt… mit Gitarren, Mandoline und Saxofon. Black Country, New Road aus London haben bereits zwei Longplayer auf dem Markt… als der letzte erschien, nahm der Sänger aus gesundheitlichen Gründen seinen Hut und nunmehr wird Gesang und Songwriting unter den drei weiblichen Mitgliedern des Sextetts aufgeteilt. Die beiden Erstwerke gingen an mir vorbei… könnte sich ändern… „Besties“ klingt wie Belle & Sebastian als Progfolk Version. Mit der nächsten Band Panchiko kommt ein Internetphänomen… die Band aus Nottingham gab es Ende der 1990er Jahre erstmalig, mit mäßigem Erfolg… aber eine EP mit dem Namen „D>E>A>T>H>M>E>T>A>L“auf einer selbstgebrannten CD-R (die älteren unter uns erinnern sich was das ist…) wurde zum Mysterium und irgendwann zum Ansporn der Band, es nach über 20 Jahren nochmal zu versuchen… das zweite Album nach dem Neustart wird demnächst erscheinen und „Honeycomb“ ist ein schönes psychedelisches Stück Dreampop und ich bin gespannt, was da noch so kommt. Es folgt guter Pop aus Berlin, Fuffifuffzig machen mir schon länger Spaß, das beste Denglisch seit Falco und dabei auch noch (im Gegenteil zu Falco) komplett symphatisch… dahinter steht die Schauspielerin Vanessa Loibl und ich prophezeie an dieser Stelle eine steile Karriere. Mit einem schwebenden, verträumten Riff nimmt uns dann die Neuseeländerin Reb Fountain mit auf ihre aktuelle Single „Forever“ vom demnächst erscheinenden dritten Album der Singer/Songwriterin… Garbage meets Kate Bush. Sophia Kennedy ist gebürtige Amerikanerin und wuchs in Deutschland auf… demnächst erscheint ihr drittes Album „Squeeze Me“ und „Rodeo“ ist die Vorab-Single mit hypnotischen Piano Groove mit ein paar jazzigen Noten und ich höre auch ein bisschen… sagt man noch „Worldmusic“? Falls ich als Musik-Theorie-Banause daneben liegen sollte… aber im nächsten Song werden asiatische Einflüsse etwas deutlicher… Helen Ganya heißt die schottische Musikerin mit thailändischen Wurzeln und ihr drittes Album begibt sich auch auf die Spuren ihrer asiatischen Herkunft und dieser Crossover gefällt mir sehr gut. Apropos Crossover… was die Briten von Squid bislang so veröffentlicht haben, war mir irgendwie zu hoch… mit „Building 650“ kommt erstmals ein Song ins Spiel, mit dem ich etwas anfangen kann.. sicher war ich mir ja durchaus, das die ganzen Lobeshymnen für die Band keine Nullnummern sein können… manchmal kommt man aber einfach nicht ran… Song Nummer 9: Deep Sea Diver… waren letztes mal auch dabei mit dem ersten großen Hit des Jahres 2025 „Shovel“… nun ist das Album „Billboard Heart“ erschienen und das erste Album des Jahres, was ich relativ sicher in der Top Ten von 2025 sehe… mir gefällt auch die Vielseitigkeit… war „Shovel“ die PJ Harvey/Robyn – Mischung, gefällt „What Do I Know“ mit seinen kernigen Gitarren-Hooks. Es folgen so einige Songs, die man gut der Kategorie Dreampop zuschreiben kann… das ist ja hier nichts ungewöhnliches… aber mit Choke City begrüßen wir die erste Band aus Ungarn auf der langen Liste von Herkunftsländern der Interpreten auf den choice-Compilations. Die Band aus Budapest bietet eine Mischung aus Slowdive und Swervedriver… BEINN (die Ben ausgesprochen werden) kommen aus Brooklyn und bieten eine etwas härtere Ausgabe von Shoegaze und Post Punk… vielleicht irgendwie zwischen 1990s Smashing Pumpkins und… Swervedriver… damit kommen wir zum Original. Swervedriver haben neue Musik und „The World’s Fair“ ist der zweite gute Song der quasi Neuzeit… und er ist sehr gut… sogar ein Piano hör ich da… bislang waren mir nur elektrische Gitarren von der Band geläufig… passt aber sehr gut. Es folgt der Song mit dem ❤️ des Monats… vorher nie etwas von denen gehört… aber genau wie es bei mir so ist, wenn ich mich in der großen weiten Welt des Internets durch diverse Seiten kämpfe um neues musikalisches Material aufzuspüren, reichen häufig 2 Sekunden, um das wegzuklicken… sehr häufig sogar… andersrum geht aber auch… bei „If You Knew / Don’t You Worry, Baby“ dauerte es auch nur wenige Sekunden zu realisieren, das es sich hier um einen wahren Leckerbissen handelt. Fotoform heißt die Band aus Seattle und die Single ist kein Debut, es gibt bereits zwei Alben. Ich weiß garnicht an was ich zuerst denken soll… Cocteau Twins… Lush… Siouxsie… Pale Saints oder Slowdive… vielleicht auch alles auf einmal… ich bin mir sicher, das dieser Song in der Wertung der besten Songs 2025 ziemlich weit oben stehen wird. Musikalisch bewegen wir uns mit dem nächsten Song „Graze“ von She’s Green nicht weit weg… erstmal… es fängt recht soft an, aber im zweiten Drittel nimmt das Stück des Fünfers aus Minneapolis ordentlich Fahrt auf. Anschließend bleibts bei shoegazigem Dreampop und Dank Tipp von Stefan begrüßen wir heute nach Ungarn das nächste Land in der Historie der choice Sampler: Argentinien. Fin Del Mundo ist ein weibliches Quartett aus Buenos Aires, ihre Musik fällt in diesem Dreampop Block nicht weiter auf, selbst die spanische Sprache merkt man erst beim genauen Hinhören… passt auch gut zueinander. Von Buenos Aires nach St. Petersburg ist es dann geografisch ein sehr weiter Weg, musikalisch passt das prima… Blankenberge sind zum dritten mal dabei und auch die neueste Single „Escape“ ist leider sehr geil… ok, das Schema ist nicht neu… verträumte Frau singt verhuscht im Hintergrund und die Gitarren werden immer lärmiger… aber das ist schlicht großartig… schon wieder. Auch Broncho sind irgendwie psychedelisch unterwegs, anders als die letzten Songs aber… Radiohead meet Beach Boys vielleicht, „Funny“ bleibt jedenfalls lange im Ohr. Dann zum ersten mal hier: Beirut… natürlich aus New Mexico… seit Jahren dabei, aber nie hier gelandet… „Guericke’s Unicorn“ hatte mich vom Namen interessiert weil ich neulich für 43 Stunden in Magdeburg war und jener Guericke dort gewirkt hat… ist aber bisschen unklar, mit dem Einhorn (wem’s interessiert klicken). Wer ungefähr in meinem Alter ist und weder Blümchen, Scooter oder Napalm Death in den 1990ern gehört hat, war nicht verliebt in die auf den Bermudas geborene Schönheit Heather Nova (?) die eben auch noch ausgereiftes musikalisches Talent besitzt… wenngleich sicher auch kein unbegrenztes Repartoire… Sie war nie wirklich weg, aber so richtig verfolgen tue ich sie nicht… umso erfreulicher ist es dann aber, wenn dann ein Song vor dir steht, der dich wie ein alter Freund in den Arm nimmt… wie „Butterflies And Moths“… schuld war nur die Heather Nova… Zum Abschluß gibt es „The Stuff Dreams Are Made Of“ von Dilettante, einem Projekt der Britin Francesca Pidgeon, die sich irgendwo zwischen Radiohead, St. Vincent und Fiona Apple bewegt… fängt unspektakulär an… wird dann bisschen mehr und wenn dann Bläser einsetzen und man aus dem Traum erwacht, möchte man sich ein rotes Kleid borgen und im Park nach Kate Bush tanzen.

Playlist auf: AppleMusic, Spotify und Youtube

Berlin, 27.01.2025… Das alte Jahr ist Geschichte und endlich kommen wieder neue Sachen auf den Markt… nach Weihnachtsliedern und Best-Of 2024 wird das auch Zeit und es gibt einen schönen ersten Sampler des Jahres 2025… beginnen wird er mit dem Miki Berenyi Trio, genau wie die #27 und die #22 im letzten Sommer… angesichts der Tatsache das das neue Projekt der ehemaligen Lush Sängerin erst zwei Songs veröffentlicht hat ist das bemerkenswert… aber letzten Monat durfte „Vertigo“ die Best Of Compilation des letzten Jahres eröffnen, aus heiterem Himmel kam letzte Woche Song Nummer zwei… es ist der Opener des Albums „Tripla“, welches Anfang April mit einem Artwork a la 4AD Anfang 1990er erscheinen wird. Im Prinzip ist das MB3 eine verkleinerte Version von Piroshka, dem letzten Projekt Miki’s… Auf Schlagzeug wird jetzt verzichtet, dafür kommt etwas mehr Electronica ins Spiel, der Text ist wieder gesellschaftskritisch und nach wie vor allerfeinster Dreampop von Leuten, die das vor über 35 Jahren bereits prima konnten und diesen Sound in die Gegenwart exportiert haben… ohne das das auch nur annährend altbacken klingt. Nicht ganz so viel Erfahrung auf dem Buckel hat der nächste Act Blankenberge aus St. Petersburg… immerhin ist von denen aber auch bereits das vierte Album im Anflug, „Together“ ist die zweite Vorab-Single daraus… ich bin nicht mehr ganz so verblüfft wie bei „New Rules“, bei dem Song wo ich nicht in den Sinn gekriegt hatte, das das Musik aus Russland sein soll… anderseits… Nashville, Tennessey… da denkt man ja auch nich zwingend an Shoegaze und Post-Punk… schon gar nicht, wenn die Sängerin und Bandleaderin Maddie Kerr von mercury auf dem Cover einen feschen Cowboy-Hut trägt… aber hier gibt es keinen Country und die Gitarren werden mit ordentlich Strom gespielt… schöne Neuentdeckung. Aus Seattle kommt die nächste Band Deep Sea Diver… ein Projekt der Sängerin Jessica Dobson… „Shovel“ ist mein ❤️ des Monats, sie selbst sagt von dem Song, es ist ihr „Nick Cave meets Robyn Hit“… Nick Cave… naja… aber PJ Harvey schon, und der Refrain der dann völlig unvermittelt hochgradig poppig daherkommt… könnte durchaus von Robyn sein… oder irgendein anderer Act für die Tanzmaus McLarsen (TmMcL)… Das dazugehörige Album „Billboard Heart“ erscheint am 28. Februar. Bester Indie-Rock kommt ja auch immer wieder mal aus Neuseeland, so wie Coast Arcade aus Auckland. Ein Album ist noch nicht erschienen, dafür mehrere Singles… von denen „Afterthought“ die jüngste und meiner Meinung nach auch beste ist. Zu den Veteranen der Shoegaze/Dreampop Szene zählen auf jeden Fall die Briten von Swervedriver. Ihr Album „I Wasn’t Born To Lose You“ wurde 2016 mein Album des Jahres… letztes Jahr kam ohne große Ankündigung ein Album namens „Doremi Faso Latide“… was aber nur eine Raritätensammlung alter Stücke war, nun gibt es neues Material, was mir schon besser gefällt… „Volume Control“ ist Vorbote einer EP… die wiederum ein Album ankündigen könnte… wir werden sehen. Noch etwas härtere Gitarren gibt es von SOM, eine Heavy Shoegaze Band aus den Vereinigten Staaten, die eine wunderbare Verbindung aus harten Gitarren und absolut weichen Gesang von Sänger Will Benoit liefern… Harte Gitarren dominieren auch bei SUMO, einem Space-Postrock Trio aus Miami… und auch das macht Spaß, ohne Gesang… nur ein paar Samples und ab geht die Rakete. Als nächstes geben sich ein paar Legenden die Klinke in die Hand… erst Bob Mould mit dem Vorboten des ersten Albums nach 5 Jahren „Here We Go Crazy“… wieder etwas zahmer als das harte „Blue Hearts“, aber immer noch gewohnt kernige Songs vom Ex Hüsker Dü- und Sugar Sänger. Dean Wareham lässt es dagegen wie immer etwas ruhiger angehen, seine Bands Galaxie 500 und Luna waren Wegbereiter von dem Genre, was heute Dreampop heißt… sein nächstes Soloalbum erscheint Ende März und „You Were The Ones I Have To Betray“ signalisiert einige Vorfreude darauf. Auch Hamiltom Leithauser (ohne Schnarrenberger) ist ein Veteran der amerikanischen Indie-Szene… noch nicht ganz so lange wie die beiden Herren voran, aber mit The Walkmen hat er auch schon über 20 Jahre geliefert, allem Voraus dem Klassiker „The Rat“ von 2004… sein kommendes Soloalbum „This Side Of The Island“ erscheint in März. Der älteste Hero dieser Compilation aber ist Mike Scott, der seit Anfang der 1980er unter dem Namen The Waterboys Klassiker an Alben wie „The Waterboys“ (1983), „A Pagan Place“ (1984), „This Is The Sea“ (1985), „Fisherman’s Blues“ (1988) schuf, dann mit eher mittelmäßigen Platten durch die 1990er und 2000er kam und dann völlig überraschend 2011 mit dem Album „An Appointment With Mr. Yeats“ mein Album des Jahres veröffentlichte… mit Texten vom irischen Literaturnobelpreisträger William Butler Yeats (1865-1939). Erstmal war ich damals erst skeptisch, ob das eine gute Mischung ist… war es aber definitiv… nun geht es um Dennis Hopper (1936-2010), amerikanische Schauspielerlegende und Regisseur (Easy Rider, Apocalypse Now etc.)… warum soll das nicht auch wieder etwas gutes werden(?)… besser als die Alben der letzten Jahren, die in meinen Ohren ziemlicher Müll waren, kann es sowieso nur werden. Im April erscheint auf dem Sun Label (Immerhin Elvis Presley oder Johnny Cash) das Konzeptalbum „Life, Death And Dennis Hopper“ und die Vorabsingle „Hopper’s On Top (Genius)“ hat wieder die… in diesem Falle vielleicht etwas ironische Euphorie in Scotts Gesang, die erklärt warum diese Band, trotz allem Ausschuß der letzten Jahre immer noch zu meinen Alltime Favourites zählt. Jetzt aber genug mit den alten Säcken… es folgt mit JJULIUS eine schwedische Band, die auch in ihrer Landessprache singt… keine Ahnung um was es geht, aber ich mag das… Belle & Sebastian meets The Concretes (falls sich noch jemand erinnert). Der kurioseste Song folgt mit dem Song „S.N.C“ von DARKSIDE… ich habe keine Ahnung was uns die Amerikaner damit sagen wollen, aber nach mehrmaligen Hören find ich es großartig… man meint Spuren von „Walk On The Wild Side“ oder „Superstition“ zu hören… es wird funky… dann denkt man an Neo-Psychedellic Kram von Tame Impala oder King Gizzard & The Wizard Lizard… nach 6 Minuten ist man ordentlich eingegroovt und fragt sich: was war das denn?… ick finds geil. Danach begrüßen wir ein neues Land in der choice Serie… aus der Ukraine kommen Small Depo, die singen den Song „Емігрант“ (Emigrant) auch in Landessprache… wenn ihr mich fragt… ich hätte beim nicht genauen Hinhören fast gedacht, es wären die Spanier von Heroes Del Silencio, die mit ihrer Muttersprache in den 1990ern bekannt waren… tja… damals war alles noch etwas leichter… immerhin vereint choice#28 nun eine russische und eine ukrainische Band. Hab ich bei DARKSIDE gesagt der kurioseste Song(?)… der wird aber auf jeden Fall knapp verfolgt vom Projekt Abazaba… die haben sich dem Instrument Taishogoto verschrieben… eine Art japanische Zither… aber mit Steve Shelley (Sonic Youth Drummer), Eugene Hütz (Gogol Bordello Sänger) und einer Coverversion von Joy Division’s „Isolation“ brennt nix an… ziemlich wild, aber geil… geht einem fast der Allerwerteste auf… Grundeis… zufällig der Name der nächsten Band (mal wieder gekonnt Zusammenhänge hergeleitet, die keine sind)… Die Band aus Hamburg bringt Shoegaze, Dreampop und Noiserock zusammen und „Strange“ klingt für mich wie ein Hybrid aus Slowdive und Siouxsie & The Banshees… kann ja nicht verkehrt sein… isses auch nicht. Wir bleiben in Deutschland und hören als nächstes zwei Stimmen, die ich lange nicht mehr hörte, früher aber unbedingt mochte… Aydo Abay (Blackmail, Musa Dagh etc.) startet mit u.a. dem Beatsteaks Drummer sein neues Projekt No Body und singt auf der Single „Pancake Heart“ mit einer Person, die ich noch mehr vermisse,,, Suzie Kerstgens von Klee, die ein paar richtig gute Alben mit deutschsprachigen Dreampop vorzuweisen haben… leider waren die Kölner dann in Richtung Schlager abgedriftet. Es folgt Lucy Dacus mit neuem Material, sie war mit Phoebe Bridges und Julien Baker als Boygenius bei McLarsen mit dem Debutalbum 2023 auf Platz 3 der Jahresendabrechnung und für den Song „Not Strong Enough“ gab es sogar einen Grammy für das queere Trio. Nun erscheint Neues von Lucy Dacus und „Ankles“ ist der erste Vorgeschmack. Nicht weit entfernt von dieser musikalischen Richtung ist auch Miya Folick, eine ebenfalls amerikanische Singer/Songwriterin mit japanischen und ukrainischen Wurzeln. Ihr neues Album „Erotica Veronica“ erscheint Ende Februar und hat mit dem Titelstück und dem hier dargebotenen „This Time Around“ gleich zwei sehr gute Stücke am Start. Das Stück entstand spontan mit Kate Davis auf einem Küchenfußboden und ist bereits jetzt Anwärter auf die schönste Ballade des Jahres. Viel Spaß beim Hören.

Hier die Playlist auf Apple Music, Spotify und Youtube

McLarsen’s Irische Tagebücher #5: Belfast (November 2025)

Berlin im Dezember 2025… Ende November heißt es zum fünften Mal: Irland… mit meinem Freund André… von Freitag bis Montag in einer vorher ausgesuchten Gegend… nach Donegal, Limerick, Galway und Kilkenny heißt es dieses Jahr: Belfast. Zu unserer ersten Exkursion im Vor-Corona-Jahr 2019 konnten wir noch auf dem Weg nach Donegal Belfast direkt anfliegen. Seitdem hat sich einiges geändert in der Welt… Pandemie, Krieg und vollzogener Brexit machen den Unterschied aus. Belfast ist für die Fluglinien kein attraktives Ziel mehr. Damals arbeiteten und lebten viele Polen im Vereinigten Königreich, und die Nähe Berlins zu Polen wurde von diesen Leuten gern genutzt… nunmehr ist das zumindest in der hohen Anzahl nicht mehr der Fall, und so fliegt man nunmehr entweder mit 2 Fliegern oder aber die gewohnte Route nach Dublin und dann auf der Straße weiter nach Belfast. Letztere Möglichkeit nutzten wir in diesem Jahr… und zwar mit dem Bus. Stündlich verkehrt ein moderner Reisebus zwischen der Hauptstadt der Republik Irland und der Hauptstadt des britischen Landesteiles Nordirland… Fahrdauer: 2 Stunden. Man kann die Linie vorab buchen, da wir nicht sicher waren, ob der Flieger pünktlich kommt, hatten wir vorsichtshalber eine Stunde später gebucht. Es war aber auch gar kein Problem, mit dem Ticket eine Stunde früher zu fahren… das ist wahrscheinlich eher ein Problem, wenn die Verbindung stärker frequentiert wird. Um 14:30 parkte der Bus dann an der gerade neu gebauten Grand Central Station zu Belfast und wir machten uns auf den Weg zu unserer Unterkunft, einem Zimmer in Harpers Apartments in der University Street, die, wie der Name schon andeutet, im Universitätsviertel unweit vom Botanischen Garten liegt. Nach gut 20 Minuten waren wir dort und konnten unser Gepäck abstellen. Die ganze Zeit sahen wir in dem Haus keinen Menschen… wir hatten einen Code, der zu den Türen passte. Das Apartment war ordentlich… es fehlte an nichts. Nun war es aber an der Zeit, die letzten Minuten vor Einbruch der Dunkelheit zu nutzen und unseren Einführungs-Spaziergang anzubrechen. André war bereits ein paar Mal in der Stadt und kannte sich dementsprechend auch ganz gut aus… ich hatte die Wochen davor bereits die Landkarte studiert und war auch nicht orientierungslos… ich freue mich ja immer, wenn es vor Ort wirklich so aussieht wie auf Google Maps. Spaziergang ist gut… aber Durst ist nicht gut… also trug es sich zu, dass um 15:30 Uhr die ersten Pints Guinness auf dem Tisch standen… in der Bar Laverys.

...zumindest die ersten Pints sollten dokomentiert werden... im Laverys

Nach ein paar weiteren Pints ging es weiter stadteinwärts, vorbei an der Ulster Hall mit einer lebensgroßen Bronze-Statue von Rory Gallagher, dem berühmten irischen Blues- und Rockgitarristen, der eigentlich aus den County Donegal stammte… musikalisch steht man wohl auf der irischen Insel eng beieinander… außerdem ist Belfast eine „City Of Music“… eine UNESCO-Musikstadt… bei denen ist das Ziel, das kulturelle Erbe der Musik zu schützen, zu fördern und für die breite Bevölkerung zugänglich zu machen… in UK gibt es davon etliche Städte, u.a. Liverpool und Glasgow. Wir kamen am dominantesten Bauwerk der Stadt vorbei, der City Hall. Dieses Rathaus zeugt von der einstigen Bedeutung und dem Reichtum der Stadt, welche vor allem als Hafenstadt und vom Werft-Standort kommt. Die City Hall ist ein Bauwerk im Stil des Neobarocks vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Um den Komplex mit der über 50 Meter hohen Kuppel ist ein kleiner Park mit allerlei Statuen und Denkmälern… der größte Teil davon war gerade als Weihnachtsmarkt belegt und das Gebäude blau angestrahlt.

Alt und Neu im Stadtzentrum: Ulster Hall...
...mit der Rory Gallagher Statue... gimme the blues...
Die City Hall mit Weihnachtsmarkt

Auf Grund der Tatsache, dass wir bereits ein „paar Töppe gezogen“ hatten (Insider wissen, das André das gerne sagt) , mussten wir bald wieder nachlegen… erst mal gar nicht so wegen dem Durst, aber auf Einnahme folgt bekanntlich die Restrückführung der Getränke… hätte auch sagen können, wir mussten mal… also ins nächste Pub… das war in unserem Falle die Whites Beer Hall und man konnte es deutlich merken… es war halt Freitagabend… entsprechend voll waren jetzt sämtliche Pubs im Zentrum der Stadt. Die Commercial Court, eine winzige Straße ohne Autoverehr im Cathedral Quarter, gelegentlich auch Umbrella Street genannt, ist das Highlight für Partygänger im Zentrum, in ihr befindet sich das Duke Of York, eine der bekanntesten Pubs der Stadt… dort war natürlich amtlich voll und wir beschlossen, den Laden morgen nachmittag (wo er vermeindlich leerer ist) zu erkunden. Das nächste Pub war dann das 39 Gordon Street, wo „Come On Eileen“ der Song ist, an den ich mich erinnere. Es ging danach langsam in die Rückwärts-Bewegung.

Tresen-Romantik im Whites
Zentrum des Belfaster Frohsinns: Commercial Ct. mit den Umbrellas...
...und auch äußerlich mit vielen dekorativen Details.

Wir kamen zum Pub Bittles Bar. Es liegt in einem spitz zulaufenden Gebäude, was an dieses berühmte Hochhaus in New York erinnert (Flatiron Building)… allerdings etwa 70 Meter kürzer. Das Pub passt sich dem spitzen Winkel an und hat mir von Anfang an gefallen… ich war sicher, dass wir wiederkommen werden. Danach ging es weiter Richtung Unterkunft… aber das dem Bett naheste Pub mussten wir natürlich auch noch erkunden… quasi für alle Fälle, es war das Hatfield House wenige hundert Meter von der Unterkunft entfernt. Ein letztes Guinness reichte uns beiden, bevor wir beide in unser Apartment schwebten und ohne große Not in den Schlaf fanden.

Bittles Bar... aber ihr könnt ja auch lesen...
Motto des Ladens ist übrigens "No Half Pints"... they're right

Belfast ist die Hauptstadt von Nordirland, einem Landesteil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Die Stadt hat etwa 343.000 Einwohner und ist die zweitgrößte Stadt der irischen Insel – nach Dublin, der etwa zwei Autostunden entfernten Hauptstadt der Republik Irland. Die City liegt im Nordosten der Insel an der Mündung des River Lagan. Zu einer großen Stadt wurde Belfast erst im 19. Jahrhundert… 1888 bekam sie von Queen Victoria das Stadtrecht. Bedeutende Standorte der Industrie waren seinerzeit die Textilindustrie und der Schiffsbau… besonders berühmt war die damals weltweit größte Werft Harland & Wolff… diese bauten schließlich eines der berühmtesten Schiffe der Welt, auch wenn die Berühmtheit eine tragische war… das Schiff war schließlich die Titanic.
Tragisch war auch die weitere Geschichte der Stadt, die eine geteilte war und die Bühne für die „Troubles“ war, den blutigen Konflikt zwischen den katholisch geprägten irischen Republikanern und den protestantischen Anhängern des Vereinigten Königreichs. Seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 herrscht größtenteils wieder Ruhe, und die Stadt blüht nach langer Zeit langsam auf.
Sehenswürdigkeiten sind die City Hall (klingt ein bisschen pompöser als Rathaus), ein Stadtkern aus überwiegend viktorianischer Zeit. Es wurde ein Titanic Quarter auf dem Gelände der mittlerweile liquidierten Werft mit einem architektonisch bemerkenswerten Titanic-Museum sowie Hotel- und Büro-Bauten errichtet. Über das gesamte Stadtzentrum sind sogenannte Murals, also großflächige Gemälde an Hausmauern, zu besichtigen, die häufig von den Narben der Troubles handeln, die zwar getackert, aber noch nicht vollständig verheilt sind.

Blick zur City Hall

Am nächsten Morgen ging es zum Frühstück in eine Filiale der Restaurant- und Kneipenkette Wetherspoons… nicht unbedingt, weil wir Fan des Brexiteers Tim Martin sind, aber wenn man ein super Frühstück mit allem Drum und Dran inklusive Kaffee-Flatrate zum Preis eines Pints Guinness haben kann, dann vergisst man mal kurz die eigene Political Correctness… Gut gestärkt liefen wir dann zum Platz an der City Hall, von dort fahren alle Busse sternförmig in alle Richtungen der Stadt. Wir nahmen den Bus Richtung Norden… Ziel war das Belfast Castle. Wir hatten den Touri-Platz vorne oben auf dem Doppeldecker und fuhren etwa 15 Minuten zum etwas abgelegenen Castle. Das Wetter war durchwachsener als vorgesehen, aber pünktlich zum Ausstieg war die Regenwolke weitergezogen.

Nicht gerade Hollywood… aber ein kleiner Eindruck von Belfast aus dem Linienbus…

Das Belfast Castle steht am Hang des Berges Cave Hill (370 m). Es ist ein Bauwerk aus dem 19. Jahrhundert und wird heute als Museum genutzt. Besonders schön war der Ausblick vom Castle auf die Stadt, insbesondere auf das Hafengebiet… einen schönen Garten gibt es dort auch zu besichtigen. Rückzu ging es dann per pedes, und zwar bergab und auf Nebenstraßen, vorbei an einem See und dem Park Waterworks, wo sich Unmengen von riesigen Kanadagänsen tummelten… als ob Weihnachten nicht vor der Tür stünde.

Das Belfast Castle
Blick vom Castle auf Hafen und Titanic Quarter
André bei der Wahl des Weihnachtsgerichts im Waterworks Park

Einige Zeit später waren wir wieder zurück in der Nähe des Stadtzentrums am Carlisle Circus, dem Kreisverkehr, der in dem Bus-Video zu sehen ist. Es war inzwischen 12:00 Uhr und wir hatten einige Kilometer auf dem Tacho und kamen zufällig an der Criterion Bar vorbei und waren uns nach kurzer Überlegung einig, dass der erste Pint des Tages nicht länger warten sollte. Bevor es dort aber zu gemütlich wurde, ging die Erkundung weiter… nicht sonderlich weit… wenige hundert Meter entfernt gibt es das Crumlin Road Gaol Prison… ein 1996 geschlossenes Gefängnis, welches als Museum besichtigt werden kann. Wenn man aber nur mal schnell gucken will, geht das auch im Visitor Center, wo eine kleine Ausstellung zumindest einen kurzen Eindruck von der speziellen Immobilie vermittelt. Seit etwa 10 Jahren produziert in einem Flügel des Knastes die Belfast Distillery Company. Die Firma ist größtenteils das Kind eines Busfahrers, der im Lotto gewonnen hat und statt einer Herren-Boutique in Wuppertal das Geld in eine Whiskybrennerei in Belfast investiert hat. Die bekannte Marke der Brennerei heißt McConnell’s. Wir schauten uns auch hier im Visitor Center um, eine Besichtigung mit anschließender Verkostung hätte aber unseren Tagesplan durcheinandergebracht.

Crumlin Road Gaol Prison
Im Westflügel residiert die Belfast Distillery
...noch als Knast zu erkennen... Visitor Center der Brennerei

Unser weiterer Weg führte uns in die dunklen Ecken der Stadt. Jeder hat irgendwann mal irgendwas über Mord, Totschlag, Terror im Nordirland-Konflikt gehört… der nordwestliche Teil von Belfast zeigt die Spuren davon. Die Gegend ist ein wenig beklemmend, man sieht Tore an ganz normalen Straßen, die damals zu gewissen Zeiten geschlossen wurden, man sieht Mauern, über deren Höhe Walter Ulbricht neidisch gewesen wäre… man sieht eine ziemlich hässliche Gegend, die ein Mix aus Wohnblöcken, Industriegebiet und Brachflächen ist… im grauen Spätnovember Belfasts nicht gerade da, wo man heimisch sein mag… aber das Leben ist nicht immer ein Wunschkonzert und heute ist es weitaus ungefährlicher als vor dem Karfreitagsabkommen von 1998. An vielen Ecken gibt es Mahnmale über die Zeit des Terrors… von beiden Seiten des Konflikts. Die Gedenkstätten werden vom Tourismus angesteuert und Zeitzeugen geben vor Ort Auskunft… wir waren nur am Rande Zeugen davon… aber die Leute, die dort referierten, hatten noch ziemlich viel Emotionen in ihren Ausführungen (oder war es Hass?)… Es gibt sicherlich viele Narben der Geschichte, die nur schwer heilen… ich war froh, als wir dann wieder die Richtung Innenstadt ansteuerten.

Eine von vielen Gedenkstätten des Terrors...
...die Erinnerungen werden bewahrt...
Die Belfaster Mauer ist heute bunter als früher...
..die bunten Mauern übertünchen die Tristesse

Zurück im Stadtzentrum gab es erstmal ein Irish Stew in einem veganen Imbiss… das hatten wir beim Reinkommen gar nicht bemerkt… statt Fleisch hatte der Eintopf Champignons… genau wie ich das in der vegetarischen Version des kulinarischen Klassikers im Offside auch mache… die konnten das aber auch gut 😉 Plötzlich waren wir wieder im Commercial Court und wir wollten ja noch das berühmte Duke Of York kennenlernen… nun gut… es war inzwischen auch bereits 16:00 Uhr und wenn der Laden abends zuvor voll war, dann war er jetzt rappelvoll… aber das beeindruckt mich immer wieder… irgendwo findet man immer einen Platz zum Trinken… was das Pub angeht… ich hab ja schon viel gesehen und das Offside ist ja auch alles andere als schlicht… aber dort weiß man wirklich nicht, wo man als Erstes hingucken soll… dann diese Unmenge an Menschen und eine Geräuschkulisse wie auf dem vollsten Bahnhof der Welt… war schön gewesen… nach einem Pint ging es dann aber trotzdem weiter… viel leerer war es aber im Thirsty Goat auch nicht… egal… jedenfalls war dort irgendwann das Guinness alle (!)… Sakrileg! Zum Glück gibt es Alternativen und die Bittles Bar von gestern war ja prima… wir mussten einige Zeit (mit Bier) draußen warten, bis wir drinnen Platz fanden. Es war dann so gegen 20:00 Uhr, als wir dann grob Richtung Unterkunft steuerten… natürlich nicht, um dort anzukommen, sondern die letzte Station zu beginnen. Es war das Empire, Pub und Veranstaltungsort für Konzerte und andere Events… direkt gelegen an der Bahnstation Botanic. Wir hatten Glück, einen kleinen Tisch auf der Empore zu ergattern und stärkten uns mit Speis und Trank, begleitet von Premier League auf den Leinwänden… war wieder prima… irgendwann waren wir dann durch mit dem Tag und es ging ab ins Bettchen.

Interior im Duke Of York
Politische Kunst In Bittles Bar (ich kann sie nicht erklären)

Das pulsierende Stadtzentrum am Samstag-Abend…

...und am Sonntag-Morgen...

Den dritten Tag starteten wir wieder beim Wetherspoon zum Frühstück, dann schlenderten wir durch die komplett verwaiste Stadt, die gestern noch so belebt war… wahrscheinlich waren die Feierbiester noch müde und der andere Teil in der Kirche… es war schließlich Sonntag. Eine Kirche war auch die erste Station, nämlich die Belfast Cathedral, ein recht großer Bau im Stil der Neoromanik, geweiht 1904. Vor ein paar Jahren bekam die Kirche eine 40 Meter hohe Stahl-Nadel auf das Dach… warum auch immer… Da sie Eintrittsgeld von… ich glaube 8 €… haben wollten, reichte uns die Außenansicht.

Die Belfast Cathedral mit ihrer Nadel
Auf dem Weg ins Titanic Quarter begegneten wir einen Fisch

Unser nächstes Ziel war das Titanic-Quarter, also der Teil Belfasts, an dem früher die größte Werft der Welt stand… Harland & Wolff. Ein Teil des Gebietes, das sich ganz schön in die Länge zieht, ist auch heute noch Gewerbegebiet, früher malochten hier bis zu 30.000 Arbeiter, heute sind es wohl eher um die 200. Das Viertel macht sich schick, alte Industriearchitektur steht neben modernen Neubauten. Am auffälligsten ist das Titanic Belfast Museum, ein Gebäude mit Anklängen an Schiffsformen… 38 Meter hoch… genau wie die Titanic. 2012, also genau 100 Jahre nachdem das Schiff bei seiner Jungfernfahrt sank, wurde das Gebäude von Queen Elizabeth II. eingeweiht. Eintritt kostet gar 28 € oder so… und da wir ja den Film kennen und wissen, dass Jack nicht überlebt hat, sparten wir uns diese Weiterbildungsmaßnahme. Es gibt ein Visitor-Center und einen riesigen Shop mit allem… wirklich allem Tinnef zum Thema Titanic… bemerkenswert. Wir streiften weiter über das Gelände, das auch weiter bebaut wird. Am Ende liegt die HMS Caroline, ein Ex-Kriegsschiff zur Besichtigung, und im ehemaligen Pump House eine weitere junge Whiskybrennerei… sie heißt… ihr werdet es ahnen… Titanic Distillery. Auch hier gab es nur einen kleinen Schlenker durch das Visitor-Center und die Brennblasen konnte ich auch durchs Fenster fotografieren… sogar mit der HMS Caroline in der Reflexion.

Am River Lagan im Titanic Quarter

Das Titanic Belfast Museum
Der Lagan auf dem Weg in die irische See... mit Fähranlegern
Die HMS Caroline ... im Hintergrund die Titanic Distillery
Brennblasen und Kriegsschiff hatte ich noch nie auf einem Bild...

Eine kurze Erwähnung sollte auch das Wetter erhalten… es war tagsüber überraschend schön… was dann auch viele tolle Bilder ermöglichte. Nach dem Titanic Quarter ging es dann zurück in die Innenstadt… vorbei am Albert Memorial Clock Tower… ein Mini-Big Ben mit leichter Neigung. Nächstes Ziel war der St. George’s Market, eine riesige, alte Markthalle, in der so einiges los war. Um bestmöglich in die Atmosphäre dieses alten Gebäudes aus viktorianischer Zeit eintauchen zu können, wählten wir einen Emporenplatz und zwar mit den ersten Pints als Verpflegung… immerhin eine Stunde später als gestern… hat Spaß gemacht, als Belfaster wäre ich sicher öfters da.

Albert Memorial Clock Tower

Im St. George’s Market

Promenade am River Lagan

Nach einer Weile ging es dann aber weiter, entlang des schönen Uferweges des Lagans Richtung Botanischer Garten. Gegen 15:00 Uhr erreichten wir den Park und besichtigten das Palmenhaus… ein Bau aus dem Jahr 1839 mit viel seltener Flora. Gleich nebenan befindet sich das Ulster Museum, was sogar gratis gewesen wäre… aber wir wollten lieber ins Botanic Inn schräg gegenüber und neben Guinness trinken ein wenig Fußball schauen… meine Liverpooler haben gerade eine kleine Krise… aber heute hat mal wieder ein Sieg geklappt… cheers… Auf der anderen Straßenseite befindet sich das Post House… ein weiteres Pub, in dem wir dann auch feste Nahrung einnahmen. Es war danach schon dunkel und als wir wieder rauskamen, war das schöne Wetter weg und es regnete reichlich. Wir beschlossen, den Tag im Empire zu beenden und liefen vorbei an den schönen Gebäuden der Universität zu dem Platz, der gestern noch aus allen Nähten platzte… sonntags ist das deutlich entspannter. Es gab Livemusik mit zwei jungen Künstlern, deren Soundcheck deutlich länger dauerte als der eigentliche Set… trotzdem nett… vielleicht sind sie in ein paar Jahren berühmt und wir waren dabei. Irgendwann ging es dann wieder in die Unterkunft und damit der Trip auch langsam zu Ende.

Das Palmenhaus im Botanischen Garten
Die Universität von Belfast

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück zurück zur Grand City Station… Bus nach Dublin… reichlich Aufenthalt auf dem Airport, Flug nach Berlin, FEX zum Gesundbrunnen. Schön war’s mal wieder… Belfast ist eine sehr interessante Stadt mit vielen Facetten… es hat sich absolut gelohnt, sie mal kennenzulernen… sicher nicht die schönste Stadt, aber ein Ort mit Charakter und Geschichte… mal sehen, wo es uns nächstes Jahr hin verschlägt. Mein Dank gilt Nina, die zuhause die Stellung gehalten hat und mich auch vertreten hat.

Auf dem Rückflug

Wie immer folgen noch ein paar Fotos …ohne viel Worte…

Am Belfast Castle
...hatten wir... versprochen...
Cocktails wiederum hatten wir nicht...
In der Belfast Distillery
...und in der Titanic Distillery
Im Titanic Quarter
Malerei auf Hauswänden hat in Belfast Tradition
Letzter Abend mit Livemusik

McLarsen im Land der tausend Biere V. Buttenheim & Forchheim (September 2025)

Berlin, 08.10.2025… Zum fünften Mal trafen sich Ende September 7 Kumpels aus Potsdam und Berlin, deren größte Schnittmenge die Beziehung zum Offside ist, Zur Bierwanderung durch Franken. Hier folgt ein kurzer Abriss der zwei Wandertage… es mag ausführlichere Reiseberichte von mir geben, aber die Abläufe sind ähnlich und ich werde es kurz halten. Anreisetag war Donnerstag, 25.09.2025. Ich kam von meinem Aufenthalt in Augsburg, über den hier gelesen werden kann, der Rest mit Auto bzw. Bahn aus Berlin. Residenzstadt ist die Ortschaft Buttenheim, 15 Kilometer südlich von Bamberg, 45 Kilometer nördlich von Nürnberg. Der Ort hat etwa 3700 Einwohner und ist Geburtsort von Jeans Erfinder Levi Strauss. Was die Gemeinde selbst für uns interessant machte, ist die Tatsache, dass sie inmitten von Bierfranken liegt und mit Löwenbräu und St. Georg selbst zwei Brauereien hat. Unterkunft bezogen wir im Hotel am Markt im Ortskern, direkt gegenüber von den Brauereien. Die Bahn tat mal wieder alles, dass ich trotz kürzestem Weg als Letzter erschien. Leider waren zu der Zeit alle drei Gaststätten im Ort geschlossen… seit Corona konzentriert man sich auch hier auf das Wochenende. Bis zur Öffnung eines etwas weiter gelegenen Gasthauses um 17:00 Uhr erfreuten wir uns erst mal über die liebevoll mit lokalem Bier bestückten Kühlschränke des Hotels. Danach setzte sich die Truppe in Bewegung zum 2 Kilometer entfernten Restaurant Eggloffsteiner Hof, in dem es ein deftiges Abendbrot und fränkisches Bier gab. Nach der Rückkehr ins Hotel ließen wir mit dem einen oder anderen Kühlschrank-Bier den Anreisetag ausklingen.

09:30 Uhr... Start der großen Wanderung am Hotel
Der Weg am Main-Donau Kanal
10:30 Uhr... zweites Frühstück

Um 09:30 startete der flotte Sechser (Hansi war das Schnitzel vom Vortag auf den Magen geschlagen) Richtung Hirscheid. Am Ufer des Main-Donau-Kanals liefen wir gut 4 Kilometer zum ersten Ziel: dem Brauerei-Gasthof Kraus. Dort gab es die ersten Krüge des Tages, bevor es dann auch bald weiter ging. Von Hirscheid aus liefen wir irgendwie querfeldein nach Matthias’ Wander-App. Der Weg, der gefühlt nur bergauf ging, konnte nicht alle überzeugen… aber irgendwann standen wir dann vorm Gasthof Walz in Rothensand, und ein frisches Bier konnte durchaus helfen. Die nächste Station war das etwa 4 Kilometer entfernte Brauhaus am Kreuzberg… für Berliner ja schon wegen des Namens ein Pflichtbesuch. Das Brauhaus, inmitten der Pampa, war riesengroß und modern, mit Selbstbedienung und der Möglichkeit von Erlebnis-Führungen… nun ja… das Essen war gut und das Bier lecker… die Atmosphäre wurde dann aber auch schnell als Ort mit dem Charme einer Autobahn-Raststätte betitelt…
Auf Social Media antwortete jemand darauf, dass da im Sommer mehr Leute sind als auf der A9 nach Berlin… kann ich nachvollziehen… fand es trotzdem nicht schlecht.

Auf dem Weg zum Kreuzberg
Brauhaus am Kreuzberg

Die nächste Station war – kaum einen Kilometer entfernt – der Bierkeller Roppelt in Stiebarlimbach… dort war eher das Gegenteil zum Kreuzberg zu sehen… klein, sympathisch und überhaupt nicht überlaufen… aber es war Ende September, und die Biergartensaison neigte sich eh dem Ende entgegen.
Apropos… das Wetter war für unsere Wanderung absolut genial – wir hatten 16 Grad, es war bewölkt und trocken.
Weiter ging es dann nach Hallerndorf zur Brauereischänke Rittmayer. In unseren Planungen hatten wir offen gelassen, ob wir hier die Wanderung nach etwa 15–17 km gemütlich ausklingen lassen und mit einem Taxi zurückfahren, oder aber weiterwandern. Die Antwort bot der Gasthof Rittmayer selbst… dort war nämlich geschlossene Gesellschaft in Form einer Hochzeit (natürlich nirgendwo kommuniziert). Freundlicherweise wurde uns dort aber ein Bier vor der Schänke genehmigt… weiter ging es dann, vorbei an äußerst aggressiven Gänsen, zwei Kilometer zur Gastwirtschaft Georg Schwarzmann nach Trailsdorf. Dort war es gnadenlos überfüllt, und wir liefen gleich weiter zur Brauerei Witzgall. Dort sah es gar geschlossen aus, aber durch einen versteckten Geheimeingang kamen wir auf einen kleinen Hof und bekamen ein hausgebrautes Kellerbier, was ich durchaus sehr lecker fand.

Im Bierkeller Roppelt

Inzwischen war es 18:00 Uhr, und vor dem Rückweg bedurfte es noch einer Einkehr zum Abendessen. Also wurde die Tour mal spontan umgeplant und führte uns nach Eggolsheim in die Gaststätte „Blaue Maus“. Hierbei handelt es sich um die älteste deutsche Malt-Whisky-Distillery – bereits seit 1983 wird hier Whisky hergestellt. Es war durchaus ein Zufall, dass unsere Truppe, die sich hauptsächlich wegen Whisky kennt, eher zufällig an diesen Ort einfindet.
Das Restaurant war gut besucht, aber wir hatten Glück, dass wir einen Tisch für 7 Personen bekamen… Hansi war wieder fit und kam mit dem Auto dazu. Es war ein schöner Abschluss des ersten Wandertages – ein Teil der Wandergruppe machte die 30 Kilometer noch voll, ich und andere fuhren dann aber auch gerne mit Hansi im Auto zurück.
Ich hatte 35.000 Schritte, etwa 25 Kilometer und einige Liter Bier auf dem Tacho… nun war ich einigermaßen platt und hatte keinerlei Probleme, sofort ins Bett zu fallen.

Blaue Maus... aber steht ja drauf...
Whiskydestillerie Blaue Maus

Der zweite Wandertag am Samstag hatte deutlich weniger Kilometer auf dem Plan. Das Ziel war die Stadt Forchheim mit drei Brauereien und einer enormen Ansammlung von Bierkellern. Die Stadt Forchheim ist Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, hat etwa 34.000 Einwohner und eine kleine, hübsche Altstadt. Wir nahmen die Bahn und fuhren etwa 10 Kilometer bis zum Bahnhof Forchheim-Nord. Als Erstes wollten wir die Brauerei Greif besuchen, aber vor Ort mussten wir erfahren, dass die gastronomische Abteilung gerade im Urlaub ist… auch das hätte mal irgendwie kommuniziert werden können… nun ja… die Gastwirtschaft Achhörnla war auch nicht weit und so gab es das erste Bier des Tages gegen 11 Uhr und es gab Staffelberg-Bräu.

Start zum zweiten Wandertag

Anschließend gab es eine kleine Besichtigung der Altstadt… es gibt Fußgängerzonen, Fachwerk und Reste der Stadtbefestigung. Direkt im historischen Stadtzentrum, gegenüber vom Rathaus, befinden sich die anderen beiden Brauereien der Stadt: Neder und Hebendanz… nur zwei Häuser auseinander. Ihre Schankstuben waren bereits gut besucht und in beiden Lokalen ging es sehr volkstümlich zu… das Bier war wie erwartet fränkisch gut.

Besichtigung der Forchheimer Altstadt
Die Brauhäuser Hebendannz (links) und Neder (rechts)

Danach ging es auf den Kellerberg, Deutschlands warscheinlich größtem Biergarten… insgesamt 23 Bierkeller befinden sich auf dem Berg im Osten der Stadt. An dem Samstag, an dem wir da waren, hatten nur wenige geöffnet, aber man kann sich gut vorstellen, was hier im Sommer abgeht, etwa am Annafest im Juli, wo alle aufhaben. Was wir dann wann und wo getrunken haben, ist mir entfallen, ein Highlight war jedenfalls das Schäuferla, das ich mir zum Mittag gegönnt habe… ein besseres hatte ich noch nicht mal in Bamberg. Inzwischen wurde es bereits ein wenig dunkler und die Gruppe machte sich langsam auf den Weg zurück. In Buttenheim ließen wir den Tag dann langsam im Löwenbräu ausklingen, was auch nochmal sehr schön war.

Bierkeller auf dem Forchheimer Kellerwald

Am nächsten Morgen gab es zum letzten Mal das sehr gute Frühstücksbuffet von den Hotels der Familie Schuberths, die ich an dieser Stelle gerne empfehlen möchte. Es war wieder eine gelungene Zeit miteinander. Die große Wanderung war vielleicht ein bisschen lang, aber wir sind ja keine Amateure mehr. Am Sonntag ging es zurück nach Berlin bzw. für Matthias in den Urlaub. Ich freue mich bereits aufs nächste Jahr. Mein Dank gilt Nina, die die komplette Woche meine Arbeit mit erledigt und mir den Rücken freigehalten hat.

McLarsen in Augsburg (September 2025)

Augsburg, 22.09.2025… Der Sommer ist weitestgehend vorbei… Zeit für die Woche im Jahr, die andere vielleicht als Jahresurlaub bezeichnen würden. Im August 2020 fand zum ersten Mal eine Bierwanderung mit Freunden statt, seitdem fast jährlich in Franken… Gelegenheit für mich, mal weitere Ziele in Süddeutschland kennenzulernen und dann zur Bierwanderung nach Franken zu stoßen. Bisherige Ziele waren Bamberg, Nürnberg, Würzburg und Regensburg… dieses Jahr: Augsburg… eine Stadt, in der ich noch nie war… ok… jeder kennt sie, vom Hören und Sagen, von der berühmten Renaissance-Architektur, der Fugger-Dynastie, der Augsburger Puppenkiste oder dem FC Augsburg… der mich schon mal deshalb nervt, dass sie nie absteigen wollen… aber eine andere Baustelle. Wie immer habe ich mich im Vorfeld etwas belesen und bin mittlerweile sehr gespannt, diese historisch bemerkenswerte Stadt im schwäbischen Teil Bayerns kennenlernen zu dürfen.

In der Fuggerei

In den McLarsen-Reiseberichten hat es natürlich auch Tradition, die Abenteuer der Reisewege zu erwähnen… die waren heute auch wieder nicht ohne… Bereits vor 07:00 Uhr, bei Erklingen eines Mitteilungstones meines Handys, wusste ich sofort… irgendwas mit dem Zug haut nicht hin… Und prompt war es so: Der ICE aus Hamburg konnte wegen Oberleitungsschaden bei Uelzen nicht kommen… Ok… ein Ersatzzug setzte dann am Berliner Hauptbahnhof ein und war brechend voll… Keine Ahnung, wo da noch die Hamburger hätten sitzen sollen… Es war ein Tag nach dem Berlin-Marathon und die Hälfte des Zuges waren medallientragende, trainierte Amerikaner aller Altersklassen, mit den stolzen Ehefrauen an der Seite… Wahrscheinlich auf dem Weg zum Oktoberfest nach München, wohin ich ja auch erst mal musste. Da einige Züge ausfielen, hatte der ICE 703 einen zusätzlichen Wagen (Nr. 8) dabei und brauchte von der Fahrdienstleitung oder so etwas Ähnlichem eine Genehmigung dafür… Diese dauerte exakt eine Stunde, dann durfte der ICE nach München losfahren… Ähm… ähh… kann man sich nicht ausdenken… Egal, eine Stunde war weg, ab München ging es dann mit dem Bummelzug in 42 Minuten nach Augsburg.

Der Fuggereibrunnen
...alles im Griff... individuelle Klingelgriffe

Vom Hauptbahnhof waren es etwa 20 Minuten zum Hotel, die ich natürlich zu Fuß erledigte, vorbei an etlichen Sehenswürdigkeiten, die ich bereits von der Recherche (theoretisch) kannte. Als Residenz wählte ich das Hotel Jakoberhof, ein wenig östlich vom Stadtkern, direkt bzw. schräg gegenüber der berühmten Fuggerei. Ich buchte eigentlich ein günstiges Einzelzimmer, bekam dann aber ein Familienzimmer im dazugehörigen „Neubau“, wohl ein Haus der Nachkriegszeit, welches sicher einmal ein Wohnhaus war… aber nicht übel… der unerwartete Bonus von zwei zusätzlichen Betten… könnte ja jede Nacht wechseln 😉 Nach einer kurzen Erfrischung nach der langen Bahnfahrt bzw. Bahnstand nutzte ich die Nähe meiner Herberge und besuchte die Fuggerei. Für 8 € erhält man ein Ticket zur Besichtigung einer der ältesten noch existierenden Sozialsiedlungen der Welt mit zahlreichen musealen Einkehrmöglichkeiten… so wurden Wohnungen gezeigt, wie sie früher wohl mal ausgesehen haben, Porträts der Bewohner und sehr gut in Szene gesetzt auch in einem Bunker, die Kriegstage der Stadt Augsburg, bei denen etwa ein Drittel der Fuggerei zerstört wurde. Da das Wetter nicht gerade der Hit war… schottischer Dauer-Nieselregen quasi, war es auch angenehm leer in dem Touristen-Magnet, was mir diverse schöne Fotos ohne Menschen brachte.

In den musealen Teilen der Fuggerei

Die Augsburger Fuggerei ist eine der ältesten noch existierenden Sozialsiedlungen der Welt. Sie wurde 1521 von Jakob Fugger (1459–1525) gegründet, der auch den Namen „der Reiche“ trug. Fugger war zu seiner Zeit der wahrscheinlich reichste Mensch des Planeten. Mit seinem Geld nahm er Einfluss auf Politik und Religion; Könige, Kaiser und Päpste machten sich durch seine Kredite abhängig. Einen Teil seines Geldes, bzw. auch das seiner Nachfolger, investierte er in die Reihenhaussiedlung Fuggerei… eine Art sozialer Wohnungsbau des späten Mittelalters. Wer den Wohnberechtigungsschein mit Dringlichkeit erhalten wollte, musste Augsburger Bürger, katholisch sein und einen guten Leumund haben. Die Jahresmiete betrug damals einen Rheinischen Gulden… heute umgerechnet auf 0,88 €. Die Siedlung wurde zwischen 1516 und 1523 erbaut, es gab 6 Gassen mit 52 Häusern und 102 Wohnungen. Zentrale Punkte der Anlage sind die Kapelle St. Markus und der Fuggerbrunnen. Bei der schweren Zerstörungsorgie in Form des Luftangriffs vom 25. bis zum 26. Februar 1944 wurde etwa ein Drittel der Siedlung zerstört. Nach dem Krieg wurde recht schnell wieder aufgebaut, der Bedarf an Wohnraum war schließlich sehr hoch… in diesem Zuge wurde die Anlage sogar auf 140 Wohnungen vergrößert. Heute ist die Fuggerei ein Touristenmagnet mit richtigen Bewohnern und musealen Teilen. Finanziert wird die Anlage nach wie vor aus dem Besitz der Fugger-Nachfolger… sie nennen sich Fürstlich und Gräflich Fuggersche Stiftungs-Administration.

Abstieg zum Luftschutzbunker
Neptunbrunnen mit Fuggerei im Hintergrund

Nach der Besichtigung der Fuggerei war es Zeit, den leeren Magen zu befriedigen und dazu wählte ich den Brauerei-Gasthof Drei Königinnen, ganz um die Ecke. Der Gasthof braut nicht selbst, sondern verkauft Bier von Augusta-Bräu. Der Laden ist extrem geschmackvoll, vor sicher nicht allzu langer Zeit renoviert worden, und war eine äußerst angenehme erste Überraschung der Augsburger Gastronomie. Das Bier (Helles, Keller, Dunkles) war lecker, und die Bauernpfanne von der Tageskarte für 15 € fast schon sensationell – dazu super Service.
Nach dem Abendessen streifte ich etwas durch die nahe Umgegend. Das Lechviertel mit seinen vielen Kanälen ist sehr schön, und die altmodischen Laternen schaffen eine sehr melancholische, aber zugleich warme Atmosphäre. Besonders schön war eine schmale Treppe namens Butzenbergle.
Danach ging es noch ins Flannigan’s Post zum Guinness … die sind Irish Pub mit mexikanischer Küche … auch nicht schlecht … das Guinness war ordentlich und das junge Team tadellos … es gab Pub-Quiz auf Englisch … war aber eh nicht mein Ziel …
Kurz nach 22:00 ging es zurück ins Hotel, und morgen wird richtig viel Augsburg erkundet … bevor es übermorgen voraussichtlich richtig regnet …

Butzenbergle

Augsburg ist eine Großstadt im schwäbischen Teil Bayerns. Sie liegt etwa 80 Kilometer nordwestlich von München und ebenfalls etwa 80 Kilometer östlich von Ulm. Mit etwa 300.000 Einwohnern ist Augsburg nach München und Nürnberg die drittgrößte Stadt in Bayern und belegt in der Liste der einwohnerreichsten Städte Deutschlands Platz 23. Die Universitätsstadt liegt an mehreren Flüssen, von denen der Lech der größte ist. Die Stadt verfügt über ein weit verzweigtes Wassersystem mit Bächen und Kanälen mit über 500 Brückenbauwerken. Seit 2019 ist dieses System unter dem Namen Augsburger Wassermanagement-System Teil des UNESCO-Welterbes.
Augsburg ist eine der ältesten deutschen Städte, die aus einem römischen Heerlager hervorging… der Name Augsburg geht auf den römischen Kaiser Augustus zurück.
Augsburg war Bischofssitz und Reichsstadt, im späten Mittelalter zählte die Stadt mit Köln, Prag und Nürnberg zu den größten Städten des Heiligen Römischen Reiches… Apropos reich… mit der Familie Fugger lebten in Augsburg die damals reichsten Menschen der Erde, was auch auf die Stadt abfärbte, so wurde mit der Fuggerei eine der ältesten Sozialsiedlungen der Welt errichtet. In der Zeit der Renaissance entstanden prächtige profane Bauwerke wie das Rathaus von Elias Holl. Weitere Sehenswürdigkeiten sind mehrere Tore der alten Stadtbefestigung, diverse Stadtpaläste und viele historische Brunnen. Weiterhin bedeutend sind mehrere, meist aus dem Mittelalter stammende Sakralbauten, wie der Augsburger Dom und die Basilika St. Ulrich und Afra.
Im Februar 1944 wurden große Teile der Innenstadt durch Luftangriffe zerstört. Die Angriffe galten besonders den Produktionsstätten von MAN und Messerschmidt. Die Stadt wurde nach Kriegsende weitestgehend wieder aufgebaut.
Augsburg ist weiterhin bekannt für das Marionettentheater „Augsburger Puppenkiste“, die es seit 1948 gibt und die seit den 1950er Jahren zu den bekanntesten Bühnen Deutschlands zählt.

Rotes Tor mit Heilige-Geist-Spital, Heimat der Augsburger Puppenkiste (links)
Ulrichsgasse mit Basilika St. Ulrich und Afra im Hintergrund

Nach dem eher durchschnittlichen Frühstücksangebot im Hotel ging es dann Punkt 10 auf die Piste… erstmal relativ rund um die Stadtmauer, welche teilweise erhalten ist und von denen auch noch etliche Stadttore existieren. Begonnen hab ich die Tour am nahen Jakobertor, dann kam der Vogeltor-Torturm (hab mir den Namen nicht ausgedacht), dann das rote Tor, direkt neben dem Heilige-Geist-Spital, das heute die berühmte Augsburger Puppenkiste beherbergt. Wie so viele andere Dinge in dieser Stadt wird auch dort umgebaut, so dass man nur einen Blick von außen haben konnte. Von dort aus ging es durch niedliche kleine Gassen vorbei an der riesigen Basilika St. Ulrich und Afra auf den Prachtboulevard der Stadt, die Maximilianstraße. Vorbei an Bürgerhäusern aus Renaissance- und Barockzeit gab es dann die erste Kirchenbesichtigung. St. Moritz dürfte nach gerade genannter Basilika St. Ulrich und Afra und dem Augsburger Dom am anderen Ende der Maximilianstraße die drittgrößte Kirche der Stadt sein. Sie ist im Kern gotisch, wurde später barockisiert und in der Bombennacht vom 25.–26.02.1944 schwer zerstört, später vereinfacht wiederaufgebaut und vor gut 10 Jahren im Innenraum komplett modern umgestaltet. Das Ergebnis ist eine geradezu überwältigende Schlichtheit, die man gerade von katholischen Kirchen in Süddeutschland nicht gewohnt ist.

Maximilianstrasse mit St. Moritz und Weberhaus
Das schlichte Innere von St. Moritz
Blick zum Stadtmarkt
Auf dem Stadtmarkt mit St. Anna im Hintergrund

Im Zentrum ging es dann weiter, vorbei am Zeughaus zur Kirche St. Anna, welche die Grablage der Familie Fugger ist und die ebenfalls gerade geschlossen ist. Ich lief über den Stadtmarkt, der eine feste Institution ist und bis auf Sonntags jeden Tag stattfindet, mit Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Gastro und weiß der Fuchs was noch… gefällt mir gut, viel besser als die mobilen Verkaufsvehikel auf anderen Märkten… dieser wird dann nach Feierabend einfach abgeschlossen. Unweit des Stadtmarktes ist der Rathausplatz mit dem wohl berühmtesten Renaissance-Rathaus Deutschlands. Es wurde 1615–1624 vom berühmtesten Architekten der Stadt, Elias Holl (1573–1646) erbaut und war das damals einzige bestehende Gebäude mit 6 Stockwerken. Die Schauseite am Rathausplatz hat einen großen Giebel mit Reichsadler und wird flankiert von zwei Zwiebeltürmen. Das prächtige Innere des Rathauses, u.a. der goldene Saal, wird… ihr werdet es ahnen… gerade saniert, ebenso wie der benachbarte Perlachturm… beide Bauten sind Wahrzeichen der Stadt.

Das berühmte Renaissance Rathaus, ganz hübsch...
...aber selbst Baustelle, genau wie der Perlachturm links daneben

Mein weiterer Weg ging am riesigen Staatstheater vorbei… ebenfalls eine Großbaustelle… weiter zu den beiden Heilige-Kreuz-Kirchen, welche nebeneinander stehen und katholisch und protestantisch sind… die für mich interessantere protestantische Kirche war leider auch nicht geöffnet. Dann folgte ein weiterer Turm der ehemaligen Stadtbefestigung, das Wertachbrucker Tor, und ebenfalls nicht weit davon entfernt, das Fischertor. Ein kleines Kuriosum unterwegs war die Zirbelnuss-Kanal-Brücke, wo ein Kanal via Brücke über einen anderen geleitet wird. Vorbei an Dom und anderen Sehenswürdigkeiten ging es dann etwas weg vom Zentrum in die Kälberhalle, Heimat der Brauerei Hasen Bier. In einem ehemaligen Schlachthaus ist die Brauerei mit eigener Gastronomie untergebracht. Dort gab es Hasen-Bier (Weiße und Kellerbier… letzteres war nicht so meins) und ein kleines Mittagsessen, bevor ich dann mit etwa 18.000 Schritten erstmal zum Hotel lief, wo dieser Text entstand.

Wertachbrucker Tor
Fischertor
Kälberhalle... Heimat der Brauerei Hasen-Bräu

Am späten Nachmittag ging es weiter in Sachen Gastronomie. Erstes Ziel heute Abend: Brauereigaststätte Riegele relativ direkt am Hauptbahnhof. Es ist eine relativ große, unabhängige Brauerei, deren Ursprünge bis ins Jahr 1386 zurückreichen. Es gibt ein Visitor Center, Führungen, Fanshop und natürlich auch Gastronomie. Ich kam gerade rechtzeitig, um einen guten Platz an der Theke zu erwischen, und bestellte neben einem Abendbrot Helles, Kellerbier und Dunkles… was alles gut war, das Kellerbier war jedenfalls deutlich besser als der Bananensaft vom Hasen Bräu heute Mittag. Der Laden ist top ausgestattet… auf dem Herrenklo kann man ans Bäumchen gehen, und zeitweise war der Laden schlicht überfüllt… aber sehr gut gemanagt… Nach den drei Bieren ging es dann zu Fuß zum Murdocks Irish Pub direkt neben dem roten Tor und der Augsburger Puppenkiste. Ich war auch dort sehr froh, einen Platz am Tresen zu ergattern; der Rest war nämlich auch komplett voll… und ich hatte ein Déjà-vu… Pub-Quiz… Während gestern im Flannigan’s ebenfalls voller Stress war und dort das Team wie ein gut geölter Motor funktionierte, sah das heute ein wenig bemühter aus… aber unterm Strich auch ok… hat auch Spaß gemacht… Ein Irish Pub steht morgen noch auf dem Plan… Pub-Quiz sollte mich nicht wundern…

Brauereigaststätte Riegele
Herrentoiletten gibts nicht häufig in diesem Blog... die hier muß...
Basilika St. Ulrich und Afra am Ende der Maximilianstrasse

Tag drei… Regentag in Augsburg…
 Wie erwartet war das Wetter heute eher feucht, daher hatte ich viele Indoor-Besichtigungen auf dem Plan. Da es meistens nicht allzu stark plästerte, war das alles nicht schlimm… erstmal durch das Lechviertel in Richtung Basilika St. Ulrich und Afra schlendern… unterwegs noch diese ganzen Kanäle und Bäche bewundert, die in diesem Viertel an fast jeder Hauswand fließen… waren früher mal dazu gedacht, Dinge zu transportieren – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal dieser Stadt.
Dann ging es in die Kirche: St. Ulrich und Afra. Der Ulrich († 973) war hier mal Bischof und die Afra († 304) eine heiliggesprochene Märtyrerin. Beide sind in der Krypta der Kirche bestattet. Die Basilika ist nach dem Dom die zweitgrößte Kirche der Stadt und ein prächtiger Bau der Spätgotik. Ihr Turm mit der Zwiebelhaube wurde zum Vorbild vieler Kirchenbauten der Renaissance und des Barocks. Besonders markant sind die vielseitigen Gewölbeformen… es sind Netz- und Sterngewölbe in etwa 30 Metern Höhe.

St. Ulrich und Afra - Inneres nach Osten
Bischof Ulrich († 973)

Nach der recht ausführlichen Besichtigung ging es weiter auf der Maximilianstraße zur nächsten Besichtigung: das Schaezlerpalais. Dabei handelt es sich um das recht großzügig ausgefallene Wohnhaus eines stinkreichen Bankiers. Eingeweiht wurde das Rokoko-Gebäude 1770 – in Anwesenheit der damals 14-jährigen, späteren französischen Königin Marie-Antoinette, die wohl ein paar rote Schuhe durchgetanzt hatte. Heute ist das Haus Museum und Gemäldegalerie. Der Festsaal ist Rokoko pur, und das alles strahlt wenig Bescheidenheit aus … besonders wenn man bedenkt, dass es kein königliches Schloss ist, sondern das Stadthaus eines Bankiers.

Schaezlerpalais von Außen
In der Gemäldegalerie des Schaezlerpalais
Die guten Stuben von damals sind heute Museum
Darfs ein wenig mehr Rokoko sein? Festsaal Schaezlerpalais

Die nächste Besichtigung war dann der Hohe Dom Mariä Heimsuchung zu Augsburg – so der offizielle Titel. Der ältere Teil der Kirche ist das Langhaus aus ottonischer Zeit, das allerdings in der Gotik umgestaltet wurde; von der Romanik ist nicht mehr viel zu sehen. Besonders auffällig ist der Hohe Chor aus der Zeit der Spätgotik, der vor allem das Äußere der Kathedrale prägt. Besonders bemerkenswerte Kunstwerke des weitläufigen Bauwerks sind Buntglasfenster aus der Romanik – die weltweit einzigen erhaltenen dieser Art. Leider sind diese recht weit oben und schwierig zu fotografieren.

Blick von der Frauentorstraße zum Dom
Augsburger Dom - Der gewaltige Ostchor
Augsburger Dom - Blick zum Ostchor
Einzigartige Glasmalerei aus der Romanik

Nach dem Dom ging es noch in ein ganz anderes Museum, nämlich ins Brecht-Haus. Das Museum ist das Haus, in dem Bertolt Brecht am 10.02.1898 geboren wurde. Man kann viel über den berühmten Dramatiker und Lyriker erfahren, ebenso über seine Zeit. Es gibt eine Lounge, die einlädt, aus seinen Werken zu lesen oder Dinge aus digitalen Quellen abzurufen … für 2,50 € eine lohnenswerte Weiterbildung.

Geburtshaus von Bertolt Brecht
...pflanz dich und lies ein Buch von Brecht...
Im Brechthaus

So … nun hatte ich es geschafft, den Tag in Augsburg so zu verbringen, dass ich viel gesehen habe, aber auch nicht sehr nass wurde. Am Abend ging es wieder in die Abteilung Gastronomie. Als Erstes besuchte ich das Bräustüberl zum Thorbräu, in dem neben den Bieren der Thorbräu-Brauerei auch deftige Speisen auf der Karte stehen. Das Abendessen war ordentlich, und das probierte Thorbräu-Bier (Helles, Keller und Dunkles) konnte man auch gut genießen. Anschließend besuchte ich ein weiteres Braugasthaus, relativ um die Ecke. Es nennt sich Brauhaus Bayrisch Brau Pub und ist eher eine Mikro-Brauerei des Braumeisters Claus Kröger, der mit einem Stinkefinger für sich auf seinen eigenen Bierdeckeln wirbt. Ich kam dort herein und wunderte mich über den Braumeister, der auch die einzige Bedienung seines Lokals darstellte … er war komplett betrunken. Das lasse ich einfach mal so stehen – komme aber nicht drum herum, sein Amber Ale zu loben, das wirklich sehr lecker war. Anschließend gab es noch Guinness im benachbarten Pub Murphy’s Law. Dort hat es mir gut gefallen. Im Unterschied zu den beiden anderen Pubs gab es hier kein Pub-Quiz und auch keine anderen Veranstaltungen … ganz normaler Betrieb und auch gut besucht. Eigentlich war ich dann bereits auf dem Weg zurück ins Hotel, doch eine weitere Bar – „The Drunken Monkey“ – erregte meine Aufmerksamkeit, und so gab es noch einen Absacker in Form des wohl teuersten Craftbieres (9 € für 0,5 l), das ich je im Glas hatte. Es war ein Bier der Mikro-Brauerei Frau Gruber, und es war sehr gut – genau wie das kurze Fachsimpeln mit dem Wirt. Danach war aber Feierabend, und es ging ins Hotel.

Gediegene Atmosphäre im Bräustüberl zum Thorbräu
Der Dom im abendlichen Regenwetter

Das waren jetzt also zweieinhalb Tage in der Fuggerstadt Augsburg. Die Stadt gefällt mir außerordentlich gut … die Bewohner erwiesen sich als sehr freundlich, und die Stadt hat eine Menge an Kunst und Geschichte zu bieten. Mit den vielen Kanälen und Bächen hat Augsburg etwas Unverwechselbares. Leider konnte ich viele Dinge nicht besichtigen, da sie gerade in Renovierung waren – so zum Beispiel das Rathaus, der Perlachturm oder die St.-Anna-Kirche.
In Sachen Gastronomie hat Augsburg auch sehr viel zu bieten, und ich habe noch lange nicht alle Orte besuchen können, die mich interessiert hätten.
 Am nächsten Morgen ging es dann zurück zum Hauptbahnhof und dann mit der Bahn zum nächsten Abenteuer … die fünfte Bierwanderung stand an, und auch darüber wird man demnächst hier lesen können.
Zum Schluss noch ein paar weitere Fotos aus Augsburg – ohne großen Text …

Typisch Augsburg - Kanäle und Bäche an den Häusern...

Zirbelnuss-Kanal-Brücke

Die Fuggerei vom Fenster meines Hotelzimmers gesehen
Das Haus der Familie Fugger an der Maximilianstraße
Weberhaus und Merkur Brunnen in der Maximilianstraße
Jakobertor mit altem Zollhaus
Renaissance-Bau Stadtmetzg
Treppenhaus im Schaezlerpalais
Dom - Tympanon der Südpforte
Dom - Tafelbilder des Augsburger Malers Hans Holbein d. Ä.

St. Ulrich und Afra – Inneres mit Gewölbe

Augsburg bei Nacht Richtung Jakobskirche

McLarsen an der Elbmündung – Altes Land, Buxtehude, Cuxhaven, Stade (August 2025)

Stade, 12.08.2025… Tag 1: Stade. Eine neue Entdeckungsreise steht an… diesmal nicht in eine einzelne Großstadt, sondern in einen Landstrich im Norden Deutschlands, wo ich noch nie war: Die letzten Kilometer der Elbe, Altes Land, Buxtehude, Cuxhaven und Stade… leider fängt Stade nicht mit D an… Residenzstadt ist Stade, dieser Stadt gilt die Aufmerksamkeit des ersten Tages… Altes Land und Buxtehude füllen Tag 2, Cuxhaven Tag 3, bevor es zurück nach Berlin geht. Heute war Anreisetag… erstmalig habe ich mir ein Deutschland-Ticket gekauft (Für alle, die das in ferner Zeit lesen: Deutschlandweites Ticket für Nah- und Regionalverkehr für aktuell 58€)… heute war Jungfernfahrt… Start war kurz nach 09:00 Uhr vom Gesundbrunnen, der Zug kam pünktlich aber bereits komplett überfüllt… also erstmal Stehplatz in der Hoffnung, dass sich das irgendwann ändert. Die erste Verspätung trat dann bereits wenige hundert Meter nach Abfahrt ein und es lief recht zähflüssig… irgendwann stiegen Leute aus und ich ergatterte einen Sitzplatz, es ging über Bad Kleinen (bekannt als GSG9-Blamage vs. RAF-Terroristen Anfang der 1990er), Lübeck, Hamburg, Buxtehude und letztendlich mit fast einer Stunde Verspätung war ich 15:45 in Stade. Die Unterkunft ist das Zentrum-Hotel Stade, wenige Meter vom Bahnhof entfernt. Kurze Erfrischung… ab zur Stadterkundung… und schnell war klar… Stade ist klitzeklein aber wunderschön… zumindest der Altstadt-Kern. Viele Dinge erinnern mich an Lüneburg, was ja nicht sehr weit weg ist, aber alles in Miniaturformat. Ich schlenderte etwas über die Fußgängerzone und verweilte etwas an dem sehr schönen historischen Hafen mit dem nachgebauten Drehkran und den wunderschönen Bürgerhäusern, alles auch gut besucht.

Der kleine Hafen bildet das wunderschöne Zentrum von Stade
Fachwerkhäuser am Hafen

Eine Kirche war natürlich auch dabei… heute die Kirche St. Cosmae et Damiani, auch vereinfacht St. Cosmae genannt… mal was anderes als Marienkirche oder so… hab mal nachgeschaut, um wen es hier geht, und hab auf der Website der Kirche diese Erklärung gefunden: „Die syrischen Zwillingsbrüder Cosmas und Damian wurden als Heilige verehrt, da sie als Ärzte die Menschen unentgeltlich behandelten. Sie starben im Zuge der Christenverfolgung im Jahr 303 als Märtyrer.“ Nicht nur der Name der Kirche ist ungewöhnlich, auch der Bau, er hat einen seltsamen Grundriss und einen gewaltigen Vierungsturm mit barocker Haube. An dem Modell, das nahe dem Eingang zu sehen ist, versteht man die Architektur der im Kern gotischen Kirche am besten. Von der Innenausstattung ist die große Orgel von Berendt Hus und seinem Neffen Arp Schnitger am bedeutendsten.

St. Cosmae, Rückseite vom Rathaus mit Ratskeller-Terasse
Modell der Kirche
St. Cosmae - Hus-Schnitger-Orgel

Gleich neben der Kirche befindet sich das Rathaus von 1667. Es ist ein frühbarocker Backsteinbau mit einem prächtigen Eingangsportal. Ein Teil dieser Immobilie interessierte mich anschließend etwas intensiver: Der Ratskeller. Der Ratskeller bietet selbstgebrautes Bier, das nach der Schutzpatronin der Bierbrauer, der Heiligen Gertrude, benannt ist. Neben einer deftigen Mahlzeit probierte ich Pils, Rotbier und Schwarzbier… war alles sehr lecker. Man kann gut draußen sitzen mit Blick auf das Rathaus und St. Cosmae… in der nebenbei auch ein Gertrauden-Altar aus dem Mittelalter steht.

Stade - Bäckerstraße
Altstadt mit St. Wilhadi Kirche

Die Hansestadt Stade liegt etwa 45 Kilometer westlich von Hamburg und 60 Kilometer südlich von Cuxhaven. Durch die Stadt fließt die Schwinge, ein 28 Kilometer langer Nebenfluss der Elbe. Die Stadt hat etwa 48.000 Einwohner und ist Kreisstadt des Landkreises Stade und gehört zum Bundesland Niedersachsen. Durch ihren kleinen Hafen war die Stadt im Mittelalter als Handelsstandort von Bedeutung und brachte den Bewohnern Wohlstand. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und einem Stadtbrand von 1659 sank die Bedeutung der Stadt. Stade besitzt eine historische Altstadt mit Fachwerkhäusern, dem historischen Hafen und zwei Kirchen aus dem Mittelalter.

Am Hafen beim Fuerkiek
Skulptur mit Drehkran am Hafen

Anschließend ließ ich mich noch ein wenig treiben und setzte mich anschließend an einen freien Tisch der Kneipe Fuerkiek am Hafen. Dort war es wirklich sehr schön, ich trank mein erstes (…natürlich nicht einziges) Jever seit Jahren und es dauerte auch nicht lange, bis ich mit Einheimischen ins Gespräch kam… echt netter Laden. Zum Schluss wurden noch ein paar Bilder im Dunkeln gemacht, dann ab ins Bett und der erste Tag ist Geschichte.

Der Hafen macht auch nachts etwas her...

Tags drauf stand als Erstes eine Sache an, für die ich gestern zu spät war, nämlich die Besichtigung der anderen großen Kirche in Stade: St. Wilhadi. Auch hier musste ich erstmal schauen… Willi Wer? Die Kirche ist Bischof Willehad geweiht, dem Gründer des Bistums Bremen. Die Wilhadikirche ist eine gotische Hallenkirche mit einem Westturm, der etwas älter ist. Das Innere ist eher schlicht gehalten, Altar und Kanzel sind ebenso aus der Zeit des Barock, wie auch die prächtige Orgel.

Der Dicke Turm von St. Wilhadi am Ende der Gasse
St. Wilhadi - Inneres nach Osten
St. Wilhadi - Orgel

Aber jetzt zum zweiten Tag, da ging es um Altes Land und Buxtehude. Erstmal ein lobendes Wort zum Hotel… ich habe selten solch ein abwechslungsreiches, hochwertiges Frühstücksbuffet mehr erlebt, das ist doch eine große Überraschung, auch sonst bin ich mit der Wahl des Zentral Hotel Stade sehr zufrieden. Nach dem Abstecher zur St. Wilhadi Kirche lief ich dann zum Bahnhof und stieg in den Bus nach Jork. Die Linie fährt auch durch Ecken von Stade, in denen es nicht so pittoresk wie in der Altstadt wirkt, dann jedoch bald durchs Alte Land mit den Bauernhöfen und flächendeckenden Obstplantagen… das macht schon mal Spaß, das alles auch nur vom Bus aus zu sehen… auch wenn der Busfahrer eine Leidenschaft für Bordsteinkanten hatte. Endpunkt der knapp einstündigen Fahrt war das Zentrum des Hauptortes dieser Landschaft: Jork.

Im Zentrum von Jork
Jork - Standesamt

Altes Land nennt sich ein etwa 100 Quadratkilometer großes Gebiet an der Unterelbe zwischen Hamburg und Stade. Das Land wurde einst von niederländischen Kolonisten entwässert und erschlossen. Seit dem Mittelalter ist das Gebiet für Obstanbau bekannt. Das Alte Land ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nord-Europas. Auf 10.700 Hektar reifen überwiegend Äpfel, aber auch Kirschen. Hauptgemeinde ist der Ort Jork mit etwa 11.000 Einwohnern. Sehenswert sind historische Bauernhäuser, meist aus Fachwerk, in den Marschhufendörfern.

Jork - Kirche St. Matthias
Jork - St. Matthias - Inneres
Jork - St. Matthias... Hier sitzen die, die immer hier sitzen...

Recht nahe am Zentrum von Jork liegt die Kirche St. Matthias. Die Kirche ist ein Saalbau von 40 x 14 Metern und einen separat stehenden Glockenturm, damit eine recht große Kirche, im Inneren fällt die bemalte Holzdecke ebenso auf, wie die Wangen der Bestuhlung, an denen die Namen stehen, die dort vor langer Zeit ihren Stammplatz hatten… ich hoffe, in der Kneipe war es damals nicht so streng. Nach der kurzen Besichtigung der Kirche ging es jetzt nordwärts in den Ortsteil Borstel. Gut ein Kilometer später ist der Ort zu Ende und man steht vor einer schönen, alten Mühle, die man schon vom Weiten sehen konnte. Sie war zuletzt als Restaurant genutzt worden, ist aber seit gut einem Jahr dauerhaft geschlossen. Auf dem Rückweg machte ich noch einen Abstecher in die Borsteler Kirche St. Nikolai, auch hier steht der Glockenturm knapp neben dem Kirchenschiff und auch hier gibt es eine bemalte Holzdecke, alles etwas kleiner als beim Nachbarn in Jork, aber auch sehr schön.

Jork - Im Ortsteil Borstel
Borstel - Alte Mühle
Borstel - Kirche St. Nikolai von Aussen...
...und Innen

Dann ging es die Strecke zurück nach Jork und von dort aus Richtung Osten über den Obstmarschenweg via Königreich und Estebrügge nach Buxtehude… eine Strecke von etwa 10 Kilometern, durch das riesige Obstanbaugebiet Altes Land. Da es ja hier völlig flach ist, ist die Strecke an und für sich kein Problem, allerdings waren an diesem Tag 30 Grad im Schatten und auf den letzten Kilometern hatte ich bereits geschwollene Hände und die Kräfte ließen auch langsam nach… aber alles prima… nur noch viel länger wäre keine gute Idee gewesen.

Ein typischer Obst-Bauernhof im Alten Land
Obst, Obst, Obst
Endlich in der Hase-Igel-Stadt

  Die Hansestadt Buxtehude ist eine Stadt im Landkreis Stade im Bundesland Niedersachsen. Sie hat etwa 40.000 Einwohner und liegt zwischen Hamburg und Stade am Rande des Alten Landes. Ähnlich wie die Nachbarstadt Stade war Buxtehude Mitglied der Hanse und erlebte in dieser Zeit ihre Blüte. Es gibt eine kleine Altstadt mit diversen Fachwerkhäusern, dem Marschtorzwinger und der gotischen St. Petri-Kirche. Die Stadt liegt an der Straße der Märchen, das Märchen vom Hasen und Igel spielt in Buxtehude.

Hase - und Igel Skulptur in Buxtehude
Fleth in Buxtehude
Rathaus mit Ratskeller

Erste Amtshandlung in Buxtehude war auf jeden Fall Erfrischung… und die gab es im Ratskeller bzw. auf dessen Außenbestuhlung. Es gab kühles Ratsherrn Bier aus Hamburg (Helles, Pils, Zwickel) und ein leckeres Bauernfrühstück… nachdem ich ja an so vielen Bauernhäusern vorbeigekommen war. Langsam kamen meine Kräfte zurück und ich machte mich auf, die Kleinstadt zu erkunden.

Die Silhouette der Stadt wird von der Stadtkirche St. Petri dominiert
Auch in Buxtehude gibt es einen kleinen Hafen... aber viel kleiner und nicht so schön wie in Stade
Stadtarchiv und Museum

Die Besichtigung der Stadt Buxtehude ging etwas schneller als gedacht… Die Altstadt ist eher winzig, man kann dann noch durch diverse Grünanlagen an dem Flüsschen Este wandeln, aber sonst gibt es ehrlicherweise wenig zu sehen… klar, hier und da ein schönes Fachwerkhaus, aber davon hatte ich im Laufe dieser Reise schon genügend gesehen… die Fußgängerzone… ist halt eine Fußgängerzone… also auf eine Parkbank gesetzt und Musik auf die Ohren. Es galt nun, die Zeit bis 19:00 zu überbrücken, da sollte das Rebel’s Choice Pub öffnen… laut Google zumindest… was ich dann vor Ort sah, war ein kitschiger Zettel, dass man gerade Urlaub hat. Ah ja… nicht, dass ich irgendwem das nicht gönnen würde, aber gerade für Leute, die keine Stammgäste sind, könnte das in Zeiten des Internets mal kommuniziert werden. Nun war ich ein wenig sauer, dass ich deshalb so viel Zeit in Buxtehude verplempert hatte und nahm die nächste S-Bahn zurück nach Stade. Hier ging es abends nochmal zum Fuerkiek, da war es schließlich am Vorabend schön und das war auch gestern wieder prima. Nach 3 Bier und einem kleinen Abendbrot war dann allerdings bald Feierabend, 30.000 Schritte und fast 29 Kilometer in den Knochen bei amtlichen Sommertemperaturen ließen mich schnell einschlummern… natürlich im Hotel, natürlich im Bett.

Eine kleine Sammlung von Eingangstüren im Alten Land

So… dritter und letzter Tag in Nord-Niedersachsen, und heute ist der Ort dran, der diesem Bericht den Namen gegeben hat, nämlich die Elbmündung und damit verbunden die Stadt Cuxhaven. Das Alte Land, Buxtehude und Stade sind natürlich auch nahe an der Elbe, aber auch so weit weg, dass man den viertlängsten Fluss Europas nicht direkt sehen kann. Kommt man nach Cuxhaven, ist die Elbe bereits so breit wie ein großer See, und das gegenüberliegende Ufer in Schleswig-Holstein ist in weiter Ferne

Die letzten Kilometer der Ebbe... kurz vor der Nordsee... gesehen von der Alten Liebe...
...das ist die Aussichtsplattform Alte Liebe

Die Bahn fährt etwa 55 Minuten von Stade nach Cuxhaven. Dort stieg ich aus und erkundete erstmal den Teil südlich vom Bahnhof, bevor es dann langsam zu den maritimen Orten gehen sollte. Als erstes drehte ich eine Runde im Schlossgarten vom Schloss Ritzebüttel. Der Bau ist aus dem Mittelalter und war lange der Amtssitz der Hamburger Amtsmänner, zu der Zeit, als Cuxhaven zu Hamburg gehörte. Das Gebäude wird für Ausstellungen benutzt, ebenso für Trauungen… ein Restaurant gibt es auch. Anschließend führte mich mein Weg durch die unumgängliche Fußgängerzone, vorbei an einem restaurierten Wasserturm in Richtung Hafen. Bevor ich mich diesem widmete, machte ich noch einen Abstecher ins Lotsenviertel, einem beliebten Wohnviertel, in dem früher die Lotsen vom nahen Hafen lebten.

Schloss Ritzebüttel
Der Wasserturm... heute Restaurant und Ferienwohnungen
Im Lotsenviertel

Im Hafen war tagsüber natürlich reges Treiben. Es fahren Sightseeing-Schiffe zu den Robbenbänken und auch weiter in die Nordsee hinaus; es verkehren Fähren nach Neuwerk und Helgoland. Dazwischen etliche Fressbuden, Souvenirläden und alles, was Geld einbringt. Die doppelstöckige Aussichtsplattform „Alte Liebe“ war mal ein Pier, an dem Schiffe anlegten. In der nahen Umgebung befindet sich noch der Hamburger Leuchtturm und der Windemaphor, eine Wind-Messeinrichtung aus dem 19. Jahrhundert. 

Landwehrkanal mit Blick zum Hafen

Cuxhaven ist die nördlichste Stadt Niedersachsens. Sie liegt am Unterlauf der Elbe, der dort in die Nordsee mündet. Die Stadt hat knapp 50.000 Einwohner und entstand aus mehreren Ortschaften zu einer Stadt, wie man sie heute sehen kann… Lange Zeit gehörte sie zum 100 Kilometer entfernten Hamburg… Die nahe Insel Neuwerk tut das noch heute. Cuxhaven ist als Hafenstandort für Fischerei und Fähren (Neuwerk und Helgoland) von Bedeutung, ebenso als Ferien- und Erholungsort. Die drittgrößte niedersächsische Stadt an der Nordsee ist das größte deutsche Seeheilbad. Cuxhaven besitzt lange Sandstrände, besonders entlang der Nordseeküste. Das niedersächsische Wattenmeer gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Kugelbake, die den Übergang von Elbe und Nordsee markiert.

Hafen von der Alten Liebe

Auf der Elbe ist stets gut zu beobachten, wie die ganzen Frachtschiffe von oder nach Hamburg-Hafen schippern… heute war allerdings recht wenig los. Vom Weiten sieht man bereits in etwa drei Kilometern Luftlinie die Kugelbake, ein Holzgerüst auf einer Mole, die den Übergang von Elbe und Nordsee markiert… das war mein nächstes Ziel… vorbei an Yachthafen, Seebäderbrücke und Badestrand lief ich größtenteils auf einem Deich in Richtung Kugelbake. Dort, fast angekommen, wollten die doch für das Betreten des Strandes Geld haben… aber für fünf Minuten zur Kugelbake latschen und drei Fotos machen, bezahle ich keine Tageskarte… vom Weiten machte das Teil eh mehr her…

Yachthafen und Seebäderbrücke
Die Kugelbake
Links von der Kugelbake ist der Sandstrand der Nordsee

Das Wetter war heute wieder hochsommerlich, durch ein paar Wolken aber etwas erträglicher als gestern. Für den Rückweg wählte ich trotzdem den Weg durch die etwas schattigere Ortschaft als auf dem Deich… Zwischendurch gab es einen Imbiss an einem Campingplatz und später auch mal ein Eis… Ist ja auch Urlaub irgendwie… Später gab es dann tatsächlich noch Guinness im Pub „Drunken Sailor“ im Lotsenviertel… Dort war aber wirklich gar nichts los, so das ich den 20:00-Uhr-Zug zurück nahm und eine Stunde später wieder im Hotel war.

Das war also der Trip zum Ende der Elbe… Er zeigte mir eine schöne provinzielle Gegend in Norddeutschland. Das Alte Land mit seinen Fachwerk-Bauernhöfen und dem riesigen Obstanbaugebiet ist wunderschön. Die Altstadt von Stade ist ein kleines, nicht überlaufenes Juwel deutscher Altstädte, und die Hafenstadt Cuxhaven ist etwas für Freunde der maritimen Welt oder aber auch nur für Strandurlauber. Vielleicht ist die Gegend auch ein Tipp für Radfahrer… ein Geheimtipp allerdings nicht… Viele, vorwiegend ältere Urlauber durchstreifen die Gegend mit E-Bikes… Wer keins hat, hat es meistens auf einem lustigen T‑Shirt zu stehen.

Meine Heimreise gestern war mal wieder nicht der Brüller… Ich war insgesamt 9,5 Stunden mit Regionalzügen unterwegs… Ich verbuche das mal als missglücktes Experiment. Bereits in gut einem Monat werde ich wieder im Süden der Republik unterwegs sein… und meine Erlebnisse mit meiner werten Leserschaft teilen. Ein besonderer Dank geht an Nina, die zuhause die Stellung gehalten hat. Zum Schluss noch ein paar Fotos aus der zweiten Reihe…

Auf dem Kirchhof St. Nikolai in Jork-Borstel
Nochmal Botanik beim Schloss Ritzebüttel in Cuxhaven
Stade - Beim St. Johanniskloster
Stade - Museum Schwedenspeicher
Stade - Salzstraße
Denkmalschild mit Stader Silhouette: St. Cosmae, Rathaus, St. Wilhaldi
In Jork
Buxtehude - Marschtorzwinger
Buxtehude - Westviver
Cuxhaven - Ansicht von der Düne mit Badestrand und Kugelbake vom Weiten
Cuxhaven - Kugelbake
Abendstimmung in Stade

McLarsen’s Irische Tagebücher #1: Donegal (November 2019)

Berlin, 07.06.2025… Dies ist der Bericht von einer Reise, die über fünf Jahre zurückliegt. Sie fand zwischen dem 31. Oktober und dem 3. November 2019 statt. Damals schrieb ich meine Reiseberichte nur für die Schottland-Erkundungen – und das auch hauptsächlich für ein deutsches Whiskyforum. Eine Website namens mclarsen.de gab es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Nur wenige Monate später kam dann die Corona-Pandemie, und ich hatte plötzlich viel Zeit für Reiseberichte und ähnliche Dinge auf der nun aktivierten Website.

Dass ich erst jetzt einen Bericht über Irland 2019 nachreiche, liegt daran, dass es bereits einen Teil 4 gibt – und die erste Reise nicht fehlen soll. Die Textbeiträge werden sich allerdings in Grenzen halten, schließlich ist das lange her, und außerdem sprechen die Bilder ja auch für sich.

Die altbewährte Reisegruppe am Flughafen
Die ersten Kaltgetränke der Reise
Traditionelle Livemusik im Pub

2019 war nicht nur die Zeit vor Corona, sondern auch die Zeit vor dem vollzogenen Brexit. Es gab also eine feste Flugverbindung von Berlin (Schönefeld – der Flughafen war auch noch nicht fertig) in die nordirische Hauptstadt Belfast. Seinerzeit wurden die Verbindungen ins Vereinigte Königreich von vielen Polen genutzt, die dort arbeiteten. Da wir nach Donegal im Nordwesten der irischen Insel wollten, war es für uns günstiger, über Belfast statt über Dublin anzureisen.

Wir – das sind mein bester Freund André und ich. Wir kennen uns von klein auf und sind schon häufig zusammen verreist. Nachdem wir gelandet waren und unseren Mietwagen in Empfang genommen hatten, ging es los in Richtung Donegal (Stadt) – eine Strecke von etwa 150 Kilometern. Dazwischen passierten wir die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland. Man konnte es nur daran erkennen, dass die Autokennzeichen jetzt anders aussahen und die Straßen besser waren – EU-Geldern sei Dank.

Nach etwa zwei Stunden waren wir dann am Ziel: der Stadt Donegal. André hatte uns ein B&B gebucht, in dem er schon einmal war – das Railway Lodge Guest House, relativ nahe am Stadtzentrum gelegen. Nach einer kurzen Erkundung der kleinen Stadt standen bald – erwartungsgemäß – gut gefüllte, kalte Pints vor uns. Der Ort hat mehrere Pubs, und in fast allen gab es Livemusik – aber nicht für die Touristen, sondern von und für die einheimische Bevölkerung. Das hat viel Spaß gemacht.

Im Hafen von Killybegs
Atlantik voraus bei Largy

Donegal ist einerseits die nördlichste Grafschaft der Republik Irland und andererseits der Name einer Stadt in eben dieser Grafschaft. Die Grafschaft Donegal ist die einzige in der Region Ulster, die nicht zu Nordirland gehört. Die Stadt Donegal zählt gerade einmal 2.700 Einwohner und ist auch nicht die regionale Hauptstadt der Grafschaft. Wirtschaftlich lebt die Region neben der Schafzucht hauptsächlich vom Tourismus.

Sliabh Liag Walk
Einmannbunker am Sliabh Liag Walk

Am nächsten Tag starteten wir eine kleine Rundreise mit dem Mietwagen… Ziel waren die Klippen von Slieve League. Dabei passierten wir kleine, hübsche Orte an der Atlantikküste, wie zum Beispiel Killybegs. Nahe der Ortschaft Teelin parkten wir dann und wanderten über den Sliabh Liag Walk, also den Weg zu den Klippen.

Nach einem ordentlichen Anstieg ganz am Anfang war der Weg einfach zu laufen… immer wieder begleitet von schönen Ausblicken auf die imposante Küstenlandschaft. Nach knapp fünf Kilometern erreichten wir den Aussichtspunkt auf die Slieve-League-Klippen. Die über 600 Meter hohen Klippen zählen zu den höchsten in Europa.

Im Gegensatz zu den deutlich bekannteren Cliffs of Moher (gerade einmal 217 Meter hoch) ist dieser Ort so gut wie gar nicht touristisch überlaufen – okay, es war Anfang November, aber wir waren fast alleine unterwegs.

Ein wenig in den Wolken versteckt...
... Slieve League Klippen

Nachdem wir dann wieder im Auto saßen, fuhren wir ein wenig immer der Nase nach und kamen unter anderem durch die Orte Burtonport mit dem Fährhafen zur Insel Arranmore, Kincasslagh und Annagry. Wir genossen die schöne Landschaft und machten hier und da ein paar Fotos. Dann wurde es langsam dunkel, und wir fuhren zurück nach Donegal Town.

Burtonport
Fährhafen zur Insel Arranmore
Landschaft bei Kincasslagh

Dort spazierten wir noch ein wenig am River Eske und entdeckten die Reste einer verfallenen Klosteranlage der Franziskaner, die hier bis 1601 lebten. Zusammen mit dem Friedhof und der zunehmenden Dunkelheit war das ein bischen gruselig… aber das hatte was…

Klosterruine Donegal
Am River Eske

Am Tag darauf war unser Hauptziel der Nationalpark Glenveagh. Als ich in den 1990ern in einem kleinen Pub im Wedding zu Hause war, der „Jimmy Mac’s Pub“ hieß, war ich dort immer einer von denen, die sich um neue Musik für die Playlist kümmerten – damit nicht nur das irische Gedudel von den Dubliners & Co. lief. Ein Song lief dabei, glaube ich, am häufigsten: „The Evictions“ von der Band Goats Don’t Shave. Es ist eine Ballade über das Schicksal von 244 Menschen, die 1861 von einem schottischen Landspekulanten gezwungen wurden, ihr Land im heutigen Nationalpark Glenveagh zu verlassen … ihre Heimat. Während sich der Landlord dann ein schickes Schloss mit Garten bauen ließ, bedeutete das für die Bewohner Armenhaus oder Auswanderung nach Amerika oder Australien. Ich stelle den Song mal hier drunter – kann man gut dazu hören … funktioniert bei mir auch immer noch. Schauer im Rücken inklusive.

Der Nationalpark ist öffentlich zugänglich, es existiert ein Visitor Center, und man kann Teile des Parks mit einem Shuttlebus erkunden. Wir beschlossen, es per pedes zu tun – dreieinhalb Kilometer frische Luft haben schließlich noch niemandem geschadet. Der Glenveagh Nationalpark ist ein landschaftlich sehr schönes Fleckchen Erde und sehr gepflegt noch dazu. Am Castle kann man auch den Wirtschaftsgarten besichtigen, und Gastronomie gibt es ebenfalls.

Im Nationalpark Glenveagh
Glenveagh Castle
Glenveagh - Wirtschaftsgarten

Nach Glenveagh fuhren wir zum Malin Head auf der Halbinsel Inishowen. Es ist der nördlichste Punkt der irischen Insel. Dort steht ein ziemlich hässlicher Turm, von dem man aber einen sehr guten Ausblick hat. Nachdem wir danach nach Donegal zurückgefahren waren, gab es abends noch einmal Guinness und Livemusik satt – das Schöne daran war, dass es nicht von Touristen überlaufen war. Die Stadt Donegal ist das übrigens im Allgemeinen auch nicht.

Standing on the edge of Ireland - Malin Head...
...der nördlichste Punkt der Insel

Am Tag darauf ging es wieder nach Belfast und zurück nach Berlin. Während wir am Flughafen noch etwas Zeit totschlagen mussten, beschlossen André und ich, dass wir diesen Kurztrip nach Irland jedes Jahr machen sollten – bis wir eines Tages die ganze Insel durch haben. Durch Corona fand dann erst 2022 der nächste Trip statt, aber diese Reise nach Donegal war der Anfang einer schönen Serie.

McLarsen im Dessau-Wörlitzer Gartenreich (Juni 2025)

Berlin, 26.06.2025… Die letzte Reise (Krakau) liegt bereits wieder drei Monate zurück… Im Sommer gibt es ja immer noch eine Menge mehr zu tun als in der kalten Jahreszeit – schließlich haben wir auch noch einen Garten, der versorgt werden will. Aber nun wurde es dann doch mal Zeit für ein paar Stunden Tapetenwechsel: 43 Stunden in Dessau, bzw. im Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Die Anreise erfolgte mit der Regionalbahn, über die ich diesmal nichts Schlechtes berichten kann. Da nur 1,5 Tage für sechs Gartenanlagen mit Schlössern zur Verfügung standen, plante ich als Erstes eine Besichtigung der etwas abseits gelegenen Anlage in Mosigkau – etwa acht Kilometer von Dessau entfernt. Da die Strecke der lokalen Bahn Richtung Köthen gerade saniert wird, gab es auf der Strecke einen Schienenersatzverkehr mit Bussen. Den hatte ich mir so vorgestellt, dass er an den Bahnhöfen hält, an denen auch der Zug halten würde. Leider wollte in Mosigkau niemand raus – und ich wusste halt auch nicht, wann oder ob man irgendwo einen Haltewunsch-Knopf drücken soll. Es gab weder Ansagen noch eine Leuchtschrift über die Haltestellen – egal für Ortskundige, Pech für Ortsfremde. Als ich dann das Ortsausgangsschild von Mosigkau an mir vorbeiziehen sah, bin ich dann doch mal zum Busfahrer gegangen und habe gefragt, was nun sei (?). Ich musste am nächsten Haltepunkt, einem gottverlassenen Nest namens Elsnigk, aussteigen und warten, bis die Gegenseite kommt. Das dauerte etwa 45 Minuten, in denen ich da rumstand. Ab und zu zogen Omas mit Rollatoren an mir vorbei und musterten mich kritisch – ich war ja schließlich noch nie da. Die abgeklebten Schranken machten ausdauernd irgendwelche komischen Geräusche im Wind, und eigentlich fehlten nur noch die Grasballen, die in Westernfilmen durch die Szenerie rollen. Aber dann kam der Bus der Gegenlinie – es war der gleiche, mit dem blöden, arroganten Busfahrer, der mich dann letztendlich gönnerhaft in Mosigkau rausgelassen hat. Nachdem ich über eine Stunde der limitierten Zeit dieses Ausflugs in ELSNIGK (grrr) verplempert hatte, war eine Schlossbesichtigung nicht mehr realistisch, und ich besichtigte nur die eher übersichtliche Gartenanlage.

Schloss Mosigkau, Vorderseite...
...und von hinten

Im Irrgarten (etwas schneller)

Schloss und Garten Mosigkau wurden für die Lieblingstochter von Fürst Leopold I. zwischen 1752 und 1757 angelegt – also etwa zehn Jahre nach Sanssouci. Es ist eine der letzten vollständig erhaltenen Rokoko-Bauten und -Gartenanlagen in Deutschland. Fürst Leopold I. war übrigens eine der besten Militärpersönlichkeiten seiner Zeit und oberster Feldmarschall der preußischen Armee unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. Der Leopoldplatz im heimischen Berlin-Wedding wurde nach ihm benannt. Seine Lieblingstochter Anna Wilhelmine blieb unverheiratet und verfügte, dass die Anlage nach ihrem Tod in ein Stift für unverheiratete adlige Frauen umgewandelt werden sollte – was bis 1945 Bestand hatte. Schloss und Garten sind, wie gesagt, Rokoko. Besonders lustig war ein Irrgarten, den ich zumindest teilweise mal mit der Kamera aufnehmen konnte. Für den Rückweg nach Dessau wählte ich dann lieber einen Linienbus. Der zeigte zwar korrekt an, wo er gerade ist, hielt aber leider an jedem Briefkasten. Egal – die Reisetasche aus dem Schließfach am Dessauer Hauptbahnhof geholt, ging es dann erstmal zur Herberge, dem B&B Dessau. Das Hotel ist Teil einer Kette, die ich mittlerweile einige Jahre kenne und mit der ich meistens recht zufrieden bin – wie auch diesmal. Es blieben noch drei Stunden Zeit, die Stadt zu erkunden… zum Biertrinken später war ich nämlich verabredet.

Die ehemalige Schloss- und Stadtkirche St. Marien... rechts davon mein Hotel
Marktplatz mit dem Rathaus von 1901
An der Mulde... mit Stadtschloss, Marienkirche, Rathaus und Eierschneider-Brücke

 Dessau-Roßlau ist eine Stadt in Sachsen-Anhalt. Mit etwa 75.000 Einwohnern ist sie nach Halle und Magdeburg die drittgrößte Stadt des Bundeslandes. Die Stadt liegt an zwei großen Flüssen der Region, der Elbe und der Mulde, die im Stadtgebiet in die Elbe mündet… was häufig zu Hochwasserproblemen führt. Dessau war Hauptsitz des Fürstentums und Herzogtums Anhalt, das dem Adelsgeschlecht der Askanier, den Anhaltiner Fürsten, gehörte, sowie des restlichen Adels. Ihre Blütezeit lag im 18. Jahrhundert. Besonders Fürst (und später Herzog) Leopold III. Friedrich Franz brachte frischen Wind nach Anhalt-Dessau. Unter ihm wurde der Kleinstaat eine der modernsten Regionen in ganz Deutschland. Mit den Schlössern und Parks des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs entstanden die ersten Landschaftsparks englischer Art auf dem europäischen Festland. Diese Anlagen sind heute UNESCO-Weltkulturerbe und die Visitenkarte der Stadt und Umgebung. Als der Rechtsruck in Thüringen (ich rede hier von dem vor etwa 100 Jahren, nicht vom aktuellen) das Bauhaus in Weimar quasi vergraulte, fand die heute weltberühmte Kunstschule in Dessau Zuflucht und konnte dort weiterarbeiten… allerdings auch nur für eine kurze Zeit, von 1926 bis 1932. Dann wurde es auf Veranlassung der Nazis geschlossen. Trotzdem ist der Name Bauhaus auch heute noch eng mit Dessau verbunden. Dessau war ein bedeutender Industriestandort in Mitteldeutschland, in dem Flugzeuge, Eisenbahnwaggons und Motoren gebaut wurden. Grund genug für einen Bombenhagel der Alliierten, die die Stadt zu 80 % zerstörten. Der Wiederaufbau erfolgte im Stil der sozialistischen Moderne. Der historische Stadtkern wurde bis auf wenige Ausnahmen nicht wieder aufgebaut. Die Schlösser- und Gartenanlagen blieben zum Glück weitgehend unzerstört, abgesehen vom Dessauer Stadtschloss. 2005 wurde der Sitz des Umweltbundesamts in die Stadt verlegt. Der Neubau der Behörde, mit immerhin 1800 Mitarbeitern, brachte zahlreiche Arbeitsplätze und schuf gleichzeitig eine architektonische Sehenswürdigkeit der Neuzeit. Seit 2007 ist Dessau mit der Stadt Roßlau, die auf der anderen Elbseite liegt, vereint und trägt nun den Doppelnamen Dessau-Roßlau.

Das Bauhaus Gebäude von 1926... ein Grundstein moderner Architektur
Meisterhaus Muche/Schlemmer... eines von vier Meisterhäusern

In diesen drei Stunden wurden etliche Meter geschrubbt… Den Anfang machte eine Brücke in Sichtweite meines Hotels, die Tiergartenbrücke, die 2001 erbaut wurde und im Volksmund Eierschneider heißt. Von dieser Stelle am Ufer der Mulde bietet die Stadt ein schönes Panorama mit dem Westflügel des ansonsten zerstörten Residenzschlosses (auch Stadtschloss genannt), der Marienkirche und dem Rathaus. Dann lief ich zum Marktplatz mit dem Rathaus, einem Bauwerk, das von 1898 bis 1901 im Stil der Neorenaissance erbaut wurde und dessen Turm ein Wahrzeichen der Stadt ist. Der umliegende Marktplatz ist hübsch hergerichtet, mit vielen Bepflanzungen und Sitz- sowie Liegemöbeln zum Verweilen. Gesäumt wird der Platz von allerlei Geschäften und Gastronomie. Via Bahnhof ging es dann zu dem wohl berühmtesten Haus der Stadt: dem Bauhaus, das 1926 als neues Headquarter der berühmten Weimarer Kunstschule errichtet wurde. Leider konnten Gropius & Co. hier auch nur bis 1932 arbeiten, dann kam die braune Suppe auch nach Anhalt und es ging nochmal kurz nach Berlin, bevor das Kapitel Bauhaus in Deutschland endete. Neben dem Bauhausgebäude, das auch gut und gerne ein Gebäude aus den letzten Jahren sein könnte, gibt es noch das Bauhaus-Museum, ein gläserner Bau von 2019, und die Meisterhäuser in der Nähe des Bauhaus-Gebäudes. Ich habe mir vorgenommen, alles, was mit Bauhaus zu tun hat, mal in einem Extra-Tagesausflug zu besichtigen… Somit gab es heute nur Bilder von außen.

Schloss Georgium mit Venus de Medici
Ionischer Tempel im Georgengarten
Mausoleum der Fürsten von Anhalt / Dessau

Gleich schräg gegenüber von den Meisterhäusern liegt der Georgengarten mit dem Schloss Georgium. Der Park mit Schloss und kleineren, weiteren Bauten wurde ab 1880 vom jüngeren Bruder Leopolds III., Prinz Johann Georg, errichtet. Es ist ein Landschaftsgarten nach englischem Vorbild. Ich betrat die Anlage durch das Tor Sieben Säulen, einem Nachbau einer römischen Ruine… Via dem nach antikem Vorbild errichteten Ionischen Tempel erreichte ich bald das Schloss Georgium. Der ehemalige Residenzsitz des Fürstenbruders ist heute die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau. Die ist dienstags geschlossen, aber eine Besichtigung wäre zeitlich sowieso nicht möglich gewesen, also schlenderte ich noch etwas durch den Park. Ich kam auch am Mausoleum der anhaltischen Fürsten vorbei, das auf dem Gelände des Tierparks liegt. Das Gebäude hat heute mehr oder weniger nur noch die Aufgabe, gut auszusehen – die Särge der Adligen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auf einen nahegelegenen Friedhof umgebettet. Dann ging es langsam zurück in Richtung Innenstadt, und der beliebte Reiseteil namens Gastronomie konnte beginnen.

Auf dem Weg zurück in die Innenstadt hat man von einer Brücke gute Sicht auf das Umweltbundesamt
Im Brauhaus zum Alten Dessauer

Das Gasthaus des Abends heißt „Brauhaus zum alten Dessauer“. Der alte Dessauer war Fürst Leopold I., also der Generalfeldmarschall, von dem schon die Rede war. Das Brauhaus liegt etwas versteckt in der zweiten Reihe hinter dem Marktplatz. Ich traf mich dort mit Thomas, einem Whiskyfreund aus Berlin, der im Umweltbundesamt Dessau arbeitet. Es gab deftiges Essen und hausgebraute Biere (Hell, Dunkel, Bock). Es war sehr lecker. Später gab es noch einen Absacker im Antik Pub, und dann war der Tag auch schon vorbei.

Schloss Luisum
Künstliche Ruinen waren seinerzeit der letzte Schrei

Zeit für Quatsch war auch…

Am zweiten Tag stand die Besichtigung der Gartenanlagen des Luisiums und des Wörlitzer Parks auf dem Plan. Zum Luisium bin ich gelaufen – das waren etwa vier Kilometer, und nach 45 Minuten war ich dort. Der Park ist etwa 14 Hektar groß und wurde zwischen 1774 und 1778 als englischer Landschaftsgarten angelegt. Er trägt den Namen der Fürstin Luise, der Gattin von Leopold III., Fürst Franz. Es sollte ihr Witwensitz werden, allerdings ging das Paar bereits früher getrennte Wege, und Fürst Franz überlebte seine Frau um mehrere Jahre. Das Schloss selbst ist ein wunderbares Beispiel schlichten Klassizismus. Es hat eine Seitenlänge von zwölf Metern und wirkt eher wie eine Villa als ein Schloss… entworfen wurde es von Fürst Franz’ bestem Buddy: dem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff. Weitere Sehenswürdigkeiten verstecken sich im Garten, unter anderem ein römischer Ruinenbogen, der mich dazu verleitete, mich mal als Statue auszuprobieren.
Als nächste Station war der Wörlitzer Park geplant… Der liegt allerdings etwa zwölf Kilometer östlich, und das wäre bei den recht hohen Temperaturen keine gute Idee gewesen, die Strecke zu laufen. Stattdessen gibt es eine kleine, eingleisige Bahnstrecke, die vom Dessauer Hauptbahnhof nach Wörlitz fährt. Diese galt es rechtzeitig zu erreichen, da sie nur alle zwei Stunden fährt. So ging der Weg zum Bahnhof Waldersee. Am Weg lag auch die Dorfkirche Jonitz, in der Fürst Franz begraben liegt. Auffällig ist der Kirchturm, der mit einem Obelisken abgeschlossen ist… Ich habe bekanntlich schon viele Kirchen gesehen, aber diese Bauweise war mir komplett neu. Der Zug – oder eigentlich ist es ja nur ein Wagen – kam pünktlich und brachte mich in etwa 30 Minuten nach Wörlitz. Eine Station war auch Oranienbaum, wo es ebenfalls eine Parkanlage mit Schloss gibt… Diese fiel jedoch dem zu kleinen Zeitrahmen zum Opfer.
Ich hatte mir für den Tag eine digitale Welterbekarte gekauft – damit kommt man fast überall umsonst rein, und auch die Eisenbahn ist mit dabei. Ansonsten kostet eine Strecke recht üppige 12 €. Als ich dann im Wörlitzer Park ankam, sah ich, dass um 13:00 Uhr eine öffentliche Parkführung stattfindet… Ich schaute auf die Uhr: 12:55 – warum nicht? Mit der Karte kostet es ja nichts. Und somit begab ich mich für die nächsten zweieinhalb Stunden in die Obhut einer älteren Dame, die mich zusammen mit etwa zehn anderen Leuten (ich war mit Abstand der Jüngste…) durch den Park führte.

Der einzigartige Turm der Dorfkirche Jonitz

Die Dessau-Wörlitzer Eisenbahn

Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich ist eine Kulturlandschaft von internationaler Bedeutung. Auf insgesamt 142 Hektar Gartenfläche kann man überwiegend im englischen Stil angelegte Landschaftsparks besichtigen. Die meisten Anlagen stammen aus der Zeit von Fürst Leopold III., im Volk damals „Fürst Franz“ oder auch „Vater Franz“ genannt. Der progressive Regent war Anhänger der Aufklärung und hatte sich zur Aufgabe gemacht, sein Land zu reformieren, Bildung zu fördern und religiöse Minderheiten zu tolerieren. Barocke Architektur und Gartenarchitektur lehnte er ab und ließ Parkanlagen schaffen, die im englischen Stil und im Einklang mit der Natur gestaltet wurden.
Die Bauwerke in diesen Anlagen sind frühe Werke des Klassizismus und erste Beispiele des historistischen Stils. Die Parks standen bereits zur Zeit ihrer Erbauung dem gemeinen Volk offen – ebenso die Schlösser (zumindest zeitweise). Die Gärten gehen meist unauffällig in die natürliche Landschaft der Elbwiesen über. Seit dem Jahr 2000 gehört das Dessau-Wörlitzer Gartenreich zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Folgende Anlagen sind Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs:
Schloss Wörlitz mit Wörlitzer Park
Gotisches Haus im Wörlitzer Park
Schloss Oranienbaum
Schloss Mosigkau
Schloss Luisium
Schloss Großkühnau
Schloss Georgium (hier ist die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau untergebracht)
Der Park am Sieglitzer Berg

Das Schloss Wörlitz als Zentrum der Parkanlage
Schloss und Kirche von Wörlitz vom anderen Ufer

Die Führung war auf jeden Fall sehr interessant, und ich bin jetzt um ein Vielfaches schlauer als vorher. Ob ich die Führung nochmals machen würde, weiß ich allerdings nicht. Zwei Stunden waren veranschlagt, etwa zweieinhalb wurden es… Die Temperaturen lagen bei etwa 28 Grad, und die Sonne meinte es gut. Man musste immer wieder warten, bis die Gruppe komplett war – und eigentlich sind meine Reisen ja dafür da, dass ich schön mit mir selbst bin… Aber so war es auch gut. Allerdings war danach bei mir etwas die Luft raus – vielleicht zu viel Sonne.
Ich hatte noch anderthalb Stunden Zeit bis zur Rückfahrt, also kehrte ich erst einmal in die Gastwirtschaft im Küchengebäude ein und stärkte mich mit gutem Essen und zwei Bierchen, wobei das erste davon gleich auf der Zunge verdampfte.

Blick zum Venustempel
Das Gotische Haus als Sichtachse

Dann fuhr der Zug zurück… und wenn er nicht alle paar Minuten hätte hupen müssen, wäre ich wahrscheinlich eingenickt. Zurück in Dessau ging es abends in ein Irish Pub namens Shamrock. Es befindet sich im Rathaus, ist quasi ein Ratskeller. Ich freute mich auf Guinness, und sie hatten Murphy’s – aber das war aus. Passend zum Wetter fiel die Wahl dann auf Cider, was auch mal schön war.
Das Pub selbst war stockfinster, alle Gäste saßen draußen… komischer Laden. Aber allzu lange wollte ich eh nicht machen, da ich am nächsten Morgen mit dem 08:00-Uhr-Zug nach Hause fahren wollte. Das ist dann auch so gekommen, und 43 Stunden im Dessau-Wörlitzer Gartenreich waren vorbei. Ein Tag mehr wäre in diesem Fall hilfreich gewesen – dann hätte ich alle Stationen besuchen können. Auch der Wörlitzer Park ist noch viel größer als das, was ich gesehen habe… das bietet also durchaus noch die Möglichkeit für ein oder zwei Tagesausflüge. Die Bauhaus-Sachen stehen ja auch noch aus. Vom Heimatbahnhof Berlin-Gesundbrunnen bis Dessau Hauptbahnhof sind es keine zwei Stunden.
Insgesamt hat es Spaß gemacht. Die Stadt Dessau ist jetzt nicht wirklich der Hingucker, aber die Anlagen des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs lohnen sich auf jeden Fall. Mein Dank gilt Nina, die während der Zeit meine Arbeit mitmachen musste.

Blick auf Synagoge (links) und Kirche (rechts), Goldene Urne (vorn)
Die Wörlitzer Kirche
Graues Haus, späteres Wohnhaus der Fürstin