McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn (April 2022)

Meine zweite Reise des Jahres führt mich in eine von mir noch komplett unerschlossene Gegend : Rheinland-Pfalz… mit einem kleinen Abstecher nach Hessen (Whisky Fair Limburg)… eine Ecke Deutschlands in der hauptsächlich Wein serviert wird und alles noch ein wenig deutscher als Deutsch ist… meine Residenzstadt ist Koblenz… eine der ältesten Städte im Land und schön soll es dort auch sein…
Dann ging startete ich heute etwas früher, da ein paar mehr Kilometer als zuletzt zu reisen sind… 8:25 vom Gesundbrunnen ging es los… via Köln… mit komplett überfüllten Zug, fehlenden Wagen, technischen Störungen unterwegs das der Anschlusszug in Köln nicht mehr zu erreichen wäre… der hatte aber auch 30 min Verspätung und alles war wieder gut… schon Abenteuer aber letztendlich angesichts der Probleme auf der Welt… in den Skat zu drücken.

...treffen sich zwei Flüsse... Vater Rhein (rechts) und Mutter Mosel
Das Wort Kaiserwetter wird eher Enkel Wilhelm II. zugeschrieben...egal

Hier angekommen ging es in das bahnhofsnahe Hotel Jan Van Werth… 5 Nächte mit Frühstück für 310€… dazu noch eine strategisch sehr gute Lage… dachte ich mal nicht viel falsch machen zu können… und (Stand abends)… hab ich wohl auch nicht… kein Luxus (was soll ich damit) aber klein, fein und sauber. Danach ging es los zur ersten Erkundungsrunde… aber nach 10 min ging es erstmal zurück ins Hotel… die Kleiderordnung mußte dem Wetter angepasst werden… Jacke aus und Mütze auf… die Sonne brezelte so richtig los… es folgte ein Spaziergang durch die Fußgängerzone (gähn)… zur Mosel, auf die Balduinbrücke… benannt nach einem zumindest für seine Zeit (1285-1354) recht progressiven Erzbischof und Kurfürsten… am Peter Altmann Ufer (hat nix mit dem Ex-Wirtschaftsminister zu tun) zum deutschen Eck. Das Deutsche Eck ist eine Art künstliche Mole am direkten Zusammenfluss der Flüsse Rhein und Mosel… dominiert von einem gigantischen Reitermonument von Kaiser Wilhelm I. Der Name Deutsches Eck kam aber viel früher… als es ein Deutschland im weitesten Sinne noch nicht gab… als der Deutsche (Ritter)Orden dort eine Niederlassung erwarb. Bei so viel Kaiser (Wilhelm) konnte auch das Wetter nicht viel anders als sich dem anzupassen… das wird dieses Jahr das zweite blaue Album werden.

Basilika St. Kastor... atommüllfrei übrigens...
Im Inneren eines sehr alten Bauwerkes

Nach dem Wilhelm seinem Eck ging es an den ältesten Ort der Stadt: die Basilika St. Kastor… prominentes Beispiel der Romanik im Rheingebiet… Ursprünge bis ins 9. Jahrhundert… ganz schön alt… drinnen übte jemand mit der Orgel… ich bin nicht sicher ob alles so sollte… es waren interessante und fast psychedelische Momente dabei… der Reiz bei diesen alten romanischen Sakralbauten ist die relativ bescheidene Größe im Gegenteil zu spätromanischen oder gar gotischen Bauten des späteren Mittelalters. …raus aus der Kirche, rein in den Biergarten… der stand da halt rum und ein Hefeweizen hat den Vorteil das es einmal im Jahr lecker ist und ich kein zweites brauche…rülps… und weiter durch die Stadt und erstmal wieder ins Hotel frischmachen.

...gefühlt war das ein Kubikmeter Essen... und zwar leckeres... Altes Brauhaus

Dann zum Thema Gastronomie… für heute hatte ich mir das „Altes Brauhaus“ ausgesucht… zwar wird dort entgegen meiner ursprünglichen Annahme kein Bier gebraut, dafür aber lokales Bier ausgeschenkt und dazu noch äußerst zünftiges Essen gereicht… puh… der Bauch war voller leckerer Biere und Speisen… durchaus zu empfehlen. Ein Absacker war noch drin… gleich nebenan in einem Pub namens Schiffchen… und da wurde ich seltsam melancholisch… der Laden hatte alles wie das Offside vor etwa 15 Jahren… verqualmt, Dart, gut 100 Whiskys, die Musik rockig und etwas zu laut, etwas zu dunkel… aber sehr herzlich… da muß ich nochmal rein… heute passte nix mehr in den Bauch… und morgen ist ja auch noch ein Tag… da wird Koblenz genauer untersucht, fürs erste sieht es aus als ob wir Freunde werden könnten…

Nostalgischer Absacker im Schiffchen...

McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn Tag 2

Nach der ersten Nacht und dem ersten Frühstück gibt es noch immer nichts zu beanstanden was das Hotel angeht… war eine gute Wahl… Etwa 10 Uhr ging die Tagestour los… als erstes ging es Richtung Rheinufer wo das Kurfürstliche Schloss dominiert. Das Schloß wurde im Stil des französischen Frühklassizismus Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Es ist deshalb etwas seltenes, weil nach der französischen Revolution kaum noch größere Adelshäuser gebaut wurden… Im zweiten Weltkrieg wurde das Schloß schwer getroffen und später im Äußeren originalgetreu rekonstruiert. Die Innenräume werden heute überwiegend als Büroräume von Bundesbehörden genutzt. Sehr gelungen sind die Wege hinterm Schloß entlang des Rheins mit alten Denkmälern und einigen etwas albernen Statuen neuerer Zeit.

Das Kurfürstliche Schloß mit Joseph Görres Denkmal
Das Preussische Regierungsgebäude

Das nächste Gebäude was auffällt ist so eine Art historistische Trutzburg… wie man zu Zeiten Kaiser Wilhelms halt gebaut hat… man ließ gerne die deutsche Vergangenheit wieder aufleben… heraus kam in diesem Falle das preußische Regierungsgebäude… erbaut 1902-1905… also in der Zeit von Wilhelm II. Sein Großvater Wilhelm I. lebte übrigens viele Jahre (bevor er König und Kaiser wurde) in Koblenz… er war hier Generalgouverneur der rheinischen Provinz… somit bekommt das Reiterstandbild am deutschen Eck etwas mehr Bedeutung als die meisten der tausenden Wilhelms-Denkmäler die damals in ganz Deutschland errichtet wurden. Nach dem protzigen Regierungsgebäude (was übrigens nicht zerstört wurde) kam dann das nächste Ziel des Tages : die Seilbahn über den Rhein zur gegenüberliegenden Festung Ehrenbreitstein. Leider war die Schlange zu lang für mich (meine Zeit mit Anstehen erledigte ich in meinen ersten 21 Jahren in der DDR… heute brauche ich das nicht mehr 😉 …einfach in einer Stunde nochmal schauen war der Plan.

Liebfrauenkirche von außen...
...und innen...

So ging ich stattdessen noch ein wenig in die Altstadt spazieren und besichtigte z.B. die Liebfrauenkirche, welche im Kern wie die Kastorkirche sehr alt ist. Die heutige Erscheinung ist romanisch (Schiff), gotisch (Chor) und barock (Zwiebeltürme). Die Kirche würde schwer zerstört und wieder aufgebaut, das Interieur jedoch für eine katholische Kirche fast schon schlicht. Gegen 12 machte ich den nächsten Versuch mit der Seilbahn aber statt weniger waren es nun deutlich mehr Interessenten am Ticketschalter… da erinnerte ich mich das man Karten online kaufen kann… also Planänderung… erstmal Mittagessen bei einem Laden namens Salatbar in der Nähe des Bahnhofs… es gab Minestrone und Saft (damit hier nicht der Verdacht aufkommt ich verbrauche bei meinen Entdeckungsreisen Herden von Tieren)… sehr lecker, der Laden hat nur von 11 bis 3 geöffnet und freut sich bei den Einheimischen höchster Beliebtheit. Danach kurz ins Hotel was eh auf dem Weg lag, schnell eine Online Karte gekauft und damit ohne anstellen zur Seilbahn.

Interessantes Mauerwerk auf der Festung
Das Deutsche Eck von oben

Die Überfahrt dauert etwa 5 Minuten… ein Return-Ticket kostet 13,90€, legt man noch 4€ drauf ist der Eintritt für die Festung Ehrenbreitstein mit dabei. Bei schönstem Wetter war das heute eine sehr gute Idee, ich verweilte länger auf dem Gelände der Festung ohne mir aber die zahlreichen Ausstellungen anzusehen. Dann ging es wieder abwärts… ich habe das übrigens auch gefilmt.

Nach noch etwas Schlendern durch die Altstadt und einem Eis von einer Bude wo immer viele Leute anstehen (das hab ich auch damals gelernt… wo Leute anstehen muß es etwas gutes geben)…und das Eis von eGeLosiA ist in der Tat sehr lecker… man kann auch in den Produktionsteil schauen…

Das Tagesprogramm war damit auch erledigt und ein großer Teil dieses Artikels wurde dann im Hotel verfasst. Das Abendprogramm sah ab 20:00 Uhr eine Verabredung im Irish Pub Koblenz vor… vorher mußte noch feste Nahrung her. Die Wahl fiel heute auf eine unkonventionelle Pizzeria mit Craftbeer Ausschank: 3 Hefen. Es gibt dort Bier der Vulkan Brauerei und anderen kleinen Herstellern. Die Pizza „Bella Burn“ mit u.a. saueren Zwiebeln und hausgemachter Chilisauce war eine der besten Pizzen der letzten Jahre… auch wenn ich kurz vorm Abbruch wegen der Schärfe war… das Bier war gut… der Service…ähnm… ausbaufähig… nix gegen die (einzige) Bedienung, aber in der Zeit hätte ich locker drei Bier mehr geschafft (die hatten nur 0,3l Gläser)… und… naja… es war dafür lecker.

Niederländisch/Deutsch/Irisch Pub Verbundenheit... mit Hubertus Winkelmolen und Shay Dywer

Mein Date im Irish Pub war mit Organisatoren einer Informationsplattform für Betreiber von Irish Pubs in Deutschland… im Irish Pub Koblenz ist Mittwochs Karaoke… war egal… ich wurde empfangen wie ein Staatsgast und wir hatten einigen Spaß abseits der wilden Party… ich fühle mich sehr geehrt… das muß dazu reichen… Danke Hubertus und Shay…
…war’n schöner Tach heute… morgen gehts nach auswärts…

Mit dem Bummelzug an der Mosel..

McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn Tag 3 – Trier

Für meinen heutigen Ausflug nach Trier war schon der Weg dorthin ein Erlebnis. Etwa 90 Minuten rollte der Regionalzug von Koblenz nach Trier… besonders in der ersten Hälfte stets parallel zur Mosel… verschlafene Dörfer, Burgen und Weinberge so weit das Auge reicht… wenn ich zwischen Koblenz und Cochem täglich pendeln müsste… ich würde es wohl als Privileg verstehen.

Porta Nigra zu Trier

Vom Hauptbahnhof der 110.000 Einwohner zählenden Stadt Trier sind es dann nur wenige hundert Meter bis zur wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit der Stadt : das römische Stadttor Porta Nigra. Trier kann sich mit einigen Attributen schmücken was hohes Alter angeht… so ist Trier die wohl ÄLTESTE Stadt Deutschlands… 100%ig wasserdicht ist diese Behauptung wohl nicht, aber durchaus möglich… erwiesen dagegen ist die Tatsache das Trier etwa 16 v.C. von den Römern errichtet wurde. Unter den Römern blühte die Stadt auf und im 4.Jh n.C. war Trier die größte Stadt nördlich der Alpen. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte gehörte die Stadt verschiedenen Machthabern… bereits seit dem 3. Jh. n.C. war Trier Bischofssitz … die Stadt wurde häufig zerstört und wieder aufgebaut.

Porta Nigra - andere Seite
Im Inneren der Porta Nigra

Zurück zur Porta Nigra… dieses Tor wurde ab 170 n.C. als eines von vier Stadttoren gebaut aber nie vollendet. Die anderen Tore verschwanden nach und nach, die Porta Nigra verdankt ihr Überleben einem Mönch der in dem Bau wohnte. Als dieser Mönch Simeon 1035 verstarb wurde er vom Papst heilig gesprochen und Porta Nigra zu einer zweistöckigen Kirche umgebaut. Dieser Umstand war es, das der antike Bau quasi in der Kirche konserviert blieb. Unter französischer Herrschaft in der ersten Hälfte des 19.Jh. wurde der Kirchenbau abgetragen und nach und nach das originale antike Bauwerk freigelegt. Man kann dieses besichtigen, Eintritt 4€… wandeln auf 3 Geschossene vor fast 2000 Jahren aus Sandstein und Metallklammern errichtet wurden… wunderbare Ausblicke auf die Stadt inklusive… sehr zu empfehlen.

Dom und Liebfrauenkirche zu Trier
Trierer Dom - Inneres gen Osten

Niemand sollte aber denken das diese Porta Nigra jetzt das absolute Highlight in Sachen Geschichte Architektur und Kunst war… nein… der Dom zu Trier ist die ÄLTESTE Bischoffskirche Deutschlands…(manche gehen so weit zu behaupten es wäre das ÄLTESTE Bauwerk Deutschlands… ohne Garantie allerdings)… etwa 310-320 n.C. wurde es unter dem römischen Kaiser Konstantin gebaut… davon ist heute nicht mehr viel übrig… aber immerhin… überlegt mal wie lange das her ist… seinerzeit war es die größte Kirche Europas… ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster und behaupte (im 4.Jh n.C.)… der WELT ! Die Anlage wurde natürlich im Laufe der Jahrtausenden (!) häufig verändert, umgebaut erweitert etc…. wer meinen Blog kennt, weiß das ich für Sakralbauten eine Menge übrig habe (ohne je einer Religion angehört zu haben)… und ich hab auch schon eine Menge gesehen, aber der Trierer Dom hat mich heute schwer beeindruckt… er macht nach außen nicht viel her… viel Stückwerk aus vielen Jahrhunderten… aber was es da alles zu sehen gibt… seien es nur die Toten… der olle Balduin liegt da… in einer Art Zeitkapsel der letzte Rock vom Jesus (vielleicht zumindest), dann ein herrlicher Kreuzgang den man betritt und alles ist so still… (bis dann irgend ein Kind blägt…aber egal) der Dom zu Trier… ein Erlebnis.

Der Kreuzgang zwischen Dom und Liebfrauenkirche
Beeindruckende Gewölbewelten in der Liebfrauenkirche

Dann gibt es direkt daneben bzw. mit Kreuzgang verbunden und überhaupt… quasi angewachsen die Liebfrauenkirche… deutlich jünger und kleiner… ich hatte nicht mehr viel erwartet nach dem Dom… aber diese Liebfrauenkirche ist ja noch der Oberhammer… auf einem Grundriss eines Kreuzes als Art Zentralbau mit sehr hohen Gewölben und bunten Fenstern… von außen eher das hässliche Entlein… von innen äußerst ungewöhnlich…gut gelungen… stilreine Frühgotik.

Konstantinbasilika... für die Baustelle kann ich nix 😉
Im schlichten Inneren des antiken Bauwerks

Man sollte meinen das wars aber jetzt mit altem Kirchenkram (?).. nö… es gibt noch die Konstantinsbasilika. Dieser Bau ist zumindest das ÄLTESTE Gebäude in Deutschland, was als Kirche genutzt wird. Erbaut wurde sie im 4.Jh n.C. als römische Audienzhalle, erst seit 1856 dient das Gebäude als protestantische Kirche. Eine Basilika ist es auch nicht, eher ein Saalbau… da hatte sich wohl mal jemand vertan…

Das Kurfürstliche Palais mit der Konstantinbasilika und Schlosspark
...nur so über'n Zaun fotografiert... die Kaiserthermen
Marktplatz in Trier... ein Hauch von Italien...

Direkt an diesem sehr alten Bau ist das Kurfürstliche Palais für die feinen Wasserpredigenten Bischöfe zu bewundern… ein Rokoko Schloss wie es auch hätte in Potsdam stehen können… Park inklusive… geht man diesen bis zum Ende kommt man zu den Kaiserthermen… wiederum Zeugnisse römischer Herkunft… da bin ich heute aber nicht rein… vielleicht nächstes mal… stattdessen ging es zurück in die Altstadt… erstmal Mittagessen… draußen… war lecker und ich hatte ein italienisches Feeling… Trier hat durchaus etwas südländisches… Danach schlenderte ich noch hier und da etwas rum… aber das sollte es auch gewesen sein… etwas früher als geplant fuhr ich dann nach Koblenz zurück… die gleiche schöne Strecke… die aber eigentlich nur zwischen Koblenz und Cochem so richtig Weltklasse ist.

Später gab es dann noch Bier im Pipers Corner… meine Blutgruppe ist ja eigentlich G (wie Guinness)… aber Murphys ist immerhin nicht untrinkbar und hatte mir heute auch nix geschadet… der Laden war gut besucht und auch hier dachte ich an das Offside etwa 15 Jahre früher… da wurde auch geraucht, Whisky war viel da (aber noch im Rahmen) und keine irische Dudelmusik… müsste ich jetzt hier leben, das Piper wäre eine Option für was Längerfristiges… Morgen geht es an die Lahn…

...fast ein Guinness... aber immerhin...

McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn Tag 4 : An der Lahn

Der heutige Tag hat mich selbst zum Nachdenken angeregt ob ich zu mir selber eventuell etwas zu arrogant bin oder nur naiv… Ich hatte mir im Vorfeld folgendes Programm ausgesucht: 10 Uhr Start vom Koblenzer Hauptbahnhof, Burg Lahneck, Rhein-Lahn-Mündung, (dafür insgesamt 2 Stunden), Burg Nassau (eine Stunde), Kloster Arnstein & Goethepunkt Obernhof, Schloss und Stadt Diez… dann langsam zurück… Im Nachhinein muß ich drüber lachen… denn das schafft kein Mensch… aber gut, Station 1 : Burg Lahneck.

Burg Lahneck - Rokokozimmer mit altem Fritz an der Wand
Die Burg Lahneck in Lahnstein an der... genau... Lahn
In der Küche... wenns schnell gehen mußte wurde der Topf einen Zacken zugelegt...
Burgkapelle mit Marmorboden aus der Gegend

Von der Station Niederlahnstein ist es ein Fußmarsch von etwa 30 Minuten wobei die letzten paar hundert Meter steil aufwärts gehen (bekanntlich nicht mein Steckenpferd) Vor mir lief eine Familie mit Oma die auch nicht so schnell war… ich brauchte nicht zu überholen… war aber pünktlich 11 Uhr zur Führung oben. Die Burg Lahneck, strategisch günstig an Rhein und Lahn gelegen, wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Im 30jährigen Krieg wurde sie beschädigt, aufgegeben und lange Zeit dem Verfall preisgegeben. Eine schottische junge Künstlerin soll 1851 auf dem Turm verdurstet sein da die morsche Treppe nach dem Aufstieg hinter ihr zusammengebrochen war. In der zweiten Hälfte des 19.Jh. wurde die Burg wieder flott gemacht und ist bis heute im Privatbesitz… zeitweise sogar bewohnt. Besichtigungen sind nur mit Führung möglich… diese war sehr gut und vor allem interessant.

Das Pendant zur Burg : Schloß Martinsburg am Rhein
Zusammenfluss von Rhein (oben) und Lahn... im Hintergrund Burg Stolzenfels

Danach wählte ich einen anderen Weg zurück nach Lahnstein in der Annahme noch ein paar gescheite Fotomotive zu erhaschen… dem war nicht wirklich so… erst als ich ganz unten am Rhein angekommen war wurde es wieder interessant. Da war das Schloss Martinsburg… damals vom gleichen Bauherren wie die Burg Lahneck als Zollburg am Rhein gebaut. Auf der anderen Rheinseite thront die Burg Stolzenfels… immer wieder ein schönes Motiv. Nach einem kleinen Picknick ging es dann zur Lahnmündung… verglichen mit der von der Mosel am deutschen Eck wirkt dieser Zusammenfluss zweier bedeutender Flüsse eher bescheiden. Plötzlich fiel mir auf das der Zug gleich kommt… einen Aufenthalt von einer Stunde bis zum nächsten war nicht zu akzeptieren, so das ich im Laufschritt (!) zum Bahnhof zurück bin… hat geklappt… aber nur weil der Zug Verspätung hatte, außerdem war ich auf dem falschen Gleis… was einen weiteren Sprint bedeutete… zum Glück ist Maskenpflicht im Zug, so das man nicht so gesehen hat wie ich hyperventiliert habe… Es war nun schon eh später als geplant und so wurde die nächste Station, Burg Nassau gleich mal gestrichen. Stattdessen stieg ich eine Station weiter in Obernhof aus.

Kloster Arnstein auf dem nächsten Berg
Romanik und Gotik vereint - Klosterkirche Arnstein

Dort war die Klosterkirche Arnstein das Ziel. Diese steht genau wie eine Burg auf einem Berggipfel und sieht vom weiten ziemlich imposant aus…bisschen wie der Limburger Dom in klein … gerade erst wieder bei normaler Atmung ging es zum nächsten Anstieg. Die Kirche, die mittlerweile ein griechisch orthodoxes Kloster ist war geöffnet, der Laden mit Kaffe, Kuchen und Erfrischungsgetränken leider nicht, da heute orthodoxer Karfreitag war… wieder bergab sah ich auf der Landkarte einen Goethepunkt… angeblich soll der junge Goethe mal da gewesen sein… es ist ein Aussichtspunkt… ziemlich weit oben. Wegweiser und digitale Karten widersprachen sich aber teilweise, so das ich unnötig weit und hoch war (lechts…), der richtige Punkt aber noch weit weg und nochmal 100m höher… ich hatte einen anderen schönen Aussichtspunkt mit einer kleinen Bank, taufte ihn Schillerpunkt und beließ es dabei. Wieder zurück im Tal hatte ich noch einige Zeit bis zum Zug und erreichte den rettenden Campingplatz… der hatte nämlich Bier… und ihr glaubt ja nicht wie das gezischt hat… 17.00 Uhr war ich dann zurück in Koblenz und frage mich wann ich die beiden anderen Stationen eigentlich hätte machen sollen… mal sehen ob ich morgen Muskelkater habe…

Aussicht vom selbsternannten Schillerpunkt
Der Wilhelm bei Nacht... der Regenbogen... keine Ahnung...

Abends gab es heute nichts neues zu erkunden… nachdem ich mich bei meinem alpinen Tagesprogramm ausschließlich von Mini-Wienern und Krautsalat von Aldi (Süd!) sowie Koblenzer Rohrperle aus meiner Trinkflasche ernährt hatte… musste nun etwas amtliches her… das amtliche Essen hatte mir am Dienstag im Brauhaus am besten gefallen, so kehrte ich heute da nochmal ein. Als ich den Laden betrat sah ich das es dermaßen knüppeldicke voll war das ich mir unsicher war ob das was wird… aber die Chefin persönlich organisierte mir einen (Not)platz nahe der Toiletten… als Einzelgast kann ich gut mit sowas leben… hab auch ein wenig drauf spekuliert das mir die Leute ein paar Münzen auf den Teller legen… Das Essen (Sauerbraten ist definitiv einer meiner Leibgerichte) war riesig und vollumfänglich gut, das Bier auch… das Partyvolk im Laden … hätte es bei uns garantiert nicht ansatzweise gegeben… wir wissen nur zu gut, warum wir Junggesellenabschiede und ähnlichen Quatsch nicht akzeptieren… bemerkenswert fand ich das niemand eingeschritten ist, egal wie laut und ordinär die waren… aber egal… ich hatte meinen Hunger deutlich überwunden und trinken wollte ich eh woanders… Erst mal mussten jedoch ein paar Nachtaufnahmen her… dazu kam ich bislang noch nicht… also nochmal ans Deutsche Eck und St.Kastor… naja… geht so… Dann musste ja noch der Eisenhaushalt aufgebessert werden und dafür ging’s ins Irish Pub… ich wollte ja da auch noch mal etwas selber bestellen was mir neulich nicht gelungen war 😉 …erkannt wurde ich trotzdem, trinken und auch bezahlen zum Glück auch… auch dort war Freitagsparty mit Partyvolk… das ist nicht schlimm… eher normal, aber nicht umsonst lege ich meine Städtereisen von Dienstag bis Freitag… Wochenende lieber im eigenen Pub… Spaß gemacht hat das im Irish Pub Koblenz trotzdem… die machen gute Arbeit… sind allerdings eher mit den großen Irish Pubs (Europacenter, Hackischer Markt etc.) von Berlin zu vergleichen…quasi Offside x 5 oder so. Jo… dann neigt sich die Ära Koblenz langsam dem Ende entgegen… aber morgen gehts erstmal nach Limburg…

...fast wie zuhause...

McLarsen an Rhein, Mosel und Lahn Tag 5 : Whiskyfair Limburg

Das letzte Kapitel der Reise ist schnell geschrieben… kurz nach 10 ging es mit dem gleichen Bummelzug wie gestern nach Limburg. Die Whisky Fair ist die bedeutendste Messe in Sachen Whisky in Deutschland seit vielen Jahren…2002 fand sie zum ersten mal statt, damals noch im wesentlich kleineren Rahmen in einem Ort nicht weit von Limburg. Parallel zur wachsenden Maltwhisky Begeisterung expandierte die Messe schnell und fand später in der gar nicht so kleinen Stadthalle in der Domstadt Limburg statt. Der Fokus liegt bei unabhängigen Abfüllen und Whiskygeschäften… die großen Industriefirmen wie Diageo oder Pernod-Ricard sind selbst nicht vertreten, ihre Produkte aber bei zahlreichen Händlern durchaus. Als ich vor fast 10 Jahren zum ersten mal in Limburg war, war ich schnell begeistert und seitdem ist diese Veranstaltung für mich Pflichtprogramm aus mehreren Gründen…natürlich hauptsächlich der persönliche Kontakt zu Kollegen und Herstellern, die einzigartige Atmosphäre in dieser knuffigen alten Stadt und… vielleicht das wichtigste… das Miteinander mit Gleichgesinnten zum Thema Whisky… vor Corona war ich zumeist zweimal im Jahr in Limburg weil hier auch traditionsgemäß das (Whisky)forumstreffen vom Cuts Sark Forum stattfand oder vielleicht auch wieder findet…meistens hat man sich im kleinen Kreis vorher getroffen und … wie auch immer… aber den Großteil der besten Whiskys die ich je im Glas hatte, erlebte in in Limburg. Nach zwei Jahren Pause war es heute wieder soweit… die Stimmung war gut, allgemein herrschte die Meinung das vor Corona mehr Lametta war… aber alle waren happy sich mal wieder zu sehen und sich mal wieder auszutauschen. Ich möchte mich an der Stelle sehr herzlich bedanken für die vielen leckeren Tropfen die in meinem Glas gelandet sind… sei es von den Ausstellern als auch von den Whiskyfreunden… (ich sage nur Port Ellen Sherryfass… Wuko und Bettina… oder Redreast 30y… Seb… Bunna Moinhe… Kerstin & Frank… es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Der Rest vom Tag war unspektakulär… ich war noch was essen, hab noch ein paar Murphys im Piper gezogen und erwarte morgen das blaue Wunder namens Deutsche Bahn… meine Fahrkarte mußte wegen einer Fahrplanänderung umgebucht werden… der Sitzplatz ist damit weg… und wenn die Bahn schon selber ankündigt „Außergewöhnlich hohe Auslastung“… dann habe ich eine Vorahnung was mich morgen erwartet… schauen wir mal… ich werde das als Nachtrag mit einem kurzen Fazit in dem Blog ergänzen… das kann aber ein paar Tage dauern… bis dahin Danke fürs mitlesen… war ja auch begeistert das mich gefühlt jeder zweite auf der Messe darauf angesprochen hat 😉

Nachtrag

Nun war ich ja schon auf das Schlimmste vorbereitet… und es war schlimm… die Rückfahrt. Es begann mit einer halbstündigen Verspätung des ersten Zuges… Umsteigezeit war 13 min… ich bin dann gleich in drei Regionalzügen und einem IC weitergefahren, die waren zwar auch voller als sonst aber ich konnte immer sitzen… und wenn es an einem der drei WCs war, die verstopft waren. Im IC von Minden nach Gesundbrunnen bekam ich auch anstandslos einen Sitzplatz und freute mich wie Bolle… dann kam die Durchsage das es eine Weichenstörung gibt… dann waren es nochmal 55 Minuten Stillstand auf dem Bahnhof Bückeburg… immerhin mit Sitzplatz… neben uns hielt ein ICE nach Hamburg, der war derartig überfüllt… da hätte ich nicht sein wollen. Auch das ging vorbei und 20:30 war ich dann zuhause… macht 9,5 Stunden für den Rückweg.
Aber davon mal ab, es war ein wunderbarer Kurztrip. Es ist eine wunderbare Gegend mitten in Deutschland… Koblenz ist eine coole Stadt und ich hätte auch dort noch einige Läden abarbeiten (ob das das richtige Wort ist 😉 ) Im Juni geht es wieder auf Achse, diesmal wieder eher im Nordteil der Republik… bis dahin vielen Dank für den enormen Zuspruch über meine Notizen…

...bis zum nächsten Ausflug...