McLarsen’s Schottlandtour 2016: Skye, Mull & Dufftown

McLarsen 2016 live aus Schottland

Tag 1 – Auf ins gelobte Land: Schottland ist von der Fläche her etwas größer als Bayern, etwas kleiner als Tschechien und hat etwas weniger Einwohner als Berlin ind Brandenburg zusammen. Ich war jetzt glaube ich 8 mal in Schottland und habe immer noch lange nicht alles gesehen, nein ich bin davon noch sehr weit entfernt… und das ist auch gut so (wie man in Berlin gelegentlich sagt). Meine Reise in diesem Jahr hat zwei Schwerpunkte, die in der Beliebtheitsskala ziemlich weit oben stehen: Skye und Mull. Beides sind Inseln an der Westküste in den inneren Hebriden, alles andere als Flachland und landschaftlich und geschichtlich höchst interessant. Meine bisherigen Reisen drehten sich überwiegend um das Thema Whisky. Auf Skye und Mull gibt es nur je eine Distillery, diese werden natürlich besucht, aber das Thema Whisky steht diesmal nicht im Vordergrund. Ich möchte mich von Land und Leuten einfach treiben lassen. Zum Abschluß der 14 Tage geht es dann noch kurz zu einem Abstecher nach Dufftown zum Speyside Autumn Festival. Dort wird es dann freilich etwas konzentrierter um das Wasser des Lebens gehen.
Vor einem halben Jahr wurde alles geplant, gestern nun ging es los. Um 07:05 startete in Berlin Tegel via London die Reise nach Inverness. Die Stadt im Norden Schottlands schien mir strategisch am günstigsten, der Weg nach Skye ist etwa 3 Stunden und von Dufftown zurück nur etwa eine Stunde. Das Wetter in Berlin war zu der Zeit außergewöhnlich heiß, über 30 Grad zu Mitte September ist schon ungewöhnlich. Auf allen bisherigen Schottlandreisen war mir das Wetter stets hold und nicht selten brachte ich einen Sonnenbrand mit zurück. Nach der Landung in Inverness hieß es diesmal allerdings Jacke raus und Mütze auf, schottisches Wetter eben. Ich nahm meinen Mietwagen in Empfang und ab ging es Richtung Skye. Die Route ging über die Kessock Bridge bei Inverness, einem durchaus eindrucksvollem Bauwerk, welches vom deutschen Architekten Hellmut Homberg in den späten 1970ern entworfen wurde. Da ich es nicht eilig hatte, hielt ich öfters mal unterwegs an, um ein paar Schnappschüsse in der Landschaft zu machen. Auch an den Rogie Falls, einem schönen Wasserfall wurde kurz pausiert.

Rogie Falls nahe Inverness

Während des Streckenverlaufes wurde die Straße öfters mal Single Track Road, was schon überraschen kann, wenn man gerade nicht damit rechnet. Insgesamt war es eine gemütliche Fahrt und kurz vor der Skye Bridge klarte der Himmel auf und ich wußte…, klappt schon wieder mit dem Wetter…

Skye aus der Ferne

Häufig habe ich schon gehört, das Skye unter den zahlreichen Perlen schottischer Landschaften ein besonderes Juwel sein soll, die Schotten selbst sagen das auch… Bereits von weitem konnte ich dieses auch erahnen. Berge, die wie aus dem Nichts mit 700 – 1000 m aus dem Meer ragen kennt man ja von der gesamten Westküste, die von Skye wirken vom weiten etwas größer und von den Formen teils bizarrer. Nährt man sich der Hauptstadt Portree, sieht man von der Distanz den Old Man of Storr, die wohl bekannteste geologische Ausnahmeerscheinung der Insel.

The Old Man of Storr & Portree aus der Ferne

Als Unterkunft dient mir das Culbeg House, 10 min Fußweg vom Ortskern entfernt. Bereits im März waren sämtliche zentralere Unterkünfte bereits ausgebucht, so heißt es also immer etwas laufen nach dem Bier. Die Unterkunft ist sehr gepflegt, das Einzelzimmer hat eine ausreichende Größe und das wirklich tolle Badezimmer liegt separat 1,5 m durch den Flur, ist aber exklusiv für dieses Zimmer.
Als ich gestern hier eintraf, hatte ich erstmal etwas Hunger. Leider gab es nicht viel Auswahl zwischen Mittagessen und Abendbrot, also erstmal in den Supermarkt und ein Sandwich auf die Hand. Was mir in Portree sofort aufgefallen ist, sind die vielen Touristen, abgesehen von Edinburgh war ich diese in Schottland bislang nicht in dieser Menge gewohnt. Vor dem Youth Hostel standen mindestens 30 Asiaten mit Koffer und auch so hört man allmögliche Sprachen auf der Straße. Am frühen Abend gelobte die einsetzende Dämmerung einige schöne Fotomotive, die ich dann auch noch schnell einfangen konnte.

Twilight Portree

Danach gab es noch Bier und einen dram in der Merchants Bar und ich stellte fest, das ich für den Tag genug hatte. Zuhause geb es noch einen leckeren Talisker von 1974 und dann ging es ab ins Bett. Das Culbeg House ist übrigens sehr hellhörig, als ich meinen später kommenden Zimmernachbarn später furzen hörte, überlegte ich mir kurz kontern… ähmn nein, der hatte bestimmt Spaß mit meiner Schnarcherei…

Misty Morning Mountains

Tag 2 : Talisker, Dunvegan und etwas Regen  Tag 2… das war ein Mittwoch und er begann wie wohl zu 95% auf diesem Planeten mit : Frühstück. Das Culbeg House wird bei visitscotland mit 5 von 6 Punkten empfohlen. Im gestrigen Post erwähnte ich bereits, das es hier sehr gepflegt und sauber ist, mit Einnahme des Frühstücks verstehe ich auch den letzten Stern dabei, das ist nämlich erstklassig. Man kann, wie anderswo auch seine Wünsche gerne voranmelden und bekommt ein wunderbares britisches Frühstück. Das Bonbon dazu sind handverlesene Früchte, ein Schnapsglas voll von sowas wozu man Smoothie sagt (oder so, jedenfalls flüssiges Obst, selbstgemacht) und noch einige kleine Details, die den Unterschied zu anderen Unterkünften machen. Die Herbergsmutter Liz und ihr Mann (beide sicher jenseits der 60) sind überhaupt sehr nett und ich möchte eine ausdrückliche Empfehlung für Culbeg hier in Portree aussprechen.
Nach der morgentlichen Stärkung ging es erstmal zur einzigen Whiskybrennerei auf der Insel : Talisker. (…ich kann es hören… das war jetzt mindestens 10 x : „Typisch“)…

Sligachan Bridge

Auf dem Weg dorthin machte ich wieder hier und da Halt und erwischte die Landschaft in Hochform, mitsamt Wolken, wie maßgeschneidert für das Fotoalbum unter der Rubrik „Highlands am Morgen“. Die berühmte Sligachan Bridge, eine alte fotogene Steinbrücke mußte auch noch für ein paar Fotos herhalten, aber bereits zu diesem Zeitpunkt sagte mein Hinterkopf: mach ein paar Bilder, aber später nochmal herkommen …bei besserem Wetter… oder so ähnlich…

Im Stillhouse von Talisker
Talisker Impressionen

Weiter ging es nach Carbost, der Heimat von Talisker, eine der berühmtesten Brennereien Schottlands. Zu Talisker habe ich ein etwas gespaltenes Verhältnis. Der allerbeste Maltwhisky den ich je im Glas hatte, war ein Talisker, auch wenn man beim lesen der Eckdaten (distilled 1955, bottled 2005 by Gordon & MacPhail) erkennen kann, das das ein wenig außer Konkurrenz war. Die größten Enttäuschungen diesseits der Originalabfüllungen waren die neuen Produkte der vergangenen (mindestens) 5 Jahre. Während man den Talisker Skye, Storm, Dark Storm oder Port Ruighe zwar ohne Alter, aber wenigstens im preislichen Rahmen hielt (trotzdem, wegen der Malts wäre ich nicht zu der Leidenschaft gekommen…), kam letztes Jahr mit dem „Neist Point“ ein ebenfalls altersloser, völlig nichtssagender Talisker, der zwar eine nette Verpackung hat, aber ein komplett unanständiges PLV zeigt. Eigentlich wollte ich heute gar keine Tour bei Talisker machen, sondern nur mal schauen, was es im Shop gibt. Da es aber in diesem Moment anfing wie blöde zu regnen (…das war so nicht abgemacht…), brachte ich das dann auch gleich hinter mich. Talisker ist Distille No.59 die ich besichtigt habe, bei Diageo ist fotografieren verboten und die Touren sind sehr auf das Mainstream Publikum zugeschnitten. Das ist legitim und ich hab dann halt undercover fotografiert, bei großen Gruppen ist das kein Problem. Für die Außenaufnahmen muß ich allerdings nochmal hinfahren, denn es hatte sich unerwartet eingeregnet… Das Wetter machte mir quasi einen Strich durch die Rechnung, viele Landschaftsaufnahmen zu tätigen, als etwas für indoor war die Alternative : Dunvegan Castle.

Dunvegan Castle

Der Stammsitz des MacLeod Clans befindet sich im Nordwesten der Insel und dient der Familie seit über 800 Jahren als Herberge. Das heutige Schloß wurde allerdings im viktorianischen Zeitraum errichtet und sieht etwas älter aus, als es ist. Für 12 Pfund kann man die gute Stube besichtigen und den großen Park gleich mit. Ich bin ja in Potsdam aufgewachsen und hatte in meinen jüngeren Jahren auch viel mit Sanssouci etc. zu tun, so das ich mich gleich etwas heimisch fühlte, obwohl das völlig verschiedene Schlösser und Gärten sind. Es hat viel Spaß gemacht, durch die Historie einer schottischen Großfamilie zu wandeln und dann durch einen großen, mit Wasserfällen etc. ausgestatteten Garten zu spazieren.

Riesensalat in den Dunvegan Gardens... natürlich (Dun)vegan...

Der Regen hat dabei nicht wirklich gestört, irgendwann war aber genug und ich kehrte in das Cafe ein, was am Parkplatz liegt. Dort gab es lecker Süppchen und dann noch Kaffee und Kuchen (…is ja Urlaub…). Danach ging es wieder Richtung Portree und ich schrieb ein wenig an diesem Blog, danach noch eine Pizza und ein paar Pints und schon ist der zweite Tag vorbei. Wenn nichts schiefgeht, folgt morgen Tag 3.

Tag 3 – Black Cuillins, Coire na Creiche, Fairy Pools, Regen: Der erste Blick aus dem Fenster verhieß heute nichts gutes, es war wieder reichlich Wolkensuppe am Himmel und der Blick auf die Wetter App verriet definitiv Regen. Nun ja, was nützt es, nachhause fahren und warten, bis die Sonne scheint, kann die Lösung nicht sein und so ging es dann nach dem Frühstück wieder auf die Piste. Erst fuhr ich nochmal zu Talisker, schließlich hatte ich gestern wegen des einsetzenden Regens gar keine Außenaufnahmen gemacht. Das ging heute sehr gut, der Himmel deutete sogar kurz an, aufreißen zu wollen (was er am Ende nicht tat aber ich wußte es zu schätzen). Von einem Bootssteg gelangen doch ordentliche Bilder. 

Der Werbespruch lautet: Talisker - Made By The Sea

Danach ging es über eine Single Track Road Richtung Black Cuilins, einem gewaltigen Bergmassiv. Teil der schwarzen Cuilins ist der Coire na Creiche, was aus dem Gälischen übersetzt so etwa „Bergkessel der Beute“ heißt. Hier fand 1601 die letzte Schlacht zwischen den Clans MacDonald und MacLeod statt.

Coire na Creiche

Ich war arg überrascht, daß ich bei meiner Ankunft dort beinahe keinen Parkplatz mehr bekommen hätte. Es war ein Menschenauflauf der mich staunen ließ. Ein Rundwanderweg war ausgeschildert, 14,5 Meilen (ca. 23 km), mit einer zu planenden Zeit von 4,5 Stunden. Das ich den kompletten Weg nicht machen würde, war schnell klar, erstens war das Wetter zumindest bedrohlich, zweitens war meine Kleidung ungeeignet, die Schuhe zwar fest, aber doch recht rutschig. Teil der Coire na Creiche sind die sogenannten Bassins der Feen, also Fairy Pools. Das sind Wasserfälle und kleine, ja…eben Bassins, alles schön anzuschauen mit kristallklarem Wasser. 

Ich kann schwer schätzen, wie weit ich gelaufen bin, aber nach etwa 40 min hatte ich genug gesehen und hatte vor allem genug von der Menschenmenge, also Dutzenden Asiaten mit Selfiesticks oder sächsischen Seniorengruppen mit Nordic Walking Sticks, Rückweg zum Auto… Da ich ja auch so schlau war, den Fotoapperat ohne Akku und Speicherkarte mitzunehmen, gab es heute auch nur Bilder vom iPhone, aber ich denke, die können sich auch sehen lassen. Im Anschluß ging es dann Richtung Dunvegan und das Dun Beag Broch war an der Reihe. Brochs sind kleine, runde Steintürme (in der Regel nur noch die Reste davon), die ca. zwischen 100 v. Christus bis 100 n. Christus gebaut wurden. Dun Beag ist gut erhalten und man kann ungehindert darin und darum wandeln. 

Dun Beag Broch
...erbaut vor etwa 2000 Jahren...

Leider setzte in diesem Moment der Regen ein, der mich ziemlich schnell einweichte. Ursprünglich sollte es danach zum Leuchtturm Neist Point und zur Ruine von Duntulm Castle gehen, aber bei dem Regen hätte das nicht viel Spaß gemacht, so ging es zum trocknen erstmal in die Unterkunft nach Portree. Ich fuhr eine Art Abkürzung über Struan, eine Single Track Road durch einsame Weiten der Insel, mit etwas passender Musik im Auto ein schönes Erlebnis. Es folgte eine kleine Auszeit (schließlich ist Urlaub…)… 17:30 ging es dann ins Isles Inn und ein ordentliches Abendbrot gab es auf den Teller, wurde auch Zeit…nach dem Frühstück… Abends traf ich mich mit Benjamin aus Augsburg, einem Forumskollegen zum Bier und einem Dram. Wir hatten uns doch viel zu erzählen und die Zeit verging wie im Flug. …, schön wars, …mal sehen, was morgen passiert…